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    ...ist ein Thema welches mich seit geraumer Zeit bewegt und je weiter ich komme, umso weiter divergieren zwei unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Gourmet, Gourmetküche, sie können auch Fine Dining, Sterne oder Haubenküche, Schlemmer oder jede äquivalente Begrifflickeit für Nachfrage und Angebotsseite einsetzen, es ändert nichts an den Schlussfolgerungen.

    Wie oft bei mir, kommt dann der letzte Denkanstoß hier aus dem Forum, meistens sind es banale 1 Zeiler, die meinen Kopf besonders beim Kochen und der Gartenarbeit auf Trap halten, weswegen ich auch genau hier anfangen möchte.

    Von Ihnen mein lieber (hier sollte ich besser "werter" schreiben) Sphérico,

    mit folgendem Zitat aus dem Thema Michelin 2017 sagen sie eigentlich alles.

    Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
    Nur das ein nicht geringer Teil der Bevölkerung glaubt, die besten Restaurants haben fünf Sterne...
    Ich schätze diesen nicht geringen Teil, auf mindestens 95% der Gesamtbevölkerung und selbst unter denen die wissen, dass der Michelinführer niemand ist der mit Reifen spazieren geht, bildet der hier versammelte Kreis, nur eine kleine integrationsfeindliche und extremistische Gourmetterrorzelle, ab jetzt lesen auch die Gäste aus Übersee mit die außerhalb der Branche nahezu niemanden interessiert. Natürlich ließt auch Flo hier mit, sein Satz war: "da sind die Geister die ich nie wollte!"

    Ich schätze viele, fast alle hier Schreibenden, verstehe den Humor, kenne die Vorlieben und kann, abgesehen von den Kommata die Sprache bedienen; viele Köche empfinden diese als überheblich oder arrogant, sie schreiben und sprechen anders aber das nur am Rande.

    Selbstverständlich begrüße ich scharf geführte Debatten, konkrete Aussagen bringen jeden weiter auch wenn es häufig länger dauert, bis die Einsicht erfolgt welche zur (Selbst)- Erkenntnis führt.

    Hier in diesem Forum ist es üblich, in **- und ***e Restaurants etwas zu vermissen und es ist für nicht wenige selbstverständlich, 1*er lieber zu meiden, wenn es die Möglichkeit auf mehr gibt oder sich auf *** oder BIB festzulegen, weil * und **er mit dem PLV ohnehin nicht mithalten können.

    In der Folge ergibt sich hier ein Maßstabsfaktor, dessen Standard die Küchen von Bau, Wissler und Thieltges definieren, was verständlich aber völlig absurd, weltfremd und für 99,x% der Gesamtbevölkerung nicht von Relevanz ist.

    Auch ich kann mich davon nicht frei machen, so habe ich beispielsweise eines der besten Essen in Hannover ever, an einem sehr gelungenen Abend, im Basil, http://www.forum.restaurant-ranglist...Basil-Hannover nur als "ordentlich" beschrieben, dabei war es sehr sehr gut, nur eben nicht nach den Maßstäben dieses Forums. Sorry ihr wart super, auch unter solchen Bedingungen (der Bus) so sauber zu liefern, das machen euch nur sehr wenige nach.

    Am Ende aber nehmen sich nahezu alle selbst und auch dieses Forum sowie die gesamte Plattform viel zu wichtig. Es ist ein Hobby, sollte ein Hobby sein, welches jeder und jede zum eigenen Spaß betreibt und dessen Hauptinhalt darin besteht, die anderen Foristi zu informieren und zu unterhalten, sich zu informieren, Meinungen auszutauschen. Außer uns, den Chefs und Angestellten der besprochenen Häuser, ließt das hier keiner.

    Zurück aber zum Thema Relevanz, vor welchem wir uns alle genau solange nicht verschließen sollten, wie */16p/8Pfannen/FFF - ***/19,5 ect, nicht ausreichen, um an einem normalen Freitag einen Gastraum mit 30 Plätzen zu füllen. Ich habe mich gezwungen um Umfeld der Guides-Saison 2017, immer wieder auch von außen und unter der Prämisse: "Interesse steuert Wahrnehmung" auf die Branche und die Berichterstattung zu schauen.

    Von Innen betrachtet ist das Feedback enorm, selbst für einen BIB viele tausend Klicks auf Facebook, Gratulationen von Kollegen, Begleitmedien und Lieferanten, spätestens ab einem Stern fühlt es sich von Innen nach Rockstar an aber was ist das wert, wenn sehr viele derer, die man in den kommenden 20 Jahren gern als Gäste hätte und genau genommen auch braucht, nicht im Netz der Sternevergabe huldigen, sondern The voice of Germany schauen weil sie das Thema Gourmet bereits mit dem Vorabendprogramm abgehakt haben. Wenn ich hier das Stadtgespräch anheizen wollte, wäre ein neues, möglichst teures Auto besser geeignet, als jede kulinarische Auszeichnung.

    Von außen betrachtet aber, gibt es kaum wahrnehmbare Impulse in den Massenmedien, die über die menschliche Komponente der Berichterstattung hinaus gehen. Hier ein Portrait, da eine Homestory oder ein Tellerbild. Klare Gründe, harte Fakten warum das ausgezeichnete Restaurant unbedingt einen Besuch wert sein sollte, nennt keiner der seine Leser nicht vor den Kopf stoßen will, man schreibt für die Mitte der Gesellschaft und die kann sich das, die Sterneküche, ohnehin nicht leisten.

