Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Silvio Nickol (Palais Coburg), Wien 2*

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #31
    Kann dazu leider nur beusteuern, dass ich mindestens so oft daran vorbeigelaufen war - nur leider keine Zeit gefunden habe, hier noch reinzuschauen (auch wenn es interessant aussah).

    Kommentar


    • #32
      Zitat von Spießbräter Beitrag anzeigen
      Ich war vor Kurzem mal wieder in Wien und habe an drei Tagen viermal das "Schwarze Kameel" aufgesucht, schöne offene Weine getrunken und v.a. viele der "Brötchen"/belegten Brote gegessen.

      Teilt jemand meine Vorliebe?
      Ich erinnere sehr schönes Gulasch.

      Kommentar


      • #33
        Bekommt man aus wohlwissenden Quellen geflüstert, man könne irgendwo einen alten Bekannten treffen, so überwirft man mitunter die eigenen Vorurteile und wagt sich in Etablissements, die man vorher nur stirnrunzelnd als existent klassifiziert hat. So geschehen im Do&Co am Stephansplatz. Zunächst aber will der Lift nicht ins Restaurant fahren (es bedarf der Freischaltung mittels eines Mitarbeiters), was oben immerhin die Besetzung des Empfangs erspart. Gottseidank wuseln genug Mitarbeiter in mehr oder minder passender Uniform vorbei, eine junge Dame geleitet zum Tisch. Dabei führt dder Weg vorbei an der offenen Showküche, die mit Sushi-Posten und Dönerspieß ihren weltumspannenden Anspruch signalisiert. Die Karte zollt hingegen eher dem genius loci über den Dächern Wiens Tribut, a bisserl schick, a bisserl teuer und doch, naja - Avantgarde sieht anders aus. Der ewige "Salat mit was drauf" ziert das kulinarische Triptychon ebenso wie das ewige Thunfischsteak mit Wasabi-Mayonnaise, das Wiener Schnitzel und diverse Pasta-Gerichte. Die Gänsestopfleberterrine als Vorspeise ist grundsätzlich gut gemacht, wird aber durch Mangomark und ein übergeschlagenes "Decktuch" aus Gelee im wahrsten Sinne maskiert - die Brioche dazu bleibt Mittelmaß (wie auch der vorherige Brotkorb). Bezeichnend, dass mir der Hauptgang komplett entfallen ist -nach umfangreichen Recherchen vermute ich schwer, dass es Zander war. Am Wein kann es nicht gelegen haben, auch nicht am betörenden Gesäusel der Restaurantchefin am Nachbartisch - ich vermute, der Blick auf den Fischposten vis à vis war einfach interessanter. Zum Kaffee keine Patisserie (wir sind in Wien!), dafür nach Reklamation ein vorbildliche Entschldigung für eine trotz großer Flecken eingedeckte Serviette. Verabschiedung - naaa, der Piefke find schon raus. Denn runter fährt der Lift problemlos.

        Kommentar


        • #34
          Autsch werter malbouffe... das tut weh :heulen:
          bon appetit...
          twitter.com/cisfotografie

          Kommentar


          • #35
            Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
            Die Gänsestopfleberterrine als Vorspeise ist grundsätzlich gut gemacht, wird aber durch Mangomark und ein übergeschlagenes "Decktuch" aus Gelee im wahrsten Sinne maskiert
            Wurde die Terrine in einem kleinen Glas serviert? Und schmeckte Sie etwas weniger nach Leber als vielmehr etwas zu intensiv in Richtung Lebkuchengewürz? Dann wäre Ihnen in Wien etwas sehr ähnliches serviert worden wie mir vor wenigen Tagen im südlichen Süddeutschland.

            Beste Grüße,
            Gelegenheitsgourmet

            Kommentar


            • #36
              Zitat von Gelegenheitsgourmet Beitrag anzeigen
              Wurde die Terrine in einem kleinen Glas serviert? Und schmeckte Sie etwas weniger nach Leber als vielmehr etwas zu intensiv in Richtung Lebkuchengewürz? Dann wäre Ihnen in Wien etwas sehr ähnliches serviert worden wie mir vor wenigen Tagen im südlichen Süddeutschland.
              Nein. Es war eine klassische Scheibe Terrine, darauf das Mark und darüber ein "Blatt" Gelee, das wie eine Folie wirkte - ein in den letzten Jahren sehr beliebter Gag, den ich irgendwie nie verstanden habe.

