Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Annex in Weggis

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Annex in Weggis

    Anbei unser Bericht vom Annex in Weggis. Alle Bilder auf gourmoer.ch


    Des öfteren bekommt man den Ratschlag, man solle Restaurants mit Seesicht meiden, denn dort werde schlecht gekocht da die Gäste wegen der Aussicht sowieso kommen. Etwas Wahres hat die Aussage zwar dran, selbstverständlich gibt es aber auch viele Lokale bei denen die servierten Speisen der Aussicht in nichts nahe stehen.

    Das Restaurant ‘Annex’ steht an einer solch exponierten Seesicht-Lage. Als Gourmetrestaurant des 5 Sterne Hotels “Park Weggis” (zum Hotel-Bericht) zählt es seit langem zu den besten Adressen der Region. Auch die Fachpresse lobt die asiatisch-mediterrane Küche von Renee Rischmeyer und seiner vierköpfigen Brigade seit Jahren in höchsten Tönen. Wir besuchten das Hotel vor ein paar Wochen auf unserer Sternensuche und studierten bei einem Espresse die Speisekarte. Diese war so vielversprechend geschrieben, dass wir umgehend einen Tisch reservierten.


    Im Juni war es dann so weit. Das Quecksilber klettert an diesem Tag erstmals in diesem Jahr auf 28 Grad und da die angekündigten Gewitterwolken fern bleiben, deckt die ‘Annex’-Crew auf der Terrasse auf. Unter weissen Sonnenschirmen und mit einem etwas eingeschränkten Blick auf den See, geniessen wir einen erfrischenden Apéro. Der Service zieht uns von Beginn weg in seinen Bann. Das Team um Simone Bohner schafft die perfekte Balance zwischen Professionalität und einem unkompliziertem Umgang.

    Dem Gast stehen zwei 9 Gänge Menüs zur Auswahl. Daraus kann jeder am Tisch sein eigenes Menü zusammenstellen. Dazu wählt man zwischen 4 bis 9 Speisen. Praktisch, die Küche staffelt die Gänge so, dass die Speiseabfolge Sinn macht und, dass die Gänge, welche von der ganzen Tischgesellschaft ausgesucht wurden, auch zusammen serviert werden. Übrigens: Da es extrem schwierig ist, sich für seine Gerichte zu entscheiden, empiehlt es sich im Voraus das Menü zu studieren. Dieses findet man immer aktuell auf der Hotel-Homepage.

    Während wir noch unsere 9 Gänge aussuchen, serviert man uns die Apérohäppchen und annoncierte sie uns als:

    Kaninchen Variation

    Wir starten mit dem gebratenen Filet auf Mozarellacreme – die Komposition ist sehr geschmacksvoll und gefällt uns sehr. Als nächstes geniessen wir das knusprige Cornet welches mit gut abgeschmecktem Kaninchentatar gefüllt ist. Der Kaninchen-Spiess geriet wegen dem Weissbrot zu trocken, einzig der Frühlingslauch gab eine gewiss Frische.

    Brot

    Acht verschiedene, hausgemachte Brote werden uns als nächstes auf den Tisch gestellt. Die Brötchen sind tadellos, jedoch geschmacklich etwas zurückhaltend – lediglich das Speckbrot kann uns uneingeschränkt begeistern. Dafür können wir uns an den Aufstrichen nicht satt essen. Vor allem der mit Bärlauch verfeinerte Hüttenkäse trumpfte auf. Aber auch die spannende Erdbeer / Rhabarber Kombination gefällt uns ausgesprochen.

    Nun tritt Somelier Martin Kern an unseren Tisch. Der gebürtige Österreicher ist Herr über 2’600 Weinpositionen; ein Schweizer Rekord, keine Weinkarte ist hierzulande grösser, kein Weinkeller beherbergt mehr Flaschen (ca. 53’000). Martin Kern ist äusserst sympathisch und ein wahrer Profi. Während alle Gäste um uns herum ganze Flaschen bestellen, beauftragen wir Kern uns eine Weinbegleitung zusammen zu stellen. Dies freut ihn sichtlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen verschwindet er im Keller und stellt uns danach die passendste Weinbegleitung zusammen die wir jemals hatten.

    Zum nun servierten Amuse kredenzt er uns einen wunderbaren Petite Arvine aus dem Wallis.

