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Kyoto, dies und das

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  • Kyoto, dies und das

    Unweit des Nishikimarkts hatte man uns ein Nudelsuppenlokal empfohlen. Vor der Kneipe hatte sich eine kleine Schlange gebildet, schon meine zweite an diesem Tag. Die erste hatte ich am Manshu-in Tempel getroffen, etwa einsfünfzig lang, und wir waren beide gleichermaßen voreinander erschrocken.
    Irgendwann kommt man auf einem Bänkchen vor dem Eingang zu sitzen. Ein junger Mann reicht einem die Karte, und man kann unter drei verschiedenen Suppen wählen. Dann dürfen wir eintreten, um nach kurzer Wartezeit auf einem Zwischenbänkchen zum Tresen, gegenüber den Kochenden geleitet zu werden. Nun stellt sich das Tampopo-Gefühl ein; die brodelnden Töpfe, der Dampf, die geschickten und flinken Bewegungen der hochkonzentrierten Köchinnen, die dennoch jedem Gast, der das Lokal betritt oder verläßt, mit lauter Stimme Willkommensgrüße zurufen.
    Auch hier gibt es, wie überall, ein heißes Tuch für die Hände, dann die Suppe, die Brühe etwas trüb, für uns ungewohnt auf Schweinsbasis. Reichlich Nudeln, mit den Stäbchen aus der Suppe und mit lauten Schlürfgeräuschen - wir sind ja nicht in Italien - eingesogen, erstaunlich fette Schweinebauchscheiben, aber zart und gut.
    Ein schönes Begrüßungsmahl

  • #2
    In unserem Hotel ist eines dieser göttlichen Toto Washlet installiert. Allein die Menüleiste unterscheidet sich kaum von den Fernbedienungen unser modernen Farbfernsehgeräte. Den bottom kann man kräftig, aber auch with mild spray bearbeiten. Manchmal wähle ich auch for ladies, um dann noch die Zusatzoption: The nozzle moves back and forth einzusetzen.

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    • #3
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      In unserem Hotel ist eines dieser göttlichen Toto Washlet installiert. Allein die Menüleiste unterscheidet sich kaum von den Fernbedienungen unser modernen Farbfernsehgeräte. Den bottom kann man kräftig, aber auch with mild spray bearbeiten. Manchmal wähle ich auch for ladies, um dann noch die Zusatzoption: The nozzle moves back and forth einzusetzen.
      Bitte mehr Details. Oder gar selfie?

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      • #4
        Zitat von glauer Beitrag anzeigen
        Bitte mehr Details. Oder gar selfie?
        Made my day !!!!!

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        • #5
          Lieber S.,

          hat Ihre Reise erst begonnen? Wenn ja, wann dürfen wir uns auf die nächsten Erzählungen freuen? Weiterhin viel Freude bei Ihren Entdeckungen, auch wenn sie im Sanitärbereich zu finden sind. Ich habe mich mit so einem Teil im Agapé fast mal geduscht. LG Cynara

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          • #6
            ShabuShabu
            Inzwischen hat unsere Concièrge unseren Spleen entdeckt, und sie bemüht sich von Herzen, mit unnachahmlichem Charme, uns, was unsere kulinarischen Intersessen betrifft, behilflich zu sein. Das Gion Nishisaka liegt nicht in der oberen Preiskategorie, dafür liegt es im Altstadtviertel in einer Drosselgassen-ähnlichen Straße. Allein - und das konnten wir in einer anderen, überaus Kneipen-belebten Straße schonmals feststellen - die Gefahr, in einem fallenartigen Boul-Mich-Seitenstraßen-Reinschmeißer Irgendetwas zu verenden, diese Gefahr besteht in Kyoto kaum.
            ohne jegliche Überhöhungen: aber sie können es nicht, sie können einfach nicht schlampig ihre Arbeit verrichten. Der Anspruch mag - und natürlich ist es auch so - auf unterschiedlichem Niveau liegen, der Wille, das, was man erarbeiten möchte, so gut wie möglich zu tun, ist immer spürbar.

