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Zirbelstube im Hotel Schlossgarten in Stuttgart

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  • #31
    Vielen Dank für Ihren Bericht!

    Berichte über Herrn Diers freuen mich immer sehr - aus irgendeinem Grund liegt mir das Haus am Herzen!
    Ungetrübt ist Freude aber nicht, denn:

    Allein schon die Verbalisierung der einzelnen Gänge legt - für mich - den Schluss nahe, dass Diers unverändert seinem Stil der etwas biederen Grandezza huldigt. Schade! Sicherlich bereitet die Küche Freude. Aber genügt das mit Blick auf das vermutete Potential? Mehr wäre jedenfalls schön! Nach dem - auch hier mit bewundernswerter Regelmäßigkeit - diskutierten 2. Stern hört sich das jedenfalls in keinem Fall an. Oder sprach das Ergebnis auf den Tellern eine andere Sprache?

    Ich bin sehr gespannt, ob Diers seinen Stil auf das neue Interieur des Restaurants abstimmen wird. Erste Bilder (ich hoffe, oder besser gesagt befürchte, es waren Skizzen des neuen Restaurants) lassen ja - gemessen am Status quo und dem Geschack der Stuttgarter Habitués - einen radikalen Schritt erwarten. Auch wenn zu befürchten ist, dass das Ergebnis dann auch wenig mehr (wenn überhaupt) sein wird als das, was bereits landauf landab Apérol Spritz trinkende Innendesigner mit einem gehörigen Maß an Mutlosigkeit wohl noch immer für Avantgarde halten.

    Können Sie vielleicht noch etwas mehr zu den Weinen schreiben? Das wäre ganz wunderbar!
    Interessant erscheint mir, eine Weinbegleitung mit ausschließlich badischen und württembergischen Weinen in einem (Spitzen)Restaurant Stuttgarts als mutig anzusehen. Bezieht sich diese Wertung auf die Ausschließlichkeit der beiden (deutschen) Regionen, die Wahl der konkreten Weine oder beides?
    Was gab es denn konkret? Und: sollte man einen der Tropfen unbedingt einmal getrunken haben?

    Interessierte Grüße
    Besseresser - der sich jetzt auf seinen frühmorgendlichen Bummel über den Viktualienmarkt freut.
    Zuletzt geändert von besseresser; 24.03.2012, 10:18.

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    • #32
      Zitat von besseresser Beitrag anzeigen
      biederen Grandezza
      Parmesanravioli, Gänsestopfleber, Trüffel, Heilbutt: das klingt zugegeben schon ein wenig langweilig. Und die Speisekarte hat mit "Ivoire-Schokolade", "Manjari-Schokolade" usw. eben nicht nur typographische Schnörkel. Aber es macht, wie ich finde, trotzdem großen Spaß, dort zu essen, da Herr Diers einfach richtig gut kochen kann. Danke, liebe Schink, für Ihren Bericht!

      Zitat von Schink Beitrag anzeigen
      Mein wohl letzter Besuch in der Zirbelstube, bevor Herr Diers dann mit seinem neuen Restaurant aufwarten kann.
      Hoffentlich haben Sie bereits schon wieder reserviert, um irgendwann nach Ostern die Änderungen im Ambiente (und im Küchenstil??) in Augenschein zu nehmen! Vermutlich bin ich nicht der einzige hier, der diesbezüglich neugierig ist.

      Grüße, mk

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      • #33
        In zweierlei Hinsicht könnte Diers meiner Ansicht nach weiter "punkten": wenn er seine Vorliebe für Meeresgetier noch weiter spezialisieren würde (wie es Christian Lohse im "Fischers Fritz" längst vormacht) und sich von der tatsächlich wenig aufregenden Klassik weg- und deutlich mehr in Richtung Moderne, vielleicht auch zur Autorenküche hinbewegte. Unser letztes Menü in der "Zirbelstube" war ohne Beanstandung, aber auch ohne Erinnerungswürdiges, was etwa einen zweiten Stern rechtfertigen könnte.

        Auf die baden-württembergische Wein-Karte zu setzen, finde ich ausgesprochen löblich! "Mutig" ist es vielleicht deshalb zu nennen, weil man eine Weinregion schon dadurch aufwertet, dass sie alleine auf der Bühne stehen darf, ohne dann doch noch von schwergewichtigen Franzosen von derselben geschubst zu werden.

