Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Rebers Pflug*, Schwäbisch Hall

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #16
    Sehr kryptisch und irgendwie subversiv, was Sie da äußern, werter Schlaraffenland!

    Kommentar


    • #17
      Andy's Wechsel. - Aale, Périgord-Lebern, R(h)heinsberger Rücken, Gamberoni, Bretonische Rotbarbe, alles perfekt hohenlohisch-regional.
      Reber's Fluch .

      Beste Grüße
      Daurade

      Kommentar


      • #18
        Die Schlappe steck ich ein! Da muss wohl die Weinreise langfristige Folgen gehabt haben... Entsprechend habe ich oben berichtigt. Doch immerhin hat Ihnen meine Verfehlung zu einem vergnüglichen Wortspiel verholfen!

        KG

        Tobler
        Zuletzt geändert von Tobler; 17.11.2012, 22:20.

        Kommentar


        • #19
          So ein Familienbetrieb hat schon was! Kleines, gemütliches Hotel, jeder packt an, wo er gebraucht wird, persönliche Gespräche und das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen und Gewinnmaximierung nicht das oberste Ziel der Unternehmung ist.

          Wir sind vor allem wegen der Küche von Hans-Harald Reber nach Schwäbisch Hall gekommen, nachdem wir uns tagsüber vom Würth-Imperium in Künzelsau haben beeindrucken lassen; dessen Engagement im Kunstbereich lässt sich aber am nächsten Tag noch nachhaltiger in Schwäbisch Hall bewundern. Wir waren vor fast drei Jahren schon einmal bei Familie Reber zu Gast und mit der Küchenleistung mehr als zufrieden. Dieses Mal waren wir „nur“ zufrieden, mussten aber feststellen, dass offenbar auch der Patron das bisher Erreichte mit diesem Attribut versehen hat, sprich, sich auf einem * eingerichtet hat und wohl nicht nach Höherem strebt. Das ist wohl auch vernünftig, da die Rebers zum wirtschaftlichen Überleben ein breites Publikum brauchen und die Bindung an die Region nicht verlieren dürfen. Rebers Pflug ist eben der gute Landgasthof, den man aufsucht, wenn man etwas zu feiern hat oder einfach nur gut essen will. Dass dabei auch der Gourmet durchaus Reizvolles findet, führt schließlich so manchen Feinschmecker ebenfalls in den Vorort Weckrieden, wo ihm im Haus zur Übernachtung ein Landhauszimmer und ein sehr ordentliches Frühstück angeboten werden. Die neuen Lodges im Garten wirken noch ein wenig fremd und verloren, aber vielleicht entsteht hier ja mit der Zeit noch ein Ensemble, das auch zu längerem Verweilen einlädt. Platz genug ist vorhanden.

          Was gab es zu essen? Jedenfalls kein „richtiges“ Amuse gueule. Stattdessen werden mit dem Brot (ohne Butter) drei Cremes als „Gruß aus der Küche“ gereicht: Paprika-Feta-Crème, Fenchel-Saibling-Creme, Frischkäse mit Trompetenpilzen und rotem Zwiebelmus. Alles fein abgeschmeckt und ein schöner Brotaufstrich für den ersten Appetit.

          Gänseleberparfait im Baumkuchenmantel mit Variation von Williams-Christbirnen und Tonkabohnen-Buchtel
          Ein handwerklich ordentlich gemachtes Gänseleberparfait (es hätte etwas weniger fest und aromakräftiger sein können), das seinen Kontrast in pochierten Birnenspalten, fermentierten Birnen und einem Birnenmus suchte. Das mag etwas zurückhaltend formuliert sein, trifft aber den Eindruck ganz gut, den wir von diesem Gang hatten. Solche Gänge leben von einem lebhaften Dialog mit Süße und/oder Säure. Dieser Dialog hier war sehr leise vorgetragen.

          Gegrillte Langustine auf Süßkartoffel-Curry mit Bergamottecreme und Erbsenschoten
          Das Meeresgetier lag auf einem Bett aus kleinsten Gemüsewürfelchen und Streifen von Erbsenschoten, die mit einem guten Curry abgeschmeckt waren. Wir erwarteten nach der Annonce eigentlich, dass die Bergamottecreme das I-Tüpfelchen auf dieser Kreation sein sollte, doch vermochten die drei kleinen Tüpfelchen am Tellerrand, in die überflüssigerweise je eine Erdnuss gesteckt war, diese Rolle nicht zu übernehmen. Über eine Dekorationsfunktion kam die Zitruscreme deshalb leider nicht hinaus.

