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Mraz&Sohn (Wien)**

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  • thomashaj
    antwortet
    Die Entscheidung, ob man ein Restaurant mag oder nicht, fällt oft schon, bevor man den ersten Happen gegessen hat. Im Mraz + Sohn ist das so. Dass man klingeln muss, um Einlass zu bekommen, ist auch schon die einzige Hürde. Denn ist man erst mal eingetreten, wird man von einem regelrechten Spalier von Mitarbeitern so herzlich begrüßt, als haben alle nur auf dein Kommen gewartet. Und schon das Lächeln eines jeden Einzelnen ist Versprechen, Dir einen wunderbaren und unterhaltsamen Abend zu bereiten.

    Es ist unser dritter Besuch hier und zwischenzeitlich hat die Küche den zweiten Michelin-Stern bekommen. Ich erwarte aber gar keine besondere Veränderung, denn auf dem Niveau habe ich das Mraz + Sohn auch vorher schon gesehen. Und unverändert ist auch, dass der erste Gruß dem Gast quasi aus einem Blumenstrauß gereicht wird, diesmal ein Müsliriegel, den man aus einer Sonnenblume pflückt. Keine Spur allerdings von staubtrocken, denn der Riegel ist saftig und bekommt durch die Creme von geräuchertem Brimsen, einer Art Schafskäse, der in Osteuropa verbreitet ist, eine schöne Süffigkeit.

    In zügiger Abfolge folgen drei weitere Grüße, zunächst Austern mit japanischem Lauch, Avocadocreme und einem Schaum von Ayran, der mit Kren abgeschmeckt ist. Das Jodige der Auster ergänzt sich gut mit dem leicht salzigen des Ayrans. Kren steuert Schärfe bei und die Avocadocreme puffert alles perfekt ab. Wunderbar!

    Der nächste Gruß kombiniert zweierlei Minitomaten mit Buschbasilikumblättern und einer Miso-Olivenölvinaigrette. Das ist so präzise in den Aromen, dass man sich fast wundert, wie fabelhaft Tomaten und Basilikum noch schmecken können.

    Zum Abschluss noch ein Stück Sot l'y laisse vom Schwarzfederhuhn, das im Backerbsenteig ausgebacken wurde und mit etwas Mangomayonnaise getoppt ist. Saftig, würzig und erneut enorm süffig.

    Mit dem Studium der Karte muss man sich nicht lange aufhalten. Man wählt zwischen 4, 6 oder 9 Gängen, schließt aus, was man nicht mag oder verträgt und los geht es. Später, wenn man zum Abschied die Menükarte bekommt (oder, weil man neugierig war, die Homepage befragt), wird man feststellen, dass Markus Mraz nichts von seiner auch wortreichen Verspieltheit verloren hat. Noch immer bekommen seine Gerichte oft assoziative Bezeichnungen und manchmal auch nur alberne Wortspielereien. Aber all das ist auch Ausdruck dessen, wie die Gerichte präsentiert werden: hochästhetisch, manchmal verspielt, immer aber mit einem Augenzwinkern.

    Noch bevor es mit dem eigentlichen Menü beginnt, folgt noch ein separater Brotgang. Es ist eine brüllheiße Laugenbrezel und ein Schälchen reduzierter Topfen mit Schnittlauch. Durch die wie auch immer geartete Reduzierung bekommt der Quark eine relativ feste, aber noch gut streichfähige Konsistenz. Überraschender allerdings ist die Aromatik, die wie leicht geräuchert und entsprechend charaktervoll erscheint.

    Der erste offizielle Gang bringt uns eine derzeit scheinbar sehr trendige Zutat auf den Teller: Fichtensprossen, die zu einem Tatar vom Beiried serviert werden. Sind uns diese doch erst vor kurzem in Hannover im "Handwerk" begegnet, seinerzeit zum Spargel. Auch diesmal sind sie optisch markant, aber geschmacklich erfreulich zurückhaltend und weder penetrant noch dominierend. Den letzten Schliff erhält das Gericht aber durch die Norialgen-Elemente und vor allem den Fichten-Apfelsud, der dem Ganzen eine säuerlich erfrischende Note gibt. In diesem Kontext ungewohnt, aber sehr passend.


