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Lilli & Jojo - Das kleine Wirtshaus, Gamlitz

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  • Lilli & Jojo - Das kleine Wirtshaus, Gamlitz

    Als wir das letzte Mal an diesem Ort waren, hieß das Restaurant noch „Gasthaus Schramm“ und wir verbrachten einen wunderbaren Abend auf der lauschigen Terrasse mit Blick in die Weinberge und traditioneller steirischer Küche, wie sie sorgfältiger kaum sein könnte. In Ermangelung einer Weinkarte brachte uns der Chef einen wunderbaren Chardonnay vom Weingut Gross, der mit seinem Barriqueeinsatz genau dem entsprach, was wir uns gewünscht hatten. Es war einer der Abende, an die man noch lange zurück denkt, weil nicht nur das hervorragende Essen, sondern auch die besondere Atmosphäre und Gastlichkeit den Charme ausmachten.

    Szenenwechsel: In Köln kommen wir mit einem befreundeten Sommelier ins Gespräch über die Südsteiermark und er erzählt begeistert von einem Gasthaus, in dem er mit einem bekannten lokalen Winzer gegessen hatte. Schnell stellen wir fest, dass es sich um exakt dasselbe Restaurant handeln muss, nur mittlerweile unter neuer Leitung.
    Da uns in unserem Urlaub eh noch für einen Abend eine Reservierung fehlt und das „Lilli & Jojo“, so der neue Name, in Fußweite zu unserer Unterkunft liegt, ist auch dieser Tisch schnell gebucht und wir sind neugierig, was sich geändert hat.

    Die neuen Betreiber sind Joachim Gradwohl und Lilli Kollar. Gradwohl verfügt über eine beachtliche Karriere mit Stationen in Schubecks „Kurhausstüberl“, Witzigmanns „Aubergine“ und dann diversen Restaurants in Wien, wobei er vor allem im „Meinl am Graben“ seine größten Erfolge feiern konnte, als er vom Gault Millau mit drei Hauben und 2007 zum Koch des Jahres ausgezeichnet wurde.

    Nun also die Südsteiermark, wo sich zumindest äußerlich nicht viel verändert hat. Die Terrasse ist immer noch so bezaubernd und der Gastraum von schlichter Rustikalität wie ehedem.


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    Terrasse & Interieur

    Aus der Karte, die 12 wahlweise humorvoll oder poetisch betitelte Gerichte umfasst, stellen sich die Gäste ihr Menü ab drei Gängen (48 Euro) selbst zusammen.
    Das Gedeck, das hier obligatorisch ist, wird als „Schnabelweide“ bezeichnet, was doppeldeutig zum einen Köstlichkeiten für den Mund beschreibt und gleichzeitig einen Ort, an dem jeder so reden kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Es umfasst gutes Brot, Butter, einen Cracker mit Schinken und eine pikant-fruchtige Suppe aus Tomate, Paprika und Erdbeer.


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    Die Schnabelweide

    Die erste Vorspeise heißt „Paradiesisch“ und setzt Paradeiser, also Tomaten, in den Mittelpunkt. Zusammen mit Pfirsichen und mutmaßlich Ziegenfrischkäse und Basilikum ergibt sich eine steirisch-sommerliche Caprese-Variante, die sehr davon lebt, dass sich sowohl Tomaten als auch Pfirsiche auf dem Höhepunkt ihrer Qualität befinden.


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    PARADIESISCH

    Mein Rindertatar ist sehr fein gewolft und hat dadurch fast eine Konsistenz wie Streichwurst, ist mir also eigentlich zu weich. Dafür ist die ausgezeichnete Fleischqualität deutlich festzustellen, es ist außerdem gut abgeschmeckt und mit dem gepufften Buchweizen gibt es zudem einen schönen Crunch. Auch der dazu servierte Toast ist von prima Qualität. Muss man ja auch mal anmerken.


