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Dolder Grand / The Restaurant / Heiko Nieder

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  • #16
    Ich bin kürzlich ebenfalls in den Genuss eines Heiko Nieder Menus gekommen, ein vegetarischer 8-Gänger um genau zu sein. Die Karte war gespickt mit Exotischem und gekonnt miteinander kombiniert.

    1. Gang: Rande - Salate, Sauerrahm, Malz-Crumble , Gewürze
    2. Gang: Schwarzwurzeln - Chilisauce, Curry, Thai-Basilikum
    3. Gang: Geräucherter Mozzarella - Sellerie, Eigelb, «Bloody Mary»
    4. Gang: Bergkartoffeln - Mango, Kapern, getrocknetes Gemüse
    5. Gang: Knollenziest - Mimolette, Wasserkresse, Dörraprikose
    6. Gang: Schwarzer Périgord-Trüffel - Kohl, Birne, Baumnuss
    7. Gang: Mangostan - Mariniert, Süppchen, schwarze Oliven, weisse Schokolade, Zimtblüte, Shiso
    8. Gang: Banane und Avocado - Mais, Sesam, Koriander

    Ein Besuch im The Restaurant lohnt sich, kann zwar nur das vegetarische Menu beurteilen, ich denke aber auch die anderen sind top.

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    • #17
      Willkommen im Forum, werte sophia! Was gab es denn auf der Getränkeseite zum Menü?

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      • #18
        Liebe Sophia, seien Sie herzlich willkommen im Forum. Am 2. Mai ist ja unser Gourmet-Club zu Gast bei Heiko Nieder. Nicht nur deswegen, aber vielleicht gerade deswegen wäre sicher der ein oder andere an ein paar weiteren Stichworten interessiert. Was hat Ihnen besonders geschmeckt? Können Sie vielleicht sogar sagen warum?

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        • #19
          @qwertz: perfektes Begrüßungstiming!

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          • #20
            Der Beweis, dass Heiko Nieder ein Händchen für vegetarische Gänge hat, beweist er auch in seinem Tasting-Menü. Auch das Menü des Monats Mai beinhaltet einen fleischlosen, fischlosen Gang, der zum Niederknien ist. Kam ich doch schon bei meinem Besuch letzten Jahres in den Genuss dieses herausragenden Gerichts.

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            • #21
              Treffen des Gourmet-Clubs im The Restaurant (2 Michelin Sterne) im Hotel Dolder Grand über Zürich. Das Ambiente des Hotels: Einzigartig, und eine Vielzahl von Kunstwerken laden zum Schauen und Erkunden ein.

              Auch das Restaurant ist luxuriös und stilvoll gestaltet. Wir sind werden im 'Private Dining Room' unser Menü geniessen. Da der regelmässigste Berichterstatter der Gourmetclub-Abende, QWERTZ, diesmal leider nicht dabei sein konnte, werde ich versuchen, in die Bresche zu springen.


              Grüsse aus der Küche:

              Zum Einstieg erhalten wir einen Reigen aus 6 kleinen Grüssen.

              Da ist ein Ei: In der Schale ein Schaum mit Thurblau (ein Schweizer Blauschimmelkäse aus dem nahen Thurgau), welcher mit Ei, ein wenig Röstzwiebeln und mit Salat eine sehr schöne Liaison eingeht.

              Dann Nacho-Tütchen mit schärfen Aromen, Pommes Soufflé mit Kräutersalz mit knackiger Konsistenz und schöner Salznote.

              Und auch das „Käse-Brötli“ und die Gemüseröllchen mit Pedro Ximénez-Essig finden Zuspruch.


              Der nächste Gruss - eine vorzügliche Interpretation vom griechischen Joghurt! Joghurt-Espuma, Fetakäse-Crumbles, Sardellen, getrocknete Oliven - intensiv, abwechslungsreich und ein Gericht mit schönen kleinen „Ecken und Kanten“.


              Ein Bild der Harmonie dann beim oft „schwierigen“ Bacalao (Stockfisch): Dünne, zarte und aromatische Scheiben des gesalzenen und geräucherten Bacalao werden kombiniert mit Spargel, einer Spargelsauce und Perlen mit Himbeeressig.