    Nordseekrabben auf Kartoffel-Kresse-Stampf und Sake-Rührei

    Der Gruss aus der Küche ist eine Hommage an Renee Rischmeyers Heimat, hoch im Norden von Deutschland. Uns gefällt zwar die konzeptionellen Zusammensetzung, geschmacklich will das Gericht aber nicht überzeugen. Die Kresse ist zu überproportioniert, die Krabben zu zurückhaltend im Geschmack und das Rührei zu fad. Etwas konsterniert nehmen wir den letzten Schluck Weisswein und hoffen auf geschmacklich überzeugendere Gänge.

    Lauwarmes Langustinen-Carpaccio auf Kokos, Wakame, Mango und Wasabi

    Die Hoffnung erfüllt sich sogleich, denn mit dem Langustinen-Carpaccio wird das Highlight des Abends serviert. Die Optik ist extrem detailliert, das Geschmacksbild unbeschreiblich vielfältig. Zuerst schmeckt man das feine Krustentier. Danach wird der Gaumen von einem leichten Kokosnussgeschmack eingehüllt, bevor dann eine dezente Sojanote für einen zusätzlichen Akzent sorgt. Eine weitere Offenbarung ist die reife Mango welche in einer dünnen Scheibe auf dem Gericht liegt. Um den süssen Komponenten einen Gegenpol zu geben, setzt Rischmeyer zwei Nocken Kaviar auf das Gericht und lässt vom Service Team frischen Wasabi über den Teller raffeln. Dieser Gang ist extrem facettenreich und geschmacksintensiv. Ein Gericht bei dem man auf Aroma Entdeckungsreise gehen kann – absolut genial!

    Hummerrücken an Avocado, Wassermelone, Rucola, Olive und Holunderblüte

    Nun geniesst der europäische Hummer unsere Aufmerksamkeit. Vom Krustentier gibt es den Rücken sowie dessen mehlige Schere. Diese Komposition kann mit dem vorhergehenden Teller nicht mithalten. Das grosse Manko ist die überproportionierte Wassermelone welche das ganze Gericht zu stark dominiert. Dabei müssen die drei Variationen vom Ruccola geschmacklich genau so kapitulieren, wie der Holunderblütenschaum. Die Melone separiert gegessen, machte dank dem tollen Röstaroma (die Melone wird durch das Braten leicht caramelisiert) richtig Spass.

    Mittlerweile wurde es dunkel auf der Terrasse. Der warme Sommerabend ist zwar zum geniessen schön, doch die aufwendig angerichteten Speisen verschwinden in der Dunkelheit. Da helfen auch die brennenden Fackeln nichts. Und so bitten wir um einen Tisch im Restaurant um dort das restliche Menü zu geniessen. Die Inneneinrichtung gefällt uns sehr gut. Rot- und Weisstöne dominieren, punktuell kommen goldene Elemente zum Einsatz. Wir werden an einen Tisch an der Fensterfront geführt, von hier haben wir eine wunderschöne Aussicht auf den Vierwaldstättersee.

    Zunge und Milken an neuen Kartoffeln mit flüssigem Eigelb und Parmesan

    Auch hier kann man sich an den diversen tollen Geschmackskombinationen nicht satt essen. Es passt einfach alles zusammen. Die Zunge und Milken sind perfekt zubereitet und deren tollen Eigengeschmack passen wunderbar zum Eigelb und vor allem zum rezenten Parmesan – ein Traum. Abgerundet wird das Gericht durch einen schönen Kalbsjus sowie einem tollen Kartoffelpüree!

    Wagyu-Entrecôte an asiatischem Gemüse und Mais

    Ein Japanischer, sehr subtiler Gang mit edlem Wagyu-Fleisch wird uns als nächstes serviert. Das Fleisch wurde nicht gebraten sondern nur leicht gegart. Rischmeyer verzichtet dabei auf Salz und Pfeffer und stellt somit das intensive Eigenaroma des Wagyu in den Vordergrund. Das mit Fett marmorierte Fleisch ist sehr Geschmacksintensiv, die Shitakeessenz ein Idealer, zurückhaltender Begleiter.

