Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

New York City

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Frab
    antwortet
    Zu dem Chef's Table habe ich separat ja schon geschrieben. Ein toller Besuch, der zu einer Reise verpflichtet - das Menü schlug für mich mit €590 zu Buche, die Getränke mit zusätzlichen €330, also insgesamt €920 für zwei.

    Daneben war ich per Walk-In im Cosme (Michelin Empfehlung) zum Lunch für ca. €92 für zwei. Eine spannende, frische mexikanische Küche, die sich sehr nah an meinen mexikanischen Erfahrungen bewegt und so in Europa kaum zu bekommen ist. Uni Tostada (Seeigel in eine Art Ceviche auf einem Crispy Taco) und Churros (mexikanische Nachspeise mit hervorragender Bitterschokolade) waren besonders denkwürdig. Tolle Atmosphäre, nicht so gehetzt wie der Rest von NYC, und wenn das Spotted Pig einen Stern erhält ist er für das Cosme lange überfällig.

    Zudem war ich im Spotted Pig (Michelin 1 Stern) zum Dinner für ca. €110 für zwei. Es gibt nur Walk-Ins, wer kommt und es ist voll, lässt seinen Namen eintragen und wird dann angerufen sobald ein Platz frei wird. Als Vorspeise habe ich die Hasen Rillette gegessen (sehr gut, das Fett schmilzt sogar auf dem Brot), gefolgt von einem Flank Steak (sehr salzig und mir etwas zu buttrig, war nicht so meins), gefolgt von einem sehr dichten, buttrigen Schokoladenkuchen. Die Atmosphäre ist sehr ausgelassen und laut, wie in einem traditionellen Pub. Unser Freund, der mit uns zusammen zu Besuch war, war komplett ungläubig, dass dieses Restaurant tatsächlich einen Stern hat. Aber ich kann ihn verstehen, aus Europa kenne ich größtenteils ebenfalls nur die klassischen, gediegenen Gourmet-Tempel. Vor- und Nachspeise rechtfertigen den Stern, beim Hauptgang und auch bei den Shoestring Fries, die ich bei meiner Begleitung probiere, kann ich das nicht bestätigen. Insgesamt tue ich mich schwer damit dieses Haus deutlich z.B. über dem Frankfurter Moriki zu sehen, welches ich auch sehr mag. Für mich ist das Spotted Pig ein Grenzgänger zwischen Empfehlung und 1 Stern.

    Zu guterletzt haben wir Katz's Delicatessen besucht. Herrlich bodenständig und unkompliziert. Wir haben €20 für zwei bezahlt für ein Pastrami-Sandwich (eins reicht locker für 2 Personen und ich bin auch schon ein Mann mit sehr ausgesprägtem Appetit) sowie 2 Drinks. Meine Empfehlung für das klassische NYC.

    Einen Kommentar schreiben:


  • firpo21
    antwortet
    Zitat von Junggaumen Beitrag anzeigen
    Bei Zeiten müssen Sie mal berichten, wie sie an so viele begehrte Plätze innerhalb einer Woche gekommen sind.
    Ohne gute Vorbereitung ist das schwer möglich. Zuerst muss man sich ansehen, wann welches Restaurant geöffnet hat. Einige haben erst ab Dienstag (Ichimura, Chefs Table), einige ab Mittwoch (Blanca) geöffnet, so dass sich schon vorab eine Reihenfolge ergibt.
    Wir können Abends nur von Sonntag bis Donnerstag essen gehen, daher stand aufgrund der Öffnungszeiten schon fest, dass EMP Sonntag sein muss und Le Bernadin Montag. Dann hatte ich Chefs Table am Donnerstag als Wochenhighlight gebucht, daraus ergab sich die restliche Reihenfolge. Mittags gehen wir 3 Tage essen, da is(s)t man etwas flexibler.
    Außer Chefs Table und Ichimura lässt sich der Rest online reservieren, wobei einige bereits ab 0:00 Uhr, also 6:00 Uhr unserer Zeit freigeschaltet wurde (Bernadin, Blanca), EMP und Jean George werden im Laufe des Tages freigeschaltet. EMP war gegen 15:30 Uhr unserer Zeig, Jean George noch etwas später freigeschaltet , was zu vernachlässigen war, da man dort weniger Probleme hatte, einen Tisch zu bekommen.
    Dazu lassen sich manche 30 Tage im Voraus, manche 28 Tage im Voraus und manche wie Chefs Table nach einer anderen Logik reservieren.

