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  • #16
    Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
    Vice versa: ich wünschte, es gäbe mehr spannende Restaurants in meiner Region, also Anfahrt unter einer Stunde.
    Na, immerhin Pirmasens Brasserie in greifbarer Nähe, oder?

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    • #17
      Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
      Na, immerhin Pirmasens Brasserie in greifbarer Nähe, oder?
      Das ist auch ein großer Segen ! Jedoch immerhin 40 Minuten kurvenreich entfernt, der Kleinste dankt es gern mit Magenentleerung auf der Hinfahrt...

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      • #18
        Genau, wir sind doch Nerds.Und werden doch von Außenstehenden oft gar nicht ganz ernst genommen. Macht ja auch nichts.
        Ich betreibe nebenbei Wildlife-Fotografie, da sind die Nerds noch weit schlimmer.

        Das passt immer: Redet nich so viel über Pixel, geht lieber fotografieren.
        Hier halte ich es mit dem lieben Sphérico:
        Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
        Oder als Eltern. Ich gehe mit meinen Jungs (6 und knapp 3) regelmäßig auf den lokalen Samstagsmarkt, erkläre, unterhalte mich über Obst und Gemüse und wir denken uns Gerichte aus und probieren hier und da. Ich finde, daß Ernährung außerhalb von Ermahnungen zu "iß mehr gesundes Obst" etwas aus dem Fokus mancher Eltern gerückt ist ?.
        Das macht dann doch oft mehr Freude.
        Beachten sie aber, dass das mit der Zeit ein teurer Spaß wird. Ich weiß von was ich spreche.
        Aber schön ist es trotzdem.

        Gruß!
        einer der Nerds

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        • #19
          Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
          1) ...ist ein Thema welches mich seit geraumer Zeit bewegt und je weiter ich komme, umso weiter divergieren zwei unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Gourmet, Gourmetküche, sie können auch Fine Dining, Sterne oder Haubenküche, Schlemmer oder jede äquivalente Begrifflickeit für Nachfrage und Angebotsseite einsetzen, es ändert nichts an den Schlussfolgerungen.

          2) Am Ende aber nehmen sich nahezu alle selbst und auch dieses Forum sowie die gesamte Plattform viel zu wichtig. Es ist ein Hobby, sollte ein Hobby sein, welches jeder und jede zum eigenen Spaß betreibt und dessen Hauptinhalt darin besteht, die anderen Foristi zu informieren und zu unterhalten, sich zu informieren, Meinungen auszutauschen. Außer uns, den Chefs und Angestellten der besprochenen Häuser, ließt das hier keiner.

          3) Zurück aber zum Thema Relevanz, vor welchem wir uns alle genau solange nicht verschließen sollten, wie */16p/8Pfannen/FFF - ***/19,5 ect, nicht ausreichen, um an einem normalen Freitag einen Gastraum mit 30 Plätzen zu füllen. Ich habe mich gezwungen um Umfeld der Guides-Saison 2017, immer wieder auch von außen und unter der Prämisse: "Interesse steuert Wahrnehmung" auf die Branche und die Berichterstattung zu schauen.

          4) Plattformen und Netzwerke zeigen uns immer häufiger Inhalte und sortieren uns Suchergebnisse vor, von denen sie ausgehen, dass sie uns gefallen. Wir sollen mit der App zufrieden sein, sie will und nicht enttäuschen, damit wir möglichst viele Buchungen über sie machen und sie belohnt und für Bewertungen, damit wir uns selbst und anderen bestätigen, das dieses Programm gut für uns ist. In der Folge nehmen wir alles was uns zu Beginn unserer Esskarriere nicht interessierte, immer weniger wahr und die wenigsten interessieren sich zu Beginn für Sterneküche.
          Werter Passepartout, sehen Sie es mir nach, dass ich mir nach und nach Aspekte aus Ihrer Eröffnung rauspicke, die ich diskutieren möchte. Ihr Post regt tagsüber in der Arbeit immer wieder zum Denken an.

          Ich habe Ihre Punkte, die ich kommentieren möchte, durchnummeriert und antworte entsprechend nur auf diese, da ich dem Rest zustimme oder bereits kommentiert habe.