              Hummer aus der Bretagne: Mariniert, gebacken, Erdbeeren, Randen, Estragon, Senf

              Die Kombination des Hummers mit der leichten Süsse der Erdbeeren, mit dem Estragon (eines der Hummerstücke aussen sehr schön von Estragon umgeben), mit den erdigen Aromen der Randen, mit den Erdbeer-Blüten: Hut ab, sehr gelungen!
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              Weisser Spargel: Gedämpft, Kresse, Baumnuss, Ei, Kaviar

              Spargel und Ei: Eine klassische Kombination, doch selten so rund und wohlschmeckend umgesetzt wie bei unserem nächsten Gang. Gedämpfter weisser Spargel von ausgezeichneter Qualität wird hier kombiniert mit den jodig-salzigen Noten von Kaviar, mit Kresse, mit den nussigen Aromen der Baumnuss sowie einer am Tisch angegossenen, alle Komponenten wunderbar verbindenden Eigelb-Sauce. Sehr gelungen!
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              Kaninchen aus Frankreich: Mariniert, Miso, grüne Tomate, Wiesenkräuter

              Der Frühling ist eine tolle Kräuter-Zeit. Das Dolder-Team pflanzt selbst Kräuter im Restaurant-Garten an, sammelt diese dort uns auf einer nahen Wiese.

              Und so geniessen wir ein sehr feines Kaninchen-Tatar mit tolle Wiesenkräutern und einer Grünen Tomaten-Kräuter-Sauce - vorzüglich!
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              Geangelter Bar de Ligne aus der Bretagne: Confiert, Erbsen, Bergerbsen, Rinderschinken, Vadouvan

              Das Fleisch des nun folgenden, mit der Leine gefangenen confierten Wolfsbarsches ist fest, geschmacklich intensiv und auf den Punkt zubereitet.

              Der Fisch wird Begleitet von wunderbaren Erbsen (grüne Erbsen sowie kleine, dunkle Bergerbsen - diese wurden getrocknet und dann wider eingeweicht und haben einen erdigen Geschmack), Rinderschinken sowie der Vadouvan-Gewürzmischung. Sehr gelungen!
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              Kalb aus Ennetbürgen: Gebraten, Ragout, Morcheln, Emmentaler, Lattich, Meerrettich

              Sehr ansprechend ist das rosa gebratene Kalb aus der Region; dazu leicht säuerliches ein Ragout von den Innereien des Kalbes. Der Lattich bringt grüne Noten und Knackigkeit, die Morcheln intensive Erdigkeit.

              Das Röllchen mit Emmentaler-Creme ist eine nette Ergänzung. Wahrlich grossartig ist der in separatem Gefäss gereichte Kartoffelschaum!

              Dieses Gericht ist klassisch aufgebaut, es wirkt auf uns durch die schlichte, doch perfekte Umsetzung, durch die Qualität der Zutaten, durch den harmonischen Geschmack.
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              Rhabarber: Gedünstet, Gefroren, Kapuzinergrün, Pecannuss, Getreide

              Es ist Rhabarber-Zeit! War die charaktervolle Pflanze früher eher ein Aussenseiter in der gehobenen Gastronomie, so hat sie zurecht ihren Weg zurückgefunden auf die Teller der Spitzenrestaurants.

              Gedünstet und gefroren ist der Rhabarber auf unserem Teller, kombiniert mit Kapuzinergrün, Pecannuss und Getreide; letzteres sorgt für einen an Müsli erinnernden Geschmack.


              Mispeln: Mariniert, Käsekuchen-Crème, Ampfer, Wacholder

              Im Mittelpunkt des zweiten Desserts steht die Mispel. Dazu eine eher mächtige Käsekuchencreme, erfrischender Ampfer sowie Wacholder.


              Petit Fours

              Wie zum Start erhalten wir auch zum Abschluss eine Vielzahl kleiner Aufmerksamkeiten aus der Küche. Da ist ein „Hugo“ auf crushed-Eis, Panna Cotta mit Purple Curry und Ananas. Herr Romanow schickt uns ein Küsschen.

              Eine Knusperkugel mit Gianduja und Rose verschlingen wir mit genauso viel Vergnügen wie Reismilch mit Apfel und Macis sowie einen Mohn-Macaron mit Mascarpone und Zitrone.

