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Restaurantkritik

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  • #76
    Kein Widerspruch, wollte den von mir angesprochenen Aspekt nur nicht unerwähnt lassen. Korruption (egal ob in Geld, Einfluss oder Informationen gezahlt wird) gibt es ja auch in Redaktionen, in denen man übers wirtschaftliche Überleben der Mitarbeiter wenig Gedanken machen muss.

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    • #77
      Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist notwendig, aber nicht hinreichend. *disclaimeroff*

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      • #78
        Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
        Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist notwendig, aber nicht hinreichend.
        Da sind wir uns ja alle einig. So lange aber der erste Punkt bei der überwiegenden Mehrheit nicht erfüllt ist, braucht aman über den zweiten Punkt nicht diskutieren. Erst Pflicht, dann Kür.

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        • #79
          "Wie an so vielen Stellen im Leben, muss man sich manchmal einfach nur ein Herz fassen, "Nein" sagen und kann dann abwarten, was passiert. Häufig zeigt sich: Es tut nicht weh, und man muss es meistens auch nur ein Mal machen."
          schreibt q

          und MV antwortet (zunächst nochmals q zitierend)

          Zitat von quartalsesser
          warum bleibt den Köchen nichts anderes übrig?
          "Ganz einfach: Weil diese genau wissen, wieviel Einfluß manche Leute haben oder es zumindest mutmassen."


          Für mich haben hier beide recht, aber q hat rechter.
          Daß sich mittelmäßige Blogger oder "Journalisten", die womöglich das Wort "Publitzistik" (Achtung: Köder) kaum buchstabieren können (und über deren erkenntnistheoretische Vorstellungen wir lieber den Mantel ..), durch Restaurants schnorren, ist widerwärtig. Zu dem qw'schen Vergleich mit Pressekarten im Theater oder in der Oper muß bedacht werden: in einem Falle sind es zwei Karten bei fünfhundert zahlenden Gästen, im anderen Falle hat ein Lokal evtl kaum dreißig Plätze.
          Und da wäre ja auch noch die Möglichkeit der Gegenwehr: einfach eine Schnorr-Anfrage veröffentlichen (womöglich gemeinsam mit mehreren Kollegen, Solidarität hilft siegen!), und der Blogger hat, wie es so schön in der Heidelberger Region heißt, seinen letzten Furz gebrunzt.
          mkG
          s.
          PS: @ den werten MV: wer kann denn da, so fragt meine Tochter, so toll schreiben? (nach der von immer wieder gurrendem Kichern unterbrochenen Lektüre Ihres Luger-Berichtes). Ja, wie auch schon von Herrn M. an anderer Stelle empfunden, das klingt schon etwas kimblig. Sind Sie's denn nun tatsächlich?

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          • #80
            Was mich an dieser kostenlosen Esserei wirklich und eigentlich als Einziges stört, ist, dass ich als zahlender Gast das vermutlich mittrage. Wenn ein Koch/Restaurantbesitzer auch nur halbwegs betriebswirtschaftlich denkt, dann addiert er einen kalkulierten Posten "kostenlose Essen" natürlich auf die Preise auf. Ehrlich gesagt, nervt mich das ein wenig.

            M.

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            • #81
              Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
              Was mich an dieser kostenlosen Esserei wirklich und eigentlich als Einziges stört, ist, dass ich als zahlender Gast das vermutlich mittrage.
              Mit Verlaub, das ist aber etwas zu kurz gedacht.

              Es bleibt jedem Gastronomen selbst überlassen, die für ihn richtigen Entscheidungen zu treffen, Sie können ihm als Gast doch nicht vorschreiben, wie er seinen Betrieb zu führen hat. Wenn er es für notwendig erachtet, für sich zu werben, von den Gewinnen, die er vorher mit anderen Gästen erwirtschaftet hat, so ist dies eine normale betriebswirtschaftliche Entscheidung. Ob er nun für positive PR auf ein paar hundert € Umsatz verzichtet, sich als Restaurant des Monats ausrufen lässt oder aber Werbeanzeigen schaltet, muß uns als Gast doch egal sein. Der Gastronom sollte selbst wissen, wie er Umsatz/Profit maximieren kann und welche Werbemittel dafür ggf. notwendig sind.

