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Schwarzwaldstube***, Baiersbronn

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  • Tobler
    antwortet
    Genau die Lebergänge habe ich – ohnehin ein Fan dieses Produkts – bereits ins Visier genommen, durchaus inspiriert durch Ihre Berichte. Danke für den Tipp! Aber auch der Hummergang hätte mich interessiert. Dass es in der "Schwarzwaldstube" auch weiterhin exzellente Saucen gibt, freut mich besonders.
    Zuletzt geändert von Tobler; 16.04.2019, 15:31.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Herr Michel war kurz am Tisch, aber ein ausführlicheres Gespräch war nicht möglich, was bei einer größeren Gruppe ja sicher auch schwierig und meist wenig erhellend ist, da die Meinungen ja oft auseinander gehen. Man darf nicht übersehen, dass die kritischen Töne auf Basis der Erwartung eines Restaurants mit absoluten Höchstnoten ansetzt. Ich kann auch sagen, dass es in unserer Runde durchaus unterschiedliche Favoriten bei den Gängen gab. Insofern ist meine Meinung wirklich als subjektiv zu betrachten und ich denke, Gäste mit anderen Geschmackspräferenzen werden manches anders empfinden. Ich muss aber klar sagen, dass ich das Menü bei unserem Besuch im September in der Summe einen Tick besser empfand bzw. es mich einfach mehr angesprochen hat. Ich denke es liegt auch ein wenig an den Produkten, die man mehr oder weniger mag. Tatsache ist auch jeden Fall, dass ich bei beiden Besuchen die Lebergänge sehr stark fand... als kleine Empfehlung für Ihren Besuch.

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  • Tobler
    antwortet
    Präziser lassen sich Gerichte kaum beschreiben. Chapeau, lieber QWERTZ! Ihr Bericht enthält aber auch erstaunlich kritische Töne, sodass man den Eindruck hat, es sei im Einzelfall noch etwas Feinjustierung bei der Zubereitung notwendig. Haben Sie das entsprechend rückgemeldet (bzw. macht Herr Michel überhaupt einen Rundgang bei den Gästen wie seinerzeit Herr Wohlfahrt)? Meine Frau und ich sind jedenfalls gespannt, was wir bei unserem Besuch September dort erleben werden.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube1-2.jpg Ansichten: 0 Größe: 74,5 KB ID: 63175Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube2-2.jpg Ansichten: 0 Größe: 49,1 KB ID: 63176
    Ich war nach dem Besuch der Schwarzwaldstube im vergangenen September sehr gespannt auf den Club-Abend. Die Küche von Torsten Michel hat mir damals sehr gut gefallen, da sie trotz des klaren klassischen Fundaments im Detail sehr viel Komplexität zeigte, ohne dass man dies dem Gericht unbedingt ansieht. Und so reiste ich mal wieder die lange Bahnstrecke von Hamburg nach Baiersbronn.

    Das Menü beginnt mit einem Champagner von Vazart Ququart & Fils, ein schöner Blanc de Blanc, der nicht zu sehr von der Säure geprägt ist. Das Menü word eröffnet mit einem Dreilerei: Ein Mal Tatar vom Rind und zwei kleine Fisch- bzw. Krustentier-Häppchen, die wohlschmeckend sind, aber die Aromenkombinationen graben sich nicht unbedingt nachhaltig ins Gedächtnis ein. Das war meines Erachtens im vergangenen September differenzierter und prägnanter.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube1.jpg Ansichten: 0 Größe: 55,6 KB ID: 63170

    Gleiches gilt für den Lachs, das große Amuse. Das Fleisch des Fisches hat zweifelsohne Top, aber die currylastige Creme ist deutlich weniger spannend, als weil eindimensionaler, als die differenzierte Konstruktion, die wir im September hatten, die zudem noch süffiger war.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube2.jpg Ansichten: 0 Größe: 67,7 KB ID: 63171