          1) Wenn ich Sie richtig verstehe, stellen Sie die Relevanz unseres Hobbies in Frage. Vermutlich angeregt von zu hitzigen Diskussionen und dem Vorwurf links und rechts, dass wir die Berührung zum Alltag verloren haben (ich kann nur mutmaßen). Im Fortlauf stellen Sie die Relevanz für die Allgemeinbevölkerung sowie aber auch der Auszeichnungen in Frage. Dazu habe ich und weitere ja bereits etwas geschrieben. Wir sind sicherlich eine Randgruppe aber definitiv nicht unbedeutend. Die Spitzenküche ist definitiv ebenfalls nicht unbedeutend (siehe meinen Vorpost). Und Auszeichnungen sind auch nicht unbedeutend. Ganz im Gegenteil - es hieß hier schon, dass ein Stern im Michelin mit 20% Umsatzsteigerung durch gestiegene Nachfrage einhergeht. Ihre Zahlen sind leider nicht ganz repräsentativ (interessanter wären, ob sich die Gästezahl verändert; noch genauer wäre natürlich, wenn Sie Gäste fragen wie diese auf Sie aufmerksam geworden sind), aber ich lese an den Spitzenwerten raus, dass mit der Gault Millau-Mitteilung die Aufmerksamkeit auf Sie schlagartig um 30% höher war, beim Bib im Michelin um 50%. Das finde ich schon relevant. Hier wären weitere Zahlen und Beobachtungen hilfreich, um die nachhaltige Relevanz besser einzuordnen. Aber das ist natürlich auch Teil Ihres Betriebsgeheimnisses.

          2) Zu dem Punkt habe ich und weitere schon ausführlich Stellung bezogen.

          3) Auszeichnungen sind hilfreich um Interesse zu steuern, aber die besten Auszeichnungen können auch nicht über andere Aspekte wischen. Ich habe hier selbst einen Bericht über ein tolles Essen in einem 2-Sterne-Restaurant in Berlin geschrieben, welches ich aber trotz aller Auszeichnungen nicht so schnell besuchen werde, da mir und noch deutlicher meiner Begleitung Atmosphäre im Verhältnis zum Preis dafür nicht gefallen haben. Und wir beide gehen regelmäßig (d.h. 1 Mal im Monat) im "ausgezeichneten" Segment essen. Genauso hilft es mir z.B. nicht, wenn ich lese dass das Restaurant Überfahrt hoch dekoriert ist, aber ich regelmäßig Extras dazubestellen muss (x Gramm Kaviar), damit sich das volle Erlebnis einstellt. Das ist einfach nicht mein Fall. Umgekehrt motivieren auch andere Aspekte: Der tolle Service im Vendome hat großen Eindruck bei mir hinterlassen und alleine deswegen möchte ich es noch einmal dort probieren. Auszeichnungen mögen nur die Küchenleistung bewerten, die mir persönlich sehr wichtig ist. Aber: Eine gute bis sehr gute Küche gibt es mehr als ein Mal in Deutschland und dann zählen auch andere Aspekte, die in den Auszeichnungen nicht auftauchen.

          4) Ich glaube Sie sortieren die Plattformen und Netzwerke zu schnell negativ ein. Ein paar Auszüge aus Tripadvisor: In Frankfurt wird das Lafleur** an #87 von 1.974 geführt, Gustav* an #102, Weinsinn* an #86, Seven Swans* an #133. Das sind fast alles Platzierungen in den Top 5% der Frankfurter Restaurantlandschaft! Noch stärkeres Beispiel: In Paris wird an #3 Epicure*** geführt, #6 ist Le Cinq***, #9 Pierre Gagnaire***. Und das von über 13.000 Restaurants. Ihre Bedenken, dass uns Netzwerke und Plattformen die Spitzenküche komplett rausfiltern halte ich für unbegründet. In Paris bin ich im Gegenteil überrascht, dass drei so teure Restaurants es in die Top 10 der Besten aus Sicht der Tripadvisor-User (und damit sicherlich ein Stück weit auch durch Beliebtheit beeinflusst) schaffen.

          Die Frage ist eher was uns antreibt, das alles zu diskutieren. Warum wir es bedauern, dass die Kulinarik in Deutschland nicht die selbe Bedeutung wie in Frankreich erfährt? Meine Hypothese: Am Ende sind wir vielleicht alle auch ganz eigen und egozentrisch davon getrieben, dass wir Anerkennung möchten für unser Hobby anstatt zum fünften Mal erschrockenen Gesichtern zu erklären, dass "ein Stern" oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis mit sich bringt als der hochgelobte Sushi- und Wagyu-Filetladen der Stadt. Und vielleicht geht es uns gar nicht so sehr darum die Gesellschaft zu verändern (nachher müssten wir dann doch noch 3 Monate im Voraus "in unseren Restaurants" reservieren, anstatt nur 2 Tage).