              Kommentar


              • #37
                Nach einer fulminanten Eröffnung mauserte sich das Amarantis [B] im 10. Bezirk zu einer besuchenswerten Adresse. Tom Wohlfarter kann mit seinem Konzept begeistern. Er erhebt nicht den Anspruch auf einen Stern hin zu kochen. Das tat er als Souschef schon. Seine Küchenphilosophie passt ausgezeichnet zum luftigen, beschwingten Ambiente.
                Die Fenchelsuppe und die Milchlammschulter waren unsere besten Gänge. Der Service ist locker und effizient.
                Was aus der Kaffeemaschine kommt, dem Eigentümer geschuldet, findet man in vielen *Restaurants nicht in dieser Qualität. Attraktives PLV.

                Gruß c.

                Kommentar


                • #38
                  Werter Spiessbräter, das Schwarze Kamele ist ein Must für den kleinen Snack bei einem Wien-Aufenthalt, diese Vorliebe teile ich! Ob der Beinschinken wirklich der beste von ganz Wien ist, kann ich nicht belegen (ohne alle Schwäne gesehen zu haben, kann man auch nicht sicher sagen, dass kein schwarzer dabei ist), aber er ist genial; natürlich auch dargeboten auf einem guten Schwarzbrot und mit Kren (Meerrettich). Im Restaurant selbst war ich hingegen schon seit ewigen Zeiten nicht mehr, da haben mich schon lange immer andere Adressen mehr gereizt...

                  Auch einen kleinen Umweg wert ist die Meierei im Stadtpark (gehört zum Steirereck), etwa für ein gutes Dessert oder ein wenig Käse zum zwischendurch essen, bei warmen & schönen Wetter auch draussen.. Oder auch zu lunchen, und wenn's unbedingt sein muss, kann man ja Abends auch noch die Steirereck Küche selbst geniessen...

                  Gruss, Küchenreise

                  Kommentar


                  • #39
                    Werter Carmelo, ich erlaube mir eine minimale Korrektur - das Armantis ist im 1. und nicht im 10. Bezirk. Nur um zu vermeiden, dass der interessierte und hungrige Leser weit in den wilden Süden Wiens, in den 10. Bezirk, fährt, um dann doch in einer weitgehenden kulinarischer Wüste zu enden.

                    Am selben Platz war lange Jahre das Grotta Azzura, einer der ersten gehobenen Italiener in Wien; irgendwann zur Legende geworden und dann erstarrt. Die Welt entwickelte sich weiter und so verschwand irgendwann auch die Grotte Azzura. Danach war der Ort wohl mit einem Fluch belegt, verschiedene Restaurateure haben sich versucht und sind genauso schnell erfolglos weitergezogen.

                    Mit ein paar persönlichen Erinnerungen zur Grotta Azzura im Hinterkopf freut es mich zu hören, dass der Fluch gewichen ist und sogar wieder die mediterrane Küche hier brilliert!

                    Gruss, kuechenreise

                    Kommentar


                    • #40
                      Hier nun unser Bericht über das Restaurant Silvio Nickol im Palais Coburg.
                      Aus Gründen des Umfangs habe ich das Intro sowie ein paar Gänge (wir hatten auch nicht jeder alles...) weggelassen. Fotos gibt es wie immer unter sternefresser.de

                      Grüße
                      b.


                      Die flüssige Basis für eine große Küche war schon vor Silvio Nickols Übernahme der Küchenleitung gegeben: die Weinleidenschaft des Besitzers ist im Palais Coburg omnipräsent. Der Keller, bestehend aus 6 thematischen Einzelkellern, darunter für Yquem, Bordeaux, Neue Welt und Österreich, ist mit 60.000 Flaschen im Wert von 25 Millionen Euro einer der weltweit größten und teuersten.