    Wie aber kommen wir aus dieser sich um uns selbst drehenden Beweihräucherungsanlage, ohne das verleugne zu müssen, was wir aus unserem Spleen heraus wirklich schätzen und wie ziehen wir unser Ding durch, ohne fast die komplette Bevölkerung als potentielle Gäste zu verlieren?

    Es gibt sehr viele potentielle Gäste, unser Land ist reich aber kaum einer interessiert sich noch wirklich für guten Geschmack, viele kennen diesen nicht. Erkennen aus Unwissenheit Qualitäten nicht mehr und entscheiden sich über den Preis. Der Loup von Aldi, hier müssen sie nicht mit einem geringen Einkommen argumentieren, auch reiche Menschen loben einfachste Zuchtbarsche, wenn sie nur vom richtigen Nobelitaliener und teuer genug an den Tisch gebracht werden. KGBus müsste einige davon aus RK Zeiten kennen. ;-)

    Und selbstverständlich gibt es auch unter den Gourmetmenüanbietern einiges an Scharlatanerie, Köche und Gastronomen die wissen, dass 99% der Gäste den Unterschied zwischen Brasilien und US-Beef nicht kennen. Vermutlich aber auch richtig viele, die -oft Anlassbezogen- so gut aufkochen, wie sie können und dann von Gästen heimgesucht werden, die den Rest des Jahres zum Griechen gehen und am Ende traurig sind, dass es zu dem hohen Preis, nicht selten den höchste den sie je für eine Mahlzeit berappt haben, nicht Ouzo satt gab.

    Auch die Menschen für die diese eher schlicht klingenden Menüfolgen geschrieben wurden, wissen nicht, dass es uns hier oben gibt und solange wir ihnen mit Überheblichkeit begegnen, werden sie wenig Lust bekommen uns kennen zu lernen, auch wenn es nicht selten nur einen einzigen wirklichen Kracher braucht, um sie anzufixen aber unsere Antwort ist zur Zeit immer häufiger ein eher restriktives Verhalten gegenüber Gästen, die nicht auf Anhieb das richtige bestellen, zur falschen Zeit kommen wollen oder sonst nicht in unser Konzept passen.
    Die Unerschütterlichen kommen ein zweites Mal aber spätestens nach einem zweiten negativen Erlebnis, sind sie für ewig an den Dorfkrug o.ä. verloren.
    Hier nehmen sich auch viele der Köche eventuell etwas zu wichtig, kochen zum Beispiel lieber schön als wohltemperiert und lecker, setzen den Fokus eher auf das was der Elite unter den Gästen ganz besonders gefallen könnte, als auf Zugänglichkeit auch für eher unbedarfte Gäste. Sehen die Arbeit mehr als Mission denn als Broterwerb und übersteigern sich in der Selbsteinschätzung, anhand von real Irrelevanten Auszeichnungen, Berichten und Texten aus der eigenen Stichwortwolke.
    Auch die Tatsache, dass viele absichtlich erst nach Redaktionsschluss der Guides mit personellen Veränderungen raus Rücken, bestärkt mich in der Annahme, dass mancherorts dem * im Buch mehr Relevanz beigemessen wird, als dem bereits gewonnen Gästekreis, was das ganze System ad absurdum führt. Eine langfriste und verbindliche Gästekommunikation, sollte Stammgäste eher dazu bewegen zu bleiben. Und reichen die Gäste die der bereits erkochte Stern anlockte nicht aus, um einen Betrieb sinnvoll zu führen, braucht es ohnehin neue Impulse, die aus der inneren Wahrnehmung heraus, besser mit einem neu verliehenen als mit einem verteidigten Stern zu generieren sind.

    Ich weiß leider nicht genau wie es früher war, in meiner Idealvorstellung gab es den einfachen Dorfkrug, denn das gehobene Gasthaus und nach einem weiteren eher fließenden Übergang die Sternerestaurants, eine Leiter an der sich der geneigte Gast hochfuttern konnte. Heute ist das immer weniger der Fall, Gastronomie im Alltag und in der Spitze gehen immer weiter auseinander und beide Bereiche haben ihren völlig eigenen Kosmos in Form von Apps, Guides ect erschaffen, was der nächste Einschnitt in die Relevanz der Spitze sein wird.

    Plattformen und Netzwerke zeigen uns immer häufiger Inhalte und sortieren uns Suchergebnisse vor, von denen sie ausgehen, dass sie uns gefallen. Wir sollen mit der App zufrieden sein, sie will und nicht enttäuschen, damit wir möglichst viele Buchungen über sie machen und sie belohnt und für Bewertungen, damit wir uns selbst und anderen bestätigen, das dieses Programm gut für uns ist. In der Folge nehmen wir alles was uns zu Beginn unserer Esskarriere nicht interessierte, immer weniger wahr und die wenigsten interessieren sich zu Beginn für Sterneküche.



    Vielen Dank allen, die es bis hier unten geschafft haben, vielleicht sehen sie all das oder einiges ein wenig anders, zu keiner Zeit war es meine Intention auf jemandes Schlips zu treten.
    Vielmehr hoffe ich die vielen aktuell aktiven Kräfte, welche sich in den unterschiedlichen Themen nahezu abarbeiten zu bündeln, denn für mich sieht es so aus, als könnten wir uns ruhig ein kleines bisschen mehr entspannen, unser Ego aus der ein oder anderen Situation herausrechnen und eine kleine, gepflegte und hoffentlich wertungsfreie Grundsatzdebatte führen.