    Bretonischer Hummer und kurz pochierte Felsenaustern auf zartem Corailflan mit grünen Spargelspitzen, Avocado- und Safrandip, Zitronengrasmarinade ist nicht nur bildschön, der Hummer schmeckt richtig gut – und das sage ich, obwohl ich Hummer geschmacklich meist unattraktiver finde, als Kaisergranat, oder Carabinero. Hier kommt der typische, leicht bittere Geschmackston des Hummers zur Geltung, wirkt aber nicht wie in vielen Kombinationen negativ, sondern ist in das Aromenspiel sehr gut integriert und macht es sogar interessanter. Mit der Auster auf der Zunge hat das Gericht eine feine, frische, meerige Note. Auch die Avocado macht sich mit der Cremigkeit sehr gut in der Kombination und das Zitronengras zieht sich dezent durch das Gericht, ohne zu penetrant zu wirken. Das Zitronengras zieht sich dezent durch das Aromenbild. Insgesamt finde ich das Gericht aromatisch top, aber mir doch fehlt, ist das ,was eigentlich in der Schwarzwaldstube nie mangelt: etwas Flüssigkeit.

    Ein perfekter Begleiter und auch sonst ein sehr interessanter Wein ist 2016 Furmint „Rany“ von Homonna auf dem Tokaij. Der Wein ist frisch und wirkt zunächst leicht, hat dann aber doch eine große Tiefe und zeigt zu den verschiedenen Komponenten des Gerichts ein anderes Bild. Eine Top-Wahl von Stéphane Gass.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube3.jpg Ansichten: 0 Größe: 79,3 KB ID: 63172

    Scheibe glasierter Kalbsleber mit geschwenkten Spitzmorcheln und jungen Erbsen an Schmorsaft mit Baroloessig zeigt zunächst mal mit der Kalbsleber ein in der Spitzengastronomie seltenes Produkt in herausragender Qualität und Zubereitung. Die Mächtigkeit des Gerichts wird vor allem durch die jungen Erbsen gut aufgehoben. Der Schmorsaft mit dem Baroloessig ist zwar kräftig und voll im Aroma, lässt aber die Erbsen noch gut zu Geltung kommen und hilft mit seiner feinen Säure ebenfalls, die Kalbleber nicht zu mächtig werden zu lassen. Das geht alles etwas zu Lasten des Eigengeschmacks der Morcheln, die ruhig einen Tick präsenter hätten sein können. Aber trotzdem ist dies für mich ein ziemlich perfekter Lebergang.

    Der 2013er Langhe Rosso von Roagna aus dem Piemont passt mit seiner Nase und seiner Struktur sehr zu dem Gericht, er gibt ihm weitere Frische. Habe ich aber etwas von der Sauce im Mund zeigt sich für mich ein leichter negativer, etwas muffigen Ton. Aber kein Problem, das Gericht ist komplex genug und ich trinke weiter, als ich den Teller leer gegessen habe…
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube5.jpg Ansichten: 0 Größe: 64,5 KB ID: 63173

    Kross gebratenes Rotbarbenfilet mit milden Knoblauchschuppen, geschwenkten Artischocken und pikanter Paprikacoulis mit Basilikum ist – das erkennt man ja sicher schon beim Lesen der Bestandteile – sehr mediterraner Gang. Die Knochblauchschuppen geben einen schön knackigen Effekt in das ansonsten sehr von der Parprika geprägte Geschmacksbild. Trotz der Aromenfülle wirkt das nicht undifferenziert, obwohl das Paprika die Ecken und Kanten, etwa der Artischocke schon ziemlich einebnet.