                      Bei unserem Besuch kümmerte sich der Sommelier Marco Larsen um unser vinophiles Wohlergehen – gerade Mal Mitte 20, hat der Däne Stationen unter anderem in der Schwarzwaldstube und bei Marco Pierre White in London hinter sich. Unsere Begeisterung über seine Perfomance an diesem Abend kennt keine Grenzen: selten, wenn überhaupt je, haben wir einen so passionierten, humorvollen und kenntnisreichen, dabei durchaus distinguierten, aber völlig unprätentiösen und geradezu bescheidenen Sommelier erlebt. Allein wegen ihm lohnt ein Besuch des Restaurants Silvio Nickol. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die von ihm zusammengestellte Weinreise durchweg spannend und manchmal geradezu genial war.

                      Zu Essen gab es natürlich auch etwas...

                      Das erste Amuse besteht aus einem Terzett von Kiwi und Stachelbeere und weiß an diesem warmen Sommerabend durch die fruchtige Frische und ein feines Süße-Säure-Spiel zu überzeugen.

                      Als zweites Amuse kommt ein Quartett vom Rotbarsch auf den Tisch. Allein optisch steht diese Variation voll in der Tradition von Harald Wohlfahrt. Auch handwerklich ist sie erstklassig umgesetzt und begeistert durch ein vielfältiges Spektrum an Aromen und Texturen.

                      Der erste Gang des eigentlichen Menüs heißt Magic Tomato und besteht aus zwei "falschen" Tomanten: die lackierte Hülle ist mit einer hocharomatischen Tomatenmousse gefüllt; begleitet werden die Prachtstücke von diversen Tomaten- und Mozarella-Elementen sowie drei krossen Brotwürfeln. Das schmeckt frisch, bemerkenswert intensiv, durch die verschiedenen Texturen abwechslungsreich, mit einem Wort: grandios. Da stört es auch nicht, dass die Idee der "falschen" Tomate ursprünglich von dem spanischen Avantgardisten Dani Garcia stammt und bereits von Christian Jürgens (unter dem Titel "Christians Tomate") aufgegriffen wurde.

                      Es folgt der Tropic Zander, dessen Name aus der Kombination mit Curry, Kokos und Ananas rührt. Hier gehen die Meinungen am Vierertisch auseinander: die Einen empfinden das Gericht als unausgewogen und überwürzt, die Anderen finden das asiatische Spiel mit Schärfe, Frucht, Kokos-Nussigkeit und den jodigen Aromen des Fisches stimmig und schmackhaft. Allein den drei Curry-Oblaten kann niemand von uns etwas abgewinnen. Dennoch eine klassische Patt-Situation, bei der jeder Leser selbst herausfinden muss, zu welcher Seite er tendiert.

                      Als nächstes freuen wir uns auf die Komposition von ungestopfter Bio-Gänseleber mit Getreide und Soja – und erleben die erste echte Enttäuschung des Abends: optisch äußerst ansprechend, will die Verbindung Soja-Gänseleber für uns einfach nicht funktionieren. Die Mousse an sich schmeckt uns bereits zu stärk gewürzt, was durch die mit einer Sojamischung gefüllten "Praline" im Innern der drei Teile noch verstärkt wird. Diesen Overkill können auch das krosse Getreide und die buttrige Brioche nicht mehr neutralisieren.

                      Ein echter Gaumenschmeichler dafür der nächste Gang, Cremige Polenta mit Onsenei und einem Rondell von Sommer-Trüffeln. Wunderbar süffig die Polenta, darauf Sommertrüffel, deren dezenter Geschmack hier genau richtig ist, in der Mitte unter den Spänen das Eigelb, welches verbindend wirkt und die Aromen nochmals nach vorne bringt. Absolut klassisch, absolut gelungen.

                      Beim Rochenflügel "BBQ" wirkt das rauchige Barbecue-Aroma zunächst zu dominant, kann aber in Kombination mit den mildernden Beilagen dann doch überzeugen. Ein im positiven Sinne rustikales Gericht, das lediglich etwas geringer portioniert sein dürfte, um den geneigten Esser nicht zu überfordern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fällt uns auf, dass Silvio Nickol bei der Portionierung einzelner Elemente eine besondere Vorliebe für die Zahl 3 hat.

                      Sehr gelungen dann Feines vom Nuarter Milchlamm mit Miso-Creme: ein hervorragendes Produkt, hier durch Würze und Kombinationen veredelt. Die Portionierung perfekt, die weiteren Komponenten modern zubereitet und angerichtet, so dass einen die Sättigung nicht bereits beim Betrachten des Gerichtes überkommt. Auch geschmacklich ist dieser Gang sehr überzeugend, wobei die separat als Dipp gereichte Miso-Creme sinnvoll und notwendig zum Konzept der Kreation gehört, um die sehr kräftigen Würzungen der einzelnen Fleischstücke zu besänftigen.