    Der Gegenpol zum Fleisch bildet das asiatische Gemüse mit Mais. Auch diese Komposition passt hervorragend, ohne vom Wagyu abzulenken. Einziger Wehmutstropfen ist der sehr hohe Kauaufwand beim Fleisch, da die dünnen Fettstreifen wegen der sanften Zubereitungsmethode noch recht kompakt sind.


    Gebratene Entenstopfleber mit Erbsen, Passionsfrucht und Brunnenkresse

    Die Leber ist kross gebraten, die Erbsen und das Passionsfrucht-Eis passen sehr gut dazu. Trotz des eher schweren Hauptakteurs, ist dies ein recht erfrischender Gang und bietet, auch Dank des Entenleberjus, wiederum ein rundes, stimmiges Geschmacksbild. Lediglich die Sehne in der Leber trübt etwas unsere Freude.

    Sashimi vom Gelbflossen Thunfisch auf Passionsfruchtrisotto mit Pistazie, Basilikum, Tomate und Sepiolini

    Und gleich noch einmal Passionsfrucht – der Nachteil wenn man zwischen zwei Menüs jonglieren kann. Stören tut uns das aber reichlich wenig, denn auch dieses fruchtige Risotto ist eine Wucht. Die ‘Annex’-Crew beweist bei der Passionsfrucht-Dosierung ein hervorragendes Händchen. Auch für den wunderbaren Tunfisch gibt es nur lobende Worte. Wie auch für die tollen Tomaten und den Basilikum. Zu guter Letzt soll auch die subtil gewürzte, wunderbar zarte Sepiolini erwähnt werden.

    Steinbuttfilet an Broccoli, Mandeln und Spanferkelbauchwürfel

    Fisch und Spanferkel? Beim Bestellen hatten wir noch unsere Zweifel. Der jetzt servierte Teller macht aber im höchsten Masse Spass. Die Kombination der beiden konträren Produkte bekommt von uns uneingeschränktes Lob. Der edle Fisch ist perfekt zubereitet und verfügt über den bekannten, leicht nussigen Eigengeschmack. Auf dem Fisch sorgen winzige Würfel vom Schweinebauch, leicht gehackte Tandorie Mandeln und ausgebackene Schweineschwarten für den knusprigen Biss – ohne den Steinbutt zu verfremden. Die Sauce, auf dem der Steinbutt gebettet ist, stammt ebenfalls vom Spanferkel und passt unerwartet toll zum Fisch. Einzig die etwas gar trockenen Schweinebauchwürfel geben Grund zur Kritik. Dies macht aber das süchtig machende Mandelpüree locker wieder wett.

    Salzwiesen Lammrücken mit Kichererbsen, Zuckerschoten, Aubergine, Tandoori und schwarzem Knoblauch

    Zwei grosszügige Stücke vom Waliser Salzwiesen Lamm liegen auf dem nächsten Teller. Die Sauce (Lamm-Asia-Jus) ist auch hier sehr gut auf das Fleisch abgestimmt. Das Lamm ist zart. Auch das Drumherum kann uns wiederum überzeugen. Besonders auftrumpfen kann, neben dem rassigen Ziegenkäse, der schwarze Knoblauch. Geschmacklich sehr ähnlich wie die bekannte weisse Knolle, nur mit dem grossen Vorteil, dass man hier keinen störenden Nachgeschmack hat. Kaum hat man den geleeartigen Knoblauch runtergeschluckt, verflüchtigt sich das Aroma langsam.

    Spielerei von Kaffee und Banane mit Valrhona Schokolade

    Das Dessert wird in zwei Gängen serviert. Der Anfang macht eine Tasse, gefüllt mit Milchschaum. Darunter liegt ein Mousse von der Valrhona Abinao Schokolade, unter weissem Kaffeeeis, sowie ein Bananen Sud. Am Tisch wird das Ganze mit einem Kaffeelikör übergossen. Dieses löffelt man dann genüsslich aus. Die Komposition erinnert stark an einen Eiskaffee “deluxe” und machte auch dank der Kombination aus kalt und warm richtig Spass.

