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The Chairman, Hongkong

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  • The Chairman, Hongkong

    Den Auftakt unserer Hong Kong-Reise macht nach einem ausführlichen Frühstück im hervorragenden St. Regis-Hotel ein Abendessen im The Chairman in Central, welches unscheinbar in einer abends belebten Straße liegt. Aufmerksam geworden war ich über einen Post bei den Sternefressern, die ihr Menü dort sehr gelobt hatten. Das Restaurant existiert seit ca. 10 Jahren, hatte mal einen Stern und kocht kantonesisch, mehr weiß ich nicht. Ich reserviere 2 Wochen im voraus via Mail, aber schon dort gibt es nur noch Platz um 18h15 bis 20h00, ein Zeichen für ein beliebtes Restaurant.

    Das Restaurant unterteilt sich in verschiedene Abschnitte, wir werden die Treppe hoch in einen separaten Raum geführt an dem schon fast alle Tische durch Paare, Familien und Geschäftsleute besetzt sind und im Laufe des Abends besetzt werden. Ich hatte ein legeres Restaurant erwartet aber viele ziehen sich hier fein an, da fühlen wir uns in Hemd und Hose fast underdressed. Lustigerweise ziehen wir uns am nächsten Tag für das Lung King Heen förmlich an und stellen fest, dass hier einzelne Gäste gar in Jogginghose erscheinen, anders herum wäre es mit dem Dress Code also besser gewesen. Die Nachbartische beeindrucken durch gigantische Diamanten bei der Dame am Tisch und ein anderer Tisch drückt beim Hereinkommen dem Kellner mit den Worten „bitte den Champagner kaltstellen“ einen 1982 Clos de la Roche und einen Salon S Champagner als „Bring Your Own“ in die Hand wovon wir uns so einige Besuche im Chairman leisten könnten. Trotzdem ist die Atmosphäre gelöst und bodenständig, der Service zwar nicht mit ganz einwandfreiem Englisch aber dennoch sehr freundlich und zuvorkommend und auch gegen meinen Wunsch für ein kaltes Bier ist so gar nichts einzuwenden.

    Besonders gefallen hatte mir bei den Sternefressern das Bild der „Steamed Fresh Flowery Crab with Aged ShaoXing Wine,Fragrant Chicken Oil & Flat Rice Noodles“, die es hier unbedingt sein muss. Das Gericht wird mit „Marktpreis“ berechnet, bei uns meine ich 850 HKD, also ca. 90 Euro. Der Kellner empfiehlt uns die kleinste Krabbe, „das wäre für 2 Personen immer noch mehr als genug“. Wie ich später erfahre ist es das Signature Dish dieses Hauses, nahezu jeder Tisch bestellt sie.

    Da wir heute nicht allzu hungrig sind bestellen wir auf Serviceempfehlung noch „Cherry Tomatoes Pickled in Basil Reduction“ und „Crispy Enoki Mushrooms“. Ersteres sind, ganz anders als ich erwarte, ein ganz einfacher Teller mit kühlen Cherrytomaten umringt von zahlreichen Scheiben kühler Birne. Alle Stücke haben einen leichten Untergeschmack von Balsamico, nie penetrant sondern die Süße mit einer leicht Säure angenehm unterstützend. Das ist ein großer Teller aber ein kühler leicht süßer angenehmer Einstieg. Die Pilze sind frittiert, die Schale fasst sicherlich hunderte. Das knabbert sich angenehm weg wie Chips aber ist ansonsten nicht weiter bemerkenswert.

    Nach etwas Wartezeit kommt dann die Krabbe, bei der der Service für uns den Panzer des Hauptkörpers abnimmt, einmal durchschneidet und uns jeweils ein Bein gibt. Die Sauce gibt einen betörenden Duft frei, leicht fettig und tief im Geschmack durch das Hähnchenöl, zwischen den Scheren liegen die Reisnudeln und auch die grünen Frühlingszwiebeln bleiben im Geschmack bemerkbar und steuern Frische bei. Nach und nach saugen sich die Reisnudeln mit der Sauce auf wie ein köstliches Stück Brot einen Bratensaft. Bewaffnet mit einer Zange und Essstäbchen knacken wir nach und nach die Scheren und Beine der Krabbe. Das Erlebnis ist sagenhaft, das Fleisch ist dicht und saftig, vollgesogen durch die Sauce und dennoch auch nach einer halben Stunde noch dampfend warm durch die Dampfgarung. Die Krabbe ist fabelhaft und wir verputzen trotz Sättigung nahezu alles auf dem Teller. Ich habe die nächsten Tage noch oft hieran gedacht und würde alleine hierfür wiederkommen, das ist ein Gericht für 2 wenn nicht gar 3 Sterne.





    Es ist zwar schon Viertel nach Acht aber der Service fragt uns ob wir noch etwas möchten, insofern scheint es mit der beschränkten Reservierungszeit dann doch nicht so eng gesehen zu werden. Wir verneinen dennoch, da wir noch auf den Victoria Peak wollen. Das Essen schlägt danach mit ca. €170 für beide zu Buche von dem der Großteil berechtigterweise der Krabbe zu Gute kommt, das Trinkgeld ist – wie so oft in Hong Kong – bereits mit einer Servicecharge von 10% bedacht. Mir hat das Essen hier großen Spaß gemacht.

    Nach einem ca. 15-minütigen Fußweg (und einer Handvoll Polizisten die eher bewaffnet wie Soldaten aussehen) erreichen wir die Seilbahn für den Victoria Peak und fahren hoch, oben ist so gut wie kein anderer Tourist zu sehen. Fabelhaft ist das alles!



    Im Übrigen haben uns die aktuell laufenden Proteste nahezu kaum beeinträchtigt, im Gegenteil es fehlen aktuell insbesondere die chinesischen „Mainland“-Touristen und Wartezeiten sind aktuell fast gar nicht existent. Lediglich einmal sind wir in einen offensichtlich größeren Protest reingelaufen der später noch auf allen großen Medien erschien aber aus den wir uns sofort wieder rausnavigiert haben.

  • #2
    The Chairman ist wirklich ein sehr angenehmer Laden. Die Krabbe war so ein Gericht wo man sich immer mehr hinein gegessen hat. Hätte als kleiner Menügang glaube ich lange nicht so gewirkt.
    Das Pilzgericht war bei uns mit Morcheln gemacht, und in der Fassung dezent aber ganz wunderbar. Ich kann mir gut vorstellen dass Enokipilze im Vergleich etwas fad sind.

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    • #3
      Von unserer Reise kann ich ebenfalls bestätigen, dass es in allen touristischen Attraktionen sehr leer ist. Proteste beschränken sich ja auch weitgehend auf Samstag bzw. Sonntag. Wir waren aber Ende Oktober in einer Woche da, in der es sehr ruhig war. Eine Woche später wären wir mit unserem Hotel unmittelbar am Victoria Park schon "mittendrin" gewesen...

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