Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Casala*, Meersburg

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Muck
    antwortet
    Langsam beginnt die touristisch heiße Phase hier am Bodensee und ich möchte mal wieder ein kleines Update posten, falls jemand noch kulinarische Tipps braucht für den Urlaub am See. Ich habe jetzt mit dem Casala alle besternten Restaurants hier besucht. Das Restaurant liegt direkt an der Seestraße in Meersburg gegenüber der Therme. Das Restaurant ist mit einem Stern im Guide und 17 Punkten im Gault Millau bewertet. Ich wählte das Menü in 5 Gängen zu 135€.

    Wir saßen auf der Terrasse mit leicht verbautem Blick über den See und begannen den Abend mit einigen Amuses, wie Tomate mit Pulpo, asiatische Schweinebauchröllchen und Blumenkohlschaum mit Kaviar. Das war alles in Ordnung und zu einem leichten Müller-Thurgau aus der Region auch kulinarisch interessant, weiter in Erinnerung blieb das aber nicht.

    Weiter ging es mit sehr gutem hausgebackenem Brot und einem Amuse aus Kressecreme und Ziegenkäsepraline, was weniger ein Gericht, als ein guter Aufstrich für das Brot darstellte.

    Danach kam der erste und bei weitem schlechteste Gang des Abends mit der Hofente, Kiku, Kefir und Waldmeister in Form geräucherter Entenbrust, einer Entenleberterrine und einem Macaron mit Leberfüllung. Begleitet wurde das von einigen Tupfern Waldmeisterdip und Äpfeln. Die geräucherte Entebrust war in Ordnung, die Terrine aber fast frei vom Geschmack der Leber, sprich deutlich zu lieblich abgeschmeckt. Der Waldmeister schmeckte auch viel zu intensiv, wie man es in Form des Wackelpuddings kennt und auch der Apfel gab eine alles überdeckende Süße dazu. Für Gäste, die keine Enten(-leber) mögen ist das sicher ein gutes Gericht.

    Das bis zu diesem Zeiptunkt kulinarisch beste ist das Brot, sowie der wunderbare Chardonnay von Bernhard Huber aus 2013, der einen tollen Schmelz, kühle Früchte, Minerälität und eine tolle Länge mitbringt. Ein schöner Wein!

    Dann geht es weiter mit Wolfsbarsch, Togarashi, Froschschenkel und Lotuswurzel und der Genuss steigert sich. Der Fisch war wunderbar gegart und von guter Qualität. Die Froschschenkel bekamen durch eine asiatische Soße eine schöne exotik, einzig für die Lotuswurzel kann ich mich wenig begeistern. In 30 km Luftlinie auf der Insel Reichenau wachsen momentan Gemüse in allerbester Qualität. Fast mit etwas Wehmut versuchte ich auf die Insel auf der anderen Seite des Sees zu schauen. Ansonsten war das aber in durchaus schöner Gang.

    Es folgten zwei prächtige Filets vom Bodenseefelchen mit Erbse, Speck und Champagnerzwiebel. Der Fisch, der geschmacklich dezenter als der Wolfsbarsch daher kommt war wieder von sehr guter Qualität, die Erbsen dazu als Püree auch schmackhaft, die Zwiebeln steuerten eine angenehme Frische bei. Das war ein durchaus leckerer Gang mit einem tollen Hauptprotagonisten, einzig hätte ich diesen Gang vor dem Wolfsbarsch serviert. Zu diesem Gang spielte auch der Chardonnay seine Stärke aus!

    Als Hauptgang gab es ein Duett vom Lamm mit Bärlauch, Gerste und Annatto. Das Lamm kam sowohl als Filet mit Bärlauchkruste, als auch geschmort daher. Die Gerste als Risotto empfand ich als etwas langweilig, den Lammjus hingegen als große Klasse. Das war eine wunderbare Reduktion mit schöner tiefe. In Summe war das ein klassischer, befreidigender Hauptgang. Der dazu servierte Angelucci Montepulciano war eine echte Fruchtbombe, die das Lamm gut abkonnte. Solo getrunken ist der Wein aber keine echte Freude.