    Fichtentatare
    Fichte, Ox


    Das frische Element, ergänzt um eine leicht scharfe und jodige Note nimmt der nächste Gang auf: Tatar vom Stör mit Daikonrettich und etwas Ossietrakaviar. Ebenfalls sehr gut.


    Ge(stör)t
    Stör, Daikonrettich


    Es folgt Spargel, selbstverständlich der aus dem naheliegenden Marchfeld, einem der berühmtesten Gemüseanbaugebiete Österreichs. In grün und weiß liegt er da zusammengesetzt zu einer Stange auf dem Teller. Eine Stange nur und doch bleibt dieser Gang nachhaltig in Erinnerung, denn die dazu gereichte Yuzubuttermilchsauce ist zum Niederknien. Ein Traum an Cremigkeit und Geschmacksfülle. Das könnte glatt meine Lieblingssauce zum Spargel werden - und zu manch anderem auch noch.


    Grün in Weiss
    Spargel, Yuzubuttermilchsauce


    Zweiter Akt des Spargelgangs ist ein unscheinbar wirkender Sud, der es ebenfalls in sich hat. Der Sud aus Spargelschalen ist mit Yuzu aromatisiert und erhält durch geräucherte Butter eine überraschende Reichhaltigkeit. Erneut sehr erstaunlich.

    Mit Karotte und Geflügelleber wird es insgesamt etwas süßer. Damit es aber nicht zu eindimensional wird, wird die Karotte einmal kross in Sesamöl ausgebacken und schiebt das Gericht damit partiell in eine etwas asiatischere Richtung. Die Geflügellebercreme ist schaumig und würzig und kann damit ebenfalls einen Kontrapunkt zur Süße liefern. Der dazu gereichte Brioche-Würfel ist mir persönlich etwas zu trocken. Meinem Mann hingegen ist er perfekt.


    Ein leichtes Hühnerlebergericht
    Hühnerleber


    Der Fischgang gefällt mir bereits optisch sehr gut. Der Seesaibling befindet sich unter zweierlei Kolhrabischeiben und einigen Verbene-Blättchen. An der Seite eine Mandel Beurre Blanc. Das alleine würde mir schon genug Genuss versprechen, aber es wird auch so noch besser. Zwischen Fisch und Kohlrabi befindet sich krosse Hühnerhaut. Nun geht diese Kombination ja ohnehin sehr gut miteinander, aber im Zusammenspiel mit der cremigen Sauce und den knackigen Kohlrabischeiben wird das komplex und abwechslungsreich.


    Seesaibling
    Kohlrabi, Verbene, Mandelbeurreblanc


    In einem Zweisterne-Restaurant einen Hauptgang im Selbstbausatz zu bekommen, ist für uns auch Premiere. Aber um es vorweg zu nehmen: es wird ein köstliches Vergnügen. Wir basteln uns einen Wrap aus Pfefferblatt, Joghurt, Reisblatt, Rhababerchutney und einem unglaublich krossen Stück Schweinekinn. Besteck braucht es dafür nicht und herrje - ist das lecker! Diese Art der Präsentation muss man sich erst mal trauen, aber es passt hierher und wer sich darauf einlässt, hat nicht nur Spaß, sondern wird auch mit einem vielschichtigen und trotzdem umkomplizierten Genuss belohnt.


    Kinnhacken
    Rhababer, Pfefferblatt, Schweinekinn


    Die Inszenierung des Käsegangs gehört im Mraz + Sohn ebenfalls zu den festen Programmpunkten. Der Brotwagen ist gefühlt zwar nicht ganz so üppig bestückt wie im Steirereck, aber mit guten 16-20 Sorten ist man auch hier dabei. Und der Käsewagen bietet auf drei Etagen ca. 40 gut gereifte Sorten, aus denen Manuel Mraz eine schöne Auswahl zusammenstellt. Obwohl ich Käse am liebsten pur esse, kann ich bei der Auswahl an Condiments regelmäßig nicht widerstehen. Sei es der Trüffelhonig, die eingelegten Rosinen oder die Chilimousse. Hier bekommt Käse eine würdige und große Bühne.

