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Dichterstub'n* / Rottach-Egern

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  • Dichterstub'n* / Rottach-Egern

    Da ich bei dem Gourmet-Club-Treffen am Tegernsee in den Egerner Höfen übernachtet hatte, nutzte ich die Gelegenheit, um am Abend zuvor die Küche von Michael Fell zu probieren.
    Die Dichterstub’n in den Egerner Höfen ist ein Seitenraum der Bar bzw. Lobby des Hotels untergebracht. Somit bekommt man als Besucher einiges mit, von dem abendlichen Leben im Hotel samt dem Live-Piano. Einerseits verhindert das effektiv, dass eine Gourmetrestaurants oft zugeschriebene Steifigkeit aufkommt, andererseits fehlte mir ein bisschen das Kontemplative, dass ich bei einem Restaurantbesuch schätze.
    Auch der Name Stube für das Restaurant ist sehr passend. Die Tische stehen recht dicht, praktisch in Wirtshausnähe, beieinander.
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ID: 52979

    Mein Menü begann mit vier kleinen Happen, allesamt waren recht zünftig und geschmackvoll.

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ID: 52980

    Ohne weitere Einstimmungen begann das Menü mit Wildlachs, Fenchel, Joghurt, knuspriger Parmesan. Der Fisch war optimal gegart, wobei ich vom Produkt her schon aufregendere Lachse gegessen habe, dieser wirkte auf meiner Zunge leicht über-fett. Von der Konzeption her gefiel mir besonders die Sauce mit dem Fenchelpüree. Der Parmesan passte mit etwas Salzigkeit und Würze gut. Ingesamt hatte dieser Gang aber noch eher Amuse-Anmutung.

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ID: 52982

    Warum in der Bezeichnung des zweiten Gangs, Karotte, violetter Senf und Nussbrot, nicht auch die ebenfalls für den Gang verwendete Yuzo-Frucht Erwähnung findet, ist mir ein Rätsel, denn ihre Säure war für den Gang (auch als Brücke zum Wein) ziemlich bedeutsam: die Möhre war geschmorrt und eher knackig und nur dezent süß. Der violette Senf blieb dezent im Spiel mit etwas Würze und die Nuss brachte ein knackiges Element ein. Der Yuzo-Klecks auf der Möhre machte den Gang frisch und leicht, die Nüsse und die Möhren sorgten für die Nachhaltigkeit am Gaumen. Dazu bekam ich einen 2009er Riesling Pfülben GG von Schmitts Kinder aus Randersacker/Franken. Ein Wein, den ich aus meinem eigenen Keller auch schon aus früheren Reifestadien kenne. Derzeit hat die Zitrus-Frucht bei dem kräftigen Wein noch leicht die Vorhand vor der Mineralität, am Ende wirkte er gegenwärtig etwas alkoholisch-schwer (auch für den Gang). Aber unabhängig davon war es eine treffende Weinauswahl, vor allem auch, weil der Wein schon beginnende Zeichen der Reife trug.
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ID: 52983


    Es folgte ein für mich qualitativ etwas schwerer zu fassender Gang: Kabeljau, schwarzes Risotto und Kapern. Das Risotto war angenehm knackig im Reiskorn, der Fisch sehr gut gegart. Aber die Sauce um das Risotto hatte eine (zu) große Intensität, so dass weder die Würze, die die Radieschen auf dem Fisch wahrscheinlich dazu gegeben sollten, noch der Fischgeschmack selbst einen aromatischen Spannungsbogen bilden konnten. So blieb ein intensives, aber auch leckeres Geschmacksbild. Der 2009er Ossian, ansich ein bemerkenswerter Verdejo, konnte die Intensität des Risottos auch nicht wirklich halten. Zu dem Fisch und bei einer kleinen Risotto- bzw Saucen-Menge auf der Gabel passt er aber ausgesprochen gut.

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ID: 52984


    Der Rehrücken , Nusskrapfen, Sellereie und Gewürzbirne hat meines Erachtens seine aromatischen Möglichkeiten nicht voll ausgespielt. Das Fleisch war reichlich mit Pfeffer ummantelt. Etwas Pfeffer tat dem Aromenspiel auf dem Teller für meine Zunge gut, aber hier war es so viel, dass meiner Meinung nach nicht nur punktuell sondern eine durchgängig Schärfe gesetzt wurde, die dadurch die geschmackliche Wirkung der weiteren Komponenten leider einschränkte. Vor allem von der kaum ins Süße gehenden Gewürzbirne hätte ich gern etwas mehr im Gesamtgeschmacksbild gespürt, Auch die die Nusskrapfen ließen von ihrem feinen Geschmack in Kombination mit Fleisch zu wenig verströmen. Dennoch auch hier wieder ein tadellos zubereiteter, wohlschmeckender Gang. Dazu gab es einen italienischen Roten – Details sind leider verloren gegangen.