            Zurück zu Nishisaka: auch hier gibt es, innerhalb des Lokales, einen kleinen Tatamiraum mit Blick auf ein Miniaturgärtchen; und ausgerechnet wir (Concièrge?) sollten darin Platz nehmen. Aber weder Tische noch Stühle haben ja dort Beine; und mit Hinweis auf Knie uns Alter durften wir in der einfachen Stube Platz nehmen.
            In der Mitte des Tisches war in einer Aussparung ein Gasbrenner; ein Schlauch wurde unter dem Tisch befestigt, Gas Marsch, und der mit Flüssigkeit gefüllte gusseiserne Topf bekam seine gehörige Hitze.
            Herbeigetragen wurden Pickles, Reis, Shabushabusauce, Bier, Sake und eine große Schüssel voll verschiedenster Pilze und Gemüse. Dann das Fleisch. Wir hatten "Dx" gewählt, was soviel heißt wie : gehobene japanische Qualität. (Die "normale" Q. hätte in etwa 30 € gekostet, unsere lag bei etwas über 50 pP.) Aner was für ein Fleisch war das. Durch und durch von Fettadern durchzogen, insgesamt erschien es eher rosa als rot.

            Das Gemüse und die Enoki und die Shitake in die Brühe, dann das Fleisch, nur für Sekunden bekommt es sein Bad, mit der leicht säuerlichen Umamibrühe benetzt, einfach, einfach und gut.

            PS: um die sanitären Angelegenheiten nicht ganz unbesprochen zu lassen: natürlich modernstes Toto; aber an der zuführenden Wasserleitung hängt ein bezauberndes Blumengesteck.
            Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 20.06.2015, 17:35.

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            • #7
              Und wieder steht unsere (Lieblings) - Concièrge zunächst im Vordergrund. Ihr war es gelungen, einen Termin in einer Yuba-Manufaktur zu machen; üblicherweise empfängt dieser Familienbetrieb keine Besucher. Großartig auch, daß sie dann heute früh das Hotel verlassen durfte, um mit uns diesen Kleinstbetrieb zu besichtigen; und vor allem, um uns dort als Dolmetscherin zu dienen.
              Die Begrüßungsrituale sind ausführlich, und unsere Dankbarkeit kommt aus tiefem Herzen. Jetzt müssen wir uns OP - fähig machen, Überkleid, Überschuhe, Häubchen, dann Händewaschen + sterilisieren
              Der Chef ist ein junger Mann, von unfaßbarer Freundlichkeit, und er stellt uns zunächst seine Mitarbeiter vor; seine Frau, eine Schwägerin, seine Mutter und dann sind da noch etwa vier oder fünf Angestellte.
              War es auf dem Hinweg schon sehr heiß gewesen, dann erleben wir hier, in diesem etwa sieben mal zehn Meter großen Raum, ein saunaähnliches Klima. Auf drei länglichen Tischen stehen aneinandergereiht Schalen im A 3 Format, und in allen simmert die Sojamilch so vor sich hin, daß sich in wenigen Minuten eine Haut bildet. Einer der Mitarbeiter sorgt mit einem Bambusstöckchen dafür, daß die Haut nicht am Schalenrand ankleben kann. Dann fährt er mit dem Stöckchen unter der Haut durch und hebt sie mit einer eleganten Bewegung ab, um sie zum leichten Antrocknen aufzuhängen.
              Und jetzt sind doch tatsächlich wir an der Reihe; mit dem Stöckchen zittere ich mich unter der Milchhaut durch; und wie durch ein Wunder reißt sie beim Herausheben nicht in tausend Stücke, wie ich erwartet hatte. Allgemeines Beifallklatschen im Raum, die Menschen hier sind wirklich zu nett.
              Inzwischen hat man Tellerchen herbeigebracht, etwas Salz, etwas Olivenöl und Sojasauce. Mit Stäbchen, und wiederum lobt man unsern geschickten ( in Wahrheit tapsigen) Umgang damit, holen wir uns eine Haut aus den kleinen Wannen; die Verkostung beginnt, und so muß Mannah schmecken, leicht süßlich, cremig, fast schmeckt es mir ohne alles am besten.
              Die Verabschiedung ist überaus herzlich. Zu dritt begleitet man uns noch auf die Straße; und erst, als wir um die nächste Ecke biegen, ziehen sie sich wieder zu ihrer schweißtreibenden und anstrengenden Tätigkeit zurück

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              • #8
                Besten Dank, werter Schlaraffenland, dass Sie uns an ihrer Reise teilhaben lassen! Japan übt einen besonderen Reiz auf mich aus, doch abgesehen von ein paar Tagen in Tokio konnte ich das Land bisher nie näher (auch kulinarisch) kennenlernen - um so schöner, ihre Eindrücke zu lesen!

