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Restaurantkritik

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  • #61
    Zitat von brigante Beitrag anzeigen
    In der heutigen FAZ schreibt JD u.a. über Restaurantkritiken im Netz. Ich stelle einen Auszug einfach mal kommentarlos hier ein:

    "(...) Aus gutem Grund, vor allem von den Köchen, verschwiegen wird auch gern, wie die Kenntnisse der Gäste (also der Internetjuroren) einzuschätzen sind. Die Feldforschung lässt grundsätzlich daran zweifeln, ob die meisten Gäste in den populären Restaurants überhaupt mitbekommen, mit welcher Qualität sie es dort zu tun haben. Für die Rückmeldungen, die bei einschlägigen Medien eintreffen, gilt dies zu einem beträchtlichen Teil ebenfalls. Dazu kommt aber noch ein weiteres Problem. Selbstverständlich gibt es Hinweise auf gute Leistungen in vielleicht bislang wenig beachteten Restaurants, die nützlich sein können. Aber viele Gästereaktionen stehen unter starkem Manipulationsverdacht - besonders, wenn sie anonym oder unter Decknamen auftauchen. In solchen Fällen ist Volkes Stimme nur eine Variante manipulierter Hitparaden.

    Informationen dieser Art zur Qualitätsbestimmung zu nutzen zeugt von enormer Naivität. Der Anteil des im Internet verbreiteten, nie relativierten Unsinns ist einfach zu hoch. Positive wie negative Bewertungen durch Gäste irrlichtern allzu oft durch die Welt - bestenfalls vergleichen sie, aber nur selten demonstrieren sie Kenntnisse und Aufnahme- oder Lernfähigkeit. (...)
    Er ist eine Institution, da darf man nicht hinterfragen, denn nur er hat die Weisheit mit Löffeln zu sich genommen. Frage mich nur, was an seinen Kommentaren denn anderst ist. Nur weil Sie auf Papier gedruckt werden? Oder doch Weisheit

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    • #62
      Zitat von brigante Beitrag anzeigen
      Aber viele Gästereaktionen stehen unter starkem Manipulationsverdacht - besonders, wenn sie anonym oder unter Decknamen auftauchen. In solchen Fällen ist Volkes Stimme nur eine Variante manipulierter Hitparaden.
      Menschen, die im Internet nicht unter einem Pseudonym auftreten schreiben bekanntlich immer besser. Oder vielleicht doch nicht?

      http://www.taz.de/!85559/

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      • #63
        Was erblicken meine schwachen Augen heute in der Online-Ausgabe der FAS ?

        "Hier spricht der Gast -Spezial"

        Ein multimediales Erlebnis bestehend aus

        "Die Historie"
        "Der Koch"
        "Das Profil"
        "Der Teller"

        Und das alles mit vielen Fotos. Fast schon wie ein Block, schockierend !
        Aber man sollte neuen Ideen gegenüber ja immer offen sein. Ein solche Struktur der Beschreibung eines Restaurantbesuchs ist die Avantgarde, die immer gefordert wird. Vielleicht gibt es ja bald ein Buch zu dem Thema, in dem die Sprache und Gliederung erläutert wird - "Kritikvisionen"

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        • #64
          Mein Lieblingssatz in der neuen Dollase-Kolumne "Das besondere Restaurant - Spielweg, Münstertal" lautet: "Besonders ist aber auch das bildungsnahe und oft recht individualistische Publikum." Das war´s, keine weitere Erläuterung, einfach so!

          Was will der Autor uns damit sagen? Ist "besonders" in diesem Zusammenhang eher freundlich oder kritisch gemeint? Gehört man bei "bildungsnah" dazu, oder fühlt man sich doch eher ein bißchen näher? Ja, aber "individualistisch" ist gut, oder?

          Jürgen Dollase gibt doch Woche für Woche Rätsel auf! Schützt wenigstens vor Alzheimer (mediales Thema der Woche nach dem Outing von Rudi Assauer - besonders, bildungsnah, individualistisch; sicherlich Gast im "Spielweg!)

