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Restaurant Belvédère, Hergriswil (CH)

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  • Restaurant Belvédère, Hergriswil (CH)

    Der Bericht mit allen Bildern wie üblich auf kuechenreise.com:
    http://kuechenreise.com/2012/10/10/r...hergriswil-ch/


    Kulinarischer Bauhaus-Stil am See

    Formvollendet, praktisch und schnörkellos – so wird der Bauhaus-Stil in der der Architektur beschrieben. Wenige Komponenten am Teller, klares Geschmacksbild, reduziert auf das wesentliche – so haben wir das Restaurant Belvedere am Vierwaldstädtersee erlebt und genossen.

    Der Gault Millau hat sein Verdikt gesprochen: Neu 16 Punkte für das Restaurant Belvéderè mit Chef Fabian Inderbitzin. Schon vorher ist die Medienmaschine angerollt: Auf Artikel in 3 Ausgaben der Schweizer Illustrierte, wie der GM vom Ringier Verlag publiziert, weist die Homepage des Restaurants hin.

    Wir haben uns unser Urteil ein paar Wochen vor dem Erscheinen des Gault Millau gebildet. Hergiswil – da fällt einem der Vierwaldstädtersee ein oder die Glasi Hergiswil (eine der letzten Glashütten der Schweiz, welche besichtigt werden kann). Interessiert uns heute alles nicht! Auf zum Seerestaurant Belvedere!

    Am grossen Parkplatz stellen wir den Wagen ab. Von aussen ist das Belvedere – sie verzeihen den Ausdruck – hässlich. Eine Sünde vergangener Jahrzehnte. Doch treten Sie ein, und plötzlich finden Sie sich wieder in einer anderen Welt! Grosszügig sind die Räume, und modern designet; farblich herrschen Grau- und Weisstöne vor, das braune Parkett und das eine oder andere stylische Accessoire. Und dann die Aussicht durch die lange Fensterfront zum See- schon im Herbst bei schlechtem Wetter beeindruckend. So richtig toll muss es an einem warmen Sommerabend auf der Terasse sein!

    Stop! Dies ist kein Architekturblog, dies ist ein Fress-Blog. Wir wollen ja über das Essen berichten. Und malträtieren Sie dennoch mit einer weiteren Anleihe aus der Architektur – Bauhaus. Die klaren Linien, die Konzentration auf das Wesentliche, das setzt sich am Teller fort. Keine Schnörckel, dafür Geschmack. Bauhaus-Stil am Teller.

    14 Speisen stehen Abends zur Wahl. Diese können sie frei nach Lust und Laune kombinieren. 2 Gänge, wenn Sie gerade auf Diät sind. 4 Gänge, wenn das Mittagessen ausgiebig und die Torte am Nachmittag gar gross war. 6 Gänge, wenn Sie hungrig sind. Das Tasting Menü mit 8 Gängen, wenn Sie genauso (verfressen) kulinarisch interessiert sind wie wir.

    Gruss aus der Küche

    Vorab wurden wir aber erstmal mit einem Gruss aus der Küche überrascht. Kaninchen mit orientalischen Aromen – sehr gelungen. Der Orient fängt am Vierwaldstättersee an. Wie auch der Balkan am Wiener Rennweg beginnt, so soll Staatskanzler Metternich das einst gesagt haben. Welche ein Zufall, das Wiener Schloss Belvedere ist gleich am Rennweg; und wir essen heute im Restaurant Belvedere. Haben wir Sie endgültig verwirrt? Klare Linien am Teller, nicht in diesem Beitrag…

    Tuna / Avocado~Melone~Curry

    Roher Tuna in guter Qualität auf einer Scheibe Wassermelone, mit Melonenstückchen. Gelungene Kombination! Die Melone macht das Gericht lebendig, Avocado und die leichte Schärfe des Curries runden das ganze wunderbar ab. Ein sehr schöner Einstieg!

    Foie Gras / Balsamico~Grüner Apfel~Brioche

    Das zweite Gericht ist schon optisch ein Genuss. Formen, Farben – klare und reduzierte Linien, bis hin zum Brioche-Quader. Bauhaus am Teller halt, haben wir das schon mal erwähnt?

    Geschmacklich ist die Gänseleber sehr gut, die Balsamico Creme gelungen. Doch der Apfel – stellen Sie sich kurz einen Granny Smith in Hochform vor. Ja, einen, bei welchem Sie – wenn Sie hineinbeissen – anfänglich das Gesicht verziehen. Nicht weil er schlecht ist, gar nicht. Aber weil die Säure intensiv ist, bevor dann der Geschmack den Mund erfüllt.

    Gänseleber und Apfel – das eine bringt die Cremigkeit, das andere die Lebendigkeit. So ist das normalerweise. Unser Apfel hat die Geschmacksknospen zugedonnert. Der Gänseleber keinerlei Chance gelassen. Wo bleibt die Balance?

    Erbsensuppe / Poularde~Eierschwämmli~Wachtelei

    Weiter zur Erbsensuppe. Optisch erneut stylish; die grüne Suppe wird am Tisch auf die Eierschwämmli (Pfifferlinge), die Poularde (Huhn) und ein Spiegelei gegossen. Unser Liebling auf diesem Teller ist eindeutig die Erbsensuppe selbst – fein abgeschmeckt, sophistiziert. Die Pfifferlinge ok, das Fleisch gut gelungen. In Summe ein sehr schöner Gang!

