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Restaurant Die Ente in Ketsch

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  • Restaurant Die Ente in Ketsch

    Hallo,

    wollte mal fragen, ob hier schon jemand in Ketsch im Restaurant Ente (im Hause Seehotel) http://www.seehotel.de war?

    Dieses wird mir immer wieder empfohlen, konnte bisher allerdings hier im Forum (auch im alten) noch nichts dazu finden.

    Kann mir jemand einen Erfahrungsbericht geben - sowohl was das Restaurant betrifft, als auch ggf. das Hotel?

    Würde mich sehr freuen!

    VG
    Klaus

  • #2
    Die Ente , Ketsch 1*/16 GM Punkte

    Die Ente ist das Gourmetrestaurant im Seehotel in Ketsch. Dieses liegt ein wenig ausserhalb von Ketsch direkt am See. Das Haus ist sehr persönlich eingerichtet und viele der ausgestellten Kleinigkeiten können in der hauseigenen Boutique erworben werden.
    Wir hatten an diesem Abend einen Tisch im Wintergarten erhalten und konnten so die vorweihnachtliche Illumination ausgiebig geniessen. Wir wählten das Menue mit folgenden Gängen:

    Matjes aus Carolinsiel
    Pumpernickel : Meerrettich
    Ein tolle Kombination dank dem geeistem Meerrettich

    Alba vs.Maroni
    Ravioli: Bourbon Vanille
    Wir verzichteten auf den Trüffel und genossen vorzügliche Raviolis

    Baba au Rhum
    Gänsestopfleber – Pistazie
    Eine andere Variation mit Pistazie

    SUSHI
    Elsässer Saibling – mit seinem Caviar
    Algensalat
    Dazu noch einige Tupfer geeisten Wasabi, geschmacklich einfach stimmig

    Ente von Madame Dupont
    Knollensellerie: Birne
    Erstklassiges Fleisch, perfekt zubereit und mit der Kombination Sellerie/Birne ein etwas anderes Geschmackserlebnis

    Gebackene Ziege
    Camembert - Preisselbeeren Kalt Gerührt - Tonic Sorbet
    Die herbe Note des Sorbets passte ausgezeichnet

    Dazu wählten wir die Weinbegleitung. Das war jetzt nicht die „grosse“ Einzelflasche aber die gewählten Weine passten fast perfekt zu den einzelnen Gängen. Herrausragend war hierbei der Grauburgunder vom Weingut Klumpp aus Breisach
    Wir waren von diesem Abend positiv überrascht. Die Küche ist modern aber auch gleichzeitig sehr gradlinig. Die einzelnen Komponenten sind stimmig und hier stimmte der Spruch „weniger ist mehr“

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    • #3
      Danke werter Wombard für den schönen Bericht - ein toller kulinarischer Start in das neue Jahr.

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      • #4
        Zitat von Schink Beitrag anzeigen
        Danke werter Wombard für den schönen Bericht - ein toller kulinarischer Start in das neue Jahr.
        Danke, muss doch mal meine "gefressenen Sterne" 2013 zusammentragen. Schliesslich habe ich mehr verfressen als die geposteten Beiträge, aber das glaubt mir ja keiner

        Kommentar


        • #5
          Die Ente*, Ketsch

          Das Seehotel in Ketsch bei Schwetzingen ist hübsch an einem Anglersee gelegen, der Rhein mit seinen ruhigen Armen ist ganz in der Nähe und zahlreiche Spazierwege laden zum Verweilen ein. In den letzten Jahren wurde das Haus um einen Anbau erweitert, der nunmehr auch zeitgemäße, moderne Zimmer mit etlichem Komfort bietet. Eine ideale Anlaufstelle also für einen Kurztrip in der Spargelsaison oder einen Seminaraufenthalt in ruhiger Umgebung.

          Seit fünf Jahren schmückt sich das Seehotel auch mit einem Sternerestaurant, das sicherlich auch noch einmal eine andere Klientel anzieht. Tommy R. Möbius ist Küchenchef der „Ente“ und brachte als Referenz Stationen bei Wissler und Karrer ein; in Wien hatte er die Verantwortung für die Küche des Restaurants „Walter Bauer“*.

          Und mit diesen Vorschusslorbeeren wirbt das Seehotel ziemlich kräftig, und das ist im Prinzip auch absolut in Ordnung. Was uns nicht so sehr gefallen hat, ist, wie ein regelrechter „Starkult“ um Möbius aufgebaut wird, der darin gipfelt, dass von seiner Küche als einer mit dem gewissen „Möbius-Faktor“ (was auch immer das ist) gesprochen wird. In einer hauseigenen Publikation liest sich das so: „Der Möbius-Faktor wird in einer geradlinigen und kraftvollen Küche deutlich, die ebenso provokant wie puristisch geprägt ist und die jede Kreation des begnadeten Sternekochs zu einem Erlebnis macht.“ Wau! Und wenn man Tommy R. Möbius im Restaurant die Honneurs machen sieht, dann wir überdeutlich, wie sehr er diese Einschätzung mit großem Selbstbewusstsein auch selber lebt. Nicht verwunderlich ist daher auch seine hochtrabende eigene Website „dermoebius“.

