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  • Verkopft

    Beim Durchblättern des neuen FS-Guides fiel mir auf, dass in den Restaurantkritiken recht oft das Wörtchen "verkopft" vorkommt.

    Beispiel Küchenwerkstatt*, Hamburg: "Wo andere zu einer immer verkopfteren Küche kommen, bleibt hier immer die Einladung zum Genuss das Leitmotiv."

    Was für ein Satz und was für eine interpretationsfähige Aussage! Verkopft ungleich Genuss? Ist das mit dem Verkopften vielleicht so ähnlich wie mit dem hier im Forum diskutierten Schnickschnack? Es hat für mich auch so einen populistischen Unterton. Was steckt hinter der Benutzung solcher Schlagworte? Vielleicht doch der heimliche Wunsch nach dem Einfacheren? Oder muss man "verkopft" gar subjektiv in der Weise verstehen, dass die beschriebene Küche über den kulinarischen Horizont des Schreibers hinausgeht?

    Ja, ja, sobald die Küche etwas anspruchsvoller wird, ist es für manchen eben alles nur noch Schnickschnack oder viel zu verkopft!

    So wie beide Begriffe landläufig in Bezug auf die Sternegastronomie gebraucht werden, bekenne ich mich gerne zu "verkopftem Schnickschnack"!

    Beste Grüße, Merlan

  • #2
    Ich glaube auch, das Schnickschnack und verkopft einen gemeinsamen Hintergrund haben: die geringe Mühe/Fähigkeit mancher, eine Kritik präzise zu formulieren, statt dessen werden eben solche Schlagwörter verwendet.
    Interessant ist ja, das auch häufig - wie im hier zitierten Beispiel - die Abwesenheit einer verkopften Küche gelobt wird, die angeblich immer schlimmer wird (immer mehr - auch so eine gefährliche Journalisten-Formulierung, meist eine Finger-In-den-Wind-Statistik). Höchst selten (und schon gar nicht bei Restaurants, die uns einfallen, wo man manches vielleicht als verkopft empfinden könnte) wird dies dann aber angeprangert. Auch über die Anwesenheit von Schnickschnack lese ich kaum etwas.

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    • #3
      Zitat von merlan Beitrag anzeigen
      Verkopft ungleich Genuss?
      mir wurde mal erklaert, dass verkopfte Menschen beispielsweise nicht einfach ein Glas Wein geniessen koennen. (Was im konkreten Fall aber Aufgrund der Qualitaet des gewaehlten Weins auch den Gefuehlsmenschen unter den Weinkennern nicht gelungen waere.)

      Aus derselben Kiste von Vorurteilen: Naturwissenschaftler koennen bei einem naechtlichen Spaziergang den Sternenhimmel nicht geniessen.

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      • #4
        Egal ob es um das Verkopfte geht oder um den Schnickschnack von vor zwei Wochen. Fakt ist, dass die Elite in den letzten 5 Jahren enorme Fortschritte in allen Breichen (Küchen und Zubereitungstechnik, Darreichungsform, Produktauswahl) gemacht hat. Da die Erinnerung an viel früher bei mir nicht vorhanden ist und bei manch anderem trügen mag habe ich nach der Schnickschnack Debatte die Kochbücher aus dem Schrank geholt. Mein ältestes ist von 1981 die Meisterküche im Elsaß (Haeberlin), dann kommen die Highlights aus der Aubergine und Winklers Highlights der Kochkunst (1990) Die Reihe geht so weiter bis zu den Einblicken (2008)

        Es waren im Grunde immer die selben Geschmacksakkorde- bilder- paarungen. Die Currysuppe von Müller war mal etwas anderes aber sonst war man sich recht einig, was gute Küche ausmacht, aus welchen Produkten und wie sie zubereitet zu sein hat.

        Nach Jahren des relativen Gleichklangs, ging es Frankreich ganz sacht in Richtung Italien und dann kamen urplötzlich die spanischen Einflüsse, die molekularen, die asiatischen und aktuell die ganze Welt auf dem Teller und das nachhaltig, in bio und aus dem eigenen Garten, gepaart mit spanischem, molekularem, asiatischem und einem knusprigen Element für den netten Onkel von der FAZ. Das hier der ein oder andere Gewohnheitsesser überfordert wird, sollte man diesem zugestehen.

        Kurz vor zwei... Zeit für eine Matapher :-))

        Wer sein Leben lang 125 auf der Mittelspur gefahren ist, macht sich links mit Tempo 300 erstmal in die Hose.


        Gute Nacht Passepartout

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        • #5
          Zitat von merlan Beitrag anzeigen
          bekenne ich mich gerne zu "verkopftem Schnickschnack"
          Dem schließe ich mich mit Freuden an. Wo aber bleiben hier die Gegner, die das Schlichte in höchsten Tönen loben? Wo die Kritiker jeglicher "Tellertätowierung"? Sogar Passepartout spricht nun von Fortschritt!

          Grüße aus dem Sommerloch, Mohnkalb

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          • #6
            Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
            Dem schließe ich mich mit Freuden an. Wo aber bleiben hier die Gegner, die das Schlichte in höchsten Tönen loben?
            Wenn man will kann man zwischen diesen beiden Punkten einen Widerspruch konstruieren. Muss man aber nicht.

            Genau wie ich mich bei Passard ueber einen Teller mit Tomatenscheiben freuen, (der in meiner Kueche ganauso aussehen, aber bei weitem nicht so schmecken wuerde) , freue ich mich in anderen Restaurants ueber gaenzliche andere Gerichte - insbesondere eben auch ueber das, was Gegner als verkopft bezeichnet.

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