              Und wählen zum Kaffee dann noch einige der vorzüglichen offerierten Pralinen. Ein schöner Abend kommt zu seinem Abschluss!



              Unser Resümee:

              Klassisch-modern ist die Basis der Küche von Heiko Nieder. Er wählt beste Zutaten und kombiniert diese technisch perfekt zu harmonischen Gerichten.

              Und integriert dabei gerne auch ungewöhnliche Produkte. Lässt oft die vermeintlichen Nebendarsteller am Teller zumindest gleichwertig mit dem Hauptdarsteller auf dem Teller glänzen. Stellt nur selten plakative Geschmäcker in den Mittelpunkt, erarbeitet lieber filigrane aromatische Kompositionen auf sehr hohem Niveau.

              Eine Menge Kreativität, doch ohne überflüssige und den Geschmack nicht unterstützende Spielereien! Und somit grosser Genuss im vermutlich besten Restaurant in Zürich; und ohne jeden Zweifel glänzen hier 2 starke Sterne über Zürich.



              Wie waren denn die Eindrücke der anderen in der Runde?




              Noch mehr Bilder & Details auf kuechenreise.com
              http://kuechenreise.com/2014/05/04/d...t-2-zurich-ch/


              P.s. Weiss jemand, wie ich hier mehr als 5 Bilder anhängen / diese gleich grösser anzeigen kann?

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              • #22
                Vielen Dank für den Bericht. Da die Flugpreise über das 1.Mai-Wochenende nach Zürich unverschämt waren, bin ich Richtung Norden gereist. Mein erster Bericht steht unmittelbar vor der Fertigstellung...

                Die Bilder werden groß, wenn Du nach dem Hochladen einmal doppelt drauf klickst. Dann kannst Du Größe, Beschriftung und Ausrichtung wählen. Mehr als fünf pro Post geht nicht. Ich lege dann immer mehrere Posts nacheinander an und füge sie dann zu einem zusammen (Markieren und Zusammenfassen aus dem Moderatoren-Menü auswählen).

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                • #23
                  Vielen Dank werte Küchenreise für den Bericht, der die Vorfreude nochmals steigen lässt, obwohl bereits einige Gerichte von meinem ersten Besuch im Dolder Grand im Juni letzten Jahres bekannt sind. Eventuell sind dies Klassiker, da sie auf der aktuellen Speisekarte des Dolder Grand nicht gelistet sind.

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                  • #24
                    Ja, ich denke einige Gerichte scheinen "alte Bekannte", werte Schink. Griechischer Joghurt als Küchengruss, Hummer mit Erdbeere, Spargel mit Kaviar, Kalb aus Ennetbürgen - ich durfte Sie bei einem Menü vor etwa einem Jahr auch schon geniessen. Dennoch - die Vorfreude ist berechtigt :-)

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                    • #25
                      Die Vorfreude auf das Menü des Monats war mehr als berechtigt. Die mir bereits bekannten Gerichte erschienen mir noch ausgefeilter, noch ein wenig harmonischer. Der Service vorbildlich. Das Ambiente einzigartig.
                      Zuletzt geändert von Schink; 15.05.2014, 22:22.

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                      • #26
                        An einem der Weihnachtstage haben wir uns ein Dinner im 'The Restaurant' im festlich geschmückten Dolder Grand gegönnt. Der volle Bericht mit allen Bildern auf: http://kuechenreise.com/2014/12/28/r...r-3-zurich-ch/


                        Unsere Eindrücke:


                        Stark war schon der Einstieg in unser Menü:Zunächst sechs ‚Kleinigkeiten‘, dann zwei vorzügliche kleine Teller (gebeizter Lachs mit Lachskaviar, Meerrettichschaum, Dill und Gurke; sowie Eigelb mit Kartoffelschaum und weissem Alba-Trüffel) als Grüsse der Küche. Das ganze war wunderbar filigran, fein komponiert und abgeschmeckt. Hier fahren nicht die plakativen Aromen auf, sondern es wird mit der feinen Klinge gearbeitet - auch bei den weiteren Gängen.