    Dann hat man rund eine aufregende Woche und dann ist man froh, wenn es los geht.
    Jetzt hoffe ich, dass alles gut gegangen ist, keinen Zahlendreher bei der telefonischen Durchgabe meiner Kreditkartendaten auftraten und ich den Rückruf einiger Restaurants zur Bestätigung nicht verpasse.

    Das wars....

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Ich habe letztes Wochenende gerade erst NYC und dabei u.a. Chefs Table, Cosme, Spotted Pig und Katz's Deli besucht. Vor allem Chefs Table war eine Inspiration auf höchstem Niveau. Unter dem Strich ist die NYC-Gastroszene viel unverkrampfter, legt deutlich weniger Wert auf Amuses und das ganze deutsche gehobene Trara wie Teller-Arrangements oder verschiedene Brotsorten mit Butter. Meiner Meinung nach muss man das aber auch mögen.

    Ich schreibe die nächsten Tage ausführlicher. Abgesehen vom Chef's Table ist der Rest sehr unkompliziert, i.e. Walk-Ins sind möglich was besonders den Spontanen wie mir entgegen kommt die unter der Reservitis in Frankfurt oder München leiden.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Junggaumen
    antwortet
    Und wir freuen uns dann hoffentlich von den spannende Restaurantberichten hier zu lesen. Da stehen wirklich ein paar sehr interessante Adressen auf der Agenda.
    Bei Zeiten müssen Sie mal berichten, wie sie an so viele begehrte Plätze innerhalb einer Woche gekommen sind.

    Einen Kommentar schreiben:


  • firpo21
    antwortet
    Ich werde Anfang Oktober knapp eine Woche in NY sein, bin schon sehr gespannt.
    Einige Tipps von hier (Jean Georges Lunch) haben mir die Entscheidung leichter gemacht.
    Ansonsten geht es ins Chefs Table, EMP, Le Bernadin, Ichimura at Bushstroke, Blanca, NoMad und Marea.
    Es gehen kulinarische Träume in Erfüllung und bin sehr gespannt, wie gut die Restaurants im direkten Vergleich sind.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Mousseauchocolat
    antwortet
    Lieber Sphérico,

    die Empfehlung, zum Lunch zu Jean Georges zu gehen, kann ich in jedem Fall und ohne Einschränkung unterstützen: letztmals 2014, absolut unübertreffliches Preis-Leistungsverhältnis. Keine ganz große Oper wie am Abend, dafür aber Genuß ohne schlechtes Gewissen ob des verausgabten Geldes.
    Im EMP war ich insgesamt dreimal. Das erste Mal war ich total begeistert, vielleicht auch weil ich im hinteren Teil des Restaurants etwas abseits platziert war und dort vom Service wirklich umsorgt wurde. Aber auch das Menu war großartig. Beim zweiten Besuch, ein dreiviertel Jahr später, kühlte die Begeisterung schon etwas ab, vor allem auch die Atmosphäre (eisig kalte Temperatur, Bahnhofshallenatmosphäre, Lautstärkepegel) verdarb das immer noch sehr gute Esserlebnis. Der dritte Besuch vor einem Jahr war dann eine Enttäuschung: an die Atmosphäre ist man ja gewöhnt gewesen, aber nun war auch der Service eines *** nicht mehr würdig und leider war auch das Menu alles andere als ein Erlebnis gewesen, das mich zu einem erneuten Besuch motivieren würde. Die verantwortlichen Herren in Küche und Service tanzen vielleicht inzwischen auf zu vielen Hochzeiten... Jedenfalls müsste ich es mir sehr gut überlegen, ob ich noch einmal ins EMP gehe; es gibt ja in NJ so viele interessante Alternativen, besternt und unbesternt.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Sphérico
    antwortet
    Lieber Mousse,

    keine Geheimtipps, aber einen Umweg wert: Jean Georges zum Lunch, bisher spottbillig. Nach einem Museumsbesuch im MOMA Dinner im The Modern im Gebäude, unprätentiös und tiptop. Dort haben Sie die Wahl zwischen Bar- und Restaurantbereich.
    Gerne können Sie uns natürlich über das Essen im Eleven Madison berichten...wenn Sie noch einen Tisch bekommen. Mich würde tatsächlich interessieren, was an dem Hype dran ist.
    Im recht häßlichen american business- aber sauberen Millenium Hilton waren wir mal zwecks Kongreß, die Lage ist recht praktisch.

