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Moriki, Baden-Baden

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  • Moriki, Baden-Baden

    Eine Arbeitsreise erfordert von mir Anfang 2020 einen Aufenthalt in Baden-Baden, genächtigt habe ich im hervorragenden und sehr authentischen Roomers Hotel, welches ich schon aus Frankfurt kannte wo es aber deutlich dunkler daher kommt.

    Zu meiner Freude betreibt der Berliner Gastronom The Duc Ngo auch hier ein Restaurant geprägt mit panasiatischen Einflüssen, nämlich ebenfalls das Moriki, welches der ein oder andere aus Frankfurt kennt. Praktischerweise liegt es auch direkt im Hotel, die Wege sind also kurz. Ngo hat sich die letzten Jahrzehnte vor allem in Berlin bekannt gemacht mit seiner Interpretation japanischer Küche mit panasiatischen Einflüssen, seinen Hintergrund und Geschichte spare ich hier aus, dazu gibt es online genug zu finden. Zuletzt hat er auch mehrere Restaurants aufgemacht, die auf eine Zielgruppe zwischen Massenmarkt und gehobener Küche zielen und mit einem kosmopolitischen Konzept aufwarten und seinem erklärten Ziel, ein Michelin-Stern, immer näher kommen – zu nennen sind z.B. das Moriki in Frankfurt (Michelin Guide, 13 Punkte im Gault-Millau), das Golden Phoenix in Berlin (15 Punkte im aktuellen Gault Millau), das 893 Ryotei (14 Punkte im Gault Millau) oder das Funky Fisch (12 Punkte im Gault Millau).

    Laut einem kürzlichen Interview möchte er in mittelfristiger Zukunft diesem Portfolio ein Gourmetrestaurant mit dem Stern als erklärtem Ziel hinzufügen, man darf gespannt bleiben.

    Die Küche im Moriki Baden-Baden entspricht einer Kreuzung des Frankfurter Morikis und des 893 Ryotei und ähnelt einem Szenerestaurant mit einer Küche „die niemandem weh tut“ also Sushi (klassische Nigiri, Sashimi aber auch ausgefallenere Rolls) und Steaks, offeriert aber auch Gerichte wie „Miso Cod“, der im Nobu so bekannt geworden ist. Ja, die Restaurants sind Szene und ziehen entsprechendes Publikum an, aber Ngo schafft eine lockere Atmosphäre in seinen Restaurants sodass zumindest mir so etwas nicht auffällt.

    Ich beginne neben einem Glas Win-Win Riesling vom Weingut Von Winning (mir gefallen die Rieslinge so sehr, dass ich zuletzt vom Weingut ein größeres Paket für zuhause bestellt habe) mit einem meiner Lieblingsgerichte von Ngo, dem „Horenso & Truffle“ – also Blattspinat an einer zitronensauren Trüffelvinaigrette und darüber gehobelten Trüffeln. Die Cremigkeit der Vinaigrette und die Säure passt sehr gut zu der Frische des Blattspinats. Dazu passen hervorragend die Wasabi Jumbo Prawns, frittierte Garnelen in guter Qualität mit einer leicht scharfen Wasabi-Mayonnaise. Die verschiedenen Geschmackspunkte kommen gut hervor, es ist fettig, sauer, nicht so pappig wie in so manch einem ambitionierten Lieferdienst und wird vom Riesling gut unterstützt.



    Eine Tempura Roll mit Garnelen in Tempurateig, Gurke, Tobiko, Lauch und einer „Unagi Sauce“ führt das Geschmacksbild genauso gut weiter.



    Als Hauptgang bestelle ich das „Entrecôte“, ein schönes 200g-Steak in Streifen geschnitten (wie alles hier ist der Teller darauf ausgelegt ein Sharing zu ermöglichen) mit einer Medium-Garung auf den Punkt. Der Clou dazu ist eine stückige, würzige Tomatensauce für den Umami-Geschmack und unterstützend eine Chimichurri-Sauce die abermals für den Wohlgeschmack von Fett, Kräutern und Säure sorgt. Eine Zitrone dazu unterstützt das Geschmacksbild. Den Reis hatte ich als Beilage dazu bestellt, sieht einfach aus, aber so ein handwerklich gut gemachtes rustikales Geschmacksbild muss man so auch erst einmal finden.





    Desserts sind meist die Schwachstelle in den Häusern von Ngo, hier habe ich aber noch Lust und bestelle mir die Sorbet-Variation. Es sieht zwar wie ein typischer Teller vom „Italiener“ aus aber die Sorbets sind doch deutlich besser als erwartet, sehr schön fruchtig und auch die Beeren und Minze dazu sind sehr frisch. Das ist ein schöner Schlusspunkt.


    Ich mag die unverkrampfte und zugängliche Gastronomie von The Duc Ngo und vermisse sie seit ich Berlin verlassen habe. Zum Glück gab es jetzt in Baden-Baden (wer hätte es gedacht) die Möglichkeit sie wieder zu erleben. In Summe bezahle ich vor Trinkgeld genau €100 für dieses Essen, dazu 2 Gläser Riesling und eine Litschi-Limonade.
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