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Les Deux **, München

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  • Frab
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    Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht, lieber frab, auch wenn es ja durch die neuen Küchenchefs im Les Deux nun vermutlich gewisse Änderungen geben dürfte, freue ich mich, dass der Besuch hier im Forum nicht unerwähnt bleib.
    Ja, schade dass Herr Sigl nicht so lange geblieben ist. Aber ich fand die Unterschiede zwischen meinen zwei Besuchen unter Rappenglück und unter Sigl nicht so ausgeprägt. Im ersten Besuch waren die Produkte etwas besser sichtbar und im zweiten Besuch war die Linie zumindest in den ersten 2 Tellern eher etwas "deutsch" aber es hat sich immer noch geähnelt.

    Und ich glaube zumindest einer der beiden neuen Köche kommt aus dem bisherigen Team und hat schon angekündigt das Konzept erstmal grundsätzlich weiter zu fahren. Ich denke, dass wir hier auf Sicht erst einmal keine sehr großen Änderungen erleben werden und das finde ich persönlich auch gar nicht schlecht da wir ansonsten in Richtung zeitgenössischer französischer Küche in München eine Lücke haben würden.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Danke für den Bericht, lieber frab, auch wenn es ja durch die neuen Küchenchefs im Les Deux nun vermutlich gewisse Änderungen geben dürfte, freue ich mich, dass der Besuch hier im Forum nicht unerwähnt bleib.

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  • Frab
    antwortet
    Ich habe noch ein paar Berichte von 2020 aufzuholen, hoffentlich bleibe ich die nächsten Wochen bei der Stange.

    Für einen Geburtstag haben wir letzten Juni zu zweit das Les Deux besucht. Für mich eins der reizvollsten Restaurants in München. Für meine anderen Favoriten (schließlich war ich auch schon vorher im Les Deux und probiere gerne neues aus), nämlich das Atelier und das Tantris, war nichts zu machen. Ein bisschen enttäuscht beim Tantris war ich dass da so rein gar nichts zu machen war, ich hatte gefragt ob ich zumindest eine Geburtstagstorte bestellen dürfte wie wir sie im Vorjahr erhalten hatten und ich wäre auch bereit €50 oder mehr hinzulegen und sie abzuholen (um damit anderen eine Freude zu machen), aber das wurde komplett ausgeschlossen.

    Ein bisschen skurril mutet auf mich schon an wie sehr der Besuch von vor 7-8 Monaten wie ein Besuch aus einer anderen Zeit liegt, nämlich nach der ersten und vor der zweiten Corona-Welle. Es gibt nämlich eine Sperrstunde ab 22 Uhr, also reservieren wir an einem schönen Samstagabend ab 18:30 Uhr um das Maximum an Erlebnis zu haben.

    Über den neuen Koch Edip Sigl weiß ich bis dato nur dass er vorher schon als Souschef im Les Deux gearbeitet hat und direkt im ersten Jahr 2 Sterne erkocht hat, das lässt hoffen.

    Die Küche bietet ein Abendmenü mit 5 Gängen à €155 oder à la Carte. Die Küche würde ich beschreiben als fokussiert auf sehr gute Produkte, unterstrichen mit einem französischen Handwerk (auf der Website heißt es „Unser Küchenteam kocht eine moderne französische Küche mit japanischem Akzent: Geradlinig, raffiniert und ausschließlich mit allerbesten Produkten.“).



