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Gasthof zum Roten Ochsen (Heidelberg)

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  • Gasthof zum Roten Ochsen (Heidelberg)

    Nach langer Restaurantabstinenz melde ich mich mal wieder zurück. Ohne Sterneglanz, dafür aber urig und kultig.

    Bilder gibt es im Artikel in der Kategorie "Restaurants". Man muss aber tatsächlich selbst dagewesen sein, um dieses Ambiente voll aufnehmen zu können.

    http://budisfoodblog.wordpress.com/c...y/restaurants/

    Mitten in Heidelberg an der Hauptstraße findet man ein rotes Häuschen dessen Fassade von einem roten Ochsen mit goldenen Hörnern geziert wird.

    Direkt unter dem Schild steht geschrieben: historisches Studentenlokal.

    Seit mehr als 170 Jahren wird in diesem Hause gekocht und bewirtet. Das alles geschieht im Namen der Familie Spengel.



    Im Gasthof „Zum Roten Ochsen“ bekommt man eine urdeutsche Küche. Einfache aber schmackhafte Gerichte zieren die Karte und bedienen den hungrigen Gast mit Gerichten, die zwar jedem bekannt sind, nur gar nicht mehr so oft anzufinden sind.

    Das sind Gerichte wie das „Matjesfilet nach Hausfrauenart mit Kartoffeln“, „Badisches Schäufele“, „Linsen mit Spätzle“ oder „Kümmelbraten vom Schweinenacken in Dunkelbiersoße“ und ewige Klassiker wie das „Cordon Bleu“.

    In den Wintermonaten wird dann auch die Sehnsucht nach Kindheitsbesuchen bei der Oma gestillt, wenn Grünkohl mit Pinkelwürsten und Kasseler aufgetischt wird. Noch rustikaler wird es dann im Februar mit der Schlachtfestwoche, wo Blut-
    und Leberwürste, Wellfleisch und Erbsenpüree mit einem Obstler zum Ende des Mahls angereichert werden.



    Mit Philipp Stengel, dem Inhaber und Chefkoch des Gasthofes wurde die Küche ein wenig entfettet, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Nun ist die Karte noch um weitere gelungene Gerichte, wie den „Odenwälder Mostbraten mit Kartoffelknödeln und Apfelrotkohl“ verfeinert worden.

    Die nötige Kompetenz um solch simple Gerichte, die gerade wegen ihrer Einfachheit doch so schwer zum Strahlen zu bringen sind, charaktervoll zuzubereiten, ist mit P. Stengel nun auch gesichert. Er hat Stationen wie das „Kempinski“ oder den „Bayerischen Hof“ in München absolviert.



    All dies wäre nur halb so interessant, wenn da nicht diese urigen museal anmutenden Gasträume wären. Betritt man das Lokal, so erhält man Eintritt in eine vergangene Wirtsgeschichte. Die Einrichtung hat ähnlichen Kultcharakter wie das „Café Hawelka“.

    Schweres dunkles Holz, abgewetze Tische und Bänke statten die Räumlichkeiten aus. Die Wände sind zugepflastert mit alten gerahmten Fotos und Bildern, alte Gästebücher und Krüge lassen die Traditionsgeschichte dieses Hauses erahnen. Dann findet man noch zahlreiche Sprüche, die in die Holzverkleidungen der Wände und in die Tische geritzt sind. Ab und zu wird dann noch auf einem alten Klavier gespielt und das Bier fließt aus abgewetzten Krügen. Die Apfelschorle wird aus rundpolierten Gläsern getrunken und die Gerichte auf verzierten Tellern angerichtet.

    Das dies natürlich viele Touristen anzieht ist klar – nur befinden wir uns ohnehin in Heidelberg, also was erwarten wir? Unterm Strich ist dies nur eine Randnotiz, denn das schmälert den Besuch nicht im geringsten. Es könnte eigentlich sogar noch ein wenig lauter gewesen sein.



