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Meierei (Steirereck), Wien

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  • Meierei (Steirereck), Wien

    "Frühstücke wie ein Kaiser, esse mittags wie ein König und abends wie ein Bettler"

    Eine Volksweisheit, welche so manchem Gourmet ein Dorn im Auge ist (und die auch so nicht korrekt ist): Niemals ein tolles Menü am Abend geniessen?

    Als "Experiment" in diesem Forum sei dieser Beitrag mal einem Frühstück gewidtmet und nicht einem Dinner. Doch an einem durchaus kulinarisch interessantem Ort...

    Wenn schon frühstücken wie ein Kaiser, wo dann? Spontan fällt uns da z.B. das "legendäre Obauer-Frühstück" ein, im Hotel / Restaurant Obauer in Werfen bei Salzburg wird hier schon des Morgens der eine oder andere Frühstücksgang an den Tisch serviert. Oder das Frühstücksbuffet im Lenkerhof im Schweizer Simmental, auch nur Wurst, Käse, Müsli, Früchte & Co, aber auf welch vorzüglichem Niveau: das selbst gemachte Roastbeef ist Legende, eine formidable Auswahl an Rohmlichkäsen, der Lachs sicher niemals ein "Schwein des Meeres" gewesen...

    Oder das Frühstück in der Meierei im Wiener Stadtpark. Die Meierei ist das unkompliziertere "Zweitlokal" (14 Gault Millau Punkte) des besten Restaurants von Wien, des Steirerecks. Mittags und unter der Woche abends gibt es vorwiegend Wienerisches, oft modern interpretiert und von bester Qualität. Am Nachmittag z.B frischen Apfelstrudel direkt aus dem Ofen. Immer eine unglaubliche Auswahl an besten Käsen und Milchprodukten. Und morgens ist Frühstückszeit.

    Das Restaurant ist zentrumsnahe und direkt am Wienfluss / am Stadtpark gelegen (auch der Flughafen-Express mit City Airport Check-In ist nur ein paar Minuten entfernt). In der wärmeren Jahreszeit lässt es sich auch gut draussen sitzen. Innen dann modernes und lebendiges Design und viel Glas zum Park hin.

    Auf der Karte gibt es 3 Frühstücksvarianten (Frühstück Meierei, Stadtrat Frühstück, Steirereck Frühstück), die einzelnen Bestandteile können auch einzeln bestellt bzw. mit weiteren Angeboten kombiniert werden. Und so genossen wir:

    Sanft gegarter Saibling mit Spitzpaprika & Spitzkraut

    Ein Stück gegarter Saibling, parallel dazu angeordnet vorzügliches Spitzkraut, darüber eine dünne Creme vom Spitzpaprika sowie Kräuter. Ausgezeichnet die Kombination aus Spitzkraut und Spitzpaprika, welche sich in ähnlicher Form auch auf der Winterkarte der Meierei findet.

    Bauernei im Glas mit Rahm & gehobelter Gänseleber

    Gänseleber schon am Morgen? Über ein wachsweiches Ei gehobelt ergänzt sie die Cremigkeit des Ei's mit dem Schmelz und der Intensität der Gänseleber, die Verbindung wird durch ein wenig Rahm noch enger gemacht. Köstlich!

    Beinschinken vom Pogusch mit Kren & Weizenknusper

    Guten Beinschinken machen, das können die Österreicher. Jener am Teller war von guter Qualität und mit Kren (Meerrettich) klassisch kombiniert.

    Rote Rüben Joghurt mit Saiblings Kaviar

    Weshalb immer nur Erdbeer-, Vanille- oder Kirschjoghurt? Das Rote Rüben Joghurt war farbprächtig und mundete, der Saiblingskaviar ergänzte nicht nur optisch gut.

