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Speisemeisterei - Schloss Hohenheim (Frank Oehler)

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  • Speisemeisterei - Schloss Hohenheim (Frank Oehler)

    In der Speisemeisterei war ich im Oktober 2009, an einem Samstag Mittag.

    Das Restaurant befindet sich im Schloss Hohenheim in Stuttgart-Hohenheim, einem Ortsteil von Stuttgart.

    Zuvor hat hier M.Öxle (**) gekocht.
    Seit 2008 hat Frank Oehler mit Holger Birner die Speisemeisterei übernommen.
    Das Resturant hatte beim Besuch noch keinen Stern verliehen, es wurden aber 17Punkte im GM und ein Michelin Stern angestrebt.
    Seit 2010 hat F. Oehler seinen gewünschten Stern bekommen.
    Nicht nur die Speisekarte hat sich verändert, auch das komplette Interrieur wurde, wie ich finde sehr schön renoviert.

    Der Raum besticht durch das klassische Zimmer des Schlosses und seine Verbindung mit den neuen Sitzbänken und Stühlen.
    Diese sind sehr modern gehalten in mit schwarzen Chinalackelementen, roten Sitzpolstern und schwarzen Ledertischen.
    Insgesamt wirkt alles sehr stimmig.





    Man kann zwischen 3 Menüs (70,80,90€) auswählen. Dazu kann man optional eine empfohlene Weinreise (ca.30-50€) wählen.

    Das 1. Menü ist eher klassisch, einfach gehalten, das 2. mediterran und das 3. biologisch.
    Seit dem Sterneglanz gibt es als alternativ zum Dessert auch Käse.

    Wir haben uns für das 3. Menü entschieden.

    Der Service besteht aus jungen Leuten und agiert sehr locker und nett, aber nicht gezwungen nett.
    Man fühlt sich richtig wohl hier, da der Service nicht so steril und überheblich ist.
    Während dem Essen fühlt man sich nicht beobachtet und auch im Nachschenken sind die Kellner nicht so aufdränglich. Trotzdem erkennt man Wünsche schnell.
    So muss es sein!

    Doch nun zum Essen:

    Vor der Vorspeise kam erst einmal ein Gruß aus der Küche, welcher aus einer Geleeravioli gefüllt mit Selleriecreme kam.
    Darauf eine caramelisierte Walnuss.
    Zudem kam ein Taler aus caramelisierter Gänseleber mit Schafskäse und ein Süppchen. Ich meine,dass es aus Zitronengras, Kokos und Apfelzimtmost größtenteils bestand.
    Kann mich aber leider nicht mehr genau daran erinnern.
    Jedenfalls war sie ein Traum! Leicht süßlich aber sehr frisch durch die Zitrone und den Apfel.
    Die Ravioli war ebenfalls sehr lecker und außergewöhnlich in Verbindung mit der süßen Walnuss.




    Als Vorspeise wurde ein „Kalter Hund“ von der Gänseleber mit Birnengelee, gefüllter Entenbrust und Trüffelvinaigrette gereicht.
    Die Idee mit dem kalten Hund hat mir sehr gefallen. Die Gänseleber war sehr reichhaltig, dazu hat der Keks mit Schokolade sehr gut gepasst um einen Ausgleich zu schaffen.
    Das Birnengelee hat gut mit der Entenbrust harmoniert. Das Trüffelvinaigrette war sehr aromatisch.





    Dann kam die Suppe, eine Krustentierminestrone mit Tomaten Panna cotta, Mandel-Knoblauchschaum und Olivenstreuseln.
    Die Suppe war wirklich lecker, aber das Tomaten Panna Cotta war für uns der schlechteste Teil des Menüs.
    Die Mischung wirklich sehr gewagt, sehr experimentell. Ein total verrückter Geschmack zwischen süß-sauer, würzig-bitter.
    Es hat Spaß gemacht dieses Wirr-warr auf der Zunge, aber es war von der Menge viel zu viel.
    Die Hälfte wäre perfekt gewesen. Danach übersättigt der Geschmack schnell, es wird einfach zu viel Gechmack auf einmal.