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                • #9
                  Guide Michelin
                  Der Michelin hilft uns hier im doppelten Sinne weiter. Zunächst benutzen wir den Guide Vert, der, genau wie sein roter Bruder, die Sehenswürdigkeiten mit einem bis drei Sternen bewertet. Auch hierüber könnte man 'rumstreiten ( im Nordwesten Kyotos liegt z.B. die kaiserliche Villa Shugaku-in, von mir lautmalerisch sugar-Queen umgetauft, zwei Sterne, - allein die Eintrittsformaltäten! an ganz anderer Stelle, beim Kaiserpalast, muß man sich ausweisen, und die Stimmung dort ist nicht heimelig, und die Amtsstube auch nicht - daneben Shisendo, kein Stern, vielleicht also Bib; aber dieses Anwesen, von einem Poeten, einem Bewunderer der chinesischen Kultur, der , für die damalige Zeit ungewöhnlich, sowohl in die Architektur als aber auch in die Innenarchitektur - wenn ich den ehemaligen Leiter des Goethe-Instituts, den ich zufällig auf der Terrasse, die mit ihrem Blick auf diesen wunderbaren Park bestimmt zu den schönsten Terrassen der Welt zählt, kennengelernt habe, richtig verstanden habe - chinesische Einflüsse integriert hat, 1630 angelegt, ist ohne Zweifel eines der Kleinode Kyotos) aber wozu? Gerade bei der vollkommen unübersichtlichen Anzahl der Tempel- und Schreinanlagen hier gibt es einem doch gewisse Hilfestellungen.
                  PS: mit einem Finger ins iPhone zu tippen und dabei noch den Überblick zu bewahren ist anstrengend. Mit dem Guide Rouge geht's also morgen weiter

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                  • #10
                    Bei gelegentlicher (und gar nicht so seltener) umami-Überreizung hilft der Guide Rouge weiter. In der Bib-Abteilung finden sich auch französisch inspirierte Lokale, wobei der Koch des

                    Comme Chez Michel
                    tatsächlich auch in Frankreich, in Paris, gearbeitet hat. Und, um seinem ehemaligen Arbeitsplatz die Ehre zu erweisen, hat er ihn sozusagen als Taufpaten bestimmt. Als ich ihn frage, ob es das Lokal in der rue Belzunce im 10 arr. war, freut er sich. Auf französisch geht nun das Gespräch weiter; und die Speisen an unseren Tisch werden von ihm persönlich serviert. (Auch zur Freude der übrigen Gäste; ein mißtrauischer Blick aus den Augenwinkeln, wird hier einer bevorzugt behandelt?, dieses Denkschema kennt man in Kyoto nicht). Es gibt vier Tische im Lokal, zwei sind Zweiertische.
                    Das Essen ist so, wie man es sich in Paris in einem Bib-Lokal wünschen würde. Sehr gute Produkte, exakt gekocht, so soll bzw muß es sein. Wir bekommen einen Salat mit Krabbenfleisch. Die Krabbe ist eines dieser recht großen Biester, die einen eher an eine Seespinne erinnern; und das Fleisch stammt aus den körpernahen Teilen der Beinchen, ist etwa Kleinfinger-dick und etwa 10 cm lang, schmeckt wunderbar und stammt aus den nördlichen japanischen Meeren, also Region Hokkaido. (red snow crab; chionoecetes japonicus). Nach einer weißen-Bohnensuppe das Hauptgericht, zartes, rosa gebratenes, durchaus auch fettes Schweinefleisch aus der Schulter, wirklich guter (in Europa inzwischen leider selten anzutreffender) Schweinsgeschmack. Anschließend noch eine Brulée + Sorbet, der Zucker kräftig, bis zur Bitterkeit, gebräunt (so will ich's auch mal probieren).
                    Wir gönnen uns eine Flasche Côte Rôtie, Clusel Roch, 2005. Vier Gänge etwa 35 €, der Wein knapp 80, das Wasser gratuit, gute Kneipe. Im

                    Blanc Pierre,
                    ebenfalls Bib, haben wir allerdings noch besser gegessen (obwohl der Koch nie in Europa war). Hier ist die Kommunikation deutlich schwieriger, weder auf der Speise - noch auf der Getränkekarte können wir irgendetwas identifizieren.

