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Das Restaurant Wolfshöhle* in Freiburg

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  • Tobler
    antwortet
    Nein, lieber brigante, ich beziehe mich wirklich nur auf Freiburg. Und da hamse Recht: die Konkurrenz ist nun wahrlich nicht groß; über die "Zirbelstube" im Hotel Colombi habe ich mich ja jüngst schon entsprechend ausgelassen. Wie Sie richtig sagen, war's das auch schon mit dem Stern in FR.
    Der Sulzburger "Hirschen", den Sie sicherlich meinen, spielt als Zweisterner natürlich in einer höheren Liga, aber auch die Wertschätzung für den "Raben"* in Horben kann ich nicht genug betonen, wenn es ums nähere Umland geht. Das gastronomische Gesamterlebnis in der "Wolfshöhle" ist m. E. aber wirklich kaum zu toppen, auch nicht über die näheren Grenzen Freiburgs hinaus.

    KG

    Tobler

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  • brigante
    antwortet
    Vielen Dank, lieber Tobler, das klingt wirklich wunderbar!
    Eine Frage nur:

    Zitat von Tobler
    Ich lege mich also fest: in Freiburg gibt es in kulinarischer Hinsicht derzeit nichts Besseres. Punkt.
    Das glaube ich gerne, allerdings: so arg viel Konkurrenz gibt es da in Freiburg ja nun nicht (besternt exakt einen), insofern ist das als Einstufung sehr relativ. Oder beziehen Sie das Umland (z.B. den Hirschen) mit ein?

    PS: Dieser traurige Smilie oben hat nix zu bedeuten, war ein Versehen (die Kinner...) und nun bekomme ich ihn nicht mehr gelöscht...

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  • Muck
    antwortet
    Lieber Tobler,

    danke für den Bericht. Keine Ahnung, warum ich es noch nicht in die Wolfshöhle geschafft habe, obwohl sie so nah ist. Nach ihrem Bericht gibt es keine Ausreden mehr!

    M

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  • Tobler
    antwortet
    ... und hier liefere ich das oben Angekündigte pflichtschuldigst bzw. mit dem größten Vergnügen:

    Mittlerweile ist die „Wolfshöhle“ in Freiburg ganz einfach eine Sensation. Der Laden brummt, wann immer wir dort sind, und wir verstehen nur zu gut, warum das so ist. Der Michelin-Stern im vergangenen Herbst war nur folgerichtig, nachdem Sascha Weiß und sein Team, auf das er sympathischerweise so große Stücke hält, sich immer mehr gesteigert hatte. Dass Manuela Weiß ein Naturtalent als so temperament- wie hingebungsvolle Gastgeberin ist und noch dazu unvergleichlichen Humor besitzt, habe ich hier bereits gelobt. Nun aber macht der Gatte ihr sogar auf diesem Gebiet Konkurrenz. Seine Mannschaft hat er offenbar so eingestellt, dass er sich am Abend fast nur noch den Gästen widmen kann und dabei eine unverkennbare Entertainer-Begabung an den Tag legt. Dies tut er aber nicht aus Eitelkeit, sondern stets um seine Gerichte, von denen er voll und ganz überzeugt ist, anzupreisen. Und damit nicht genug: auch als Sommelier macht er eine ausgesprochen gute Figur. Ein Allrounder also, wie man ihn in der gehobenen Gastronomie nicht so schnell findet.
    Wenn wir in der „Wolfshöhle“ zu Besuch sind, fühlen wir uns immer ein bisschen umschmeichelt. Gerne tischt der Chef uns mal etwas Außerplanmäßiges auf oder, wenn wir uns über die Zahl der Menügänge nicht einigen können, macht er „einfach mal was zu essen“. Das ist natürlich eine maßlose Untertreibung, denn seine überschäumende Kreativität und die beinahe kindliche Lust, sie den Gästen zugute kommen zu lassen, stand auch jüngst wieder im Mittelpunkt des Abends.

    Einem Winzersekt – im Badischen ja fast so gut wie Champagner – folgte eine



    Kalte Kartoffel-Lauch-Suppe mit gefülltem Laugenweckle

    Das Süppchen war schön süffig, in das Laugenweckle hatte mein schwäbischer Landsmann Frischkäse gefüllt. Einfach, aber auch einfach gut.



