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Sind 92 € für eine Vorspeise obszön?

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  • Sind 92 € für eine Vorspeise obszön?

    " ... ich finde, solange soviele Menschen auf der Welt hungern, 92€ für eine Vorspeise schlichtweg obszön. Persönliche Meinung. Habe daher entschieden, daß hier für mich persönlich eine Grenze überschritten ist und ich den Betrag lieber an Menschen für Menschen überweise. Grand Restaurant ist daher (leider) für mich erledigt, bis wir wieder in Stimmung größerer Menues sind "

    Brot statt Böller? Spenden statt Hummer? Der Reflex, an den Hunger in der Welt zu denken, wenn man für Essen viel Geld ausgibt, liegt nahe. Aber eigentlich sollten wir bei jeglichem Luxus Rechenschaft ablegen. Herrn Sphérico gebührt also Dank, wenn er mahnt, nicht zu desinteressiert durch die Welt zu schlendern.
    Der Weg, den ich für mich gefunden habe, heißt: Brot und Böller.
    Grüße
    s - land

  • #2
    Wir leben leider in einer Zeit - und das ist bedauerlicherweise tatsächlich wahr - in der so ziemlich jeder Konsum unmoralisch ist, da er letztlich auf dem Rücken der Umwelt, armer Weltgegenden und zukünftigen Generationen ausgetragen wird. Egal ob ich in den Alpen Ski fahre, mir einen neuen Laptop kaufe oder in Paris Pomme soufflée craquante mit Krustentieremulsion und Kaviar esse: alles verbraucht (CO2-)Ressourcen, die anderswo bitter fehlen. Deshalb sollte man, wenn es einem gut geht, so meine persönliche Haltung, immer auch an diejenigen denken, denen es schlecht geht: "Brot und Böller!" - da schließe ich mich an. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Problem des Welthungers und dem Gastro-Preisniveau in Paris sehe ich hingegen nicht.

    Grüße, mk

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    • #3
      Wobei es natürlich erfreulich ist, dass die Menüs in Paris preislich wohl gerade noch unter der Obszönitätsgrenze liegen.

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      • #4
        Ich finde 92 Euro auch extrem und würde es nicht ausgeben. Aber generell ist ja diese Kritik an den Preisen unseres gemeinsamen Interessensgebietes sicher dem ein oder anderen schon mal begegnet. Ich antworte inzwischen immer, dass ich die Billigpreise bei Nahrungsmitteln obzön finde. Generell ist es doch ethisch vertretbarer, dort das Geld zu investieren, wo Leute ihrem Handwerk mit hoher Leistung nachgehen und Erfüllung nachgehen, bei Lieferanten einfkaufen, die wiederum auf Qualität achten etc. als es denen zu geben, die nur über Preisdrückerei und wirkliche Ausbeuterei an Umwelt und Mensch (ich weiß, die Arbeitsbedingungen in der Spitzengastronomie sind auch nicht Gold, aber es geht ja um den Vergleich mit den Billigheimern und manche Produkte sind ja auch ethisch schwerer vertretbarer als andere, aber es geht mir um die grundsätzliche Linie).

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        • #5
          Die Frage läßt sich anhand des preises von 92 Euro nicht beantworten, eine Investition von 15 Euro kann in den ärmsten Staaten dieser Welt dazu führen das eine vielköpfige Familie nie mehr hunger leidet.
          Ich betreue solche Projekte und ich gebe trotzdem noch Geld für Luxus aus. Und alles was wir in diesem forum beschreiben ist unter dieser Betrachtungsweise purer Luxus. Daher sollten jetzt alle ihr gewissen befragen und sich danach entweder zu einem guten Essen verabschieden oder mit dem Essen gehen aufhören. Ich mache ersteres.

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          • #6
            Zitat von glauer Beitrag anzeigen
            Wobei es natürlich erfreulich ist, dass die Menüs in Paris preislich wohl gerade noch unter der Obszönitätsgrenze liegen.
            Das zum einen. Für nicht Menü-Esser wären halbe Portionen natürlich eine freundliche Geste, da die à la carte Preise schon ziemlich heftig sind. Aber gerade bei Piège, wo es die besagte 92 Euro Vorspeise gibt, ist diese in der à la carte Portion im Menü enthalten. Sind 245 Euro für 6 Gänge obszön? Auch wenn man sich Jahre später noch mit Vergnügen daran erinnert und sich vielleicht an sechs Mal Steakhouse zum selben Gesamtpreis nicht mehr erinnert?