          Beste Grüße, Merlan

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          • #65
            Offener Brief: Schluss mit dem Heulsusen-Blues (Effile#22

            Der n-tv-Moderator Christoph Teuner schreibt seit einiger Zeit auch über Restaurants, bisher ist er - wenn ich das richtig sehe - uns hier im Forum noch nicht übermäßig positiv aufgefallen. Aber in der neuesten Ausgabe der Effilee formuliert er einen offen Brief an von Restaurkritikern kritisierte Köche - Oberfrage: "Die kritisierten Köche spielen beleidigte Leberwurst und wollen die Kritiker nicht mehr ins Restaurant lassen. Geht´s vielleicht noch ein wenig kindischer?" - Leider enthüllt Herr Teuner nicht, ob das auf eigener Erfahrung beruht, aber ich finde sein offener Brief ist diskusionswürdig, spricht er doch einige wichtige Punkte an, allerdings ist meine Meinung: der offene Brief hat die falschen Adressaten. Meiner Meinung nach, hätte er den offenen Brief lieber an Restaurantkritiker bzw. Food-Journalisten bzw. noch besser ihre Auftraggeber richten sollen, denn um sieh geht es eigentlich in 80 Prozent des offenen Briefs.

            Da der "offene Brief" leider online noch nicht verfügbar ist, fasse ich wichtigsten Punkten zusammen:
            * viele Köche "jammern" über "korrekte, kritische Berichte" und "überziehen" damit
            * Ursache dafür: die Art, in der über Essen trinken beschrieben wird. Die Gründe dafür
            - es gibt zu wenig "ernst zunehmende" Journalisten, die über das Thema schreiben
            - Statt dessen viel "PR-Gequatsche", "hölzerne Schreibe", "08/15-Sätze"
            - zu viel Lobhudelei, weil man die Spitzenküche voranbringen wolle
            - Nicht-Journalisten treten als Autoren auf (als Beispiel wird ein Händler von Luxusprodukten genannt - wer das wohl ist ...), Verknüpfung von wohlwollenden Artikeln mit Werbebuchungen
            - Schlussfolgerung: fehlendes Bewusstsein für dieses Problematik
            - nächste Ursache: Schnorrerei - nach Teuners Auffassung nutzen Artikel die, die Folge von Gratis-Essen dem Anbieter nicht.
            *Vorgeschlagene Auswege:
            - "akademisches Geschwurbel" helfe nicht (wer ist damit schon wieder gemeint???)
            - mehr "saftige Texte" --> saubere, gut recherchierte Artikel, spannend, emotional und mit "harten Informationen"
            * seine Überlegung: mehr saftigere Texte, erzeugen vielleicht mehr Reibung, das dann aber die Gastronomen hinnehmen müssten, weil diese eben unabhängig entstanden seien.

            Und jetzt biegt der Text etwas ab:
            * Köche sollten eben nicht mit Hausverboten etc. auf kritsiche Texte reagieren, sondern es hinnehmen, weil sie sich ja in die Öffentlichkeit trauten

            und der Appell zum Schluss: "Nehmen Sie Pseudo-Journalisten nicht so ernst".

            Wie schon gesagt: eigentlich eine treffliche Analyse des deutschen Food-Journalismus - ich frage mich, warum Herr Teuner da die Köche so angeht. Meine These: Ablenkungsmanöver.

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            • #66
              Was fürn Scheiß... Das jemand die Integrität einer groben Bratwurst besitzen kann, ist hinlänglich bekannt und wen interessiert der offene Brief einer solchen.

              Schlagwortreihen gepaart mit Vorwürfen gegen nahezu alles und jeden der in irgendeiner Weise übers Essen schreibt und die Forderung nach:

              mehr saftigen Texten! So saftig und schlotzig wie niedrigtemperaturgegarte Schweineschnäutzchen(Ausrufungszeichen) Saubere, gut recherchierte, journalistische Artikel übers Essen und Trinken, in denen mehr Menschen und Gefühle vorkommen, die unterhaltetend sind, die die Leser zum Lachen oder Schimpfen bringen. Alles geht, alles zusammen - Spannung, Emotion und harte Information.
              Viele Grüße und einen angenehmen Abend noch,

              herzlichst ihr Güter Wallraff - heute als Gastroparasit, tschuldigung - Symbiont (Ausrufungszeichen)

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              • #67
                Ich kann dem Kollegen Teuner nur zustimmen.