    Bachforellen-Tartar mit eingelegter Melone & Gurke

    Tatar von sehr guter Bachforelle, wunderbar kombiniert mit kleinen Stücken von der Melone und der Gurke sowie Kräutern. Leicht und lebendig, so fällt das Wachwerden am Morgen leichter.

    Rührei mit Perigord Trüffel & Topinambur

    Rührei, so wie es sein soll, die Trüffel und der Topinambur geben den extra Twist.

    Gebeizter Wildlachs

    Gebeizter Lachs von guter Qualität.

    Warme Schokoladen-Schnitte mit Ananas-Pericon-Salat

    Wunderbare warme Schokoladenschnitte, dazu ein Ananas-Salat mit Pericon (Winter-Estragon), welcher Säure und Frische gab.


    Dazu tranken wir Cappuccino, Wasser und einen frisch gepressten Orangensaft sowie einen köstlichen Apfel-Basilikum Saft. Ein sehr gelungener Einstieg in den Tag (wenn mit ca. EUR 75 auch kein wirklich günstiger). Empfehlenswert ist die Meierei auch zu anderen Tageszeiten (unbedingt reservieren, aber ein Tisch ist leichter zu erhalten als im Steirereck). Verbesserungswunsch: Mittags / nachmittags haben wir schon zu lange Wartezeiten durch überlastet wirkende Küche oder Service erlebt. Dennoch, wir kommen bestimmt wieder!

    Die Bilder zum Bericht auf Küchenreise.com:
    http://kuechenreise.com/2012/01/17/r...rereck-wien-a/

  • #2
    Klingt wie ein Obauer Frühstück. Also toll.


    Gruß!

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    • #3
      Danke für Ihren Bericht. Können Sie sagen, bis wieviel Uhr das "Frühstück" serviert wird? Grüße Cynara.

      PS: das Wort Twist in Zusammenhang mit Geschmackserlebnis hat mir gut gefallen.

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      • #4
        Das Frühstück wird bis um 12h serviert, ein sympathischer Ansatz, welcher auch Langschläfern dessen uneingeschränkten Genuss erlaubt... Reservierung empfiehlt sich!

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        • #5
          Wiener Family Business

          Ein Familienunternehmen in Zeiten der globalen Konzerne? Ja, bitte – wenn daraus eine solch anspruchsvolle und spannende Küche entsteht wie im “Steirereck-Konzern”. Wir berichten heute aus der Meierei.

          Das Wiener Steirereck ist ein Familiengeschäft der besten Sorte. In den 70er Jahren eröffenten, so recherchieren wir, die Eltern Heinz und Margarete Reitbauer das Steirereck. Der Name war der Herkunft aus der Obersteiermark geschuldet.

          Die Lage eine C-Lage und für das spätere Sternerestaurant eigentlich völlig ungeeignet. Andererseits, sagt man, ideal gelegen, um die vom Heimweh getriebenen Exil-Steirer am Heimweg noch schnell mit bekanntem zu verköstigen.

          "I brauch ka grosse Welt, I will ham nach Fürstenfeld", sang die spätere Kultband STS 1984. Ebenfalls im Wiener Exil lebende Steirer, unglücklich und von der Sehnsucht nach dem heimischen Fürstenfeld zerfressen. Ach, hätten die doch damals das Steirereck gekannt! Sie hätten an Wien nichts vermisst. Einzig die österreichische Musikgeschichte wäre um ein Kapitel ärmer.

          Über die Jahre entwickelte sich das Steirereck vom “Wirtshaus” zum Sterne-Tempel. Irgendwann wurde der Wunsch nach einer neuen Location grösser und grösser, irgendwann dann die ehemalige “Milchhalltrinkhalle” im Wiener Stadtpark übernommen und Anfang 2005 dort das neue Steirereck eröffnet.