            Zum anderen ist für mich Brot und Böller auch das Motto. Das Brot ist dabei nicht zum Gewissenberuhigen da. Spenden oder mich sozial engagieren kann ich auch ohne schlechtes Gewissen (und tue das auch).

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            • #7
              Liebe Schnecke,

              ich bin ganz bei Ihnen was die Relationen betrifft (92€ Paris, 15€ in den ärmsten Ländern), mein Reflex wäre dabei "dann erst recht keine 92€".
              Zwischen "gutem Essen teuer à la carte" und "vom guten Essen verabschieden" gibt es jedoch noch viele andere Möglichkeiten.
              Im Moment sind meine Frau und ich in einer Phase, keine 7 Gänge essen zu wollen, 4 sind uns ausreichend. Sollte sich das ändern, wird es doch sicher mal was mit Piège und 7 Gänge im signature-Menue, das ja übrigens das 92€-Entrée enthält, sind für den entsprechenden Menuepreis für mich vertretbar. Und wir freuen uns auf Paris, morgen sagt mein Kalender "Septime-Anruf" (exakt 3 Wochen im Voraus)...

              Ich wollte natürlich keine separate Diskussion losbrechen, freue mich aber von Herzen und außerordentlich, daß hier differenzierte und polemikfreie Kommentare abgegeben werden.
              Danke dafür ! Und Danke an Schlaraffe für den Aufgriff meines Gedanken (ja, Brot und Böller) !

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              • #8
                Lieber Spherico, ich kann ihr Gefühl sehr gut nachvollziehen, aber wenn Sie ein Menü wählen, bei dem ihrer Meinung nach das PLV stimmt, haben Sie weniger moralische Bedenken? Oder habe ich das falsch verstanden?

                Ich finde die Diskussion spannend, vielleicht auch eine Preisdiskussion losgelöst von moralischen Dimensionen und vice versa.

                M

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                • #9
                  Zitat von Matthias85 Beitrag anzeigen
                  Lieber Spherico, ich kann ihr Gefühl sehr gut nachvollziehen, aber wenn Sie ein Menü wählen, bei dem ihrer Meinung nach das PLV stimmt, haben Sie weniger moralische Bedenken? Oder habe ich das falsch verstanden? Ich finde die Diskussion spannend, vielleicht auch eine Preisdiskussion losgelöst von moralischen Dimensionen und vice versa.M
                  Lieber Matthias,
                  es ist sicher schwierig zu fassen, aber bei den genannten Preisen habe ich bei à la carte im Gegensatz zum Menue das Gefühl, daß die Verhältnismässigkeit nicht stimmt.
                  Dabei kann man natürlich eine moralisch-ethische Assoziation, die sich mir spontan ergab, auch außen vor lassen.
                  MkG, S.

                  P.S. für mich sind die Preise im Septime gut, heute für Februar einen Tisch ergattert.
                  Zuletzt geändert von Sphérico; 14.01.2016, 18:43.

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                  • #10
                    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                    " ... ich finde, solange soviele Menschen auf der Welt hungern, 92€ für eine Vorspeise schlichtweg obszön. Persönliche Meinung. Habe daher entschieden, daß hier für mich persönlich eine Grenze überschritten ist und ich den Betrag lieber an Menschen für Menschen überweise. Grand Restaurant ist daher (leider) für mich erledigt, bis wir wieder in Stimmung größerer Menues sind "

                    Brot statt Böller? Spenden statt Hummer? Der Reflex, an den Hunger in der Welt zu denken, wenn man für Essen viel Geld ausgibt, liegt nahe. Aber eigentlich sollten wir bei jeglichem Luxus Rechenschaft ablegen. Herrn Sphérico gebührt also Dank, wenn er mahnt, nicht zu desinteressiert durch die Welt zu schlendern.
                    Der Weg, den ich für mich gefunden habe, heißt: Brot und Böller.
                    Grüße
                    s - land
                    Werter Herr s.