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        • #34
          Werter besseresser,

          in der grossen Weinkarte ist natürlich alles vorhanden.
          Zum Menü hatte ich zum Rinder-Tatar noch den "Rest" des Aperitifs, einen wunderbaren Winzersekt, irgendwo aus der Region (ich sollte mir langsam Notizen machen, in meinem Alter lässt das Gedächtnis nach ...).
          Zur Gänseleber natürlich eteas leicht süssliches, eine herrliche Sauvignon Blanc Auslese vom Weingut Drautz-Able, Württemberg.
          Zur Dorade Ihringer Winklerberg Chardonnay Spätlese trocken, Weingut Stigler, Baden
          Zum Heilbutt überraschend Rotwein, aber was für einen ... 2008 Durbacher Schloßberg Spätburgunder Spätlese trocken vom Gräflichen Metternich`sches Weingut Baden (einfach schön zu trinken, leichte Frucht)
          Zum Kalbsfilet Gundelsheimer Himmelreich Spätburgunder Grosses Gewächs Staatsweingut Weinsberg Württemberg
          Das war`s - vernünftig wie ich bin, war ich am Donnerstag der Meinung 5 Gläser müssen reichen ...

          Das Menü war typisch Herr Diers, klassisch französisch, auf sehr hohem Niveau.

          Wertes Mohnkalb,

          nein, leider habe ich noch nicht reserviert, obwohl es mich jetzt nach diesem Besuch ganz arg reizt. Aber leider habe ich meine freien Tage / mein Budget in den nächsten Monaten bereits verplant.

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          • #35
            Das erste Date: Jeder der beiden hat sich über das Gegenüber schon vor-informiert, Übereinstimmungen gefunden. Sieht Erfolgschancen. Und ignoriert voll Vorfreude die eine oder andere potentielle Dissonanz "Grösstes Hobby Fallschirmspringen - was solls, ich habe Höhenangst, aber wenn er mich kennenlernt, wird er liebend gerne darauf verzichten".

            Die Begegnung: Kommt nun das Knistern, ist es liebe auf den ersten Blick? Oder "welch ein öder Abend, spricht er denn über gar nichts anderes als Fallschirmspringen"?

            Der erste Besuch eines Restaurants: "Mit 18 GM Punkten das höchstbewertete Restaurant in der Stadt. 1 Michelin Stern" - die Vorfreude baut sich auf. "70er Jahre Charme und Wände mit Zirbelholz - was solls, wir sind ja zum Essen da".

            Angekommen: Und plötzlich stimmt die berühmte Chemie nicht. Kein Knistern, der Funke will einfach nicht überspingen. "Den ganzen Abend in 90er (?) Jahre zirbelgetäfeltem Charme?" Da hat wahrscheinlich das beste Essen nur wenig Chancen.


            Gestresst und abgehetzt sind wir angekommen. Weniger schick als vielleicht bei anderer Gelegenheit, keine Zeit mehr zum in Schale werfen. Die Frage nach einem kleinen Aperitif war gut gemeint, die Antwort "es kann auch ein grosser sein" provozierte nicht Schlagfertigkeit, sondern eher Verunsicherung - das distinguiert scheinende Publikum im Saale scheint nicht oft solche Antworten zu geben. Dennoch mundet Dom Perignon 2002 vorzüglich.

            Und wir lassen unseren Blick durch den Raum schweifen. Ja, Zirbelholz an den Wänden. Verstaubter Charme, doch bald soll ja umgebaut werden. Meist älteres Publikum, der eine oder die andere sicher schon lange Jahre immer wieder zu Gast. Ob das auch der Rahmen für Innovationen sein kann, für ein kulinarisches Feuerwerk?

            Ach, zu schnell soll man beim ersten Date auch nicht alles hinwerfen! Vielleicht funkt es ja beim Grand Menü?

            Grüsse aus der Küche

            Als erster Gruss wurde uns ein Matjes mit Pumpernickel (der Matjes schien uns das bei weitem intensivste Element am Teller), eine Art Sushi sowie rechts Kalbsbäckchen in Gelee gereicht. Danch kam das Brot mit zweierlei Butter sowie drei Aufstrichen (Tomaten - intensiv & fein, Salsa verde, eine Art Liptauer) an unseren Tisch. Als weiterer Gruss dann ein langsam geschmorter Heilbutt - ausgezeichnet!

