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Il Giardino Bad Griesbach ** 18 GMP (geschlossen)

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  • Il Giardino Bad Griesbach ** 18 GMP (geschlossen)

    Oh, da muss ich wohl behilflich werden, schließlich will ich die restlichen Bilder auch sehen. Pro Posting sind leider nur fünf Bilder erlaubt. D.h. wenn Sie hier auf Antworten klicken, können Sie fünf weitere Bilder einstellen, ggf. müssen sie ein paar Worte Text dazu schreiben, weil es eine Mindestlänge für Postings gibt. Dann füge ich alles gern richtig zusammen...

  • #2
    Nachdem ich nochmal nachgelesen habe: am häufigsten ist mir "leicht" zur Küche von Denis Feix eingefallen. Entspannt kommt dem auch nahe. Beschwingt ist das, was mir jetzt noch einfällt. Soviel zu Empfindungen.

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    • #3
      An einem milden Samstagnachmittag mache ich mich auf den Weg nach Niederbayern. In Bad Griesbach habe ich „Stilvoll genießen“ gebucht, das umfasst eine Übernachtung im Columbia-Hotel sowie eine „Naturreise“ in 7 Gängen in der 2-Sterneküche von Denis Feix.

      Das Arrangement ist so etwas wie ein Gesamtpaket mit Abholung am Bahnhof und diversen anderen Extras, die als „Wohlfühlpackerl“ verkauft werden, und auf mich auch so wirken. Der Service ist wirklich großartig, wenn auch das Hotel schon etwas in die Jahre gekommen ist.

      Aber jetzt zum Il Giardino:

      Um 19.00 Uhr begebe ich mich in eine vor ein paar Jahren extra im Garten des Hotels für das Il Giardino gebaute Villa. Diese ist sehr angenehm eingerichtet, weder nüchtern noch überladen, helle Beigetöne überwiegen. Das Restaurant besteht aus drei kleineren Räumen. Ich werde im letzten, kleinsten plaziert der nur zwei Tische hat. Für mich fühlt es sich an, als diniere ich in einem privaten Esszimmer. Sehr entspannend.

      Schon die Amuse sind nach dem Konzept „gebaut“, das sich dann durch das Menü zieht: Es gibt drei Hauptzutaten, die jeweils auf zwei unterschiedliche Arten zubereitet und dann miteinander kombiniert werden. Das ergibt eine sehr harmonische, diffizile Küche der eher leisen Töne.


      Als erstes bekommt man ein Körbchen mit Popcorn, bevor das große Kino dann losgeht.

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ID: 48795


      Die Amuse beginnen mit: Leberkäse (gebacken und gebraten), Brezen (Kruste und Crouton), Rettich (Salat und frisch).
      Man merkt, wir sind in Bayern. Alles sehr fein gearbeitet, die Kombination natürlich wohlbekannt.


      Dann kommt das selbstgemachte Brot: Tomaten-, Thymian-, Laugen- und Speck-Zwiebelbrot, begleitet von naturbelassener sowie geräucherter Butter und zwei Salz- und Pfeffersorten.

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      Das zweite Amuse: Huhn (krosse Haut, Sot l'y laisse), Kräuterseitlinge (Püree, gebraten), Zitrone (Zitronenthymian, Salzzitrone).
      Für mich war dieses Amuse eigentlich ein ganzer Gang, wenn auch etwas kleiner. Sehr gelungen fand ich die verschiedenen Texturen: einmal krosse Haut mit Biss und den zart gebratenen Pilzen und Sot l'y laisse, dann das cremige Püree mit dem schönen salzig-zitronigen Aroma. Sehr gut!

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      Der nun wirklich erste Gang bringt schottischen Lachs bester Qualität (sanft gegart, Sandwich), Koriander (Krokant, grün) und Pomelo (Salat, Segmente) zusammen, der Gang kommt auf zwei Tellern.
      Auch hier wieder das feine Spiel mit dem krossen Brot und dem marinierten Lachs auf dem einen Teller, auf dem anderen der gegarte Lachs mit Korianderkrokant (d.h. karamellisiertem Koriandersamen, hier kommt eine leichte Süße ins Spiel) und -grün und der ganz leichten Säure der Pomelo.

      Josef 2012, Riesling, Ankermühle: ein einfacher, aber passender Begleiter, der vor allem das zarte Zitrusaroma wieder aufnimmt.

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      Der zweite Gang: Pulpo (gegrillt, Sago), Paprika (Schaum, geschmort), Minze (Schnee, Blätter).
      Für mich der spannungsreichste Gang. Hier wird mit Temperaturen gespielt, der „Schnee“ ist eiskalt, was den leicht scharfen Minzgeschmack betont. Pulpo und Paprika verbinden dann noch einmal Süße. Die Schärfe und Fruchtigkeit der Paprika bringt noch einen anderen Akzent.

      Wein: Fryers Crove, Sauvignon blanc, 2012, auch hier eine schöne Balance von Säure und Fruchtigkeit. Der Wein kann mithalten.

      Der dritte Gang: Wilde Garnele (gebraten, eingelegt), Erdäpfel (Chips, Krapfen), weiße Grapefruit (Püree, Filet). Der Gang etwas zurückhaltender, aber auch wieder: alles dran: nussig, fruchtig, erdig, kross und luftig.

      Ataraxia, Chardonay, 2012, ein schlanker Chardonay, den ich sehr mochte.

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      Weiter gings mit Ente (Brust, Ravioli), Kürbis (Kerne, Süppchen), Verjus (Sauce, Pulver), wieder auf zwei Tellern.
      Die Ente auf dem einen Teller als Ravioli verarbeitet und im Kürbissüppchen schwimmend, dazu die Kürbiskerne und etwas Verjuspulver für die milde Säure. Der andere Teller kombiniert die Ente dann noch mit gedämpftem und rohem Kürbis, gekochten Trauben und einer genialen Sauce.