    Es wäre mir eine Freude.


    Viele Grüße

    Passeparout
    Zuletzt geändert von passepartout; 07.12.2016, 01:28.

  • #2
    Werter Passepartout,

    ein interessanter Post > dessen Pudel`s Kern ich noch nicht richtig erkannt habe ;-)

    Ich versuche mal "Relevanz" etwas kürzer und wirtschaftlicher einzusortieren. Ich kenne nicht nur einen Sternekoch privat. Ja, das Ego steigt mit jedem Stern und jeder Auszeichnung > und das ist auch richtig so! Und - das ist dann wirklich relevant: der Umsatz, die Gästeanzahl und das Gehalt auch (zumindest in den Beispielen, die ich persönlich erlebt habe) > also meine primitive Schlußfolgerung: ist doch alles gut wie es ist! Sie, werter Passepartout werden ganz sicher auch von den neuen Auszeichnungen profitieren und das ist auch gut so und verdient!

    KG
    Chess

    Kommentar


    • #3
      Habe mich mal durch Ihren ambitionierten Text durchgekämpft, lieber Passepartout, und der Einfachheit halber ein paar Anmerkungen in "rot" hinzugefügt. Vielleicht hilft es ja:

      "...ist ein Thema welches mich seit geraumer Zeit bewegt und je weiter ich komme, umso weiter divergieren zwei unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Gourmet, Gourmetküche, sie können auch Fine Dining, Sterne oder Haubenküche, Schlemmer oder jede äquivalente Begrifflickeit für Nachfrage und Angebotsseite einsetzen, es ändert nichts an den Schlussfolgerungen.

      Wie oft bei mir, kommt dann der letzte Denkanstoß hier aus dem Forum, meistens sind es banale 1 Zeiler, die meinen Kopf besonders beim Kochen und der Gartenarbeit auf Trap halten, weswegen ich auch genau hier anfangen möchte.

      Von Ihnen mein lieber (hier sollte ich besser "werter" schreiben) Sphérico,

      mit folgendem Zitat aus dem Thema Michelin 2017 sagen sie eigentlich alles.

      Ich schätze diesen nicht geringen Teil, auf mindestens 95% der Gesamtbevölkerung und selbst unter denen die wissen, dass der Michelinführer niemand ist der mit Reifen spazieren geht, bildet der hier versammelte Kreis, nur eine kleine integrationsfeindliche und extremistische Gourmetterrorzelle, ab jetzt lesen auch die Gäste aus Übersee mit die außerhalb der Branche nahezu niemanden interessiert. Richtig, aber so ist das überall bei "special interest groups". Natürlich ließt auch Flo hier mit, sein Satz war: "da sind die Geister die ich nie wollte!"

      Ich schätze viele, fast alle hier Schreibenden, verstehe den Humor, kenne die Vorlieben und kann, abgesehen von den Kommata die Sprache bedienen; viele Köche empfinden diese als überheblich oder arrogant, sie schreiben und sprechen anders aber das nur am Rande. Auch das kann ich mir vorstellen.


      Selbstverständlich begrüße ich scharf geführte Debatten, konkrete Aussagen bringen jeden weiter auch wenn es häufig länger dauert, bis die Einsicht erfolgt welche zur (Selbst)- Erkenntnis führt. Durchaus!


      Hier in diesem Forum ist es üblich, in **- und ***e Restaurants etwas zu vermissen und es ist für nicht wenige selbstverständlich, 1*er lieber zu meiden, wenn es die Möglichkeit auf mehr gibt oder sich auf *** oder BIB festzulegen, weil * und **er mit dem PLV ohnehin nicht mithalten können. Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Und wenn ich einen Uhren- oder Autospleen habe, gebe ich mich auch nicht mit einer Omega oder einem Fiat zufrieden.


      In der Folge ergibt sich hier ein Maßstabsfaktor, dessen Standard die Küchen von Bau, Wissler und Thieltges definieren, was verständlich aber völlig absurd, weltfremd und für 99,x% der Gesamtbevölkerung nicht von Relevanz ist. Das ist richtig, aber typisch für Leute, die sich für eine Nische interessieren.


      Auch ich kann mich davon nicht frei machen, so habe ich beispielsweise eines der besten Essen in Hannover ever, an einem sehr gelungenen Abend, im Basil, http://www.forum.restaurant-ranglist...Basil-Hannover nur als "ordentlich" beschrieben, dabei war es sehr sehr gut, nur eben nicht nach den Maßstäben dieses Forums. Sorry ihr wart super, auch unter solchen Bedingungen (der Bus) so sauber zu liefern, das machen euch nur sehr wenige nach.

      Am Ende aber nehmen sich nahezu alle selbst und auch dieses Forum sowie die gesamte Plattform viel zu wichtig. [COLOR="#FF0000"]Das glaube ich nicht; hier gibt es viele, die da zu differenzieren wissen..Es ist ein Hobby, sollte ein Hobby sein, welches jeder und jede zum eigenen Spaß betreibt und dessen Hauptinhalt darin besteht, die anderen Foristi zu informieren und zu unterhalten, sich zu informieren, Meinungen auszutauschen. Richtig! Außer uns, den Chefs und Angestellten der besprochenen Häuser, ließt das hier keiner. Stimmt wohl.

