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  • Lecker

    Nein, hier soll es mal nicht um das leckere Essen gehen, sondern um den Lecker, speziell den Papierlecker.

    Kennen Sie doch sicher auch, die Zeitgenossen, die beim Umblättern von Zeitungen und Zeitschriften vorher immer den Zeigefinger anfeuchten müssen und dafür ihre Zunge benutzen. Besonders beliebt in Arztpraxen während der Grippewelle! Alle blättern, lecken oder wischen über ihr Smartphone. Nur ich bin unbeschäftigt und hoffe, dass kein Bakterium oder gar ein Virus den Weg zu meinen Schleimhäuten findet.

    Nun gibt es aber auch noch unangenehmere Lecker, denen man gar nicht ausweichen kann, nämlich die Tütenlecker. Heute Morgen hatte ich erst wieder so einen auf dem Markt: "Zwei Fenchelknollen bitte." Kaum habe ich meinen Wunsch ausgesprochen, schnappt sich der freundliche, irgendwie nordafrikanisch aussehende Verkäufer eine Spitztüte, leckt am Zeigefinger, öffnet die Verpackung und steckt meine beiden Fenchelknollen in das braune Papier. Na, macht nichts, der Fenchel wird ja geschmort. Dann strahlt er mich mit seinen Zahnlücken an und fragt, ob ich noch weitere Wünsche hätte. Ja, Rucola - Tüte, lecken, einpacken. Ja, Petersilie - Tüte, lecken, einpacken.

    Ich zahle, gehe zum Auto und überlege mir, dass ich den Rucola doch nicht als Salat, sondern besser als Gemüse mache, schön durchgegart.

    Hypochondrische Grüße, Merlan
    Zuletzt geändert von merlan; 23.03.2013, 15:34.

  • #2
    Genial! Danke!

    Mir sind bislang nur die Zeitschriftenlecker aufgefallen, ein Tütenlecker kam mir (bewusst) noch nicht unter. Mir tät's vermutlich grausen.

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    • #3
      Lieber Merlan, ich hoffe Sie haben danach alle Türklinken mit einer behandschuhten Hand heruntergedrückt und den Küchenschwamm kurz mal bei 100 Grad durchgekocht... Dann steht einem gesunden Genuss ja nichts mehr im Weg. :cheers:

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      • #4
        Lieber Qwertz,
        das mit den 100 Grad ist echt schmarrn, auch bei 40/60 überleben die Viecher nicht, Laboruntersuchung, gesehen beim NDR.

        @Merlan Wir haben gefühlt Winter, da kann man ja auch mal Krautsalat essen, obersten Blätter ab und danach hat da keiner drin rumgewühlt.

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        • #5
          stimmt, hab ich auch gesehen. Aber was hilft das einem hypochondrischen Merlan?

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          • #6
            Zitat von schnecke Beitrag anzeigen
            Wir haben gefühlt Winter, da kann man ja auch mal Krautsalat essen
            Hilft aber nicht so gut gegen Winter-Blues wie Rucola!

            Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
            Aber was hilft das einem hypochondrischen Merlan?
            Mein französischer Fischhändler sagt immer: "Es gibt nichts Gesünderes als Merlan! 3 x die Woche ein Filet mit ein paar Kräutern zwischen 2 Teller gelegt und für ein paar Minuten auf einen dampfenden Topf. Fertig!"

            So habe ich es jetzt auch mit der Petersilie von dem Nordafrikaner mit der Zahnlücke gemacht. War aber auch bestimmt 40 - 60 Grad warm zwischen den Tellern!

            Beste Sonntagsgrüße, Merlan (heute Abend gibt es den Rucola im Risotto; schön durchgegart! :koch

            PS: War doch mal wieder ein richtig gesundes Wochenende! :cheers: Stimmt, ich muss noch den Rotwein hochholen!

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            • #7
              Zitat von schnecke Beitrag anzeigen
              Lieber Qwertz,
              das mit den 100 Grad ist echt schmarrn, auch bei 40/60 überleben die Viecher nicht, Laboruntersuchung, gesehen beim NDR.
              Liebe Leichtfertige, liebe Hypochonder, liebe Normalhygieniker, hier ein kleiner Hygieneexkurs:

              die "Hygienewahrheit" kann man bei der obersten Gesundheitsinstanz des Landes, also nicht etwa dem NDR oder dem Gesundheitsamt/-ministerium, sondern dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin nachlesen.

