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Silvio Nickol (Palais Coburg), Wien 2*

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  • #46
    Gute Frage - hat das Essen den Wein, hat der Wein das Essen begleitet? Das Essen war sehr fein, die Weinbegleitung aussergewöhnlich (und auf Nachfrage ist da noch ein höherer Raritätenanteil möglich).

    Das Menü EUR 188 - ab dem 7. Gang ist jeder zusätzlicher Gang für wohlfeile EUR 10 zu haben, welch ein Genuss :-) Die Weinbegleitung gleichfalls zu diesem Preis, da bleibt der Glaspreis aber eher hoch...

    Zu den Weinen: Den Femme de Champagne habe ich mit eher wenig Restsüsse in Erinnerung, aber dafür mit Kraft, Lebendigkeit und Säure. Von der Stilistik ganz anders, doch noch beeindruckender war der 1986er Rosé von Dom Ruinart, den wir vor dem Menü hatten - gereift, intensiv, faszinierend. Der Yquem - ob Yquem's die besten Süssweine der Welt sind, darüber mögen sich andere streiten. Auf jeden Fall beeindruckend gut, rund, sehr lange im Abgang... In Summe eine aussergewöhnliche Weinbegleitung!

    Beste Grüsse,
    kuechenreise

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    • #47
      Unser Clubabend begann mit einer Führung durch den Weinkeller des Palais Coburg. Das Haus ist auf den alten Stadtmauern Wiens erbaut. Ergo befinden sich die Weine in Räumlichkeiten, die zu früheren Zeiten der Befestigung der Stadt dienten. Auftakt war an einer Dom Perignon-Bar, direkt dahinter befindet sich der Champagner-Keller. Ein ehemaliger Eiskeller, mit entsprechender Klimatisierung hat man den Eindruck, als könnte er es jederzeit wieder werden. Dort lagern – natürlich – nur die hochwertigsten und edelsten Champagner bekannter und weniger bekannter Häuser. Hier ein Blick von oben in den Keller:
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      Einen besseren Überblick als meine Fotos liefern diese Videos:
      http://youtu.be/JZeayvdqf8A
      http://youtu.be/NK__ceaqGk8

      Weiter ging es zum kleinsten Keller: der Unterkunft für die Château d´Yquem-Flaschen. Interessant, wie stark sich die Farbe des Weins aus den unterschiedlichen Jahrgängen darstellt. Sie leuchteten wie Bernstein.
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      Im Keller über die französischen Weine, lagern natürlich Flaschen der unterschiedlichen bekannten Bordeaux-Größen und einiges aus dem Burgund. Interessant: zum Schutz der Etiketten sind die wertvollen Flaschen mit einer Plastikfolie überzogen. Sollte tatsächlich mal eine dieser Flaschen verkauft werden, wird die Flasche übrigens ungern aus der Hand gegeben, um eine „Refinanzierung“ des Kaufs durch eine „Wiederbefüllung“ zu verhindern, wie es hieß.
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      Im „Neue Welt“-Keller ist auch spanischer und portugiesischer Wein eingelagert. Optisch erinnert der Keller an einen Schiffsbauch.
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      Den letzten Keller, der uns gezeigt wurde, habe ich nicht fotografiert. Dort sind in riesigen – insgesamt tonnenschweren – Glasregalen die größte Weinmenge gelagert. Wir konnten vorbei laufen, an österreichischen und deutschen Spitzengewächsen. Das ist sozusagen der „Alltagskeller“ in dem die „normalen“ Weine lagern (so was normales, wie Große Gewächse halt.

      Das Design der Keller ist schon stark auf die Führungen, die sich buchen lassen, ausgelegt. Einige Höhepunkt sich sichtbar drapiert. Obwohl das ganze irgendwie „gemacht“ aussieht, ist es trotzdem beeindruckend. Ich fand die Führung sehr interessant und lohnenswert, auch wenn es einfach nur Flaschen zu sehen gab. Ein Fakt zeigt natürlich deutlich, worauf im Palais Coburg der Schwerpunkt liegt: auf den Weinkeller. Er wird allein von sechs Mitarbeitern gepflegt, wurde uns erzählt.