    Der zweite Teil des finalen Abschluss wird sehr modern interpretiert. Hier gibt es wiederum ein Zusammenspiel zwischen Schokolade, Kaffee und Banane, was schon von den Grundgeschmäckern sehr gut funktioniert. Die Basis bildet ein Kaffegelée welches sich wie ein Teppich unter das ganze Dessert legt. Dazu gibt es eine Bananencrème, frische Bananenbalken, Schokoladen-Kaffeemousse, Bananen-Stampf, Bananen-Canache-Würfel, Passionsfruchtsauce, Chips von der Kochbanane und frische Bananenscheiben. Das absolute Highlight ist das weisse Kaffeeparfait, gefüllt mit Kaffeereduktion und Haselnuss, welches in der Tellermitte thront – ein Traum.

    Uns hat dieses Facettenreiche und aufwendig zubereitete Dessert begeistert. Der erst 21 jährige Pâtissier René Müller macht einen tollen Job!

    Friandises

    Zum Abschluss gibt es noch eine schöne Sammlung von diversen Küchlein und Pralinen. Vor allem die fruchtigen Komponenten gefallen uns sehr gut. Einzig das etwas schlaffe Cornet mit dem pfeffrigen Tomateneis, hätte viel besser zum Menüauftakt gepasst als nun zu diesen süssen Häppchen.

    Fazit: Wie eingangs erwähnt, gibt es Restaurants die kulinarisch mit einer schönen Aussicht mithalten können. Das ‘Annex’ steht eine Stufe höher und begeistert seine Gäste in so hohem Masse, dass man die Aussicht spätestens nach dem ersten Gang vergessen hat. Das Gebotene auf dem Teller ist um ein mehrfaches faszinierender als jeder See.

    Heutzutage ist es en vogue wenn Köche zwei, maximum drei verschiedene Geschmackskomponente auf dem Teller vereinen. Ganz anders macht es Renee Rischmeyer. Seine Kompositionen bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Geschmäckern und Komponenten. Dass die Kombinationen im Gaumen nicht wirr wirken, sondern sich zu einem wunderschönen Geschmacksbild zusammenfügen, zeugt vom grossen Talent des Hamburger Spitzenkochs und seiner Brigade.

    Dabei ist beeindruckend, dass es neben dem jeweiligen Hauptakteur, auf dem restlichen Teller noch so viel zu entdecken gibt. Dabei wird kein Aufwand gescheut. Die Gerichte sind sehr aufwendig und fantasievoll umgesetzt.

    Die Speisen werden in einem stilvollen Ambiente serviert. Ob draussen auf der lauschigen Terrasse oder im sehr gemütlichen Restaurant, hier lässt es sich sehr genussvoll tafeln. Dazu trägt auch der starke Service bei.

    Einzig die Grössen der Portionen sollte man zwingend anpassen. Das volle Menü schafft man fast nicht. Und so hatten wir nach den neun Gängen viel zu viel gegessen. Damit das Menü, mit den aktuellen Portionen, bis zum Schluss ein Genuss bleibt, sollte man sich als Gast auf maximum 7 Gänge festlegen. Vielleicht schafft man es dann auch noch zeitlich in die ‘LALIQUE Caviar Bar’ um neben den Piano Klängen, eine Zigarre zu geniessen – diese war um vertel vor zwei leider bereits geschlossen. Zum Glück hatte der freundliche Nachtportier Mitleid mit uns und liess uns die Zigarre doch noch in den gemütlichen Ledersässeln geniessen.

    Das ‘Annex’ ist ein Top-Restaurant und verdient klar unsere hohe Wertung! Dank der angenehmen Atmosphäre und den zugänglichen Speisen, eignet sich das ‘Annex’ auch für weniger versierte Gourmets. Dabei lohnt sich auch eine längere Anreise. Peter Kämpfer, Hoteldirektor des Park Weggis, darf Stolz auf sein ‘Annex’ sein. Restaurants mit einem solchen Service, Ambiente und kulinarischen Höhenflüge sind rar.

  • #2
    Auch wir haben uns inspirieren lassen und im Annex vorbeigeschaut - der bebilderte Bericht auf kuechenreise.com:
    http://kuechenreise.com/2012/11/12/r...gis-weggis-ch/


    Den Vierwaldstädtersee nicht links liegen lassen!

    Der Vierwaldstädtersee liegt idyllisch in der Innerschweiz. Dampfschiffe schaukeln pitoresk über die Wellen von Ufer zu Ufer. Gar mächtig erheben sich rundum die Berge. Da ist stolz die Rigi, auch Königin der Berge genannt. Dort ist der Pilatus, welcher mit der steilsten Zahnradbahn der Welt spektakulär bezwingbar ist. Im Hintergrund schimmert das ewige Eis des Titlis.

