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Zirbelstube* im Hotel Colombi, Freiburg

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  • #16
    Zitat von Max.Vanderveer Beitrag anzeigen
    Zu 2, niemand hat mir etwas angetan.
    Das ist schön. Aber auf die Idee konnte man schon kommen.

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    • #17
      Wenn man, wie ich, schon so lange vor den Toren Freiburgs lebt und kulinarisch interessiert ist, darf man gar nicht laut sagen, dass man die „Zirbelstube“ im Hotel Colombi noch nicht besucht hat. Nun wurde diesem Missstand abgeholfen – wir waren endlich dort. Gleichwohl hat seit Sommer 2014 Christoph Fischer die Hauptverantwortung am Herd, nachdem sein Lehrmeister Alfred Klink schon seit 1983 einen Stern und fast immer 17 GMP für das noble Haus erkocht hatte und diesem nach wie vor beratend zur Seite steht. Rückkehrer Fischer, zuvor schon selbst mit einem Michelin-Stern dekoriert, legt nach eigener Aussage Wert auf Nachhaltigkeit (artgerechte Tierhaltung, regionale Produkte). Wir waren also gespannt, inwiefern er den Klink’schen Stil (französische Klassik) mit dieser Attitüde fortsetzen, weiterentwickeln oder auch eigene Akzente setzen würde. Wir erwarteten zumindest eine Mischform, denn der Einsatz von Gänsestopfleber (artgerechte Haltung?) und Périgord-Trüffeln (regionale Produkte?) verträgt sich mit Fischers Credo eigentlich nicht. Aber im kulinarischen Aushängeschild eines 5-Sterne-Hotels wie dem „Colombi“ muss man da wohl Kompromisse machen.

      Der letzte Bericht zur „Zirbelstube“ in diesem Forum liegt drei Jahre zurück. Hier nun das Update.

      Wir wählten das sechsgängige Menu du Chef zu € 125 pro Person und baten um eine glasweise Weinbegleitung. Einen Aperitif mussten wir dem Herrn vom Service abnötigen und schlugen ihm zum Winzersekt eine Pfirsicharomatisierung vor. Daraus wurde immerhin ein erfrischender Einstieg, der sich auch zu den Amuse bouches trinken ließ:



      Terrine von Edelfischen, Tatar vom Lachs, Délice von der Gänseleber

      Alles war handwerklich solide, aber auch recht konventionell und geschmacklich, sagen wir: zurückhaltend. Zu kalt und zu fest außerdem: die Terrine. Die unvermeidliche Wasabicrème dazu konnte man als ein zumindest ansatzweise „modernes“ Detail anerkennen.

      Zwischenbemerkung Nr. 1: Der erste Eindruck deutet den kaum überraschenden Gesamteindruck an: hier bevorzugt man das Bewährte, Risikolose. Auch die geriffelten Glasteller stehen dafür: wir bleiben in den 90ern – und so scheint es dem Stammgast zu gefallen.

      Der erste Gang sollte schon gleich der erfreulichste des Abends werden:



      Délice und Croustillant von Wilder Tiger Garnele mit Mangochutney, Zitronencrème, Koriander und Currymayonnaise

      Ein Wohlfühlgericht, nun aber im besten Sinne. Uns gefiel das Spiel mit den Texturen, mal kross, mal schaumig, mal fest und doch zart, sowie der aromatische Akkord. Chutney und Mayonnaise waren als geschmackliche Bereicherung genau richtig eingesetzt.

      Gefällig auch der darauf folgende Gang:



      Handgetauchte Jakobsmuschel mit zweierlei Topinambur, schwarzem Wintertrüffel und leichtem Arganölschaum

      Die optische Zurückgenommenheit der Kreation fanden wir gut; geschmacklich war sie – man muss es so sagen – eben nicht mehr als harmonisch. Christoph Fischer setzte auch hier auf „Wohlfühlküche“, an der man keinen Anstoß nehmen kann, deren Gerichte man aber auch nicht lange in Erinnerung behält, weil sie dem geneigten Gast kaum ein „Ah“ oder „Oh“ entlocken wollen. So will man es wohl in der „Zirbelstube“.

