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Südafrika

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  • Südafrika

    Hallo zusammen,

    hat jemand von ihnen einen gute Erfahrung/Tipps für Restaurants in Kapstadt, Stellenbosch, Paarl etc. und Umgebung?

    Ich werde in Kürze dort sein und hätte doch fast vergessen hier nachzuhaken

    Grüsse,
    wp

  • #2
    Dein Beitrag ist leider schon etwas länger her, aber wir waren damals im Planet Restaurant. Das Essen und der Service war einfach hervorragend! Und für deutsche Verhältnisse war es auch nicht teuer. Ich liebe die südafrikanische Küche!!

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    • #3
      Ich habe mich ja in letzter Zeit zurückgehalten und werde vermutlich nun auch nicht an den Gourmet-Club-Treffen teilnehmen. Dies finde ich sehr schade, da mich insbesondere das Sonnora sehr gereizt hat. Grund für diese Situation ist ein langer Arbeitsaufenthalt in Südafrika, der mich aber nicht daran hindert die lokale Gastronomie unter die Lupe zu nehmen.

      Den Anfang macht das Clico im gleichnamigen Designhotel in Johannesburg, welches mir von meinem lokalen Hotel ans Herz gelegt wurde. Interessant an Südafrika ist, dass auf gehobenen Segment nahezu alle Köche anscheinend eine lokale Ausbildung (das heißt innerhalb Südafrikas) durchlaufen sind. Die besten des Landes (Test Kitchen, La Colombe) haben dann Aufenthalte bei Heston Blumenthal oder Gordon Ramsey hinter sich aber das war es dann auch. Die Anrichtweise der Teller erinnert zudem sehr an ein deutsches Verständnis, vielleicht auch ein paar Jahre hinterher, es gibt viele dehydrierte Schwämme und Änhliches.

      Das Ambiente ist sehr angenehm (fast wie ein Fachwerkhaus), auf vielen Tischen liegen Rosenblätter verstreut die wohl einen speziellen Anlass ankündigen.
      • Es gibt ein Amuse, welches aber nicht weiter nennenswert ist (kleines Stück Entenbrust auf Orangencreme).
      • Den Auftakt macht "Chilled Cucumber Soup, Salmon, Fennel, Lemon": eine gekühlte Gurkensuppe, mit rohen Lachsstücken und punktueller Apfelcreme, die mit knusprigem Brot serviert wird. Gut und angenehm fruchtig und eine interessante Idee zum Start (*).
      • Hierauf folgt "Pork Belly, Parsnip, Mustard, Apple, Citrus Jus":ein großes, knuspriges Stück Schweinebauch mit Apfelstücken auf einer Art Umami-Bouillon. Auch wenn ich damals nicht so ganz begeistert war, aufgrund ausbaufähiger Fleischqualität, hat dieser Teller es irgendwie doch geschafft sich am präsentesten in meine Erinnerung festzusetzen (mit Abstrichen *).
      • Gang 3 ist "Asparagus and Barley, Artichoke Crème, Pea, Cucumber, Mint": ein simples Risotto mit grünem Spargel. Garpunkt und Röstaromen des Spargels sind sehr gut getroffen, eine Apfelsauce (?) irritiert. Das Risotto sehr saftig und schlotzig, wie es sein soll. Nichtsdestotrotz ein gelungener Gang (mit Abstrichen *).
      • Hiernach wird "Quail, Confit Quail and Mushroom Ravioli, Beetroot, Goat cheese, Port Sauce": eine Wachtelkeule mit Fetakäse auf einer dunklen Bratensauce serviert. Dazu ein Raviolo, der die Keule nochmals verarbeitet hat. Die Bratensauce ist fantastisch tief wie in den ganz großen Häusern. Sehr gut gegart, der Raviolo ist fast zu intensiv. (* bis **)
      • Der Hauptgang "Braised Lamb in Caul fat" lasse ich austauschen gegen ein typisch klassisches Steak, wie es dies hier so oft gibt. Gut gemacht, klassisch, gute Beilagen bestehend aus verschiedenen gegarten Gemüsen (mit Abstrichen *). Das Lamm wäre mir nach der Bombe zuvor zu viel gewesen.
      • Der Nachtisch sind "Lavender and Blueberries, Burnt Butter and Sage Ice cream, Cinnamon soil": eine Art Mousse mit sehr gutem Eis, interessante Zimtakzente, aber dazu servierte Pfirsichspalten sind zu trocken (mit Abstrichen *).