            Cocktail von Gänsestopfleber, Quitte, Ivoire, Hausgemachtes Brioche

            Danach Gänseleber-Creme in einem Cocktail-Glas, kombiniert mit Mousse von Quitte sowie von weisser Schokolade. Ein Gericht, welches an unserem Tisch polarisierte, von sehr fein bis zu nicht mit dem persönlichen Geschmacksempfinden harmonierende Kombination. War es wieder der Funke, der nicht übersprang?

            Borschtsch von der Ente, Entenravioli, Weisskohl, Rote Beete

            Sehr gelungene Borschtisch, intensiv und gut, die Gemüseeinlagen schön knackig. Dazu Ravioli mit Ente und nach unserer Erinnerung Majoran.

            Bretonischer Steinbutt, getrüffeltes Schwarzwurzel-Risotto

            Steinbutt von guter Qualität, bedeckt mit in Butter geschwenkten, doch geschmacklich nicht sonderlich intensiven Trüffeln. Das Käruterrisotto schätzen wir gerne einen Tick norditalienisch-knackiger.

            Kaninchenrückenfilet mit Parmaschinken, Salbei, Spinat, Karotte

            Schön konzipiertes Gericht, doch hätten wir uns intensivere Geschmacksnoten gewünscht. Beim ersten Date sollen doch Emotionen hochkommen, soll Spannung erzeugt werden, sollen Funken fliegen, doch dieser Gang war gar zurückhaltend gewürzt.

            Sorbet

            Als Zwischengang dann ein von einem Caipirinha mit Litschi inspiriertes Sorbet, ganz gut.

            Amerikanisches Rinderfilet mit Pèrigord-Trüffel, Petersilienwurzelpüree, Parmesanravioli

            Klassich das Hauptgericht, ein Rindsfliet, darüber geraspelte Trüffel, ein Selleriepüree dazu sowie leckere Parmesanravioli und ein guter, nicht übermässig intensiver Fonds.

            Fourme d'Ambert im Nudelblatt, Birne flambiert

            Klassische Harmonie auch beim Käsegang, der Fourme d?Ambert, dazu Trüffel, ein Walnusschip, Calvadosschaum. Eine gelungene Alternative zum Käsewagen.

            Délice von dunkler Valrhona-Schokolade, Erdnuss, Mango

            Danach ein sehr gutes Dessert, die Kühle des schokoladigen Delice wunderbar ergänzend zu den intensiven Mango-Noten von Sauce und Eis.

            Feine Pâtisserie

            Als Abschluss verschiedene feinschmeckende Petit Fours sowie einige selbst ausgewählte Pralinen vom Wagen. Dazu ausnahmsweise noch etwas hochprozentiges, wenn auch die Schwarze Ribisel (wenn die Erinnerung nicht täuscht) - wenn auch vom Rochelt und wirklich toll - mit EUR 42 wahrlich keine Occassion war.

            Unser Resümee:

            Der Funke wollte nicht so richtig überspringen. Ein klassischer Küchenstil, gut in der Umsetzung, doch mehr "höchste Kreativität", mehr Überraschungsmomente, mehr knisternde Funken hätten uns gefreut. Vielleicht ist die Linie dem langjährigen Publikum geschuldet - Stammgäste sind ein grosses Kompliment, doch manchmal können sie den Weg vorwärts auch erschweren. Die Räumlichkeiten, die Atmosphäre - genug Zirbeln für die nächste Zeit! Ein zweites Date mit diesem Restaurant? Nein, nicht mehr an diesem Ort. Doch vielleicht entfachen die umgebauten Räumlichkeiten ein neues Feuer?

            Bilder zum Bericht auf: http://kuechenreise.com/2012/04/03/r...e-stuttgart-d/
            Zuletzt geändert von kuechenreise; 04.04.2012, 21:51.

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            • #36
              Werte Küchenreise,

              vielen Dank für diesen kritischen Bericht (dessen hausinterne Bewertung Sie uns an dieser Stelle, wie immer, ganz verschmitzt verschweigen)! Meine Eindrücke sind Ihren ja nicht ganz unähnlich (s.o.), allerdings fällt mein Fazit dann doch eine Spur versöhnlicher aus. Zur Polarisierung am Tisch: Gerade den Gänseleber-Quitte-weiße Schokolade-Cocktail fand ich recht köstlich!

              Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
              "70er Jahre Charme und Wände mit Zirbelholz - was solls, wir sind ja zum Essen da".
              Vermutlich blamiere ich mich mit meinen Designunkentnissen - aber ich hätte das Interieur spontan den geschmacksverirrten frühen 90ern zugeordnet(?).