      Die Weinbegleitung zu den beiden ersten Gängen:

      Sasbacher Silvaner 2014

      Leider kam dieser Wein zunächst zu warm ins Glas und dann jeweils nicht mehr, obwohl die Gerichte bereits auf dem Tisch standen. Wir mussten den Service also ums Einschenken bitten, das dann – entgegen unserer eindeutigen Geste (gehobene Hand) und einem „Dankeschön“ (in der Regel für jede Servicekraft verständlich) – geflissentlich ignoriert wurde. So ließen wir manches Glas unausgetrunken stehen, weil man unserer Bitte um „weniger“ einfach nicht Rechnung tragen wollte. Seltsam.



      Gebratene Gänseleber mit Selleriechutney, glaciertem Kardamomapfel und Kaffeekaramell

      klang schon beim Lesen verlockend und konnte als Stellvertretergericht für die Klassik, die Herr Fischer weiterhin pflegt, gelten. Die Foie gras fanden wir perfekt gebraten und gewürzt. Die Aromen – besonders das Chutney in Kombination mit dem Karamell – spielten schön zusammen. Das war in Ordnung, auch wenn es längst innovativere Formen gibt, dieses Produkt zu verarbeiten.

      Der

      Traminer 2014 von Alexander Laible, Durbach

      entsprach der Bitte um eine nicht zu süße Begleitung nur beinahe. Die Restsüße dieses Tropfens war grenzwertig, doch bot er zumindest eine überraschend große Komplexität.



      Knusprig gebratenes Heilbuttfilet mit Acquarello Risotto Nero und Bouillabaissefumet

      machte uns ob seiner ausgesprochenen Aromenarmut ratlos. Besonders das Risotto war eine Enttäuschung, denn es hatte den Papillen einfach nichts zu bieten. Um es schlicht und klar zu sagen: dem Gericht fehlte mindestens Salz und Säure. Letztere steuerte allenfalls eine geschmolzene Tomate unter der Haut des Fisches bei, die diesen Gang aber auch nicht zu retten vermochte. Wir grüßten in diesem Fall die Küche – mit freundlich-kritischen Worten.

      Ein Trost, der

      Grauer Burgunder No. 5 2014, Laufener Altenberg

      Ein interessanter, weil geschmacklich prägnanter Wein. Doch wieder der running gag des Abends, auch wenn wir den nicht besonders komisch fanden: zuerst gab es keinen Wein, bis wir darum baten. Und dann erneut: meine Frau hebt die Hand, als ihr die eingeschenkte Menge genügt – der Mann vom Service gießt ungerührt weiter ein. Einem weniger schüchternen bis wortkargen Service wäre das wohl nicht passiert, denn er hätte auf Kommunikation gesetzt, die wir ausgesprochen schätzen.

      Zwischenbemerkung Nr. 2: So gediegen es in der „Zirbelstube“ zugehen mag, so freudlos-routiniert wirkte zumindest unser Herr vom Service. Der Gast wird bedient; mit ihm auch in Kontakt zu kommen, vielleicht gar auf charmant-humorvolle Weise, wie wir es andernorts schon so oft erlebt haben, scheint aber nicht auf dem Programm zu stehen. Ein Lichtblick immerhin: die charmanten jungen Damen im folkloristischen Outfit, die aber auch nur ein Gericht annoncieren dürfen, um dann wieder zu entschweben.



      Entrecôte vom Schwarzwälder Weiderind „Strindtberg“ mit Rotweinsauce, Bohnenpizzaiola und cremiger Monté 27 Polenta

      war ein ordentlicher Hauptgang. In konzeptioneller Hinsicht nicht ganz geglückt: die Polenta wurde, als sie mehr und mehr in die Rotweinsauce geriet, grisselig, was wohl auch dem Monte-Anteil geschuldet war. Tadellos: die Fleischqualität, wohl nicht zuletzt, weil Christoph Fischer seine regionalen Bezugsquellen hat, etwa Metzger Gustav Winterhalter aus dem Elztal.

      Dazu ein

      Spätburgunder „SW“ 2011 von Martin Waßmer, Bad Krozingen

      als Weinauswahl keine Innovation, fürwahr, aber sehr gut trinkbar, durchaus auch zum Dessert.

      Zwischenbemerkung Nr. 3: Es fragt sich, warum sich das Management keinen Sommelier oder eine Sommelière leisten will. So bleibt die Weinauswahl ebenfalls gar zu konventionell. Eine solche Fachkraft mit Leidenschaft und Sachverstand wäre mal ein Schritt nach vorn!