                Früher wurden (zu Recht) oftmals GM & Co kritisiert, weil die Tester ein zu enges Verhältnis mit den zu Testenden hatten. Mittlerweile haben Blogs und andere Medien genau dasselbe Problem. Es ist schwierig objektiv über etwas zu berichten, wenn man in finanzieller Abhängigkeit steht - Wes Brot ich eß, des Lied ich sing. Das mag oftmals auch unbewußt geschehen, ändert aber nichts am Ergebnis. Wenn Blogger sich schon Wochen im Voraus ankündigen, nichts fürs Essen + Trinken bezahlen wollen und auch noch kostenlose Zimmer und Fahrservice erwarten, machen viele Köche das teils zähneknirschend mit. Daß damit aber natürlich auch eine Erwartungshaltung verbunden ist und eine (gerechtfertigte) Kritik nur schwerlich möglich, dürfte jedem klar sein. Ebenso schwierig ist die Tatsache, daß in dieser umtriebigen Szene viele Leute zusätzlich Gewerbe betreiben, die auch zu wirtschaftlichen Abhängigkeiten führen.

                Darüber hinaus ist die "Szene" ist so klein, daß man sich zwangsweise regelmäßig "über die Füße" läuft. Wer will sich da schon als Nestbeschmutzer betätigen und berechtigte Kritik üben, wenn man zwei Wochen später dem Kritisierten bei einem Glas Champagner wieder in die Augen schauen muß.

                Dazu kommt, daß auch konstruktive Kritik von vielen als Majestätsbeleidigung aufgefaßt wird. Dabei könnten viele Köche von einer qualifizierten Kritik durchaus profitieren, denn selten ist alles perfekt. Die Bereitschaft dazu ist aber leider selten vorhanden. Insbesondere Einsterner, die seit Jahren "im eigenen Sud schmoren", halten sich für unfehlbare Rockstars, während die echten Stars oftmals schon eher an Feedback interessiert sind.

                Man muß allerdings zu Ehrenrettung der Gastronomie sagen, daß es dieses Problem nicht nur dort gibt, sondern letztendlich in der gesamten Medienbranche. Ein Autotester, der den neuen Porsche übers Wochenende zum Testen behalten darf und im Kofferraum eine Weinkiste findet, dürfte auch an etwas gestörter Objektivität leiden. Da mittlerweile auch die Autoblogger schon Probe-KFZ gestellt bekommen, ist die Gefahr hier die selbe.

                Es stellt sich aber auch die Frage, ob Leser überhaupt an konstruktiver Kritik interessiert sind. Oftmals hat man das Gefühl, daß die Leute nur positive Nachrichten hören wollen. Das Restaurant, wo sie doch so einen schönen Abend hatten, kann doch gar nicht schlecht ein. Ebenso das, wo sie schon immer einmal hin wollten, was aber zu weit entfernt oder zu teuer erscheint. Schreibt der Kritiker nun einen netten Bericht ist es eine Win-Win-Beziehung, bei der alle glücklich sind (um das Auto-Beispiel aufzugreifen: Haben Sie schon jemals einen negativen Bericht über Ferrari, Porsche & Co in einer Zeitung gelesen ?). Kritisiert man zu Recht ein "Denkmal" prasselt plötzlich Kritik auf den Kritiker ein. Da ist es für alle Beteiligten doch viel einfacher, dies zuzukuscheln und positiv zu berichten.

                Aus all diesen Gründen wimmelt es von Lobhudeleien über großartige Erlebnisse und konstruktive Kritik ist eher die Ausnahme als die Regel. Wer will sich schon den ganzen Ärger antun, wegen ein paar Zeilen, die vielleicht auch der Leser gerne anders hätte. Letztendlich muß jeder Koch selbst wissen, ob er bereit ist, sich Kritik anzuhören und jeder Kritiker, wie unabhängig er sein will. Aber hier ist sicherlich einiges Verbesserungspotential vorhanden.
                Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 24.08.2012, 13:40.