          Bretonischer Seeteufel im Lardomantel auf Muskatkürbis-Chutney und geschmolzenem Chorizo Der beste Gang im Menü. Guter Fisch in einer Melange aus Lardoaroma, leicht süßlichem Chutney und der Würze des Chorizo. Eine feine Komposition.

          Rücken vom Reinsberger Damhirsch in der Pumpernickelkruste an Petersilienwurzel-Allerlei mit Zwergorangen-Confit und sautierten Pfifferlingen
          Man merkt der Menükarten-Diktion von Herrn Reber schon an, dass er mehr der klassischen Küche nachhängt. Perfekt gegarter Hirschrücken mit einer Pumpernickelauflage, die leider keine „Kruste“ bildete. Dazu die bei einem solchen Gang zu erwartenden Beilagen, wobei man vielleicht das Orangen-Confit als besonderen Einfall bezeichnen könnte.

          Pfirsich – Buttermilch – Vanille
          Hier nun mal ein Wechsel in die Moderne, zumindest was die Formulierung dieses Ganges angeht. Auf dem Teller war ein Gläschen Pfirsich-Milch fixiert, daneben fanden sich ein Pfirsich-Törtchen und ein rotes Sorbet von irgendwas. Erfrischend und leicht, aber leider nicht sehr aussagekräftig.

          Fazit:
          Wer im Hohenloher Land unterwegs ist und einen gemütlichen Abend (es ist aber auch mittags geöffnet) in angenehmer Atmosphäre mit einem guten Essen verbringen will, der ist bei den Rebers gut aufgehoben; einen dreifachen Salto sollte man von der Küche allerdings nicht erwarten. Frau Reber ist das freundliche, aber dezent zurückhaltende Herzstück des Service, der ansonsten mit jungen Leuten unauffällig, aber sympathisch agiert.

          Schönen Gruß, Merlan

          Kommentar


          • #20
            Et alors! Le vin?
            s.

            Kommentar


            • #21
              Un vin d´ici: Chardonnay S, Dautel, Bönnigheim

              M.

              Kommentar


              • #22
                Allen, die eine Schwäche für die Sammlung Würth haben, empfehle ich im Hohenloher Land abermals das Schloßhotel Friedrichsruhe, das ja auch zum Konzern gehört.
                Spätestens beim Frühstück haben Sie Blick auf mehrere Hundertwasser. Der Feinschmeckerbericht zu Benecke scheint ja keine so tolle Resonanz zumindest bei manchen Forumsmitgliedern evoziert zu haben. Jedoch ißt man auch im "normalen" Restaurant sehr ordentlich, ich würde es als verfeinerte Landküche bezeichnen. Korkgeld war hier übrigens überhaupt kein Problem.
                Das Spa ist recht nett, die besten (moderneren) Zimmer sind im Spaflügel.

                MkG, S.

                Kommentar


                • #23
                  " ... beim Frühstück ... Blick auf mehrere Hundertwasser."

                  Vielen Dank für diesen Warnhinweis.

                  Kommentar


                  • #24
                    Die Schnittmenge der Würth-Museum- und der Hundertwasserfreunde stelle ich mir eher überschaubar vor.

                    Kommentar


                    • #25
                      Zitat von LouisXV Beitrag anzeigen
                      Die Schnittmenge der Würth-Museum- und der Hundertwasserfreunde stelle ich mir eher überschaubar vor.
                      Da bin ich mir leider nicht so sicher. Früher war zumindest auch von Seiten des Namensgebers Bruno Bruni auf der Liste der akzeptablen Künstler...

                      Kommentar


                      • #26
                        Zitat von LouisXV Beitrag anzeigen
                        Die Schnittmenge der Würth-Museum- und der Hundertwasserfreunde stelle ich mir eher überschaubar vor.
                        Warum?
                        Nichts bei Würth und Kunst ist so sicher wie die Vielfalt. Das ist ja der Reiz des Konzepts.
                        Und so hält er es ja auch bei seinen Hotels/Restaurants.

                        Gruß!

                        PS: Würth hat natürlich absolut nichts zu tun mit dem Pflug.