      Zu loben: der

      Käse vom Wagen

      als Einrichtung, die es in so vielen deutschen Restaurants gehobener Klasse ja nicht mehr gibt. Restaurantleiter Günter Hilbert (seit 1978 im Haus!) tat selbst auf und dies mit leiser Freundlichkeit. Wir erfuhren zudem, dass man nicht etwa bei einem Affineur einkauft, sondern bei „Käse Rücker“ in Freiburg. Das fanden wir erfreulich.



      Topfensoufflé mit Vanille, eingelegten Blaubeeren, weißer Schokoladencrème und Haselnuss-Krokanteis

      war ebenfalls nicht mehr als ein ordentlicher Schluss, aber doch auch recht konventionell. Die wirklich fein gearbeiteten



      Friandise

      haben uns mehr zugesagt.

      Schlussbemerkung: in der „Zirbelstube“ kann man recht gut, wenn auch überraschungsfrei essen. Hier geht man keine neuen Wege, sondern setzt auf das, was schon seit Jahrzehnten zu funktionieren scheint. Jüngeres, zahlungskräftiges Publikum will man auf diese Weise vermutlich nicht anlocken. Andernfalls könnte die Inhaberfamilie Burtsche einen Thinktank gebrauchen, um, zumindest nach und nach, im 21. Jahrhundert anzukommen. Christoph Fischers Credo der Nachhaltigkeit wäre eigentlich schönes ein Beispiel dafür, doch die tauchte im Menü nur gelegentlich auf. Man kann es aber auch so sehen: in der „Zirbelstube“ kann der nostalgische Gast erleben, wie die Zeit stehen bleibt. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Nur wir mögen es eben der Gegenwart zugewandter, sei es auf dem Teller oder in Sachen Servicephilosophie. Für unser Empfinden hat die „Wolfshöhle“ in dieser Hinsicht längst die Nase vorn in Freiburg.
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      Zuletzt geändert von Tobler; 12.04.2016, 19:23.

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      • #18
        "Leider kam dieser Wein zunächst zu warm ins Glas und dann jeweils nicht mehr, obwohl die Gerichte bereits auf dem Tisch standen. Wir mussten den Service also ums Einschenken bitten ..."
        "Doch wieder der running gag des Abends, auch wenn wir den nicht besonders komisch fanden: zuerst gab es keinen Wein, bis wir darum baten."

        Einige Minuten vor dem Essen muß der Wein im Glas sein. Man hat dann noch Muße zu riechen, Glas schwenken, wieder riechen, erster Schluck ... dann kommt der Teller und nun stellt sich die Frage: wird es wohl zu einem perfekten Akkord kommen. Kann ich mich auf den Ablauf dieses Spiels nicht verlassen, geht meine Stimmung unweigerlich in den Keller. Es ist ja auch ungemein schwierig, mit dieser Situation - Ihnen werter Tobler ist das (diesmal) sehr gut gelungen - umzugehen, ohne weitere Dysphorien zu provozieren. Schon die eindeutigen und zugleich auch fordernden Anweisungen an den Sommelier, was man sich genau von ihm erhofft, tragen nicht zum harmonischen Gesamtkonzept bei; im übrigen möchte ich mich in einem Gasthaus nicht um mein Wohlergehen kümmern müssen.

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        • #19
          Sie treffen genau das Befremden, das wir an jenem Abend empfunden haben, werter Schlaraffe! Aber sagen Sie mir noch: Was versteckt sich als "diesmal" hinter Ihrem erfreulichen Lob, ich sei mit dieser Situation sehr gut umgegangen? Wissen Sie von Erlebnissen, in denen mir dies nicht geglückt sein sollte? Oder lieber via PN?

          Fragt interessiert und mit kulinarischen Grüßen

          Tobler

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          • #20
            ... und einmal mehr bleibt die Antwort aus. What else is new?!

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            • #21
              Oft habe ich meine Rede bedauert, nie mein Schweigen.

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              • #22
                Ich habe es seinerzeit ja anders als der zitierte Theaterschreiberling gehalten und von ähnlichen Service-Eindrücken, wie der geschätzte Tobler sie nun hatte, an den Iden des März MMXIV berichtet...

                MkG, S.

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                • #23
                  Nach den mir nach wie vor rätselhaften und dennoch immer wiederkehrenden Sticheleien aus dem Schlaraffenland gegen meine Person freue ich mich umso mehr über wertschätzende Äußerungen wie der Ihren, lieber Sphérico.