          Egal! Entscheidend ist, was hinten, sprich, aus der Küche, rauskommt! Um es kurz zu machen: Wir würden die Küche von Tommy R. Möbius mit keinem der zitierten Adjektive umschreiben, noch halten wir ihn für einen „begnadeten“ Koch. Im Vergleich mit den uns bekannten Einsternern wird die Küche der „Ente“ gerade so dieser Klassifizierung gerecht. Wir haben weder einen besonderen „Möbius-Faktor“ entdeckt, noch fanden wir Ansätze, die den Meister aus der Masse der guten Köche herausheben. Das versucht er zwar durch eine gewisse Wortakrobatik in der Karte (z.B. „Samba in der Gamba“, „Quietsche Ente“ oder „der stramme Lachs“) zu suggerieren, doch müssten den flapsigen Worten dann auch seriöse Taten folgen. Aber schauen wir mal:

          Zur Einstimmung gab es auf einem Porzellan-Löffel ein Stück Räucheraal (na ja!) und als Amuse bouche Mini-Shrimps mit Miso und Gurke. Die Shrimps waren ungeschält und mit Kopf frittiert. Muss man mögen!

          ENTE IN DER SEMMEL
          [englisch auch Burger! genannt : Koriander | Confit]

          Genau so steht das wirklich auf der Karte! Der kleine Enten-Burger wurde in dieser Burger-typischen Pappschachtel serviert. Na ja! Er bestand aus etwas nachlässig parierter, gebratener Stopfleber, gepresstem Entenconfit und einem Korianderblättchen. Na ja! Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert!

          ZAREN.FRÜHSTÜCK
          [geschnittenes Beef-Tatar | Eigelb | Wodka]

          Ein gut abgewürztes Rindertatar mit etwas Eigelb obendrauf und einem kleinen Brotchip. Das war´s! Irgendwo muss noch der Wodka gewesen sein. Na ja! Sterneküche?

          NIMM 2
          [Mimolette | Salbei | Radicchio]

          Drei zu Bonbons gedrehte Ravioli waren mit flüssigem Käse gefüllt und auf geschmortem Radicchio angerichtet. Und da war noch ein Salbeiblatt. Na ja! Der gute Italiener von nebenan lässt grüßen!

          WILD.WASSER
          [St. Pierre aus Palamós | Misobutter | Yuzu]

          Angesichts eines St. Pierre-Filets (egal, ob es aus Palamós oder der Tiefkühlung kommt) gibt es bei vielen Köchen einen offenbar unvermeidlichen Reflex: Knallheiße gusseiserne Pfanne!!! So eine muss auch Herr Möbius benutzen. Ergebnis: Die Haut ist so „schockgebraten“, dass sie sich nicht mehr vom Fischfleisch lösen lässt und letzteres trocken und zäh ist. Begleitet wurde dieses totgebratene Filet von drei dicken Soßentupfen, die arg cremig und mächtig aufgeschlagen waren. Der Fisch war auf einem Wurzelgemüse angerichtet (Petersilienwurzel?), dem noch eine Nocke laschen Spinats beigeben wurde (warum auch immer). Na ja! Ein Gang, der nun wirklich nicht gut gemacht war und von einer nachvollziehbaren „Komposition“ weit entfernt war.

          STRO.GA.NOFF 
          [RinderFilet | Knusperzwiebel : Pfeffermüsli]

          Ja, Originalton! Zwei ganz gut gegarte Scheiben vom Rinderfilet mit viel „Pfeffer-Knusper“ und einer ordentlichen Sauce. Die „Knusperzwiebel“ war ein stark paniertes und frittiertes Zwiebelbällchen. Na ja!

          VACHERIN MONT D´OR
          [Pumpernickel : Granatapfel]

          Nanu, kein Gag in der Schreibweise?! Auch nicht im Glas, in dem der flüssige Käse serviert wurde. Der angegossene, stark prägende Pumpernickel-Sud tat dem eigentlich tollen Käse nicht sonderlich gut. Die Granatapfelkerne spielte nur optisch eine Rolle. Na ja!

