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Spitzenküche als Spaßverderber?

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  • Spitzenküche als Spaßverderber?

    Hier mal eine subjektive Frage zur Sternegastronomie, die mich beschäftigt. Es heißt ja: Wer oft teure Weine trinkt, mag bald keine billigen mehr. Dass es sich mit dem Essen genauso verhält, war durchaus meine Befürchtung, als ich vor einigen Jahren anfing, regelmäßig die gehobene Gastronomie zu besuchen. (Als Anekdote: Eine Sternenovizin, mit der ich mal einen Abend im noch-Raue'schen MA verbrachte, sagte während einer Vorspeise begeistert/entsetzt zu mir: "Hilfe! Wie soll ich nach diesem Essen je wieder normal essen?") Die Frage ist also: Schwindet der Genuss beim "normalen" Essen, wenn man oft in Top-Restaurants isst? Oder allgemeiner: Ändern die Besuche bei Wissler &Co unsere Essgewohnheiten jenseits der Sterneküche?


    Grüße, Mohnkalb

    P.S. Meine eigene Antwort ist leider: Irgendwie stimmt das schon. Denn inzwischen törnt mich das Speisenangebot in Kneipen, mittelteuren Lokalen, Pizzerien und anderen Läden "um die Ecke" oft mächtig ab. (Und natürlich bin ich da trotzdem oft, denn - ganz abgesehen vom finanziellen Aufwand - setzten sich nicht alle meine Freunde umstandslos mit mir ins Essigbrätlein.)

  • #2
    Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
    Ändern die Besuche bei Wissler &Co unsere Essgewohnheiten jenseits der Sterneküche?
    Das tun sie! Und es wäre ja auch irgendwie seltsam, wenn diese Besuche den Gast nicht sensibilisierten und er sich mit ebensolchem Vergnügen wieder ein "Schnitzel Wiener Art" bestellt. Ich möchte wirklich nicht nur "topgastronomisch" essen, mache inzwischen jedoch einen weiten Bogen um mir unbekannte "mittelteure Lokale", denn dort wird leider allzu oft eine hochstehende Küche vorgegaukelt, die das Geld nicht wert ist. Dann sind mir eine Pizza beim Italiener oder ein "Strammer Max" in der Kneipe eindeutig lieber, was manchmal richtig lecker ist, wenn man Heißhunger darauf hat. Im Übrigen beeinflussen die Erlebnisse in der Sternegastronomie das Werkeln in der eigenen Küche.

    Gruß, Garnelchen

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    • #3
      Zitat von Garnelchen Beitrag anzeigen
      Im Übrigen beeinflussen die Erlebnisse in der Sternegastronomie das Werkeln in der eigenen Küche.
      Das auf jeden Fall. Und wie Garnelchen kann ich auch sagen, dass manches "gutbürgerliche" Restaurant mich einfach nicht mehr reizt. Umgekehrt esse ich aber auch lieber einen solide gemachten Schweinebraten als die Versuche manch schwacher *-Restaurants, die Kreationen ihrer Kollegen nachzukochen. In dieser Hinsicht sensibilisiert die Erfahrung also auch.

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      • #4
        Auf jeden Fall beeinflusst die gehobene Küche die eigenen Ansprüche. Aber ich denke nicht, dass das eine negative Entwicklung ist, sondern man sich vielmehr mit dem auseinandersetzt, was man isst. Inzwischen fällt es mir, und ich habe die gehobene Küche noch gar nicht so lange für mich entdeckt, sehr schnell auf, wenn ein Restaurant nicht frisch kocht, sondern viele Convenience-Produkte in den Töpfen landen. Dieses Qualitätsbewusstsein halte ich aber viel eher für eine gute Sache.

        Was die Essgewohnten angeht, bin ich im Übrigen immer noch sehr flexibel, achte aber auf die besagte Qualität. So liebe ich eine knusprige Pizza aus dem Holzofen, meide aber inzwischen die fade Pizza (inkl. Analogkäse und Formschinken) vom liefernden Italiener um die Ecke.

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        • #5
          Ich kann das alles nur bestätigen. Mann isst anders, man trinkt anders, man kocht anders und kauft anders ein. Man wählt auch andere Hotels, wenn man verreist. Ich denke, es ist eine logische Konsequenz, bei so einem Hobby. Und das ist gut so!

