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Schwarzer Adler - Oberbergen

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  • soriso
    antwortet
    Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
    Eine Frage:
    Das Hotel besteht ja aus 2 Gebäuden. Sind beide direkt am Restaurant?
    Gruß!
    Über dem Restaurant befinden sich einige Zimmer.
    2 oder 3 Zimmer mit Blick auf den Hof sind relativ vor Verkehrslärm geschützt.
    Die anderen Zimmer befinden sich auf der Straßenseite.
    Von der Straße ist das Gebäude nur einige Meter entfernt.

    Diese Zimmer hatten wir uns erst kürzlich angesehen.
    Wir haben uns dann aber für das ca. 200/250m entfernte (ruhige/modernere) ***Gästehaus entschieden.

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  • fragolini
    antwortet
    Eine Frage:
    Das Hotel besteht ja aus 2 Gebäuden. Sind beide direkt am Restaurant?

    Gruß!

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    Werter Schlaraffe,

    vielen Dank für ihre schwelgerischen Ausführungen "in mehreren Akten"! Beim Lesen wurde ich mehr als neidisch, erinnerte ich mich doch an meinen traumhaften Besuch im Adler im letzten Sommer zurück, bei dem ich ebenfalls die klassisch-süffige Küche dieser Institution genießen durfte. Leider stecke ich gerade mitten im Abitur (keine Sorge, ich muss es nur abnehmen und nicht selbst bestreiten ) und die nächsten Sommerferien sind noch weit, denn ansonsten hätte ich mich nach der Lektüre ihres hymnischen Berichtes am liebsten sofort ins Auto gesetzt und wäre auf direktem Wege nach Oberbergen gebraust....

    Bei meinem nächsten Besuch (der schon fest eingeplant ist, aber aus oben genannten Gründen noch in weiter Ferne liegt) werde ich mich dann auf jeden Fall auch an der von ihnen beschriebenen Poularde gütlich tun, denn beim letztjährigen Aufenthalt im Adler erblassten mein Begleiter und ich vor Neid, als sie am Nebentisch aufgetragen wurde und während des Tranchierens Trüffeldüfte paradiesischen Ausmaßes über die weinumrankte Terrasse wehten....
    Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 15.05.2014, 19:05.

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    Vorspiel, Theater, irgendwas von Schiller

    I: Bühnenbild und Kostüme wie zu Schillers Zeiten; die Schauspieler deklamieren den Text, geschliffene, wunderbare Siebs-Aussprache, " habe nun ach ..."; der Regisseur überlässt die Assoziationen dem Publikum, auch in die Exegese der ewiggültigen Zeilen mischt er sich kaum ein.
    II: Bühnenbild: leer. Ein Jeep fährt vor, ein Mann im Naziledermantel steigt aus, starrt, legt den Mantel ab, ist nun nur noch mit Springerstiefeln bekleidet, kniet nieder, zunächst das Gesäß Richtung Publikum, eine Bühnendrehvorrichtung läßt ihn nach etwa zehn Schweigeminuten ins Publikum blicken, und unter scheinbaren Krämpfen skandiert er nun das "Sein oder Nichtsein ...

    Der Schwarze Adler ist ein klassisches Haus. Der Vortrunk ein Apfelsprutzel von Duttenhofer, sehr gut. Da wir die Schweinsblasenpoullarde bestellt hatten, nur eine kleine Vorspeise, natürlich Froschschenkel in einer Knoblauch hoch drei Butter; ein Schälchen Zitronenwasser animiert einen, mit den Händen, nicht nur mit den Fingern, zu essen. Zartestes Schenkelfleisch, exakt gesalzen, dazu einen hauseigenen Chardonnay S, Herz, was willst du mehr.
    Über die poularde demi-deuil ist viel geschrieben worden, wir hatten sie noch nie gegessen. Der Anblick dieser prallen Schweinsblase macht einen das gueule wässern. Die Zeremonie des Anschnitts, dann der Trüffelduft, schließlich dieser unvergleichliche Geschmack, kräftiges Geflügelfleisch, intensive Gemüse, der Reis durch eine Fettleber schmatzig gehalten. Einmal im Leben, das muß schon sein (eher auf den Jaguar verzichten). Die unglaublich zuvorkommende Sommelière hat uns einen Charmes-Chambertin Grand Cru von Armand Rousseau empfohlen, 2002, ein maulvoller Wein, voller Frucht, eine Gabel Fleisch mit Trüffel, ein Schlückchen, eine Gabel Schlonzreis, ein Schlückchen, etwas Gemüse, ein Schlückchen, ach wenn das doch wenigstens eine kleine Ewigkeit so weiter gehen könnte.
    Die Dessertkarte klassisch-charmant, zu jedem Dessert wird ein anderer Süßwein angeboten; zur Crème Brûlée zum Beispiel ein 02 Ch.de Fargues, zur Schwarzwälder Kirsch eine Bassgeige Spätburgunder Beerenauslese. Zu meinem Schokoladenexzess gab es 2004 Banyuls, Excellence von D.du Mas Blanc.