    Als Übergang zum süßen Teil schickt die Patisserie als Refresher eine kleine Praline, die (wenn ich mich recht erinnere) mit Yuzusorbet gefüllt und mit Erdnussbutter getoppt ist.

    Im Pré-Dessert wird es mit einem sehr cremigen Basilikumeis auf Misobröseln nur bedingt süß. Vor allem die zahlreichen Basilikumblätter sorgen dafür, dass wir uns noch im vegetabilen Bereich bewegen. Das Eis alleine für sich genommen ist aber großartig.


    Basilikum
    Eis, Misocrumble


    Dass sich Desserts heutzutage erst mal verstecken und vom Gast zerstört werden wollen, ist ja zur Mode geworden. Das ist auch hier nicht anders, denn erst unter der dünnen Teigplatte, die leider etwas zäh am Gaumen klebt, verbirgt sich das Allerlei aus Haselnuss, Kerbelwurzel und Drachenfrucht. Das ist nicht unbedingt mein Lieblingsgeschmacksakkord, aber schmecken tut es dennoch.


    Haselhoff
    Dragonfruit, Kerbelwurzel, Haselnuss


    Anstelle einer klassischen Petits Fours-Parade schickt die Patisserie zum Schluss noch ein Mini-Dessert in Form einer dekonstruierten Sacher-Torte, die sehr gekonnt alle typischen Geschmackselemente aufnimmt.

    Wieder geht ein abwechslungsreicher und durch die Bank köstlicher Abend zuende. Aus dem mit ca. 1400 Positionen bestückten Weinkeller stellt Simon Schubert eine individuelle, spannende und in jedem Fall hochwertige Weinbegleitung zusammen. Auch hier haben wir bei unseren bisherigen Besuchen noch nie eine Enttäuschung erlebt.

    Mit diesem Abend hat das Mraz + Sohn seine Position als mein persönliches Lieblingsrestaurant in Wien einmal mehr untermauert. Ungebremste Kreativität trifft auf überraschende Geschmackserlebnisse und höchst entspannte Atmosphäre. Mein Mann stellte fest, dass alle Mitarbeiter, ob im Service oder die Köche, die auch oft an den Tisch kommen, das Glänzen in den Augen haben, das man hat, wenn man Begeisterung für das empfindet, das man tut. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich: Er hat Recht!

    Bericht und sämtliche Bilder wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/mraz-sohn-wien-2/
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 04.06.2017, 13:54.

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  • thomashaj
    antwortet
    Ich arbeite mich gerade ein wenig durch das Forum. Hier der Bericht unseres letzten Besuchs, zwar schon im November gewesen, aber vielleicht trotzdem interessant:

    2014 war das Mraz + Sohn in Wien eine meiner angenehmsten Überraschungen und Entdeckungen. Nachdem sich bei unseren zahlreichen Besuchen im Steirereck eine gewisse Ermüdung eingestellt hatte, war ich regelrecht begeistert von der Kreativität und Lockerheit, die uns hier begegnete.
    Lässt sich so ein Erlebnis wiederholen? Häufig ist der zweite Besuch eines Restaurants schon ernüchternder, weil der große Aha- und Überraschungseffekt zwangsläufig ausbleiben muss. Um es vorwegzunehmen: Es war wieder ganz wunderbar!

    Am Stil der Küche hat sich nicht viel verändert. Zwar kann der Gast mittlerweile nur noch die Anzahl der Gänge wählen und erfährt vorab, so er sich drauf einlässt, nicht viel. Aber Sonderwünsche und Abneigungen werden natürlich berücksichtigt und niemand muss Angst haben, hier auf ungeliebtes Eis geschoben zu werden. Es herrscht weiterhin ein ungebremster Spieltrieb und eine nahezu überbordende Kreativität bei vielen Zusammenstellungen, aber nicht bei einem einzigen Gericht könnte ich sagen, dass es nicht trotzdem funktioniert hätte.