                  KG

                  Tobler
                  Zuletzt geändert von Tobler; 18.04.2016, 14:50.

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                  • #24
                    Ich möchte doch alle beteiligten Herren bitten, auf das Verteilen von Sticheleien zu verzichten und beim Empfang von Sticheleien gelassen zu bleiben. Vielen Dank!

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                    • #25
                      Das will ich gerne beherzigen. Schließlich liegt mir an nichts mehr, als hier ein Forumsmitglied aus Vergnügen zu sein – die Möglichkeit einer sachlich und offen geführten Auseinandersetzung natürlich stets eingeschlossen. Dennoch wollte ich meine Verärgerung zumindest einmal angedeutet haben, weil auch meine Geduld Grenzen kennt. Vielleicht öffnen alle beteiligten Herren ja heute Abend ein gutes Fläschchen und prosten im Geiste einander zu?! Das wäre souverän.

                      KG

                      Tobler
                      Zuletzt geändert von Tobler; 18.04.2016, 16:18.

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                      • #26
                        Werter Tobler,

                        ihre Kritik an der Zirbelstube konnte ich kaum nachvollziehen. Es stand also ein Besuch an.
                        Herr Hilbert hat seine Mitarbeiter gut im Griff. Daß es den einen oder anderen gibt, der in diesem Haus überfordert ist, läßt sich nicht in wenigen Tagen feststellen. Darf man keine Geduld mit "unfertigen" Mitarbeitern haben? So wie es aussieht nein. Denn im vorliegenden Fall hat ein einzelner Mitarbeiter den Gesamteindruck verschlechtert.
                        Bei jedem unserer Besuche wurden uns ein Aperitif angeboten. Dasselbe konnten wir auch bei den Nachbartischen feststellen. In einem großen Champagnerkühler stehen einige Flaschen zur Auswahl. Bei ihrem Besuch war der Sommelier Herr Mauerhahn anscheinend nicht im Haus. Er ist nicht zu übersehen und vielleicht der längste seine Zunft. Ein ausgewiesener Fachmann, der einen schönen Weinkeller aufgebaut hat. Man kann einen Teil davon sehen, wenn man zur Toilette geht.
                        Auch wir haben im Colombi wie in anderen Häusern schon unterschiedliche Servicemitarbeiter kennengelernt. Viele waren talentiert und werden sicher in mehrsternigen Häusern arbeiten, einige werden Probleme bekommen, sofern sie dabeibleiben.
                        Auch diesesmal gab es keinen Grund zur Klage. Wir sprechen gerne mit den Mitarbeitern und fragen oft nach dem woher, denn immer wieder sind ausländische Mitarbeiter im Service. Kommunikation geht auch vom Gast aus. Handheben ist nonverbal.
                        Freuen wir uns, daß es in Freiburg 2 ausgezeichnete Restaurants gibt, die ihre Gäste haben. Wolfshöhlegäste findet man in der Zirbelstube auch nicht zuhauf.
                        Mein Fazit, schade, daß ein Mitarbeiter das zunichte macht, was wir bei unseren Besuchen erleben durften.

                        mkG carmelo

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                        • #27
                          Zitat von carmelo Beitrag anzeigen
                          Mein Fazit, schade, daß ein Mitarbeiter das zunichte macht, was wir bei unseren Besuchen erleben durften.
                          Nein, werter carmelo, zunichte gemacht hat der Service nichts. Er hat lediglich den Gesamteindruck einer gewissen Verstaubtheit verstärkt, die unseres Erachtens auch im Küchenkonzept sichtbar war. Wie gesagt: wenn man es etwas rückwärtsgewandter mag, ist man in der "Zirbelstube" sicherlich gut aufgehoben. Wir haben aber zu viele Vergleiche, wie viel kreativer und zugewandter es in der modernen Spitzengastronomie auch zugehen kann, sei es auf dem Teller oder im Service, sodass es uns schwer fällt, die "Zirbelstube" als Leuchtturm in dieser Landschaft zu sehen. Wenn Sie andere Erfahrungen gemacht haben, will ich Ihnen diese natürlich nicht absprechen – und dennoch die auch von Ihnen angesprochene "Wolfshöhle" im direkten Vergleich ungleich viel höher einstufen, und zwar in jedweder Hinsicht. Dort jedenfalls sehe ich alles erfüllt, was ich mir unter einem perfekten Abend in einem besternten Haus vorstelle.