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                • #68
                  Den Teuner-Artikel kenne ich (noch?) nicht, kann dazu also nicht sagen. Aber der Grundkonflikt besteht natürlich. Köche hören nun mal nicht gerne Schlechtes über ihre Küche - erst recht nicht, wenn das zu wirtschaftlichen Einbußen führt. Andererseits aber brauchen sie die Guides (und andere PR). Das kann man lange diskutieren, aber eben nicht ändern.

                  Zitat von Max.Vanderveer Beitrag anzeigen
                  Mittlerweile haben Blogs und andere Medien genau dasselbe Problem. Es ist schwierig objektiv über etwas zu berichten, wenn man in finanzieller Abhängigkeit steht - Wes Brot ich eß, des Lied ich sing.
                  Zustimmung. Und da das natürlich in abgeschwächter Form auch für Berichte hier im Forum gilt, hatten wir neulich auch schon mal einen Thread über die Anonymität der Forumianer. Wer sich im Restaurant als potentieller Schreiber zu erkennen gibt, wird hinterher nicht mehr unbefangen berichten können. Das ist eine ganz simple Wahrheit.

                  Zitat von Max.Vanderveer Beitrag anzeigen
                  Es stellt sich aber auch die Frage, ob Leser überhaupt an konstruktiver Kritik interessiert sind. Oftmals hat man das Gefühl, daß die Leute nur positive Nachrichten hören wollen.
                  Nochmals Zustimmung. Das Publikum liebt Begeisterung mehr als sachliche Auseinandersetzung. Verrisse kommen allerdings auch gut an.

                  Grüße, mk
                  Zuletzt geändert von Mohnkalb; 24.08.2012, 14:58.

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                  • #69
                    Lieber Max.Vandeveer,

                    sie bestätigen meine Meinung, wie schon gesagt, offen bleibt die Frage, warum sich der Brief an die Köche richtet und nicht an die Journalistenkollegen, denn tatsächlich ist es auch mein Eindruck, das professionelle Kriterien der journalistischen Unabhängigkeit, die für andere Felder der Berichterstattung gelten (und gegen die dort natürlich auch verstoßen wird, das ist gar nicht die Frage), in diesem Feld (und das gilt für Auto-, Reise- und manch andere Bereich sicher auch) nicht so stark beachtet werden. Das ist zunächst eine Problematik des Journalismus, was haben also die Köche damit zu tun?

                    Total unbefangen berichten, kann kein Journalist, der Kontakt mit Menschen, die Gegenstand der Berichterstattung sind, hat. Sympathien, bestehende Meinungen usw. hat man immer. Aber es gibt in dem Metier natürlich Techniken, die dazu führen, dass Berichterstattung sich dem Ideal der Objektivität annähert, seien es sprachliche Standards, oder Standards in der Recherche, oder in der redaktionellen Organisation. Inwiefern das bei Food-Medien bzw. den Food-Rubriken Anwendung findet, ist mir nur exemplarisch bekannt, lässt mich aber vermuten, dass es in dem Bereich generell gegenüber anderen Medien/Ressorts Nachholbedarf gibt.

                    Das Und was das Thema Blogger angeht, kann man sicher ein Beispiel nennen, ohne jemandem zu Nahe zu treten, weil es öffentlich bekannt gemacht wurde: diese Pressereise der Deutschen Zentrale für Tourismus für ausländische Food-Blogger http://www.germany.travel/media/de/c...a_22092011.pdf

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                    • #70
                      Zitat von bsteinmann
                      Interessante Behauptung.Wäre an Beispielen aber sehr interessiert. Haben Sie auch den Mut dazu?
                      Das ist keine Behauptung sondern (leider) Fakt. Reden Sie mal mit Köchen, was für teils dreiste Anfragen sie per Mail bekommen. Und bei bekannteren Leuten, bleibt ihnen manchmal nichts anderes übrig, als darauf einzugehen. Da gibt es europaweit eine Fraktion, die sich so durch die Restaurants isst, das muß man mal so offen sagen. Damit will ich nicht alle Blogger über einen Kamm scheren (denn viele sind natürlich gar nicht in der Position dazu) oder diese gar auf dumme Ideen bringen, aber Fakt ist, daß ein gewisser Teil sich so verhält.