    Ein Wiener Beuschel, also eine Art Lungenragout und üblicherweise ein recht deftiges Gericht, das oft mit Semmelknödeln serviert wird, mit einem Carabinero zu kombinieren, ist mutig, aber gar nicht dumm. Durch die richtige Proportion der Komponenten wird so ein elegantes Gericht mit einem herzhaften Touch daraus. Kein Problem war es für die Küche übrigens, eine Innereien-freie Variante mit Kürbis zu improvisieren.

    Ganz ausgezeichnet, obwohl relativ klassisch komponiert (oder gerade deswegen?), war der Karpfen, der zwar als Hecht auf der Karte stand, aber ich meine mich an annoncierten Karpfen zu erinnern, der von Zwiebeln (und hier vor allem einem hinreißenden Sud), Birnen und Topinambur sehr harmonisch eingefasst war. Dies war ein richtiges Herbst-Wohlfühlgericht! Im übrigen beginne ich Gefallen an Karpfen zu finden. In der Woche begegnete er uns bereits zum zweiten Mal und überraschte durch sehr schönes, festes und geschmackvolles Fleisch. Mehr und öfter davon!

    Dass das Dessert große Ähnlichkeit zu dem aus dem Vorjahr aufwies, bei dem mit Soja und Topfen eine eher unscheinbare weiße Fläche kreiert wird, die erst unter der Oberfläche die ganze Geschmacksbandbreite preisgibt, ist zu verschmerzen. Denn es schmeckte wiederum ausgezeichnet.

    Auch am weiterhin opulenten Brot- und Käsewagen sowie der ausladenden Anzahl von Beilagen zum Käse hat sich nicht viel geändert. Das ist gleichermaßen gefährlich wie erfreulich.

    Würde man das Mraz + Sohn nur nach seinem Wohlfühl- und Unterhaltungswert beurteilen müssen, wäre es bereits ganz weit vorne. Der Service macht seine Sache locker und entspannt, gleichwohl sehr kompetent und effizient in den Abläufen. Simon Schubert vermag auch dieses Mal wieder mit einer eigenständigen und hochwertigen Weinbegleitung zu überraschen. Die Stimmung im Restaurant ist ausgelassen, es wird viel mit dem Service gelacht oder über den ein oder anderen Wein gefachsimpelt. Alles im grünen Bereich also.

    Da aber auch das Essen vom ersten bis zum letzten Gruß gefällt, ist das Mraz + Sohn so unglaublich charmant. Die Küche hier will nicht verstören. Ja, sie will überraschen und schafft das auch häufig. Aber in erster Linie will sie dem Gast Spaß machen. Was soll ich sagen? Wieder geschafft!

    Bericht und Bilder auch unter:
    https://www.facebook.com/thomas.west...3242686&type=3

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  • kuechenreise
    antwortet
    Wieder einmal im Mraz; und ja, die Namen der Gerichte sprechen noch immer von überbordernder Kreativität. Manchmal auch die Anrichteweise. Aber ich finde, Geschmacklich hat das ganze Hand und Fuss; es ist nicht nur Show, sondern spielt vorne mit in der Wiener Restaurantlandschaft. Der Bericht mit allen Bildern: http://kuechenreise.com/2015/01/11/n...ant-mraz-wien/


    Der Kurzbericht zu unserem Dinner:

    Die Bezeichnungen der Gerichte des „No Risk, no Fun“ Menüs sind ja schon sehr kreativ, auch die Präsentation strotzt manchmal von Kreativität. Das erinnert ein wenig an Christian Jürgens in der Überfahrt. Nun, das Mraz hat nicht deren drei, sondern nur (oder besser gesagt immerhin) einen Michelin-Stern. Aber hält die Küche, was die Kreativität der Menükarte verspricht?

    Auster und Lamm mag Rettich, so ähnlich heist der erste Gang. Mineralische Frische der Auster, erdige Noten des Lammes und die leichte Schärfe des Lammes harmonieren sehr schön.