                    ご予約のみの特別コース ¥8,000
                    2日前までにご予約ください。
                    ご予約のみの特別なコース。ご要望などあれば承ります。

                    Chef specialコース ¥6,800
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                    petit(プティ)コース ¥4,200
                    お手軽なディナーコース
                    前菜からデザートまで全4品のお任せコースです。

                    ※その他、ご予算・ご要望に応じてメニューをお作りします。

                    Stimmt natürlich nicht ganz, die Menüpreise, bei uns jedoch nur 4 200 - 6 800 Yen (~ 30 - 49 €) zu bestellen, sind zu erkennen. Das kleine Menü sind vier, das große sechs Gänge; aber auch die Auswahl der Zutaten nimmt an Wertigkeit zu. Wir haben einen Platz am Tresen bekommen, sind, mal wieder, die einzigen Ausländer, und können dem gewissenhaften und flinken Arbeiten der Kochenden zusehen. Da ist der Chef, ein junger Mann, der alles im Griff hat. Er spricht mit den Gästen, er gibt der Sous-Chefin leise und knappe Anweisungen, er beobachtet den Lehrling, der wiederum seine Aufträge, die er mit deutlichem: Hai bestätigt, von der Sous-Chefin erhält. Der Lehrling versteht nichts, kein Wort englisch, auch keine Gebärdensprache. Mehrmals versuchen wir, bei ihm noch etwas Brot nachzubestellen, zeigen ihm das leere Brotkörbchen, spielen ihm erwartungsvolle Eßbewegungen vor, um dann betrübt festzustellen, daß das Körbchen leer ist, M.Marceau hätte gewiß Szenenapplaus gegeben, aber auch unser Lehrbub ist begeistert, er lacht sich halb schief, bestätigt mit fleißigem Hai, hai ... und serviert nichts.
                    Am Ende des Lokals weist eine große Fensterfront auf einen kleinen Innenhof, in dem ein japanisches Gärtchen angelegt ist und durch den man, zum Austreten, hindurchzuwandeln hat. (Jetzt konnte ich auch das: °ich geh über den Hof" der Kasachstan-Deutschen besser verstehen)
                    Alles, was wir hier zu Essen bekommen, ist vollkommen durchdacht, harmonisch, optisch wundschön aufgebaut; und schmeckt noch besser. Hier, liebe Michelins, liegt ihr mit eurem bib zu niedrig. Im Cocktail- Glas eine Bohnencreme, darüber eine kalte und angelierte Brühe; Flüssigkeiten in jede gewünschte gelierte Konsistenz, von fest zu fließend, zu bringen, darin zeigt sich in Japan eine gewisse Meisterschaft. Im Gelee schwebt noch ein Inselchen mit irgendetwas hocharomatischen, daß wir weder erschmecken können, noch gelingt es jemandem, uns die Komponente zu erklären. (Fischleber?)
                    Zu lange insistieren wir auch nicht; denn die Drei erledigen ja alle anfallenden Tätigkeiten. Empfang, Zurechtschneiden, Kochen, Servieren, Telefon, Abräumen ... Am Tresen sind etwa zehn Plätze, dann gibt es aber noch vier oder fünf Tische, und es ist voll.
                    Im Gelee noch ein ein Cracker, und dann kommt schon der Salat, fruchtig frisch mit allerlei Blüten, auf einer dünnen soähnlichwie Bulgurschicht angerichtet, im Salat noch krachendes Picklesartiges, etwas Sauce mit Krustazeenaroma. Und nun lauwarm-gelierter Geflügelfond, darauf lauwarmer gesottener und dennoch bißfester Rettich (Daikon) und darauf eine Scheibe Gänseleber, darüber noch etwas von diesen japanischen Krachgurken; ein großartiges Ensemble. Der Tagesfisch ist eine Art Seebrasse, gebraten, etwas Krabbenjus, kein Wort über Frische und Garzeit des Fisches. Das Rindfleisch ungefragt saignant, anders geht das bei dieser Fleischqualitat auch nicht, kräftige Sauce und der Spinat passt dazu gut. Tolle Kneipe
                    Ob wir Duits seien, der Wirt gibt sich als Bayern München Fan zu erkennen. Ich lobe seine Mitarbeiterin, die sei mit ihrer flinken Technik nur mit Ribéry zu vergleichen. Er lacht sich halb kaputt, dann jedoch, dann sei er Guardiola.