              Grüße, Mohnkalb

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              • #37
                Wertes Mohnkalb,

                Danke für die Kommentare - die Designunkenntisse sind wohl auch auf meiner Seite, und die 90er scheinen eine treffsicherere Einordnung zu sein - selbiges habe ich mir im Bericht erlaubt anzupassen...

                Gänseleber-Quitte-weisse Schokolade, ich fand die polarisierende Wirkung auch interessant, persönlich hat er mir auch gemundet...

                Verschwitztes Verschweigen, das ist eigentlich gar nicht die Absicht... Konzentration auf das kulinarische in diesem Forum, das war der Gedanke; das drumherum (wie z.B. auch Details zu den Finanzen) ist am Blog ergänzend für den interessierten...

                Und in diesem Forum zu lesen, zu diskutieren (aber auch dazu beizutragen) macht Spass!

                Beste Grüsse, ihr Küchenreise

                Kommentar


                • #38
                  Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
                  Verschwitztes Verschweigen
                  (Darauf muss man erst mal kommen!)

                  Inhaltlich: Mir gefällt Ihre Aufteilung zwischen Blog und Forum sehr gut - Bescheibung des Besuchs hüben, Fotos und weitere Details drüben. So bringt es allen Seiten Vorteile!

                  Grüße, Mohnkalb

                  Kommentar


                  • #39
                    Verschmitzt ... ;-)

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                    • #40
                      Spontanität ist eigentlich nicht meine Stärke, konnte aber doch eine Woche vor dem geplanten Besuch noch ein Zimmer im Hotel Schloßgarten und einen Tisch in der neuen Wirkungsstätte von Bernhard Diers ergattern, wobei weniger der Tisch, als das Zimmer das Problem war (zwei Messen in Stuttgart, eigentlich ausgebucht, aber ein anderer Gast ist glücklicherweise abgesprungen).
                      Das neue Restaurant moderner, wunderschöne weiße Orchideen und ein toller Blick ins Grüne und das mitten in Stuttgart. Bernhard Diers dagegen ist seiner Linie treu geblieben, sowohl vom Kochstil (wie immer klassisch französisch auf hohem Niveau) als auch von den angebotenen Menüs (ein kleineres, das Grand Menü und, ja liebe Morchel, ein Fisch-Menü) wobei man die einzelnen Gängen beliebig tauschen kann. Mittags soll es jetzt einen Buisness-Lunch geben, der sehr gut angenommen wird. Abends war das Restaurant nicht voll besetzt (vielleicht lag es an der Fußball-EM) und das Team ist noch nicht komplett aufgestellt (musste aufgrund der 7-Tage-Woche aufgestockt werden) und eingespielt.
                      Nun zum Wichtigsten, das Grand Menü:
                      1. Gänsestopfleber auf Schokoladen-Müsli, Aprikose, Himbeere, Macadamia: absolut fantastisch und das Highlight des Abends und auch eines der besten Gänsestopflebergerichte ever (vielleicht lag das auch an meine persönlichen Vorlieben, da Aprikosen mein Lieblingsobstsorte und Macadamia meine Lieblingsnusssorte ist, da konnte nichts schief gehen).
                      2. Onsenei auf Kartoffel-Creme, Spinat-Püree, Kaviar: einfach, aber schlotzig und immer wieder gut
                      3. Dreierlei vom kanadischen Hummer, Apfel Couscous, Lauch, Blutampfer: ein Schwanzstück, ein Teil vom Rücken und eine Praline, alles sehr schön, nur der Blutampfer war nicht so mein Ding
                      4. Taubenbrust souffliert, Jus vom englischen Sellerie, Rote Bete, Pappardelle: superzarte Brust und sehr gut
                      5. Verviene-Sorbet mit Ananas-Papaya-Mus und Crumble: Das Sorbet war pur sehr kräuterig aber mit dem leicht süssen Mus eine Offenbarung
                      6. Der Hauptgang habe ich mit dem kleinen Menü ausgetauscht. Ein Lamm mit Ratatouille und Römischen Nocken: sehr mediterran, schmeckt nach Urlaub
                      7. Käse vom Wagen
                      8. Geeister Holunder am Stiel, Erdbeere, Orange, Sauerrahm, Honig, Blüten: sehr fruchtig

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                      • #41
                        Danke für Ihren Bericht, werte Schink!