      In Summe würde ich das Essen knapp unter deutschem Sterneniveau einsortieren. Phänomenal ist natürlich das Preis-Leistungs-Verhältnis. 6 Gänge kosten €40, 6 begleitende Weine (De Gelder, Mulderbosch Sauvignon Blanc, Fram Chardonnay 2016, Faithful Hound Blend 2015 Stellenbosch, 2014 Beaumont Pinotage, Waterford Heatherleigh) von guter Qualität kosten weitere €10 (!!), ein Aperitif und ein Cappucino verlieren sich mit €3 auf der Karte, sodass ich am Ende €60 bezahle und jeden meiner Gänge in die lokalen, klassischen Steakhäuser (Butcher Shop, Grillhouse) bereue, die fast mehr kosten bei deutlich geringerer kulinarischer Ausbeute. Zumindest das ist ja dann wieder genauso wie in Deutschland.

      Weitere Besuche sind über die nächsten Wochen geplant: In Johannesburg werde ich bei Gelegenheit dem Winehouse und dem dw11-13 auf den Zahn fühlen. Und eine Reise nach Kapstadt mit Abstechern ins Chefs Warehouse & Canteen, Thali und Delaire Graff (war ich schon einmal; kommt man wohl eher für die Aussicht als für das Essen) sind fest eingeplant. Wenn es Tipps für ein schönes, gehobenes Dinner in Kapstadt Samstagabends gibt, bitte ich sehr darum. Test Kitchen, La Colombe und Greenhouse (meine Favoriten) sind leider jeweils ausgebucht und die Warteliste ziemlich aussichtslos. Bei Waterkloof habe ich Zweifel ob mir das Essen dort gefallen wird und La Petite Colombe ist mir dann doch etwas weit weg.

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      • #4
        Lieber Frab,

        die Referenz in Kapstadt und ganz SA ist und bleibt The Test Kitchen. Mein Rat: lungern sie mittags ca. eine Stunde vor Öffnung höflich vor der Türe rum, wir haben dort schon einmal spontan Glück gehabt und eine tolle Zeit erlebt. La Colombe und Greenhouse lagen bei unseren letzten Besuchen vor zwei Jahren deutlich, Rust en Vrede sogar sehr deutlich hinter The Test Kitchen zurück. BTW: wenn Sie an einem Samstag lungern und kein Glück haben sollten, bereitet Ihnen der dortige Street Food Market in der alten Mall als Ersatz sicherlich Freude. Wir fanden es toll.

        Tokara (Stellenbosch): gutes Essen, tolles Weingut, wenn ja, unbedingt früh kommen und den Ausblick von der Terasse mit einem Sundowner genießen.
        Jordans (Stellenbosch): gutes Essen, schöner Ort, wir sind immer mittags dort. Wunderbar ist auch das Frühstück im eigenen Café, die Weine sind gut, aber nicht spitze.
        Delaire (Stellenbosch): gehen Sie bitte hin, der Ort ist toll und beide Resraurants sehr gut, wenn auch nicht spitze.
        Foodbarn (Nordhoek): casual, latent Hippie, bei unserem Besuch traumhaft gutes Essen.
        Waterkloof (Summer Set West): sehr modern, auch ein schöner Ort mit atemberaubender Architektur, bei unserem Besuch gutes Essen, wir würden wieder hin, weil ideal zum Abendessen nach einem Besuch bei Hamilton Russel (s.u.).

        Und wenn es ein wenig Strand sein soll, The Bungalow in Clifton. Wenn man weiß, was einen dort erwartet, kann man eine tolle Zeit haben. Das Essen ist nur gut, aber der Mix aus Location, Drinks, Sonne und Meer erinnert doch stark an die Côte d'Azur. Wenn ja, unbedingt zum Sundowner hin.