    Fladenbrot / „Don Boccarte“ Sardellen / Hausfrauen Art

    war als zweiter Auftakt mutig, denn mit den so intensiven Sardellen das Menü zu beginnen, ist sensorisch zumindest eine Herausforderung für den Gaumen – oder ein Kick. Es war was dazwischen.

    Phänomenal dann



    „Balfégo“ Blue fin Thuna / Miso Creme / grüner Spargel

    Dieser Thunfisch, so Weiß, sei der einzige, den er noch guten Gewissens zubereiten und servieren könne, zumal er die Daten zu einem jeden bis ins Detail kenne. Entsprechend beruhigt wendeten wir uns dieser puristischen Köstlichkeit zu und schwärmten vor allem von der minimal eingesetzten, aber maximal wirkungsvollen Miso-Crème im kleinen „Schornstein“, wie wir ihn nannten. Am Tisch waren wir uns einig: den hätten wir auch noch mal bestellt.

    Dass das Beiwerk zum heimlichen Hauptdarsteller wird, schien Methode zu haben, denn auch bei



    Artischocke / Burrata / Tomatenmarmelade

    erwies sich Letztere als sensorisches Vergnügen, zumal sie den Burrata geschmacklich einband und der ja schon per se zurückhaltenden Artischocke beisprang. Kein Knaller, mag sein, aber ein erfreuliches Kleinod auf dem Teller.

    Zum Niederknien und von Herrn Weiß aus Überzeugung ins Menü „geschmuggelt“:



    Zander / Blutwurststrudel / Kartoffelstampf

    Nein, neu mag diese Kreation nicht sein. Vielleicht hat die Blutwurst sogar längst wieder ausgedient, nachdem sie in bald jeder Form in der Hochküche verarbeitet wird, doch wenn man schon ein Gericht wie dieses auftischt, dann bitte genau so. Der Zander wies perfekte Garung auf, der leicht geräucherte Kartoffelstampf verband sich aufs Beste mit den Aromen der grandiosen gebackenen Blutwurst im krossen Mantel, die man auch solo hätte essen mögen. Frau Weiß gestand, sie hätte sie in dieser Form gerne als „Fernseh-Snack“. Das wär ja mal ein Chips-Ersatz. Blutwurst zum Fußball! Wir – am Tisch (außer mir) noch nicht einmal alle Blutwurst-Fans – waren jedenfalls begeistert!

    (Ende Teil 1)

    (Beginn Teil 2)



    Seeteufel / Salat Niçoise / Safranmayo

    war bis dato mein Lieblingsgang ¬– ein wahrer Glücklichmacher. Hier stimmte alles: der Seeteufel war so kross wie glasig, dazu der Salat mit leicht herben Noten, die wiederum aufgefangen wurden durch die einfach köstliche Safranmayonnaise. Ein Gericht, dessen Komponenten man allesamt auf die Gabel nehmen musste, um ein besonderes Entzücken zu empfinden.



    der Sommer ist „GURKE“

    war ein erfrischender Zwischengang ohne Schnickschnack. Konzentriert, leicht alkoholisch abgeschmeckt und ein Wachmacher für den ersten echten Kracher des Abends:



    Schweinebauch / gepickelte Radiesle / Shii Take

    Das will schon was heißen, wenn die Fleischgänge tatsächlich die Menü-Höhepunkte sind. Knackig, schlotzig, süffig und sämig ging’s in textureller Hinsicht zu. Leicht säuerlich war die geschmackliche Hauptnote, aber auch leicht süß (ohne deshalb „süß-sauer“ zu sein). Das obenauf liegende Popcorn: mehr als ein Gag, sondern eine aromatische Ergänzung des oben krossen, saftigen und zugleich unglaublich zarten Fleisches.
    Dann kündigte Herr Weiß uns an, er habe ein Gulasch angesetzt. Wir hatten keinerlei Furcht, es könnte jetzt banal werden, sondern allenfalls Angst vor einer gewissen Übersättigung (die dann leider auch eintrat). Das Gericht hieß schließlich



    Rindsfilet & Goulasch / Steinpilze / Selleriepüree / Petersilienknödel

    Man könnte sagen: hier wollte einer zu viel. In quantitativer Hinsicht war das auch so, aber der Gang in seiner Gesamtheit wurde in seiner Opulenz ein schwelgerisches Fest. Und die Fleischqualität? Ausgezeichnet. Ein besseres Goulasch habe ich tatsächlich noch nie gegessen. So einfach ist das. Das Filet: die absolute Perfektion. (Ich nehme an, sous vide gegart, auch wenn das nicht jedermanns Sache sein mag.) Nur auf die Frage des Lieferanten schwieg der Meister lächelnd...