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    BEEF FREE

    Im nächsten Gang widmen wir uns den Suppen. Die klare Rindssuppe mit Frittaten ist durch und durch klassisch mit gutem Fond, nicht überwürzt, sondern eher dezent.
    Auch die Petersilien-Samtsuppe, die ich aufgrund der Farbe eher Petersilienwurzel zuschreiben würde, ist unaufdringlich abgeschmeckt, aber ausgesprochen lecker. Schwarzbrot-Krokant und Schnittlauch setzen feine Akzente in der perfekt schaumig-cremigen Suppe.


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    GANZ KLAR
    PETERLE

    Wie gut auch einfach anmutende Gerichte gelingen können, beweisen die folgenden dünnen Bandnudeln, ganz offensichtlich hausgemacht, die nur mit Auberginenwürfeln, Zucchinistreifen und einer leichten Tomatencreme kommen. Was zuhause schnell zu einem plumpen Mischmasch geraten kann, wird hier in seiner Natürlichkeit zu einem leichten, sommerlichen und feinen Gang.


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    PASTA PASST IMMER

    Dagegen nimmt sich das Einkorn-Risotto mit Steinpilzen und Radicchio erdiger aus. Das Risotto verfügt über guten Biss, der Radicchio kommt als Creme und auch die Sauce sorgt dafür, dass dieses vegetarische Gericht einen Touch Fine Dining abbekommt.


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    OTTO

    Mein Mann entscheidet sich im Hauptgang für Kalb, das sowohl als kurzgebratenes als auch geschmortes Stück kommt. Dazu gibt es Pfifferlinge und breite Gartenbohnen und eine relativ naturbelassene Jus sowie überraschend blasse, dafür cremige Polenta. Geschmacklich ist das alles solide, nicht mehr und nicht weniger. Bei der Optik des Tellers hätte man sich vielleicht etwas mehr Mühe geben können. Aber ansonsten ist das schon in Ordnung.


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    MUH-VIEH-STAR

    Ohne Schnickschnack kommt auch mein gut gebratener Saibling mit Erbsen und gelber Rübe. Dazu gibt es tatar-ähnliches Gemüse, möglicherweise auch aus Rübe. Mit prägnanter Würze hält sich die Küche auch hier zurück, was irgendwie ohnehin ein Kennzeichen des Abends ist, aber hier beim Saibling passt das sehr gut und ich bin deshalb mit meiner Wahl sehr zufrieden.


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    SALVELINUS

    Die Desserts kommen ebenfalls ganz traditionell und ohne großes Drumherum, aber dafür sehr gekonnt auf den Tisch. Der Zwetschgenfleck ist frisch und sehr dünn gebacken, das Vanilleeis dazu sehr gut.
    Auch die Pavlova mit Feigen, Erdbeeren, einem Baisertörtchen mit reichlich Sahne und Erdbeereis ist handwerklich sauber gemacht und bedient das Bedürfnis nach klassischer Süßspeise.


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ID: 71681
    AUCH ICH BIN EINE ROSE
    ANNA PAVLOVA

    Dass Joachim Gradwohl seinen Beruf beherrscht, ist unbestritten. Wenn man seinen Werdegang kennt, hat man das Gefühl, dass er hier den Ort gefunden hat, an dem er sich keine Zwänge mehr auferlegen muss, sondern kochen kann, wonach ihm ist: geradlinig und ohne Chichi. Und genau das passt auch hierher. Denn dies ist weiterhin ein Wirtshaus, in dem einfach nur gut gekocht werden will. Dazu kommt ein aufmerksamer und liebenswürdiger Service und eine Weinkarte, die sowohl Klassiktrinker als auch Naturalfreunde zufriedenstellt.

    So bleibt dies auch weiterhin ein Ort, an dem sich nicht nur eine beeindruckende Aussicht genießen lässt, sondern ausgezeichnete Wirtshauskultur, die sich erfreulich vom Durchschnitt abhebt.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/lilli-jojo-da...shaus-gamlitz/
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