    Der 2014er Aurel blanc von der Domaine les Aurelles aus dem Languedoc ist ehr kräftiger Weißwein, der zu 100 Prozent aus Roussane produziert wurde, der trotz aller Üppigkeit überhaupt nicht schwerfällig wirkt. Damit kann er spielend mit der Aromenintensität des Gerichts mitspielen und ihm mehr Struktur geben. Eine tolle Wahl.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube7.jpg Ansichten: 0 Größe: 74,5 KB ID: 63174

    Variation von der Barberie-Ente mit eingelegten Navetten, Palmherzpüree und reduzierter Geflügelsauce mit Bourbon Pointu aromatisiert ist ein zunächst sehr klassisch wirkender Gang: Tranchen von der Brust, die Verarbeitung der Innereien zu einer aromatischen Creme, doch die Sauce, die neben dem edlen Kaffee auch noch mit Zitrusaromen, vermutlich hauptsächlich von der Schale aromatisiert ist, ebnet hier nicht Aromen ein, sondern vergrößert der Differenzierung des Geschmacksbildes. Der Saucen-Fan muss da dem Himmel sehr, sehr nahe sein. Ich finde das Gericht aromatisch spannend und dank der dezenten Bitternoten der Sauce sehr gut zu essen – bei der inzwischen einsetzenden Sättigung. Ein wirklich hervorstechender Hauptgang, obwohl nach meinem Eindruck, ich schon mal schöneres Entenfleisch gegessen habe, bzw. durch die dünnen Scheiben die Fleischqualität eventuell nicht optimal zur Geltung kommt.

    Mit dem 2013er Vougeot „Les Cras“ von Rion auf dem Burgund werde ich weintechnisch erneut voll abgeholt. Zum Essen spielt der Wein seine Säure gut aus, ist aber auch allein harmonisch und sehr schön zu trinken – ein wunderbarer, feienr Pinot.
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    Croustillant mit Yuzoschaum und Sorbet von Rhabarber mit Rhabarberkompott, mariniertem Rhabarber und Himbercrémeux, Rhabarbersud ist ein frisches, aber nicht säuerliches Dessert, wie man bei der Zusammenstellung der Grundprodukte denken könnte. Er erfrischt, hat aber eine überschaubare aromatische Komplexität.
    Die liefert der 2016er Scheurebe Auslese „Durbacher Plauelrain“ von Laible. Der Wein ist zwar süß, lässt aber Mineralik schön durchkommen und passt perfekt zu der Aromatik des Gerichts.
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    Sauerkirschsorbet und Mousseline von Holunderblütenwein, Sauerkirschlikör-Knusperbonbon und Kakaobisquit, Hibiskussud ist leicht alkoholisch-mollig. Durch den Biskuit kommen einige dunklere Aromen in das rotfruchtige Aromenspiel. Der Alkohol lässt auch her die Differenzierung etwas zusammenziehen.
    Der 2014er Moscatel „MR“ von Rodriguez aus Malaga nimmt mit seinem höheren Alkoholgehalt die Wirkung des Gangs gut auf.
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    Aus meiner Sicht sind die beiden Desserts nicht allzu spannend. Vielleicht sollte man gegenwärtig auf ein Dessert gehen, denn der Höhepunkt der süßen Abteilung ist definitiv der Petit Fours-Wagen. Alle von mir probierten Kleinigkeiten finde ich deutlich überzeugender als die Desserts zuvor. Zudem gefällt mir die Vielfalt, da es nicht nur Pralinen und Macarons, sondern auch kleines Gebäck und weitere süße Verführungen gibt.