    Himbeeren / Mohn / Mascarpone

    war natürlich erst recht eine Überforderung des Verdauungstrakts – wie schade! Denn dieses im besten Sinne unglaublich „himbeerige“ Dessert, schon farblich geradezu erotisch konnotiert, hätte es allemal verdient gehabt, restlos vertilgt zu werden. Dessen Opulenz ließ uns aber erneut an unsere Grenzen stoßen. Man wird ja auch nicht jünger. (Früher ging jedenfalls „mehr rein“...)

    Noch ein Wort zu den Weinen: sie waren fast alle Volltreffer, mit Ausnahme des Süßweins

    Chardonnay Auslese 2013 von Martin Waßmer, Schlatt

    am Ende, was aber nicht an der Auswahl liegt, sondern an der Tatsache, dass wir den zum Nachtisch einfach nicht brauchen, sondern allenfalls zur Gänseleber goutieren wollen.

    Neben manchen uns vertrauten (und sehr geschätzten) Tropfen wie der

    Sauvignon Blanc „Kaitui Fumé“ 2014 von Markus Schneider, Ellerstadt (zum Artischockengericht)

    oder der

    Spätburgunder „Alte Reben“ Barrique 2012 vom Weingut Huber, Malterdingen (zum Hauptgang)

    überzeugten Neuentdeckungen wie der

    Mimus Weiss 2014 von Dr. Heger, Ihringen,

    eine Cuvée mit unglaublicher Komplexität und Fülle, ausgeschenkt aus der Magnum-Flasche (zur Sardelle – ein Kunstgriff, denn er hielt ihr sozusagen stand!)

    oder der

    Bernkasteler Badstube Riesling Spätlese feinherb 2008 vom Weingut Wegeler, Gutshaus Bernkastel,

    der sich mit seinen Petroleumnoten zum Schweinebauch als prächtige Begleitung erwies.

    Toll auch der ungemein saftig-stoffige

    Orma 2013 Toscana IGT Orma-Bolgheri (zum Rinderfilet- bzw. Goulasch)

    Lauter Entdeckungen also!

    Sascha Weiß kredenzte uns damit nicht nur herrliche Weine (manchmal sogar zwei parallel zum Vergleich – eigentlich ein Wahnsinn, aber trotzdem immer nachvollziehbar), sondern zeigte aufs Erfreulichste, wie er sich vor allem in den Hauptgängen immer mehr der Küche seiner Allgäuer Heimat annähert. Mit dieser Tendenz kocht er Gerichte, in die man sich schlichtweg reinlegen könnte. Mag sein, dass ich jetzt was ins Phrasenschwein zahlen muss, aber das trifft es nunmal. Dabei kann er neben dem Reichhaltig-Ländlichen eben auch das Puristische, die Klassik und nicht zuletzt Eurasisches. Somit versteht er es, seinen Menüs eine insgesamt stimmige Dramaturgie zu verleihen, wenn man vom Sardellen-Gang vielleicht einmal absieht. Den Stern wird er locker halten, wenn er weiter so Vollgas gibt und es ihm als Koch sowie als Persönlichkeit gelingt, seine Gäste für sich einzunehmen. Seine Frau sorgt schon für die nötige Bodenhaftung , und was sie teilen, ist die absolute Leidenschaft für das, was sie tun. Aber auch der Teamgeist in der „Wolfshöhle“ ist ein großes Plus. Zusammenhalt und kaum Fluktuation in der Küchencrew sind offenbar die Erfolgskomponenten – da könnten sich andere in Zeiten wie diesen noch was abschauen.

    Ich lege mich also fest: in Freiburg gibt es in kulinarischer Hinsicht derzeit nichts Besseres. Punkt.
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 29.06.2016, 01:18.

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  • Tobler
    antwortet
    ... und jetzt der Überschrift des Postings bitte einen * hinzufügen! Congrats! Ein Bericht wäre auch mal wieder fällig... Die letzten paar Male in der "Wolfshöhle" haben wir einfach nur genossen – ohne herumzuhirnen, was sich darüber schreiben ließe.