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          • #20
            Lieber Passepartout,

            ich habe mir ein wenig Zeit gelassen mit einer Antwort, weil ich erst mal die vielen verschiedenen Punkte für mich sortieren musste, die Sie ansprechen (was mir noch immer nicht gelungen ist), aber zu einigen Anmerkungen sind mir relativ spontan Erwiderungen in den Sinn gekommen.

            Auch ich stimme anderen hier zu, dass die meisten in diesem Forum in gewisser Weise Nerds sind, und ich nehme mich da nicht aus, weil wir einem relativ elitären Hobby frönen. Mahlzeiten für mehrere Hundert Euro können und wollen sich nun mal die wenigsten leisten und so ist die ausführliche Beschäftigung damit auch für andere oft etwas weltfremd und abgehoben. Damit kann ich leben, freue mich aber, wenn ich andere Gleichgesinnte treffe und ich an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben kann, weil es für meine Entscheidungsfindung über den möglichen Besuch eines Hauses hilfreich ist. Damit hat es durchaus auch eine wirtschaftliche Auswirkung, denn ich lasse mich in meiner Entscheidung zu einem Restaurantbesuch durchaus gerne beeinflussen.
            Wenn, was vielleicht sogar stimmen mag, ansonsten nur Köche und Angestellte der beschriebenen Restaurants, die Beiträge hier lesen sollten, soll es mir auch recht sein. Denn auf diese Weise erfahren sie auch Respekt für ihre Arbeit, die sie ansonsten in anderer Form seltener erleben. Aber wer sich schon so ausführlich mit der Leistung der Küche eines Restaurants beschäftigt wie wir, zollt damit auch eine Form von Anerkennung.

            Ja, es mag sein, dass Zwei- und Dreisterner hier größere Aufmerksamkeit erfahren. Das finde ich aber durchaus normal. Neulich fragte ich einen bekannten Kölner Gastronomen mit ausgewiesener Riesling-Vorliebe, ob es ihm nicht selbst langsam langweilig würde, immer und überall - auch in ausländischen Restaurants - Weine von Klaus Keller zu trinken und das in den Social Media zu posten. "Wenn ich Champions-League trinken kann, warum sollte ich es dann nicht tun?" war seine Antwort. Das muss ich nicht teilen, aber ich kann es verstehen. Natürlich ist es spannender, etwas aus der obersten Liga zu lesen. Die setzt nun mal die Maßstäbe und liefert regelmäßig die wohl beindruckendsten Leistungen. Aber ich registriere schon, dass auch hier weniger bekannte Restaurants ihren Platz und ihr Forum finden. Die Kategorie "Gasthof" ist vielleicht etwas unterrepräsentiert, aber es ist ja an uns, das zu ändern und erste Ansätze sind schon erkennbar.

            Wenn man allerdings überwiegend in Sternehäusern essen geht, verschieben sich zwangsläufig auch die Qualitätsmaßstäbe und man beginnt, diese auch an andere Restaurants anzulegen. Das mag unfair sein und als Sie im Rückblick Ihre Bewertung als "ordentlich" für das Basil in Hannover als ungerecht empfanden, fühlte ich mich ertappt. Denn auch ich habe dieses Adjektiv in meiner Besprechung verwendet, würde aber dabei bleiben, weil es die Qualität des Essens (Ausführung, Komposition) gemessen am eigenen Anspruch und der Preisgestaltung für mich korrekt wiedergibt. Und das ist gar nicht negativ gemeint. Denn unterm Strich haben wir uns ja sauwohl gefühlt und würden auch jederzeit wieder kommen.
            Aber ein Restaurant wie das Basil muss mit seiner Preisgestaltung fürs Essen eben auch damit leben, dass man kritisch anmerkt, wenn ein Gericht nicht 100% stimmig ist - und das völlig unabhängig davon, dass die Weinkarte und der Service toll sind.
            Nebenbei bemerkt würde ich persönlich diese hohen Maßstäbe natürlich nicht an einfache Gaststätten anlegen, wenngleich es mich schon ab und zu in den Fingern juckt, zum Beispiel über das "Radieschen" in Hannover zu schreiben, eine Kleingarten-Gaststätte, in der unfassbar ehrlich und handwerklich solide gekocht wird, wie man es zu den Preisen kaum erwarten würde. Aber ich gehe davon aus, dass dafür hier dann doch nicht so ganz das richtige Forum ist.