          Die Familiensaga geht weiter, zwischenzeitlich hat der Sohn Heinz Reitbauer junior die Küche übernommen und seine Frau, Birgit Reitbauer leitet den Service. Das Angebot ist breiter diversifiziert, vom Sternerestaurant (2012: Platz 11 in der Pellegrino World’s 50 Best Restaurants) über die Meierei (einfacher / Wienerisch / Käse, 15 GM Punkte) bis zum”Steirereck am Pogusch” mit eigener Landwirtschaft.

          Über das Steirereck haben wir schon geschrieben (Bericht), das Frühstück in der Meierei gleichfalls schon gelobt (Bericht). Nun möchten wir von einem Lunch in der Meierei, vorwiegend mit Wiener Klassikern, erzählen..

          Warm gebeizte Lachsforelle mit Erdäpfel-Spargel-Vinaigrette & Bach-Salaten

          Als Vorspeise genossen wir eine gebeizte Lachsforelle (gut), mit wunderbar knackigem Spargel, Sauerampfer (säuerlich, ein Hauch Schärfe), Babymangold und einer ausgezeichneten, die Komponenten verbindenden Vinaigrette. Ein gutes Beispiel für die Küche in der Meierei – wunderbar abgeschmeckt, leicht, lebendig, mit Gemüse und Kräutern keinesfalls nur als Nebendarstellern.

          Kalbsbeuscherl mit gedämpftem Schnittlauch-Knödel und Majoran

          Wurde früher ein Kalb geschlachtet, mussten die nicht haltbaren Innereien schnell verbraucht werden. So entstand aus Zutaten wie Leber, Lunge und Herz das Kabsbeuschel. Lassen sie sich nicht abschrecken, anständige Wiener Restaurants verstehen sich noch immer (oder schon wieder) auf die Zubereitung. In der Meierei ist diese nahe der Perfektion! Zum Beuschel passen Semmelknödel, hier in einer luftiger-leichteren Interpretation und mit Schnittlauch.

          Mit Topfen gefüllte Zucchini-Blüten mit Melanzanie, Paradeiser & Pilz-Vinaigrette

          Ansprechend die mit Topfen (= Quark) gefüllten Zucchini Blüten, dazu Melanzanie, Paradieser (= Tomaten) sowie wiederum einer ausgezeichneten Vinaigrette.

          Steirereck-Gulasch mit gebratener Semmel-Lauch-Roulade

          Ein Gulasch wie aus dem Lehrbuch: Butterzart das Fleisch, intensiv die Sauce. Schön die knusprigen Semmel-Rouladen mit Lauch dazu.

          Wiener Kaiserschmarr’n mit Zwetschgen-Röster

          Der süsse Abschluss dann ein weiterer Klassiker der Wiener Küche, ein Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster (eine Art Pflaumenkompott).


          Unser Resümee:

          So soll Wiener Küche schmecken, gelungen modernisiert und jenseits aller Klischees! Und doch keinesfalls ihre Basis verleugnend… Da ignorieren wir gerne die mit Touristen gut gefüllten Schnitzel-Figelmüllers und Tafelspitz-Plachuttas und geniessen in der Meierei!

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          Der volle Bericht mit allen Bildern unter: küchenreise.com
          http://kuechenreise.com/2012/07/23/r...erei-2-wien-a/

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          • #6
            Vielen Dank für den Einblick, der sich auch mit unseren jüngsten Erfahrungen deckt. Warst Du denn bereits im "Steirereck am Pogusch"?

            Beste Grüße zum Abend,
            Sf

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            • #7
              Bis jetzt leider noch nicht am Pogusch gewesen... Jeder schwärmt davon, und scheint noch mehr "Gesamterlebnis" (Schafe vor der Türe, etc.) zu sein... Aber ist dann halt doch etwas abseits gelegen (so 1.5 Stunden von Wien entfernt)... und hat zwar einen Hubschrauberlandeplatz, doch der Hubschrauber fehlt mir auch gerade (wahrscheinlich gerade in der Reparatur oder so ;-) ).

              Beste Grüsse, kuechenreise

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