    KG

    Tobler

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  • Tobler
    antwortet
    Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
    muss ich wohl oder übel auch der "Wolfshöhle" wieder einen Besuch abstatten, denn dort scheint sich ja seit meinem letzten Besuch (bei dem ich die Küchenleistung knapp unter der Sternegrenze gesehen hatte) einiges getan zu haben...
    Wo die Sternegrenze auch immer liegen mag - ich hab es bislang auch so gesehen, beim letzten Besuch aber eben einen deutlichen Qualitätssprung bemerkt, der sich hoffentlich nicht nur abends, sondern auch mittags feststellen lässt. Ein wenig fürchte ich hier noch Schwankungen, wie Sie, werter calvados*, sie neulich wohl erlebt haben. Wenn dem so wäre, spräche das natürlich eher gegen den Stern... Ich habe wahrgenommen, dass Sie zufrieden, aber nicht ausgesprochen angetan waren.

    "Raben" und "Wolfshöhle" scheinen mir aber generell - bei aller sonstigen Individualität - durchaus ebenbürtig zu sein. Aber vergleichen Sie selbst!

    @El Grande Gourmet: Wenn Sie es auch in die "Wolfshöhle" schaffen, wird Ihnen sicher überaus "wohl" und mitnichten "übel" werden!

    KG

    Tobler
    Zuletzt geändert von Tobler; 18.09.2014, 18:50.

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  • calvados*
    antwortet
    Ich bin nächste Woche wieder einmal in Freiburg. Nach diesem Bericht von Tobler müsste ich eigentlich der Wolfshöhle einen Besuch abstatten. Vielleicht müss ich dann meinen Bericht vom Mai dann ergänzen oder korrigieren.

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    Wenn ich es denn irgendwann in den nächsten Jahren einmal schaffen werde, endlich den "Raben" in Horben zu besuchen, muss ich wohl oder übel auch der "Wolfshöhle" wieder einen Besuch abstatten, denn dort scheint sich ja seit meinem letzten Besuch (bei dem ich die Küchenleistung knapp unter der Sternegrenze gesehen hatte) einiges getan zu haben...

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  • Tobler
    antwortet
    Um es gleich vorwegzunehmen: In diesem Jahr muss er einfach kommen, der Michelin-Stern für die „Wolfshöhle“. Was wir jüngst bei Sascha Weiß und seiner Frau Manuela, der geborenen Gastgeberin, erlebt haben, macht diese Prognose schlichtweg zwingend. Viele sagen schon jetzt, man esse in Freiburg nirgendwo besser als in diesem Restaurant, womit sogar die altehrwürdige „Zirbelstube“ im Colombi mit ihrem gediegenen französisch-klassischen Stil überholt worden wäre. Da ist vielleicht etwas dran...

    Begeistert hat uns ein sechsgängiges Überraschungsmenü, das wie folgt aussah:

    Das

    Kürbis-Aprikosenkompott mit Haselnusscracker

    (hieß es so?) war als Amuse und für sich genommen zwar noch etwas belanglos, doch bereits mit dem "Thema des Abends", nämlich einer gewissen Säurenote, versehen.

    Gänseleber mit Cassis und Brioche

    Ausgesprochen klassisch, in dieser Form aber gelungen: die Foie gras als kapitales Stück in natürlich erstklassiger Qualität, darin Cassiscreme in einer runden Vertiefung eingelassen, serviert auf einem „Nobelvesperbrett“, das Brioche gereicht in einer Vespertüte – ein augenzwinkerndes, vor allem aber geschmackliches Vergnügen, das den roten Faden des Menüs, nämlich die Säurenote (die noch diskutiert werden sollte), bereits erkennbar aufwies.

    Wir baten um Weinbegleitung und um eine reduzierte Schlagzahl, um auch das Ende des Menüs noch bei wachen Sinnen erleben zu können. Man macht ja so seine Erfahrungen...

    Der

    2010 Gewürztraminer Grand Cru Steinrubler, Albert Mann, Wettolsheim/Elsass

    erwies sich als eine genau richtige, weil endlich einmal nicht zu süße Begleitung.

    Adlerfisch, Vongole Veraci und Fenchelbrandade

    war schon gleich ein Highlight: dieser uns noch gar nicht gut bekannte Fisch könnte zu einem neuen Favoriten werden, idealerweise so, wie ihn Sascha Weiß zubereitet, nämlich mit einer unwiderstehlich krossen Haut und dem darunter glasig-zarten Fleisch – die reine Wonne. Herrlich dazu die ebenfalls butterzarten Muscheln und die Fenchelbrandade als geschmacklicher Säure-Kick.