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                    • #11
                      Vielen Dank für die Fortsetzungsgeschichte. Das Lasen macht sehr viel Spaß.

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                      • #12
                        Wunderbarer Bericht.
                        ich musste viel lächeln, ja manchmal auch kräftig grinsen.
                        Und habe doch viel neues erfahren.
                        Vielen Dank!


                        Gruß!
                        J.F.

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                        • #13
                          Sake

                          Es war vor vierzig Jahren. Whisky kannte ich nur als J.Walker, J&B (vor allem in Frankreich), Dimple oder (sogar) Chivas; nichts davon hatte mich beeindruckt. Dann kam ein mehrwöchiger Schottlandaufenthalt, und jeden Abend hatte ich mir dreimal den fünften Teil eines Gills an Single-Malts auferlegt. Was für eine neue Welt tat sich da auf.
                          Um es vorwegzunehmen, beim Sake bin ich gescheitert. Obwohl ich mich belesen hatte, auch im Gespräch mit den unterschiedlichen Qualitätsstufen jonglieren konnte, eine eindeutige Annäherung blieb mir verwehrt. Doch, zwischen einem einfachen Getränk und gehobeneren Abfüllungen vermochte ich schon zu unterscheiden, aber das war es dann auch schon. Da waren immer wieder Verkostungen, gerade in der gehobenen Küche, wo einen das Gefühl beschlich, ha, das ist was Besonderes. Aber nähere Informationen über das Getrunkene zu erhalten scheiterten an den Sprachbarrieren; die Symbole auf den Flaschenaufklebern konnten da auch nicht weiterhelfen.
                          Wir gehen in eine Sake-Bar. Überaus freundlicher Empfang, auch viele Gäste, die um die Tische gruppiert sitzen, nicken uns freundlich zu. Führen sie uns in die Geheimnisse dieses Getränkes ein, geben wir zu verstehen. Und wirklich baut man nun eine Vielzahl von Gläsern vor uns auf. Es wird fast nur aus Magnum-Flaschen ausgeschenkt, die Kommunikation klappt durchaus. Derhier ist eher blumiger, derda trockener, derda mineralischer, hier haben wir eine kleine Restsüße ... alle Gläser werden merkwürdigerweise bis zum Rand gefüllt, allein die Adhäsionskräfte verhindern ein Überlaufen; und wir müssen mit übergebeugtem Kopfe erst mal abschlürfen, um größere Überschwemmungen zu verhindern. Tatsächlich, schmeckt blumig, süßlich ... aber alles in allererster Linie wie Sake.
                          Auch ins Hotel hatte ich mir immer wieder Sake in den unterschiedlichsten Preiskategorien als Schlummertrunk mitgenommen (in 1/2 Flaschen!) und alles schmeckte für mich nach Sake.
                          Es tut mir Leid

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                          • #14
                            Tee

