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Kurt Tucholsky

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  • Kurt Tucholsky

    Zum Jahresende möchte ich einen kurzen philosophischen Auszug von Kurt Tucholsky zu Restaurants ins Forum stellen.

    Das Elend mit der Speisekarte

    ...daß das Essen in den meisten Restaurants so schmeckt, als sei es abgestanden, liegt daran, dass es abgestanden ist.
    Die kulinarisch verderbliche Forderung des Deutschen, zwischen elf Uhr vormittags und vier Uhr nachmittags Mittag zu essen, wann es ihm paßt, hat zur Folge, dass das Essen halbfertig gemacht wird, sehr lange über Dampf steht ... und was dann herauskommt, sind diese ausgelaugten Sachen, die auf dem Teller leise vor sich hin weinen.
    Draußen, in der Natur, haben sie noch vor Lebensfreude und Vitamin geknallt; nun sind es armselige Gummistrünke, die schöne Namen führen, "Blumenkohl" oder "grüne Bohnen" – aber es sind Gummistrünke.

    Ich wünsche einen guten Rutsch und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010.
    mfg Hannes Buchner

  • #2
    Lieber Herr Buchner,

    ich mag einfach nur Tucholskys launige Anmerkungen zu den Speisekarten ergänzen. So schreibt er weiter:

    .... Die Portionen sind zu groß. Ich weiß schon, daß die ›Leute das verlangen‹ – aber ich weiß auch, daß es bereits eine Menge Esser gibt, die immerhin so etwas wie Eßkultur besitzen und die lieber viererlei verschiedene Kleinigkeiten essen an Stelle dieser Enak-Speisen. Denn wenn man ein Filetsteak bestellt, dann kommt ein Trum von Fleisch und Ei und Gemüsen und gebackenem Brot und das alles mit einemmal, wie ein mit Tschinellen garnierter Paukenschlag; und wenn man ›Gulasch‹ sagt, dann kommt immerzu gar nichts wie Gulasch, eine ganze Badewanne voll, und sagt man ›Eierkuchen‹, dann kommt ein Bettvorleger . . . nein, die Portionen sind wirklich zu groß!

    ... Es gibt nicht genug Sommerspeisen und nicht genügend frisches Obst. Sich im heißen Sommer ein gedünstetes, faustgroßes Stück Fleisch in den Magen zu jagen, halte ich für eine immense Rücksichtslosigkeit gegen ebendenselben; eine Weile läßt sich das ja jeder Magen gefallen, aber eines Tages . . . nun, wir wollen uns nicht bange machen. Es gibt, besonders im Sommer, in den Restaurants viel zu wenig leichte Speisen – viel zu wenig gedünstetes Obst, viel zu wenig gutes, frisches Obst – denn was es gibt, das taugt meist nicht, und hier sind nun die Portionen wiederum viel zu klein: da steht so ein kleines [233] Kompott-Schälchen, und da liegt ein Löffelchen auf dem Tellerchen, und da liegen drei Pfläumchen . . . nein, die Portionen sind wirklich zu klein!

    Ihnen und allen anderen Forumianern wünsche ich einen beschwingten Start in das neue Jahrzehnt!

    Gruß, Garnelchen

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