            Wo ich Ihnen vollkommen zustimme ist, dass auch mir vorkommt, dass wir hier unser Hobby oft zu ernst nehmen. Auch wenn ich mich bemühe, einen Teller in meinen Beschreibungen einigermaßen anschaulich wieder zu geben, geht es mir doch in erster Linie wie in einem Museum. Das Bild, das ich anschaue, muss mir zunächst mal gefallen - auch wenn ich es nicht verstehe. Genau so halte ich es beim Essen. Und deshalb bin ich auch nicht auf einen Küchenstil festgelegt, sondern offen für viele Entwicklungen (wenngleich ich natürlich Präferenzen habe...). Aber ich kann in jedem Fall respektieren, wenn andere Forumianer gleiche Restaurants anders wahrnehmen als ich. Daraus muss ich keine Glaubensfrage machen. Es ist eine Geschmacksfrage. Und über die streite ich nicht. Mitunter etwas zu ernste Auseinandersetzungen darüber nehme ich hier dann nur zur Kenntnis.

            Um den Kreis aber zu schließen: für mich hat dieses Forum eine große Relevanz, denn es spiegelt sehr breit gestreut viele aktuelle Entwicklungen in der Gastronomieszene wider, gibt mir Anregungen für eigene Besuche und versammelt ein erstaunliches Erfahrungspotential. Ich denke, auch diese Relevanz ist nicht zu unterschätzen.

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            • #21
              Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
              wenngleich es mich schon ab und zu in den Fingern juckt, zum Beispiel über das "Radieschen" in Hannover zu schreiben, eine Kleingarten-Gaststätte, in der unfassbar ehrlich und handwerklich solide gekocht wird, wie man es zu den Preisen kaum erwarten würde. Aber ich gehe davon aus, dass dafür hier dann doch nicht so ganz das richtige Forum ist.
              Mich würde das durchaus interessieren, lieber thomashaj! Sicherlich könnte man dafür einen hübschen Thread 'einfache, aber unfassbar ehrliche Küche' oder dergl. anlegen...

              Kommentar


              • #22
                Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                Mich würde das durchaus interessieren, lieber thomashaj! Sicherlich könnte man dafür einen hübschen Thread 'einfache, aber unfassbar ehrliche Küche' oder dergl. anlegen...
                Auf jeden Fall. Den solche Läden sind meist ja viel schwieriger zu finden als die mit den Sternen. Man kann sich ja gerne kurz fassen und darauf verzichten jedes Gericht im Detail zu sezieren.

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                • #23
                  Werter Chess,

                  es war in keiner Weise meine Absicht etwas oder gar alles schlecht zu reden, ich weiß wie gut es mir und fast möchte ich sagen, uns allen hier geht. Wichtig für mich war eine kurzfristige Entkoppelung von der Realität, in welcher wir Köche wie getriebene unterwegs sind und unsere Gäste selbst auf höchstem Niveau, noch das gewisse etwas vermissen.

                  Um dieses hypothetisch zu erreichen, habe ich die Wichtigkeit im Allgemeinen und zur Veranschaulichung auch fallbezogen, aus der Rechnung heraus dividiert.

                  Es bleibt die Frage warum machen wir das, die Spitzenküche als Köche und warum essen wir das als Gäste.

                  Werter Frab, sie bemessen die Relevanz von Sternen unter anderem monetär, was sofern Hochküche per Dekret gekocht werden muss, absolut korrekt ist.

                  Lasse ich aber Wirtschaftlichkeit als hartes Argument zu, muss ich die Ambitionen an den Nagel hängen und mit dem Personal und der Startinvestition der Sterneküche 4-5 Italiener betreiben. Ich weiß nicht wo die Gehälter der Sterneköche liegen, ich hatte über die 4 Jahre mit meiner Pastakneipe in Hannover, ein durchschnittliches Jahresnettoeinkommen von 90k€. Erzielt mit 15k€ Startkapital und knapp 40Std/Woche Kernarbeitszeit. Das Niveau: 5 Pfannen Gusto

                  Es gibt genau genommen keinen rein monetären Grund, besser zu kochen als nötig, um den Laden voll zu haben, es gibt lediglich den inneren Antrieb. Daraus folgt als einzig logische Schlussfolgerung, dass Köche diesen Wahnsinn freiwillig machen, woraus wiederum folgt, dass sie sich auch freiwillig der Bewertung erfahrenerer und zum Teil meinungsstärkerer Gäste aussetzen. Für mich ein wichtiger Punkt bezüglich der (auch meiner eigenen) Kritikfähigkeit.