    Das Zwischengericht bestand aus Muscheln im Serranoschinken am Spiess auf Gurkenrisotto und Petersiliennage.
    Was soll man dazu sagen?
    Ich fand es einfach nur extrem gut. Die Muscheln am Spiess in Verbindung mit dem Serranoschinken waren ein Traum. Sehr salzig.
    Ich hätte davon gleich noch einmal essen können.
    Das Risotto war jetzt nicht so aufregend aber das muss es auch gar nicht immer sein. Es hat einfach perfekt harmoniert mit dem Muschel-schinkenspiess. Mehr braucht man nicht.



    Der Hauptgang (vitello tonnato) wurde in 2 Gängen serviert:

    -gratiniertes Thunasteak mit krossem Kalbstartar, Limonenemulsion und Zucchini




    -Involtini mit gebeiztem Thunfisch auf „caponnata“ und jus von getrockneten Tomaten




    Der Hauptgang war einer der Höhepunkte für uns.
    Das Thunfischsteak war so zart und lecker und die Limonenemulsion hat den leichten Geschmack des Fisches perfekt unterstützt.
    In Kontrast dazu stand das Kalbstartar in Form eines „Toastwürfels“.
    Es war das erste mal, dass ich Kalbstartar gegessen habe. Ich fand es einfach nur geil.
    Die Umhüllung sieht auf den ersten Blick unspeltakulär aus. Ich befürchtete das sie sehr trocken sein würde. Aber dem war nicht so.

    Der zweite Teil hat uns beiden sehr gefallen, einfach weil hier gezeigt wurde, wie unterschiedlich ein und dasselbe Produkt schmecken kann, wenn man es anders verarbeitet.
    Der gebeizte Thunfisch schmeckte fast schon wie Schweinefilet.

    Zur Erfrischung wurde uns dann vor dem Dessert ein Eierlikörmoussestäbchen mit Granatapfel und geeistes Apfelmus auf Krokant serviert.
    Dies hat wirklich sehr gut getan, da langsam das Sättigungsgefühl einsetzte.
    Da hat das kalte Dessert gut getan.


    Das Dessert, „Mirabelle-Rosmarin-Honig“ genannt war eher unspektakulär aber trotzdem richtig gut.
    Hier wurde in einem Gläschen Mirabellenstücke mit ihrem Saft aufgegossen mit Roederer Semi-Dec Champagner. Dazu Rosmarin.
    In der Mitte ein „Küchlein“ aus Mirabellenparfait mit Honigsahne, garniert mit Krokantplatten, dazu Pistazienstücke und wieder Mousse mit Rosmarin.





    Danach bestellten wir uns noch einen Espresso. Schön fand ich, dass dazu 4 Trüffel serviert wurden.
    Eine nette Geste.





    Insgesamt war der Besuch in der Speisemeisterei ein voller Erfolg und hat sehr viel Spaß gemacht.
    Wir waren exakt von 12-15 Uhr dort. Insgesamt waren noch 3 andere Tische besetzt.
    Es war sehr ruhig und entspannend.
    Die Personen am Tisch gegenüber nahmen das erste Menü und dazu die Weinreise.
    Auch ihnen hat man deutlich angemerkt, dass sie zufrieden waren und es ihnen geschmeckt hat.
    Das Täubchen im Tiroler Speckmantel (2. Menü) sah auch sehr ansprechend aus und hat den Gästen offenbar sehr geschmeckt.
    Die Menüs scheinen offenbar alle sehr durchdacht und gut zu sein.
    Insgesamt versucht man eine hohe Küche zu halten und dabei eher locker zu erscheinen.
    Dies bringt frischen Wind in die gehobene Gastronomie. Ich find es gut, da man sich wohl fühlt und auf das Essen konzentrieren kann.
    Vielleicht wird dadurch auch einigen neuen Gästen die Ehrfurcht vor der gehobenen Gastronomie genommen.