    Großartig war das Dessert von Rhabarber, Dulce de leche, Brennessel und Hafer. Ein Törchten aus all den gennanten Zutaten wurde begleitet von säuerlichem Rhabarber, Hafermüsli, sowie einem Brennesselsorbet, das so wunderbar Frische mit Kräutrigkeit verbunden hat, wie ich es selten erlebt hatte. Das war ein absolutes Highlight!

    Auch die Petits Fours bereiteten große Fraude, vor allem das Hanftörtchten und der kleine dekonstruierte Butterkuchen waren toll.

    In Summe war das ein schöner Abend mit einigen Aufs und Abs. Die Produktqualitäten, vor allem bei den Fischen war sehr gut, teilweise waren mir die Kombinationen aber zu brav. Der Entengang viel für mich vollkommen raus und war ein kleine Enttäuschung. Als wirklich großartig empfand ich die Patisserie, die meiner Meinung nach mit der des zweifach besternten Ophelia in Konstanz durchaus mithalten kann. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum der Gault Millau das Ophelia und das Casala mit jeweils 17 Punkten bewertet. Ich sehe das Casala etwa auf Höhe des Villino in Lindau (vielleicht sogar ein Stück darunter), welches auch mit einem Stern bewertet ist.

    M

    Einen Kommentar schreiben:


  • Schmackofatz
    antwortet
    Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht.
    Freut mich sehr mal was über Meersburg zu lesen.


    Gruß!
    Werter fragolini, das möchte ich ganz deutlich unterschreiben!

    Vielen Dank liebes Mohnkalb ...


    Mkg!

    Einen Kommentar schreiben:


  • fragolini
    antwortet
    Danke für den Bericht.
    Freut mich sehr mal was über Meersburg zu lesen.


    Gruß!

    Einen Kommentar schreiben:


  • Morchel
    antwortet
    Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen

    …und bringt mich nebenher zu einer grundsätzlicheren Klage: Die Spitzenküche traut sich oft leider immer noch zu wenig, auf Gemüse als ordentliches Grundprodukt zu setzen! Vielfach wird es bloß als dekoratives Schäumchen oder sogar wie in diesem Hummergericht frittiert aufgetischt. Der Fenchel schmeckte nach dem Frittieren jedenfalls kein bischen mehr nach Fenchel und taugte bloß noch als Deko.
    Ihre "Klage" kann ich gut nachvollziehen. Wobei sich aber schon - meinem Eindruck nach - bei einigen Restaurants diesbezüglich etwas getan hat. Aber es sind halt doch noch zu wenige. Gänseleber gibt es fast überall, "ausgefeiltes" Gemüse vermutlich deutlich seltener.

    M.

    PS: Ach ja, und danke für den Bericht.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Mohnkalb
    hat ein Thema erstellt Casala*, Meersburg.

    Casala*, Meersburg

    Casala (*, 8 Gusto, 17 GM)

    In der ersten Etage der Residenz am See sitzt man gediegen, vom Platz aus kann man sogar ein wenig über den Bodensee schauen. Hier kocht Markus Philippi, der sein Handwerk bei Wohlfahrt und V. Klink gelernt hat. Der Service im sehr schönen, modern eingerichteten Gastraum ist äußerst aufmerksam, verbindet jedes Wasser-Nachschenken gleich mit einem Gläserwechsel und pflegt auch, sobald ein Gast zum Tisch zurückkehrt, das (für mich entbehrliche) Ritual des Stuhlzurechtrückens.

    Sommelier Jens Leutelt weiß Interessantes zu berichten, besonders angetan haben es ihm dabei die Württemberger Weine. Die Weinkarte bietet denn auch Lokales aus Meersburg und Hagnau und bietet insgesamt eine gute Auswahl zu günstigen Preisen. (Wir entschieden uns jedoch für die Weinbegleitung - was wir hinterher ein wenig bereuten, da uns einige Begleitweine nicht präzise genug auf die Gerichte abgestimmt zu sein schienen. So fanden wir den Portwein zu schwach, um dem kräftig süß-salzigen Dessert Paroli zu bieten. Und Ähnliches galt für den hauseigenen Weißburgunder, während die an sich schönen, „knalligen“ Grau- und Spätburgunder jeweils eine plakative Note hatten, die als solche mit den Gerichten nicht ganz perfekt harmonierte.)