    Nach etwas Überlegung entscheiden wir uns für das Menü. Sehr erfreut bin ich auch wieder Fabrice Kieffer zu sehen, der George Clooney der deutschen Gastronomie und mit sehr viel Charme gesegnet. Mich hat es überkommen ihn auf Französisch anzusprechen – ich spreche Französisch aber habe privat und beruflich nur selten die Gelegenheit es zu praktizieren – was für ihn, fast überraschend, gar kein Problem ist … anscheinend gibt es hier schon öfter französischsprachige Gäste und auch so baut Herr Kieffer gerne ein paar französische Sprachfetzen als Showelement ein. Herr Kieffer lebt für mich eine 3-Sterne-Mentalität im Service und lebt auf Augenhöhe mit den für mich bestem was ich in Paris oder bei Marco Franzelin erlebt habe. Sei es der Charme, die empathische Möglichkeit nicht gesagtes oder Zögern richtig zu deuten oder die Flexibilität. Toll finde ich auch die Beratung und Möglichkeiten hier beim Thema Wein, es gibt sehr viele gute Wahlmöglichkeiten oder man lässt Herrn Kieffer einfach machen – für mich stellt sich letzteres später als die richtige Wahl raus.

    Als Einstimmung vorneweg gibt es eine Foie Gras Praline, klassisch und gut. Gutes Brot und gute, gesalzene und gepfefferte Butter werden dazu serviert.






    Als frische Einstimmung wird ein weiteres Amuse serviert, die Details habe ich nicht mehr bei mir aber die Mischung aus Gurke, Melone, Dill und Frischkäse / Ricotta funktioniert setzt aber jetzt auch kein Ausrufezeichen.




    Der erste Gang „Japanischer Hamachi vom Hiramasa King Fisch mit Wassermelone | Zitronengras | Basilikum“ ist bildschön angerichtet. Auf einer Scheibe aus saftiger Wassermelone thront in Röllchen leicht gekühlt der Hamachi, das Ganze in einem Basilikumsud und obenauf ein Eis aus Zitronengras. Was die weißen Blöcke dazwischen waren hatten wir noch gefragt, ist mir aber leider entfallen. Der Cracker obenauf ist hübsch anzuschauen bringt aber geschmacklich keinen großen Schritt nach vorne. Das Gericht war logisch und gut konzipiert und schmeckt auch gut aber für mich war es etwas zu wässrig und zu nah dran an der frischen Melone-Gurken-Einstimmung davor, ich würze aber auch gerne etwas stärker. Ich will jetzt nicht gemein sein aber ich fand den Gang im Vergleich zu anderen deutschen Sternerestaurants sehr austauschbar, insbesondere für den Sommer (*). Gut passt dazu unsere Weinwahl, ein 2017er Ungeheuer von Von Winning.



    Der zweite Gang „Blauer Hummer mit Parmesan | Weinberg Pfirsich | Erbse | Tomate“ setzt die betont leichtere Linie fort. Unter einem Parmesancracker verbirgt sich der akkurat gegarte Hummer, Scheiben vom Weinbergpfirsich steuern zusammen mit Erbse eine fruchtige Süße bei. Für mich persönlich war der Gang auch kein Kracher, aber das liegt vermutlich an meiner etwas geringeren Begeisterung für Parmesan wobei ich die Idee knusprigen Parmesan mit Hummer und Süße zu kombinieren gut fand (*). Ein bisschen geht der Hummer hier auf dem Teller aber auch unter (nicht nur visuell sondern auch, natürlich bedingt, wegen der kleineren Größe und geschmacklich). Da war der Fisch im Gang davor deutlich präsenter.



    Auch wenn das Menü bis dahin gut war, war es nicht ganz das ersehnte 2-Sterne-Niveau was ich hier bei meinem letzten Besuch habe aufblitzen sehen. Der nächste Gang geht aber endlich in meine favorisierte Richtung tiefer Saucen und ich sehe es ihm schon optisch an: „Ora King Lachs mit Eisbergsalat | Dill | Kaffir-Limette“.
    In einem tiefen Teller mit einer Art Beurre Blanc mit Limettengeschmack wird ein stattliches Stück sehr guten, flambierten Lachsfilets serviert. Die Sauce mit dem Fisch erinnert mich im Geschmacksbild recht stark an eine Tom Kha Gai was ich etwas einfach finde aber es schmeckt hervorragend. Auch im Fisch sind durch das Flambieren die sichtbaren Grill- und Röstaromen sehr gut zu schmecken. Eisbergsalat und Dill sind als grüne Sphäre mit dabei aber habe ich persönlich nicht gebraucht. Mit dem Brot wische ich den Teller leer (**).