              1. Mit Sicherheit reichen 40° zur Abtötung von Baktieren nicht aus, im Gegenteil ist dies für viele die Wohlfühltemperatur (Waschgang 30° in der Waschmaschine ist also für die meisten Burschen Wellnessurlaub)

              2. Der Cut-off für die allermeisten Bakterien liegt bei 60° Celsius, allerdings sprechen wir hier von Kern- und nicht umgebungstemperatur, über 10 Minuten.
              Für Legionellen sind eigentlich 70° über 10 Minuten zur Abtötung empfohlen (Vermehrung bis 47°), gegen Sporen hat man unter 120° eh keine Chance.

              3. Das etwas glibberige Material z.B. in Wassertanks, z.B. Kaffeemaschine nach 1-2 Tagen ist kein "abgestandenes Wasser", sondern ein bakteriell produzierter Biofilm und randvoll mit Pseudomonas aeroginosa-Bakterien. Bevor es soweit kommt, schütte ich immer mal wieder kochendes Wasser in den leeren Tank.

              4. Lagern Sie keine Lebensmittel-Kartons/Schachteln/Boxen auf dem Fußboden, lagern Sie erdkontaminierte Lebensmittel wie Kartoffeln getrennt von anderen.

              5. aus o.g. Gründen verzichte ich gern auf ein Onsen-Ei. 30% der Eier enthalten Salmonellen, diese werden meißt nur nicht klinisch apparent.

              6. die o.g. Empfehlungen sind "soll"-Empfehlungen mit Evidenzklasse Ia oder Ib.

              7. durchaus Vorsicht also bei den auch von mir geliebten sous-vide Zubereitungen, anschließendes kurzes starkes erhitzen/anbraten hilft ein wenig, ohne daß die Konsistenz allzusehr leidet. Fisch bringe ich zumindest auf über 60°.

              8. ab und zu mal kochend heißes Wasser über die Spüle, hier haben Sie ein wahres Terrarium für Pseudomonaden, Acinetobacter und Legionellen.

              9. keine Hysterie, sondern gesunder Menschenverstand bei Diarrhoen in der Familie.

              10. seit Semmelweiß wissen wir: am wichtigsten ist ordentliche Händehygiene.


              Für Rückfragen gerne jederzeit verfügbar,
              MkuhG, S.
              Zuletzt geändert von Sphérico; 25.03.2013, 19:59.

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              • #8
                Au weia, da habe ich anscheinend nur durch eine äußerst glückliche Aneinandereihung von Zufällen in meinem bisherigen Leben noch keine Bakterienvergiftung erlitten. Dabei bin ich ein großer Rohkostler. Nicht nur Gemüse und Obst, auch Fleisch, gerne durch den Wolf gedreht, um die Oberfläche zu vergrößern, das bietet einfach auch bessere Nistplätze für die Kokken, dann ein rohes Ei darübergeschlagen, ich nehme einen guten Teil des Eiweißes auch mit dazu, das macht's schmatziger; Leber roh? Muß manchmal sein, wie sollte man dien Teig für die Leberknödel sonst abschmecken? Fisch? Natürlich roh, gerne auch öfter und dann dafür mehr. Milch direkt aus der Kuh, ah, c'est vachement bon, nur gegen das tierwarme hab' ich ein kleines Aber, also gekühlt. Ja und dann Käse; ohne Rohmilch? never!
                s.

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                • #9
                  Verständlich, lieber Schlaraffe,

                  ich liege da zwischen Ihnen und dem RKI. Es ist ja immer auch eine Frage des Umgangs mit unseren Lebensmitteln. Und Obst/Gemüse, da reicht ja bekanntlich sowieso das Waschen oder Schälen vor dem Rohverzehr. Rohes Ei kommt allerdings aufgrund eines Kindheitstraumas auf dem Bauernhof (ich dachte mit 3 oder 4, die kämen schon fertig aus dem Huhn und mußte dann ein rohes probieren, jamais plus) nicht auf meinen Teller
                  Bakterielle Infekte hatten auch Sie sicher schon unzählige, diese werden Ihnen nur meist nicht aufgefallen sein. Das ist der Unterschied zwischen Infektion und Erkrankung. Also in diesem Sinne, weiter bon appetit !

                  MkG, S.

