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Kulinarisches am Bodensee

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  • Muck
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    Langsam beginnt die touristisch heiße Phase hier am Bodensee und ich möchte mal wieder ein kleines Update posten, falls jemand noch kulinarische Tipps braucht für den Urlaub am See. Ich habe jetzt mit dem Casala alle besternten Restaurants hier besucht. Das Restaurant liegt direkt an der Seestraße in Meersburg gegenüber der Therme. Das Restaurant ist mit einem Stern im Guide und 17 Punkten im Gault Millau bewertet. Ich wählte das Menü in 5 Gängen zu 135€.

    Wir saßen auf der Terrasse mit leicht verbautem Blick über den See und begannen den Abend mit einigen Amuses, wie Tomate mit Pulpo, asiatische Schweinebauchröllchen und Blumenkohlschaum mit Kaviar. Das war alles in Ordnung und zu einem leichten Müller-Thurgau aus der Region auch kulinarisch interessant, weiter in Erinnerung blieb das aber nicht.

    Weiter ging es mit sehr gutem hausgebackenem Brot und einem Amuse aus Kressecreme und Ziegenkäsepraline, was weniger ein Gericht, als ein guter Aufstrich für das Brot darstellte.

    Danach kam der erste und bei weitem schlechteste Gang des Abends mit der Hofente, Kiku, Kefir und Waldmeister in Form geräucherter Entenbrust, einer Entenleberterrine und einem Macaron mit Leberfüllung. Begleitet wurde das von einigen Tupfern Waldmeisterdip und Äpfeln. Die geräucherte Entebrust war in Ordnung, die Terrine aber fast frei vom Geschmack der Leber, sprich deutlich zu lieblich abgeschmeckt. Der Waldmeister schmeckte auch viel zu intensiv, wie man es in Form des Wackelpuddings kennt und auch der Apfel gab eine alles überdeckende Süße dazu. Für Gäste, die keine Enten(-leber) mögen ist das sicher ein gutes Gericht.

    Das bis zu diesem Zeiptunkt kulinarisch beste ist das Brot, sowie der wunderbare Chardonnay von Bernhard Huber aus 2013, der einen tollen Schmelz, kühle Früchte, Minerälität und eine tolle Länge mitbringt. Ein schöner Wein!

    Dann geht es weiter mit Wolfsbarsch, Togarashi, Froschschenkel und Lotuswurzel und der Genuss steigert sich. Der Fisch war wunderbar gegart und von guter Qualität. Die Froschschenkel bekamen durch eine asiatische Soße eine schöne exotik, einzig für die Lotuswurzel kann ich mich wenig begeistern. In 30 km Luftlinie auf der Insel Reichenau wachsen momentan Gemüse in allerbester Qualität. Fast mit etwas Wehmut versuchte ich auf die Insel auf der anderen Seite des Sees zu schauen. Ansonsten war das aber in durchaus schöner Gang.

    Es folgten zwei prächtige Filets vom Bodenseefelchen mit Erbse, Speck und Champagnerzwiebel. Der Fisch, der geschmacklich dezenter als der Wolfsbarsch daher kommt war wieder von sehr guter Qualität, die Erbsen dazu als Püree auch schmackhaft, die Zwiebeln steuerten eine angenehme Frische bei. Das war ein durchaus leckerer Gang mit einem tollen Hauptprotagonisten, einzig hätte ich diesen Gang vor dem Wolfsbarsch serviert. Zu diesem Gang spielte auch der Chardonnay seine Stärke aus!

    Als Hauptgang gab es ein Duett vom Lamm mit Bärlauch, Gerste und Annatto. Das Lamm kam sowohl als Filet mit Bärlauchkruste, als auch geschmort daher. Die Gerste als Risotto empfand ich als etwas langweilig, den Lammjus hingegen als große Klasse. Das war eine wunderbare Reduktion mit schöner tiefe. In Summe war das ein klassischer, befreidigender Hauptgang. Der dazu servierte Angelucci Montepulciano war eine echte Fruchtbombe, die das Lamm gut abkonnte. Solo getrunken ist der Wein aber keine echte Freude.

    Großartig war das Dessert von Rhabarber, Dulce de leche, Brennessel und Hafer. Ein Törchten aus all den gennanten Zutaten wurde begleitet von säuerlichem Rhabarber, Hafermüsli, sowie einem Brennesselsorbet, das so wunderbar Frische mit Kräutrigkeit verbunden hat, wie ich es selten erlebt hatte. Das war ein absolutes Highlight!