          SCHNIIIICKERS
          [Karamell | Erdnuss]

          Das Dessert sollte wohl eine Dekonstruktion des bekannten Snickers-Riegels sein. War´s wohl auch mit seinem Karamell- und Erdnussgeschmack. Das Ganze wurde auf einem weißgepuderten Backstein serviert. Na ja! Aus dieser Gemengelage stach für uns noch ein Erdnuss-artiges Gebilde hervor, das wir zuletzt in perfekter Ausführung im Vendôme gegessen hatten: eine feine Erdnusscreme im knackigen Mantel. Bei Möbius war der Mantel weich. Na ja!

          Fazit:

          An meinem häufig verwendeten Ausdruck „na ja!“ mag man erkennen, dass die „Ente“ eine Küche präsentiert, die einiges vorgibt, einiges möchte, aber nach unserem Erleben leider zu wenig einlöst. Bei jedem Gang hat man das Gefühl, so etwas schon besser oder raffinierter, kreativer erlebt zu haben. Würde sich das Marketing um Herrn Möbius ein Stück bescheidener geben, würde man vielleicht auch nicht mit einer höheren Erwartungshaltung in das Restaurant gehen. So aber können die im Vorfeld hochgepushten Erwartungen beim erfahrenen Esser nur enttäuscht werden. Wer gerne die Show mag, ist bei Tommy R. Möbius wohl ganz gut aufgehoben.

          Der Service ist unaufgeregt freundlich, die Weinkarte ordentlich bestückt mit vorwiegend deutschen und französischen Gewächsen.

          Schönen Gruß, Merlan

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          • #6
            STRO.GA.NOFF = STROH.DOOF
            Gruß
            Schlar.AFFE.nland
            PS: irgendetwas besonderes muß die Ente doch haben; dies ist immerhin der dritte Thread zu ein und derselben Wirtschaft.

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            • #7
              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
              ... dies ist immerhin der dritte Thread zu ein und derselben Wirtschaft.
              Stimmt! Könnte "man" zusammenlegen.
              Schönen Gruß, Mer.lan

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              • #8
                Werter Merlan,

                Danke für den interessanten und humorvollen Bericht, immerhin hat er mit August Ferdinand Möbius einen berühmten Namensvetter.
                Wenn es schon keinen Möbius-Faktor gibt, vielleicht wäre eine Nudel in Form eines Möbiusbandes eine originelle Idee.

                Gruß
                Jürgen

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                • #9
                  Danke für den Bericht. Wie schade, muss man da sagen. Irgendwann mache ich mal ein Bullshit-Bingo für PR-Texte von Sternerestaurants.... Marketing ist ja das eine, aber dann ist es doppelt ungünstig, wenn falsche und/oder überzogene Erwartungen geweckt werden.

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                  • #10
                    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                    ZAREN.FRÜHSTÜCK
                    [geschnittenes Beef-Tatar | Eigelb | Wodka]

                    Ein gut abgewürztes Rindertatar mit etwas Eigelb obendrauf und einem kleinen Brotchip. Das war´s! Irgendwo muss noch der Wodka gewesen sein. Na ja! Sterneküche?
                    So heißt ein Gericht von Wissler wird dabei aber mit Kaviar gereicht.
                    Im Kochbuch heißt es : " Das Tatar wird mit Tafelspitzsud-Geleeschichten zwischen knusprig gebratenen, dünnen Brotscheiben eingefasst. Danach wird es mit Kaviar vollendet.
                    Der kleine Teller mit Wodka-Kräuter-Creme und Wachteleigelb. In die Hand nehmen, eintunken, essen.

                    Klingt wie großes Vergnügen - zu dumm wenn es eine langweilige nicht gekonnte Kopie gibt.

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                    • #11
                      Danke für diesen Bericht, geehrter Merlan,

                      die Ente ist von uns nur ein Katzensprung. Wir waren aber nur einmal da. Warum? Na ja... Sehe oben.

                      VG

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                      • #12
                        Super geschrieben, ich kann mir das Lokal angesichts Ihres Berichts bildlich vorstellen. Vielen Dank dafür.

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                        • #13
                          Danke, lieber merlan, für diese sehr überzeugende Kritik! Schwacher Einsterner mit großer Klappe. Na ja. Die Zielgruppe bilden hier wohl "ungeübte Esser", die man über die bunte Verpackung lockt (und die man vielleicht ja sogar, wer weiß, zufrieden stellt!). Wenn ich mir die wenig subtile Werbung des Hauses so anschaue, frage ich mich aber eher, wie sich eigentlich unser anspruchsvolle Herr merlan dahin verlaufen konnte...

                          Grüße, mk

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                          • #14
                            Wahrscheinlich war der Frank gerade ausgebucht

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                            • #15
                              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                              Wahrscheinlich war der Frank gerade ausgebucht
                              (oder im Großen Apfel zur Signierstunde)

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