    Ein kleines Feuerwerk von Snacks und Amuse gueules eröffnete das Menü. Knackige Salzmandeln, ein Waffelhörnchen mit Kaviar, ein kräftiger Currysuppen-Shot und ein Felafel auf Minzjoghurt (den man in dieser Kichererbseneindeutigkeit vielleicht eher als nostalgischen 36Boys-Snack bei Tim Raue erwarten würde). Die eigentlichen Grüße waren köstlich. Ein Wachtelei auf Kalbskopf-Crostini in einem Mockturtlegelee, sowie eine frittierte Sardine auf Auberginenmus und Safran-Aioli.

    Erster Gang: Variationen von der Gänseleber, serviert im klassischen vierteiligen Glasteller. Angebraten mit Jus, als Törtchen mit Portweingelee, mit Schokolade und Kirsche und in sehr gelungener Kombination mit Erdnusscreme. Die Aromen fand ich sehr schön austariert, mein persönliches Lieblingsgericht des Abends. Zweiter Gang: Felsensteinbutt in einer Schnittlauchcreme mit Kaviar. Eine gefällige Kombination, die nicht „aneckt“, handwerklich top. Dritter Gang: Hummer auf einer bunten Flach-Nudel, dazu frittierter Fenchel, Chorizoscheibchen und Chorizomousse. Dieses Gericht war vor allem farblich (rot-gelb-grün) hübsch anzuschauen. Die Chorizomousse setzte ein deutliches Gegengewicht zum Hummer, ansonsten aber war das Ganze geschmacklich etwas fade…

    …und bringt mich nebenher zu einer grundsätzlicheren Klage: Die Spitzenküche traut sich oft leider immer noch zu wenig, auf Gemüse als ordentliches Grundprodukt zu setzen! Vielfach wird es bloß als dekoratives Schäumchen oder sogar wie in diesem Hummergericht frittiert aufgetischt. Der Fenchel schmeckte nach dem Frittieren jedenfalls kein bischen mehr nach Fenchel und taugte bloß noch als Deko.

    Als Hauptgang gab es ein sehr gutes Rinderfilet „Stroganoff“, das „dekonstruiert“ auf den Tisch kam. Auf einer Tellerhälfte gab es das Filet mit einer körnigen Sauce von Roter Bete, auf der anderen Hälfte waren Mini-Gürkchen, Silberzwiebeln, Speckstreifen, Champignons und ein Kartoffelpüreetürmchen aufgereiht. Eine sehr schöne Idee und sehr lecker. Überhaupt zeigte sich am Hauptgang besonders deutlich, dass die Küche mit ihrer geschmacklichen Feinabstimmung und Kreativität durchaus das Potential für einen zweiten Stern hat, wenn es ihr nur gelänge, etwas eigenständiger zu werden und sich aus dem konzeptionellen Klammergriff von Hummer, Kaviar & Co zu lösen.

    Wunderbares Dessert: Schokolade, Himbeere und Tomate als zierliches Türmchen mit Schokoladenmousse, dazu ein wirklich köstlicher Degustationslöffel mit Himbeere und Cherrytomate. Ein ansprechender Abschluss des Menüs mit kräftigen süß-salzig Noten. Es folgten noch eine Reihe einfallsreicher Petit Fours, sowie eine Auswahl sehr guter hausgemachter Schokoladen, die am Tisch vom Patissier Alexandra Lang selbst serviert wurden.

    Fazit: Die Küche ist vielleicht noch einen Tick zu gefällig, zeigte sich aber in wirklicher Hochform. Wir hatten jedenfalls einen wunderbaren Abend voller köstlicher und optischer Reize! (PLV: 5 Gänge / 102,-)


    Grüße, Mohnkalb
Lädt...
X