    Gerne kommen wir wieder - auch weil es unter der Woche ein 3-Gänge Business-Lunch für ca. 30€ geben soll, was die Speisemeisterei auch unter der Woche attraktiv macht.

    Das Schlossambiente lädt zu einem Verdauungsspaziergang im Schlosspark ein.

  • #2
    Das liesst sich ausgezeichnet und es ist schon zu hoeren das die Speisemeisterei wieder kulinarisch verwoehnen laesst. Vielen Dank fuer diesen Bericht.
    Da werde ich sicher gegen Ende April vorbei schauen, vielleicht ja zum Mittag mit Business Lunch .....

    Kommentar


    • #3
      Einen Besuch kann ich empfehlen.
      Vor allem scheint es mir, dass F. Oehler seit der Bekanntgabe des Sterns für sein Restaurant sich ersichtlich viel Mühe gibt, diesen zu wahren. Gleich nachdem der Stern bekannt war, gab es ein neues Menü, bei dem jetzt auch eine Käseauswahl bereitsteht. Außerdem sind die Preise für die Menüs nicht angehoben worden.

      Die Speisemeisterei macht aufjedenfall Spaß, auch wenn Herr Oehler beim ein oder anderen Gang noch seinen Stil finden muss. Er experimentiert noch sehr viel, was ich aber auch nicht schlecht finde.

      Leider hatte ich nicht die Möglichkeit die Speisemeisterei unter alter Führung zu probieren.

      Kommentar


      • #4
        Ich finde es bemerkenswert, wenn Herr Öhler noch seinen Stil finden muss, er ist ja nicht mehr 30...

        Meine Erlebnisse in der Speisemeisterei vor der Besternung waren 15 (kurz nach Eröffnung) und etwa 12-13 Punkte wert (kurz vor der Besternung). Den letzteren Besuch habe ich im alten Forum bereits knapp umrissen (den Bericht finde ich gerade nicht). Interessanterweise haben einige Foriamer das genauso erlebt. Keine 10 Pferde...

        Zudem ist Herr Öhler jetzt auch mit den Kochprofis recht aktiv...

        Kommentar


        • #5
          Der gute, alte ifs....schafft es einfach nicht, eine ehrlich geäußerte Euphorie unkommentiert stehen zu lassen (siehe auch Wohlfahrt-Thread).
          Zuletzt geändert von spumante; 08.04.2010, 17:45.

          Kommentar


          • #6
            Zitat von spumante Beitrag anzeigen
            Der gute, alte ifs....kann es einfach nicht lassen, eine ehrlich geäußerte Euphorie unkommentiert stehen zu lassen (siehe auch Wohlfahrt-Thread).
            :cheers:


            Zum Kommentar:

            Vielleicht kommt mein Artikel ja auch zu lobhudelnder rüber, als er gedacht war.
            Ich würde die Speisemeisterei meiner Erfahrung nach, jedoch ebenfalls mit 15Punkten einschätzen.
            Nur scheint es mir, dass hier allgemein im Forum eine derartige Bewertung gleich negativ aufgefasst wird.
            es geht hier um ein *-Sterne-Restaurant und nicht um die Crème-de-la Crème der Gastro-Szene.
            Ein *-Sterne-Restaurant definiert sich bei mir deshalb auch als gehobene Küche, die über das alltägliche hinausgeht, viel experimentiert, avangardistisches Essen serviert, dies aber nicht in vollkommener Perfektion. Hier und da kann man verbessern. Insgesamt ist das Essen aber gut und hebt sich von einem normalen Restaurant deutlich ab.

            Für mich war es ein sehr schöner Nachmittag, bei dem es Dinge gab die mir zusagten aber auch Dinge, die meiner Meinung nach hätten besser sein können oder anders.
            Dies ist wie immer Geschmackssache und deshalb finde ich 15Punkte ehrlich und fair für ein solches Erlebnis. Würde man die Speisemeisterei höher einschätzen müssen, damit sie besuchenswert wäre, nun dann hätte Herr Oehler auch mehr Punkte/Sterne.
            Wenn ich aber in ein *-SterneRestaurant gehe, dann habe ich auch nur die Erwartung an ein solches Essen.