                            In der Teramachi Straße, unweit der überdachten Einkaufsparadiese, liegt das Ippodo, eines der alterwürdigen Teegeschäfte Kyotos. Der Verkaufsraum beeindruckt durch große, amphorenähnliche Gefäße, in denen der Tee gelagert wird. Wir lassen uns in den Nebenraum führen, wo der Tee verkostet werden kann. Einmal Hojicha und einen Gyokuru, bitte. Natürlich beginnt nun eine eindrucksvolle Zeremonie, gerade den Gyokuru betreffend. Ich muß das Wasser, das nahezu kochend an den Tisch gebracht wird, erst auf etwa fünfzig Grad abkühlen; man gießt es von einem Schälchen ins nächste, wobei ein relativ eindeutiger Temperaturverlust berechnet werden kann. Schließlich wird das Wasser auf die Teeblätter gegossen, beim ersten Aufguß genau 45 Sekunden, dann nimmer weniger.
                            Der Hojicha darf, allerdings bei kochendem Wasser, nur für wenige Sekunden ziehen. Die Kännchen werden mit zehn Gramm Tee befüllt (im 3 - Tee-Maison in Paris sind es fünf Gramm) und der Tee hat eine entsprechende Stärke. Der Hojicha erreicht nach den wenigen Sekunden eine tiefbraune Farbe. Der Gyokuru rinnt als hellgrünes Extrakt aus dem Kännchen, doch, Tee kann also auch Umami-Charakter annehmen.
                            Ich weiß nicht, wie man das elegant auf japanisch formulieren kann; aber innerhalb weniger Minuten haut's uns den Vogel 'raus. Unvorsichtigerweise hatten wir noch einen zweiten (bzw sogar einen dritten) Aufguß verkostet; am späteren Nachmittag hatte sich der Puls wieder normalisiert. Einen derart merkwürdigen Zustand mußte ich schon lange nicht mehr erleben. Das letzte mal im Rif-Gebirge, als ich von einer Trockenbeerenauslese geraucht hatte.

                            Nishiki Markt
                            sicher eine der schönsten Markthallen auf der Welt, wobei es das Wort "Halle" gar nicht trifft; vielmehr handelt es sich um eine überdachte Passage von einigen hundert Metern. Aber was gibt es da zu bestaunen und zu kaufen? Obst- und klassische Gemüsestände finden sich kaum, aber Pickles, die sind hier wichtig. Das Gemüse, vornehmlich Rettiche aller Art, Gurken, natürlich diese japanischen Kracher, allerlei Kürbisgewächse, Pilze unbekannten Aussehens, rote und gelbe Rüben, Auberginenarten, die alles Vorstellungsvermögen übertreffen ... all dies findet sich kleingeschnitten und fermentiert und eingelegt in hundertfachen Variationen. Die Pickles nach Kyoto-Art haben so etwas wie eine AOC; und tatsächlich kann man sich kaum satt daran essen. Jeder Pickles-Stand hat Schüsselchen zum Probieren ausgestellt, am liebsten möchte man alles kaufen (es sei denn, der Shizo-Anteil wurde, zumindest für unsere Gaumen, zu hoch gewählt)
                            Dann kann man Tofu kaufen, dann frischen Fisch, dann getrockneten, dann getrocknete millimetergroße Fischlein in irgendetwas eingelegt, Reis, unterschiedlichste Herkunftsorte werden aufgezählt, die Preise schwanken enorm, Reiszubereitungen, gekocht, gestampft, mit unterschiedlichstem Innenleben, ausgehölte Früchte, wo der entsprechende Saft mit einem Halm herausgesogen wird, hier verkauft ener rasierklingenscharfe Messer, dort öffnet einer Austern von nahezu obszöner Größe ... und hier, wie auch in vielen anderen Lädelchen, gibt es ein paar Plätze, wo man sich niederläßt, um die ganzen Köstlichkeiten in kleinen, nicht zu teuren Gebinden, zu verspeisen.
                            Was für ein Markt, was für eine Stimmung.

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                            • #15
                              Der Alltag

                              Egal, ob Hunger oder nur Gelüste, nach entsprechenden Angeboten muß man nicht lange suchen. Kaffee bekommt man merkwürdigerweise viel häufiger angeboten als Tee. Dazu gibt es kleine Teilchen, die optisch den Vergleich mit den Fauchon-Verführungen nicht zu scheuen brauchen, (inhaltlich dann schon eher).
                              Immer wieder trifft man auf kleine Lädelchen, in denen über glühender Holzkohle zerstampfter Reis mit unterschiedlichsten Füllungen gegrillt wird; meistens süß, kurz in eine intensive Sauce eingetaucht. Dann werden Waffeln gebacken, noch häufiger runde Bällchen, die eher salzig, also mit verschiedenem fleisch- fisch- gemüseartigen Innenleben aufwarten ... ich kann mich nicht daran sattsehen, wie in diese halbkugeligen heißen Formen der Teig eingegossen wird, dann etwas Füllung, wieder etwas Teig, und mit raschen drehenden Bewegungen der Stäbchen entstehen dann diese rundherum gebräunte Kugeln ...
                              Es ist tatsächlich so, in Kyoto kann man kaum schlecht essen. Da gibt es durchaus Zubereitungen, die man nicht besonders mag, aber diesen hierzulande so oft anzutreffenden niederträchtigen und schäbigen malbouffe ... also McDo gibt's schon auch; und man erkennt auch, wenn Schulklassen in Uniform an einem vorüberziehen, wer dort einkehrt ...