    Leider fehlt dem Michelin hier der Mut, sich an seine eigenen Kriterien zu erinnern. Denn dieses Lokal verdient eindeutig einen Umweg.

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  • Tobler
    antwortet
    Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
    @Tobler: Ein Kurzbericht zur "Wolfshöhle" wird demnächst folgen, zur Zeit hat mich aber leider wieder der beginnende Schulalltag in seinen Klauen, werter Kollege...
    Das geht mir kaum anders. Doch wir lassen das jetzt wirklich mit dem Lehrerleid und hoffen, dass dieses gemeinsame Coming Out uns in diesem Forum nicht auf ewig als Lehrerbesserwisser brandmarkt...

    Auf Ihren Bericht zur "Wolfshöhle" freue ich mich, zumal ein Besuch dort längst mal wieder fällig ist! (Und jetzt ertönt unerbittlich die OT-Sirene.)

    KG

    Tobler

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    @Schlaraffe und merlan: Trotz meiner versuchten Differenzierung ist wohl doch nicht ganz deutlich geworden, was ich eigentlich in Bezug auf den Vergleich "Klassik versus Avantgarde" genau sagen wollte: Ich bin durchaus ein großer Fan der modernen Avantgarde-Küche, wenn sie genial und intelligent umgesetzt wird und jedes Element auf dem Teller seine Berechtigung hat (was in dieser Form ja auch von einigen großen Meistern der Moderne in Deutschland praktiziert wird)!

    Wenn aber von Trittbrettfahrern und Kopisten Trends nicht richtig verstanden werden, einige Kunststückchen auf dem Teller nur noch dem Selbstzweck dienen und keinerlei kulinarische Funktion mehr erfüllen, dann wird man dies, da es leider in der gehobenen Gastronomie des Öfteren der Fall ist, irgendwann leid. Ein Restaurant wie der "Schwarze Adler" ist dann zwischendurch eine Labsal, da man hier vor solchen leider oftmals gescheiterten Experimenten oder falsch verstandener Kreativität gefeit ist!

    @Tobler: Ein Kurzbericht zur "Wolfshöhle" wird demnächst folgen, zur Zeit hat mich aber leider wieder der beginnende Schulalltag in seinen Klauen, werter Kollege...

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  • Tobler
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    "Chi-Chi" (was ist das eigentlich?)
    Der Duden erklärt: "Brimborium; unverhältnismäßiger Aufwand; überflüssiges Drumherum"

    Da nich' für!

    KG

    Tobler

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  • Tobler
    antwortet
    Vielen Dank, werter El Grande Gourmet (oder doch lieber "werter Herr Kollege" ), für Ihren knackigen Bericht!

    Übrigens: Dürfen wir noch auf Details zu Ihrem Besuch in der (von mir sehr geschätzten) "Wolfshöhle" hoffen?

    KG

    Tobler

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  • merlan
    antwortet
    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
    ... tauchen dann doch wieder, als müßte eine konservative Klientel mit den üblichen "Verdächtigen" bedient werden, Formulierungen wie: Türmchen-Ikebana, endlose Amuse-"bouche"- Paraden, Geltropfen und Espumas auf. Natürlich gibt es dann auch dort kein Chi-Chi, vielmehr saubere und ehrliche Küche.
    Da muss ich Schlaraffenland schon Recht geben: Manchmal hört es sich fast wie eine Erleichterung an, sich in der sogenannten klassischen Küche dem ganzen "Chi-Chi" (was ist das eigentlich?) nicht aussetzen zu müssen. Außerhalb dieses Forums sind solche Sätze sicherlich populär; hier irritieren sie mich eher.