    Interessiert Sie alles nicht? Sie suchen nur gutes Essen? Dann erst recht sollten Sie den Vierwaldstädtersee nicht links liegen lassen! Ein Besuch im Restaurant Annex in Weggis könnte Sie begeistern!


    Es riecht nach Winter

    Dunkel ist es geworden. Früh schon. Der Herbst ist da, der Winter naht. Es nieselt vor sich hin. Es riecht schon nach Winter, es riecht nach Schnee.

    Die Anfahrt: Zunächst die Monotonie der Autobahn. Kurz vor Luzern wechseln wir auf die Landstrasse. Fernlicht - Abblendlicht - Fernlicht - Abblendlicht.

    Nach Kilometern gemessen sind wir schon fast da, doch die Strecke zieht sich. Küssnacht. Ah, jetzt sind wir Weggis. Gleich bei der Ortseinfahrt lotst uns das Navi Richtung See. Ein paar Kurven noch.

    Da ist es auf der rechten Seite, das Parkhotel Weggis. Nein, "Park Weggis" - das ist der neue Name. Egal - wir sind angekommen, freundlich werden wir empfangen. Unser Auto wird geparkt. Nein, parkiert, wir sind in der Schweiz.

    Eintauchen und Wohlfühlen

    Warmes Licht, freundliche Gesichter im Restaurant. Wir werden begrüsst und an unseren Tisch gebracht. Schade, dass es schon so dunkel ist - der wunderbare Blick auf den See entgeht uns heute Abend!

    Zwei Glas Champagner kommen an unseren Tisch. Menükarte und Weinkarte werden uns gebracht. Die beiden Herren im Service sind Österreicher, die Dame ist Schweizerin. Alle drei sind sehr freundlich und sympatisch!

    Einen Michelin Stern und 16 Gault Millau Punkte hat das Annex. Und zwei Menüs auf der Karte, das "Annex Menü" sowie das saisonale "Herbst Menü", mit jeweils bis zu 9 Gängen. Beliebige Kombinationen sind möglich.

    Wir entschliessen uns zum Annex Menü (einmal 7, einmal 9 Gänge) mit kleinen Anpassungen. Statt der Kürbiscremesuppe soll Kaviar & Auster Gang aus dem Herbstmenü sein - kein Problem.

    Und studieren dann die Weinkarte. Unglaubliche 2'600 Positionen! Und vom Wine Spectator mit dem "Best of Award of Excellence" ausgezeichnet.

    Wir entscheiden uns für einen Chablis "Montmains" 1er Cru 2009 von William Fevre mit charakteristisch mineralischer Nase und intensivem Geschmack; sowie einem Nuit St. Georges 2009 von David Duband, welcher uns mit rundem, intensivem Geschmack und doch einer filigranen und spielerischen Note überraschte. Und schon geht es los...

    Wir speisen mit Genuss

    Grüsse aus der Küche

    Die erste Grüsse werden serviert - 3 Kleinigkeiten zum Thema Maispoularde; kombiniert mit Sellerie, Pastinake, und Pistazie. Noch sind wir nur neugierig, noch nicht begeistert.

    Da bietet der zweite Gruss aus der Küche schon deutlich mehr Geschmackserlebnis: Ein Langostino wunderbar auf den Punkt gebraten, dazu Mini-Fenchel und als schöner Kontrast Mandarine.

    Danach wird uns Brot offeriert: Wir wählen aus etwa 6-8 angebotenen Sorten. Dazu Butter gesalzen und ungesalzen sowie Aufstriche / Cracker.


    Carpaccio vom Wagyu Filet mit Steckrübe und Burgunder Trüffel

    Das Carpaccio vom Wagyu Filet hat genau die richtige Serviertemperatur, ist nicht zu dünn und geschmacklich im Mund eine Wucht. Es wirkt für sich selber, fast stehen da die "Beilagen" mit Steckrübe, Burgunder Trüffel, Plizen und einem Wachtelei ein wenig in der zweiten Reihe.