                        Der Hummer im ersten 'richtigen' Gang ist einfach nicht unser Lieblings-Meerestier, doch er war fein mit süsser Wintermelone, mit kleinen Pata Negra Stückchen als ‚Geschmacksexplosionen‘ und Senfgurken kombiniert. Grossartig dann die darauf folgenden ‚Meeres-Delikatessen‘ (Königskrabbe, Pulpo, Jakobsmuschel, Kaviar) mit Chamagnerschaum!

                        Ungewöhnlich, doch sehr gut funktionierend dann die Kombination von lauwarmen Saibling mit zurückhaltenden-begleitendem Rotkrautsaft sowie Mandel. Bei der darauffolgenden gebratenen Entenleber brachte ein Vanilleeis mit Kaffee-Note Kühle und Aromatik, verschiedene exotische Früchte steuerten abwechslungsreiche Geschmäcker, Süsse und Säure sowie verschiedene Texturen bei.

                        Tafelspitz mit ‚Grie Soß‘ mal anders: Die grüne Sauce ist am Teller ‚dekonstruiert‘ (Kräuter, flüssiges Eigelb, gestocktes Eiweiss, Zwiebel), darin einige Röllchen von fein aufgeschnittenen, rohem Kobe-Beef. Die am Tisch angegossene Consomé soll diese angaren. Leider ist die Consomé nur lauwarm und/oder das Fleisch zu kalt, daher funktioniert dies nicht so ganz - doch ansonsten erneut ein grossartiger Gang!

                        Beim Reh (Filet, Ragout) ist die Beilage ein optisch beeindruckendes ‚dekonstruiertes‘ Bircher Müseli. Weihnachtlich, doch leicht schliesst das Menü danach mit Marzipan mit Zitrusfrüchten und Christstollengewürz; mit Maroni und Schokolade mit Birne und Süssholz; sowie natürlich mit diversen Petit Fours.


                        Unser Resümee:

                        Auch im Rahmen eines Weihnachtsmenüs gefällt uns die Küche von Heiko Nieder mit filigranen Kompositionen und fein ziselierten Aromen. Die Qualität der verwendeten Produkte ist vorzüglich, die Zubereitung in den allermeisten Fällen (minimale Ausnahmen an diesem Abend seinen vermutlich der festtäglich-reduzierten Küchenmannschaft geschuldet) technisch perfekt. Ein kulinarischer Genuss in schöner Atmosphäre!


                        Das Menü:

                        - Grüsse aus der Küche
                        - Hummer mit Wintermelone, Pata Negra und Senfgurken
                        - Champagnerschaum mit Meeres-Delikatessen, Basilikum und geräuchertem roten Pfeffer
                        - Saibling mit Rotkrautsaft und Mandeln
                        - Entenmastleber mit exotischen Früchten, Vanille-Eis und ‚Quatre épices‘
                        - Kobe-Beef ‚Shabu Shabu‘ mit Frankfurter Grüner Sauce
                        - Reh mit ‚Bircher Müesli‘
                        - Marzipan mit Zitrusfrüchten und Christstollengewürz
                        - Maroni und Schokolade mit Birne und Süssholz
                        - Petit Fours

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                        • #27
                          Endlich (nach der äußerst „besinnlichen“ Weihnachtszeit mit zweijährigem Sohnemann und schulischem Noteneingabe- und Zeugnisabgabestress im neuen Jahr) komme ich einmal dazu, mich mit einem „kleinen“ Bericht für den tollen Abend zu bedanken, den Frau El Grande und ich aufgrund eines für uns glücklich ausgegangenen Gewinnspiels, veranstaltet auf dem hiesigen Portal, am 06.12. vergangenen Jahres im grandiosen „The Restaurant“ im „Dolder Grand“ hoch über Zürich verbringen durften.