    Auch die Petits Fours bereiteten große Fraude, vor allem das Hanftörtchten und der kleine dekonstruierte Butterkuchen waren toll.

    In Summe war das ein schöner Abend mit einigen Aufs und Abs. Die Produktqualitäten, vor allem bei den Fischen war sehr gut, teilweise waren mir die Kombinationen aber zu brav. Der Entengang viel für mich vollkommen raus und war ein kleine Enttäuschung. Als wirklich großartig empfand ich die Patisserie, die meiner Meinung nach mit der des zweifach besternten Ophelia in Konstanz durchaus mithalten kann. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum der Gault Millau das Ophelia und das Casala mit jeweils 17 Punkten bewertet. Ich sehe das Casala etwa auf Höhe des Villino in Lindau (vielleicht sogar ein Stück darunter), welches auch mit einem Stern bewertet ist.

    M

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  • Muck
    antwortet
    Mit dem Restaurant Villino habe ich jetzt auch endlich mal die bayrische Seite des Bodensees kulinarisch entdeckt. Das Restaurant hält einen Stern im Michelin. Der Zeitpunkt unseres Besuchs war insofern ziemlich passend, da es gerade einige schöne Klassiker mit Trüffel gibt. Davon schob ich einen Gang in das 3 gängige Abendmenü ein. Der Küchenstil ist sowohl italienisch, als auch asiatisch. Dabei werden die Konzepte nicht auf einem Teller gemischt, sondern man springt von Gang zu Gang ins italienische bzw. asiatische. Beide Welten auf hohem Niveau umzusetzen, ist natürlich eine Herausforderung. Ein Stern im Guide weckt entsprechend Erwartungen bei mir. Ich war sehr gespannt, was auf mich zukommt.

    Als Amuse gab es Chicoree in Dashi, was eine schöne vegetarische Einstimmung war. Der Chicoree hatte leichte Röstaromen, brachte dezente Bitternoten zum salzigig-würzigen Umamisud.

    Bei den asiatischen Vorspeisenvariationen kamen gleich 6 kleine Schüsseln an den Tisch. Die Gerichte spiegelten unterschiedliche Regionen wieder (Japan, Thailand, Indien etc.) und changierten geschmacklich und qualitativ zwischen ziemlich schwach (ein Aal Nigiri, der viel zu kalt serviert wurde) über mittelmäßig (gebackener Schweinebauch) bis zu einem großartigen Curry. Hier würde eine Reduktion auf wenige, herausragende Kreationen Sinn machen. Aber in Summe hat es Spaß gemacht sich durch die Teller zu probieren. Und der Zeltinger Himmelreich Kabinett von Molitor dazu hat den Spaßfaktor noch weiter erhöht.

    Danach schob ich pochiertes Ei, Spinat und weißen Trüffel ein. Die klassische Kombination ging vollkommen auf. Der Trüffel hatte ein großartiges Aroma, das Ei war perfekt gegart. Ein paar Gramm mehr Salz hätten dem Spinat gut getan, aber sei's drum. Das macht einfach glücklich und war handwerklich und qualitativ sehr schön.

    Als Hauptspeise gab es Kalb mit Bries, Zwiebeln und Kartoffelknödel. Das war eine weitere klassische Kombination, die durch den Bries auch geschmacklich einiges hermachte. Das Kalbsfilet selbst ist ja eher dezent im Aroma und freute sich hier über das Bries. Die kleinen Kartoffelknödel und Rosenkohl unterstrichen das rustikale Element an diesem Hauptgang.

    Als Dessert wählte ich Zitrusfrüchte und Ziegenmilch aus dem anderen Menü. Das war ganz klar der Gang, der mich am meisten beeindruckt hat. In Zentrum stand ein Mandarinensorbet, das tolle Bitteraromen hatte, trotzdem eine fruchtige Süße mitbrachte. Dazu gab es einige frische Zitrusfrüchte, die Säure beisteuerten. Dazu gab es noch eine Ziegenmilchcreme, die dem ganzen eine rahmige Schwere gab. Das war großartig, da ich viel zu selten gute Bitternoten in Desserts vorfinde. Das war eines der besten Desserts in 2016. Großartig!