    Nach dem Ungeheuer Von Winning (der unsere Wahl war) bitte ich Herrn Kieffer um den nächsten Wein. Der Ungeheuer war sehr vollmundig, für den Start eigentlich zu vollmundig und ich möchte jetzt auf dem Niveau weitermachen. Der vollmundige Start war mein Fehler, der war ja auch von mir gewollt trotz leichtem Abraten von Herrn Kieffer. Herr Kieffer präsentiert uns darauf glasweise einen 2017er Rully Las Raclots von Jean-Marc Pillot. Mindestens genauso vollmundig! Was für ein opulenter Kracher (den ich bei Vivino für mich mit 4,5 Sternen bewertet hatte). Das war für mich einer der besten Weine die ich je im Restaurant probiert habe.



    Der Hauptgang „Filet vom US Prime Beef mit frischen Morcheln | Sellerie | Trüffeljus“ war dann endlich die Les Deux-Küche wie ich sie bei meinem Besuch vor Jahren kennen und lieben gelernt habe. Auf jedes einzelne Wort in der Beschreibung habe ich mich gefreut und es war sagenhaft! Das Rindfleisch, eigentlich schon etwas abgekühlt, hatte eine Intensität im Geschmack wie ich das noch nie probiert und aus Nebraska nicht gekannt hatte. Ich habe schon viele sagenhafte Steaks gegessen, u.a. in vielen Steakhäusern in Kapstadt, Johannesburg, Rio de Janeiro, Sao Paulo, den USA und natürlich auch in Europa aber eine solche Produktqualität habe ich noch nie erlebt. Das war ein Produkt mit Gänsehautfaktor. Eine Trüffeljus, Selleriepüree und mit Trüffeln gefüllte Morcheln waren perfekte Begleiter. Besser geht nicht mehr, nur noch anders (***).



    Benebelt von dieser Sternstunde, und so langsam auch sehr viel Wein, ging es dann ans Dessert. An die vielen Aufmerksamkeiten vor und nach dem Dessert habe ich nicht mehr so viel Erinnerung und wir waren auch schon in die letzten 20 Minuten eingebogen und mussten das Dinner aufgrund der Corona-Sperrstunde bald beenden.



    „Yogurette Les Deux mit Weißer Schokolade und Erdbeeren“ war dann ganz gut aber hat mich nicht mehr von den Socken gehauen und die weißen pappigen Stangen waren dann auch wieder da (*). Meine Freundin hatte „Kir Royal“ bestellt, welches ich auch probiert habe aber als sehr sprittig empfunden habe.



    Gute Petit Fours und ein kleines Stück Käsekuchen sind ein willkommener Abschluss und begleiten uns in einen warmen Sommerabend.





    Bei diesem Besuch fand ich die Handschrift der Küche mit einem starken Fokus auf ein Spitzenprodukt leider nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei meinem ersten Besuch aber dafür war der Hauptgang für mich das Highlight des Jahres und 3-Sterne-Niveau. Ich habe es in Summe also als schwankend empfunden und hätte zumindest auf Basis dieses Menüs 2 Sterne zwar gesehen, mit der Auszeichnung anstelle des Guides mit der Auszeichnung ggf. ein weiteres Jahr abgewartet.

    Ansonsten war es aber ein tolles Erlebnis und eine Erinnerung wie schön Gastronomie sein kann und wie sehr ich hoffe, dass es bald wieder zur Normalität wird (wenn die Impfquoten fortgeschritten sind und die Gesundheit es zulässt). Das Menü schlägt für uns mit €610 zu Buche was ich im Rahmen des Gebotenen angemessen fand.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Edip Sigl verlässt das Les Deux - und das sind die Nachfolger:
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 19.12.2020, 15:21.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Johann Rappenbgück verlässt zum Jahreswechsel das Les Deux
    Der Mitinhaber des Sternerestaurants will neue Wege gehen

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  • schnecke
    kommentierte 's Antwort
    Kann auch am Browser liegen. Hatten wir gerade in einem anderen Fall.