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    Das Menü überzeugt mit den exzellenten Saucen. Außerdem sind die meisten Gerichte bei allen wohligen Grundaromen durchaus differenziert. Die Gänge bieten richtige Portionen, mit denen man sich in die Geschmackswelt eines Gerichts hineintauchen und darin schwelgen kann. Allerdings fehlt mir dann hier und da ein Tick mehr Differenzierung – das gilt vor allem für die Rotbarbe. Auch der Hummer war für meinen Geschmack nicht so überzeugend, wie der Auftakt-Gang des Menüs vom September. Dafür war die Leber exzellent und die Aromenkomposition der Ente hervorstechend gut. Etwas schwächer würde ich die Desserts einstufen, während die Petit Fours wieder ausgezeichnet waren. Insofern war für mein Geschmacksempfinden die Detailschärfe des Menüs schwankend, in der Qualität überzeugte es mich aber auf ganzer Linie
    Herausragend war der Service. Restaurantleiter David Breuer ist ein unterhaltsamer und hochprofessioneller Begleiter durch den Abend und das ganze Team agiert absolut trittsicher und hat jede Steifigkeit vollkommen abgelegt.
    Besonders möchte ich noch die Weinbegleitung von Stéphane Gass loben. Er hat interessante Weine ausgewählt, die exzellent zu den Gerichten passten, aber auch allein sehr schön zu trinken waren. Darüber hinaus hat er uns die einzelnen Weine sehr kurzweilig vorgestellt, immer ein paar Worte zu den Winzern und ein paar zur Machart des Weines – eigentlich mehr zu den Winzern und die Region, weniger technische Werte (Rebsorten, Holzlager, Maischestandzeiten etc.), das unterstreicht natürlich die Nähe und Verbindung zu den Erzeugern..
    Insgesamt war der Abend in der Schwarzwaldstube rund und gelungenAlles in Allem ist das Schwarzwaldstube ein Wohlfühlrestaurant an einem Wohlfühlort.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190412 Clubabend Schwarzwaldstube1-4.jpg Ansichten: 0 Größe: 63,5 KB ID: 63181Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190413 Clubabend Schwarzwaldstube1.jpg Ansichten: 0 Größe: 48,1 KB ID: 63182

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  • Gourmet89
    antwortet
    Was in der Pressemitteilung der "Traube" nach einer Orientierungsphase von Pierre Lingelser klang, schlägt sich jetzt bereits in einer neuen Aufgabe nieder! Er verstärkt Harald Wohlfahrts Tätigkeit bei Edeka Südwest. Das wirft den Verdacht auf, dass sich Lingelser ohne Wohlfahrt nicht wohl fühlte in der "neuen" Schwarzwaldstube.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Oder einfach bei uns auf die Seite schauen:

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  • Gourmet89
    antwortet
    Hier etwas ausführlicher:

    https://www.schwarzwaelder-bote.de/i...7f3047e4f.html

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  • Gourmet89
    antwortet
    Was sagt ihr denn dazu, jetzt geht auch der geniale Pierre Lingelser:
    https://www.ahgz.de/news/personalie-...cU-kHd-QTLFBcU

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  • wombard
    antwortet
    Wir hatten Ende Juli das Vergnügen, nachstehendes Menue zu geniessen.

    Gebeizter Thunfisch „cuit a point“ mit gegrilltem Fenchel, Gewürztomaten und Paprikamarinade, eingelegte Chilis

    Gebeizte Bernstein- und Holzmakrele mit Algenspitzen, Shitakes und Miso, leichter Sojaschaum und Shoyumarinade mit Koriander

    Gebratener schottischer Kaisergranat mit glasierten Spargelspitzen, jungen Erbsen und leichter Nage von Spargel mit Corail gebunden

    Tranche vom Steinköhler sanft in Algenbutter gegart auf gedämpfter Brunnenkresse, Austernsauce mit Kaviar

    Medaillon und geschmorte Schulter vom heimischen Reh, Navetten und Pfefferjus mit „Bourbon Pointu“

    Kleines Törtchen mit glasierten Herzkirschen in Sherrysud, Pistazien-Mandelcreme und Zimtsablé, Holunderblüteneis mit Sauerkirschgranite

    Geeister Joghurt auf Gurkengranité und Estragonschaum, Melonenperlen mit Anis, Estragon-Baise


    Begeistert waren wir ebenfalls von der Makrele aber vor allem vom Steinköhler.. Das war absolute Spitze.