                      Sehr klassisch dann wieder der aufwändig gearbeitete Hauptgang, souffliertes Rehmedaillon mit Maxime-Erdäpfeln an Rouennaiser Sauce: Die Kartoffelrosette, die Verzierungen des Hauptproduktes und auch das Gemüsetörtchen wirken geradezu provozierend anachronistisch. Sämtliche Elemente schmecken zwar durchaus gut, das Fleisch sogar exzellent, rangieren aber jenseits einer zeitgemäßen Leichtigkeit und wären genauso bereits vor 20 Jahren denkbar gewesen. Hier ist uns Nickol bei aller Perfektion etwas zu nah an einer "Palais-Coburg-Küche", wie man sie sich der Historie des Gebäudes nach vorstellen würde.

                      Eine stilistische Kehrtwende vollzieht danach die Patisserie...

                      Die "Pizza" aus marinierter Tomate, Mozzarella-Macaron und Olive kennen wir bereits aus Thomas Bühners la vie, da der Pâtissier dort zuvor tätig war und seine Kreation hier erneut präsentiert. Daher können auch wir uns ins unserer Begeisterung nur wiederholen: der erste Bissen ist in der Tat irritierend, da die Tomaten und Oliven zwar süß eingelegt bzw. kandiert, aber dennoch nicht so zuckrig sind, wie man es bei einem Dessert erwartet. Nach diesem kurzen Gewöhnungsmoment dann die Offenbarung: Perfekt ausbalanciert zwischen süßlichen Akzenten und der natürlichen Herbheit der Zutaten. Ein grandioses Beispiel dafür, was passiert, wenn man sich mit Könnerschaft von den Standard-Dessert-Akkorden hin zu einer herberen oder "unsüßen" Patisserie bewegt.

                      Eine weiteres Highlight die Erdbeeren Melba: die Kombination aus Pfirsich (als eine Art Parfait in Spaltenform), Erdbeeren, sahnigem Eis und Schokosand ist frisch und leicht, dabei in keinem Moment langweilig.

                      Auch das finale Dessert, den Rhabarber-Makaron mit Avocado und Verbene, dürften manche Gäste so ähnlich schon aus Osnabrück kennen. Wir waren dennoch sehr angetan von dem federleichten Abschluss, bei dem sich die Säure des Rhabarbers mit der nussigen Cremigkeit der Avocado und der Zitrusnote des Eisenkrauts zu einem vollmundigen Geschmackserlebnis verband.

                      Es war ein in jeder kulinarischen Hinsicht wilder, aufregender Abend. Begeisterung stand im Wechsel mit Ernüchterung. Wir hatten den Eindruck, das Silvio Nickol, nach eigenem Bekunden ein Mann mit großem Ehrgeiz und noch größeren Ambitionen, manchmal über das Ziel hinausschießt. Dies macht sich nicht zuletzt in sehr "geschäftigen" Teller-Arrangements und einer sehr intensiven Würzung bemerkbar, die bisweilen Gefahr läuft, jenen schmalem Grat zu überschreiten, der das Pointierte vom Penetranten trennt. Weniger, auch bei den Portionen, wäre hier fast durchweg sehr viel mehr.

                      Fazit: Silvio Nickol verfügt über großes Talent und Könnerschaft. Dennoch erlebten wir an diesem Abend eine kulinarische Achterbahnfahrt zwischen genialischer Moderne und allzu braver Klassik. So oder so: es bleibt spannend!

                      Kommentar


                      • #41
                        Zitat von brigante Beitrag anzeigen
                        Der Keller, bestehend aus 6 thematischen Einzelkellern, darunter für Yquem, Bordeaux, Neue Welt und Österreich, ist mit 60.000 Flaschen im Wert von 25 Millionen Euro einer der weltweit größten und teuersten.
                        Durchschnittswert der 60 000 Flaschen über 400 Euro? Da hat jemand aber großzügig kalkuliert....