  • QWERTZ
    antwortet
    Alles klar. Dann hoffen wir, dass es bald gelöst ist.

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  • Gourmet89
    antwortet
    Den Begriff Privatsphäre finde ich nicht! Kollege Buchner kennt schon mein Problem und will sich kümmern

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber Gourmet89, herzlichen Dank für den Bericht. Warum Sie keine Bilder einstellen können, kann ich noch nicht ganz nachvollziehen. Denn alle Einstellungen Ihres Profils sehen erstmals so aus, wie allen Usern, aber irgendwo scheint es ein Problem zu geben, da ich Ihnen auch keine private Nachricht schicken kann. Bitte schauen Sie mal unter Ihren persönlichen Privatsphäre-Einstellungen (zur Erreichen, indem Sie oben links auf Ihren Nutzernamen klicken und Benutzereinstellungen wählen. Wenn dann dort unter Privatsphäre nicht "Für alle Sichtbar" steht, könnte es daran liegen. Falls diese Option bereits ausgewählt ist, melden Sie sich bitte nochmal, damit wir der Sache näher auf den Grund gehen können. Danke!

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  • wombard
    antwortet
    Miserable Wettervorhersage? Museumsbesuch im Kunstbau bei Frau Münter war eh eingeplant, nur dauert er nicht Stunden und mit Regenschirm und bei Schneesturm macht das erkunden von Weihnachtsmärkten etc. nicht wirklich so richtig Spass. Zufällig kamen wir am Vortag am Restaurant vorbei und bei diesen Aussichten sowie den Kommentaren hier im Forum waren wir uns schnell einig, gibts noch einen Tisch im ersten Stock, dann kommen wir. Gesagt getan, es war noch etwas frei und so hatten auch wir das Vergnügen,welches hier schon mehrfach beschrieben wurde.

    Wir wählten den Business Lunch und schoben noch einen, leicht verfeinerten Klassiker der Elsassküche des vergangenen "Jahrhunderts", Kalbskopf , Marktklösschen , Schnittlauchsosse mit Imperial Kaviar, ein.
    Dem dekadenten Eindruck des Kaviars muss man zugute halten, er war das i Tüpfelchen für dieses perfekte Gericht. Besser kann man es nicht machen und es war, trotz Atelier und Werneckhof ein absolutes Highlight

    Beim Rest kann auch ich mich nur den Vorredner anschliessen.

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  • Gourmet89
    antwortet
    Lieber Merlan,
    danke für das Kompliment, sehe ich genauso. Ein Forum ist da für Meinungsvielfalt, zumal wenn sie sachlich vorgebracht und begründet ist.

    Mit den legeren Zeitgenossen im Restaurant, wie oben beschrieben, habe ich keinerlei Problem. Offensichtlich auch das Les Deux nicht. Ich bezog das nur auf das Casual Dining, das mir speziell für diese Menschen konzipiert zu sein scheint.

    Zu Mucks Frage: Natürlich waren es unterschiedliche Weine. Der im Atelier gereichte Pommard war auch sein Geld wert. Aber etwas bescheidener hätte es sein können und hätte übrigens die Karte der Offenen Weine auch hergegeben.

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  • Muck
    antwortet
    "Die Weine sind nicht gerade spottbillig, aber für Münchener Verhältnisse angemessen kalkuliert. Zumal wenn man den hier auch schon gezogenen Vergleich zu dem von uns hochgeschätzten Atelier nimmt! Auch mein Glas Rotwein zum Hauptgang stand mit 18 Euro auf der Rechnung. Zum Vergleich im Atelier, da waren es 34 Euro!"

    War es denn der gleiche Wein?