                    92€ für eine Vorspeise sind in keiner Weise obszön, es ist nur ein ungewöhnlicher Preis und die Tatsache, dass sie unter Umständen bereit wären, das selbe Geld in 3 Gänge oder 4 Glas Krabbel zu investieren zeigt, wie dünn die/Ihre Argumentationsgrundlage ist und mit Brot statt Böller verzichten sie auf etwas, was sie vermutlich ohnehin nicht über die Maßen begehren.

                    Essen sie weiter worauf sie Lust haben und solange sie darüber schreiben und auf diese, Ihnen Freude bereitende Weise, vielen "hungernden" die Möglichkeit geben mit zu essen, müssen sie sich in keiner Weise für den Genuss schämen oder rechtfertigen. Bank und die Ehefrau sind gesondert zu behandeln.

                    Wir alle -in Deutschland im Allgemeinen und in diesem Forum im Besonderen, sind über die Maßen privilegiert. Daran ändern auch 92€ weniger für gutes Essen nichts.

                    Immer wichtiger finde ich hingegen, dass uns bewusst ist wie gut wir es haben, wie besonders die Umstände sind welche uns umgeben.
                    Es könnte sich ein Abklatsch darüber anschließen, dass wir unsere Fäkalien mit etwas beseitigen, was andere lebendige und reale Menschen dringend zum Leben bräuchten und viele ähnlich absurde Dinge mehr aber heute mal schlicht:

                    Es geht uns gut und solange wir mit diesem Umstand bewusst leben, es im Umgang mit dem uns Umgebenden beherzigen, müssen wir kein schlechtes Gewissen haben wenn wir gut und manchmal sündhaft teuer essen ... Leben.

                    Viele Grüße und Ihnen allen ein besonderes Jahr 2016

                    Ihr Passepartout

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                    • #11
                      Lieber Spherico,

                      das, was passepartout da äußert, finde ich auch.

                      Ich trenne grundsätzlich zwischen meinem Job (im sozialen Bereich), meinen Restauranterlebnissen und meinem sozialen Engagement und möchte das auch nicht vermischen. Ich weiß, dass es sich die meisten Menschen dieser Welt nicht leisten können von Essen, wie ich sie mir leiste, auch nur zu träumen.

                      Aber ich kann es, auch wenn ich auf ein Auto, und gar eine Metallic-Lackierung verzichte (aber ich gestehe Menschen auch zu, dass ihnen dieses wichtig ist), ebenso darauf, die Zig-Tausende für eine Musikanlage zu investieren (ich kenne auch Menschen, die das machen).

                      Das sind wieder grundsätzliche politische Entscheidungen, und ich habe mich entschieden, in welchem Rahmen ich Verantwortung übernehmen möchte.

                      Das ist natürlich moralisch anfechtbar ...

                      Euch allen einen wunderbaren Start ins neue Jahr!
                      Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 14.01.2016, 21:25.

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                      • #12
                        Bin absolut bei Heike und Passepartout! Ich finde es leidlich, hier etwas zu diskutieren, was letztlich jeder für sich entscheiden muss, und ich denke, dass die hier im Forum Versammelten durchaus dem kulinarischem Genuss gegenüber höchst aufgeschlossen sind. Ob bei 92 € eine Grenze zur Obszönität überschritten ist (wobei ich die Vokabel in diesem Zusammenhang für völlig unangemessen halte), kann jedoch nur subjektiv beurteilt werden - und das ist auch gut so!

                        Fazit: Die Fragestellung dieses Threads erlaubt keine objektive Antwort und ist damit obsolet, es sei denn, hier soll eine Art Gewissenserforschung bei den Teilnehmern betrieben werden. Wohin soll das führen?

                        Schönen Gruß, Merlan

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                        • #13
                          Da sind Sie mir, lieber Merlan, zu streng. Natürlich können wir, wie von Frau Heike angedeutet, tausende Beispiele finden, die einem aufzeigen, wie wenig Endgültigkeiten, an denen festzumachen ist, wo die preisliche Obergrenze x für das Luxusgut y liegt, es gibt. Wenn aber ein junger Mann, im Glück mit seiner jungen Frau und seinen Kindern lebend, plötzlich zweifelnd innehält, dann sollten wir ihm das doch zugestehen. Und eine Gewissenserforschung, tja, die hat eigentlich noch niemandem geschadet.
                          Gruß
                          s.