    Den Eindruck, das die Küche nach gradliniger geworden ist, kann ich ebenfalls unterstreichen. Uns hat es sehr gut gefallen, die Bewertung im Feinschmecker ist absolut nicht nachvollziehbar und eine bodenlose Frechheit. An dem *** Sterne Niveau der Schwarzwaldstube hat sich nichts geändert, vielleicht stösst ja den ein oder anderen Gast ab, das er/sie nicht mehr von den " Alten " sondern von den "Jungen" Finkbeiner und Michels begrüsst wird bzw. der Service doch teilweise sehr lockere Sprüche drauf hat.


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  • QWERTZ
    antwortet
    Wie offensiv man dort die Themen Wechsel von Wohlfahrt zu Michel und die Feinschmecker-"Kritik" proaktiv angesprochen hat, fand ich sehr gut.

    Mein Eindruck bzw. meine Vermutung ist, dass es einige Stammgäste gibt, die das Haus nach dem Ausscheiden von Herrn Wohlfahrt nicht mehr betrten und man sich schon bemüht, eine neue Stammkundschaft aufzubauen bzw. die diejenigen, die vielleicht abwartend sind auch für die "neue" Schwarzwaldstube einzunehmen.

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  • Tobler
    antwortet
    Vielen Dank für den, wie immer, wunderschön fotografierten und inhaltlich erhellenden Bericht, lieber QWERTZ. Man bekommt den Eindruck, dass Torsten Michel auf dem Weg ist – in übergroßen Fußstapfen freilich, aber er wird zusehends in sie hineinwachsen, so darf man annehmen. Ich bin selbst gespannt auf den ersten Besuch nach Wohlfahrt, der nach Ihrer Erfahrung sicher keine Enttäuschung werden dürfte.

    Wie hat sich eigentlich der "dynamischere" Service – auch unter Breuer / Gass einer der allerbesten mir bekannten – bzw. die ebensolche Gestaltung des Abends genau gezeigt?

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  • QWERTZ
    antwortet
    Wie kann man zu diesem Restaurant keine Meinung haben? Ob beabsichtigt oder nicht, hat Der Feinschmecker sich mit dem Aussetzen seiner Bewertung selbst ad absurdum geführt, glücklicherweise hatten wir in Verbindung mit unserem Gourmet-Club-Abend bei Sackmann die Möglichkeit, in kleinerer Runde auch in der Schwarzwaldstube einzukehren. Ob durch die jüngste Reaktion des Feinschmeckers oder noch aufgrund der Volten und das öffentliche Aufsehen um den Übergang von Harald Wohlfahrt auf Torsten Michel, erscheint mir der Service und die Gestaltung des Abends dynamischer als bei unserem Club-Besuch vor einigen Jahren, was allerdings mein bislang einziger Besuch in der Traube war. Das Restaurant, an dem an dem Abend eine relativ große Gruppe die Hälfte aller Plätze einnimmt, ist voll gebucht und zwar von einem verhältnismäßig jungen Publikum. Es scheint, als würden neue Zeiten auch neue Gäste ins Restaurant bringen.

    Wir sind ein wenig früh dort, so dass wir nicht nur von Herrn Finkbeiner persönlich begrüßt werden, sondern neben unserem Aperitif auch die ersten vier Snacks außerhalb des Restaurants einnehmen. Mir gefällt der klare Geschmack des Tatars, der schön gestaltete Happen mit Pulpo und das Topinky sehr gut.
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ID: 61742

    Im Restaurant gibt es dann noch einen großes Amuse: und zwar geflämmte Lachswürfel mit Lachskaviar und schwarzem Kaviar obenauf, sowie in einer Creme fraîche fundierten Sauce. Ein klassisches Geschmacksbild, das fein und leicht frisch gestaltet ist. Die Würfel sind relativ mächtig, so dass das Gericht nicht nur vom Kaviar und Creme bestimmt ist.
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ID: 61743