    „Liegt mir auf der Zunge“ - auf aufgeschnittener Ochsenzunge rote Rüben und Hamachi - fein! Auch der Buddha von oben, ein Langoustino mit Kohlrabi und darüber gerieben Buddha’s Hand gefällt.

    Spannend bleibt es beim Hardcore, ähm Hard Corn - Hühnerherzen, Hühnergrammeln, Mais und Polenta. Und warum nicht mal Hühnerherzen statt Brust von der französischen Maispoularde; das sind die unterschätzten Stücke. So richtig toll wird es dann bei Blutwurst mit Ananas-Kraut und Rotbarsch; letzterer behauptet sich erstaunlich gut gegenüber der intensiven Blutwurst und dem süss-sauer des Ananas-Krautes. Danach dann ein wunderbarer in Lehm und Salz gebackener Kartoffel mit Short Ribs und Artischocke.

    Der Käsewagen ist im Mraz eine gut bestückte Institution, den sollte man probiert haben! Doch es lohnt sich, für die Desserts ein wenig Platz zu lassen: Joghurt mit Sumak und Feige sowie Walnuss, Schokolade und Quitte.


    Resümee:

    Die Küche von Markus Mraz strotzt nur so von Kreativität - nicht nur bei der Benennung der Speisen. Doch was auf den Teller kommt, ist stimmig und hat Hand und Fuss. Die Produktqualität ist hoch, die Umsetzung ist präzise, das Resultat gefällt mit abwechslungsreichen und oft intensiven Aromen in manchmal aussergewöhnlichen Kombinationen!


    Menü:

    - Grüsse aus der Küche
    - Aus(ter)Lamm, mag Rettich
    - Liegt mir auf der Zunge
    - Buddha von Oben
    - Hardcor(e)n
    - Blunze bleibt Blunze und Kraut bleibt Kraut
    - Bist du gelehmt
    - Käse vom Wagen
    - JO KURT, (b)i(s)st Feige
    - Before I Quit(te) I go nuts

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    In dieser grauen Vorstadt hatten wir damals Quartier genommen; zwar für's Steirereck entschieden hatten wir uns dennoch im Vorübergehen neugierig an den Mraz'schen Schaufenstern die Nase platt gedrückt, die Karte studiert und wohl auch einen Blick in's Interieur erhascht.
    Als Ultrakonservativer bin ich immer etwas in Sorge, ob bei Gerichten wie "Dosen Sardine Ceviche" oder "Ich sehe was, was du nicht siehst" das beglückende Geschmackserlebnis im Vordergrund steht, oder ob es sich um ein "das-soll-so-was-heißen"-Erlebnis handelt.
    Mit Ihrem Resümee geben Sie ja diesbezüglich eine klare Entwarnung.
    MkG
    s.

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  • kuechenreise
    hat ein Thema erstellt Mraz&Sohn (Wien)**.

    Mraz&Sohn (Wien)**

    Fata Morgana der Vorstadt? Real!

    Irgendwo in der Wiener Vorstadt findet sich unerwartet ein Gourmettempel. Das Restaurant Mraz überzeugt durch kreative und spannende Küche. Keine Fata Morgana - ganz real!


    Graue Vorstadt in Wien Brigittenau. Der 5er rumpelt durch die enge Kurve. Es wird dämmrig, der Billa ist schon zu, der Bipa gegenüber auch. In der Videothek brennt noch Licht. "DVD Abverkauf" - ja, heute lädt man Filme doch von iTunes. Ein Kolpoteur preist die morgige Ausgabe der Kronenzeitung an - "Arnie brettert mit Panzer durch die Kaserne" oder so, wie interessant.

    Hier irgendwo soll es sein, eines der besten Restaurants von Wien. Cafe Monika, türkischer Sportkulturverrein, Cafe Palme - nein, wir sind noch nicht am Ziel. Werden wir in der Vorstadt hungrig bleiben? Da - ein paar erleuchtete Fenster, eine gepflegte Tür, hoffentlich ist das jetzt nur keine Fata Morgana!