    Challans Ente / Pfirsich~Entenleber~Fenchel

    Erneut ein Beispiel für die Inderbitzin’sche Küche: Wenige, aber ausdrucksstarke Komponenten am Teller. Da ist die Ente; sowie ein Stück gebratene Entenleber. Da sind eine Art Rilettes von der Ente, welche eine bodenständige Note hinzufügen. Die Scheibe vom Pfirsich verfeinert. Einzig der Fenchel, unter der Ente positioniert, wirkt auf uns zu dominant – Geschmacksache. Aber der wunderbar intensive Fonds macht das mehr als wieder gut!

    Tagliatelle / Stanser Ziegenfrischkäse~Artischocken~Steinpilz

    Da war in der Küche jemand verliebt! Ja, ja, wir haben es gemerkt! Die Steinpilze erschienen uns deutlich zu salzig. Von der Pasta waren wir Meckerer auch nicht so richtig begeistert. Gut der Ziegenkäse. Irgendwie lässt uns das Gefühl nicht los, dass die Idee hinter dem Gericht nicht perfekt am Teller gelandet ist.

    Zander / La Ratte Kartoffeln~Aubergine~Sauce Rouille

    Gut der Zander, doch für uns wirkte es, als hätte er ein wenig zu lange am Pass auf das freundliche Service-Personal gewartet. Die Sauce Roulile intensiv und mit einiger Schärfe – im Wechselspiel mit dem Zander droht sie immer wieder, das Ruder zu übernehmen. Da hilft der Nocken von Ra Ratte Kartoffelpüree und die Auberginen, für Ausgleich zu sorgen.

    Kalbsfliet / Aprikose~Lauchzwiebel~Polentagebäck

    Gutes Kalbsfilet, durch die Aprikose in Sauce / am Teller in die süssliche Richtung positioniert. Unscheinbar die Polenta-Rolle, welche separat in einem kleinen Tässchen gereicht wird – wir lieben diese! Die Anwärterin auf die beste Polentarolle der Welt!

    Coulant / Mango~Kokos~Passionsfrucht

    Zwei Küchenreisende – 50% davon verrückt nach Schokolade, 50% haben beruflich zu viel davon gesehen. Einig sind wir uns – die Qualität der Schokolade am Teller ist top!

    Am Teller zunächst eine Art “Schokoladestrasse” u.a. mit Schokoladecreme. Darauf luftiges und wunderbar schmeckendes Eis – Mango war unser persönliche Lieblingssorte! Separat in kleinem Tässchen dann noch ein wunderbar gelungener Coulant mit flüssiger Schoklade innen drinnen. So macht Dessert Essen Spass!

    Petit Fours

    Der Abend neigt sich dem Ende zu; und somit ist es Zeit für die Petit Fours. Pistazien-Macarons, Kokos-Krokant, Himbeer-Zitronentörtchen und mehr – alles erklärt auf der kleinen Karte, welche uns dazu gereicht wird. Diese sagt auch Danke für den Besuch – eine sympatische Geste!


    Unser Resümee:

    Die Küche der klaren Linien, die Reduktion auf wenige Komponenten, die Kreativität hinter den Speisen hat uns sehr gefallen! Das Austarieren der Komponenten zu einem Gesamtwerk schien uns an unserem Abend nicht bei jedem Gericht perfekt gelungen.

    Dennoch alles in allem ein sehr gelungener Abend in angenehmer Atmosphäre! Das Belvedere ist schon jetzt ein Highlight am und um den Vierwaldstädtersee – wir werden die weitere Entwicklung gespannt verfolgen!

  • #2
    Wieder ein schöner Bericht. Danke!

    Über Schweizer Restaurants lese ich besonders gerne, da ich da so selten hinkomme, auch wegen der manchmal abschreckenden Preise. Ihren Kommentaren und Fotos nach könnte ich mich vor allem für das hübsche Dessert erwärmen. Übrigens: Hülfe es der Gänseleber vielleicht in die Balance, den Granny einfach geringer zu dosieren? Und ach, für 16 Punkte sehen die Teller eigentlich recht ordentlich aus.

    Grüße, mk

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    • #3
      Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen

      Vorab wurden wir aber erstmal mit einem Gruss aus der Küche überrascht. Kaninchen mit orientalischen Aromen – sehr gelungen. Der Orient fängt am Vierwaldstättersee an. Wie auch der Balkan am Wiener Rennweg beginnt, so soll Staatskanzler Metternich das einst gesagt haben. Welche ein Zufall, das Wiener Schloss Belvedere ist gleich am Rennweg; und wir essen heute im Restaurant Belvedere. Haben wir Sie endgültig verwirrt? Klare Linien am Teller, nicht in diesem Beitrag…
      OT! In Hamburg sieht man das anders, südlich der Elbe liegt Bayern und kurz hinter Lüneburg beginnt der Balkan

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      • #4
        Lieber Mohnkalb, dem Dank möchte ich mich anschließen!

        Zum Apfel: Das sieht mir nach aufwändiger Schnitzerei aus - kann es da sein, dass es die Küche nach der Vorbereitung mit dem Antioxidans übertrieb? Generell finde ich eine gut ausbalancierte Säure zur Fettleber ja spannend, wobei ich aber Apfel und Balsamico auch für eine heftige Kombi halte.

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        • #5
          Besten Dank fuer die netten Worte! Ja, die Schweiz hat schöne Restaurants; einzig der in Zeiten von Finanz- und Euro-krisen in lichte Höhen katapultierte Schweizer Franken macht das Essen dort nicht gerade zum Schnäppchen - was Schade ist...

          Zum Apfel: Die Dosierung war's irgendwie nicht, auch mit wenig Apfel / viel Gaenseleber im Mund war das fuer uns nicht mehr das ausbalancierte Spiel von Fett und Säure ... Der Punkt zu den Antioxidans koennte ein guter sein, so ha ich's noch gar nicht überlegt...

          Die Hamburger Betrachtungsweise der Welt gefaellt mir gleichfalls ;-)

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