      Ich möchte zum Menüs kurz etwas vorweg nehmen: das Essen war eine sehr gute Begleitung der Weine, die wir genossen haben. Deswegen möchte ich versuchen, einmal die Beschreibung des Menüs umzukehren, also Wein vor Essen:

      Zum Einstieg gab es einen 2010 Ata Rangi Sauvignon Blanc. Ein neuseeländischer Sauvignon Blanc, der mit leicht grasigen, vor allem einem Passionsfrucht-Aroma, ziemlich vordergründig wirkte. Dazu bekamen wir einiges zur Einstimmung:
      Bouchot Muschel (Bild fehlt)
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      Schinkenstulle – die eigentlich mehr nach der Kräutercreme schmeckte, der Schinken war doch sehr dezent.

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      Pulpo-Soja-Miso – überzeugend gut.

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      Rinder- und Gemüsetartar

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      Und schließlich die Makrele und Tomate. Hier passte der Wein recht gut.

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      Nun folgte der 2004er J.J. Prüm Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese – eine schöne Balance aus gereiften und frischen Noten. Dazu der „Wald“ – Entenleber, Tannenwipfel, Moos. Also eine Entenleberkombination, die nicht mit Säure, sondern mit würzig-erdigen Kontrast arbeitet. Das passt sehr gut, ich hätte mir den Einsatz der Wald-Aromen durchaus noch etwas stärker vorstellen können.

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      Es ging weiter mit einem Weißen aus dem Burgund: 2008er Coche-Dury Bourgogne Aligoté. Mir war die Rebsorte bislang noch nicht so bewusst bekannt. Der Wein zeigte für mich leichte Reife und eine gute mineralische Struktur. Zu essen gab es dazu „Ein bisschen Meer“ – Kaisergranat, Kohlrabi, Röstzwiebel. Zwiebel und Granat passten sehr gut. Die für sich leckere Sauce lag für mich knapp neben der perfekten Harmonie, hätte vielleicht eine Spur frischer sein können. Der Wein nahm Zweibel und Granat etwas die Süße, der Sauce die Breite, so wirkte zusammen alles gut zusammen.


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      Der „weiße Höhepunkt“ sollte der 2006er Hirtzberger Grüner Veltliner Honivogl Smaragd sein. Für meine Zunge hatte der Wein trotz des immensen Alkohols (14,5 Vol.) angenehme Säure und Mineralität, der das Gewicht nicht sofort spürbar machte. Ob es aber tatsächlich so breite Veltliner braucht, müssen die Österreicher wohl eher beantworten... Gerade bei dem Gericht „Orange“ – Scholle, Kürbis, Kapuzinerkresse war es am sehr augenscheinlich, dass hier der Wein die Führung übernahm. Der Kürbis war nur leicht temperiert, wodurch er etwas mehr Frische in den Gang gab. Lecker auch hier wieder die Sauce, aber der letzte Kick im Gericht fehlte mir, oder wurde durch den Wein überlagert.


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      Nun der erste Rote: ein 1985er Haut-Batailley, einen soweit gereiften Bordeaux habe ich bislang nicht getrunken. Deutlich orange Reflexe im Glas, ein rostiger Duft zeigt sich der Wein ganz anders, als ich dies mit dem üblichen Geschmacksbild von vielleicht fünf bis zehn Jahre alten Bordeaux-Weinen gewohnt bin. Sehr interessant, eine Qualitätseinstufung fällt mir dadurch allerdings schwer. Das hat mich aber auch stark vom Hauptgang abgelenkt: das „Schweigen der Lämmer“ – Lamm, Aubergine, Amaranth. Mir sind vor allem die unterschiedliche Wirkung des Weins zum geschmorten Lammstück, der intensiven Sauce und dem Filet in Erinnerung geblieben.