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          • #6
            Insofern sind dann doch Erlebnisse aus der Spitzenküche keine Spaßverderber, sondern Spaßerhöher , da man insgesamt bewusster isst und viel stärker auf Qualität achtet. Mademoiselle rocco nervt es allerdings zuweilen, wenn sich die Urlaubsplanung maßgeblich um das Essen dreht.

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            • #7
              Bei mir ist es genauso, wie bei den Vorschreibern. Gerade die schon angesprochene vermeintlich gehobene Küche, die es ja in Großstädten reichlich gibt, erscheint mir seitdem wahnsinnig überteuert. Ich lade viel häufiger Freunde zum Essen ein, statt mich mit ihnen auswärts zu treffen (dann meist nur auf ein Getränk), wir teilen die Kosten und am Ende haben alle Spaß und Geld gespart und in der Regel auch gut gegessen.

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              • #8
                Zitat von wi090365 Beitrag anzeigen
                Man wählt auch andere Hotels, wenn man verreist.
                So sehr ich auch allen Dingen, die die Vorschreiber geschrieben habe, zustimmen kann - in punkto Hotels ticke ich scheinbar anders. Da bin ich, aus welchen Gründen auch immer, sehr viel weniger gewillt, viel Geld auszugeben. Es ist es mir irgendwie nicht wert.

                Ein Nebeneffekt, der zum Thema Essen bislang noch nicht angesprochen wurde: Ich kann nicht in die Kantine gehen. Ist für mich ein no go. Ich sehe förmlich alle Convenience-Kübel vor mir.

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                • #9
                  @Morchel
                  Bei den Hotels sollten wir vielleicht auch die Preisspanne ein wenig definieren. Für manch einen ist ein Hotel bei 150€ Übernachtungspreis günstig, ein anderer empfindet es als teuer. Und manchmal gibt es, abhängig von Lage und Season, sehr günstige Angebote von Hotels, die eigentlich in einem deutlich höheren Preissegment liegen. Als sehr gutes Beispiel fällt mir das WestInn Leipzig ein, dass man häufig auch für unter 100€ bekommt.
                  Zuletzt geändert von MichaelStromberg; 25.03.2013, 01:36.

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                  • #10
                    Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
                    So sehr ich auch allen Dingen, die die Vorschreiber geschrieben habe, zustimmen kann - in punkto Hotels ticke ich scheinbar anders. Da bin ich, aus welchen Gründen auch immer, sehr viel weniger gewillt, viel Geld auszugeben. Es ist es mir irgendwie nicht wert.
                    Das geht mir übrigens genauso, wobei man m.E. mit etwas Suche, frühzeitiger Buchung und v.a. außerhalb von Städten sehr charmant für wenig Geld (d.h. weit unter der Schmerzgrenze von MichaelStromberg) logieren kann. Ich würde mir wünschen, dass sich eine den chambres d'hôtes in Frankreich ähnliche Kultur hier in Deutschland noch stärker durchsetzt. Die Leute, die diese B&Bs betreiben, geben sich oft eine sehr große Mühe mit dem Wiederaufbau alter Herrenhäuser, Schlösser, Bauernhöfe, usw., beim Frühstück ist oft alles außer den Backwaren selbst gemacht und der table d'hôtes ist zumeist auch ganz exzellent und gesellig. In eher abgelegenen Gegenden wie z.B. den Pyrenäen, der Ardeche oder den Cevennen, aber auch teilweise in der Provence ist es da schwieriger mehr als 80 Euro für zwei Personen auszugeben als umgekehrt.

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                    • #11
                      Kleine Anekdote hierzu: mein Chef dozierte jüngst über Erstattung von Fahrtkosten zu Fortbildungen. "...das sind 45 Euro, da kann man schon essen gehen. Naja, außer Herr ....(ich) vielleicht." Natürlich meidet man zunehmend "Fertigessen", so gibt es bei mir seit Jahren auch keine Mikrowelle mehr, keine Dosen usw. Weil mir oft die Zeit fehlt, gehe ich (eigentlich wegen der Kosten viel zu oft) abends im höheren Segment aus. Sicher auch viel zu oft "muß" ich spätabnds im Dienst beim Lieferservice bestellen, da treibts dann der Hunger rein.
                      Und ich gestehe, ich habe eine echte Schwäche für tolle Hotels, dies war aber in meinem Fall eine essensunabhängige Entwicklung, Stichwort Wellnesswochenende. Als ursprünglich Münchner hatte ich da die Qual der Wahl in Tirol...
                      Insgesamt habe ich schon den Eindruck einer deutlichen Steigerung der Lebbensqualität.