    Gebeizte Bernstein- und Holzmakrele mit eingelegten Gartengurken, Misocrème und Ingwer, Wasabischaum und Shoyumarinade ist ein toller Makrelengang, der den Fisch in all seinen Facetten und Möglichkeiten zeigt. Er liegt qualitativ mit unter den besten Makrelengängen, die ich bislang gegessen habe. Die Holzmakrele wirkt, dadurch, dass sie gegart ist, ein wenig voluminöser. Ihr Lack aus Ponzu und Soja verbreitet Säure und Salzigkeit im Gericht. Die Gurken erinnern in Textur und Würzung ein wenig an Spreewaldgurken. Der Wasabischaum hat eine gezügelte Schärfe. Jede Gabel des Gerichts zeigt es etwas anders, da es so vielfältige Zutaten, Zubereitungen und Aromen gibt. Aber jede Gabel ist reizvoll und spannend. Auch als etwa der Wasabi-Schaum aufgegessen ist, findet das Gericht eine neue, ebenso gute Balance.
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ID: 61744

    Zart angebratene Entenleberscheibe mit geschwenkten Artischocken, krossen Artischockenchips und reduzierte Geflügeljus mit gehackten Trüffeln zeigt die Küche von einer ganz anderen, eher puristischen Seite was die Menge der Komponenten angeht. Die generös große Scheibe der Entenleber hat eine feine Kruse vom Anbraten und ist innen sehr fluffig. Die Artischocken setzen feine, dezente Bitterakzente. Der Geflügeljus ist kräftig. Der Trüffel nicht zu dominant und selbst die leichte Schärfe des Schnittlauchs oben auf spielt eine merkliche und nicht unwichtige Rolle in der Gesamtkomposition. Das ist meisterlich austariert, präzise und einfach lecker zugleich.
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ID: 61745

    Gefüllter Tintenfisch, Sankt-Jakobsmuschel und kleine Meeresfrüchte auf gedämpften Spinatspitzen, leichte Safrannage mit Estragon kann hier leider nicht anknüpfen. Der Tintenfisch, die Muscheln und der kleine Langoustinenschwanz sind dezent gegart und Nage ist wirklich leicht, auch in der Geschmacksintensität. Es ist relativ viel Spinat auf dem Teller, der meines Erachtens die Aromatik der Nage in ihrer Wirkung einschränkt. Lediglich als ich irgendwann eine Spur von Fenchel oder Anis wahrnehme, kommt für mich eine kleine Spannung in die Aromenkonstruktion. Auch wenn dieser Gang sehr gut gekocht ist und die Produkte gut in Szene setzt, fehlt mir hier ein der Spannungsbogen und Fokus der vorherigen Gänge. Mir ist das Gericht insgesamt zu sehr auf den Eigengeschmack der Zutaten reduziert.
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ID: 61746

    Zweierlei vom pommerschen Rind mit mildgeräuchertem Rindermark, Petersilienpüree und jungen Schalotten, Schmorsaft mit Baroloessig zeigt ein wunderbares Rind, in einer Qualität, die gutem Rindfleisch ausländischer Herkunft in nichts nachsteht. Die Entrecote-Scheiben sind sehr schön marmoriert und zeigen Fett- und Fleischgemschack in bester Form. Die Gesamtgestaltung dies Gerichts lässt das Fleisch wirken. Die Schalotten und das Püree sind die Nebendarsteller und halten sich auch gut zurück und unterstreichen damit die Exzellenz des perfekt zubereiteten Hauptprodukts.
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ID: 61747

    Mousseline von Genepi-Likör auf Sauerkirscheis mit Tannenharzaromen, Apfelperlen und Grog von Beifuß und Kardamom ist ein sehr schön erfrischendes Dessert, das von einem klaren Kirschgeschmack bestimmt wird. In der Frische hat es Predessert-Charakter, die Größe der Portion macht es zu einem vollwertigen Dessert.
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ID: 61748