            Insgesamt war deshalb der Besuch ein voller Erfolg.

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            • #7
              Zitat von Budi Beitrag anzeigen
              Wenn ich aber in ein *-SterneRestaurant gehe, dann habe ich auch nur die Erwartung an ein solches Essen.
              Lieber Budi,

              dem möchte ich mich voll und ganz anschließen. Deshalb gelingt es auch mir (hoffentlich), sehr begeistert über ein *-Restaurant zu schreiben. Und das muss dann auch nicht gleich heißen, dass der Einsterner eigentlich ein heimlicher Dreisterner ist.

              Herzlich willkommen!
              Morchel

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              • #8
                Ich finde es auch etwas befremdlich, dass manche Schreiber hier die Küchenleistungen verschiedener Restaurants gleich so drastisch und kategorisch niederbügeln, wenn der gebotene Grad an Perfektion ihren überzogenen Erwartungen nicht entspricht, oder ihnen der Stil nicht gefällt. Im professionellen Bereich der Restaurantkritik würde man dies vermutlich als unprofessionell bezeichnen.
                Ich will mich hier jetzt auch gar nicht auf die Speisemeisterei beziehen, in der wir übrigens leider auch schon ein wenig erfreuliches Ess-Erlebnis hatten (vier weitere Besuche blieben sehr positiv in Erinnerung). Man muss alles immer auch in Relation zum Preis sehen. Die Speisemeisterei verlangt für ihr teuerstes Menü mit sechs Gängen 90 Euro, die Top-Köche in D nehmen in etwa das Doppelte. Blödsinn, demnach die doppelte oder halbe Perfektion oder Qualitaet zu erwarten, aber der Maßstab sollte doch ein anderer sein, oder?

                KG, feinfisch
                Zuletzt geändert von feinfisch; 08.04.2010, 18:54.

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Budi Beitrag anzeigen
                  Vielleicht kommt mein Artikel ja auch zu lobhudelnder rüber, als er gedacht war.
                  Ich würde die Speisemeisterei meiner Erfahrung nach, jedoch ebenfalls mit 15Punkten einschätzen.
                  Nur scheint es mir, dass hier allgemein im Forum eine derartige Bewertung gleich negativ aufgefasst wird.
                  es geht hier um ein *-Sterne-Restaurant und nicht um die Crème-de-la Crème der Gastro-Szene.
                  Ein *-Sterne-Restaurant definiert sich bei mir deshalb auch als gehobene Küche, die über das alltägliche hinausgeht, viel experimentiert, avangardistisches Essen serviert, dies aber nicht in vollkommener Perfektion. Hier und da kann man verbessern. Insgesamt ist das Essen aber gut und hebt sich von einem normalen Restaurant deutlich ab.

                  Für mich war es ein sehr schöner Nachmittag, bei dem es Dinge gab die mir zusagten aber auch Dinge, die meiner Meinung nach hätten besser sein können oder anders.
                  Dies ist wie immer Geschmackssache und deshalb finde ich 15Punkte ehrlich und fair für ein solches Erlebnis. Würde man die Speisemeisterei höher einschätzen müssen, damit sie besuchenswert wäre, nun dann hätte Herr Oehler auch mehr Punkte/Sterne.
                  Wenn ich aber in ein *-SterneRestaurant gehe, dann habe ich auch nur die Erwartung an ein solches Essen.
                  Gefällt mir sehr gut, was Sie da geschrieben haben, lieber Budi! Machen Sie so weiter; vor allem mit Ihren schnörkellosen Berichten. Sie sind im richtigen Forum gelandet! Willkommen!