      Zurück aber zum Thema Relevanz, vor welchem wir uns alle genau solange nicht verschließen sollten, wie */16p/8Pfannen/FFF - ***/19,5 ect, nicht ausreichen, um an einem normalen Freitag einen Gastraum mit 30 Plätzen zu füllen. Ich habe mich gezwungen um Umfeld der Guides-Saison 2017, immer wieder auch von außen und unter der Prämisse: "Interesse steuert Wahrnehmung" auf die Branche und die Berichterstattung zu schauen. Klar!

      Von Innen betrachtet ist das Feedback enorm, selbst für einen BIB viele tausend Klicks auf Facebook, Gratulationen von Kollegen, Begleitmedien und Lieferanten, spätestens ab einem Stern fühlt es sich von Innen nach Rockstar an aber was ist das wert, wenn sehr viele derer, die man in den kommenden 20 Jahren gern als Gäste hätte und genau genommen auch braucht, nicht im Netz der Sternevergabe huldigen, sondern The voice of Germany schauen weil sie das Thema Gourmet bereits mit dem Vorabendprogramm abgehakt haben. Wenn ich hier das Stadtgespräch anheizen wollte, wäre ein neues, möglichst teures Auto besser geeignet, als jede kulinarische Auszeichnung. Auch klar!

      Von außen betrachtet aber, gibt es kaum wahrnehmbare Impulse in den Massenmedien, die über die menschliche Komponente der Berichterstattung hinaus gehen. Hier ein Portrait, da eine Homestory oder ein Tellerbild. Klare Gründe, harte Fakten warum das ausgezeichnete Restaurant unbedingt einen Besuch wert sein sollte, nennt keiner der seine Leser nicht vor den Kopf stoßen will, man schreibt für die Mitte der Gesellschaft und die kann sich das, die Sterneküche, ohnehin nicht leisten. Richtig!

      Wie aber kommen wir aus dieser sich um uns selbst drehenden Beweihräucherungsanlage, ohne das verleugne zu müssen, was wir aus unserem Spleen heraus wirklich schätzen und wie ziehen wir unser Ding durch, ohne fast die komplette Bevölkerung als potentielle Gäste zu verlieren? Das klingt zu hart; ich denke, wir beweihräuchern uns nicht, sondern teilen nur unseren Spleen mit Gleichgesinnten.

      Es gibt sehr viele potentielle Gäste, unser Land ist reich aber kaum einer interessiert sich noch wirklich für guten Geschmack, viele kennen diesen nicht. Erkennen aus Unwissenheit Qualitäten nicht mehr und entscheiden sich über den Preis. Der Loup von Aldi, hier müssen sie nicht mit einem geringen Einkommen argumentieren, auch reiche Menschen loben einfachste Zuchtbarsche, wenn sie nur vom richtigen Nobelitaliener und teuer genug an den Tisch gebracht werden. KGBus müsste einige davon aus RK Zeiten kennen. ;-) Richtig!

      Und selbstverständlich gibt es auch unter den Gourmetmenüanbietern einiges an Scharlatanerie, Köche und Gastronomen die wissen, dass 99% der Gäste den Unterschied zwischen Brasilien und US-Beef nicht kennen. Vermutlich aber auch richtig viele, die -oft Anlassbezogen- so gut aufkochen, wie sie können und dann von Gästen heimgesucht werden, die den Rest des Jahres zum Griechen gehen und am Ende traurig sind, dass es zu dem hohen Preis, nicht selten den höchste den sie je für eine Mahlzeit berappt haben, nicht Ouzo satt gab. Richtig!

      Auch die Menschen für die diese eher schlicht klingenden Menüfolgen geschrieben wurden, wissen nicht, dass es uns hier oben gibt und solange wir ihnen mit Überheblichkeit begegnen, werden sie wenig Lust bekommen uns kennen zu lernen, auch wenn es nicht selten nur einen einzigen wirklichen Kracher braucht, um sie anzufixen aber unsere Antwort ist zur Zeit immer häufiger ein eher restriktives Verhalten gegenüber Gästen, die nicht auf Anhieb das richtige bestellen, zur falschen Zeit kommen wollen oder sonst nicht in unser Konzept passen. Hier sprechen Sie einen wunden Punkt an.
      Die Unerschütterlichen kommen ein zweites Mal aber spätestens nach einem zweiten negativen Erlebnis, sind sie für ewig an den Dorfkrug o.ä. verloren.
      Hier nehmen sich auch viele der Köche eventuell etwas zu wichtig, kochen zum Beispiel lieber schön als wohltemperiert und lecker, setzen den Fokus eher auf das was der Elite unter den Gästen ganz besonders gefallen könnte, als auf Zugänglichkeit auch für eher unbedarfte Gäste. Sehen die Arbeit mehr als Mission denn als Broterwerb und übersteigern sich in der Selbsteinschätzung, anhand von real Irrelevanten Auszeichnungen, Berichten und Texten aus der eigenen Stichwortwolke. Kann ich mir gut vorstellen.

