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Von Badelatschen und sonstigen Zumutungen

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  • Von Badelatschen und sonstigen Zumutungen

    Nachdem sich - erfreulicherweise mal wieder - ein leidenschaftliches Gourmetchen gemeldet hatte um mitzuteilen, daß ein Nachtisch, serviert auf einem FlipFlop, ihr ästhetisches Empfinden beleidige, so daß sie dieses Lokal solange meiden wolle, bis sich der Wirt bereit zeige, von diesem Unfug Abschied zu nehmen, will ich - allerdings an neutralem Ort, um den, wie ich herauslese, an sich tüchtigen Koch nicht zu sehr auf seine Tourette-artigen Geschmacksverirrungen zu reduzieren - auch noch einige Bemerkungen beifügen.
    Bei den Vorbereitungen für meinen Frühlingsurlaub hatte ich mir von einigen in Frage kommenden Lokalen Fotos im Internet angesehen. Und da merke ich, wie ich mehr und mehr Abneigung entwickle gegen diese aufgemopsten Präsentationen. Mit einem Restaurant war ich mir schon fast sicher gewesen, aber der Widerwille, irgendetwas aus einem ausgehölten Stein zu löffeln und eine gefüllte Nudel von einer polierten Wurzel, einer mittelmäßigen Volkshochschulbastelei, zu klauben, obsiegte ... ich geh da nicht hin, ich will nicht mehr überraschtes Entzücken heucheln für dumm Tüch, wie Konsul Jean sagen würde.

  • #2
    Gerne wiederhole ich meine These: man muss die Präsentation nicht mögen. Ich fand zum Beispiel das Tannengrün rund um die Amuses im Rutz etwas ungünstig, weil man die Kleinigkeiten da herausfingern musste. Aber, dass ich davon meine Auswahl, in welches Restaurant ich gehe, beeinflussen lasse, kann ich definitiv verneinen.

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    • #3
      Man sollte vielleicht auch einmal an den hygienischen Aspekt dieser zweckentfremdeten Objekte denken. Mir fällt da spontan etwa das Holzbrettchen ein, auf dem im Horvath, Berlin Tag für Tag ein Stückchen Sellerie liegt, das zuvor drei Monate im Salz gereift sein soll. Ich muss gestehen, dass mir das auf einem richtig spülbaren Objekt deutlich sympathischer wäre.

      Und wie die Badelatschen gereinigt werden, möchte ich lieber gar nicht wissen.

      Ach, es gibt doch so schönes Porzellan!

      Schönen Gruß, Merlan

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      • #4
        Wenn also Badelatschen, dann gern aus Porzellan. Nein, ist mein voller Ernst, warum nicht. Im Les Deux sind die Kaviardosen für das Standardgericht meines Älteren aus Porzellan und einer solchen nachempfunden.
        Ich mag ja auch ab und an ausgefallen angerichtete Speisen, aber gerne nichts, was nicht in die Spülmaschine kann. Und Latschen möchte ich da eigentlich nicht drin haben.
        Interessanterweise ausgerechnet in der Schwarzwaldstube habe ich erstmals Geschirr der spanischen Porzellanmanufaktur Pordamsa gesehen und gleich aus einer der Gastro-Serien bestellt. Schön und witzig gemachtes spülmaschinenfestes wenngleich feines Porzellan abseits des klassischen Designs (einschließlich Typ "ausgehöhlter Stein"). Die liefern auch nach Leipzig.

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        • #5
          Ich bin mir bewusst, dass kein direkter bzw zwingender Zusammenhang besteht, aber wenn ich so gehäuft visuelle Geschmacksentgleisungen sehe wie in den Berichten aus Leipzig, dann drängen sich mir automatisch auch Zweifel an der Küche auf. Es würde mich natürlich nicht davon abhalten bei Gelegenheit hinzugehen, da mir wie gesagt klar ist, dass das eine mit dem anderen nicht unbedingt zu tun hat. Aber locken tut es mich ganz sicher nicht. Und nein, Badelatschen und Molaren als bzw auf dem Teller, das ist genausowenig "Geschmacksache" wie Bilder von Thomas Kinkade oder Tennissocken zum Anzug.

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          • #6
            Zitat von glauer Beitrag anzeigen
            das ist genausowenig "Geschmacksache" wie Bilder von Thomas Kinkade
            Ach Du meine Güte, hab es gerade nachgeschlagen ! Also, was es so alles gibt... U made my day ! Also, wer möchte glauer einen Kinkade schenken ?

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            • #7
              OMG - Habe auch gerade Thomas Kinklade gegoogelt. Lieber 100x von Badelatschen essen als auch nur ein Bild von ihm in meiner Nähe hängen haben. Meine Augen tun jetzt noch weh.

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              • #8
                Auch wenn ich zugeben muss, in einem Kinklade Gemälde zu wohnen...Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: PANO_20170321_182755.jpg
Ansichten: 1
Größe: 33,7 KB
ID: 51865 ...ohne Schmerzen deswegen zu empfinden, wurde der Teller nach meinen Erfahrungen nicht ohne Grund über viele Jahre hinweg als Speisegeschirr geschätzt und seine Beschaffenheit immer weiter an die Erfordernisse angepasst, welche der Verzehr von Speisen unter zu Hilfenahmen von Besteck an diesen stellte. Das diese Erfahrungswerte in Zeiten in denen es bei besonderem Essen nur noch sekundär um solch banale Dinge​ wie Wohlgeschmack geht, ebenfalls in Frage gestellt werden, macht mich traurig. Nennen sie mich gern einen Langweiler aber ich mag auf glatten Tellern angerichtet Dinge die gut schmecken und bestenfalls auch noch wohl temperiert sind und Wurstsemmeln.

                Am meisten Spaß hatte ich bisher mit einem dieser Petrischalenteller, darauf wurde über eine nett drappierte Vorspeise, am Tisch reichlich Fond gegossen. Zum Verzehr diese *** Tellers, lag ein sehr runder und ordentlich gewölbter Löffel bereit. Egal was ich versuchte, der Sud war nicht auf den Löffel zu bekommen, selbst eine Schräglage des Tellers war sinnlos. Nun bin ich in Momenten solcher Schmach recht schmerzfrei und trinke aus dem Teller, *** hin oder her, ich will diese Flüssigkeit konsumieren. Leider war es nicht einmal möglich aus diesem Teller zu trinken, ohne größere Mengen durch die Mundwinkel zu verlieren. :-(

                Viele Grüße
                Passepartout

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                • #9
                  Das ist auch bei mir das einzige Thema. Wenn das Essgeschirr nicht dazu nutzt, dass ich das Essen adäquat in den Mund bekomme und der Genuss gestört ist, dann finde ich das ärgerlich. So z.B. im Noma mit seinen unscheinbaren Holzlöffeln geschehen ...

                  Ansonsten vertraue ich bei Badelatschen und Holzbrettchen dem deutschen Gesundheitsamt.

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                  • #10
                    Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen
                    Ansonsten vertraue ich bei Badelatschen und Holzbrettchen dem deutschen Gesundheitsamt.
                    Naja, ob man denen vertrauen kann? Bei manchen Flip-Flops sollte man auch den Kontakt mit den Füßen vermeiden, geschweige denn mit Lebensmitteln.
                    Viele Flip-Flops stecken voller Chemie!

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                    • #11
                      Zumindest zu allem anderen als akustischem Genuss tragen bei mir alle Schüsseln und Teller aus Porzellan bei, bei denen doch netterweise auf jegliche Form der Lackierung oder Glasur verzichtet wurde. Da isst es sich doch glatt noch angenehmer aus der Badewanne.

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