                        Ich hatte kürzlich das kleine Menü ("Impressionen"), das mir insgesamt sogar einen Tick besser gefallen hat als das große, welches ich vor dem Umbau des Restaurants gegessen hatte. Mir scheint, die Diers haben die neue Situation schon sehr gut im Griff, auch wenn das Serviceteam noch nicht vollständig aufgestellt ist. Was die Küche betrifft, gibt es nach meinem Eindruck qualitativ und quantitativ keinerlei Abstriche gegenüber der Zirbelstube. Eine tolle Leistung! Bei der Weinkarte wird man den neuen Sommelier abwarten müssen.

                        Zitat von Schink Beitrag anzeigen
                        Gänsestopfleber auf Schokoladen-Müsli, Aprikose, Himbeere, Macadamia: absolut fantastisch und das Highlight des Abends
                        Ja, wirklich ein sehr guter Gang, so dass ich glücklich war, ihn ins kleine Menü "eingetauscht" zu haben. Gerade bei solchen Gerichten, die eine geschmackliche Harmonie anstreben, zeigt sich das wahre Können von Herrn Diers.

                        Zitat von Schink Beitrag anzeigen
                        Abends war das Restaurant nicht voll besetzt (vielleicht lag es an der Fußball-EM)
                        Bei den Deutschland-Spielen gab es schon erhebliche Schwankungen in der Auslastung (so I've been told): mal 2, mal 28 Gäste am Abend.

                        Grüße, mk

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                        • #42
                          Hallo und guten Tag zusammen,

                          ich gebe meinen Einstand in diesem erlauchten Kreis mit einem kurzen Bericht meines mittäglichen Besuchs im "Schlossgarten Gourmetrestaurant Bernhard Diers". Da dies mein Erstling einer Restaurantkritik bitte ich um Milde bei der Beurteilung meiner sicherlich noch steigerungsfähigen Beschreibungen des Restauranterlebnisses.

                          Ich kannte die Zirbelstube vorher ebenso wenig wie Herrn Diers und seine Küche und konnte daher einigermaßen unbelastet von Erwartungen oder Erinnerungen das Menü in Angriff nehmen, das mir die Pause zwischen den Besuchen der beiden Teile der überaus sehenswerten Kelten-Ausstellung in Stuttgart verschönern sollte. Ein sehr herzlicher Empfang an der Hotelrezeption versetzte mich in gute Stimmung, ich wurde von der netten Dame zum Restaurant geleitet und auch dort herzlich begrüßt. Die Online-Reservierung, erst kurzfristig einen Tag zuvor gebucht, hatte problemlos funktioniert. Ich wurde zu meinem Tisch geleitet, von dem aus ich sowohl den Blick durchs Restaurant wie auch in den winterlichen Schlossgarten schweifen lassen konnte. Dabei machte das trübe, graue Wetter den Blick auf das Restaurantgeschehen an diesem Tag durchaus angenehmer und interessanter.

                          Kaum dass ich saß wurde ich auch schon mit der ersten Frage nach meinem Getränkewunsch konfrontiert. Auch später fiel mir auf, dass Gäste kaum Zeit zum „Ankommen“ hatten, bevor die dienstbaren Geister auch schon ihre Arbeit aufnehmen wollten. Ein Glas Wasser – mit oder ohne Sprudel, oder Medium? Medium – ganze Flasche groß oder klein, oder nur ganz klein? Kleine Flasche (0,5 l) – Temperiert oder gekühlt? … Wie sagte es doch eine Dame am Nebentisch zu ihrem Begleiter nachdem sie durch dieselbe Fragerunde durch war: „Früher hat man einfach ein Glas Wasser bestellt. Das geht heute gar nicht mehr“. Nun ja, auch außerhalb der Spitzengastronomie ist das Leben eben komplexer geworden, da bleiben wir alle nicht von verschont.

                          Dann kam auch schon bald der erste Gruß aus der Küche, ein vegetarisches Sushi, begleitet von hausgemachtem Schüttelbrot (sehr kross). Ein gelungener Auftakt, auch wenn die Japan-Asia-Schiene sonst nicht so mein Ding ist. Ich hatte allerdings schon beeindruckendere „Wow –hier bin ich richtig, hier will ich bleiben“-Erlebnisse beim Küchengruß. Sehr schöne Idee aber fand ich, den Gästen vorweg ein Erfrischungstuch zu reichen.
                          Mittags gibt es nicht nur den Business Lunch (zwei Gänge und Espresso) zu 39.- €, sondern man kann auch ein 3-Gänge-Menü zu 49.- € aus einer kleinen Menüauswahl zusammenstellen (wie man trotzdem auf 59.- € kommt, erkläre ich später). Dazu eine kleine Auswahl offener Weine auf der Karte, aber der Sommelier, Herr Adam, hilft sicher auch gerne, wenn man weitergehende Wünsche bei der Weinauswahl hat. Das Angebot scheint in Stuttgart durchaus anzukommen, im Laufe des Mittags (es war ein normaler Wochentag) waren immerhin sieben Tische besetzt, guter Altersdurchschnitt.
                          Es ging dann weiter mit einer klassischen Brotauswahl und normaler und leicht gesalzener Butter; hervorragend, geradlinig, klassisch – ich mag das.