      Auch die Tatsache, dass viele absichtlich erst nach Redaktionsschluss der Guides mit personellen Veränderungen raus Rücken, bestärkt mich in der Annahme, dass mancherorts dem * im Buch mehr Relevanz beigemessen wird, als dem bereits gewonnen Gästekreis, was das ganze System ad absurdum führt. Eine langfriste und verbindliche Gästekommunikation, sollte Stammgäste eher dazu bewegen zu bleiben. Und reichen die Gäste die der bereits erkochte Stern anlockte nicht aus, um einen Betrieb sinnvoll zu führen, braucht es ohnehin neue Impulse, die aus der inneren Wahrnehmung heraus, besser mit einem neu verliehenen als mit einem verteidigten Stern zu generieren sind. Dieses Jahr ist ein gutes Beispiel dafür.

      Ich weiß leider nicht genau wie es früher war, in meiner Idealvorstellung gab es den einfachen Dorfkrug, denn das gehobene Gasthaus und nach einem weiteren eher fließenden Übergang die Sternerestaurants, eine Leiter an der sich der geneigte Gast hochfuttern konnte. Heute ist das immer weniger der Fall, Gastronomie im Alltag und in der Spitze gehen immer weiter auseinander und beide Bereiche haben ihren völlig eigenen Kosmos in Form von Apps, Guides ect erschaffen, was der nächste Einschnitt in die Relevanz der Spitze sein wird. So wird es wohl kommen.

      Plattformen und Netzwerke zeigen uns immer häufiger Inhalte und sortieren uns Suchergebnisse vor, von denen sie ausgehen, dass sie uns gefallen. Wir sollen mit der App zufrieden sein, sie will und nicht enttäuschen, damit wir möglichst viele Buchungen über sie machen und sie belohnt und für Bewertungen, damit wir uns selbst und anderen bestätigen, das dieses Programm gut für uns ist. In der Folge nehmen wir alles was uns zu Beginn unserer Esskarriere nicht interessierte, immer weniger wahr und die wenigsten interessieren sich zu Beginn für Sterneküche. Richtig!


      Vielen Dank allen, die es bis hier unten geschafft haben, vielleicht sehen sie all das oder einiges ein wenig anders, zu keiner Zeit war es meine Intention auf jemandes Schlips zu treten.
      Vielmehr hoffe ich die vielen aktuell aktiven Kräfte, welche sich in den unterschiedlichen Themen nahezu abarbeiten zu bündeln, denn für mich sieht es so aus, als könnten wir uns ruhig ein kleines bisschen mehr entspannen, unser Ego aus der ein oder anderen Situation herausrechnen und eine kleine, gepflegte und hoffentlich wertungsfreie Grundsatzdebatte führen.


      Es wäre mir eine Freude. Es war mir eine Freude.

      Viele Grüße

      Passeparout" + Merlan

      Kommentar


      • #4
        Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
        kaum einer interessiert sich noch wirklich für guten Geschmack, viele kennen diesen nicht.
        Lieber Rahmen,

        vielen Dank für diesen gedankenreichen Besinnungsaufsatz. Gefühlt sind das bestimmt fünf verschiedene Postings, darum greife ich jetzt mal einen Aspekt heraus: Da gibt es hierzulande eine gut verdienende Mittelschicht, die sich trotz aller medial präsenten Köche und unendlich vielen Kulinarik-Events nicht durchringen kann, beim Thema Essen für gute Qualität auch die entsprechenden Preise zu zahlen. Ursachen dafür gibt es viele. Wie könnte man die Situation verbessern?

        -Als einfacher Gast kann man Freunde und Bekannte an gute Lebensmittel und die Feinschmeckerei heranführen. In jedem Bekanntenkreis gibt es sicherlich einige, die aufgeschlossen sind, aber noch den richtigen 'Kick' brauchen. Mir macht sowas jedenfalls immer Spaß.

        -Als Gastronom könnte man vielleicht versuchen, gutes Essen zu vernünftigen Preisen in lockerer Atmosphäre anzubieten. Warum also nicht in der Innenstadt an einem abgerockten Stehimbiss Fischbrötchen mit exzellenter Fischqualität zum doppelten des üblichen Preises anbieten? Stehen die Chancen dafür wirklich schlecht?

        -Als Bildungspolitiker könnte man sich für mehr Warenkunde in der Schule einsetzten, dafür müsste man die Lehrer schulen. Hätte sicherlich einen positiven Effekt.

        Ansonsten gilt natürlich, dass in Deutschland noch nie so gut gegessen wurde wie gegenwärtig. Alles Klagen und Jammern findet deshalb auf hohem Niveau statt.

        Grüße, mk

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        • #5
          ...Uhren- oder Autospleen habe, gebe ich mich auch nicht mit einer Omega oder einem Fiat zufrieden.
          Nana, merlan, was ist gegen den großen Klassiker Omega Seamaster 300 einzuwenden, auch wenn der bei Omega "nur" den Einstieg markiert (falls Sie also noch ein Weihnachtsgeschenk für mich suchen...)

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          • #6
            Lieber passepartout,

            Sie beleuchten so viele interessante und gleichsam wichtige Facetten eines meiner Hobbies so treffend in nur einem Post, so viele Hüte vermag ich garnicht gleichzeitig zu ziehen. Vielen Dank !

            Mit allerbesten Grüßen,
            Ihr S.

            (Hätte hier noch eine nette Anekdote zum Thema, ich will aber nicht den schönen Post von passepartout verwässern...)