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                  • #10
                    Da schließe ich mal diesem Thread an:

                    Normalerweise lächle ich immer über die Panik vor verunreinigtem Essen und übertriebener Hygiene. Wenn man sieht, wie viele Top-Köche asiatische Straßenküche schätzen, hat das wenig mit unserer teils hypochondrischen Reinlichkeitsvorstellung zu tun. Ich muss aber zugeben, dass ich in diesem Jahr selbst überrascht worden bin. Ich habe mir den Norovirus und andere lustige Dinge in diesem Jahr nun zum dritten mal in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Besuch eines Sternerestaurants eingefangen. Wo das war ist letztendlich egal. denn es könnte vermutlich überall passieren. Es war aber in jedem Fall so, dass aufgrund der äußeren Umstände die Folgen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf den Restaurantbesuch zurückzuführen waren. Insoweit kann man sich vermutlich kaum schützen und es ist eine Frage von Glück oder Pech wie alles im Leben.

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                    • #11
                      Eine amüsante Geschichte, lieber Merlan. Erinnert mich an einen Crêpes-Bäcker aus meiner Kindheit, der noch bis vor einigen Jahren einen kleinen Stand bei einem Bäcker in der Frankfurter B-Ebene (Hauptwache) hatte: während die Crêpes vor sich hin garten, popelte der immer, etwas gedankenverloren, mit dem Wendeeisen die Teigreste aus seinen Hand- und Fingerfalten. Die Crêpes waren verdammt gut, aber irgendwann fand ichs dann doch eklig...

                      Grüße
                      b.

                      PS: Ich frage mich, ob die wiederholte Information, dass Ihr Marktständler mutmaßlich Nordafrikaner war, eine tiefere Bedeutung hat?

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                      • #12
                        Heute hatten wir übrigens eine Obsthändlerin, eine Irin, erlebt, wie sie nicht etwa die Finger leckte, um eine Tüte besser aufrebeln zu können, sondern tatsächlich, um die Äpfel besser greifen zu können.
                        Was, lieber brigante, soll denn der gute Merlan machen, wenn in seiner Erzählung der Verkäufer aussah, wie einer aussieht, wenn er aus Nordafrika stammt? Und dann noch eine Zahnlücke hat? Soll er das dann weglassen, weil er besorgt sein muß, nach einer "tieferen Bedeutung" befragt zu werden?
                        Oder anders formuliert: hätten Sie auch nachgefragt, wenn der Verkäufer skandinavischen Aussehens gewesen wäre? Ich will mal zu Ihren Gunsten annehmen, daß Sie bei Ihrer Rückfrage frei von jedweden rassistischen Ressentiments sind; eine vorauseilende politische Korrektheit, ja, die wollen wir Ihnen gerne zugestehen.
                        MkkG
                        S.

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                        • #13
                          Es scheint, sie verstehen mich miss, lieber Schlaraffenland, was mich in diesem Fall etwas erschreckt.
                          Sage ich es also nochmal anders, weniger ironisch, mehr didaktisch: wozu die Erwähnung der Herkunft, wenn sie eigentlich bedeutungslos ist? Spielt das Aussehen -jenseits der Zahnlücke- für das Lecken eine Rolle? Oder nochmal anders: was, sollte man sich fragen, wird mit einer solchen Erwähnung bei einer solch leicht ekligen Geschichte beim Leser, sei es evtl. auch unbewusst, impliziert? Oder anders formuliert: hätte es die Erwähnung auch gegeben, wenn der Verkäufer mitteleuropäischen Aussehens gewesen wäre?
                          Oder nochmal anders: ich hätts einfach weggelassen.

                          Grüße
                          b.

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                          • #14
                            Sie brauchen, lieber brigante, nicht zu erschrecken, zumal ich Sie gar nicht mißverstanden habe. Vielmehr bin ich mir eben nicht sicher, ob Sie auch bei meiner fingerleckenden Irin interveniert hätten. Es ehrt Sie ja, daß Sie mit einem gewissen Beschützerinstinkt zivilcouragiert Partei ergreifen. Dennoch wäre es mir äußerst unangenehm, mich in aller Öffentlichkeit für etwas rechtfertigen zu müssen, was ich doch so, wie eigentlich ja auch jeder weiß, nicht gemeint hatte.

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                            • #15
                              Doch doch, die Irin wäre mir auch aufgefallen.

                              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                              Dennoch wäre es mir äußerst unangenehm, mich in aller Öffentlichkeit für etwas rechtfertigen zu müssen, was ich doch so, wie eigentlich ja auch jeder weiß, nicht gemeint hatte.
                              Ebendrum hatte ich das beiläufig in das PS gepackt. Sollte nett-stichelnd sein. Hat nicht richtig geklappt. Naja.
                              Mein Crêpes-Bäcker war übrigens auch irgendwas Südländisches. Bin sicher, dass mancher Franfurter hier ihn noch kennt.

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