    Baba mit Rum und Ananas in kreolischer Sauce, Crème von Cannelés de Bordeaux und Piña Colada von Kokos-Limoneneiscrème ist ein schön gestaltetes Dessert. Der Baba hat eine fluffige Konsistenz und mit der Sauce den gewünschten Hauch Exotik. Sehr schön ist auch das extra gereichte Eis, das sich in das exotisch fein-fruchtige Geschmacksbild des Haupttellers gut einpasst.
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ID: 61749

    Mit einer größeren Auswahl an Petit Fours beende ich das Menü.
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ID: 61750

    Aus meiner Sicht schient der Neustart der Schwarzwaldstube sehr gut gelungen zu sein. Das dezente Redesign gibt dem Restaurantraum mehr Klarheit, ohne die Tradition zu verleugnen. Dies gilt für mich auch für die Küche: mehr Klarheit und Geradlinigkeit ohne die Schwülstigkeiten, die klassische Küche manchmal haben kann. Üppigkeit und Opulenz gibt es dort, wo sie hinpasst und es das Gericht interessanter macht. Das gefällt mir sehr gut, da nun ein Gang dabei war, der etwas langweilig und für mich nichtssagend war, würde ich die Schwarzwaldstube unter den Drei-Sternern im guten Mittelfeld sehen, also vielleicht eher bei 19 Punkten, als 19,5. Aber auf jeden Fall war die Küche für mich wesentlich interessanter und reizvoller, als ich sie bei meinem Besuch vor fünf Jahren in Erinnerung habe und somit ein schnellerer Wiederbesuch wahrscheinlicher.

    Der Service von David Breuer, Stéhane Gass und dem weiteren Team ist ebenso gekonnt und angenehm.

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  • Gourmet89
    antwortet
    @qwertz: Genau, mangelnde Souveränität darf man Herrn Wohlfahrt unterstellen. Man achte auf Herrn Finkbeiner, der äußert sich nicht!

    @alex11: Mein Lateinlehrer pflegte Schülern zu sagen, die sich in einer Lage wie Herr Wohlfahrt befinden: si tacuisses, philosophus mansisses. Übrigens war ich bei Herrn Wohlfahrt mehrere Male mit hohem Genuss essen und würde seine Kochkünste nie anzweifeln.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber Alex11 - Vermutungen ok, die stehen hier. weil man ja nur seine Schlüsse ziehen kann, aus dem was in der Sache bislang nach außen gedrungen ist. Welche Halbwahrheiten meinen Sie denn konkret?
    Und richtig, mangelnde Intelligenz sollte man ihm nicht unterstellen, aber klug sind meines Erachtens seine Äußerungen trotzdem nicht.
    Es ist ja nicht das einzige Interview, das Harald Wohlfahrt in den vergangenen Wochen gegeben hat und imemr wieder hat er zu seinem Ausscheiden Andeutungen gemacht. So wie ich das verstehe, kann er aufgrund der Einigung in dem Arbeitsgerichtsverfahren nicht mehr sagen, oder er will es nicht, was sein gutes Recht ist. Aber die Andetungen geben natürlich Halbwahrheiten, Vermutungen und Unterstellungen weitere Nahrung. Er könnte auch versuchen, durch eine Äußerung a la "Das Kaptiel Schwarzwaldstube ist für mich durch. Waren viele erfolgreiche Jahre und wenige unschöne Wochen/Monate" wäre souverän und würde genau den Spekualtionen Nahrung entziehen.

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  • alex11
    kommentierte 's Antwort
    Als Künstler muss man nicht realistisch sein.
    Herr Wohlfahrt muss auch nicht diplomatisch sein, das war nie sein Job.

    Diesem Koch mit Weltruf mangelnde Intelligenz zu unterstellen möchte ich gar nicht kommentieren.

    Es ist für mich geradezu widerwärtig wie durch diesen Thread Halbwahrheiten , Vermutungen und Unterstellungen kursieren.
    Die großartige Lebensleistung von Herrn Wohlfahrt für die deutsche Spitzengastronomeie dürfte unbestritten sein.
    Mehr Respekt ist dringend nötig.
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