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  • merlan
    antwortet
    Zitat von Gourmet89 Beitrag anzeigen
    ...möchte mich auf die polarisierenden Kommentare von Merlan hier und Frab dort beziehen. Für mich haben beide Kommentare vollkommen ihre Berechtigung, weil sachlich begründet. Zu beiden Meinungen gehören natürlich eine individuelle Vorliebe für Gourmetküche sowie dort gesammelte Erfahrungen. Wenn man noch nie im Les Deux gewesen ist, liefern beide Kommentare unseres Erachtens eine sehr gute Vorbereitung, um sich ein Urteil vorab zu bilden.
    Das haben Sie schön gesagt, werter Gourmet89! So soll ein Forum sein und ich wünschte mir wieder mehr davon. Schon allein deshalb bin ich Ihnen für Ihren Bericht dankbar, weil wir solch pointierte Einschätzungen von möglichst vielen Schreibern brauchen. Daran mangelt es zurzeit leider!

    Ich kann Ihren Kommentar sehr gut nachvollziehen, vor allem Ihre lobenden Worte für den Service und vor allem für den formidablen Fabrice (nicht Patrice!) Kieffer. Auch "mitschmecken" konnte ich beim Lesen ganz gut - klassisch eben, und das hat selbstverständlich auch seine Berechtigung.

    Ihre Ausführungen zur Bekleidung haben mich amüsiert; ich wäre vielleicht nicht ganz so streng mit den legeren Zeitgenossen - oder doch?

    Ich freue mich auf Ihren nächsten Bericht.

    Schönen Gruß, Merlan



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  • Gourmet89
    antwortet
    leider darf ich keine Bilder einfügen

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  • Gourmet89
    antwortet
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ID: 5939020171208_183032_resized.jpgDieses Mal führte unser kulinarischer Weg nach München ins Les Deux. Bevor ich diese Zeilen schrieb, las ich natürlich die bisherigen Einträge und möchte mich auf die polarisierenden Kommentare von Merlan hier und Frab dort beziehen. Für mich haben beide Kommentare vollkommen ihre Berechtigung, weil sachlich begründet. Zu beiden Meinungen gehören natürlich eine individuelle Vorliebe für Gourmetküche sowie dort gesammelte Erfahrungen. Wenn man noch nie im Les Deux gewesen ist, liefern beide Kommentare unseres Erachtens eine sehr gute Vorbereitung, um sich ein Urteil vorab zu bilden. In meinem Fall führt unser Besuch zu folgendem Kommentar.

    Wir waren an einem Freitagmittag zu Gast. Sowohl die Brasserie im Erdgeschoss wie auch das Gourmet-Restaurant im ersten Stock waren voll! Da klagen andere Sterne-Restaurants über mangelnden Besuch mittags und schließen in Folge zu dieser Uhrzeit. Im Les Deux funktioniert es! Die Karte hatte uns immer schon gereizt. Sie klingt nach klassischer französischer Küche, zumal durch den Einsatz der bekannten Edelprodukte, und wir wurden nicht enttäuscht.

    Beginnen wir beim Service, denn hier fängt schließlich auch der erste Eindruck für die Beurteilung eines Restaurants an. Fabrice Kieffer ist unlängst ausgezeichnet worden Wie wir finden, vollkommen zu Recht. Er war bereits bei Heinz Winkler, zusammen mit seinem Bruder, eine lebende Service-Legende. Nun mag es Zeitgenossen geben, die seinen dunklen Anzug und französischen Akzent in die Liga old-fashioned abstempeln und die moderne casual Dinners vorziehen. Ich pflege das Vorurteil, dass diese Menschen ein Problem in ihrem Kleiderschrank haben bzw. aufgrund mangelnder Erziehung zu einem gepflegten Small Talk mit einem Anzugträger nicht in der Lage sind. Das ist dann im Zweifelsfall mangelndes Selbstbewusstsein. Small Talk kann man mit Monsieur Kieffer nämlich auf höchstem Niveau pflegen. Rudi Carell konnte angeblich akzentfrei deutsch sprechen und wollte nur nicht seine Zuschauer damit verwirren. Vielleicht kann auch Herr Kieffer akzentfrei deutsch sprechen, aber wir persönlich mögen die sprachliche Erinnerung an die hohe Küche der Grande Nation und als Einstimmung für ein entsprechendes Essen. Kieffer hat immer ein Lächeln auf den Lippen, gern auch einen Scherz. Er ist kompetent, aber nicht aufdringlich. Freundlich, aber nicht anbiedernd. Leider eine aussterbende Rasse in deutschen Restaurants.