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      Der 2003er Kirnbauer Syrah war dagegen ein starker Kontrast, frisch und jung – jedenfalls im Vergleich. Hier überstrahlte für mich das Essen deutlich den Wein: „3KäseHoch“ – Hanfkäse, Radicchio, Gundelrebe. Eine interessante Harmonie aus dem salzigen Käse, und den Bitterstoffen des Raddicios war für mich der eigenständigste Gang des Menüs.


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      Zum Schluss eine 2006er Beerenauslese Traminer Coburg Selektion von Kracher. Ein typischer Süßwein, zu dem meine Erinnerung etwas verblasst ist. Dafür gefiel mir der „Marmorkuchen“ – Schokolade, Pistazie, Kiwi durch Frische und die eher kakaolastige Schokolade, trotz Schokolade ein frisches Dessert.

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      Zum Abschluss kam eine ganze Batterie aus Macarons, Pralinen, Windbeuteln und Madeleines auf den Tisch.

      Der Service präsentierte uns mit viel Lust die Weine und wirkte insgesamt sehr professionell-entspannt, was ich als sehr angenehm empfand. Das leicht spacige Ambiente des Gastraums in dem wir saßen erhöht den hochwertigen Gesamteindruck.

      Das Menü war für mich absolut stimmig, die Detailaspekte, die ich nicht als optimal empfunden habe, habe ich angemerkt. Mir schien das Menü sehr darauf angelegt zu sein, gut zu Weinen zu passen (egal ob für Begleitungs- oder Flaschentrinker), da diese ja auch eine gewisse Besonderheit das Hauses darstellen. Somit fehlt vielleicht die letzte stilistische Spitze oder konzeptionelle Fokuss, um eben eine gute Wein-Kombinationsmöglichkeit zu schaffen. Dem Gesamtgenuss ist das sehr zuträglich, dass es eben keinen Wettstreit Wein-Essen gibt.
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      Zuletzt geändert von QWERTZ; 11.11.2012, 21:33.

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      • #48
        Der ganze Bericht mit allen Bildern wie üblich auf kuechenreise.com
        http://kuechenreise.com/2013/11/20/s...coburg-2-wien/



        Slivio Nickol ist der ‚Herausforderer‘ in der Wiener Spitzengastronomie. Und versteht es, mit seiner Küche einen spannenden internationalen / avantgardistischen Gegenpol zum regional orientierten Steirereck (Nr. 9 in einer bekannten Restaurant-Weltrangliste) zu bilden. Beide sind mit je 2 Michelin Sternen eine Bereicherung für Wien!

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        9 Gänge umfasst das Menü des Restaurants (kann auch reduziert werden), dazu manchmal saisonale Extragänge.

        Zum Einstieg werden eine Vielzahl von kleinen Grüssen gebracht. Überzeugend der Bacalhau (Stockfisch) mit Schwarzkümmel und Kaviar; ausgezeichnet die ‚Auster in Grün‘.

        Die ersten Gänge des Menüs brillierten dann mit fein abgestimmten Aromen. Filigran war die Komposition von Entelleber mit Nüssen und Trauben, schön die Jacobsmuschel mit Orange, Blumenkohl und Erdnuss.

        Der in einer Eierschale dargereichte Kalbskopf wie auch die weissen Trüffel mit Kartoffelschaum waren kleine, aber vorzügliche Zwischengänge. Absolut überzeugend war der Seeteufel mit Petersilie, Miso und Buchweizen; die Komponenten durch ein wenig am Tisch angegossenen Chardonnay-Essig wunderbar verbunden.

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        Die Taube war ‚Referenzqualität' und mit Wirsing, Kranichbeeren, Wachholder und in einem separatem Gefäss mit einem Innereien-Raviolo mit roter Rübe begleitet. Enttäuscht hat uns der darauf folgende Rehrücken mit fast schon klebriger Sauce.

