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"Schwabenstube" im "Hotel Adler", Asperg (1*)

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  • "Schwabenstube" im "Hotel Adler", Asperg (1*)

    Der „Adler“ in Asperg bei Ludwigsburg, Hotel mit Gourmetrestaurant, hat Tradition, wie schon die gerahmten Autogrammkarten entlang der Treppe zur Toilette erkennen lassen, zumal kaum eine von ihnen jünger als dreißig Jahre zu sein scheint. Darum scherte ich mich aber wenig. Ich, mal wieder zu Besuch in der schwäbischen Heimat, wollte einfach wissen, was es mit dem nun schon einige Jahre gehaltenen Michelin-Stern für die „Schwabenstube“ und Harald Derfuß auf sich hat. Mein letzter Besuch liegt gut zehn Jahre zurück...
    Was also erwartete mich?

    Unverändert ist die „Schwabenstube“ ein getäfelter und dezent moderner Wohlfühlraum. Lauschig könnte man ihn nennen. Der Service schwebt förmlich um die Tische herum; lautlos, flink, zurückhaltend, aber freundlich. Man fühlt sich behaglich und umsorgt und wählt das Vier-Gänge-Menü zu € 82,00. Vergleichsweise ein durchaus stolzer Preis. Anderswo bekommt man für weniger mehr. Alsbald ging es los mit zwei recht belanglosen Mousses zum immerhin ordentlichen Brot, einmal von der Tomate (aromatisch „geradeaus“) und einmal von der Roten Bete (sah aus wie Heidelbeerquark und schmeckte seltsamerweise auch ein wenig danach).

    Das Amuse bouche:

    Lachsroulade, Seeteufelmousse, Meerettich, Petersiliencreme

    Was soll man sagen? Ordentliche Produktqualität, handwerklich gut, das Mousse recht intensiv, aber ansonsten recht brav, etwa die Frischkäsefüllung im Lachs. Hat man im Einzelnen irgendwie schon mal vom Büffet gehabt oder selbst zubereitet. Also Michelin-Stern-würdig? Darob war noch zu rätseln.

    Seeteufel-Saiblingscarpaccio mit Apfel-Senfkörner-Panna cotta, Kräutersalat, Karotten und Staudensellerie

    wurde serviert auf dem Glasteller (finde ich schon längst nicht mehr zeitgemäß), war fein gearbeitet und hatte dennoch eine gewisse Bodenständigkeit. Überraschend vorweihnachtlich und endlich ein erster „Kick“: die Zimtnote, kaum zu orten, woher sie kam, aber deutlich zu schmecken. Eine Idee!

    Jakobsmuscheln auf Passionsfruchtspinat und Rotweinbutter

    gefiel durch die Reduktion auf das Wesentliche. Zwei Jakobsmuscheln flankierten den Spinat, auf der ausgesprochen duftigen Rotweinbutter platziert. Rosmarin dominierte – ein wenig zu sehr; die Passionsfrucht suchte man im Spinat vergeblich, d. h. so stark hätte die Reduktion auch nicht ausfallen müssen. Machte insgesamt aber trotzdem Spaß.

    Rehrücken mit Feigenkruste, Petersilienwurzelpüree, Rosenkohlblättern und Roter Bete

    Dieser Gang ließ endlich erkennen, warum der Michelin der "Schwabenstube" und Herrn Derfuß einen Stern zuerkennt. Der Rehrücken war schon für sich genommen perfekt; die Feigenkruste eine kreativ erdachte Haube, die verführerische Süße beisteuerte. Die Herren SF beklagen ja, dass mittlerweile fast nur noch Rosenkohlblätter gereicht werden anstatt die ganze Kugel; mir aber als Skeptiker gegenüber diesem Gemüse war’s sehr recht, denn die Blätter gaben dem Gericht eben nur einen Hauch von Bitternote, also gerade richtig. Das Püree schmiegte sich entsprechend ein; nur eine auf die Rote-Bete-Taler gesetzte Kumquat als nicht angekündigter, ausgesprochen saurer Bestandteil spielte sich dann doch zu sehr in den Vordergrund und brachte das Gesamtkonzept dieses Gangs ein wenig ins Wanken. Dennoch: ein Genuss, allemal zusammen mit einer grandiosen Entdeckung, nämlich dem dazu gereichten Wein:

    Lemberger „S“ 2011 vom Staatsweingut Weinsberg (Württemberg)


    Ich liebe diese Rebsorte, zumal wenn sie so in die Flasche kommt. Aber: ein gefährliches Tröpfchen, weil man nicht so schnell genug davon bekommt... Konsequenterweise wurde noch am selben Abend das Weingut zwecks Bestellung für den eigenen Keller kontaktiert. Vorfreude!