                          KG

                          Tobler

                          Kommentar


                          • #28
                            Lunchmenü in der „Zirbelstube“, dem seit Jahrzehnten besternten Restaurant im Hotel Colombi. Nach der Legende Alfred Klink kam eine etwas unruhige Zeit, denn Nachfolger Christoph Fischer blieb nicht lange – wegen inhaltlicher Differenzen gar? Seit gut einem Jahr nun ist Renee Rischmeyer Küchenchef, und diesen Spagat soll er schaffen: die Stammgäste erhalten, die das kulinarisch Althergebrachte fordern (bemerkenswert, wie unverhohlen kritisch sich sogar eine Servicekraft bei meinem letzten Besuch vor Monaten diesbezüglich äußerte...) Zugleich will man neuen und womöglich auch jüngeren Gästen etwas bieten. Ich wollte wissen, wie sich dieses Spannungsfeld auf dem Teller zeigt.

                            Das mittägliche Drei-Gang-Menü (Vorspeise, Hauptgang, Dessert, inklusive Amuse bouche und Friandises) wird zu ausgesprochen fairen € 35,00 angeboten. Das ist ja schon mal was.

                            Die Brotauswahl:

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_2762.jpg Ansichten: 1 Größe: 63,8 KB ID: 61053

                            Dürftig, leider auch in der Qualität. Was gibt es nicht für gebackene Köstlichkeiten in anderen Häusern... Aber so konnte man schon nicht Gefahr laufen, sich gleich satt zu essen...

                            Das Amuse

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                            Oktopusterrine mit eingelegter Gurke, Kohlrabi, Couscous

                            ließ aufhorchen – äh..., -schmecken und erwies sich im Rückblick als der noch beste Gang: die Terrine war ausgesprochen fein gearbeitet sowie zart ummantelt und schmeckte vorzüglich. Gurke und Kohlrabi setzten in aller Schlichtheit texturelle und säuerlich-frische Kontrapunkte. Ein stilles, kleines Vergnügen. (Den Glasteller als old school-Komponente verzeihen wir auch diesmal.) So hätte es weitergehen dürfen...

                            Eine Kreation wie

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_2758.jpg Ansichten: 1 Größe: 43,7 KB ID: 61055

                            Gelbflossen-Thunfisch auf Avocado, Mango und Wasabi

                            findet sich heutzutage auf geradezu inflationäre Weise auf bald jeder etwas ambitionierter erstellten Karte. Bietet man ein solches, mittlerweile fast schon konventionelles Gericht dennoch an, erwarte ich Top-Qualität und eine optisch wie geschmacklich mindestens bemerkenswerte Zubereitung. Am Thunfisch gab es tatsächlich nichts zu mäkeln. (Das wäre ja auch noch schöner gewesen!). Die übrigen Bestandteile wurden in freundlich-schlichter Manier darauf drapiert – ganz nett, aber mehr auch nicht. Am interessantesten war noch die deutliche Vanillenote, welche sich als Überraschung zwischendrin versteckt hatte, die man sich aber auch subtiler hätte vorstellen können. Um es durchaus arrogant auszudrücken: Dieser Gang wirkte, als hätte der Lehrling im ersten Jahr endlich mal ran dürfen. Auf diesem Niveau in Ordnung; von einem besternten Küchenmeister hätte ich Innovativeres erwartet, etwas, das begeistert.

                            Richtig Lust hatte ich dann auf

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_2760.jpg Ansichten: 1 Größe: 62,8 KB ID: 61056

                            In Buttermilch konfierte Perlhuhnbrust auf Cassis-Risotto, Kohlrabigemüse
                            und Steinpilz-Pinienkern-Cremolata


                            Und was soll ich sagen? Sie ließ dann schnell nach, denn es fehlte vor allem an Salz, aber auch an prägnanten Aromen, die ich mir wenigstens vom Sößchen erhofft hätte. Satt wurde ich, doch das ist nicht mein Thema. Hier wurde meines Erachtens eine Chance vergeben, ein richtig saftig-opulentes Gericht zu zaubern, das den Gaumen anzuregen vermag. Allein der Garungsgrad von Fleisch, Risotto und Kohlrabi war ohne Tadel. Dieser Gang war also handwerklich ordentlich, vielleicht Landgasthaus-Niveau, aber auch ein bisschen langweilig, also keiner, der ein „Ah“ und „Oh“ ausgelöst und nach mehr verlangt hätte.

