Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Le Corange*, Mannheim

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Le Corange*, Mannheim

    Es ist schon beachtlich, dass ein Modehaus vier Restaurants betreibt und dabei für jeden etwas zu bieten hat. Das Angebot reicht von der Currywurst bis zum Rochenbäckchen, vom Schnitzel bis zum Kalbsbries. Zweifellos ist das „Opus V“ mit seinen zwei Michelin-Sternen die Spitze der Engelhorn´schen Gastronomie, aber seit letzten November ziert auch das „Le Corange“ ein Stern und bietet damit Anlass genug, die Küche von Dominik Markowitz einmal zu probieren, zumal das „Opus V“ keinen Lunch mehr anbietet und man deshalb dankbar auf das Zweit-Restaurant ausweicht, das aber auch nur freitags und samstags mittags geöffnet hat.

    Das „Le Corange“ offeriert mittags zwei Viergang-Menüs, die jedoch auf drei Gänge reduziert werden können. Abends werden diese Gänge um jeweils zwei weitere ergänzt. Die Preise sind selbstbewusst kalkuliert; für das Viergang-Menü werden 74 Euro aufgerufen, was mir im Vergleich etwa mit dem „Gustav“* in Frankfurt (50 Euro) oder dem „MaiBeck“* in Köln (46 Euro) angesichts des Wareneinsatzes als zu hoch erscheint.

    Unser Lunch-Menü:

    Amuse bouche:
    Dorade auf Petersilienwurzelpürée, Quinoa, Physalis-Vinaigrette

    Jacobsmuschel mit Blumenkohl und Zitrusaromen

    Rote Bete im „Pot au feu Stil“ mit Kümmel und Brillat Savarin

    Zackenbarsch und Kaisergranat mit Wintergemüse und Sumach

    Vanille Ganache mit Kaffee und Kaki


    Um es vorweg zu sagen: Das „Le Corange“ kann man nicht mit dem benachbarten „Opus V“ vergleichen! Zu unterschiedlich sind die Konzepte, zu abgestuft der Anspruch an das Gebotene. Aber das "Le Corange" hat schließlich auch nur einen Stern! Hat es diesen denn zu Recht? Na ja, fifty-fifty! Die ersten beiden Gänge waren schon auf Sterne-Niveau, die beiden letzten eher weniger.

    Fangen wir mit dem Positiven an: Das Amuse bouche war sehr gut: Drei Mini-Mini-Stückchen von der gebratenen Dorade waren auf einem schmackhaften Wurzel-Pürée platziert und von einer fein-fruchtigen Vinaigrette umgeben; ein sehr harmonisches Geschmacksbild, das sehr schön auf das Menü einstimmen konnte. Der erste Gang war ähnlich angelegt und überzeugte mit einer Bergamotte-parfümierten Basis für die Jakobsmuschel und die Blumenkohl-Crème. Pfiffig auch das sogenannte Pot-au-feu: Die im Teller angerichteten Ravioli aus gelber und roter Bete (mit Brillat-Savarin-Füllung!)wurden am Tisch mit einem Rote-Bete Süppchen übergossen, was zwar die Optik zerstörte, aber für den Geschmack überaus förderlich und köstlich war.

    Weniger gelungen waren der Fischgang und das Dessert: Das Stück vom Zackenbarsch war ziemlich „tot gebraten“, also arg trocken und faserig. Da halfen auch die Carpaccio-artig aufgelegten Kaisergranat-Scheibchen nichts, die bei den intensiven Röstaromen des Fisches keinerlei Rolle spielen konnten. Die dazu gereichte Bisque war zu dünn, um das Meeresgetier zu unterstützen, und wirkte somit eher banal.

    Das Dessert bestand aus drei verschiedenen Crèmes von unterschiedlicher Konsistenz. Es fehlte jedoch das Verbindende, der Reiz, der Kick. Das Bisschen Kaki konnte diese Anforderung jedenfalls nicht erfüllen.

    Fazit:
    Im „Le Corange“ kann man ganz gut essen. Einige Gerichte erreichen *-Niveau, andere eher nicht. Dennoch verlässt man wohlgestimmt den Tisch, hat man doch zwei Stunden über den Dächern von Mannheim in angenehmer Atmosphäre, mit freundlichem, jungem Service, ordentlichem Wein und ambitionierter Küche verbracht. Angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses wäre allerdings beim nächsten Einkaufsbummel zu überlegen, ob es nicht auch mal einfach nur ein guter Erbsen-Eintopf im Dachgarten-Restaurant tut.

    Schönen Gruß, Merlan

  • #2
    Lieber Merlan,

    danke für den Bericht. Ich war bisher nur im Opus und sehr angetan. Ich finde €74 für vier Gänge in einem Einsterner jetzt nicht sonderlich viel. Es gibt anderswo schon günstigere Optionen, dann aber oft nicht aus der regulären Abendkarte. Und was das PLV von Erbseneintopf angeht: Da stecken dann €1.50 Warenseinsatz drin, kaum Personalkosten (kocht sich von allein) und ist dann am Ende ein gutes Geschäft für das Restaurant. Wenn man wirklich ausrechnet was das Gericht kostet, ist glaube ich das Bareiss das "günstigste" Restaurant in Deutschland.

    Danke für den Bericht!

    M
    Zuletzt geändert von Muck; 28.02.2018, 13:01.

    Kommentar

    Lädt...
    X