                          Nach einer entspannten „Aufwärmphase“ in der pittoresken Zürcher Innenstadt mit heißer Schokolade bei „Sprüngli“ (wurde uns im Stehen in der Warteschlange auf der Treppe ins Cafe im 1. Obergeschoss serviert, da uns ein Sitzplatz erst nach ca. einer Stunde in Aussicht gestellt wurde) und einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt im „Dörfli“ (mit 5 Franken für 0,1 l bekam man schon einmal einen Vorgeschmack auf die erwartbare Preisgestaltung der Weinkarte im „Dolder“) ging es gegen 19.00 Uhr leider nur per Taxi (Frau El Grande verweigerte aufgrund der Kälte die eigentlich standesgemäße Spazierfahrt mit der Zahnradbahn direkt bis vor das Hotel) in das hoch über der Stadt gelegene Refugium (wie man herauslesen kann, logierten wir leider nicht im „Dolder“, was uns bei meinem kargen Lehrergehalt nur möglich gewesen wäre, wenn es Teil des Gewinns gewesen wäre, aber wir waren auch so ganz zufrieden… )! Schon die imposante Hotelauffahrt, der abends angestrahlte schlossähnliche Mittelbau des Hotels und die dezent vorweihnachtlich geschmückte Halle vermittelten einen ersten sagenhaften Eindruck dieses grandiosen Ensembles.

                          Die Vorfreude war also auf dem Weg in „The Restaurant“ schon mehr als geweckt, und sie wurde beim Betreten desselben keineswegs getrübt, denn durch das gedämpfte Licht, den goldglänzenden Weinklimaschrank als Blickfang, die Originale von Pissaro und Dali an den Wänden und den unglaublichen Ausblick auf das nächtliche Zürich und den Zürichsee, den wir von unserem Fenstertisch aus hatten, konnte man nur ein Urteil fällen: Ein perfektes Ambiente, um sich dem Genuss einer (hoffentlich) kongenialen Küche hinzugeben (um es vorweg zu nehmen: Auch in dieser Beziehung wurden wir wahrlich nicht enttäuscht, im Gegenteil…)!

                          Nach einer äußerst freundlichen Begrüßung durch den Service ging es schnell auch kulinarisch zur Sache mit mannigfaltigen Kleinigkeiten, die in ihrer Vielfalt und Komplexität den Apero-Reigen so einiger 2- und 3-Sterner, die ich bisher besucht habe, durchaus in den Schatten stellten. Ich verzichte auf eine konkrete Aufzählung der einzelnen Kleinigkeiten (sowie der ebenfalls hervorragenden Brotsorten), da sie jeweils fast deckungsgleich waren mit jenen, die der werte „kuechenreise“ in seinem direkt vor mir platzierten Bericht schon in aller Ausführlichkeit (auch photographisch) vorgestellt hat.

                          Als eigentliche Amuses wurden kurz danach erst ein „Klassiker“ des Hauses, ein fluffiger Trüffel-Ei-Schaum in der Eierschale, deren Oberseite exakt durch Laser abgetrennt worden war (wie der Service stolz bemerkte), und ein wenig später eine geeiste Gänseleberkugel mit einer cremigen Gänseleberfüllung serviert; beides weckte ebenfalls hohe kulinarische Erwartungen in Bezug auf das achtgängige Menü, welches noch folgen sollte!

                          Jacobsmuschel mit Quitte, Vollkornsaft, Ingwer und Shiso: Der erste Gang wusste ebenfalls sofort zu überzeugen: Die Muschel war taufrisch und von allererster Güte, die süßlich und leicht herb angehauchte Entourage aus Quitte, Vollkornsaft, Ingwer und Shisokresse begleitete die Muschel höchst elegant, ohne sie als Hauptakteur der Komposition zu überlagern (**+)

                          Saint-Pierre mit Kokosnuss, Kapern, Verveine und fermentiertem Knoblauch: Wie beim ersten Gang wurde mit einem exotisch-asiatischen Kontext experimentiert, auch hier wieder sehr gekonnt und gelungen: Die leichte Schärfe der Kapern und des Knoblauchs wurde perfekt vom leicht fruchtigen Kokosnussaroma ausbalanciert, sodass sich auch hier wieder die eigentlich eher kontrastierenden Elemente in nahezu perfekter Harmonie auflösten (**+)

                          Weißer Trüffel mit Bergkartoffel, Spinat und Ei: Auch sechs Wochen später denke ich immer noch schwelgerisch an diese Komposition zurück: Zwar wird dieser Akkord seit Jahren landauf, landab in der Sternegastronomie serviert und kann somit nun wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen, aber ich habe dieses Gericht noch nie so genial komponiert und ausgewogen auf dem Teller gehabt. Alle Bestandteile flossen wortwörtlich ineinander und ergaben ein unglaublich süffiges Geschmacksbild, sodass ich nicht umhin komme, von einem der besten vegetarischen Gänge zu schwärmen, die ich je in meinem Leben genossen habe (***)