    Der Abend im Villino war in Summe sehr schön. Der Service ist sehr herzlich und die Küche macht viel Spaß. Man versucht hier sowohl klassiche europäische Küche, als auch asiatische Küche auf hohem Niveau umzusetzen. Das bringt dem Gast durchaus viel Abwechslung, ging aber bei uns nicht immer auf. Handwerkliche Fehler bei den Vorspeisenvariationen trübten den ersten Eindruck etwas; Spaß haben die kleinen Speisen aber defintiv gemacht. Die europäischen Gänge waren handwerklich besser umgesetzt, aber auch erwartbarer. Herausragend war für mich ganz klar das Dessert. Allein dafür werde ich definitiv wieder kommen.

    M

    P.S. Bilder meiner Kurzberichte poste ich jetzt nur noch auf Instagram https://www.instagram.com/muck_eats/.
    Zuletzt geändert von Muck; 20.11.2016, 15:14.

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  • Muck
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    Kurz nach der Eröffnung der von Tim Raue konzeptionell betreuten Brasserie Colette Konstanz besuchte ich das Restaurant zum Dinner mit meiner Frau. Die positiven Berichte von Heike und Junggaumen haben mich zusätzlich motiviert ein paar Gänge zu probieren. Der Laden liegt sehr zentral, ist gemütlich eingerichtet, die Stimmung ist sehr locker und die Weinkarte bietet einige gute Optionen auch glasweise.

    Nach den eingelegten Gemüsen als Amuse zum (sehr guten) Sauvignon "Le Bouc" von Vincent Ricard, fingen wir den Abend mit Rindertatar "Stroganoff" an. Das Tatar wurde wunderbar abgeschmeckt mit Cornichons, dünn gehobelter roter Beete und Champignons. Das Tatar war durchaus auf der herzhaften Seite und hatte auch eine wahrnehmbare Schärfe, die sich dann auch durch das ganze Menü ziehen sollte. Ein rustikaler, sehr schöner Einstieg. Sicher zu recht ein Brasserie-Klassiker.

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    Weiter ging es mit Hummercocktail mit Melone, Orange und Champignons. Die Süße des zarten Hummerfleischs wurde von der Melone genial aufgenommen. Die (sehr) scharfe Soße auf Mayobasis und die säuerliche Orange nahmen aber jedwede Assoziationen mit den süßlich pampigen Garnelencocktails der 80er Jahre. Hier erkennt man durch die Schärfe und Balance der Aromen schon Raues Ideen und Konzeptionen. Sehr lecker!

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    Danach ging es bei mir mit Schweinebäckchen begleitet von weißen Bohnen und Lavendelhonig weiter. Die Bäckchen waren wieder super zart und intensiv im Geschmack. Die Bohnen waren knackig und die Soße maximal schlotzig. Der Honig gab dem ganzen eine etwas sehr präsente Süße, hier hätte etwas mehr Schärfe gut getan. Ansonsten war auch das ein befriedigender Teller zum auslöffeln. Dazu hatte ich einen Cotes du Rhone von Saint Cosme, der vielleicht nicht optimal dazu passte, aber alleine sehr gut schmeckte.

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    Ich probierte schließlich mit der Zitronentarte und dem Crepe Colette gleich zwei Desserts. Die Zitronentarte, bestehend aus einem Keksboden, Zitronensorbet, der Meringuehaube und der Zitronencreme war einfach großartig. Es war eine tolle Balance aus Süße und Säure. Auch der Crepe war großartig, da lauwarm, gefüllt mir Banane und begleitet von Vanilleeis und Salzkaramell. Mit Salz in Desserts von Tim Raue habe ich ja weniger gute Erfahrungen gesammelt, aber hier war das nicht zu viel, sondern in der Proportionierung perfekt. Es schmeckte wie ein Adventstag an der Bretagne. Die Desserts waren Brasserieküche at its best!

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    In Summe war das ein toller Abend. Gott sei Dank gibt es das Colette jetzt auch in Konstanz! Gute Brasserieküche gab es bis jetzt in der Bodenseeregion auf diesem Level nicht und das Colette schließt diese Lücke nahezu perfekt. Konstanz ist sowieso eine Reise wert und das Colette kann einen schönen Urlaubs- oder Shoppingtag sehr gut abschließen.