        Über Hanfkäse mit Feigen ging es dann zum Süssen: Die Gurke mit Kokos war uns zu sehr auf der süsslichen Seite, der darauf folgende Gang mit dem Hauptdarsteller Banane gefiel.

        Erwähnenswert ist die vorzügliche Weinbegleitung mit einer Vielzahl an gereifteren Jahrgängen!


        Unser Resümee:

        Das Restaurant Silvio Nickol hat uns mit kreativer Küche begeistert! Das Menü von Silvio Nickol und Sous Chef Fabian Günzel glänzt durch viel Kreativität und mit modernen Akzenten. Die Produktqualität ist top, die Aromen sind harmonisch und fein abgestimmt, die Umsetzung normalerweise technisch perfekt. Von kleinen Schwankungen abgesehen ein Essen auf Top-Niveau!

        Auch der Service unter Maître Sacha Speckemeier brilliert, und Sommeller Hendrik Aufderheide ist Herr über einen beeindruckenden Weinkeller und stellt auch hervorragende Weinbegleitungen zum Menü zusammen.



        Unser Menü:

        Auftakt
        - Entenleber Macadamia- und Walnuss, Fragolino Trauben, Tagetes
        - Jakobsmuschel Pandan Reis, Orange, Blumenkohl, Erdnuss
        - Seeteufel Petersilie, Spinat, Miso, Buchweizen
        - Eigelb Kalbskopf, Artischocke, Steinpilz, Gänseblume
        - Weisse Alba-Trüffel
        - Taube Wirsing, Kranichbeeren, Rote Rübe, Wacholder
        - Rehrücken Kürbis, Violettkraut, Buchenpilze, Haselnuss
        - Hanfkäse Feige, Trauben, Joghurt, Gundelrebe
        - Gurke Tapioka, Kokos, Koriander, Wacholder
        - Banane Sesam, Passionsfrucht, Lapsang Souchong, Topinambur
        - Ausklang

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        • #49
          21.07.2013 kurz vor 11.00 Uhr eine Mail von Hannes Buchner und mein Tag war gerettet. "Die Glücksfee hätte meinen Namen gezogen und er würde mir den Gutschein für das Palais Coburg die nächsten Tagen zusenden". Hierbei nochmals vielen Dank an die Glücksfee. Es hat jetzt zwar länger gedauert, aber die Wartezeit hat sich mehr als gelohnt. So beeindruckend das Haus, so stylisch das Restaurant.

          Von der Menü-Folge gleicht es fast dem oben beschriebenen Menü von Küchenreise. Aufgrunddessen möchte ich nur noch ein paar Anmerkungen machen.
          Herausragend fand ich bei den Grüßen die Langustine mit Tomaten und Ziegenkäse, die Langustine auf dem Punkt, die Fruchtigkeit der Tomaten mit einer leichten Süsse, dazu der cremige Ziegenkäse.
          Der Rehrücken war gelungen, dazu Kürbis, auch als cremiges Püree, die Sosse fand ich geschmacklich hervorragend, mit einem tiefen sahnigen Geschmacksbild.
          Einzige Änderung war der Käsegang: Taleggio, Bauernspeck, Aprikose, gebranntes Brot, Franziskanerkraut: Italien pur.
          Der Gang "Gurke" war leicht und frisch.

          Auch mich hat der Abend begeistert, das Menü war hervorragend, die Weinauswahl begleitete perfekt, der Service, wie bereits zuvor erwähnt brillierte wirklich.

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          • #50
            Wie schön, dass es Ihnen gleichfalls gefallen hat, werte Schink! Haben Sie Gelegenheit gehabt, noch mehr kulinarische Seiten der Stadt zu erkunden?