                  Beste Grüße, Merlan

                  Kommentar


                  • #10
                    Welcher der geschätzten ForumianerInnen hat die "Speisemeisterei" in letzter Zeit besucht? Man hört doch recht Divergentes... Dann wiederum hat der aktuelle GM gegenüber 2011 (14!) zwei Punkte mehr gegeben, also 16. Wir erwägen einen Besuch, bräuchten aber noch Entscheidungshilfen. Ich wäre daher dankbar für Hinweise.

                    Kommentar


                    • #11
                      Um es gleich zu gestehen: unser bewährtes Gourmet-Team hat es schlichtweg verschlafen, die „Speisemeisterei“ zu besuchen, als noch Martin Öxle dort am Herd stand und dort über lange Zeit hinweg zwei Sterne erkochte – die einzigen im Raum Stuttgart. Schwuppdiwupp hatte er sich plötzlich in den Ruhestand verabschiedet, noch ehe wir die Reise nach Stuttgart-Hohenheim auch nur planen konnten. Immer getreu dem Motto: „Geht auch noch nächstes Jahr.“ Doch wer zu spät kommt, ..., jajaja, Sie haben ja Recht. Ging dann eben nicht mehr.

                      Also dann auf zu Frank Oehler, dem neuen Inhaber und Küchenchef, dem man durchaus Mut bescheinigen kann, diese Nachfolge angetreten zu haben. Gelungen: die Auffrischung und Modernisierung des edlen Interieurs im schon für sich beeindruckenden Schloss Hohenheim. Doch frei nach Otto Rehhagel: wichtig is’ aufm Teller, und dieser Erfahrung blickte ich im Vorfeld mit fast ein wenig Sorge entgegen, denn die Bewertungen der „Speisemeisterei“ fielen doch allzu unterschiedlich aus, seit Oehler sie im Jahr 2008 übernommen hat. Den Stern gab’s zwar schon nach einem Jahr, und er hält ihn seitdem, doch der Gault Millau schickte Oehler und seine Crew in ein Bewertungswechselbad: auf zweimal 15 Punkte folgten im vergangenen Jahr sogar nur 14 und schließlich eine fast sprunghafte Verbesserung auf aktuelle 16 Punkte. Der „gusto“ hatte nach zweimal sieben Pfannen zuletzt einiges zu mäkeln und verteilt aktuell nur noch sechs davon an das ehrenwerte Haus, sah also keineswegs eine Qualitätssteigerung. Immerhin der „Feinschmecker“ blieb bei konstanten drei „Fs“ Was soll man von dieser Divergenz halten? Wäre Oehler tatsächlich besser beraten, sich mehr aufs Kerngeschäft, nämlich sein Restaurant, zu konzentrieren, statt sich auch noch im Fernsehen tummeln zu müssen?
                      Aber was hilft der Spekulatius – wir wollten es selber wissen und fanden endlich den Weg in die „Speisemeisterei“.

                      Grandios zunächst das Anwesen – und geschmackvoll modernisiert. (Darüber wurde schon vielerorts zuhauf berichtet.) In diesem fürstlichen Ambiente erwartet man selbstredend ein entsprechendes Ess-Erlebnis. Und das vorweg: man empfindet am Ende eine gewisse Diskrepanz zwischen Architektur und kulinarischer Leistung, wie man sie etwa im „Vendôme“ wohl nicht empfinden würde. Übersetzt heißt das: im Folgenden werde ich einiges zu mäkeln haben, denn Frank Oehler ist angetreten, um langfristig 17 GM-Punkte zu erkochen. Dieses Ziel soll mit ihm und wohl auch für ihn Markus Eberhardinger erreichen, der ihn vertritt, wenn Oehler außer Haus ist, z. B. an Drehtagen. Das ist er dem Vernehmen nach öfter mal, und er war es auch prompt, als wir dort zu Gast waren... Das muss kein Makel sein, aber ich fürchte, diese Struktur ist für die Unstetigkeit der Küchenleistung doch mitverantwortlich. Und wie sah diese nun aus? Kommen wir zum Eigentlichen.