    Doch die Türklinke fühlt sich real an, die Tür lässt sich öffnen und auch der Raum dahinter, das Lächeln der Gastgeber ist real: Wir tauchen ein in die wundersame Welt des Restaurant Mraz (1 Michelin Stern, 17 Gault Millau Punkte).

    Endlich mal warm ist es an diesem Frühlingsabend. Wir werden zu unserem Tisch im mit Sonnensegel überdachten Innenhof geführt und beginnen uns wohzufühlen.

    Grüsse aus der Küche

    Bei einem Glas Champagner erhalten wir den ersten Gruss aus der Küche, einmal Ziegenkäse in Roter Rübe und Aalcreme, einmal Schweinebauch mit einer Art Puffreis umhüllt. Fein!

    In der Pexiglasröhre dabei befindet sich - wie praktisch - gleich die Karte. Sicher kein Zufall. Doch so genau wollen wir nicht nachfragen..

    Jetzt geht's Schlag auf Schlag mit weiteren Grüssen:
    - Fisch & Chips mit Remouladensauce
    - Brot mit Butter und Olivenöl
    - Gebeizte Forelle mit Waldorf Salat, Wasabi und Algenblatt: Gut!

    Wir haben die Zeit gut genutzt. Die Karte studiert. Arnie braucht einen Panzer, um durch die Kaserne zu fahren. Wir haben auch ohne solchen den Weg in die Vorstadt gefunden - wir scheuen kein Risiko. Und wählen das Menü "No Risk No Fun" - neun Gänge nach Markus Mraz. Würden Sie 9 Gänge von jemandem Essen wollen, den sie noch nie persönlich gesehen haben? Eben - aber wir scheuen ja kein Risiko.

    "Dosen Sardine" Ceviche - Oliven - Topinambour - Birne

    Das Menü wird eröffnet mit Dosensardine. Sie zweifeln an unserer Menüwahl? Lassen Sie sich nicht in die Irre führen!

    Die Sardine wird in offener Dose zum Tisch gebracht und dort dann auf dem Teller platziert. Weitere Mitspieler am Teller sind eine essbare Sardinengräte, Staudensellerie und - wenn die Erinnerung nicht täuscht - Topnambur-Creme. Ausgezeichnet die Sardine, köstlich die Kombination, kreativ die Idee - eine starke Eröffnung!

    Getrunken haben wir dazu im Rahmen der Weinbegleitung einen Sauvignon Blanc aus dem Burgenland.

    "Pop Art" Langostinos - tomaten kunterbunt - schwarzer Knoblauch - Umami

    Marilyn lebt - die nächste Fata Morgana. Zumindest ist auf dem "Teller" unseres nächsten Gerichts ein Bild von ihr zu finden. Sowie eine gebratene Langustine - ok. Und sehr feine Variationen von der Tomate, sowie ein wenig "modernem" scharzem Knoblauch. Ein Riesling vom Bründlmayer im niederösterreichischen Kamptal war ein guter Begleiter.

    Karotte, flüssig Mandeln - Schneekrabbe - Kakao

    Eine süssliche Karottensupe mit einem stück wunderbar knackiger Karotte sowie Schneekrabben und ein wenig Mandeln und Kakao - der Chef ist zweifelsohne kreativ und das Resultat ist ansprechend. Ein zurückhaltender Wachauer Grüner Veltliner vom Weingut Pichler-Krutzler fand sich diesmal im Glas.

    Gänseleber Erdnuss - Spargel - Rhabarber

    Gänseleber und Erdnuss - eine spannende Kombination! Die Rhabarbercreme gibt dazu noch Säure und Frische. Ein Sämling Süsswein begleitet ansprechend.

    Donaulachs im Aquarium

    Ach hätte doch jeder Donaulachs (auch Huchen genannt) ein solches Aquarium! Eingesperrt mit Gurkensauce, Fischauce, Dillsauce und einer Auster - toll! Dazu gibts einen am Tisch frisch gemixten Cocktail aus Gurkenwasser, Austernwasser, Pfeffer und österreichischem Gin vom Reisetbauer - gurkig und lecker! Der Chardonnay im Glas war gleichfalls eine passende Wahl.