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            • #51
              Nachdem wir am 3. Oktober einen sehr vergnüglichen Mittagessen in Steiereck hatten, sind wir am Samstagabend bei Silvio Nickol gewesen.

              Was soll ich sagen, die Stadt Wien kann darauf stolz sein, zwei solch unterschiedliche und sehr interessante Restaurants zu beherbergen.

              Palais Coburg ist in meinen Augen etwas "für fortgeschrittene". Man bedarf schon etwas Erfahrung, um sich mit die Kreationen auseinander setzen zu können. Die Arbeit mit der Würze und Salz ist teilweise (für meinen persönlichen Geschmack) grenzwertig und schwierig. Praktisch bei jedem von sieben Menü-Gänge war ich am Anfang nicht sicher, was ich davon halten soll. Allerdings wurde die Kurve jedesmal gekriegt, am Ende war ich stets überzeugt und teilweise richtig begeistert. Ich glaube auch, dass genau diese Arbeit mit der Würze der besonderen Stil des Hauses ausmacht.

              Wir mussten ein bisschen schmunzeln, da wir hörten wie die junge Dame am Nachbartisch versucht hatte ihr Essen zu beschreiben und eigentlich nur "sehr lecker" herausbringen konnte. Denn mit einfach "sehr lecker" (Ich hoffe, dass Jürgen 3D wird mir verzeihen), kann man der Stil von Silvio Nickol nicht beschreiben. Ja, es war letztendlich lecker, aber anders, ungewöhnlich.

              Ein paar Wörter über Service: einfach toll! Freundlich , professionell, effizient. Sven Uzat hat mich sehr schön beraten, den ich wollte eine Flasche Wein trinken, mein Mann hat die Weinbegleitung gewählt, welche sehr interessant war. Weiter durch den Abend hat uns Petr Hlinak begleitet. Seine Begeisterung für Produkt Wein, umfassendes Wissen und die Fähigkeit dies zu vermitteln waren uns auf Anhieb sehr sympatisch. Wir genossen den Abend sehr. Schade, dass Wien nicht gerade um die Ecke liegt. Die Stadt ist in mehreren Hinsichten eine Reise wert.

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              • #52
                Welche der Gänge hatte Ihnen, werte Wi, bei Silvio Nickol denn am besten gefallen? Danke für die Eindrücke!

                Ich hatte am vorabend des Steirereck-Lunches auch das Vergnügen, im Palais Coburg einzukehren und war gleichfalls begeistert. Ganz anderer Stil, doch vorzüglich. Und muss sagen, ich beginne mich zunehmend von Steirereck ein wenig zu "entfremden" (und dort habe ich vor 1000 Jahren oder so immerhin "richtig" essen gelernt) und vom Silvio Nickol immer begeisterter zu werden...

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                • #53
                  Lieber küchenreise,

                  wir hatten 7 Gänge, bekamen aber ein Amuse mehr, und dieser vierte Amuse war fantastisch. Es war ein Stück Oktopus in einem Sud aus Bouchot Muscheln mit kleinen, sehr kross gerösteten Garnelen, welche man mit der Schale essen konnte. Schön fanden wir auch ein Gang mit Erbsen, Kräuterseitlingen und Hühnerhaut, sowie Kabeljau. Etwas schwach dagegen waren für mich der Fleischgang, wir hatten Reh, und Dessert.

                  Mir liegt die Philisophie des Steierecks, diese etwas subtilere und puristische schon etwas mehr. Das Essen in Palais Coburg war aber ungeheur spannend. Ich habe viel über mich selbst erfahren. Es war ein Erlebnis, und letztendlich das ist, was zählt.

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                  • #54
                    Hatte gleichfalls das Vergnügen, de Oktopus mit den kleinen Garnelen geniessen zu dürfen, sehr fein! Auch beim Reh ging es mir ähnlich, die Sauce dazu fand ich zu extrem/intensiv (da aber auch schon vor einem Jahr in ähnlicher Form im Menü, scheint sie anzukommen - ist ja schön, dass Geschmäcker verschieden sind). Erbsen/Hummer udn auch der Entenlebergang versetzten mich auch ins Schärmen...
                    Ja, ein spannnender Abend. Und zwei sehr unterschiedliche Küchenlinien - jeder findet da etwas für seinen Geschmack!