    M
    Zuletzt geändert von Muck; 15.10.2016, 14:39.

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  • Muck
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    Jetzt habe ich es endlich mal ins Retaurant Karr nach Langenargen geschafft. Rudolf Karr und sein Sohn führen hier einen Familienbetrieb, der durchaus bei Kritkern auf positive Resonanz stößt. Im sehr touristischen Langenargen direkt am See versucht das Karr den Spagat zwischen klassischer, gutbürgerlicher Küche und ambitionierterer, kreativerer Küche. Für letztes stünde, so sagte man uns, ein 4 bzw. 6 gängiges Überraschungsmenü bereit. Wir wählten letzteres mit 2 Desserts. Um es vorweg zu nehmen: Es blieb bei gutbürgerlicher Küche mit zugänglichen, einfachen Aromenkombinationen.

    Der erste Gang war eine Tomatenvariation mit Tomateneis und gebratener Wassermelone und Bodenseekretzer. Diese sommerliche Kreation war dann auch der kreativste und beste Gang des Abends. Die Tomatenscheiben unterschiedlich mariniert spielten schön mit Süße, Säure und Schärfe (Ingwer). Das Eis erfrischte mit schönen intensiven Tomatenaromen. Die Wassermelone in Gin mariniert verstärkte den frischen, sommerlichen Eindruck. Das Filet vom Barsch hätte ich da nicht gebraucht.

    Es folgte ein Salat mit mariniertem Kaninchen. Da war die Kreativität schnell vorbei, was aber bei der Produktqualität des Kaninchens kein Problem darstellte. Das Kaninchen war wunderbar zart, so zart habe ich das selten gegessen. Der Salat mit Balsamicodressing war dazu unspektakulär. Das war sehr ordentliche Bistroküche.

    Danach kam mit Kabeljau, Topinambur und Spinat ein klassisches Aromenspiel an den Tisch. Der sehr gut gebratene Kabeljau wurde durch die eher sanften Aromen von Spinat und buttrigem Topinamburpüree sinnvoll begleitet. Eine gefällige, klassische Kombination, mit der man wenig Risiko eingeht.

    Als Hauptgang erreichte mich eine Poularde mit Tagliatelle und Pfifferlingen. Die Brust der Poularde lag perfekt gebraten, saftig und zart auf der Pasta mit gebratenen Pfifferlingen. Das waren in Summe schöne Produkte, die handwerklich sauber in Szene gesetzt wurden, aber wo das jetzt kreativer, als die a la Carte Gerichte sein soll, bleibt mir schleierhaft.

    Auch bei den Desserts setzte Karr auf klassiche Kombinationen. Als erstes erreichte uns ein Holunderblütentörtchen mit Holundereis und Pistazie. Ein schönes Törtchen, nicht zu süß mit erfrischender Säure. Die Säure wurde auch durch das Eis noch unterstützt. Die Pistazie kam in Form grüner Schwämme auf den Teller. Die schmeckten nach nichts. Zum Abschluss dann eine Passionsfruchtcreme mit Schokoladeneis schmeckte auch gefällig erfrischend.

    Das war ein schöner Abend, keine Frage. Ich habe mir aber, vor allem nach der Ankündigung des Service, dass das Überraschungsmenü besonders kreativ sei und die Handschrift der Chefs zeige, mehr eben genau davon erwartet. Nach den positiven Kritiken bin ich zwar nicht enttäuscht, aber etwas irritiert. Das überraschende an diesem Menü war dann, dass es überraschenderweise nicht dem entsprach, auf das ich mich eingestellt hatte. Das Karr reiht sich für mich dann doch in die klassischen, gehobenen Restaurants am See ein. Mehr konnte ich an diesem Abend (mit Ausnahme des Tomatengangs) nicht erkennen.

    M
    Zuletzt geändert von Muck; 07.08.2016, 20:26.

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  • kuechenreise
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    Das werde ich tun! Und in jedem Fall viel Vergnügen bei den weiteren kulinarischen Erkundungen!!

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  • Muck
    antwortet
    Lieber Küchenreise, ich freue mich auch schon auf weitere Entdeckungen. Falls Sie mal spontan vorbei schauen, sagen Sie doch mal Bescheid. Das Karr stand schon lange auf der Liste nach ihren wunderbaren Berichten!