    MkG, S.

    MkG, S.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Mousseauchocolat
    antwortet
    Werter Wombard,

    eine Hotelempfehlung, die ich guten Gewissens aussprechen kann, ist das Library Hotel http://www.libraryhotel.com/de/ und das Casablanca Hotel http://www.casablancahotel.com/de/. Insgesamt war ich jetzt viermal in einem der beiden Häuser und immer absolut zufrieden. Im Preis ist Frühstück und eine wine and cheese reception am Abend eingeschlossen, dazu absolut zentrale Lage und die Freundlichkeit des gesamten Personals. Als Restaurant-Empfehlung möchte ich das Juni by Shaun Hergatt nennen www.juninyc.com ; ich würde nicht zögern, das Juni wieder zu besuchen!

    Einen Kommentar schreiben:


  • wombard
    antwortet
    Uns treibst kurzfristig zur Fahrt mit der Queen Mary nach New York und bin jetzt auf der Suche nach Hotel und Restaurant. Das Bernardine steht nach dem Bericht hier auf der Liste. Gibts von dem ein oder anderen Forumianer Selbst erlebte Empfehlungen ? Würde mich sehr freuen

    Einen Kommentar schreiben:


  • fragolini
    antwortet
    Herzlichen Dank für die tollen berichte, die meinen Horizont in Sachen Essen und NY erweitern.

    Die berichte sind verhalten kritisch und ehrlich. Man merkt aber, dass Sie großen Spaß hatten.

    Willkommen im Club derer, die nicht viel über Sake wissen, ihn aber mit Begeisterung trinken. Ich finde Sake ungemein spannend durch die vielen Aromen.


    Gruß!

    Einen Kommentar schreiben:


  • rocco
    antwortet
    Williamsburg, Brooklyn Part 5 - Zenkichi

    Unser letztes Essen in Brooklyn führte uns spontan ins Zenkichi (N 6th, Ecke Wythe), eine nach eigenen Angaben Modern Japanese Brasserie, deren Konzept an aktuelle Tokyoter Nicht-Sushi-Restaurants angelehnt ist, in denen man privat in kleinen Kabinen sitzt und viele Kleinigkeiten ist. Wir hatten spontan noch einen Tisch bekommen, aber erst spät. Das Restaurant ist schwer zu finden, führt kein Schild draußen, nur ein ganz kleines an der Tür. Man wird erst einmal in einen Warteraum gesetzt und dann abgeholt. Das mit den kleinen Kabinen ist witzig. Die Kellnerin (eine Koreanerin, die aber länger in Japan gelebt hat) kündigt sich mit einem freundlichen japanischen Gruß an (es war aber glaube ich nicht こんにちは, sondern すみません, vielleicht aber auch ein anderes Wort) und zieht dann kurz den Vorhang hoch. Dann bringt sie Essen oder Getränke, verabschiedet sich und zieht den Vorhang wieder runter. Das soll das Essen zu einer privaten Angelegenheit werden lassen. Bei uns hat das nicht funktioniert, weil gegenüber zwei unglaublich aufdringliche Angeber (sie: Model, er: Schauspieler) saßen, die sich in Sportsbar-Lautstärke über Sex, harte Drogen und ihre issues (Sie: "When I'm outside, I feel the desire of all those men looking at me, but when I'm home, there's nothing and I feel like shit") unterhielten. Wir hätten uns umsetzen können, aber die Unterhaltung war auf der anderen Seite ganz amüsant.

    Es gibt ein Omakase Probiermenu, aber nach den Erfahrungen im Gwynnett St. haben wir lieber à la carte diverse kleine Teller bestellt. Zu trinken gibt es Bier, Champagner und Tee, aber hauptsächlich Sake und keinen Wein. Gut gefallen hat uns, dass man verschiedene Teller bestellt und die Kellnerin für einen die Kombinationen und die Reihenfolge sehr kundig zusammenstellt. Beim Sake habe ich mich trotz Sake-Dilettantenstatus für das Connoisseur Sake Tasting ($ 32) entschieden, das aus kleinen Gläsern Urakassumi Zen Super Premium Junmai Ginjo, Taiheizan Tenko Premium Junmai Dai Ginjo und Yumedono Super Premium Junmai Daiginjo bestand. Für mich hat sich an dem Abend eine ganz neue Welt des Sake eröffnet, alle drei schmeckten dezent, aber dezidiert unterschiedlich, samtig, animierend, ganz leicht fruchtig (in Pastellfarben gemalt) und passten hervorragend zum Essen. Vielleicht wird es auch nochmal was mit dem Connoisseur.