                  Ihr Argument mit den vielen Sterneköchen im TV hast durchaus seine Berechtigung, ob das aber wirklich hilfreich oder nur nett ist, darüber muss ich noch nachdenken und auch wenn dieses Thema noch nicht zu Ende ist, muss ich jetzt erst einmal 6 Pfannen in den Schrank räumen! Für mich ganz persönlich von Relevanz. :-))


                  Grüße

                  Passepartout

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                  • #24
                    Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch für die 6 Pfannen!

                    Kommentar


                    • #25
                      Je mehr ich mich mit diesem Thread und insbesondere dem lobenswerten Impuls von Passepartout beschäftige, desto mehr stelle ich die Art unserer Berichterstattung in diesem Forum – und damit auch meine eigene - in Frage. Verkürzt bündelt sich das vielleicht in folgender Aussage:

                      Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
                      Wichtig für mich war eine kurzfristige Entkoppelung von der Realität, in welcher wir Köche wie getriebene unterwegs sind und unsere Gäste selbst auf höchstem Niveau, noch das gewisse etwas vermissen.
                      Danach wäre es eigentlich nur angebracht, rein faktisch (und nicht „postfaktisch“!) über einen Restaurantbesuch zu berichten, subjektive Eindrücke über Atmosphäre, Service etc. zu schildern und mit dem Fazit zu enden, ob das Restaurant denn nun „meins“ ist oder nicht. Das „Bekritteln“ oder gar „Auseinandernehmen“ einzelner Gerichte, wie es in den einschlägigen Blogs und auch in diesem Forum durchaus üblich ist, müsste bis auf ein „schmeckt/schmeckt nicht“ und das Anmerken von objektiven Fehlern (aber wo gibt es die schon in der Topgastronomie?) eigentlich tabu und anmaßend sein.

                      Mit nachdenklichem Gruß, Merlan

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                      • #26
                        Ich hoffe, es ist nicht off-topic. Dass die Deutschen generell nicht so gerne Geld für's Essen ausgeben, ist zwar statistisch festgehalten (im Vergleich zu anderen europäischen Ländern). Trotzdem bemerke ich hier in Hamburg, aber auch wenn ich mal in Berlin, Frankfurt oder München bin, dass gefühlt viel mehr auswärts gegessen wird als früher, und zwar durch alle Altersklassen, besonders bei den Unter-35-Jährigen. Es gibt ein paar Lokale in Hamburg, die sind ständig voll. Bei jedem Wetter, an jedem Wochentag. Das Café Paris, diverse Steak-Restaurants, so gut wie jedes halbwegs vernünftige Burger-Lokal, Tim Mälzer in der Schanze, Poletto. Und einige davon sind nicht einmal besonders günstig.

                        Ich persönlich glaube einfach, dass das klassische Gourmet-Restaurant-Konzept mit fünf- oder mehrgängigen Menüs und noch Amuses und Pré-Desserts davor und danach, Brotauswahl, etc. nur noch für ein bestimmtes Publikum zeitgemäß ist. Da passiert einfach zu viel über den Abend hinweg, zu viele Eindrücke, zu oft der Service am Tisch. Mein Eindruck ist, dass sehr viele Leute ihren Abend nicht durch das Essen dominiert haben wollen, sondern lieber wie eine Art "Hintergrundmusik" (es gibt ja auch nicht nur Einkaufszentrum-Muzak, sondern auch richtige gute Hintergrundmusik).

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                        • #27
                          Mein Eindruck,lieber rocco, ist aber auch, daß viele garnicht mehr kochen können und deshalb ausgehen ?!

                          MkG, S.

                          Kommentar


                          • #28
                            Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
                            Werter Frab, sie bemessen die Relevanz von Sternen unter anderem monetär, was sofern Hochküche per Dekret gekocht werden muss, absolut korrekt ist.

                            Lasse ich aber Wirtschaftlichkeit als hartes Argument zu, muss ich die Ambitionen an den Nagel hängen und mit dem Personal und der Startinvestition der Sterneküche 4-5 Italiener betreiben. Ich weiß nicht wo die Gehälter der Sterneköche liegen, ich hatte über die 4 Jahre mit meiner Pastakneipe in Hannover, ein durchschnittliches Jahresnettoeinkommen von 90k€. Erzielt mit 15k€ Startkapital und knapp 40Std/Woche Kernarbeitszeit. Das Niveau: 5 Pfannen Gusto

                            Es gibt genau genommen keinen rein monetären Grund, besser zu kochen als nötig, um den Laden voll zu haben, es gibt lediglich den inneren Antrieb. Daraus folgt als einzig logische Schlussfolgerung, dass Köche diesen Wahnsinn freiwillig machen, woraus wiederum folgt, dass sie sich auch freiwillig der Bewertung erfahrenerer und zum Teil meinungsstärkerer Gäste aussetzen. Für mich ein wichtiger Punkt bezüglich der (auch meiner eigenen) Kritikfähigkeit.