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  • kuechenreise
    antwortet
    Wie schön, wieder über den Bodensee zu lesen! Und auch wenn ich im Moment nicht so häufig dort bin, bin ich doch schon sehr gespannt auf den Bericht um Karr in Langenargen (welcher der Söhne wohl im Moment gerade dort kocht und mit seinen Erfahrungen aus der weiten Welt den Vater unterstützt?) und zum Casala!

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  • Muck
    antwortet
    Mein kulinarischer Streifzug am Bodensee hatte ja im Ophelia seinen Höhepunkt gefunden. Trotzdem suche ich weiter im unter Sterne Bereich nach Alternativen zum sehr guten Lamm im Kau. Nach eher durchwachsenen Erfahrungen mit den "besseren" Restaurants direkt am See (Schuppen 13, Felders, Heinzler) habe ich jetzt endlich eine hervorragende Option gefunden. Der Tipp von Besseresser und der Bericht von Kuechenreise haben mich auf den Seehof in Immenstaad aufmerksam gemacht. Die Lage des Hotelrestaurants direkt am See/Hafen ist perfekt und durch die große Fensterfront lässt sich sehr angenehm das schäbische Meer bestaunen.

    Im modernen und gemütlichen Teil des Restaurants begann das Essen mit Feldsalat mit gebackenen Ziegenkäse vom Höchsten mit Chutney. Der Zeigenkäse kam in Filoteig ausgebacken und perfekt knusprig daher. Dazu ein Chutney, welches eher auf der süßen Seite, den Käse unterstützte. Sicher kein kreativer Rausch, aber ein solider und guter Einstieg.

    Die Thaisuppe mit gebratenen Riesengarnelen war nicht nur ziemlich groß, sondern auch sehr stimmig abgeschmeckt. Die Suppe hatte durchaus eine intensive Schärfe, sowie Säure. Gepaart mit den seifigen Noten von Thaibasilikum kam eine recht authentische, sehr schmackhafte Suppe an diesem nebligen Wintertag auf den Tisch. Die a part gereichten Garnelen waren perfekt gebraten. Das hätte ich in einem schwäbischen Gasthaus gar nicht so authentisch erwartet. Sehr lecker!

    Als Hauptgang wählte ich (endlich) auf Empfehlung hier im Forum die Käsespätzle. Das schwäbische Nationalgericht konnte nach dieser Aromenbombe den (süd-)badischen Esser nicht vollends überzeugen. Zwar gingen die geschmorten Zwiebeln und die verschiedenen Käsesorten mit den Spätzle eine schlotzig schmackhafte Verbindung ein, aber es fehlte mir die Würze, in Form von Kräutern oder Pfeffer. Der dazu gereichte Salat brachte Abwechslung, in Summe gefallen mir aber die Kässpätzle im Lamm im Kau noch etwas besser. Aber das ist Kritik auf hohem Spätzleniveau, soweit ich das als nicht-Schwabe einschätzen kann.

    Das Highlight war dann die Tonkabohnen Creme Brulee mit Maracujasalsa und Bergamottesorbet. So ein Dessert habe ich mir schon in so manchem Einsterner gewünscht. Die Creme perfekt weich, lauwarm, die Zuckerkruste dünn und knusprig. Die Maracuja brachte eine fruchtige Abwechslung zur Creme und das Bergamottesorbet weckte mit seiner Säure die Geschmacksnerven auf. Dadurch, dass alle Komponenten in seperaten Gefäßen angerichtet wurde, konnte man herrlich kombinieren und probieren. Großartig!

    In Summe habe ich endlich ein Restaurant direkt am See gefunden, welches mich vollends zufrieden stellt (neben dem Ophelia, was natürlich in einer ganz anderen Liga spielt). Mit 15 Punkten im GM und einem Bib ist das Restaurant auch absolut fair bewertet. Ich werde wohl beim nächsten Mal die weniger bodenständigen Gänge ausprobieren. Als nächstes stehen noch das Karr Langenargen und das Casala Meersburg auf dem Programm. Wie auch immer die Besuche werden, mit dem Seehof habe ich endlich ein sehr gutes Restaurant direkt am See gefunden.

    M
    Zuletzt geändert von Muck; 05.03.2016, 15:17.