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ID: 52985



    Der Tegernseer Bergkäse, Dörrobtpolentea, fette Henne und knuspriges Bauernbrot lebte vom Gegensatz der cremigen und leicht fruchtig-würzigen Polenta mit der vegetabilen Note der Fetten Henne. Der darüber gestreute Käse sorgte eher für eine würzige Salzigkeit. Dazu, sehr gut gewählt, ein Gunderloch Riesling Spätlese vom Roten Hang, mild und gereift.

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ID: 52986



    Das Dessert namens Zwetschge, schwarzes Vanilleeis, Mandel und Zimt bestand zusätzlich noch aus einem Hefeeis, das relativ süß geriet, dafür weniger süß das eher graue Vanille-Eis, das seine Farbe durch den intensiven Einsatz von Vanille bekommen hat und daher auch hocharomatisch war. Etwas unglücklich war für mich die Pflaumenmasse unter den beiden Eissorten, denn es passte aromatisch zwar wunderbar, war aber mit der Gabel kaum zu zerteilen, weil relativ klebrig. Schön dazu ein reifer Sämling vom Neusiedler See.

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ID: 52987


    Sommelier Kristian Haas reichte die Weine zu jedem Gang zunächst zum Probieren, ohne zu verraten, was es genau war, um Gäste aus eingefahrenen Geschmackserwartungen zu bringen, nehme ich mal an. Das scheint gut zu gelingen, auf jeden Fall war die Weinbegleitung insgesamt sehr stimmig und mit viel Bedacht ausgewählt. Auch als Gastgeber im Restaurant machte er eine sehr gute Figur!

    Über die gefüllten Pralinen und kleinen Küchlein bestehenden zum Abschluss will ich nicht viele Worte verlieren, es war für mich der größte Schwachpunkt des Menüs, da meines Erachtens ohne jede Finesse.

    Insgesamt war es ein Abend zum entspannten und einfachen Genießen in den Dirchterstub´n. Mit den Gerichten fühlte ich mich einfach wohl. Sie regen den kulinarischen Geist zwar nicht unbedingt zu großer Auseinandersetzung an, aber es wirkt alles stimmig auf unaufgeregtem, sicheren Sterneniveau.
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    Zuletzt geändert von QWERTZ; 04.11.2013, 19:35.

  • #2
    Werter Qwertz,

    vielen Dank für den informativen Bericht. Zwetschgen zum Nachtisch waren wohl Anfang Oktober in Bayern sehr angesagt, so gab es diese doch auch in der Überfahrt zum Nachtisch. Wie ist das Menü preislich einzuordnen ? Und wie war die Auslastung des Restaurants ?

    Gruß
    Schink

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    • #3
      Einfach mal ein herzliches Danke, lieber Qwertz, für Ihre tollen Beiträge, denen man die Liebe zum guten Essen und den Respekt vor den Köchen anmerkt.
      Ich finde Ihre Beiträge einfach wunderbar, auch wenn sie von Restaurants berichten zu denen ich wohl nie kommen werde.

      Gruß!

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      • #4
        Zitat von Schink Beitrag anzeigen
        Werter Qwertz,

        vielen Dank für den informativen Bericht. Zwetschgen zum Nachtisch waren wohl Anfang Oktober in Bayern sehr angesagt, so gab es diese doch auch in der Überfahrt zum Nachtisch. Wie ist das Menü preislich einzuordnen ? Und wie war die Auslastung des Restaurants ?

        Gruß
        Schink
        Am Tag vor dem Feiertag war nicht nur das Restaurant, sondern auch das komplette Hotel voll ausgebucht, wobei die Gäste sehr zeitversetzt kamen und unterschiedliche Menülängen gegessen haben, so dass es nicht zu voll wirkte. Preislich lag das Menü bei ~125 EUR, die Weinbegleitung bei ~85 EUR.

        Danke für das Lob, lieber fragolini.