                            Statt eines Desserts bat ich um eine

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                            Käseauswahl

                            Mit der war ich immerhin ziemlich zufrieden, zumal man mich zuvor ob meiner diesbezüglichen Vorlieben befragt hatte. Das wusste ich zu schätzen.

                            Leider ebenfalls ohne großen Erinnerungswert: die

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_2766.jpg Ansichten: 1 Größe: 59,1 KB ID: 61058

                            Friandises

                            Konventionell und kaum prägnant.

                            Die Weinkarte setzt auf Klassiker; die offenen Weine sind um € 10,00 kalkuliert, zumeist regionaler Herkunft, aber wenig aufregend in der Auswahl, zumal gut die Hälfte von Winzergenossenschaften stammen. Auch das wird den konservativen Stammgästen geschuldet sein.

                            Immerhin eine Entdeckung: der

                            2015 Oberrottweiler Spätburgunder "Alte Reben" vom Weingut Anderer, Oberrottweil

                            Ein mir bislang unbekanntes Weingut hat hier einen süffig-holzigen Spätburgunder nach meinem Geschmack produziert, also schön stoffig und nicht so feingliedrig, wie er häufig genug ins Glas kommt. Er tröstete mich liebevoll über den Fleischgang hinweg...

                            Fast lautlos schwebt das Servicepersonal durch die holzgetäfelten Räume, wirkt pflichtschuldig-beflissen, ist unauffällig und doch aufmerksam, in jedem Fall zuvorkommend und freundlich, aber in der ihm eigenen Steifheit weit entfernt von einer anregenden oder gar humorvollen Konversation. Auch das ist schon lange so.

                            Fazit: Ich kann mich eigentlich nur wiederholen (siehe mein Bericht vom April 2016). Vielleicht läuft die Küche mittlerweile erst abends zu Hochform auf (auch wenn es so freilich nicht sein sollte). Vielleicht sucht man seitens der Inhaberfamilie Burtsche noch immer einen Weg ins 21. Jahrhundert. Wenn man aber nicht erleben will, dass die zusehends betagteren Stammgäste langsam ausbleiben und man allenfalls noch auf ausländische Gäste setzen kann, also im Grunde niemand mehr nachkommt, bedürfte es mehr, als nur mal ein leicht asiatisch angehauchtes Gericht wie den nur bedingt überzeugenden Thunfisch auf die Karte zu setzen. Das ist zaghaft und ohne klare Ausrichtung, die ansonsten schlichtweg gehoben-bieder ist, eben wie man sie seit Jahrzehnten kennt. Dafür stand eindeutig die Perlhuhn-Brust. So steht zu befürchten, dass Herr Rischmeyer auch wieder nur den status quo erhalten soll.

                            Nicht nur dem Fünf-Sterne-Hotel Colombi, sondern gerade auch der „Zirbelstube“ täte also ein mutiges Update gut, vielleicht auch in unternehmerischer Hinsicht, wenn es auch nur annähernd mit der vor allem kulinarischen Entwicklung der Konkurrenz mithalten will. Es müsste eigentlich ein Leichtes sein, sich Konzepte abzuschauen, wie man auch jüngere Damen und Herren in die „Zirbelstube“ locken kann. Dass es langfristig genau darum geht, möge sich als Erkenntnis in diesem Haus noch rechtzeitig durchsetzen.
                            Zuletzt geändert von Tobler; 19.07.2018, 21:50.

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                            • #29
                              Wer bei 35 Euro Thunfisch in Topqualität als das Mindeste erwartet, Käseteller statt Dessert als selbstverständlich ansieht und gnädigerweise als ok durchgehen lässt, und unter anderem nicht ausreichend “prägnante” Friandises bemängelt, der findet wahrscheinlich seine oberlehrerhaften Ratschläge als geradezu generöse Dienstleistung. Wobei, dass Sie den Glasteller noch dieses eine mal durchgehen ließen ist dann tatsächlich großzügig.

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                              • #30
                                Ihren Beitrag in dieser Form habe ich fast schon erwartet. Ich werde Ihnen aber via PN antworten, da ich auf öffentlich abgeschossene Giftpfeile – wenn überhaupt – zumindest nicht mehr öffentlich reagieren werde. Das täte diesem Forum nicht gut. So viel dann doch öffentlich.

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