    Unser Essen war von vorne bis hinten absolut fantastisch. Es kamen teils zusammen und größtenteils hintereinander in angenehm ruhigem Serviertempo (viiiel langsamer als in US-Restaurants):

    Amuse: ein mit Sake aromatisierter Dashi mit einem Hühnerhackbällchen. Sehr subtil.

    季節のおみおつけ: Miso-Suppe mit Schweineohren. Großartig.

    たこわさび: Der erste Wow-Effekt. Mit Wasabi roh marinierter Tintenfisch. Beim ersten Bissen habe ich den Mund verzogen, so ungewöhnlich hat das geschmeckt: nach Meer, aber auch dezent scharf von dem Wasabi. Und vor allem knackig, denn der Tintenfisch war nahezu roh. Mit jedem Bissen habe ich mich mehr an das Gericht gewöhnt und nach dem letzten war ich fast traurig, dass die kleine Schüssel leer war.

    手作り豆腐 鰹だし: Seidig-sahnige Tofuwürfel in einem leichten Dashi-Sud. Dazu gab es fein geriebene Karotten, Frühlingszwiebeln und noch eine Beigabe. Für dieses Gericht muss man wohl Tofu-Fan sein. Der Gang war ok, aber ich fand ihn weniger interessant als alle anderen Gänge des Abends.

    ひじき: Algensalat in süßem Sake und Soyasauce. Das schmeckte halbwegs bekannt und sehr gut.

    鮪青柚子カルパッチョ: Sashimi vom Thunfischbauch, das auf einem Karottensalat mit fein geriebenem Ingwer und Knoblauch serviert wurde. Das war Produktküche vom feinsten.

    本日のお薦め刺身: Sashimi des Tages, hier Yellow Fin Tuna, Lachs und Red Snapper mit einer mittelalten Soyasauce und etwas Wasabi. So kann Sashimi also schmecken, das war mir vorher nicht klar.

    地鶏岩塩焼: Freiland (Jidori) Huhn, als Brust, aufgeschnitten, von Natur aus dezent salzig, und serviert mit Zitrone und einer Yuzu-Pfeffer-Paste. Ganz ehrlich: diese Art von Freilandhuhn schmeckt mir besser als die auch guten Bresse-Freilandhühner, die ich im Raum Lyon gegessen habe. Ein simples, aber wirklich Standards setzendes Gericht, für mich jedenfalls.

    黒胡麻のフローズンチョコレートムース: Ein halbgefrorenes von der Schokolade und schwarzem Sesam, kaum süß, gehaltvoll, aber erfrischend.

    峰岡豆腐: Wie eine Panna Cotta, aber aus einer Milch, die aus einer japanischen Bergregion kommt (keine Ahnung, ob tierische oder pflanzliche Milch). Das Dessert war etwas konventioneller, schmeckte aber auch sehr gut.

    Am Ende waren wir nicht satt, aber auch nicht hungrig und gingen, obwohl es schon sehr spät war, zum ersten Mal in einer Woche New York beschwingt aus einem Restaurant ohne jegliches Füllegefühl. Ich war noch nie in Japan, aber wenn das Essen in Japan immer so gut ist, wäre ich sofort dabei.

    Einen Kommentar schreiben:


  • rocco
    antwortet
    Williamsburg, Brooklyn Part 4 - Gwynnett St.

    Auf der Graham Ave in East Williamsburg liegt ein Restaurant, das die New York Times so gut fand, dass es in die "12 Restaurant Triumphs of 2012" Liste aufgenommen wurde. Das Restaurant gehört einem ehemaligen Sommelier. Es kocht Owen Clark, der früher u.a. im WD-50 kochte. Mit seinen offenen Backsteinwänden sieht es sehr amerikanisch aus. Wir sind ein bisschen früher hin und haben noch an der Bar einen Cocktail getrunken, bevor wir an den Tisch geführt wurden.

    Wir haben alle drei das Tasting Menu gewagt ($ 120 mit Weinbegleitung) in der Hoffnung, dass nicht zu viele Gänge nicht zu schnell in nicht zu großen Portionen serviert werden. Als erstes wird das Hausbrot, ein "Whiskey-Bread" serviert, das sich laut Kellner, der mit einem schönen Twang in der Stimme sprach, dadurch auszeichnet, dass es "alotta Whiskey and alotta Butter" enthält. Das Brot war in der Tat köstlich, aber eigentlich war man nach einer Scheibe schon satt. Dazu wurde uns ein kleines Glas Fino-Sherry serviert.