    Zwyer Baerii Premier Cru Caviar und Loch Fyne Auster an Petersilie und Eigelb

    Ja, die Schweiz ist unter die Kaviar Produzenten gegangen. Die Appenzeller, um ganz genau zu sein. Die junge und innovative Firma ZwyerCaviar betreibt u.a. eine Störzucht in Uruquai - und das Resultat kann sich sehen lassen! Andreas Caminda und Juan Amador sollen Zwyer Caviar einsetzen, um nur deren zwei zu nennen; und auch im Annex wird er uns serviert; die Kaviar Dose in der charakteristischen Schwarzen Kugel mit dem Zwyer Schriftzug.

    Und so finden wir auf unserem Teller neben dem wohlschmeckendem Kaviar eine ausgezeichnete Auster - frisch und an den Geschmack Meer erinnernd - sowie einen wachsweichen Eidotter (fast schon eine Spur zu "wachs" und zu wenig "weich" für unseren Geschmack), Petersilsauce und Wurzel und (wenn uns unsere Erinnerung nicht täuscht) feine Selleriestreifen unter der Auster. Sehr gut gelungen!


    Gebratene Entenstopfleber an Haselnuss und Mango

    Der dritte Gang ist das bisherige Highlight unsere Menüs: Da ist mal die gebratene Entenleber. Dazu gibt es Haselnuss - u.a. in der Form von Nougat-Creme, aber auch als ganze Nuss. Wir könnten versinken in den Aromen, diese Kombination ist wow gelungen! Für ergänzende Fruchtigkeit sorgt die Mango.


    Norwegische Jacobsmuschel auf Blumenkohl-Wasabi-Risotto

    Auf einer Muschelschale werden uns präsentiert: Ein knackiges Risotto. Im Risotto Wasabi, welcher schärfe gibt. Neben dem Risotto (zum Mischen) Passisonfrucht / Passisonsfruchtkerne für die Süsse und Säure. Fettig - scharf - süss - sauer: Ein schönes Aromenspiel!

    Der Blumenkohl darauf gleichfalls gelungen; er dämpft die genannten Aromen ein wenig, und verbindet sie damit umso besser. Einzig die Jacobsmuschel - auch wenn durchaus von anständiger Qualität - geriet neben diesem Aromenspiel fast ein wenig in den Hintergrund.


    Offenes Polenta Ravioli mit Steinpilzen und Spanferkelbäggli

    Das Bäckchen vom Spanferkel war in einer wunderbar intensiven, dunklen Sauce, hätte jedoch noch für unseren Geschmack ein wenig zarter und 'glibbriger' sein können. Dazu Steinpilze und einen offenen Polenta-Ravioli, welcher uns etwas ratlos zurücklässt.

    Doch darunter Rosenkohl: Ach, meist erlebt man Rosenkohl höchst rustikal zubereitet. Hier jedoch war er frisch, lebendig, grün - vom Nebendarsteller für uns zur positiven Überraschung des Tellers geworden!


    Konfierter Isländischer Kabeljau an roter Peperoni, Ananas und Chorizo

    Verschiedene Elemente befinden sich nun auf dem Teller: Da ist einerseits der isländische Kabeljau - konfiert und sehr fein; noch ein wenig glasig, so wie wir das schätzen. Dann ist da Ananas, welche Süsse und Säure gibt. Des weiteren roter Paprika sowie zwei getrocknete Scheiben von scharfer spansicher Chorizo-Wurst.

    Die Idee hinter dem Gericht finden wir spannend. Doch auf dem Teller konkurrieren hier für uns verschiedene intensive Geschmäcker miteinander, anstatt sich zu ergänzen. Und scheinen uns die Filigranität des Kabeljaus zu erschlagen. Für uns leider etwas unausgewogen.


    Im Teriaky mariniertes Bisonfilet mit Pak-Choi, Shiitake, Tandoori und Mais

    Genial das in Teriaky marinierte Bison Filet: Dunkel das Fleisch, keine Sekunde zu gar; intensiv im Geschmack. Ausgezeichnet!

    Als Begleiter gab es dazu Pak Choi, Shitake Pilze, Tandoori und Mais in verschiedenen Konsistenzen, z.B. als Creme oder als Popcorn. Auch in Summe ein sehr gelungener Gang!


    Rohmilchkäse vom Wagen

    Danach erfreute uns die Auswahl an Rohmlichkäsen vom Wagen; eine kleine, aber durchaus schmackhafte Auswahl. Unter anderem erwähnenswert ein mehr als 4 Jahre gereifter Comté.