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                    • #55
                      Und noch mehr der Eindrucke meines Besuches im Restaurant Silvio Nickol. Die bebilderte Variante auf: http://kuechenreise.com/2014/10/27/r...coburg-3-wien/


                      Der Kurzbericht zu meinem Dinner:

                      Nobel und geschichtsträchtig ist der Rahmen im Wiener Luxushotel Palais Coburg; im Restaurant ist die Atmosphäre modern, international und unkompliziert.

                      Bei meinem Besuch habe ich das 9-Gängige Menü mit Weinbegleitung (der Weinkeller des Restaurants ist der grösste und beeindruckendste in der Stadt) gewählt.

                      Vier kleine Grüsse waren der Auftakt, startend mit ganz feinen Aromen vom Saibling mit Kaffir-Limette und Ingwer bis zu deutlich intensiveren Geschmäckern etwa bei den Austern mit Rosinen und Datteln.

                      Erstklassig ist dann der erste Gang, die Entenleber mit Passionsfrucht, Schafsmilch, Bitterschokolade und Erdnuss - die Küche demonstriert, wie man nicht so ungewöhnliche Geschmacksbilder mit perfekter Umsetzung zum Wow-Erlebnis machen kann.

                      Auch der Hummer mit Erbse wie auch der Kabelau mit Limone überzeugen mich. Danach folgt ein Signature-Dish von Silvio Nickol, das vorzügliche Ei mit Kalbskopf, Eigelb, Artischocke, Shiitacke und Petersilie. Wiederum hebt Ausgestaltung und Umsetzung das Gericht von ähnlich angelegten klar ab.

                      Klassischer wird es bei der Rinderbacke mit Hummus, Karotte, Cous Cous und Kichererbse. Das darauffolgende Reh mit Spitzkohl, Sanddorn, Buchweizen und Preiselbeeren basiert auch auf einem klassichen Geschmacksbild, ist jedoch schön entschlackt und modernisiert; einzig die Intensität der Sauce Rouennaise überfordert mich hier.

                      Nach einem netten Käsegang begeistern mich dann die Desserts - Melone mit Hedrick’s Gin, Kardamom und Bronzefenchel sowie Apfel mit Rucola, Ziegenkäse, Himbeere und Walnuss.


                      Mein Resümee:

                      Klare und oft intensive Aromen zeichnen die Gerichte aus der Küche von Silvio Nickol aus. Sie mögen auf den ersten Bissen manchmal polarisieren, doch sind sie wohl ausgewogen und nicht einseitig-dominant; und sie machen Gang für Gang immer aufs neue spannend.

                      Die Speisen sind kreativ, die verwendeten Produkte erstklassig. Die technische Umsetzung ist absolut perfekt. Küchentechnik unterstützt den guten Geschmack, sie ist kein Selbstzweck.

                      Die Küchenlinie ist über die letzten Jahre reifer, die Gerichte ein wenig reduzierter geworden; und die Qualität des gebotenen hat weiter zugelegt. Wir sind gespannt, wohin diese Reise noch führen wird!

                      Die Räumlichkeiten sind modern, die Atmosphäre ist international im besten Sinne. Der Service mit Sven Uzat ist charmant, kompetent und überzeugend. Die Weinbegleitung von Petr Hlinak war sehr ansprechend. Der Weinkeller, das „Weinarchiv“ ist ein Paradies für jeden Weinliebhaber und hält von exquisiten Raritäten bis zu einer grossen Auswahl leistbarer Flaschen alles bereit.