                      Unser Genuss-Team wählte das sechsgängige „Speisemeisterei“-Menü (obwohl uns auch das vegetarische Menü gereizt hätte), dem eine

                      Variation vom Spargel

                      als Amuse bouche vorangestellt war, bestehend aus einem Spargelschaumsüppchen, einer Spargel-Mini-Tarte und einem Spargel-Ragout. Brav in Idee und Ausführung.

                      Schön dazu aber der

                      2008 Silvaner Kabinett, Weingut Bickel-Stumpf, Frickenhausen (Franken)

                      Der erste Gang,

                      Marinierter Seeteufel (als Carpaccio) mit Jakobsmuschel, Pass Pierre Alge, Mango und Chili

                      schien mir ein Gericht der verpassten Chance zu sein. Ordentliches Handwerk, aber sensorisch äußerst zurückhaltend.

                      Herrlich als Begleitung aber der

                      2010 Sauvignon Blanc von Gerhard Aldinger, Fellbach

                      Ein mit dieser von mir ohnehin geliebten Rebsorte musterhaft gemachter Wein und schon für sich ein Trinkvergnügen!

                      Das Highlight des Menüs dann schon der nächste Gang:

                      Warm geräucherter Stör mit Mark, Rote Bete und Blumenkohl

                      Wunderbar süßlich-säuerliche Verbindung, besonders durch das Mark und die Rote Bete, schlicht präsentiert und als Gericht wie aus einem Guss. (An diesem Punkt des Menüs hätte man sich von den Folgegängen Großes erwartet...)

                      Perfekt dazu auch der beinahe honigfarbene, duftende und unglaublich opulente

                      2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Christel Currle (Stuttgart).

                      Eine Kombination zum Zweimalbestellen!

                      Gespannt waren wir auf

                      Königsberger Klops mit Garnele und Kapern-Kerbel-Reiscreme

                      Das Ergebnis: freche Idee (Tradition verbindet sich mit Moderne, rustikal mit fein, wie wir hofften), schwache Ausführung. Der Königsberger Klops ist ja eigentlich genialen Großmüttern vorbehalten, die ihn so zart und aromatisch zuzubereiten wissen, dass man nur noch schmachten kann. Ich kannte so eine! In der „Speisemeisterei“ bekamen wir einen recht festen Klops mit recht harmloser Würzung serviert. Ärgerlich sogar die Garnele, denn was Schale und was Fleisch war, konnte man zunächst kaum unterscheiden. So hatte man oft genug beides im Mund, und wer will das schon? Gradezu schüchtern im Eindruck erschien mir die Kapern-Kerbel-Reiscreme.

                      Ebenfalls uninspiriert, vor allem aber konzeptionell seltsam wirkte

                      Oxtail mit Ravioli und Perigord Trüffel

                      Dahinter verbarg sich eine (geschmacklich immerhin feine) Consommé, in der der Raviolo schwamm – und die hineingeriebenen Trüffeln, deren Aroma durch dieses Bad praktisch flöten ging. Auch das: verschenkt. Schade.

                      Der erst seit zwei Monaten angestellte junge, aufmerksame und nette sowie kommunikative, wenn auch etwas wortreiche Herr vom Service brachte schließlich

                      Rücken und Geschmortes vom Lamm mit Aubergine und Paprika-Sandwich

                      Man möge es mir nachsehen, dass ich schon wieder mäkeln muss, doch auch dieses Gericht fand ich allenfalls „ordentlich“, mehr nicht – und im Fall des geschmorten Lammwürfels sogar unerfreulich, denn der war schlichtweg trocken und faserig, also schmortechnisch keineswegs geglückt. Die wiederum fein gearbeiteten Gemüsebestandteile des Gerichts – z. B. das Paprika-Sandwich, eine schöne Idee – ließen immerhin erahnen, was man im vegetarischen Menü bekommen hätte. Ist das möglicherweise die eigentliche Stärke der Küche dieses Hauses? Vielleicht wäre das doch noch einmal einen Besuch wert...