    Beste Grüße, Merlan

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  • Mohnkalb
    antwortet
    Lieber El Grande Gourmet, vielen Dank auch von mir für Ihren interessanten Bericht! Mir gefällt auch Ihre freimütige, gut nachvollziehbarere Art. Im Adler in Oberbergen bin ich leider immer noch nicht gewesen.

    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
    Friede unseren Spitzenküchen, Krieg dem malbouffe
    Aus Rücksicht auf ein geschätztes Forumsmitglied schlage ich folgende Umbüchnerung vor: Friede unseren Spitzenküchen, Krieg dem Schlangenfraß!

    Grüße, mk

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    Mir hat der Bericht auch sehr gut gefallen. Beim nächsten Besuch des Kaiserstuhls wird dieses Lokal nicht schon wieder übergangen werden!
    Gruß
    s.
    PS: auf eine kleine Gefahr beim Lob der klassischen Küche möchte ich dennoch hinweisen. Obwohl ja darauf hingewiesen wird, daß die moderne, avantgardistische Küche eine mindest gleichwertige Koexistenz führe, tauchen dann doch wieder, als müßte eine konservative Klientel mit den üblichen "Verdächtigen" bedient werden, Formulierungen wie: Türmchen-Ikebana, endlose Amuse-"bouche"- Paraden, Geltropfen und Espumas auf. Natürlich gibt es dann auch dort kein Chi-Chi, vielmehr saubere und ehrliche Küche.
    Friede unseren Spitzenküchen, Krieg dem malbouffe

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  • soriso
    antwortet
    Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
    Aber es freut mich umso mehr, wenn ich auch in heutiger Zeit noch auf Etablissements wie den „Schwarzen Adler“ treffe, der eine badisch-französische Küche serviert, wie sie wohl auch schon vor einigen Jahrzehnten in ähnlicher Form in den gehobenen Restaurants der Grenzregion zwischen Kaiserstuhl und Elsass angeboten wurde:

    Keine endlosen Amuse-Bouche-Paraden zu Beginn, kein Türmchen-Ikebana auf dem Teller, keine hin gewischten Airbrush-Soßen-Streifen, Gel-Tropfen, Gartenlandschaften und Espumas auf dem Teller, sondern ehrliche und ordentlich portionierte Fleischstücke, perfekt gebraten und von hoher Qualität, welche durch tiefgründige Soßen und sauber gearbeitete Beilagen ohne viel Chi-Chi geadelt werden.

    Dass die Produkt-Palette insgesamt stark auf Edelprodukte wie Gänseleber, Kalb, Trüffel und St. Pierre zugeschnitten ist, passt natürlich ebenfalls bestens zum sehr klassisch-französisch ausgerichteten Gesamtkonzept. Dazu eine überbordende Weinauswahl (durch die Melanie Wagner als Sommeliere aber kompetent und zurückhaltend zu führen weiß), ein überaus angenehmer Service und das gehobene, aber trotzdem gediegen-gemütliche Gasthausambiente, was braucht es mehr?

    Ein Gasthaus wie der „Schwarze Adler“ gehört somit als Wahrer alter, aber nicht verstaubter, Küchentraditionen unter Denkmalschutz gestellt, da man solch ein Kleinod in der heutigen, äußerst schnelllebigen Gastronomielandschaft lange suchen muss (vor allem in meiner Heimatregion, dem Westfälischen…)
    Werter El Grande Gourmet,
    auch vom mir besten Dank für Ihren Bericht.

    Mich freut es immer wieder, wenn ein erfahrener Goumet meine eigenen Esserlebnisse / Bewertungen
    eines Restaurants teilt oder so wie Sie dazu noch ausführlicher zum Ausdruck bringt.

    Gruß
    Soriso

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    Werte Schink,

    von der Auswahl gerade in Bezug auf große Bordeauxtropfen hätte man sich nur zu gern verführen lassen, nur waren uns beiden Lehrern trotz wirklich fairer Preiskalkulation da finanziell doch ein wenig die Hände gebunden.... Wir haben uns deswegen von Frau Wagner größtenteils Weine vom kellerschen Gut (Gewürztraminer zur Gänseleber, Grauburgunder zum St. Pierre) und zum Kalb den Pinot nero "Krafuss" von Alois Lageder aus Südtirol kredenzen lassen. Insgesamt eine (äußerst fair kalkulierte) Begleitung, die man sich nicht passender hätte wünschen können....