    Der

    2011 Weißburgunder „GC“, Barrique, Martin Wassmer, Bad Krozingen / Markgräflerland

    ist ein Wein, den wir uns merken werden. Auch diese Wahl zu diesem Gericht erwies sich als perfekt, denn er setzte dem säuerlichen Gericht etwas Holz entgegen – und schaffte so eine überraschende Verbindung, die uns sehr gefiel.

    Steinpilzstrudel mit Nussbutterschaum und Balsamicofeigen

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ID: 49124

    war ein herrliches Zwischengericht, besonders erfreulich anzusehen und aromatisch intensiv – just nach Durchdringung des herrlichen Nussbutterschaums und der Öffnung des Mäntelchens strömte uns herrlicher Steinpilzduft bzw. purzelten uns Steinpilzstückchen entgegen. Die Balsamicofeigen bildeten dazu einen überlegt gesetzten Kontrapunkt. Wunderbar. Und ohne Zweifel erotisch anmutend!

    Und noch ein Highlight:

    Heilbuttscheiben im Escabechesud mit weißen Bohnen

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    Die Scheiben hatten fast carpaccioartigen Charakter und machten ein tolles Mundgefühl. Weiße Bohnen freuen mich in der Regel eher nicht – zu diesem Gericht passten sie aber absolut, denn Zartes und gelungen Rustikales paarte sich hier. Erneut – für mich – überzeugend: die Säure des Escabechesuds. Doch spätestens jetzt werden Sie sagen: Nun muss ja mal gut sein mit der Säure. Das fand meine Frau ebenfalls und meldete dies Herrn Weiß am Ende des Menüs auch zurück. Er nahm diesen Hinweis sehr souverän und nachdenklich an, was uns beeindruckt hat.
    Ich selbst interpretierte diese Note in den meisten Gängen als durchgängiges Thema – könnte aber verstehen, dass es einem auch zu viel werden konnte, wenn man es generell mit der Säure nicht so hat, obschon im Einzelnen kompositorisch stets nachvollziehbar. So ungefähr ging es meiner Frau.

    Zu beiden Gerichten gab es einen

    2011 Blanc de Noir von Spätburgundertrauben, Freiherr von Gleichenstein, Oberrotweil/Kaiserstuhl,

    einem Weingut, das wir immer mehr zu schätzen wissen.

    Als Wachmacher war vermutlich das

    Mirabellensorbet & Brand von Fridolin Baumgartner

    gedacht. Letzterer konnte nach Gutdünken aus der Pipette auf das Sorbet geträufelt werden. Dieses kam geschmacklich eher zurückhaltend daher, machte also vielleicht nicht so sehr wach, sondern den Gaumen eher freundlich und sensibel für den Fleischgang:

    Rinderhüfte und gebratenes Tartar, braisierter Romanasalat, geräuchertes Püree und Eigelb
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    Eine erneut ausgesprochen gelungene Komposition. Manche Teile davon sind Bistro-Klassiker, die jedoch abgewandelt wurden, etwa das Tartar, das gebraten serviert wurde – eine eigentlich logische Idee, die neue Geschmacksnoten gegenüber der rohen Version lieferte. Das Fleisch war wunderbar, das geräucherte Püree ein guter Einfall, der braisierte Romanasalat lieferte leichte Bitternoten. Meine Frau lobte den Gang als das „erste säurefreie Gericht“ des Menüs... So konnte man es auch sehen.

    Der

    2008 Lemberger, Zalwander, Köndringen/Breisgau

    gehört auch im trauten Heim zu unseren Lieblingen und war zu diesem Gericht eine entsprechend erfreuliche Wahl. Man hätte sich auch einen etwas leichteren Tropfen dazu vorstellen können, doch die fruchtige Note des Lemberger, einer meiner Lieblingsrebsorten, erwies sich als überraschende Ergänzung. Also auch für diese Weinwahl: Chapeau!

    Mit der

    Käsevariation

    waren wir sehr zufrieden, doch das

    PralinenParfait mit Aprikose (siehe Abbildung)
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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    gefiel mir – wohl gemerkt einem den Desserts eher abholden Menschen – noch einmal besonders gut. Ein zartes, handwerklich schön gearbeitetes Gebilde wartete mit einer feinen Süße auf – ein richtiggehend charmanter Abschluss.