    Gang 1: Red Cabbage Consommé, brussels sprouts, kohlrabi and leeks (Weinbegleitung: 2011 Red Hook Winery Seneca Riesling)

    Der Gang schmeckte nicht schlecht, aber ehrlich gesagt ein bisschen nach Schonkost im Krankenhaus. Durchaus passabel gefallen hat mir der Riesling aus Long Island, der erste US-Riesling, den ich bislang getrunken habe.

    Gang 2: Autumn Salad, buttermilk, white beet, salsify and celtuse (Weinbegleitung: 2012 Château Pierrail Bordeaux Blanc)

    Diesen Gang fanden wir alle sehr gut. Die Schwarzwurzel, weiße Bete und der merkwürdige chinesische Salat (celtuse, had to google it) schmeckten recht intensiv, die Buttermilch kam als schwarze Krümel, war offenbar langsam im Ofen zu Krümeln verarbeitet worden. Gerade in Verbindung mit der Sauvignon Blanc/Gris Cuvée funktionierte das hervorragend und war sehr erfrischend.

    Gang 3: Pigs Ear broccoli, orange, chili and breadcrumbs (Weinbegleitung: 2011 Telmo Rodriguez Gaba do Xil Godello Valdeorras)

    Auch diesen Gang fand ich sehr gut. Die Schweineohrstreifen waren knusprig und fettig. Mit dem Broccoli und der Orange und einer ganz leichten Chili-Schärfe gab das ein spannendes und harmonisches Geschmacksbild. Den Reiz von Godello konnte ich nie ganz nachvollziehen und auch dieser war für mich keine Offenbarung.

    Gang 4: Quail, chestnut, celery root, sweet potato and kale (Weinbegleitung: 2009 Pietro Caciorgna Etna Rosso Nerello Mascalese)

    Diesen Gang fand ich eher mittelmäßig spannend, aber sehr schmackhaft. Vielleicht waren wir am Tisch aber zu dem Zeitpunkt alle etwas zu sehr in Gespräche vertieft, um wirklich aufs Essen zu achten. Gut gefallen hat mir aber der Wein, erdig, fein, animierend.

    Jetzt mussten wir nach einer Pause fragen. Die ersten vier Gänge wurden in atemberaubendem Tempo serviert (im USA Vergleich aber eher im Schneckentempo). Wir hatten Angst, dass wir bei so vielen Weinen und so viel Essen in so kurzer Zeit schnell unter dem Tisch liegen. Die Pause wurde auch gewährt, der Chef schenkte uns sogar noch einen Extra-"Pausen" Wein ein, obwohl wir jeweils noch ein halbvolles Glas Etna Rosso vor uns stehen hatten. Der Pausenwein war aber auch so schlecht, das wir ihn alle stehen ließen. Nach der Pause fiel das Menu leider ziemlich ab.

    Gang 5: Cobia, cauliflower, tarragon, grape and sea lettuce (Weinbegleitung: 2011 Paul Pernot Bourgogne Rouge)

    Ich hatte keine Ahnung, was Cobia ist (eine Barschart), und der Fisch sah auf dem Teller auch etwas bizarr aus. Er war lauwarm und ziemlich hart, gegart schien er nicht gewesen zu sein. Dazu gab es, anders als angekündigt, nur ganz leicht gedünstete Zwiebelhälften sowie die angekündigten Blumenkohlröschen (ebenfalls fast roh) und weiße Trauben. Das war nicht mein Gang und auch nicht der meiner beiden Begleiter. Der Fisch schmeckte uns überhaupt nicht, auch von rohem Blumenkohl bin ich kein Fan. Nur die Trauben gaben hier und da etwas Frische.

    Gang 6: Beef, spinach, black garlic and treviso (Weinbegleitung: 2011 Quintay Q Syrah aus Chile)

    Dies war der traditionellste Gang des Abends. Mir war er zu dem Zeitpunkt viel zu intensiv im Geschmack. Das Bavette vom Rind war große Klasse, eher blutig, schön im Geschmack, zurückhaltend gewürzt. Die schwarze Knoblauchcreme, der Radicchio und der recht salzige Spinat jedoch wirkten etwas in yo face auf mich. Das galt auch für den Wein, ein eher kaffesüßes Getränk.