                        Kommentar


                        • #27
                          Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
                          Würth hat natürlich absolut nichts zu tun mit dem Pflug.
                          Danke für diesen Hinweis, werter fragolini. Mit der Diskussion um das Würth´sche Kunstengagement werden wir Rebers Restaurant sicher nicht gerecht.

                          Schönen Gruß, Merlan

                          Kommentar


                          • #28
                            Vielleicht kann man den Würth-Teil -pardon, meine Schuld- in "Sonstiges" verschieben.

                            Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                            " ... beim Frühstück ... Blick auf mehrere Hundertwasser." Vielen Dank für diesen Warnhinweis.
                            Damit es keine Mißverständnisse gibt, ich gehöre nicht auf Ihre schwarze Liste der Hundertwasserfans, es war nur ein Hinweis, daß Teile der Sammlung in Friedrichsruhe hängen.
                            Da bin ich mir leider nicht so sicher. Früher war zumindest auch von Seiten des Namensgebers Bruno Bruni auf der Liste der akzeptablen Künstler...
                            Ja, wer hat nicht einen Bruni in einer dunklen Kellerecke stehen, den Hausundhofmaler von Gerd die Zigarre. Bei Interesse gerne PN

                            Kommentar


                            • #29
                              Kulinarischer Teil 1 meiner Reise nach Schwäbisch Hall: der Wiederbesuch im „Rebers Pflug“ nach drei Jahren. Das Menü von damals war mir noch in bester Erinnerung (siehe mein Bericht dazu). Ich war entsprechend guten Mutes, wieder erfreut zu werden.

                              Meine Wahl war schon vor dem Besuch auf das „Genießermenü“ gefallen, in meinem Fall viergängig.

                              Mit Amuses hält man sich dort nicht lange auf, doch zum ordentlichen Brot wird eine geschmacksintensive Olivenbutter, eine angenehm dezente Selleriecrème und eine durch eine deutliche Knoblauchnote etwas heftige Perlzwiebelmousse (?) gereicht. (ohne Abbildung)

                              Mit

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: IMG_0780.jpg
Ansichten: 1
Größe: 105,7 KB
ID: 49804

                              Boule von der Périgord-Gänseleber mit zweierlei Holunder, griechischem Joghurt und Wibelesand

                              nahm Hans-Harald Reber avangardistische Anleihen. Zwar assoziierte ich mit der Darbietung eine Art „konzentrierten Kindergeburtstag“ (Wibele – eine schwäbische Spezialität –, Perlchen, Kügelchen), doch als Idee machte die Kreation schon gute Laune. Die Boules auf dem Wibelesandteppich bestanden z. T. aus reiner Gänseleberfarce und waren z. T. vermengt mit besagtem griechischen Joghurt, der gut passte; nussige Beigaben gefielen – alles in allem ein aromatisch eher milder Beginn, aber insgesamt gelungen.

                              Der

                              Gewürztraminer Auslese 2010 von Alfred Wantz, Mittelbergheim, Elsass

                              war insofern ein Treffer, als er sich in puncto Restsüße zurückhielt, den ohnehin dezenten Gang also nicht darin ertränkte – so mag ich es. Andernfalls hätte ich wieder mal beklagen müssen, dass Gänselebergänge konzeptuell und im Zusammenklang mit der Weinbegleitung immer mehr zu vorgezogenen Desserts verkommen...

                              Der Folgegang

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: IMG_0781.jpg
Ansichten: 1
Größe: 109,1 KB
ID: 49805

                              Medaillon vom bretonischen Seeteufel im Pancettamantel im Minestrone-Gemüsesud und Zucchiniblüten-Tempura

                              bestach durch den wunderbar gegarten Fisch mit seinem typisch festen Fleisch, einen ausgesprochen aromatischen, sämigen Sud und krosse Zucchiniblüten. Die grünen Tupfer von Lauchmayonnaise waren als Komponente gar nicht aufgeführt, erwiesen sich jedoch geschmacklich als der eigentliche „Kick“. Irritierenderweise bestand der aber in einer Note – und ich wage kaum, es zu formulieren – von verbranntem Gummi, vielleicht auch Bremsflüssigkeit. Herr Reber möge mir diese Assoziation verzeihen, denn so irritierend sie zunächst war, so positiv verrückt und irgendwie stimmig zu den sonst so freundlichen Aromen fand ich sie doch. Auf diese Weise geriet der Gang zu einer Besonderheit, die ich nicht so schnell vergessen werde. Also: Nix für ungut! Volltreffer!