                          Waldpilze mit Avocado, Malz, Baumnuss, Pomelo und geräuchertem Mozzarella: Nach dem oben beschriebenen vegetarischen Paukenschlag war ich mir sicher, dass der nächste fleischlose Teller an diesen Geistesblitz nicht heranreichen würde, aber da hatte ich mich getäuscht: Die Röstaromen der Pilze und die Räuchernote des Büffelmozzarellas (deren kräftige Geschmacksnuancen von den herb-süßlichen Avocado- und Malztönen leicht abgefedert wurden) begeisterten vom ersten Bissen an und ließen auch mich als „eingefleischten“ Carnivoren nicht eine Sekunde das fehlende Fleisch vermissen (***)

                          Kalbsmilken mit Rande, Lakritz und getrockneten Kirschen: Nach diesen beiden Maßstäbe setzenden Gängen war ein leichter Abfall (auf hohem Niveau, versteht sich) vorprogrammiert: Vielleicht lag es auch daran, dass ich kein ausgewiesener Briesfan bin, aber insgesamt verschob sich das Tellerensemble aufgrund der Rote-Beete-, Kirsch- und Lakritzbeilagen ein wenig zu sehr ins süß-gefällige, was aber wahrscheinlich zartbesaiteten Gästen ein wenig den „Schrecken“ vor den Innereien nehmen sollte. Insgesamt also war dieser Gang etwas weniger ausgewogen als die vorhergehenden, aber wie gesagt, das ist Beckmesserei auf hohem Niveau (**)

                          Hirsch aus Ennetbürgen mit Holunder, Sellerie und Gewürzen: Als hätte die Küche den leichten Abfall geahnt, schickte sie sogleich „zum Ausgleich“ das nächste Highlight an den Tisch: Im Mittelpunkt standen zwei exakt sous-vide gegarte Rückenstücke vom Hirsch, die von einem kräftig abgeschmeckten Hirschragout kongenial ergänzt wurden. Durch den Holunder, den Sellerie sowie die weihnachtlich anmutende Würzung wurde ein klassisch-winterlicher Wildakkord gezaubert, den ich in ähnlicher Zusammensetzung schon oftmals genießen durfte, selten aber auf qualitativ und kompositorisch so hohem Niveau. Als schöne Ergänzung wurde a Part noch ein kleines Gläschen mit einem herrlich leichten Kartoffelschaum gereicht, der das Gericht endgültig „rund“ machte (***)

                          Zuckerrübe mit Karotte, Leinöl und Topfen: Gemüselastige Desserts sind ja durch Christian Hümbs und andere Vorreiter in diese Richtung seit einiger Zeit groß in Mode: Als Überleitung zum eigentlichen Schlussakkord, dem zweiten fruchtig-süßen Dessertgang, erfüllte dieses nur zurückhaltend mit Süße spielende Gericht durchaus seinen Zweck, da es einen sanften Übergang vom herzhaften zum süßen Segment herstellte (**)

                          Mandarinen mit Karamell, Kräutersaft und Gin: Von der Anlage her eigentlich ein spannend gedachter Abschluss des Menüs, der leider aber zum Predessert wegen seiner stark ausgeprägten Süße einen zu großen Kontrast darstellte: Durch den Karamell, vor allem aber durch den am Tisch aufgegossenen Kräutersaft, der nicht nur aufgrund seiner giftgrünen Farbe ein wenig an Waldmeistersirup erinnerte, blieb auf der Zunge ein leicht klebrig-süßer Schlussakkord zurück, der mir persönlich ein wenig dezenter hätte ausfallen dürfen, aber echte „Süßmäuler“ hätten dies wahrscheinlich weniger kritisch beurteilt (**)

                          Der kulinarische Reigen endete ähnlich, wie er begonnen hatte, nämlich mit einer unglaublich facettenreichen Auswahl an Petit fours, die ebenfalls von „kuechenreise“ im vorherigen Bericht ausführlich dokumentiert worden sind und deswegen von mir hier nicht mehr in epischer Breite vorgestellt werden müssen.