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                          • #14
                            Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
                            Werter Herr S.92€ für eine Vorspeise sind in keiner Weise obszön, es ist nur ein ungewöhnlicher Preis
                            Lieber ppt,
                            man kann natürlich auch der Meinung sein, Donald Trump ist kein irrer Prolet und Populist, sondern hat nur ungewöhnliche Ansichten. Ja, der Vergleich hinkt, Sie wissen aber wie ich es meine.
                            Und bestimmt haben Sie meine Replik auf Schlaraffe gelesen, in der ich ganz bei ihm mit Brot UND Böllern bin .

                            Ihnen und Ihrer Familie übrigens ein tolles erfolgreiches (2016 nun vollständig) Jahr in der Selbstständigkeit,
                            MkG, S.

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                            • #15
                              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                              Da sind Sie mir, lieber Merlan, zu streng. Natürlich können wir, wie von Frau Heike angedeutet, tausende Beispiele finden, die einem aufzeigen, wie wenig Endgültigkeiten, an denen festzumachen ist, wo die preisliche Obergrenze x für das Luxusgut y liegt, es gibt. Wenn aber ein junger Mann, im Glück mit seiner jungen Frau und seinen Kindern lebend, plötzlich zweifelnd innehält, dann sollten wir ihm das doch zugestehen. Und eine Gewissenserforschung, tja, die hat eigentlich noch niemandem geschadet. Gruß, s.
                              Lieber Schlaraffe, merci beaucoup für den "jungen Mann", ich bezieh es mal auf mich und erzähl das meiner lieben Frau...you made my day !

                              @merlan, Heike und Schlaraffe: Schlaraffe hat den Thread zurückgeführt zu meiner Bemerkung andernorts, so wie sie gemeint war. Die Intention war NICHT, zur Diskussion zu stellen, ob und warum denn hier jemand solche Preise zu bezahlen bereit ist oder gar, daß, wer ides tut, unmoralisch handle. Die Frage war, ob der von mir sehr geschätzte Piège (bestes Bris meines Lebens im Ambassadeurs) für eine Vorspeise 92€ aufrufen muß vor dem Hintergrund, als einzige Alternative zu den signatures-Gängen ein 7-Gang-Menue anzubieten....ohne ihm, dem Gastronomen, irgendwelche Vorschriften machen zu wollen, er wäre vielleicht ökonomisch unklug, es in Paris nicht zu versuchen. In D hatte ich bislang noch nie ein Problem, welches Menue auch immer auf 3-4 Gänge zu kürzen, auch wenn es nur als größeres auf der Karte war.
                              Liebe Heike, genau so hatte ich es geschrieben, daß es für mich persönlich obszön ist (für merlan kaufe ich ein Synonym: unanständig... zumal das Adjektiv per definitionem ein subjektives Empfinden ausdrückt).
                              Und was gibt es natürlich Schöneres, als sich besondere Dinge zu gönnen, das Auto ist ein gutes, verbreitetes Beispiel, auch ich habe hier letztes Jahr über die Strenge geschlagen. Und ist es vielleicht nicht auch obszön, daß unser Fünfjähriger Kaviar mag, das kann ich selbst kaum beantworten. Aber es sind manche Dinge, in die ich für mich nicht mehr so sehr investieren möchte. Sei es, daß ich auch eine Übernachtung mit der Familie im Bareiss für 600€ -ja- obszön finde. Wenn ich dann inklusive der Mittagessen, Getränke und der obligatorischen Massage für die Gattin auf einen noch weit höheren Betrag komme, sehe ich im Moment, daß ich es in den nächsten Monaten nicht wiederholen muß. Ich verwahre mich jedoch vor Ihrer Vermutung, ich sähe mein derzeitiges Empfinden als allgemeingültig.

                              In jedem Fall mal eine schöne Randdiskussion hier, Danke,
                              MkG, S.

                              P.S. zur Vermeidung der "Aha, Auto geht, aber Vorspeise geht nicht"-Diskussion sei erwähnt, es handelt sich um ein zukünftiges Erbstück, daß bereits im ersten Jahr 15% Wertzuwachs erfuhr.

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