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            • #7
              Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
              Nana, merlan, was ist gegen den großen Klassiker Omega Seamaster 300 einzuwenden, auch wenn der bei Omega "nur" den Einstieg markiert
              Da sehen Sie mal, dass ich von dieser "Nische" keine Ahnung habe!

              Schönen Gruß, Merlan

              Kommentar


              • #8
                Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                Als einfacher Gast kann man Freunde und Bekannte an gute Lebensmittel und die Feinschmeckerei heranführen. In jedem Bekanntenkreis gibt es sicherlich einige, die aufgeschlossen sind, aber noch den richtigen 'Kick' brauchen. Mir macht sowas jedenfalls immer Spaß.
                So ist es, man darf sich aber bewußtsein, daß die "Erfolgsquote" eher unter 20 denn bei 50% liegt, so meine Erfahrung. Die wenigen Gewonnenen sind es mir aber wert, nicht zuletzt erweitert sich mein Kreis der Restaurantbegleiter dadurch...

                Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                Als Gastronom könnte man vielleicht versuchen, gutes Essen zu vernünftigen Preisen in lockerer Atmosphäre anzubieten.
                Eine schöne Variante dessen sind nach meiner Ansicht die sogenannten Küchenpartys. Am Beispiel Opus wie auch bei vielen anderen sieht man allerdings, daß sich die Termine in "Feinschmecker"-Kreisen schneller herumsprechen als anderswo und die Termine dann schnell ratzfatz ausgebucht sind.
                Ein anderes vielleicht nützliches Werkzeug sind relativ günstige Mittagsmenues (s.a. Francais, Lafleur usw. usf.).

                Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                Als Bildungspolitiker könnte man sich für mehr Warenkunde in der Schule einsetzten, dafür müsste man die Lehrer schulen. Hätte sicherlich einen positiven Effekt.
                Oder als Eltern. Ich gehe mit meinen Jungs (6 und knapp 3) regelmäßig auf den lokalen Samstagsmarkt, erkläre, unterhalte mich über Obst und Gemüse und wir denken uns Gerichte aus und probieren hier und da. Ich finde, daß Ernährung außerhalb von Ermahnungen zu "iß mehr gesundes Obst" etwas aus dem Fokus mancher Eltern gerückt ist ?.

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                • #9
                  Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                  Da sehen Sie mal, dass ich von dieser "Nische" keine Ahnung habe!

                  Schönen Gruß, Merlan
                  1x Omega Seamaster 300 = 12x Paris-Tokio beim besten Koch in D.

                  Fiat werden ja liebevoll auch Ferrari genannt, die ebenso wie Maserati zum Fiat-Chrysler-Alfa-Konzern gehören (von letzterem ja auch der schönste no-bs Sportwagen der letzten 20 Jahre).

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                  • #10
                    Zitat von chess Beitrag anzeigen
                    1. des Pudel`s Kern ich noch nicht richtig erkannt habe ;-)
                    2. Ja, das Ego steigt mit jedem Stern und jeder Auszeichnung > und das ist auch richtig so! Und - das ist dann wirklich relevant: der Umsatz, die Gästeanzahl und das Gehalt auch (zumindest in den Beispielen, die ich persönlich erlebt habe) > also meine primitive Schlußfolgerung: ist doch alles gut wie es ist!

                    3. Sie, werter Passepartout werden ganz sicher auch von den neuen Auszeichnungen profitieren und das ist auch gut so und verdient!
                    1. Des Pudels Kern ist schlicht, alle hier offenen Themen und die auf sie verwendete Energie, in einem fokussierten Thema zusammen zu fassen, da ich die zerfahrenen und in Teilen unsinnigen Schlagabtausche weiter oben, für eine Verschwendung zum Teil brillanten Sachverstandes halte.

                    2. Da der Markt in seiner vorhandenen Breite nur durch Subventionen funktioniert und ein hohes (Sterne) -Niveau, vorerst vor allem Gäste abschreckt, was sich erst ab ** oder *** Sternen oder mit einer Fernsehshow wieder relativiert, möchte ich diesen Einwand auch ohne fundierte Gegenthese nicht gelten lassen.

                    3. Mein Betrieb ist in diesem Kontext nicht von Bedeutung, er ist von Beginn an darauf ausgelegt, ohne die oft unberechenbaren Guides zu funktionieren.
                    Selbstverständlich freue ich mich über mediales Feedback jeder Art und muss daraus als Unternehmer den größtmöglichen Imagegewinn generieren. Vornehmlich bei Kollegen, Mitbewerbern und den Produzenten anderer fachbezogenen Medien, denn meine Gäste muss ich auch weiterhin am Tisch überzeugen.

                    Als kleiner Fakt am Rande, die Zugriffszahlen auf meine Internetseite:

                    Im Jahresmittel haben wir 75 Besucher/24h,

                    am 13.11. "14 Punkte im Gault", waren es mit 98 Besuchern 23 mehr. Geschenkt.

                    Am 1. 12., als die Pressemeldung für den BIB kam, wo wir als einzige neue Adresse in Niedersachsen genannt werden, eine Liste für ganz Deutschland, publiziert und weit gestreut vom wichtigsten Gourmet Guide der Welt, in welcher mein Haus als einziges in einem ganzen Bundesland genannt wird, haben sich im Laufe das Tages 113 Besucher über unser Angebot informiert.