    Apropos Kleiderschrank. Ein paar Tische weiter saßen fünf junge Männer um die 25, die mit ihrer Kleidung in keiner Kneipe aufgefallen wären. Sie hatten sichtlich viel Spaß an dem Essen und wurden natürlich tadellos bedient. Das funktioniert natürlich auch trotz des Anzugs von Monsieur Kieffer im Les Deux! Denn Standesdünkel ist ihm fremd.

    Die Weine sind nicht gerade spottbillig, aber für Münchener Verhältnisse angemessen kalkuliert. Zumal wenn man den hier auch schon gezogenen Vergleich zu dem von uns hochgeschätzten Atelier nimmt! Auch mein Glas Rotwein zum Hauptgang stand mit 18 Euro auf der Rechnung. Zum Vergleich im Atelier, da waren es 34 Euro!

    Zur Küche:

    Sie ist zutiefst französisch geprägt. Ja! Daraus wird auch kein Hehl gemacht. Und sie ist besser als die von Johann Rappenglücks Lehrmeister Heinz Winkler. Dort waren wir vor einem Jahr und fanden die Küche ermüdend langweilig. Das mag daran liegen, dass Rappenglück neue, moderne Elemente einbaut, wenngleich wohl für Merlans Verhältnisse zu behutsam. Da will niemand modern sein. Kein Koch, der modischen Schnickschnack einbaut mit Zutaten, die nur Fachleuten kennen oder eine Artischocke Golddiestel nennt, weil das schicker klingt (haben wir schon erlebt!). Ist er deshalb stehengeblieben, wagt nicht genug und gehört womöglich eher in die Zweite Bundesliga? Nein! Er pflegt eine Küche, wie sie Winkler und Witzigmann in den 80er Jahren etabliert haben und die heute kaum noch gepflegt wird, was wir sehr schade finden. Wir kennen derartige Bistros mit einer solchen exzellenten Küche ohne Stern und wahrscheinlich billiger jedenfalls nicht.

    Die Madeirasauce zu den Jakobsmuscheln hätten wir auch als Suppe löffelweise gegessen! Wer von den Spitzenköchen macht eigentlich noch hervorragende Saucen? Die Zubereitung des Blumenkohls und die Verwendung von Quinoa zeigte übrigens, dass Rappenglück keinesfalls stehen geblieben ist.

    Beim Rehrücken dann vordergründig die klassische Zubereitung. Aber Purple Curry und Quatre Épices, wie uns Kieffer verriet, sorgten für neue Geschmackshorizonte. Dies nicht mit dem Vorschlaghammer, zu dem beide Gewürze in der Lage sind, sondern dezent und elegant den Geschmack des Fleisches unterstützend.

    Wir verließen das Les Deux sehr glücklich und mit einem Kompliment an den Maitre für sein anderes Restaurant in München, dem Weinhaus Neuner. Dort waren wir Anfang des Jahres auf Empfehlung von Jan Hartwig, den wir nach einem Restaurant fragten, wo wir anständig, aber nicht modern-innovativ, ehrlich, aber nicht aus der Tüte essen könnten. Wir hatten nicht reserviert, erhielten aber von dem freundlichen, jungen Kellner einen sehr schönen Tisch für vier, obwohl wir zu zweit waren. Das Essen war sehr gut und der Service auch hier nicht aufdringlich, aber vorbildlich verbindlich und freundlich. Die Schule von Fabrice Kieffer eben!
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    Zuletzt geändert von Gourmet89; 12.12.2017, 10:14.

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