    Dry Aged Mangalitza Schwein - von Graf Franz aus Munderfing Chorizo - Feigen - Feta

    Adeliges Schweinefleich? Nun der Graf Franz ist eigentlich Franz Graf, Fleischermeister aus Salzburg. Dessen Produkte, so schreiben die Oberösterreichischen Nachrichten, von einem Restaurant auch schon als "Gammelfleisch" beworben wurden. Gourmets nennen das eher "Dry Aged".

    Das Fleisch vom Mangalitza Schwein war intensiv und ausgezeichnet, das Stück Kruste auf dem Teller köstlich. Feta, die feinen Zwiebelringe und die Sauce gleichfalls sehr ansprechend. Einzig die Chiorzo Creme schien uns zu scharf und intensiv und für uns die anderen Komponenten überdeckend.

    Im Glas war diesmal ein Blaufränkisch Chevalier von Iby aus dem Mittelburgenland der Hauptdarsteller. Ach ja, den Teller haben nicht wir so zerstört. Der gehört so...

    Kaese vom Wagen Trüffelhonig - Marillenchutney - Rosinensalat - Essignüsse - Oliven - Pesto

    Nun war es Zeit für den Käse, das Mraz verfügt über einen wohlsortierten Käsewagen. Dazu Trüffelhonig, Marillenchutney, Rosinensalat, Essignüsse, Oliven und Pesto sowie ein Le Volte von Ornellaia im Glas.

    Ich seh etwas was du nicht siehst und das ist …. ROT!

    Das erste Dessert - eine Art rotes Lagerfeuer auf einem Stein serviert. Zu Beginn das (allerdings kalte und nicht glühende) Himbereis, dann unter anderem (fast bittere) Schokolade und HImbeeren. Geschmacklich einen wunderbare Kombination zum Thema Schoko - Himbeer!

    Mraz & Sachertorte

    Besuchen Sie Wien, so bringen Sie den daheimgebliebenen doch eine Sachertorte mit. Sie werden Klischees bedienen, Freunde glücklich machen und sogar ein paar neue Freunde gewinnen.

    Die Mraz'sche Sachertorte ist - wie nach den ersten 8 Gängen zu erwarten - etwas anders. Dekonstruiert, könnte man sagen. Da ist ein guter Schokolade-Schwammkuchen, da ist ein feines Vanille-Schlagobers. Da ist eine dehydrierte Marille - im Originalzustand mögen wir sie mehr. Und da ist eine supertolle selbstgemachte Schokolade, auf der Unterseite irgendwie "schaumig".

    Schwer zu transportieren zu Daheimgebliebenen, doch ein solches Gericht will man ohnedies nicht teilen! Auch in Kombination mit dem Rosenmuskateller von Lageder.

    Petit Fours

    Zum Espresso dann noch ein paar kleine, aber feine und wiederum sehr kreative Petit Fours.

    Nacht ist es geworden im Mraz'schen Innenhof. Und wir sind satt und zufrieden ob dieser wunderbar kreativen kulinarischen Reise!

    P.S. Zur Einleitung: Der 5er ist eine Strassenbahn, Billa eine Supermarkt-Kette und Bipa eine Pafümerie-Kette. Die Krone ist die Kronenzeitung, Österreichs auflagenstärkste Boulevardzeitung. Die angesprochene Schagzeile ist dieser entnommen, allerdings nicht vom Tage unseres Besuches.


    Unser Resümee:

    Eine wundersame Reise ist das Menü im Mraz - wunderbar kreativ! So weckt man kindliche Freude im Gast, bringt die Augen zum leuchten. Doch nicht nur die Kreativität überzeugt, hier wird auch auf hohem Level gekocht. Wir haben den Abend sehr genossen und kommen gerne wieder!


    Alle Bilder zum Bericht auf kuechenreise.com:
    http://kuechenreise.com/2012/08/08/r...t-mraz-wien-a/
    Zuletzt geändert von kuechenreise; 15.08.2012, 23:03.
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