                            Ihr Argument mit den vielen Sterneköchen im TV hast durchaus seine Berechtigung, ob das aber wirklich hilfreich oder nur nett ist, darüber muss ich noch nachdenken und auch wenn dieses Thema noch nicht zu Ende ist, muss ich jetzt erst einmal 6 Pfannen in den Schrank räumen! Für mich ganz persönlich von Relevanz. :-))
                            Werter Passepartout,

                            Sie sind der Gastronom also maße ich mir unter uns Beiden keine besserwisserische Meinung an. Sie sprechen davon, dass es sich finanziell mehr lohnen würde nicht das höchste Küchenniveau anzustreben und einfach nur zu schauen, "dass der Laden voll wird". Es gibt aber ein hohes Segment (sog. "Sterneküche) und entsprechend muss es m.E. auch eine Nachfrage dafür geben. Anders herum gesagt, es gibt wohl genug Gäste, die sich ein höheres Niveau wünschen - dieses Forum hier ist die Spitze dieses Eisberges.

                            Was man aber nicht abstreiten kann: Da es finanziell für viele in der Spitzenküche schwierig zu sein scheint ohne Synergieeffekte, von z.B. einem Hotel, finanziell zu überleben, scheint es ein Überangebot zu geben. Warum gibt es das? Hier sehe ich es wie sie - es gibt schlicht Köche die dies aus innerem Antrieb freiwillig machen. Warum machen die das? Vermutlich Wunsch nach Anerkennung, Freude daran "zu den Besten zu gehören", Selbstwahrnehmung als Künstler, usw. Sind diese relevant? Die Reservierungszahlen von Restaurants wie "The Table" oder die erwähnten Statistiken zu Tripadvisor in Paris legen eine Relevanz nahe.

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                            • #29
                              "Je mehr ich mich mit diesem Thread und insbesondere dem lobenswerten Impuls von Passepartout beschäftige, desto mehr stelle ich die Art unserer Berichterstattung in diesem Forum – und damit auch meine eigene - in Frage. Verkürzt bündelt sich das vielleicht in folgender Aussage:

                              Zitat Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
                              Wichtig für mich war eine kurzfristige Entkoppelung von der Realität, in welcher wir Köche wie getriebene unterwegs sind und unsere Gäste selbst auf höchstem Niveau, noch das gewisse etwas vermissen.
                              Danach wäre es eigentlich nur angebracht, rein faktisch (und nicht „postfaktisch“!) über einen Restaurantbesuch zu berichten, subjektive Eindrücke über Atmosphäre, Service etc. zu schildern und mit dem Fazit zu enden, ob das Restaurant denn nun „meins“ ist oder nicht. Das „Bekritteln“ oder gar „Auseinandernehmen“ einzelner Gerichte, wie es in den einschlägigen Blogs und auch in diesem Forum durchaus üblich ist, müsste bis auf ein „schmeckt/schmeckt nicht“ und das Anmerken von objektiven Fehlern (aber wo gibt es die schon in der Topgastronomie?) eigentlich tabu und anmaßend sein.

                              Mit nachdenklichem Gruß, Merlan "

                              Nicht weniger nachdenklich, lieber Merlan, fällt mir auf, daß bei der Wahl zum "Bericht des Jahres" im Augenblick zwei Berichte vorne liegen, die beide emotional geschrieben sind, weit über "schmeckt/schmeckt nicht" hinaus und dennoch auf das "„Bekritteln“ oder gar „Auseinandernehmen“ einzelner Gerichte" verzichten. (Ich konnte mich da schwer und nur aus dem -noch vollen- Bauch heraus entscheiden.)
                              MkG
                              s.
                              PS: ist eigentlich eine PN an mk, aber mein Speicher ist immer noch zu voll (und alle Anderen lesen jetzt gefälligst weg):
                              Ich schreib Ihnen schon noch ein paar Zeilen. Aber, Meletos, Sie können mir mein Getränk schon mal vorbereiten
                              s.

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