                          Ich hatte mich dann für die hausgemachte Lumache mit Avocado und Riesengarnele als Vorspeise entschieden. Sehr schön angerichtet, bunt, leicht, die Komponenten harmonierten hervorragend, man spürt die Produktqualität in allen angerichteten Details. Bereits hier passte der Grauburgunder vom Weingut Zimmerlin sehr gut. Ich stellte mal wieder fest, dass ich gute badische Grauburgunder eigentlich viel zu wenig im heimischen Keller habe. Sie können hervorragende Essensbegleiter sein. Weiter ging es dann mit einem klassischen Zanderfilet auf Kartoffelpüree und Champagnerkraut. Die Präzision und ausgesuchte Qualität aller Zutaten kam auch hier sehr gut rüber. Einfach, klassisch, gut, mehr muss man dazu nicht sagen. Es hat wunderbar geschmeckt.

                          Dann kam der stets umsichtige aber unauffällige (und das ist als Kompliment gemeint) Service mit der Karte um die Dessertbestellung aufzunehmen. Neben der Sorbetvariation und Parfait vom Chivas Regal von der Mittagskarte wurde mir auch vom Großen Menü die „Fusion von Mandarine und Karotte“ als Auswahl eröffnet. Das klang spannend, ich griff zu, und es war tatsächlich eine unheimlich spannende Kreation, in der das Mandarinensorbet mit den Karottenschlitzen, süßer Petersilie, Topfen und Vanille eine hervorragende Kombination einging. Einziger Wermutstropfen war dabei, dass ich erst auf der Rechnung feststellte, dass diese Wahl mit einem Aufschlag von 10.- € auf den Menüpreis verbunden war. Das war es sicher wert – nur in der Kommunikation hätte man es sicher geschickter machen können.

                          Abgerundet wurde mein mittäglicher Gourmetausflug dann noch mit einem kleinen Küchlein zum Espresso. Insgesamt sehr empfehlenswert. Klassisch ausgerichtete Küche in einem modernen, hellen und freundlichem Ambiente, der professionelle Service trägt zum positiven Gesamteindruck sehr viel bei. Ich werde sicher wiederkommen und dann auch mal das Große Menü versuchen.

                          Mit kulinarischen Grüßen

                          joern_ribu

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                          • #43
                            Herzlich willkommen und Danke für Ihre Ausführungen, war sehr schön zu lesen. Bei Diers geniesst man immer eine klassische Küche. Wobei ich nach Ihren Ausführungen glaube, dass Abends auf einem höheren Niveau (Grand Menü) speist, wirkt sich dann natürlich auch auf die Rechnung aus.
                            Gruss Schink

                            Kommentar


                            • #44
                              Zitat von joern_ribu Beitrag anzeigen
                              Kaum dass ich saß wurde ich auch schon mit der ersten Frage nach meinem Getränkewunsch konfrontiert. Auch später fiel mir auf, dass Gäste kaum Zeit zum „Ankommen“ hatten, bevor die dienstbaren Geister auch schon ihre Arbeit aufnehmen wollten. Ein Glas Wasser – mit oder ohne Sprudel, oder Medium? Medium – ganze Flasche groß oder klein, oder nur ganz klein? Kleine Flasche (0,5 l) – Temperiert oder gekühlt?
                              Ja, solche Restaurantbesuche sind eben doch harte Arbeit. Im Ernst, manchmal finde ich's auch einfach zuviel. Die Amuse-MG-Salve zur Speisekarte bei Erfort hat da ja schon einige traurige Berühmtheit erworben. Da stehen die appetitlichen Häppchen schneller auf dem Tisch als man dransitzt. Willkommen jedenfalls im Forum, werter joern_ribu!

                              mk

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                              • #45
                                P.S. Sonst gab's doch mittags auch immer das große Diers-Menü. Hat sich da etwas geändert?

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