              Ich finde es viel wichtiger, daß der Leser weiß, aus welcher Motivationslage ein Bericht geschrieben wurde. Dann hat er selbst die Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit zu beurteilen. Das ist für mich der springende Punkt.

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              • #82
                Und woran erkennt der Leser, aus welcher Motivationslage ein Bericht geschrieben wurde?

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                • #83
                  Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                  Und woran erkennt der Leser, aus welcher Motivationslage ein Bericht geschrieben wurde?
                  Das ist natürlich schwierig und im Einzelfall auch oftmals nicht möglich. Generell gilt aber für alle Medien, daß man als Leser die für sich passenden Autoren und Herausgeber finden muß, zu deren Urteil man mit der Zeit Vertrauen aufbaut.

                  Um den Vergleich mit der Autobranche erneut zu verwenden: Wenn ich einen kritischen VW-Bericht lesen möchte, ist "Gute Fahrt" vermutlich nicht die passende Informationsquelle. Und Magazine aus Stuttgart haben traditionell ein eher unkritisches Verhältnis zu den dort ansässigen Herstellern.

                  Letztendlich hat es der Leser selbst in der Hand, sich zu informieren. Mit etwas Leseerfahrung weiß man auf Dauer auch die Lobhudelei oder die Schmähkritik als solche zu erkennen, ebenso wie gefakte Berichte. Sicherlich nicht zu 100% aber die Internetgemeinde hat da normal schon ein Auge für.

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                  • #84
                    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                    Zu dem qw'schen Vergleich mit Pressekarten im Theater oder in der Oper muß bedacht werden: in einem Falle sind es zwei Karten bei fünfhundert zahlenden Gästen, im anderen Falle hat ein Lokal evtl kaum dreißig Plätze.
                    Der Vergleich bezog sich nicht auf den wirtschaftlichen Aspekt für den Ausgeber der Freikarten, sondern darauf, dass die Annahme gratis bereitgestellten Dingen, die eine Berichterstattung überhaupt erst ermöglicht, in anderen journalistischen Feldern anders bewertet wird und die Schlussfolgerung, dass es eben nicht um den Akt ansich geht, sondern darum, wie der Annehmer eines solchen Vorteils sich davon beeinflussen lässt.

                    Ein Punkt ist nämlich in der Debatte hier für mich bislang zu kurz gekommen, der in dem Teuner-Artikel auch angesprochen wird: die Verbrüderung beider Seiten, die Annahme, gemeinsam etwas dafür tun zu müssen/wollen, dass mehr Menschen in Spitzenrestaurants gehen. Natürlich ist es für Zeitschriften auf dem Gebiet wichtig, dass sich der Interessentenkreis für solche Restaurants vergrößert, weil dadurch der Kreis der möglichen Käufer größer wird. Und der Restaurantbetreiber freut sich natürlich auch, wenn sich sein Kundenkreis größer wird.
                    Dieser Zusammenhang ist auf dem Feld des Wirtschaftsjournalismus zu Zeiten den Hochzeiten des Neuen Markts auch wissenschaftlich untersucht worden, These: negative Aspekte werden von den Medien, die sich mit dem Themengebiet vornehmlich beschäftigen weniger berücksichtigt, um das eigene Geschäft nicht zu gefährden. Auch bekannte Sportjournalisten sahen sich ja mal "in einem Boot" mit dem Gegenstand ihrer Berichterstattung. Das ist eine gefährliche Allianz. Von Medien mit regelmäßigen Food-Berichten, deren Auflage davon aber nicht abhängt (z.B. die großen Tageszeitungen) ist natürliche mehr Unabhängigkeit zu erwarten.

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                    • #85
                      Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                      Von Medien mit regelmäßigen Food-Berichten, deren Auflage davon aber nicht abhängt (z.B. die großen Tageszeitungen) ist natürliche mehr Unabhängigkeit zu erwarten.
                      Beispiel: Das (für mich) positive 'Phänomen' JD wäre im Feinschmecker u.ä. so nicht möglich gewesen. Und es fragt sich durchaus, zumindest in einem nüchternen Augenblick, welche Existenzberechtigung solche Blätter eigentlich haben.

                      mk

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                      • #86
                        Gegenfrage: fallen für Sie die Berichte über Clubabende positiver aus, als die über reguläre Besuche in den gleichen Restaurants?