                      Im Einzelfall mag das noch nicht einmal so problematisch sein, denn es kann ja ein Win-Win-Beziehung sein, aber in vielen Fällen beißt der Koch die Zähne zusammen (wie anno dazumal beim GM-Tester) und macht gute Miene dazu.

                      Da Sie ja selbst viel in der Kochwelt herumkommen und sich mittlerweile vom Gast zum Interviewer gewandelt haben, dürfte dies doch keine Neuigkeit für Sie sein.

                      @Quertz
                      C. Teuner hat in seinem Bericht (wenn auch nicht der Überschrift) Beides kritisiert: Die mangelnde Kritikfähigkeit der Köche und die mangelnde jounalistische Qualität mancher Berichte. Es besteht aber insoweit ein Zusammenhang, daß wenn Leser und Köche nur Claquer suchen, auch entprechende Berichte geschrieben werden.
                      Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 24.08.2012, 21:05.

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                      • #71
                        Zitat von Max.Vanderveer Beitrag anzeigen
                        @Quertz
                        C. Teuner hat in seinem Bericht (wenn auch nicht der Überschrift) Beides kritisiert: Die mangelnde Kritikfähigkeit der Köche und die mangelnde jounalistische Qualität mancher Berichte. Es besteht aber insoweit ein Zusammenhang, daß wenn Leser und Köche nur Claquer suchen, auch entprechende Berichte geschrieben werden.
                        Das habe ich wohl wahrgenommen. Mir erschien diese Verbindung aber nur ein als ein Vehikel, um den Beitrag interessanter zu machen, als es eine reine journalistische Branchenbinnensicht wäre. Den von Ihnen angesprochenen Zusammenhang habe ich als nicht so bedeutsam angesehen, aber so betrachtet, hat es auch etwas für sich.

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                        • #72
                          Ich habe in dem Artikel zumindest auch die Aussage gelesen, dass ein enger Zusammenhang zwischen Kritikunfähigkeit vieler Köche und lobhudelndem Journalismus insofern besteht, als letzterer den Köchen nur vordergründig nützt und langfristig schadet. Die PR-Isierung großer Teile des Journalismus (Autos und Reisen sind seit Jahr und Tag die anfälligsten Beispiele) zeigt sich natürlich auch hier. Am Ende läuft es darauf hinaus: Guter Journalismus kostet Geld. Wenn ein Verlag die entsprechenden Spesen nicht trägt (tragen kann/tragen will), hat man ein Problem mit unabhängigem Gastro-Journalismus. Unabhängiger Journalismus ist nur mit finanzieller Unabhängigkeit möglich.

                          @Max Vanderveer, warum bleibt den Köchen nichts anderes übrig? Wie an so vielen Stellen im Leben, muss man sich manchmal einfach nur ein Herz fassen, "Nein" sagen und kann dann abwarten, was passiert. Häufig zeigt sich: Es tut nicht weh, und man muss es meistens auch nur ein Mal machen.
                          Und was Sie vorher schrieben, dies hier: "Es stellt sich aber auch die Frage, ob Leser überhaupt an konstruktiver Kritik interessiert sind. Oftmals hat man das Gefühl, daß die Leute nur positive Nachrichten hören wollen. Das Restaurant, wo sie doch so einen schönen Abend hatten, kann doch gar nicht schlecht ein." gehört fett unterstrichen. Was kommt an? Schwelgereien, Lobhudeleien, schöne "Bilderstrecken" und griffige Vokabeln für Küchenstars (der Altmeister, der Rebell, der aufgehende Stern etc.). Es gibt ja auch Menschen, die den Newsletter von "Pinard de Picard" für Wein-Journalismus halten. Hauptsache, man erfindet immer wieder neue Superlative, lässt die Primaballerina dann eben noch gewagter, noch pointierter auf der Zungenspitze tanzen und wie die Metaphern alle so lauten, die nur eines im Sinn haben: den Leser glauben zu machen, er müsse einfach nur diesen Wein hier und jetzt bestellen, und schon sei er ein echter, cleverer Kenner und Genießer.
                          Es sind ja auch nur wenige, die konstruktive Kritik auf den Punkt bringen können. Wenn Kritik, dann häufig bodenlos, total und in Kohlhaas'scher Verbissenheit. Das sind dann die typischen Eintagsfliegen auf qype und Co. (und manchmal auch hier), die ihre Genugtuung aus verbaler Vernichtung beziehen wollen. Jeder Koch, der dann solche Ausbrüche mit fundierten, differenzierten Kritikäußerungen in einen Topf wirft, begeht einen großen Fehler.