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  • Schink
    antwortet
    Vielen Dank für den wunderschönen Bericht, werter El Grande Gourmet. Auch ich bin für die Klassik immer wieder zu haben und Ihr Bericht macht Lust auf eine Fahrt in das Badische.
    Haben Sie dann heimische Weine getrunken oder sich zu einem großen Bourdeaux verführen lassen.

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    Die letzte Sommerferienwoche musste noch einmal genutzt werden, um Kräfte für die sechs langen Wochen bis zu den Herbstferien zu sammeln (ja, ja, die Lehrer, jammern mal wieder auf hohem Niveau…), dachten sich mein aus dem Breisgau zugezogener Kollege und meine Wenigkeit, und so verschlug es uns für drei Tage in seine alte Heimat, nach Freiburg. Neben einem (durchaus erfreulichen) mittäglichen Besuch in der dort beheimateten „Wolfshöhle“ zog es uns an einem Abend in den benachbarten Kaiserstuhl, genauer nach Oberbergen, um dem „Schwarzen Adler“, einem Klassiker der gehobenen Küche in Deutschland, unsere Aufwartung zu machen.

    Nach einer recht abenteuerlichen Anfahrt aus Freiburg (einer Kombination aus Schienenersatzverkehr, Regionalzug und Bus) kamen wir gegen 18.00 Uhr erstaunlicherweise doch noch in Oberbergen an. Wir konnten uns gerade noch vor dem Gewitter, welches uns die nächsten zwei Stunden ohrenbetäubend begleiten sollte, auf die geschützte Terrasse retten, wo wir unsere „trockene“ Ankunft sogleich mit einem Winzersekt aus dem Hause Keller „begossen“. Nach ausgiebigem Studium der Weinkarte (die komplette Reizüberflutung aufgrund einer nie gesehenen Auswahl vor allem an Bordeaux-Granaten führte dazu, dass wir uns total überfordert in die Obhut der Sommeliere Frau Wagner begaben, deren kompetenten Empfehlungen wir dann den gesamten Abend über Folge leisteten) ging es an die Auswahl der Speisen, aber auch hier fiel uns die Auswahl aufgrund allzu viel verlockender Angebote äußerst schwer. Aus der Not machten wir eine Tugend und bestellten zwei Vorspeisen, jeweils als halbe Portion. Los ging es mit…

    Unsere Gänseleber mit Gewürztraminergelee, Apfelkompott und Brioche: Schon hier zeichnete sich ab, in welche Richtung der Abend gehen würde: Es wurde ein Klassiker der badisch-elsässischen Küche serviert, bei dem alle Komponenten perfekt miteinander harmonierten. Die Leber von perfektem Schmelz und höchster Produktqualität, das mit feiner Säure spielende Gelee sowie der nicht zu süße Kompott fanden in vollendeter Harmonie zueinander. Das kann man vielleicht anders machen, aber nicht viel besser (*-**)

    St.-Petersfischfilet auf Beurre Blanc und schwarzem Venere-Risotto: Der nächste Paukenschlag, bei dem alles passte: Das Filet im Inneren noch leicht glasig und an Frische (war wahrscheinlich am Nachmittag noch mit dem Rungis-Express geliefert worden) kaum zu überbieten, der Risotto glänzte mit der perfekten Mischung aus Biss und Schlotzigkeit, und die Beurre Blanc, die ich in Deutschland bisher kaum irgendwo besser serviert bekommen habe (was aber leider auch nicht allzu schwer ist, denn selbst in der gehobenen Gastronomie findet man sie kaum noch auf den Speisekarten), umspielte Fisch und Risotto aufs Angenehmste. Wie die Vorspeise ein puristisch angerichteter Gang, der nicht mehr als drei Komponenten brauchte, um wahrlich zu glänzen (**)