        Das einzige Weingut, das ich Ihnen am Kap - wenn auch ungefragt - ans Herz legen würde ist Hamilton Russel im Heemel en Aarde Valley. Der Ort ist schön, kaum touristisch und die Weine traumhaft gut, auch, weil recht französisch im Stil (Säure und Mineralität).

        Und wenn es es einmal einfach aber gut sein soll: Muscheln im Olympic Cafe in Kalk Bay. Steht in jedem Reiseführer und ist doch so toll!

        KG
        besseresser

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        • #5
          Danke für die Horizonterweiterung des Forums.

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          • #6
            Nachdem nun etwas Zeit ins Land gegangen ist, anbei die Erweiterung meiner Eindrücke. Weitere sollen folgen:

            Johannesburg
            • dw11-13 in Dunkeld West (nahe Rosebank): Hier wird kreativ-modern gekocht, das Restaurant entspricht auch am ehesten dem Look & Feel des klassischen deutschen Sternerestaurants. Erstmals gibt es hier einen fair bepreisten glasweisen Champagner zum Aperitif (€12 für ein Glas Laurent-Perrier) und es kommt das Coravin-System zum Einsatz - man kann also auch die großen Weine ohne Probleme probieren. Die Küche kann ich nicht mehr in vielen Worten wiedergeben, es wird wild und kreativ aufgetischt mit Sphären, Cremetupfern und Co. Aber: Das Ergebnis schmeckt sehr gut und tief, wie eine große Küche schmecken sollte. In unserem Breiten durchaus einen Michelin-Stern wert, mit gelegentlichen Ausreißern nach oben.
            • Winehouse in Dunkeld West im Designhotel Ten Bompas (mein Favorit in Johannesburg): Der Koch hier, den ich zufällig abends vor dem Service vor der Küche antreffe, träumt ebenfalls von kreativer Küche ähnlich dem dw11-13 schräg gegenüber, aber seine Küche schmeckt deutlich klasisscher. Entenbrust in Orangensauce, Rinderfilet mit geschmorter Zwiebel und Kartoffelspalten, usw. Besonders abends sitzt man hier sehr gemütlich. Die Küche würde ich knapp unter dem Niveau eines Sterns einstufen. Für Menschen die der klassischen Küche nahestehen wohl auch oftmals auf diesem Niveau.
            • Viel Spaß macht zudem das Urbanologi in der CBD (Downtown)-Area. Hier werden in einer Craft Beer-Brauerei sehr gute Tapas-Snacks, gerne vom Grill, zusammen mit eben Craft Beers oder auch Cocktails serviert. Die Qualität des Essens kann sich sehen lassen, der Rahmen ist etwas entspannter. In Summe würde ich es daher auf dem Niveau einer Empfehlung einwerten.
            • Nicht zum Essen getestet aber für den Ausblick habe ich den Living Room in der CBD-Area. Sehr schöne Rooftop-Bar mit guten Drinks, die vor allem an einem Sonntag Nachmittag sehr lebhaft wird.

            Kapstadt
            • Stars der Reise waren absolut Chefs Warehouse & Canteen sowie Thali. Zwei verwandte Restaurants mit einem identisch Konzept (Sharing Platters in 4-5 Gängen für ZAR750 für 2, das entspricht €50 für zwei). Beide kochen auf Sterneniveau - Chefs Warehouse & Canteen europäisch, Thali indisch. Auf diesem Niveau hat das Chefs Warehouse für mich die Nase minimal vorne, aber beide Adressen waren toll. Reservierungen gibt es hier nicht, aber das Chefs Warehouse kann man Mittags vor 12h30 ohne Platzangst besuchen, das Thali an einem Freitagabend vor 18h30 ohne Probleme.
            • Flop der Reise war der Pot Luck Club der auf dem selben Areal beheimatet ist wie die berühmte Test Kitchen. Der Service ist komplett überfordert (unsere Getränke kommen erst beim vierten Teller). Im Prinzip werden hier auch Tapas serviert, aber einerseits lässt die Produktqualität zu Wünschen übrig, andererseits sind die servierten Portionen angesichts der Preise von ca. €6-10 selbst für ein Restaurant in Deutschland schlicht zu teuer. Mir rätselhaft wie dieser Laden so beliebt werden konnte, wir sind nach einigen Gängen in ein sehr gutes lokales Steakhaus namens Nelsons Eye geflüchtet. Urbanologi in Johannesburg wirkt wie eine gelungene Kopie dieses Restaurants.
            • Sehr gut war diesmal auch unser Besuch im Delaire Graff - ich träume bis heute von einem Pastateller mit Rindfleischstreifen und gegrilltem Kaisergranat, der auch höhere Weihen problemlos bestehen könnte.
            • Sehr gute besuchte Weingüter: Simonsig, Le Lude (für Schaumweine im traumhaften Franschhoek).

