Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

The Modern **, NYC

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • The Modern **, NYC

    Besucht zum Dinner im Mai 2014.

    Wenn sich in einem Museum von Weltruf ein Sternerestaurant befindet, könnte das zu allerlei Überlegungen Anlaß sein, etwa, ob Kochen Kunst ist oder ob das sensorische Erfassen eines Tellers mit der Rezeption eines Kunstwerks vergleichbar ist. Darum ging es uns nicht. Wir wollten lediglich eine gute Küche genießen.

    Vorbei an einer knallvollen und lauten Bar geht es in das viel ruhigere, hohe und großzügige Restaurant. Grau, Weiß, Stahl und Glas dominieren, wie das eben so ist in modernen Museumsbauten. Dazwischen sorgen wunderschöne Blumenarrangements für Auflockerung. Unser bei der Reservierung geäußerte Wunsch nach einem Tisch am Fenster wurde erfüllt, wobei es sich eigentlich nicht um ein Fenster, sondern vielmehr um eine Glaswand handelt, die den Blick freigibt auf den Skulpturengarten des MoMA. Zweifellos, hier sitzt man in eindrucksvoller und angenehmer Umgebung.

    Heute einmal kein tasting menu, sondern 4 Gänge a la carte:

    Als Amuse erreicht uns ein Erbsensüppchen mit Bacon und einem sehr dünnen gerösteten Sauerteigbrot. Ein schöner und sanft-würziger Einstieg.

    Erster Gang ist Hamachi, der leider sehr dominiert wird von einer kräftigen Vinaigrette mit Artischocken und rotem Pfeffer.

    Es folgen Fois Gras und Jakobsmuschel, beides tadellos gebraten mit schönen Röstaromen. Auf beiden Bestandteilen findet sich etwas Passionsfrucht, was zwar eine angenehme Fruchtsäure ins Spiel bringt, aber uns wegen der vielen harten Kerne nicht sehr überzeugt. Ein winziges Stückchen Brokkoli ist zu klein, um mit den anderen Komponenten sinnvoll kombiniert zu werden und auch als Solist wenig intensiv im Geschmack, um einen eigenen Akzent zu setzen.

    Als Hauptgang folgt langsam gebratenes Schwein, jeweils mit einem saftigen kleinen Stück von Bauch und Rücken in einer intensiv aromatischen dunklen Sauce. Das ist gut gemacht und geschmacklich eine Freude. Die weiteren Komponenten sind mediterrane Zitate, wollen aber nicht so recht dazu harmonieren: Geröstetes Brot und angemachte gewürfelte Tomaten ergeben eine Art Bruschetta. Eine dazwischen liegende Scheibe Sopressata ist von derartiger Intensität, daß sie alle anderen Aromen übertönt.

    Das Dessert besteht aus dünnen Scheiben von der Ananas (unvermeidlich als Carpaccio bezeichnet) mit einem Buttermilchflan und einem Kaffir-Limetten-Sorbet. Während das Sorbet eine herrliche Frische verbreitet, bleiben die beiden Mitspieler doch sehr verhalten und der Teller wirkt insgesamt recht einfach.

    Ganz zum Schluß kommt noch ein Cornet mit einem Waldbeerensorbet.

    Zu trinken gab´s eine Flasche Pechstein 2009 von Bassermann-Jordan, die dem Abend doch sehr auf die Sprünge geholfen hat.

    Ist die Küche nun einen Stern wert? Nach nur einem Besuch möchte ich das nicht beurteilen müssen. Gewisse Schwächen waren für uns unverkennbar. Das Restaurant ist aber durchaus eine Empfehlung wert: Wenn sich die Nacht über Manhattan senkt, man auf den illuminierten Skulpturengarten blickt, sich an einer schönen Flasche Wein festhält und beim Essen nicht überkritisch ist, kann es ein sehr gelungener Abend werden.

    Ja, ich weiß, als Einstand ist der Bericht ein wenig kritisch. Aber so ist das Leben. Positivere werden bald folgen. Versprochen.

    Spica

  • #2
    Herzlich willkommen im Forum, liebe/r Spica. Vielen Dank für den Bericht - ich finde es überhaupt nicht bedauerlich, dass kritische Worte fallen, da Sie ja auch die positiven Aspekte des Menüs und des Abends insgesamt nicht vergessen haben zu erwähnen. Vielen Dank für so viel Differenziertheit, die hier ja sehr geschätzt wird.

    Kommentar


    • #3
      Danke für den schönen Beitrag.
      Kritisch, aber wohlwollend. Eine bessere Bewertung kann sich doch ein Restaurant nicht vorstellen.

      Herzlich Willkommen. Und weiter so.


      Gruß!

      Kommentar


      • #4
        Gleichfalls herzlichen Dank für diesen Einstandsbericht! 'Kritisch-wohlwollend' passt wunderbar in dieses Forum und bringt oft mehr Einsichten als reine "Lobhudelei" oder ein "Komplettveriss".

        Ich freue mich gleichfalls auf mehr!!

        Kommentar


        • #5
          Merci vielmals! Schön, hier so freundlich empfangen zu werden!
          Gruß, Spica

          Kommentar


          • #6
            Werte Frau Spica,

            klasse Berichte aus der Neuen Welt! Ja fast druckreif - wenn Sie sich wieder in Europa tummeln sollten, wäre ein Tip von mir: das Effillee sucht, aus gegebenen Anlaß, noch Restaurantkritiker...

            Gruß, Sternentor

            Kommentar


            • #7
              Hier hat man Sinn für Humor. Wunderbar! Daß man mich jedoch für eine Frau hält, läßt mich stutzen. Woran liegt´s? Weil Spica auf a endet? Sollten Sie wirklich Albert Spica nicht kennen, diese monströse vom bildgewaltigen Peter Greenaway erschaffene Gestalt? Nein? Ich zitiere mal:

              „Albert Spica ist ein gut situierter, gewalttätiger Gangster und Miteigentümer von „Le Hollandais“, eines französischen Restaurants, das er und seine Bande jeden Abend besuchen. Obwohl Spica den Anspruch hat, ein Feinschmecker zu sein, hat er in Wahrheit kein Gespür für gutes Essen. Sein Geschmack ist derb, er selbst gewalttätig und beleidigend gegenüber den anderen Gästen sowie den Bediensteten.“

              Ich dachte, mit dieser Identität sollte ich mich hier über Wasser halten können.

              Ach, und ehe Sie es doch herausfinden, sage ich es lieber gleich: Spica ist nur mein Künstlername.

              Kommentar


              • #8
                Wie gesagt: es lebe die Ironie und das gute Essen!

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Spica Beitrag anzeigen
                  Spica ist ein gut situierter, gewalttätiger Gangster
                  Fein. Willkommen hier im Gangsterforum!

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X