                      MkG, S. :cheers:

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                      • #12
                        Zitat von Garnelchen Beitrag anzeigen
                        mache inzwischen jedoch einen weiten Bogen um mir unbekannte "mittelteure Lokale", denn dort wird leider allzu oft eine hochstehende Küche vorgegaukelt, die das Geld nicht wert ist,
                        und dann wird ein weiterer Bogen um alles geschlagen, was irgendwie touristisch oder oberflächlich-chic aussieht (ebenso im Zweifel auch um Morchels Kantine), und ich kann

                        Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                        auch sagen, dass manches "gutbürgerliche" Restaurant mich einfach nicht mehr reizt.
                        Zitat von Garnelchen Beitrag anzeigen
                        Dann sind mir eine Pizza beim Italiener
                        - wenn sie denn

                        Zitat von MichaelStromberg Beitrag anzeigen
                        eine knusprige Pizza aus dem Holzofen
                        ist -

                        Zitat von Garnelchen Beitrag anzeigen
                        oder ein "Strammer Max" in der Kneipe eindeutig lieber, was manchmal richtig lecker ist, wenn man Heißhunger darauf hat.
                        Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                        Umgekehrt esse ich aber auch lieber einen solide gemachten Schweinebraten
                        oder hier in Franken auch mal ein Schäufele

                        Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                        als die Versuche manch schwacher *-Restaurants, die Kreationen ihrer Kollegen nachzukochen.
                        Denn

                        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                        gerade die schon angesprochene vermeintlich gehobene Küche, die es ja in Großstädten reichlich gibt, erscheint mir seitdem wahnsinnig überteuert.
                        Zitat von Garnelchen Beitrag anzeigen
                        Im Übrigen beeinflussen die Erlebnisse in der Sternegastronomie das Werkeln in der eigenen Küche.
                        Das bleibt zum Glück nicht aus, denn die Besuche der Spitzenhäuser bewirken tatsächlich, dass

                        Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                        man insgesamt bewusster isst und viel stärker auf Qualität achtet,
                        und genau dass ist ja die Wurzel des ganzen Leidens - und der Quell neuer Freuden.

                        Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
                        Natürlich meidet man zunehmend "Fertigessen", so gibt es bei mir seit Jahren auch keine Mikrowelle mehr, keine Dosen
                        (mit Ausnahme von Steckdosen und Tomatendosen, deren Inhalt ich doch gerne für Pastasaucen verwende). Ansonsten

                        Zitat von MichaelStromberg Beitrag anzeigen
                        bin ich im Übrigen immer noch sehr flexibel, achte aber auf die besagte Qualität.
                        Grüße, Mohnkalb

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                        • #13
                          ...man wird anspruchsvoller, wählerischer und die "0815-Küche" überzeugt einfach nicht mehr (wenn ich in einem Lokal beispielsweise einen Salat sehe mit Bohnen aus der Dose, war es das schon) ... aber ich habe es -trotz der hohen Preise noch nie bereut ...

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                          • #14
                            Gute Arbeit, wertes Mohnkalb; beinahe Mail Art
                            Gruß
                            s.

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                            • #15
                              Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
                              So sehr ich auch allen Dingen, die die Vorschreiber geschrieben habe, zustimmen kann - in punkto Hotels ticke ich scheinbar anders. Da bin ich, aus welchen Gründen auch immer, sehr viel weniger gewillt, viel Geld auszugeben.

                              Ein Nebeneffekt, der zum Thema Essen bislang noch nicht angesprochen wurde: Ich kann nicht in die Kantine gehen.
                              Das meine ich auch, mit den anderen Hotels. Nichts ist schlimmer für mich, als ein Urlaubshotel mit dem Frühstücksraum für 300 Gäste, und ein Abendbuffet, bei dem die Gäste ausflippen, und die Teller so voll füllen, dass sie diese kaum tragen können. Da ist mir ein kleines Hotel mit gute Küche doch ein paar Euro mehr Wert.

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