                        Und ist die Kalkulation hier nicht eine total andere, nämlich mehr auf die Teilnehmer gerichtet, d.h. sie entweder als neue Gäste zu gewinnen bzw. wenn sie das Haus sie zu einem erneuten Besuch zu verleiten. Die Kalkulation Clubabend -> Bericht im Forum -> daraufhin mehr Gäste ist da doch wohl eher ein Nebenaspekt.
                        Bei einem durch ein Freiessen für einen Bericht in Print oder Blog richtet sich das Interesse doch wohl ausschließlich auf den Bericht und dessen Wirkung.

                        Übrigens ist ein Rabatt ja wohl noch etwas anderes, als ein vollkommen kostenfreier Besuch, zumal wenn es - wie hier im Forum - jeder Leser ja noch nachvollziehen kann.
                        Zuletzt geändert von QWERTZ; 25.08.2012, 16:23.

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                        • #87
                          Aus meiner Sicht bedarf es schon einiger Professionalität, um Essenerlebnis und Gesamterlebnis zu trennen. Man neigt schnell dazu, einen grandiosen Abend mit einem ebensolchen Essen gleichzusetzen, wie ich ja auch schon einige Beiträge zuvor in Bezug auf die Leserwertungen erwähnte.

                          Ein Abend mit 4 oder mehr Personen ist eher nicht geeignet dafür, eine detaillierte Restaurantkritik zu verfassen. Man unterhält sich angeregt, hat Spaß und genießt den Abend, so wie es sein soll. Da bleibt kaum Zeit und Muße für Notizen, Analyse und Reflektion. Dies ist ja auch nicht der Sinn eines großen gemeinsamen Essens.

                          Darüber hinaus ist qualifizierte Essenskritik auch nicht demokratisierbar, d. h. es ist wichtig einzuschätzen, wieviel Wissen, Erfahrung (oder ggf. auch welche Motivation) der Schreiber hat. Ich möchte das an einem schönen Beispiel erläutern, das ich vor einigen Tagen zufällig entdeckt habe.

                          Nahe der belgischen Grenze gibt es eine ehemalige Frittenbude/Kneipe, die seit einigen Wochen als Restaurant firmiert. Inhaltlich hat sich außer dem Namen im Grunde wenig geändert. Es gibt 800g Schweinerücken XXL - Schnitzel mit Soße und Beilage für nur 22,90€, Schlemmer-Schnitzel Hawaii,Currywurst und Aldi-Zander. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, da es (leider) tausende solcher Lokale in Deutschland gibt. Auf Restaurantkritik.de (wo 5 Punkte die Hächstbewertung für ***-Restaurants ist) findet sich ein Bericht zu diesem Lokal, aus dem ich kurz zitieren möchte:
                          Diese Küche verdient eigentlich 6 Punkte und mehr, wenn es hier möglich wäre. Das Warum lesen Sie nachfolgend ....... Wir wurden mit einer ausgezeichneten Küche überrascht, die durch seine köstlichen Gerichte, sich durchaus Gourmetküche nennen könnte .... Wir bestellten je 1 Glas Rose (Preis 1,90 €), wobei wir forderten, das der Wein zu den Gerichten passen sollte ..... Die Zanderfilets (es waren 2 große Stücke) waren, leicht glasig, wie es nur Toppköche können, unter einen fein und harmonisch gewürztem Kartoffelteigmantel, auf gekonnt frisch gebratenen Bratkartoffeln, gepaart mit der dazu als Kulisse servierten Vanilleschaumcreme, waren gleichfalls ein Hochgenuss. Dazu gab es noch einen schönen knackigen gemischten Salat mit feinen Salatgurkenscheiben, welcher durch ein sehr feines Gurkendressing, das ganze Gericht zu einem Erlebnis höchster Kochkunst machte.............Tischdecken und Weingläser gibt es dort nicht, weil die Inhaberin Wert darauf legt, dass sich hier Wanderer, Familien mit Kindern und auch Hunde in ungezwungener Atmosphäre wohl fühlen sollen.....Hier stimmte einfach Alles, das ungezwungene Ambiente, die freundliche Bedienung und Beratung, die erfahrenen Gaumenfreuden und das vorzügliche Preis-, Leistungsverhältnis.
                          Dagegen kann man Sergio Herman vermutlich vergessen