                      Mein Menü:

                      - Auftakt
                      - Entenleber: Passionsfrucht, Schafsmilch, Zartbitterschokolade, Erdnuss
                      - Hummer: Erbse, Kräuterseitlinge, Petersilie, Hühnerhaut
                      - Kabeljau: Limone, Kartoffel, Lauch, Mönchsbart
                      - Eigelb: Kalbskopf, Artischocke, Shiitake, Petersilie
                      - Rinderbacke: Hummus, Karotte, Cous Cous, Kichererbse
                      - Reh: Spitzkohl, Sanddorn, Buchweizen, Preiselbeeren
                      - Schafskäse: Blaubeeren, Brunnenkresse, süsser Senf, Hanfsaat
                      - Melone: Hendrick’s Gin, Kardamom, Bronzefenchel
                      - Apfel: Rucola, Ziegenkäse, Himbeere, Walnuss
                      - Ausklang

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                      • #56
                        Lieber Küchenreise,

                        ja da wird man neidisch und bereut, den Wien-Besuch nicht auch ein wenig ausgeweitet zu haben...

                        Ein toller Bericht!

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                        • #57
                          Zwei Jahre sind vergangen seit meinem letzten Besuch im Silvio Nickol. Manches hat sich seither getan. In Wien ist Juan Amador gelandet, und Mraz hat den zweiten Stern bekommen. Und im Silvio Nickol freut man sich über die Aufwertung auf 19 Punkte im Gault Millau wie auch über die Auszeichnung zum 'Besten deutschen Koch im Ausland' des Chefs.

                          Zu Wien habe ich eine ganz besondere Beziehung, und das Silvio Nickol schätze ich schon seit vielen Jahren. Zeit also, dem Restaurant wieder einen Besuch abzustatten. Und das Essen ist unverändert grossartig, vielleicht noch einen Tick filigraner und feiner abgestimmt, so zum Beispiel:

                          - Bei der Bernsteinmakrele mit Parika und Liebstöckel gefällt mir der Kontrast von intensiver Paprikasauce (fast schon 'ungarisch'), welche mit dem fettreichen Fleisch der Markele einen wunderbaren Konterpart erhält, der die Aromen im richtigen Ausmass dämpft und harmonisch macht

                          - Der Hokkaido-Kürbis ist nicht wie oft eintönig, sondern knackig, mit schöner Konsistenz und Säure, und der Steinpilzusud dazu gibt dieses umschmeichelnde Gefühl von Wärme und Wohlgefühl. So toll können vegitarische Gänge schmecken!

                          .- Die Gänseleber wird in zwei Gängen gebracht: Zunächst als Eis mit einer Kirschcreme, hier sind Süsse, Säure, Schmelz perfekt abgestimmt, die unterschiedlichen Temperaturen sorgen für ein schönes Mundgefühl. Danach gebratene Gänseleber mit schönen Röstaromen, Hibiskus und ein Kirschsud - wiederum grandios austariert und einfach gut.

                          - Beim Dessert gefällt mir die Schokolade mit Sanddorn, rosa Pfeffer und Avocado; eine tolle Kombination von Fruchtigkeit, einem Hauch Bitternoten, einem Tick Schärfe und mit abwechslungsreichen Temperaturkontrasten und Texturen.

                          Das Ambiente - ein altes Palais nahe der Ringstrasse, in welchem sich ein in einem Teil futuristisches, im anderen klassischer gestaltetes Restaurant befindet. Und der Service glänzt weiter mit Kompetenz und Charme; das Restaurant ist sicher das weltläufigste in Wien.

                          Der volle Bericht mit allen Bildern am Blog: http://kuechenreise.com/2017/01/15/e...nickol-wien-a/







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                          • #58
                            Ich vermisse ihn allerdings auf der Länderrangliste von Österreich bzw. Wien? Gibts dafür einen Grund?

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                            • #59
                              Eine falsche Einstellung unserer Datenbank, ist schon korrigiert...

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