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Die Freiburger "Plaza Culinaria"

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    Eine Messe, deren Gedränge und die Reizüberflutung, die sie mit sich bringt, muss man mögen – auch wenn es um das leibliche Wohl wie bei der Freiburger „Plaza Culinaria“ geht. Und: man sollte ziemlich genau wissen, was man dort will. Ich hatte mich aufgemacht, um vor allem Weine badischer Erzeuger zu verkosten. Vielleicht hätte ich nicht den Samstagabend wählen sollen, da man stellenweise kaum vorwärts kam. Einem Klaustrophobiker hätte man allemal abraten müssen. Hilfreich ist es auch, sich den Massen nicht mit knurrendem Magen auszusetzen. Ich hätte mich gerne am Angebot des Colombi Hotels Freiburg gütlich getan oder den Stand von Zehners Stube aus Pfaffenweiler besucht – zum Zeitpunkt meines Eintreffens keine Chance, trotz zahlreicher Tische. So landete ich bei diversen elsässischen Foie-Gras-Anbietern und gönnte mir eine solche mit diversen Chutneys und einem Gläschen Cremant rosé im Stehen. Solchermaßen gestärkt konnte ich die Stände der Weingüter aufsuchen, die ich schon immer mal hatte kennen lernen wollen, vor allem am grandiosen Stand des Vereins „Slow Food Freiburg“, an dem man gegen Entgelt eine ganze Batterie badischer Spitzenerzeugnisse verkosten konnte. Wenn man noch auf zwei Beinen nach Hause kommen will, empfiehlt es sich natürlich, nur Probierschlucke zu nehmen. Und auch hier ist es sinnvoll, einigermaßen gezielt vorzugehen – aber auch, sich auf Neues einzulassen.

    Entdeckt habe ich an diesem Abend den 2008er Spätburgunder Barrique QbA trocken von Stefan Rinklin aus Bötzingen – toll gemacht, die Barriquenote kultiviert hinzugefügt, mit € 21, 00 allerdings nicht eben preiswert.
    Cremig, wenn auch noch nicht ausgereift genug, weil es ihm an Tiefe fehlte, fand ich den 2008 Chardonnay Spätlese trocken vom renommierten Merdinger Bio-Weingut Heinrich Gretzmeier. Viel beeindruckender sein Cabernet Carol/Cubin trocken 2007 – Top-Bio-Qualität für € 16,50, und dazu eine innovative Züchtung, die schlichtweg Trinkvergnügen bietet. Das gilt auch für seine rote Cuvee „Zwulcher“ (80 Prozent Regent, 15 Prozent Blauer Spätburgunder und 5 Prozent Cabernet).

    Das Weingut Pix aus Ihringen hat im Bio-Wein-Sektor zumindest Potenzial. Ein Tipp wäre vielleicht die interessante 2007 Cuvée Rotwein Pix (Cabernet, Lemberger, Spätburgunder) für faire € 15,00. Den Spätburgunder allein finde ich noch etwas schmal.
    Sympathisch waren mir auch der Wormser Heinrich Grünewald und dessen Frau vom Weingut Grünewald-Schnell, beide Umsteiger und damit Spätberufene, deren Mutprobe, einen Cabernet Sauvignon anzubauen, ich im Glas hatte und fand, dass sie diese mit dem 2008er mehr als bestanden haben.

    Bei „Slow Food Freiburg“ traf man, wie gesagt, auf eine geradezu unerhörte Weinauswahl und musste tatsächlich aufpassen, nicht in einen gewissen Sog zu geraten. Zielsicherheit war also besonders angezeigt. Ich begann mit einer kleinen Probierrunde der Weltklasse-Weine von Bernhard Huber aus Malterdingen – zwar nicht neu, aber in dieser Dichte mal schön beieinander zu haben. Aber: eine Gegenüberstellung seines 2009 Malterdinger Spätburgunders mit dem 2008 Spätburgunder Endinger Engelsberg Barrique Reserve des Endinger Erzeugers Knab zeigte, dass Letzterer die Nase knapp vorn hatte. Daraufhin ließ ich mir von einem Mitverkoster Dr. Hegers 2010 Riesling Ihringer Winklerberg empfehlen, den er als den besten Badens anpries. Darüber lässt sich wohl streiten, aber ein Reinfall war er auch nicht gerade.

    Besonders interessant wieder eine Cuvée und erneut ein Bio-Wein, nämlich der 2007 FRAUenBERG (Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot) vom Weingut Lämmlin-Schindler aus Schliengen-Mauchen. Um den richtigen Preis hatten wir am Stand gewettet – ich vermutete knapp unter € 20,00 und sollte mit € 18,50 Recht behalten. Perfekte Kalkulation für einen vollmundigen Tropfen, der nicht zuletzt zeigt, wie viel sich im deutschen Weinbau zwischenzeitlich getan hat und wie ansprechend die Ergebnisse der Experimentierfreude sind, der sich die Winzerinnen und Winzer dieses Landes hingeben. Der Austausch mit den Leuen von „Slow Food“ war das Schmankerl zur Verkostung: in dieser Vereinigung hat man verstanden, dass kulinarischer Genuss und ökologische Verantwortung beileibe keine Gegensätze sein müssen.

    Schließlich bekam ich doch noch einen Tisch am Stand des Colombi Hotels. Leider war das Lammhäxle mit Kartoffelgratin und Schmorgemüse allenfalls durchschnittlich und zudem kaum erkennbar gewürzt. Unbefriedigend auch die Weinauswahl, obwohl sie von Franz Keller kam, denn ein tiefgründiger, tanninreicher Tropfen, wie man ihn für dieses Gericht als Begleitung gebraucht hätte, war nicht dabei. Meine schließliche Wahl, der 2008 Spätburgunder Selektion „S“ aus der Magnumflasche, konnte das natürlich auch nicht leisten. Man darf also doch ein wenig daran zweifeln, dass gastronomische Messestände wie diese wirklich zeigen, was sie tatsächlich zu bieten haben – und fragt sich, ob sich deren Betreiber einen Gefallen tun, sich dergestalt zu präsentieren. Dies ist vor allem auf das Colombi Hotel gemünzt.

    So kehrte ich heim, immerhin voller Eindrücke und nach so mancher Begegnung mit Menschen, die einfach gerne gepflegt essen und trinken – und auch etwas davon verstehen. Schon dafür hat sich der Besuch gelohnt und ließe sich im nächsten Jahr wiederholen, denn wie gesagt: wenn man weiß, was man will, kann die „Plaza“ durchaus ein Vergnügen sein.
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