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        • #5
          Eine kurze Ergänzung möchte ich noch zu meinem Bericht schreiben, der vielleicht etwas aufzeigt, worin der Charme der Dichterstub´n liegt: das Restaurant passt mit seiner Küchenlinie, Restaurant-Einrichtung und der Art des freundlichen Service perfekt in das Hotel, das nach meiner Einschätzung von Paaren und Familien durchaus unterschiedlicher Altersgruppen geschätzt wird. So ergibt sich - unabhängig von den benannten Punkten der Detailkritik - ein absolut stimmiges Bild, gerade wenn man vielleicht nicht nur über das Essen sinnieren will, sondern vielleicht mit jemandem einen schönen Abend verbringen möchte.

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          • #6
            Aus der Dichterstub'n gibt es einige personelle Neuigkeiten: Nina Kamp ist die neue Sommeliere des Hauses.

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            • #8
              Spekulationen: Wir Thomas Kellermann der neue Küchenchef in den Egerner Höfen?

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              • #9
                Ein paar erste Infos zum Start von Thomas Kellermann in den Dichsterstub'n:
                So verleiht Thomas Kellermann dem Gourmetrestaurant des Park-Hotel Egerner Höfen seine Handschrift

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                • #10
                  Die Dichterstub`n liegt nicht direkt im Hotel Egerner Höfe, sondern auf der anderen Straßenseite zwischen den so genannten Höfen, in denen sich weitere Hotelzimmern befinden. Dieser Komplex ist unterirdisch mit dem Hotel verbunden. Das Restaurant ist schön heimelig, sogar mit einer mittig im Restaurant platzierten Feuerstelle.
                  Vermutlich das erste rein bayerische Club-Treffen. Leider fehlte auch unser "Chef-Reporter"; ich werde das Menü kurz zusammen fassen, jedoch bei weitem nicht einen so glanzvollen und treffenden Bericht wie unser lieber qwertz beisteuern können.
                  Das Menü startete mit 2 Grüßen, erstmal eine Kombination mit Kürbis, danach mit Roter Bete und einer Curry-Sauce, was überraschend gut harmonierte. Danach folgte das Brot, eine schöne Auswahl.
                  1. Tegernseer Saibling, Zitrone, geschmorter und geeister Kopfsalat: der Saibling so was von zart (der Tegernsee ist auch in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen, somit ist Frische garantiert und die schmeckt man), beeindruckend auch, welche Geschmacksnuancen man aus so einem banalen Salat heraus holen kann
                  2. Stör, Ananas und Sauerkraut: ein leichtes fruchtiges Gericht mit einer leichten Säurenote
                  3. Seezunge, Sellerie, Lardo und Raucharomen: jetzt wurde es kräftiger; die Seezunge gebraten, der Lardo war zu einem Täschchen gefaltet und gefüllt, der Sellerie unterstützte mit seinem erdigen Aroma
                  4. Bouillabaisse, Artischocke, Makrele und Zitrusaroma: der Klassiker von Thomas Kellermann, der ein wenig weiterentwickelt wurde (bei unserem Club-Treffen in Wernberg ergänzte die Bouillabaisse noch Makrele, Steckrübe, Estragon), zumindest mein Geschmack hat die Moderniersierung getroffen
                  5. Kaninchen, Karotte und Steinpilze: für mich der beste Gang, schönes Fleisch, die leichte Süsse der Möhren und tolle Steinpilze, dazu noch etwas Crunch
                  6. Kalbshaxe, bunter Rettich und Wasabi-Knusper: ein bayrischer Klassiker
                  7. Reh, Kerbelwurzel und Birne: tolles Fleisch mit einer tiefgründigen Sosse, dazu 2 Spalten von der Kerbelwurzel, der Geschmack überzeugte
                  8. Grapefruit, süsser Sesam und Joghurt: ein schönes frisches nicht zu süsses Dessert
                  Und zum Abschluss 3 kleine Abschiedsgrüße, wobei insbesondere das Haselnuss-Tarte beeindruckte.

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                  • #11
                    Könnten Sie vielleicht noch ein Fazit ziehen, werte Schink, insbesondere, ob das Restaurant Ihrer Meinung nach eher in der Ein- oder Zwei-Stern-Kategorie anzusiedeln ist.

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                    • #12
                      Persönlich fand ich dieses Menü besser als in Wernberg, wobei ich damals eher 1-Stern sah. Hervorzuheben ist die große Verbundenheit zur Region.

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