    Birne Helene à l’Annex

    Die Birne Hélène ist ja ein Dessert Klassiker. Zugeschrieben wird er Auguste Escoffier, welcher das Rezept 1870 anlässlich der Uraufführung von Jacques Offenbachs Operette "Die schöne Helene" kreiert haben soll. Und auch Loriot hat die Birne Helene in Pappa ante Portas schon gewürdigt - auch wenn dort eine gewisse Uneinigkeit über das Rezept bestand (mit Apfel? Mit Birne? Mit Vanillesauce?).

    Welches normalerweise in etwa wie folgt definiert ist: Die Birne wird in Läuterzucker pochieren, dann auf Vanielleeis angerichtet und schliesslich mit einer Schokoladesauce übergossen.

    Im Annex wird die Birne Helene dramatisch modernisiert, und das tut ihr gut. Und sie wird in zwei Gängen serviert. Zunächst ein Becher, darin Birnenstücke, Hohlrippenbruch, ein Birnensüppchen und viel Schokolade, welche mit Popping Candy versehen für einen modischen Effekt im Munde sorgt. Geschmacklich sehr gut!

    Danach ein zweiter Teller mit Birnensorbet, darauf einem grossen runden Schokoladenchip (etwas schwierig zum zerbrechen / essen, Schokosauce und unterschiedlich zubereiteten Birnenstücken - gut gelungen!


    Petit Fours:

    Der Abend neigt sich zum Ende zu. Wir sind sehr gut gesättigt, die 9 Gänge waren durchaus füllend (was ok ist! Das soll keine Aufforderung zu Minigängen sein, welche auch nach grossem Menü den Gast hungrig nach Hause entlassen! Wer alle neue bestellt, weiss, worauf er sich einlässt…).

    Und so werden zum Kaffee noch einige Petit Fours gebracht. Vorne eine Art Mozartkugel im Stanizel (Marzipanmasse mit Schokolade umhüllt - leider am Tisch jemand, welcher in Mozartkugeln vor allem alles ausser dem Marzipan mag…), diverse kleine Leckereien - sehr fein!


    Unser Resümee:

    Wir haben den Abend genossen: Ausgezeichnetes Essen, toller Sommelier, toller Service! Wir haben spannende und komplexe Gerichte erlebt. Asiatische oder fruchtige Aromen haben diese immer wieder bereichert. Küchenchef Renee Rischmeyer und sein Team haben hier souverän auf 1 Sterne Niveau gekocht. Wir werden sehr gerne bei anderer Gelegenheit wiederkommen!

    Erwähnt sei, dass der Vierwaldstädtersee noch mehr zu bieten hat. Auch wenn in Luzern vor kurzem das Restaurant Jasper im Palace Hotel 'umpositioniert' wurde und nun 'Modern Dining' statt Sterneküche bietet.

    Doch "gegenüber" von Weggis, in Hergiswil befindet sich ein starker Newcomer, das Seerestaurant Belvédère mit moderner, reduzierterer Küchenlinie unter Küchenchef Fabian Inderbitzin und stylischem Ambiente.

    Und "nebendran" wird gerdade das Park Hotel Vitznau von Peter Pühringer, Eigentümer des Wiener Palais Coburg renoviert; mit grossen Plänen für die Küche. Paiais Coburg - ja dort kocht Silvio Nickol, und das seit kurzem mit 2 Sternen und mit Ambitionen auf deren 3.

    In Vitznau wird Nenad Mlinarevic an den Start gehen, der schon für Andreas Caminada in Schauenstein gekocht und danach als Küchenchef im Restaurant Neue Blumenau tätig war. Und obendrauf noch Christian Nickel, welcher im Rigiblick in Zürich überzeugt hat. Wann die Eröffnung ist - keine Ahnung. Einmal hiess es Sommer '12, einmal Herbst '12, jetzt auf der Website "Soft Opening im Herbst 2012", dann wieder Frühjahr '13. Doch kulinarisch könnte sich hier spannendes anbahnen!

    Alles in allem, der Vierwaldstädtersee scheint zu kulinarischen Höhenflügen anzusetzen. Lassen Sie ihn nicht links liegen, den Vierwaldstädtersee!

    Kommentar

    Lädt...
    X