                          Nachdem wir uns den gesamten Abend über mit dem Service, der interessanterweise größtenteils aus deutschen Landen (und dort speziell u. a. aus Hamburg und dem Westfälischen) kam, angeregt über meine hanseatische sowie die westfälische Heimat meiner werten Gattin ausgetauscht hatten, wurden wir zum krönenden Abschluss in die Küche gebeten, wo Herr Nieder und ich noch kurz von „Hamborger Jung“ zu „Hamborger Jung“ schnacken konnten.

                          Was bleibt schlussendlich als Resümee:

                          - Ein großartiges Ambiente,

                          - eine Weinkarte, die eine grandiose Auswahl bot und bei weitem nicht so „schweizerisch“ kalkuliert war, wie wir im Vorfeld gefürchtet hatten (z.B. gefällige Moselrieslinge für um die 60 Franken die Flasche),

                          - ein professioneller, gleichzeitig aber auch sehr herzlich und zugewandt agierender Service, der sich perfekt auf die Gäste einstellte,

                          - und last, but not least eine sehr starke Küchenperformance am Abend unseres Besuches, bei der auf der einen Seite vor allem die vegetarischen Gerichte brillierten, ebenso aber auch der Fleischhauptgang total zu begeistern wusste. Anzumerken ist auch der souveräne Umgang mit exotischen und teilweise ungewöhnlichen Zutaten, die aber immer geschickt in auf den ersten Blick vielleicht ungewohnt anmutende Kontexte eingebaut wurden und einige Gerichte (bei denen u. a. auch die „Nebendarsteller“ wie kleinste Gemüsepartikel unglaublich aufwendig angerichtet wurden) zu großartigen Genuss- und Entdeckungsreisen werden ließen. Hinzu kam die Parade aufwendiger Kleinigkeiten vorweg und hinterher, sodass ich die nicht allzu weit hergeholte Prognose wage, dass hier in nicht allzu ferner Zeit durchaus ein 3. Stern hoch über Zürich aufgehen könnte!

                          Vielen Dank noch einmal persönlich an Herrn Buchner für die Ermöglichung dieses tollen Gewinnes! Wir würden gerne noch einmal an diesen großartigen Platz zurückkehren (dann aber auch gerne mit Übernachtung, was aber ohne einen erneuten Gewinn wohl einige Jahre des eisernen Sparens voraussetzt…)!
                          Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 27.01.2015, 21:41.

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                          • #28
                            Vielen Dank für den Bericht, lieber El Grande. Es hat Spaß gemacht, den Text zu lesen.

                            Kommentar


                            • #29
                              Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
                              ...einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt im „Dörfli“ (mit 5 Franken für 0,1 l bekam man schon einmal einen Vorgeschmack auf die erwartbare Preisgestaltung der Weinkarte im „Dolder“)
                              Lieber El Grande, zum Glück waren Sie schon vor einem Monat dort. Heute wäre alles noch viel teurer. Wie man wohl in der Eidgenössischen Sternegastronomie auf die Aufgabe der Bindung des CHF an den € reagieren wird? Es war ja vorher schon teuer...

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                              • #30
                                Leichter wird's für die Eidgenössische Sternegastronomie (wie auch die Schweizerische Hotellerie und auch all die anderen export-orientierten Firmen) sicher nicht... Dafür haben die Leute mit billigern Import-Preisen und günstigem Öl wieder mehr Geld in der Tasche, und mögen sie das nicht nur in Konstanz oder Freiburg ausgeben, sondern auch in Schweizer Sternerestaurants...

                                Das Dolder Hotel hat vielleicht ein eigenes und nicht ganz so preis-sensitives Klientel... und damit auch Restaurant Gäste... Aber generell mit Sicherheit eine Herausforderung. Wobei noch anzumerken ist, dass z.B. Fleisch in der Schweiz nicht unbedingt aufgrund des CHF-Kurses so teuer ist, sondern mehr aufgrund der Zölle zum Schutz der eigenen Landwirtschaft.

                                Danke auch, werter El Grande Gourmet, für den tollen Bericht - hat auch mir grossen Spass gemacht, ihn zu lesen!

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