    Duett von Birne und Schokolade mit Vanilleeis

    war ein leichter und charmanter Abschluss, gelungen dazu der Portwein, der Birne und Schokolade schön zusammenführte, also rund und damit nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Fazit: Der Wohlfühlfaktor in der „Schwabenstube“ ist hoch! In kulinarischer Hinsicht bleibt allerdings ein durchwachsener Eindruck zurück, denn manche Gerichte wirken gar zu schlicht bzw. nicht mehr ganz zeitgemäß. Insofern würde ich die Sternvergabe als eher knapp einschätzen, so weit ich mir dieses Urteil anmaßen darf. Harald Derfuß hat ja vielleicht mal Lust, sich mehr zu trauen? Oder ist das bei meinen schwäbischen Landsleuten aus Behäbigkeitsgründen nicht so willkommen? Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen und muss die „Schwabenstube“ vielleicht noch mal besuchen, um meinen Eindruck zu vervollständigen.

  • #2
    Unter Weintrinkern, werter Tobler, gibt es ein Spiel: wieviel ist mir der Wein, den ich gerade trinke, wert; also wieviel würde ich dafür guten Mutes ausgeben wollen. Nein, es geht mir nicht um den Lemberger, vielmehr um das Gesamterlebnis.Wieviel mußten Sie schließlich bezahlen? Und war es Ihnen das wert?
    MkG
    s.

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    • #3
      Der Lemberger war tatsächlich nicht überteuert, werter Schlaraffenland, und auch der Flaschenpreis ab Weingut ist sehr moderat. Das Gesamterlebnis hingegen hatte sehr wohl seinen Preis, wie ja schon im Bericht erwähnt. Die Rechnung betrug am Ende €140,00 inklusive zweites Glas Lemberger plus Cognac. War es (mir) das wert? Ich vermag es nicht recht zu sagen. "Solide" trifft die Bewertung des Gesamterlebnisses wohl am besten. Aufregend mit "Ah" und "Oh" ist anders. Tatsächlich bin ich schon glücklicher vom Tisch aufgestanden und habe trotzdem weniger berappt. Mein Bericht gibt ja meinen heterogenen Eindruck wieder, wie ich hoffe - und eben deswegen will ich bei Gelegenheit ja noch mal hin, zumal ich gerne auf die zweite Chance setze. Waren Sie schon dort oder liebäugeln Sie mit einem Besuch?

      KG

      Tobler
      Zuletzt geändert von Tobler; 18.12.2014, 09:46.

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      • #4
        "Waren Sie schon dort oder liebäugeln Sie mit einem Besuch?"

        Weder, noch. Mir wäre das zu teuer, zu zweit wären wir etwa 300 € los, die ich anderswo dringend brauchen könnte.
        Ich weiß, daß das irgendwie gemein ist, was jetzt kommt; aber da setzt' ich lieber einmal aus (bzw ess' dafür Gaisburger Marsch - den ich übrigens gerade in einem Sportheim (!) in Stgt-Gablenberg bei Familie Steins in durchaus ansprechender Qualität bekommen habe) und genehmige mir dann für den zweifachen Preis ein erinnerungswürdiges Mahl.
        Gruß
        s.

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        • #5
          Wer wollte Ihnen da widersprechen...

          Das tatsächlich lohnende Erlebnis - fast zu diesem Preis - könnte Sebastian Prüßmanns 5-Gang-Menü, zusammen mit Weinen der "Jungen Schwaben" am 23.01. in der "Zirbelstube" im Hotel am Schlossgarten werden. Gehen Sie da bitte "für mich" hin!

          KG

          Tobler
          Zuletzt geändert von Tobler; 21.12.2014, 14:24.

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          • #6
            Künftig ist Philip Rümmele für die Küche in der Schwabenstube zuständig.

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            • #7
              Das lässt auf Innovation und Frische hoffen! Mein Besuch jüngst hinterließ bei mir einen doch etwas rückwärtsgewandten Eindruck von der "Schwabenstube".

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              • #8
                Gibt es schon Erfahrungen in der "Schwabenstube", seit Philip Rümmele - immerhin vom "EssZimmer" kommend - dort kocht?
                Eine Speisekarte weist die Homepage des Hotels leider noch immer nicht aus...

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                • #9
                  Hier der (urheberrechtlich unbedenkliche !?) Link zu einem aktuellen Artikel in der StZ .

                  http://www.stuttgarter-zeitung.de/in...31bff9a33.html

                  P.S. Danke für den Hinweis Admin. Das war keine böse Absicht.

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                  • #10
                    Hab ich mir gedacht, lieber Aigor. Besten Dank! Ich habe den Text ja gelesen - der Klick lohnt sich.

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