                          Beste Grüße
                          Q.

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                          • #73
                            Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
                            IUnabhängiger Journalismus ist nur mit finanzieller Unabhängigkeit möglich.
                            Vollkommen korrekt. Und wenn man sieht, daß selbst die renommiertesten Zeitungen heutzutage hervorragende Redakteure entlassen, Lohnkürzungen und Umstrukurierungen vornehmen, kann man sich ungefähr ausmalen, was in der Gastro-Branche an Budgets zur Verfügung steht. Da kämpft im Grunde jeder um sein Überleben und üppige Budgets für unabhängigen Journalismus gibt es nirgendwo. Jeder der damit seinen Lebensunterhalt bestreiten muß, hat noch die eine oder andere Nebentätigkeit die Interessenskonflikte vorprogrammiert. Die einzige Möglichkeit des unabhängigen Journalismus sind hier beruflich und finanziell unabhängige Menschen.


                            Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
                            warum bleibt den Köchen nichts anderes übrig?
                            Ganz einfach: Weil diese genau wissen, wieviel Einfluß manche Leute haben oder es zumindest mutmassen. So wie früher die Leute vom GM-Tester die Weinkartenberatung in Hoffnung auf eine bessere Bewertung bezogen haben, werden eben heute Leute mit hoher Medienpräsenz hofiert.

                            Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
                            Was kommt an? Schwelgereien, Lobhudeleien, schöne "Bilderstrecken" und griffige Vokabeln für Küchenstars (der Altmeister, der Rebell, der aufgehende Stern etc.).
                            Meine Rede, das ist ja auch in diesem Forum häufig zu beobachten. Wenn man einen schönen Abend hatte, möchte man nichts Kritisches zum Essen hören, auch wenn die Fakten im Grunde klar sind.
                            Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 24.08.2012, 21:03.

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                            • #74
                              Unabhängiger Journalismus ist nur nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Unabhängigkeit, sondern auch eine Frage der inneren Haltung. Die bildet sich eben durch eine profunde journalistische Ausbildung heran. Pressekarten sind im Theaterbereich ja auch üblich. Die Vermutung, dass in den großen Feuilletons die großen Kritiker deswegen besonders wohlwollend schreiben, lässt sich täglich widerlegen. Für meine Begriffe greift die wirtschaftliche Frage für sich allein betrachtet zu kurz. Ich sehe im Food-Bereich es an Professionalität fehlt. Herr Teuner ist zweifelsfrei ein professioneller Journalist, entsprechend fordert er professionelle Standards ein, die für andere Ressort auch gelten.

                              Es ist doch bezeichnend, wie sehr Blogs und Internetportale den etablierten Food-Medien das Wasser abgraben. Im Politik-Bereich sind Blogs allenfalls eine Ergänzung der etablierten Medien bzw. ihrer Online-Ableger und das meist auch nur auf sehr begrenzten Themengebieten. Woran das liegt? Weil Journalisten in diesem Ressort i.d.R. professioneller arbeiten und wenn sie es nicht tun, wird das ja auch wieder in den Medien öffentlich diskutiert.

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                              • #75
                                Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                                Unabhängiger Journalismus ist nur nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Unabhängigkeit, sondern auch eine Frage der inneren Haltung
                                Vollkommen korrekt, aber ohne die wirtschaftliche Absicherung, fällt die Haltung oftmals schwer, und die Kulinarik ist tendenziell eher kein Fachgebiet für Altruismus und Idealismus. Gerade das Beispiel des Kollegen Teuner zeigt doch, daß man seine journalistische Unabhängigkeit nicht durch gastronomische Artikel erlangt.

                                So lange die wenigsten Leute von Journalismus in der Gastro-Branche leben können, ist es kaum möglich, journalistische Standards einzufordern, die selbst den politischen Medien heute oftmals schwer fallen.

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