                              Der dazu gereichte

                              Weißburgunder 2011 vom Sensationsweingut Schäfer-Fröhlich, Bockenau, Nahe

                              gefiel durch Grasnoten, Fülle und Eleganz, war also keineswegs ein Leichtgewicht, wie die Traubensorte es manchmal befürchten lässt. Schön gewählt.

                              Im Kleinen zeigte sich dann das Große, als ein

                              Sorbet von grünem Apfel (ohne Abbildung)

                              als Zwischengang aufgetragen wurde: „intensiv, grün, apfelig, überraschende Knusperstückchen“ lautet meine Reihung dazu – ein Spaßmacher! Bei Reber ist ein Sorbet also mehr, als man üblicherweise erwarten kann.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: IMG_0782.jpg
Ansichten: 1
Größe: 95,7 KB
ID: 49806

                              Heimischer Lammrücken an Rosmarinjus mit Artischocken, Salzzitronen und Auberginentatar

                              war als Hauptgang ein weiterer Glücklichmacher. Und als die Servicekraft schon nach kurzer Zeit von selbst eine Nachlieferung der herrlichen Soße anbot, wusste ich: Schwabenland, du hast mich wieder! Hier huldigt man dem „Sößle“ halt noch... Dieses Gericht bestach nicht durch Modernität, sondern durch geschmacklich überzeugende Ideen: den tadellos zubereiteten Lammrücken mit einem leicht säuerlichen Auberginentatar zu komplementieren und vor allem darauf Salzzitronen als charakteristischen Akzent zu setzen, fand ich überzeugend.

                              Welcher Tropfen aber dazu – vor allem, um nicht mit den Salzzitronen über Kreuz zu geraten? Der engagierter Weinkellner wählte dazu einen

                              Pinot Noir 2010 von Frank John, Hirschhornerhof, Pfalz,

                              der das geschmacklich durchaus eigenwillige Gebilde souverän aufnahm und für mich eine weitere Entdeckung war.

                              Mit einer

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: IMG_0783.jpg
Ansichten: 1
Größe: 110,3 KB
ID: 49807

                              Schnitte vom Kornblumen-Blauschimmelkäse mit Mirabellen-Chiliconfit und Walnüssen

                              schloss man ab. Lobenswert: Hans-Harald Reber lässt sich mehr als die übliche Käseauswahl einfallen. Aromatisch ging es wieder eher dezent zu; ich könnte mir daher vorstellen, dass diese Kreation noch ausbaufähig ist, denn sie hätte für meinen Geschmack noch mehr Prägnanz oder Pointiertheit vertragen, sprich „Blauschimmel vs. Chili“ könnte als „Thema“ vielleicht noch spannender dargeboten werden.

                              Eine unproblematische Ergänzung dazu war der

                              Dessertwein Südtiroler Sanct Valentin Passito Comtess 2009

                              Nach vier Gängen ist man im „Rebers Pflug“ schon erstaunlich satt (für wen auch immer das ein Kriterium sein mag), und da ich das schon wusste, wurden’s auch „nur“ vier. Der Stern erscheint mir absolut ungefährdet, falls ich mir diese Meinung gestatten darf. Dazu mag nicht zuletzt der geschmeidige Service beitragen: sehr freundlich, entspannt, ohne unkonzentriert zu sein, kommunikativ, wo gewünscht, ansonsten angenehm dezent – und damit von der Chefin Anette Reber perfekt angeleitet, die all diese Attribute selbst aufs Beste verkörpert. So hat man es gern.
                              Zuletzt geändert von Tobler; 04.08.2015, 00:30.

                              Kommentar


                              • #30
                                Vielen Dank für den Bericht. Den Hirschorner Hof von Frank John kenne ich seit einiger Zeit. die Weine findet man ja durchaus hin und wieder auf den Weinkarten. Aber ich habe auch einige Flaschen im Keller, als ich vor zwei Jahren mal auf dem Weingut war. Bislang habe ich aber nur Rieslinge geöffnet. Wie empfanden Sie die Reife des 2010er Spätburgunders? Noch eher jung, oder schon fortgeschritten??

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X