                      Der feine, geradlinige

                      2007 Vertigo Felluga aus dem Friaul

                      war – trotz nicht optimaler Temperatur – gut dazu gewählt und ein Stellvertreter-Beispiel für das Resümee: Weinreise wunderbar (ebenfalls konzipiert von besagter, leider namenlosen männlichen Servicekraft), Küchenleistung durchwachsen.

                      Zum

                      Käse vom Brett von Affineur Waltmann

                      bzw.

                      Schokoladen Délice mit indischem Mango Sorbet (das aßen die anderen Genuss-Genossen)

                      gab es eine mir schon wohl bekannte

                      2009 Simonroth Cuvée D vom Weingut Schnaitmann,

                      erneut ein Württemberger, den ich kenne und schätze, und schließlich eine immerhin interessante Patisserie-Parade in Form spezieller Pralinen, etwa eine mit Rosmarin, die mir gut in Erinnerung ist.

                      So ließen wir in diesem immerhin herrlichen Ambiente ein Mittagsmenü ausklingen, das die anfangs genannten Befürchtungen eher bestätigte denn zerstreute. Kaum ein Aha-Effekt, durchaus manche Idee, die aufscheint, aber kaum konsequent zu einem wirklich erinnerungswürdigen Gericht durchgearbeitet, zumeist nur Solidität, die wiederum ihren Preis hat (fürs Sechs-Gang-Menü legten wir jeweils € 98,00, für die Weinbegleitung € 56,00 hin).
                      Der hyperaktive Herr Oehler scheint sich mit der unsteten Anwesenheit in seinem hochherrschaftlichen Hause und der von uns erlebten schwankenden Qualität zu begnügen. Höher hinaus, also etwa in Richtung 17 GM-Punkte, gelangt er nach meiner Einschätzung auf diese Weise aber nicht. Zu gönnen wären sie ihm trotzdem, doch dann müsste er meines Erachtens noch ein paar Grundsatzentscheidungen treffen, sodass sie für die „Speisemeisterei“ auch erreichbar werden.
                      Zuletzt geändert von Tobler; 09.04.2012, 18:48.

                      Kommentar


                      • #12
                        Danke für den Bericht, werter Tobler.

                        Eine Frage: Sie schreiben von einem "vegetarischen Menü". Ist das neu? Bislang gab es in der Speisemeisterei ein reines Fischmenü, das war mir bekannt. Aber vielleicht hab ich auch was übersehen.

                        Schönen Abend noch,
                        M.

                        Kommentar


                        • #13
                          Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
                          Der hyperaktive Herr Oehler scheint sich mit der unsteten Anwesenheit in seinem hochherrschaftlichen Hause und der von uns erlebten schwankenden Qualität zu begnügen.
                          Das ist aber doch das Grundmuster bei fast allen sogenannten Fernsehköchen: Irgendwie den Stern halten, damit der Fernsehkoch auch ein "Sternekoch" ist. Mit diesem "Prädikat" auch breiteres Publikum anlocken. Und im Übrigen offen sein für alles, mit dem man nebenher Geld verdienen kann.

                          Dies ist überhaupt nicht verwerflich und unter ökonomischen Gesichtspunkten auch in Ordnung, für die meisten Forumsmitglieder aber als Adresse wohl selten erste Wahl, wenn überhaupt. Zu Recht!

                          Beste Grüße, Merlan

                          Kommentar


                          • #14
                            Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
                            Eine Frage: Sie schreiben von einem "vegetarischen Menü". Ist das neu? Bislang gab es in der Speisemeisterei ein reines Fischmenü, das war mir bekannt. Aber vielleicht hab ich auch was übersehen.

                            Schönen Abend noch,
                            M.
                            Zumindest in diesem Jahr stand das vegetarische Menü meines Wissens von Anfang an auf der Speisekarte (die angeblich alle zwei Monate wechselt).

                            Beste Grüße

                            Tobler

                            Kommentar


                            • #15
                              Mea culpa. Hab grad noch mal gegoogelt. Ich hab die Speisemeisterei mit der Zirbelstube verwechselt. Da gibt es ein "mediterranes Fischmenü". Peinlich das.

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