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            • #7
              Ach, Südafrika, da muss ich auch mal wieder hin.... Mein damaliger Besuch (den ich mir vor 13 Jahren als Belohnung für das 1. Staatsexamen gönnte) in und um Kapstadt hat mich nachhaltig beeindruckt, sodass es eigentlich mal wieder dringend Zeit wird für eine Stippvisite... Seinerzeit herrschte direkt nach dem Studium natürlich Ebbe bei mir im Portemonnaie, aber aufgrund des günstigen Wechselkurses und der relaitv geringen Kaufkraft der Südafrikaner waren auch die besseren Restaurants für mich damals durchaus erschwinglich (Hauptgerichte in Top-Lokalen lagen zu der Zeit bei um die 15 Euro...), sodass natürlich einige Adressen "getestet" wurden.

              Ich erinnere mich noch an den Lunch auf der herrlichen Innenhofterrasse im Weingut "Buitenverwachting" mit einem Glas "Christine" (Rotweincuvée aus eigener Produktion) in der Hand und an den Abschlussabend meiner Reise im "Catharina´s" im "Steenberg-Hotel", wo ich den ersten (im Übrigen sehr zarten) Springbock meines Lebens zu mir nahm. Das "Catharina´s" war damals eigentlich nur eine Verlegenheitslösung, da ich im in der Nähe liegenden "La Colombe", welches schon damals einen hervorragenden Ruf genoss, leider aufgrund fehlender Reservierung abgewiesen und auf den nächsten Abend (an dem ich mich leider schon wieder auf dem Rückflug befand...) vertröstet wurde. Schade, denn auf der schattigen Terrasse hätte ich mich nur allzu gern niedergelassen... Ganz zufrieden bin ich wenige Tage vorher auch vom Tisch im "Reuben´s" in Franschhoek aufgestanden (ich erinnere mich noch an den recht saftigen Schweinebauch), wobei ich insgesamt aufgrund des Hypes, der damals rund um den Chefkoch Reuben Riffel herrschte, doch ein wenig mehr erwartet hatte...

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              • #8
                Zu meinem Text von oben muss ich noch eine wichtige Ergänzung hinzufügen und zwar das in Südafrika berühmte, nun über 25 Jahre offene, und sich in einem nahegelegenen Vorort von Kapstadt befindende La Colombe. Viele der wichtigsten Köche Südafrikas haben hier ihre Ausbildung durchlaufen. Das ansonsten als mutmaßlich bestes Restaurant Südafrikas (vor der Eröffnung war es wohl das Colombe?) Test Kitchen habe ich leider nicht besuchen können, da durchgängig ausgebucht.

                Im La Colombe kann man einen fabelhaften und ausgedehnten Mittag verbringen. Hier wird Fine Dining zelebriert. Seien es der Klassiker "Tuna La Colombe" (Thunfisch in eine Art Ponzu Vinaigrette), frittiertes Hähnchen mit Kaisergranat (die Knusprigkeit und Würze des Hähnchen ergänzt sich fabelhaft mit der Nussigkeit des Kaisergranats!), die Verbindung aus Jakobsmuschel und knusprigen Würfeln Schweinebauch mit Mais in einer würzigen Kokoscurry-Sauce, o.v.m. Hier passt vieles und stellenweise alles. In Europa würde ein vergleichbares Erlebnis für meine Begriffe 2 Sterne erhalten. Kein anderes von mir besuchte Restaurant in Südafrika konnte in der Küchenqualität hiermit mithalten.

                Hach ja, in Kapstadt kann man wahrlich schlemmen!

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