                        Kommentar


                        • #42
                          Mitnichten lieber glauer,
                          wenn sie einmal vor der Wand mit den 60 Kisten Mouton aus einem Superjahrgang stehen, die Yquem-Sammlung, die ihresgleichen sucht,oder die Champagner Prestige-Cuvees sehen, dann kommen sie leicht auf diesen Betrag.
                          Schauen sie auf der homepage mal in die Weinliste oder lesen nach was bei der Coburg Wine Open geboten wird.

                          Gruß c

                          Kommentar


                          • #43
                            Wien

                            Chef, die Warp 2 Barriere ist durchbrochen!

                            In Star Trek durchbricht der erste Mensch mit viel Aufwand 2143 die "Warp 2" Geschwindigkeitsbarriere und legt die Basis für die Entwicklung des "Warp 5" Antriebes. Silvio Nickol hat im März 2012 die 2 Michelin Punkte Barriere erfolgreich durchbrochen und Ambitionen auf den 3 Punkt. Captain - ähm Chef - die Richtung stimmt!

                            Das "Silvio Nickol" ist Stadtgespräch. Vom Wörthersee kam der Medienberichten zufolge 2 Meter grosse Deutsche Silvio Nickol nach Wien. Im Palais Coburg bekocht er nun seit 2011 die Gäste im nach seinem Namen benannten Restaurant. Erklärtes Ziel - "3 Sterne". Der Zwischenschritt von deren 2 Sternen und 18 Punkten ist in 2012 erreicht.

                            Futuristisch der Rahmen im sonst altehrwürdigen und geschichtsträchtigen Restaurant Coburg. Fast fühlt man sich an Star Treck erinnert - so mögen sich Regisseure in den 60er Jahren das Gourmet Restaurant des nächsten Jahrtausends vorgestellt haben! Auf irgendeinem Stern - mit Warp 5 Antrieb schnell zu erreichen. Wobei 3 Michelin Sterne es auch tun würden.

                            Ungewöhnliches polarisiert: Die beste Küche der Stadt, der beeindruckenste Weinkeller (Coburg-Österreichisch "Weinarchiv"), die aussergewöhlichste Location. Oder aber auf Gästeseite fest in russischer Hand, fokusierend auf das Statussymbol Wein und weniger auf die Küche, und das exklusivste Bordell der Stadt gleich nebenan. Wir wollen uns da unser eigenes Urteil bilden!

                            Und finden die Räumlichkeiten aussergewöhnlich, doch beeindruckend. Und erleben die russische Familie an einem der Nachbartische als kulinarisch interessiert.

                            Der Service - jung, charmat, aufgeweckt und qualifiziert - Spitzenklasse! Einzig der "Chef's Table" scheint mehr eine Vermarktungsstrategie für die "billigen Plätze" in einem schlauchförmigen Raum beim Eingang des Restaurants zu sein, an welchen via Monitor das Geschehen aus der Küche übertragen wird - wir wären davon enttäuscht gewesen!

                            Doch wir starten ja im Hauptteil des Restaurants unser Menü. Am Website gibt es deren zwei, die "Grosse Lust" (8 Gänge) und die "Kleine Lust" (5 Gänge). im Restaurant geht es im wesentlichen darum, die Anzahl der Gänge auszuwählen (bis zu 12 Gängen) und sich dann überraschen zu lassen. Jeder zusätzliche Gang über dem 8ten für nur EUR 10 Mehrpreis - ein attraktiver Deal!

                            So berechnen wir den Durchschnitt aus (aufgerundeten) 18 Punkten und 2 Sternen, das ergibt die Zahl 10. Folglich erscheint uns diese Zahl passend für die Anzahl der Gänge.

                            Die Weinkarte des Coburg ist phänomenal. Ein dickes Buch, mehr als 5'500 Weine mit Jahrgängen seit 1727. Doch wir empfehlen die Weinbegleitung: Was hier offen offeriert wird, gibt es an anderen Orten nur in ganzen Flaschen - wenn überhaupt. Kurz stimmen wir uns mit dem Sommelier ab, worauf der Fokus liegen soll / wie sehr wir auch (teurere) Raritäten einfliessen lassen möchten. Dann kann es losgehen!