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  • besseresser
    antwortet
    Lieber Matthias,

    vielen Dank für Ihren Bericht zum Heinzler am See. In der Tat ein Klassiker am Bodensee, aber auch etwas in die Jahre gekommen. Früher - als ich noch Kind war - gab es wenig Vornehmeres. Ihre Beschreibung trifft es schon ganz gut, weshalb wir dort, außer bei Einladungen von Freunden, heute nicht mehr hingehen. Recht gut, aber nichts für Liebhaber feiner Küche.

    Was mich sehr freut, ist ihre Begeisterung für das Lamm im Kau. Kiechles haben dies m.E. sehr verdient. Auch der Seehof kann da nicht immer mithalten. Gehen Sie bitte nach den Sommerferien hin, während der HS garantiere ich für nichts. Und der einfache und toll bepreiste Weil auf der Weinkarte, der schmeckt im schönen Immenstaad auch im Spätsommer ganz wunderbar.

    KG
    Besseresser

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  • Muck
    antwortet
    Eigentlich wollten wir unbedingt die Spätzle im Seehof Immenstaad endlich ausprobieren, aber es verschlug uns doch an diesem sehr sonnigen Tag nach einem kleinen Spaziergang in dem schönen Örtchen Immenstaad ins Heinzler am See.

    Das Restaurant wurde hier glaube ich noch nicht thematisiert. Den Tipp habe ich von einem Arbeitskollegen bekommen, der meinte die mit einem Bib bewertete Küche sei vor allem für ihre Fischgerichte hier in Region bekannt und geschätzt. So verschlug es uns auf die wunderschöne Terrasse unter die Schatten spendende Kastanie mit traumhaftem Blick auf den See!

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ID: 49799

    Die Karte bietet eine schöne Auswahl von eher regionalen Gerichten (von Spätzle bis Zander), aber auch den ein oder anderen internationalen Klassiker (greater Omaha Beef Onglet). Da wurden wir dann doch schnell fündig und wählten einige Gänge a la Carte.

    Ich begann mit einem Salat mit Himbeere und Pfifferlingen.

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ID: 49800

    Der Salat war an sich durchaus lecker (viele Sorten, einige Wildkräuter), das Dressing etwas auf der süß sauren Seite, nur die Pfifferlinge waren zwar aromatisch, aber kaum gewürzt. So gut der Salat selbst war, so wenig Freude machten leider die Pfifferlinge, auf die ich mich sehr freute. Etwas Salz und Pfeffer machte es zwar besser, aber in der Summe blieb es ein eher verhaltener Einstieg.

    Als Hauptgang wählte ich die Bodenseefelchen mit grünem Spargel und Granatapfel.

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ID: 49803

    Der Gang machte deutlich mehr Spaß. Die Soße hatte einen leicht asiatischen Einschlag mit Zitronengras und Kokosmilch, blieb aber leicht und harmonierte ganz hervorragend mit Spargel und Fisch. Die Granatapfelkerne gaben einen schönen Säurekick und rundeten das Gericht gut ab. Dazu gab es Butterkartoffeln, was ich irgendwie als etwas unpassend empfand, aber ok. Was dann tatsächlich dem Gesamteindruck etwas drückte, war dass der Fisch doch etwas zu lang gegart wurde und an der ein oder anderen Stelle etwas trocken war. Schade. Nichtsdestotrotz war es ein schöner Gang, der mit seiner Frische und Leichtigkeit überzeugte und in der Kombination mit dem Blick über den See Urlaubsgefühle weckte.

    Meine Frau wählte das Duett von Bodenseesaibling und Forelle mit Tomaten, Pfifferlingen und Limettenpesto.

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ID: 49802

    Obwohl das Gericht einen ganz anderen Grundgeschmack als der Felchen hatte, waren die Stärken und Schwächen des Gerichts analog zu meinem. Die Soße war toll, intensiv, man schmeckte Thymian, die Pilze, die reifen Tomaten, gutes Öl. Die Pesto war wunderbar Säurebetont, salzig, einfach rund. Nur auch hier war der Fisch wieder recht intensiv gegart, weit weg von glasig. Das dazu gereichte Graupenrisotto passte allerdings ganz wunderbar zum Fisch. Das war insgesamt wieder gut. Nicht, dass die Hauptgänge nicht schmeckten, ganz im Gegenteil, aber mit mehr handwerklicher Finesse, wären beide Gänge hervorragend gewesen. So bleiben sie einfach "nur" ziemlich gut.