                    So sehr ich mich auch freue dabei zu sein, einfach weil es schöner ist als wenn nicht und sicherlich über das Jahr der ein oder andere Gast den Weg zu uns finden wird, der sonst nicht einmal wüsste, dass wir existieren, ist das bei aller Freude über jedes neue Gesicht im Gastraum, nicht wirklich relevant.

                    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                    1. Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten.
                    2. Und wenn ich einen Uhren- oder Autospleen habe, gebe ich mich auch nicht mit einer Omega oder einem Fiat zufrieden.
                    1. Dieser Umstand war maßgebend für unser Projekt, welches gemäß unseren Wünsche, Vorstellungen aber auch realistischen Möglichkeiten, privat wie gewerblich das absolute Optimum abbildet, wohingegen wir auf dem Teller einen bewusst defensiven Weg gehen, da wir gegen die Elite niemals werden anstinken können, was sich in etwa mit Mondkalbs pädagogischem Ansatz deckt. So gut wie nur möglich, mit einem klaren Fokus auf kulinarisches Basiswissen. Das ist mein ganz persönlicher Lösungsansatz.

                    Grundsätzlich aber beinhaltet dieser Punkt einmal mehr, dass es ohne Fremde Hilfe kaum möglich ist den Weg von der Eröffnung eines Restos, bis hin zu den höchsten Weihen zu gehen, ohne sich primär auf die Gäste zu konzentrieren, die bereits ohne Auszeichnungen den Weg finden oder aber auch dann noch den Weg und Umweg machen, wenn die publizierten Wertungen nicht mehr den eigenen Ansprüchen entsprechen. Nur so ist es wohl auch möglich, Sterne langfristig nicht als Geißel zu empfinden.

                    2. Ich habe einen Tick für Ausnahmeimmobilien, es fehlt noch das Haus zwischen Biarritz und Bilbao mit Doppelgarage samt w123 T-Modell und 504 Cabrio.

                    Sonst hatte ich bisher ungewöhnlich viel Glück und profitiere bereits jetzt in ausreichendem Maße, um auch ihren letzten Punkt anzusprechen werter Chess. Hier geht es mir wirklich und ausdrücklich nur um die Erstellung eines möglichst umfänglichen Stimmungsbildes.

                    Grüße Passepartout
                    Zuletzt geändert von passepartout; 07.12.2016, 16:10.

                    Kommentar


                    • #11
                      Passepartout, ich stimme ihren Aussagen größtenteils zu.

                      Was sehe ich anders? Zwei Aussagen von mir:
                      1. Die gehobene Gastronomie hat in Deutschland an Relevanz gewonnen: Hier gab es bedeutenden Aufwind in den letzten Jahren. Die "Sterneverleihung" des Guide Michelin ist überregionalen Tageszeitungen wie Bild eine Meldung wert. Tim Raue tritt in "Wer Wird Millionär" auf. Auf fast allen Sendern laufen mittlerweile Kochformate, oft angeführt von Köchen die mindestens einen Stern erhalten haben (Rosin, Trettl, Hermann, Lafer). Man kann diese Köche jetzt verteufeln und meckern, dass diese nicht mehr ihre Auszeichnungen wert sind (siehe die Diskussion zu Rosin in diesem Forum) aber früher gab es das gar nicht. Da musste Alfred Biolek herhalten bevor mit Stefan Marquard und Ralf Zacherl die ersten mit höheren Auszeichnungen kamen. Und für eine echte Öffnung haben wir Jamie Oliver und wohl auch Tim Mälzer gebraucht. Wenn ich jetzt Samstags das ZDF anmache gibt es die Küchenschlacht in der oft sogar 2-Sterne-Köche (letztens z.B. die Köche aus dem Fischers Fritz, Haerlin, Jacobs) als Juroren antreten. Die Zahl der Sterne- und 3-Sterne-Restaurants ist auf dem höchsten Stand und nach Japan und Frankreich am höchsten weltweit. Die gehobene Gastronomie kommt mehr und mehr in den deutschen Mainstream.

                      2. Dieses Forum ist bedeutend: Hierfür habe ich keine Belege aber ich würde die Bedeutung bei weitem nicht unterschätzen. Nach meinem Gefühl orientieren sich nicht nur Köche sondern auch bedeutendere Blogger an Anhaltspunkte an diesem Forum und seinem reichen Erfahrungsschatz. Und diese haben wieder eine ganz eigene Reichweite. Das funktioniert übrigens auch wechselseitig. So habe ich z.B. das Gefühl, dass das Wort "verdient" hier nun auch ganz anders interpretiert und diskutiert wird seitdem Trois Etoiles hierzu einen eigenen Beitrag verfasst hat. Über die Multiplikatoren hat dieses Forum in der Szene definitiv eine Bedeutung. Und diese Szene ist bei fast 300 Sternerestaurants alleine in Deutschland in seiner Größe auch nicht zu verstecken.