                              Kaufhäuser
                              -das oberste Stockwerk gehört den Rauchern. Hier, unter freiem Himmel, gibt es keine Beschränkungen. Getränkeautomaten stehen aneinandergereit. Es gibt kaum eine Büchse, die mehr als 1€30 kostet. Meine Versuche, sprudeliges Wasser zu erhalten, gebe ich rasch auf. Meist ist es auf irgendeine Art aromatisiert, machmal, obwohl die Quelle auf dem Etikett nicht frischer sprudeln könnte, ist es einfach Milchkaffee.
                              -Das unterste Stockwerk jedoch - und hier sei das Daimaru beispielhaft erwähnt - ist die kulinarische Oase, das Schlaraffenland schlechthin. Es gibt ja nicht nur alles, was dem bestsortiertesten japanischen Supermarkt zur Ehre gereichen würde, hier finden sich chinesische Spezialitäten, dort vietnamesischthailändischindonesische, Australien? bitte hier auf der linken Seite, Amerika, natürlich, Europa erst recht, Bellota, Stopfleber, buffalo, Moselriesling, Croissant, nein, nicht das München-Niveau ...
                              Harrods, Lafayette, KdW, wie liebe ich diese Abteilungen; hier allerdings HC
                              -das letzte Stockwerk unter freiem Himmel: je nach Größe des Kaufhauses können hier durchaus zwanzig und mehr kleine Lokale etabliert sein. Meist steht ein Thema im Vordergrund. Nudelsuppe, Tempura, Fleisch, chinesisch, japanisch ... um die Mittagszeit sind diese Lokale äußerst beliebt; man setzt sich also auf ein Bänkchen, um irgendwann aufgerufen zu werden.
                              Ich sitze vor einer Sushi-Bar. Wie vor allen anderen Imbißstuben sind auch hier die einzelnen Menüs als Plastikattrappen ausgestellt. Dabei geht es aber überhaupt nicht darum, uns Langnasen das Leben zu vereinfachen, dafür spielt der Tourismus hier eine viel zu geringe Rolle, vielmehr befriedigt es die Sehnsucht der Eingeborenen, über alles im vorhinein informiert zu sein-

                              Jetzt bin ich an der Reihe. Das Mittagsmenü, Am rechtwinkligen Tresen sitzen Ehepaare oder Einzelpersonen; Kontakt zum Nachbarn aufzunehmen scheint nicht üblich. Eiswasser, Tee hatte ich bestellt, unaufgefordert wird ständig nachgegossen, und dann geht es los. Der für unser Lokalareal Zuständige produziert ständig etwas, auch ich bekomme plötzlich zwei rohe-Fisch-Teilchen serviert, und als ich mir unsicher bin, ob ich wohl schon mit dem Essen beginnen soll, nickt er mir freundlich-auffordernd zu.
                              Kaum runtergeschluckt, gehr es auch schon weiter; neuer Fisch, aber auch Gurken- und Rettichvariationen werden mir vorgesetzt, und wiederum Fisch. Jetzt die Eierrolle, o weh, wie viel besser schmeckt das hier im Vergleich zu .. Sie wissen, was ich meine. Ist das wirklich noch für mich? Ebi, zart frische Garnelchen ... dann die Misosuppe, soviel weiß ich jetzt schon, der Anfang vom Ende, natürlich Pickles, ein kleines mit roten und süßen Bohnen gefülltes Reisbällchen , und mit dem Tee werden mir schließlich umgerechnet 14 Euro abverlangt
                              Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 16.07.2015, 00:31.

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