                          Was ich mit diesem Beispiel nur zeigen will ist, wie abhängig Kritik vom Autor, seinem Wissen und seiner Motivation ist. Jeder Leser sollte dies immer wieder hinterfragen.
                          Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 25.08.2012, 16:35.

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                          • #88
                            Meine lieben Herren, verblüffend finde ich an dieser Diskussion vor allem die Tatsache, dass es de fakto gar nicht um das geht, was Herr Teuner in seinem Artikel vor allem kritisiert. Er beklagt ja völlig zu recht die Larmoyanz der Gastronomen und sieht in deren Dünnhäutigkeit einen Grund für die Unmengen ab Lobhudelei. Um diese durchaus unprofessionell zu nennende Unfähigkeit, Kritik zu ertragen, geht es ihm vor allen Dingen, sicherlich auch auf Grund eigener Erfahrungen. Hier aber wird dieser Aspekt kaum thematisiert. Dabei fände ich persönlich genau das sehr spannend.

                            Wenngleich ich Herrn Teuners Attacken auf die dezidiert intellektuelle Form der Kritik furchtbar ignorant finde (wieso soll es diese nicht geben?) und seine Forderung nach "saftigen" und "emotionalen" Texten auf peinliche Weise populistisch, hat er vollkommen recht, dass Küchenchefs mit negativen Worten ebenso souverän umgehen müssen, wie andere Personen des öffentlichen Lebens.

                            Die Diskussion über konkrete Interessenkonflikte von Autoren wäre sicher auch einmal ein interessantes Thema. In diesem Zusammenhang wäre es jedoch deutlich spannender, nicht über irgendwelche Netzschreiberlinge zu reden, sondern beispielsweise über renommierte Kritiker, die in großen Tageszeitungen Bücher aus den Verlagen ihrer Spezis hochjubeln, oder über Feinkosthändler, die in Fachpublikationen als Journalismus getarnte Hymnen auf Produkte verfassen, die man rein zufällig bei ihnen erweben kann.

                            Viele Grüße,

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                            • #89
                              Zitat von umueller Beitrag anzeigen
                              seine Forderung nach "saftigen" und "emotionalen" Texten auf peinliche Weise populistisch, hat er vollkommen recht, dass Küchenchefs mit negativen Worten ebenso souverän umgehen müssen, wie andere Personen des öffentlichen Lebens.
                              Theoretisch richtig, aber wie oft habe ich schon im Fernsehen von Künstlern den Satz gehört "Kritiken? - Lese ich nicht!"? Und Politiker - wie gehen sie mit Journalisten um, die in Kommentaren oder in der Berichterstattung eher unfreundlich oder kritische zu ihnen sind? Souverän ??- Ach so: http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama2677.html

                              Also: ich denke, mit der angeblichen Souveränität ist es nicht weit her, der Vorteil bei anderen öffentlichen Personen ist es nur: es gibt im Feld des Sports, der Politik oder der Kultur eben so viele ernstzunehmende Medien, das man meist eines, in dem man sich gerecht behandelt fühlt, immer noch findet. Das fällt natürlich bei den wenigen Publikationen bzw. Food-Rubriken schon schwerer.

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                              • #90
                                Zitat von umueller Beitrag anzeigen
                                Um diese durchaus unprofessionell zu nennende Unfähigkeit, Kritik zu ertragen, geht es ihm vor allen Dingen, sicherlich auch auf Grund eigener Erfahrungen.
                                Wenn ich mich recht entsinne, war eben genau jener Herr T. derjenige, der vor Jahren auf die "großen, roten Hände" von Frau Amador hingewiesen hat. Find ich jetzt auch nicht so wirklich professionell.

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