    Filet „Rossini“ vom Kaiserstühler Kalb mit einer Sauce von schwarzen Périgord-Trüffeln, Blattspinat und Kartoffelravioli: Bei diesem Gericht war nun wirklich alles versammelt, was Habitues von einer (ultra-)klassisch französisch ausgerichteten Küche gehobener Art erwarten dürften. Das Kalb und die es bedeckende Scheibe von der Gänseleber waren – allmählich nahm man es schon als selbstverständlich hin – von höchster Produktqualiät, die Sauce war nicht, wie sonst oft üblich, mit zwei Trüffelspänchen pafümiert, sondern explodierte förmlich vor Trüffelgeschmack, und die Ravioli verströmten schon verführerisch ein intensives Kartoffelaroma, als man sie nur kurz angeschnitten hatte. Den eher unauffällig mit Pinienkernen daherkommenden Blattspinat hätte es nicht mehr unbedingt gebraucht, aber immerhin störte er auch nicht den Gesamtakkord. Insgesamt fand man in diesem Gericht also ein Arsenal an Edelprodukten vor, welche aber im geschmacklichen Gesamtgefüge alle ihren aromatischen Stellenwert besaßen und nicht aus Prestige-Gründen den Weg auf den Teller gefunden hatten. Eine süffige Geschmacksbombe zum Schwelgen (*-**)

    Variation für Liebhaber dunkler Valrhona-Schokoladen: Ein wahrhaft würdiger Abschluss: Wer auf Desserts auf Schokoladen-Basis steht, für den war dieses Potpourri eine wahre Wonne: Es waren eine Mousse, eine Trinkschokolade, eine Tarte, eine Ganache, eine im Mund platzende Kugel mit einem flüssigen Innenleben aus Kirsche und Chili sowie eine Creme Brulee auf dem Teller versammelt, wobei außer der etwas ausdruckslosen Creme Brulee alle anderen Elemente herrlich intensiv und nicht zu süß gearbeitet waren. Vor allem die eben erwähnte Kugel überraschte, fiel sie doch aufgrund fast schon molekularer Anklänge etwas aus dem ansonsten auch beim Dessert vorherrschenden klassisch-konservativen Rahmen (*-**)

    Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich bin auch der modernen, kleinteilig und kreativ arbeitenden Küche von heute, wie sie z.B. in der „Überfahrt“ in Rottach-Egern oder dem „La Vie“ in Osnabrück geboten wird, durchaus zugetan und setze mich gerne mit den dort servierten Tellerkunstwerken aus verschiedensten Kleinstelementen auseinander. Aber es freut mich umso mehr, wenn ich auch in heutiger Zeit noch auf Etablissements wie den „Schwarzen Adler“ treffe, der eine badisch-französische Küche serviert, wie sie wohl auch schon vor einigen Jahrzehnten in ähnlicher Form in den gehobenen Restaurants der Grenzregion zwischen Kaiserstuhl und Elsass angeboten wurde: Keine endlosen Amuse-Bouche-Paraden zu Beginn, kein Türmchen-Ikebana, keine hin gewischten Airbrush-Soßen-Streifen, Gel-Tropfen, Gartenlandschaften und Espumas auf dem Teller, sondern ehrliche und ordentlich portionierte Fleischstücke, perfekt gebraten und von hoher Qualität, welche durch tiefgründige Soßen und sauber gearbeitete Beilagen ohne viel Chi-Chi geadelt werden. Dass die Produkt-Palette insgesamt stark auf Edelprodukte wie Gänseleber, Kalb, Trüffel und St. Pierre zugeschnitten ist, passt natürlich ebenfalls bestens zum sehr klassisch-französisch ausgerichteten Gesamtkonzept. Dazu eine überbordende Weinauswahl (durch die Melanie Wagner als Sommeliere aber kompetent und zurückhaltend zu führen weiß), ein überaus angenehmer Service und das gehobene, aber trotzdem gediegen-gemütliche Gasthausambiente, was braucht es mehr?

    Ein Gasthaus wie der „Schwarze Adler“ gehört somit als Wahrer alter, aber nicht verstaubter Küchentraditionen unter Denkmalschutz gestellt, da man solch ein Kleinod in der heutigen, äußerst schnelllebigen Gastronomielandschaft lange suchen muss (vor allem in meiner Heimatregion, dem Westfälischen…)
    Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 09.09.2013, 18:21.

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