    Fazit: Sascha Weiß hat seine Gerichte nicht nur merklich und mit erkennbarer Ambition weiterentwickelt, sondern sein Stil wirkt beinahe, als hätte er sich noch einmal neu erfunden. Er mag sich sonst noch so bescheiden geben - was ihn freilich ehrt -, doch der Ehrgeiz ist seinen Kreationen dennoch anzumerken. Gut so! Der Michelin-Stern wäre folglich der längst verdiente Lohn für eine enorme Steigerung über die Jahre. Wir haben ein rundum beglückendes Menü und überhaupt einen schönen Abend genossen (Säurenoten hin oder her), umsorgt von den ausgesprochen charmanten Servicedamen – und nicht zuletzt von Manuela Weiß, der Patronne par excellence, flink, temperamentvoll, gerne augenzwinkernd-frech, durchaus auch einfühlsam und in jedweder Hinsicht souverän. Thumbs up!
    Zuletzt geändert von Tobler; 17.09.2014, 21:42.

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  • Mohnkalb
    antwortet
    Zitat von calvados* Beitrag anzeigen
    Es ist hierbei auch stets zu bedenken, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, mit unserer ehrenamtlichen Testtätigkeit die Hoch- und Sternegastronomie, die in der Regel ohnehin boomt, auch noch kostenlos zu unterstützen.
    Dieses Kriterium leuchtet mir nicht ein. Erstens wird doch gerade in der Sternegastronomie nicht die große Kohle gescheffelt, zweitens unterstützt man ja, wenn nicht die "Hochgastronomie", dann eben kostenlos irgendeine Niedriggastronomie. Aber warum soll das besser sein?? Auch eine regionale Weinauswahl finde ich kein "Muss", auch wenn sie natürlich im Einzelfall gut sein kann. Solche Kriterien signalisieren mir tendenziell zuviel Dogmatismus und Genussfeindlichkeit, oder übersehe ich da was?

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  • calvados*
    antwortet
    Noch einmal zur Klarstellung:
    Was passt nach meiner Meinung nicht. Da ist
    1. die Preisgestaltung
    2. Die Weinauswahl, man ist in der Weinregion Baden und bekommt Weine aus der Pfalz und Frankreich.
    3.Eigentlich das wichtigste Argument, ich zitiere aus den Kriterien

    Es ist hierbei auch stets zu bedenken, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, mit unserer ehrenamtlichen Testtätigkeit die Hoch- und Sternegastronomie, die in der Regel ohnehin boomt, auch noch kostenlos zu unterstützen.

    Die Wolfshöhle hat 16 Punkte im GM und dürfte danach nicht aufgenommen werden. Ich mochte aber betonen, dass ich persönlich diese Meinung nicht vertrete.
    calvados*

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  • calvados*
    antwortet
    Genussführerkommission: Slow Food Deutschland ist in verschiedene Conviviums aufgeteilt. In einem dieser Conviviums arbeite ich seit einiger Zeit mit. Diese testen und bewerten Restaurants und Gaststätten nach nachfolgenden Kriterien.

    Kriterien für die Aufnahme in den Genussführer Slow Food.
    Auf der Speisekarte finden sich traditionelle Gerichte aus der Region oder kreative Modernisierungen davon - In der Küche werden frische, saisonale Rohstoffe aus der Region verwandt, die Herkunft ist nachvollziehbar - Hier ist das Essen ein Genuss, alles wird frisch zubereitet, auf Fertigprodukte wird verzichtet - Die Küche garantiert, dass auf künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe verzichtet wird - Die Prinzipien von gut, sauber und fair werden hier offensichtlich umgesetzt. Dies zeigt sich nicht nur an der Qualität der Speisen, sondern auch am Umgang mit Personal und an der Preisgestaltung.

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  • glauer
    antwortet
    Zitat von calvados* Beitrag anzeigen
    Diese tumme Anwort ist eines glauer eigentlich nicht würdig.
    Mag sein. Aber eine Kriterienkommission in einem Satz, bzw sogar einem Wort, mit Genuss? Und im speziellen Falle, welche Kriterienverstöße waren es denn die nach der roten Karte verlangen?

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    So richtig, werter calva, verstehe ich diesen Satz auch nicht. Zunächst bleibt etwas unklar, was Sie sehr gut kennen; die Kriterien oder (nach den Regeln des Satzbaus) die Genussführerkommission.
    Aber wer oder was ist eigentlich die "Genussführerkommission"?

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  • calvados*
    antwortet
    Diese tumme Anwort ist eines glauer eigentlich nicht würdig.

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