    Zu diesem Zeitpunkt waren wir ehrlich gesagt froh, dass es in Richtung Dessert ging.

    Dessert 1: Lila Süßkartoffeleis (Weinbegleitung: 2012 Oddero Moscato d'Asti Cascina Fiori)

    Das Pre-Dessert stellte ein recht mürbes und süßes Lila Süßkartoffeleis in den Mittelpunkt. Dazu gab es noch ein paar Krümel und was man sonst heutzutage so einem Dessert beigibt. Das schmeckte recht gut, gerade in Verbindung mit dem Moscato d'Asti.

    Dessert 2: Peanut-Butter Cake (Getränkebegleitung: Amaro Nonino)

    Das zweite Dessert war anstrengend. Zum Schluss dieses opulenten Mahls mit zahlreichen Gängen und ganz vielen Weinen hätte ich mir etwas frisches gewünscht: ein Zitronensorbet mit Minze oder irgendwas mit grünem Apfel. Es kam ein Erdnusseis und ein Peanut-Butter-Kuchen, dazu ein Gelee von der Cocktail-Kirsche. Das schmeckte nicht schlecht, war aber zu diesem Zeitpunkt einfach zu viel. Der Amaro dazu geht für mich in die Geschichte ein als unpassendste Getränkebegleitung ever.

    Am Ende waren wir trotzdem guter Laune. Das Essen war sicher zu 50% wirklich gelungen, teilweise mittelmäßig gelungen und teilweise misslungen, aber weniger wegen der konkreten Kochkunst, sondern eher, weil ein Tasting Menu mit so vielen Weinen und in so großen Portionen einfach zu viel ist. Hier und da war mir die Küche etwas zu laut und aufdringlich, subtil war das Essen jedenfalls nie. Bei der Weinbegleitung sind aus meiner Sicht gar nicht so viele Weine nötig. Lieber wäre mir die Hälfte der Weine gewesen, dafür welche mit etwas mehr Tiefgang. Im Fazit hat es uns ganz ok gefallen, aber nochmal muss ich das Restaurant letztlich nicht aufsuchen.

    Einen Kommentar schreiben:


  • rocco
    antwortet
    Danke für das Feedback.

    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
    Über das Allswell schreiben Sie: Hätte ich so einen Laden um de Ecke, wäre ich Stammgast" Eigenartig, dass es solche Läden, die man ja in NY zuhauf findet, die auch immer brechend voll sind, bei uns kaum gibt.
    Ich finde das auch eigenartig. Ziel dieser Art von Restaurants ist es ja gerade, den Laden voll zu haben und nicht sich Sterne zu erkochen, o.ä. Insofern muss man vielleicht gar nicht so viel in Besteck, Geschirr, einen 1.000 Flaschen Weinkeller, usw. investieren. Wenn überhaupt, scheint es Restaurants dieser Art in Berlin zu geben: Katz Orange, Bandol sur mer, das (leider schreckliche) Restaurant im Soho House, früher das Restaurant in der Bar25 und weitere. Ich hoffe, dass sich das ausweitet und auch ein bisschen selbstverständlicher wird.
    Zuletzt geändert von rocco; 04.11.2013, 16:16.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Gast
    Ein Gast antwortete
    Nach Ihren gelungenen Berichten, lieber rocco, zieht es einen ja sofort wieder nach NY. (Meine Sehnsucht wurde schon durch die vor kurzem in Arte gezeigte Quintologie "NY Confidental", müßte in der Mediathek noch zur Verfügung stehen, gereizt).
    Es war, vor einem knappen Jahr, auch Arte, wo eine interessante Dokumentation über Paul Liebrandt, damals noch im Corton, gezeigt wurde.
    Schade, dass Sie in der fetten Sau nicht ganz auf der Höhe waren; so konnten die Speisen sicher nicht, wie es der Zagat formuliert, "washed down with craft beers and bourbon" werden.
    Über das Allswell schreiben Sie: Hätte ich so einen Laden um de Ecke, wäre ich Stammgast" Eigenartig, dass es solche Läden, die man ja in NY zuhauf findet, die auch immer brechend voll sind, bei uns kaum gibt.

    Einen Kommentar schreiben:


  • chess
    antwortet
    Werter Rocco, ganz herzlichen Dank für diese beiindruckend praxisnahe Trilogie! KG chess

    Einen Kommentar schreiben:

Lädt...
X