                            Grüsse aus der Küche

                            4 verschiedene Champagner wurden uns zum Start offeriert. Wir wählten einen Dom Ruinart Rosé 1986. Aus der für uns geöffneten Flasche wurde der gereifte Champagner in zwei normale Weingläser eingeschenkt. Bernstein-faren, kräftig moussierend, intensiv und mit Aromen wie trockenen Früchten und Orangen zog er uns in seinen Bann.

                            Die Wassergläser sind eher Trinkbecher im Star Treck Stil. Ungewöhnlich, doch uns hat es nicht gestört und zum Ambiente passt es.

                            Dann ging es los mit den Grüssen aus der Küche:
                            - Zunächst ein paar Kräeter mit Salz auf einem Steinblättchen sowie eine Art Grapefruit-Drink in kleinem Glas.
                            - Danach die Haute Cuisine Version der Schinkenstulle.
                            - Sodann ein paar "Spiesse", einmal mit Falaffel ,einmal mit Hüttenkase.
                            - Danach ein Sushi vom Pulpo mit einem feine Schärfe gebenden Wasabi-Tupfen.
                            - Es folgte ein Cornetto mit Tatar von Lachs und von Rind.
                            - Der letzte in einer Vielzahl von Grüssen dann "Aal mit Grün", Aal mit Gurke und Avokado in unterschiedlichen Zubereitungsarten - ein erfrischender und guter Abschluss dieses Feuerwerks an kulinarischen Einstimmungen!

                            Unser Hunger auf mehr war geweckt!

                            Gänseleber Schokolade

                            Falsche Fährten können die Neugierde des Geniessers wecken. Die Champignons auf dem Teller des 1. Ganges waren eine solche falsche Fährte, in wirklichkeit waren diese aus Gänseleber, welche toll mit schokoladigen Komponenten am Teller harmonierte.

                            Sehr schön dazu auch der Chateau Yquem 1986 im Glas.

                            Bausatz "Hollandaise" Spargel, Ei, Nussbutter

                            Der Frühling ist Spargelzeit, doch warum immer gleich geniessen. Wie in einem Bausatz hat Slivio Nickol das klassische Spargelgericht auseinandergeommen und wieder neu zusammengestellt. Spargel, Brösel, Ei, Nussbutter - eine ansprechende und kreative Interpretation.

                            Im Glas gab es dazu aus der Wachau einen Grünen Veltliner Loibnerberg Smaragd von Pichler aus dem Jahre 2006, schön gereift und intensiv.

                            Fluss Flusskrebse, Steinplize, Kohlrabi, Zwiebelsauce

                            Das nächste Gericht dann Fusskrebse mit Steinpilzen, Kohlrabi und einer für gegenüber den wunderbaren Krebsen zu intensiven Zwiebelsauce. Dazu ein Riesling Felsenberg 1. Gewächs vom Weingut Schäfer-Fröhlich von der Nahe.

                            Nudelauflauf Tomate, Parmesan, Bohnen

                            Beim Nudelauflauf wiederum verschiedene Komponenten, welche sich in typischerweise in einem solchen wiederfinden, auf andere Art zsuammengesetzt. Die Pasta mit innen Parmesan hat uns sehr gemundet, in Summe kam uns dieses Gericht aber zu "trocken" rüber. Als Weinbegleitung dazu ein Jermann Vinnaioli Vintage Tunina 2008 aus dem Friaul.

                            Salzig Seeforelle, Sellerie, Malz

                            Die Seeforelle kombiniert mit einem Stanizel mit Selleriecreme sowie mit Malz - letzterer für uns zu intensiv im Vergleich zu den anderen Komponenten. Als Wein genonossen wir dazu einen Cote de nuit aus dem Jahr 2007.

                            Nimm 2 Schwanz, Bries, Pastinaken

                            Das Kalbsbries schien uns ok, der geschmorte Schwanz wirkte auf uns etwas fasrig. Die Idee hinter dem Teller ist eine gute, die Umsetzung wirkte auf uns an diesem Abend nicht perfekt. Im Glas dazu ein Pinot Noir aus dem Burgund (Chambolle-Musigny 2002).

                            Weidmannsheil Reh, Wirsing, Roennaisersauce

                            Der zweite Fleischgang dann ein guter Maibock, dazu ein toles Glas mit Wirsing und Kartoffelmousseline; die Sauce eher schwer, aber intensiv. Ein 1996'er Bordeaux vom Château Pontet-Canet begleitete diesen Gang, die Aromen von Feige, Zwetschke und ein wenig Cassis gefielen uns gut.