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                      • #12
                        Werter Frab, aus meiner Sicht haben Sie das auf den Punkt formuliert. Es ist typisch deutsch und auch aus meiner Sicht schlicht falsch: es gibt keinen Grund die Sterneküche und dieses Forum oder andere klein zu reden. Ganz im Gegenteil! Es profitieren doch wirtschaftlich nahe zu alle und darauf kommt es doch schon ganz irgendwie a bisserl an ... ��
                        KG Chess

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                        • #13
                          Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
                          Von Innen betrachtet ist das Feedback enorm, selbst für einen BIB viele tausend Klicks auf Facebook, Gratulationen von Kollegen, Begleitmedien und Lieferanten, spätestens ab einem Stern fühlt es sich von Innen nach Rockstar an aber was ist das wert, wenn sehr viele derer, die man in den kommenden 20 Jahren gern als Gäste hätte und genau genommen auch braucht, nicht im Netz der Sternevergabe huldigen, sondern The voice of Germany schauen weil sie das Thema Gourmet bereits mit dem Vorabendprogramm abgehakt haben. Wenn ich hier das Stadtgespräch anheizen wollte, wäre ein neues, möglichst teures Auto besser geeignet, als jede kulinarische Auszeichnung.
                          Bzgl. "Voice of Germany": Gleichzeitig gibt es auf Sat.1 eine Sendung namens "The Taste" in der nunmehr vierten Staffel (!) indem Kandidaten ihr kulinarisches Schaffen im Wettbewerb auf eine Löffeldegustation konzentrieren. Mit durchgehend mehr als 1,5 Millionen Zuschauern und über 10.000 Bewerbungen in Staffel 1. Geht viel mehr Haute Cuisine im Mainstream eigentlich noch?

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                          • #14
                            Vielen Dank für das großartige Ausgangsposting. Es trifft viele Nägel auf den Kopf.

                            Es sollte doch jedem Profi klar sein, dass wir eine Ansammlung von Nerds sind, wie man sie üblicherweise in Foren findet. Für meinen Beruf gibt es ein ähnliches Forum, in das ich von Zeit zu Zeit schaue. Dort ist der Anteil der schreibenden Profis sogar deutlich größer, als bei uns und über die Einträge dort schüttel ich so häufig den Kopf und denke, da schreiben Blinde von der Farbe. So ist es möglicherweise auch bei uns. Aber wie können Nerds für den Profi interessant sein? In unserem Fall sehe ich das so: viele von uns gehen häufig essen und schreiben häufiger ihre Empfindungen auf. Den meisten anderen Gästen fehlt die Breite der Vergleichsmöglichkeit und wenn man ein Erlebnis nicht aufschreibt, dann bringt man es auch nicht so auf den Punkt. Ich glaube, dass wenn wir kritische oder auch positive Punkte zu einem Restaurantbesuch thematisieren, habe diese auch viele andere Gäste bruchstückhaft so empfunden, können das aber oft nicht verbalisieren.

                            Außerdem dürften ja die wenigsten hier täglich auf diesem Niveau essen (können). Und die Arbeit für einen Bericht macht man sich ja auch nur, wenn das Essen in einer gewissen Weise besonders war. Insofern ist die von passepartout geschilderte Wahrnehmung der Profis sicher vollkommen normal und das verüble ich auch keinem. Aber das Forum ist ja auch nicht primär für Profis, sondern für uns Gäste. Klar, es ist unser Hobby und manchmal nimmt man das dann eben auch etwas (zu) ernst, aber ich finde, wir kriegen das doch häufig und relativ schnell wieder in den Griff.

                            Wenn ich an die Relevanz denke möchte ich dazu eines zu bedenken geben: die Berichterstattung in nahezu allen Bereichen die über das regionale/lokale hinausgeht, orientiert sich an den besten der besten. Sei es im Sport, wo natürlich über Bundesliga, Weltmeisterschaften und so berichtet wird und nicht über ein x-beliebiges Oberligaspiel. Selbst in der Politik konzentriert sich die normale Wahrnehmung auch einige Minister und Vorturner der Fraktionen - der normale Abgeordnete oder ein Thema, das nur in einem Bundesland relevant ist, kommt in bundesweiten Medien doch nur vor, wenn es irgendwie deutschlandweit eine Bedeutung hat. Es ist also vollkommen normal, dass wir uns hier auf eine gewisse Spitze konzentrieren. Es ist ja auch bemerkenswert, dass interessante Konzepte oft auch schnell bei uns mit einem Bericht bedacht werden. Als Beispiel sei das Sosein genannt, da waren wir die allerersten, soweit ich die Blogs übersehe, die da was hatten. Colette - unbesternt, ist aber auch bei uns mit mehreren Berichten vertreten. Natürlich kann es noch viele andere interessante Restaurants geben, die wir noch nicht entdeckt haben, z.B. weil kein Forumianer in der Gegend wohnt (ich wünschte mit für ganz Deutschland einen so dichten Thread, wie der über Franken).
                            Zuletzt geändert von QWERTZ; 07.12.2016, 23:54.

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                            • #15
                              Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                              Natürlich kann es noch viele andere interessante Restaurants geben, die wir noch nicht entdeckt haben, z.B. weil kein Forumianer in der Gegend wohnt (ich wünschte mit für ganz Deutschland einen so dichten Thread, wie der über Franken).
                              Vice versa: ich wünschte, es gäbe mehr spannende Restaurants in meiner Region, also Anfahrt unter einer Stunde
                              (eines wollte ich reservieren, da lese wörtlich ich auf der Homepage "die Chefin serviert klassische Kreationen auf hohem Niveau - und das absolut "molekularfrei" - nichts für Veganer und Vegetarier." Nicht daß ich wieder angeschoßen werde, ich esse alles, aber meine tollste Frau der Welt halt kein Fleisch...)

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