    Familie Spengel
    Hauptstraße 217 (Am Karlsplatz)
    69117 Heidelberg

  • #2
    Danke für diesen urigen Bericht, der sich gefühlt allerdings doch eher am Rande einer Empfehlung bewegt. "Abgewetzt" scheint hier noch das höchste Lob zu sein. Aber wie Sie ja so schön in Ihrem Fazit zusammenfassen:

    Zitat von Budi Beitrag anzeigen
    nur befinden wir uns ohnehin in Heidelberg, also was erwarten wir?


    Grüße, mk

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    • #3
      Ja ich habe auch überlegt ob ich auf die Zubereitung und Qualität des Essens näher eingehen soll. Doch dann dachte ich mir, dass in diesem Fall das Gesamtkonzept ausschlaggebend ist und vor allem das Gefühl oder die Sehnsucht, welche dieses Restaurant weckt über der Zubereitung der Speisen, welche völlig ok aber nicht herausragend waren, steht.

      Wer also in Heidelberg ist und sich hiernach sehnt, soll gerne eintreten. Ich habe es nicht bereut.

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      • #4
        Hatten Sie denn Gelegenheit, im neuen Simplicissimus vorbeizugehen? Unter Fam. Lummer für mich eine feste und verlässliche Größe in Heidelberg, konservativ aber lustspendend.

        Empfehlenswert in der Altstadt auch das St. Florian; probieren Sie die herrlich mampfigen Schinkennudeln, das Wurstebrot mit Wein und lassen sich von dem kautzigen Wirt ins seinem kleinen Lokal mustern; zu bewundern ist außerdem ein Heidelberger Verlegerurgestein, welches dort allabendlich am Kachelofen Rotwein und Käse zu sich nimmt.

        Viele Grüße
        Besseresser

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        • #5
          Leider nicht - der Restaurantbesuch war eher eine spontante Entscheidung während des Heidelbergbesuches.
          Habe mir mal die Homepage angeschaut - sieht gut aus. Außerdem wird mit Krug Champagner geworben, dann kann es ja gar nicht so anspruchslos sein ;-)

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          • #6
            Zitat von Budi Beitrag anzeigen
            Im Gasthof „Zum Roten Ochsen“ bekommt man eine urdeutsche Küche. (...) Das sind Gerichte wie das „Matjesfilet nach Hausfrauenart mit Kartoffeln“, „Badisches Schäufele“, „Linsen mit Spätzle“ oder „Kümmelbraten vom Schweinenacken in Dunkelbiersoße“ und ewige Klassiker wie das „Cordon Bleu“.
            Doch noch kurz ein Wort zur "urdeutschen Küche", werter Budi. Man vergisst schnell, wie vergleichsweise jung viele "Klassiker" sind (und ich meine nicht Fälle wie das italienische Tiramisu, das ja z.B. erst um 1960 entstand). Wer etwa aß in Deutschland zu Bachs Zeiten (und wenn man dessen Musik hört, kommt es einem ja nicht so vor, als lägen diese Zeiten besonders weit zurück) schon Kartoffeln? Es gab damals hierzulande auch keine Tomaten. Die Liste ließe sich verlängern. Im Übrigen gab es im 19. Jhd. in Deutschland (und ebenso in Italien) aus verständlichen Gründen auch keine Nationalküche wie etwa in Frankreich. Wir haben es also eher mit regionalen Klassikern zu tun. Linsen und Spätzle sind übrigens noch heute in der niedersächsischen Provinz vollkommen unbekannt, vom badischen Schäufele ganz zu schweigen. (Ende der Vorlesung )

            Grüße, Mohnkalb

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            • #7
              Stimmt auch wieder!
              Hier verwende ich den Begriff ja auch nicht, nennen wir es in einem "wissenschaftlichen Sinne".

              Selbiges gilt ja auch für die vielzitierte "gutbürgerliche Küche" über die sich besonders Herr Siebeck so grandios aufregen kann, das die Bezeichnung zwar heute weitgehend positiv aufgenommen wird, jedoch tatsächlich alles andere als ein Lob an die Küche ist.

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