                            3KäseHoch Mimolette, Karotte, Pistazie

                            Ach wie schnell verfliegt die Zeit! Schon der Käsegang - ein Drei-Käse Kuchen, intensiver Cheddar, schön kombiniert mit der Frische der Karotte am Teller sowie mit Pistazien. Toll! Dazu ein Gewürztraminer der Domaine Weinbach aus dem Jahr 2002.

                            Pre-Dessert: Vitamingemisch

                            Als Pre-Dessert dann ein "Vitamingemisch", Orangen von der Orange, Bittertöne von Graipefruit sowie (Erd?)Nuss - toll! Ein Glas Champagner "Femme de Champagne" von Duval-Leroy war dazu genau das richtige.

                            Erdbeermilchshake Erdbeere, Milch, Shake

                            Frische und getrocknete Erdeeren, Milcheis, Karamelltupfer und mehr im Glas - ein fruchtiges und erfrischendes erstes Dessert. Dazu ein vorzüglicher Süsswein von Kracher, ein Rosenmuskateller 2005.

                            Nutella Banane, Schoko, Joghurt

                            Zurück in die Jugendzeit - die Kombination von Nutella, Banane, Joghurt und Erdnuss erinnert an die Vorlieben aus der Kundheit und der Jugend. Der Geschmack hat sich seither weiterentwickelt, und die Interpretation von Silvio Nickol übertrifft auch jene "von früher" bei weiten. Begleitet wurde der Gang von einem 1997 Vintage Port von Taylors.

                            Petit Fours

                            Der Abschluss - zum Kaffee noch diverse Petit Fours. Wären wir nicht schon gut gesättigt, würden wir am liebsten wieder gleich von vorne starten!


                            Unser Resümee:

                            Für uns ist das Silvio Nickol hinter dem Steirereck klar zum zweitbesten Restaurant der Stadt aufgestiegen, beim Weinkeller sogar zum besten. Das Essen ist vorzüglich, der Service toll! Einzig die Preise sind sehr hoch (stark durch die Weinbegleitung getrieben), das Restaurant hat auch hier einen neuen Massstab in Wien gesetzt!

                            Die weiterhin hohen Ambitionen freuen uns, und (positive) Konkurrenz belebt den Wiener Restaurantmarkt, welcher durch verschiedene Schliessungen der letzen Jahre ohnedies gelitten hat. Wir freuen uns auf einen erneuten Besuch bei anderer Gelegenheit!

                            ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

                            Der volle Bericht mit allen Bildern auf: kuechenreise.com
                            http://kuechenreise.com/2012/07/17/r...coburg-wien-a/
                            Zuletzt geändert von kuechenreise; 17.07.2012, 22:33.

                            Kommentar


                            • #44
                              Vielen Dank für den Bericht; Gottlob sind Sie ja bei den Weinen bescheiden geblieben, so daß hier kein Neid aufkommen kann, nicht der geringste, ich weiß nicht mal, wie man Neid buchstabiert, "Frau!!, bring mir mein Hundeknochen, ich muß irgendwo draufbeißen"
                              Allein die Süßweine, mon dieu:Rosenmuskateller von Kracher, 97er Vintage Taylors, wie war das mit dem femme de champagne, hat der Restsüße? Und der Weinbach'sche Gewürz, ein Grand cru?. Und erzählen Sie noch bitte was vom Yquem?
                              Aus reiner Schwabenneugier: wie viel durften Sie für diese Weinbegleitung bezahlen?
                              Gruß
                              s.

                              Kommentar


                              • #45
                                Vielen Dank für den Bericht, lieber Küchenreise, ich bin schon auf unseren November-Club-Ausflug gespannt und nun hat sich diese Spannung gesteigert. Übrigens im Blog von Küchenreise ist ein Foto der Rechnung, demzufolge für die Weinbegleitung 188 EUR pro Nase fällig waren (gleichter Preis für das Menü übrigens).

                                Was hat den da was begleitet? Der Wein das Essen, oder das Essen den Wein??
                                Zuletzt geändert von QWERTZ; 18.07.2012, 06:32.

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X