    Als Desert wählte ich Dreierlei von der Schokolade.

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ID: 49801

    Das Desert stellte sich (ohne Vorankündigung) tatsächlich als ein Zweierlei von der Schokolade (Eis und Mousse) und einer klassischen Creme Brulée heraus. Kurioserweise (und glücklicherweise) stellte sich dabei die Creme Brulée als handwerklich und geschmacklich bester Gang dar. Die creme war warm, zart, geschmeidig, süß, das Karamell dünn. Einfach aber sehr lecker. Das Eis war ok, nicht wirklich außergewöhnlich. Die Mousse war schön intensiv, mit weißer und dunkler Schokolade und insgesamt handwerklich sehr ordentlich.

    Insgesamt war es ein schöner Aufenthalt wozu nicht zuletzt die tolle Lage verantwortlich war. Bei den Hauptgängen merkte man auch, dass die Küche ambitioniert ist und ihrem Ruf (und Bib) gerecht werden kann. Die Creme Brulée zeigte, dass die Patisserie ihr Handwerk versteht. Die Fehler, allem voran die handwerklichen Ungenauigkeiten bei den Pfifferlingen und der Garung der Fische trübten den Gesamteindruck. Ähnlich wie im Schuppen 13 oder vergleichbaren Restaurants, die mit ihrer perfekten Lage glänzen, fehlt mir häufig der Grund "nur" wegen der Küche wieder zu kommen. Wenn ich da an das Lamm im Kau denke (was sich zu meiner Lieblingsdestination entwickelt hat), zeigt sich dass allein für den Genuss vielleicht auch das weniger spektakuläre Tettnang einen kleinen Umweg wert ist. Das Heinzler am See ist sicherlich wegen des Gesamtpakets immer noch eine solide Option. Und wenn das mit dem braten der Fische beim nächsten Mal besser ist, komme ich wohl doch häufiger, sitze lange unter der Kastanie, schaue auf den See und genieße den Tag.

    Die Spätzle im Seehof, lieber Besseresser, werde ich aber noch probieren, "trotz" der tollen Lage am See!

    M
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 31.07.2015, 23:29.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Im Rahmen des Minestlohns ist geregelt, das Arbeitnehmer, die weniger als 2.958 Euro verdienen, die Arbetiszeiten dokumentiert werden müssen, insofern - wenn ich das richtig sehe - wurde damit der Verbindlichkeit des ohnehin geltenden Arbeitszeitgesetzes Nachdruck verliehen und "Überstunden", die praktisch Standard sind, sind somit nicht mehr so einfach und dauerhaft möglich. Ich verstehe, dass die Gastronomie eine Branche ist, die mit den Gegebenheiten des Arbeitszeitgesetzes mehr Probleme hat, als andere, vor allem wenn es um Ruhezeiten etc. Aber man muss sich eben auch klar machen, dass zahlreiche Angebote bislang eben nur unter Umgehung gesetzlicher Standards möglich waren.

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  • Muck
    antwortet
    Ich kann es auch langsam nicht mehr hören. Für was will man den Mindestlohn noch verantwortlich machen? Man kann ja dazu stehen wie man will, aber wenn man es in Konstanz nicht schafft faire Preise durchzusetzen um immernoch unfaire Löhne zu bezahlen, die in der Region nicht zum Leben reichen, dann muss ich mich schon selbst hinterfragen.

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  • LouisXV
    antwortet
    Seltsam, ich kenne gar kein neues Gesetz zur Arbeitszeitregelung. Oder meint er das bekannte Motto: "Natürlich zahle ich Mindestlohn, aber doch nicht für jede Stunde..."?

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  • kgsbus
    antwortet
    Und wieder einmal sind die Gäste oder der Gesetzgeber schuld?

    „Der Aufwand war immens, der Druck groß, die neuen Gesetze zur Arbeitszeitregelung haben es uns dann endgültig unmöglich gemacht, den Betrieb weiter aufrechtzuhalten“, sagt Heise.

    http://www.suedkurier.de/region/krei...372448,7900183

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  • QWERTZ
    antwortet
    Im Hotel Schiff am See in Konstanz wird es künftig nur noch ein reduziertes Gourmetprogramm geben. Das Sternerestaurant wird nicht weiterbetrieben, aber es sollen einige anspruchsvollere Gerichte auf der Karte des Hotelrestaurants bleiben.

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