      Dazu kombiniert Frau Feix passend einen schönen Riesling: St. Anthony, Orbel Grosses Gewächs 2006, schöne Mineralität.

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      Der nächste Gang: Schweinebauch (geschmort, gepoppte Haut), Batate (Kruste, Chip), Sauerkraut (Sauce, Eis) hört sich rustikal an, ist es aber nicht. Die Fleischqualität ist hervorragend, sehr schön die leichte Säuerlichkeit des Sauerkrauteises und der -sauce. Die Kombination mit der Süßkartoffel gibt eine ganz leicht daherkommende Erdigkeit.

      Jetzt greift Frau Feix ins Schatzkästlein: Fürst, Parzival 1998 ist ein sehr feines Rotweincuvee und passt auch sehr gut.

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      Der Hauptgang: Poltinger Lamm (Rücken, Schulter), Reis (schwarzes Risotto, gepoppt), Curry (Kugeln, Mayonnaise). Das Lamm hervorragend gegart, Risotto sehr schön cremig, die Mayonnaise wirkt durch den Curry weniger massig. Als Zugabe gibt es einen Raviolo, mit Ananascreme gefüllt, der dem Gericht eine frische fruchtige Note verleiht.

      Der Masi Amarone della Valpolicella Classico Riserva – Costasera, 2007 dazu schön fruchtig, aber auch mit der nötigen Schwere.

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      Das Dessert: Eiche (Rinde, Papyrus), Mascarpone (Füllung, Creme), Eberesche (Püree, Sorbet). Schön, mit Eiche und Eberesche zwei ungewöhnliche Komponenten im Dessert zu haben. Der Eichenextrakt wird extra für das Il Giardino produziert und kommt einmal in blättriger Form, dann auch in der Schokoladeneichel und in der Mascarpone vor. Die Eberesche als Pürree und auch als Sorbet mit einer feinen Säuerlichkeit überzeugend.

      Der dazu ausgewählte Wein Vouvray vin moelleux Foreau, 1999 ist für einen Dessertwein überraschend wenig süß. Das komplexe Aromenspiel des reifen Weins gefiel mir zum ja auch ungewöhnlichen Dessert recht gut.

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      Dann noch zum Espresso: Variationen von der Mango mit weißem und braunen Keks und Creme.

      Zum Schluss gibt es dann die Menübeschreibung auf kleinen Kärtchen zum Mitnehmen.



      Als ich mich dann ins Hotel verabschiede, hält Herr Feix an der Tür noch ein kleines Abschiedsgeschenk für mich bereit, dass sich nach dem Auspacken als Glas mit Maldon-Salz-Flocken erweist.

      Insgesamt erlebte ich einen sehr aufmerksamen und zugewandten Service rund um Frau Feix. Es war ein gelungener Abend mit einer schön differenzierten Küche, die sehr ausbalanciert wirkt.

      Leider kann ich die weiteren Bilder nicht anhängen, da mein Speicherplatz für Anhänge erschöpft ist.
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      • #4
        Vielen Dank nochmal für den Bericht zu einem Zwei-Sterner, den wir ja bislang leider nicht beleuchtet hatten. Und jetzt auch mit Bildern.

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        • #5
          Ein toller Bericht, welcher wirklich nach "stilvoll geniessen" klingt! Gleichfalls danke!

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          • #6
            Das Michelin-Männchen des benachbarten Reifenhauses winkte uns direkt in die Tiefgarage des Hotels, rechter Hand die hell erleuchtete Villa mit dem Il Giardino, wo hinter den Fenstern die Köche schon fleißig an unserem Abendessen arbeiteten. Vorfreude pur. Nach einer freundlichen Begrüßung durch die zwei Damen des Service suchten wir uns im Restaurant einen Tisch aus, bestellten den Aperitif... und schon ging es los mit Denis Feix' siebengängiger "Naturreise":

            Mett / Wirsing / Radieschen
            Ein Amuse in zwei Teilen, ein angemachtes Mett mit Radieschensamen auf krossem Wirsingbrot, leicht und sehr köstlich, dazu ein gebratenes Mett in einer Wirsingcreme mit geschmortem Radieschen. Beides deftig, aber ein wunderschöner Auftakt.

            Garnele / Fenchel / Bergamotte
            Noch ein Amuse mit echtem (Asia-)Snack-Charakter, eine Garnele süß im Teig gebacken. Begleitend ein kräftiges Fenchelpüree und erfrischende Bergamotte-Sauce. Yummie.

            Zum Menü gab es eine sehr gute Brotauswahl mit zwei Sorten Butter und verschiedenen Salzen. Fantastisch fand ich auch die drei "Snacks für Zwischendurch", deren Basis jeweils ein Maniok-Chip war. Luftig-leicht und trotzdem eine Explosion am Gaumen. Ein solches Häppchen einwerfen und man weiß sofort, dass der Koch wirklich spitze ist...

            Waller / Erdapfel / Anis
            Erster regulärer Gang, und im Nachhinein der einzige, der mir subjektiv nicht ganz so zusagte. Beinahe puristisch anmutend ein saftiges Filetstück vom Waller (schön!) auf einer aus Kartoffeln gewonnenen Röstsauce. Abgerundet mit etwas Anis. Die Sauce war mir allerdings durch ihre starke Salzigkeit etwas auffällig. Dazu gab es als zweiten Teil des Gangs statt eines notwendigen frischen Elements irgendwas Frittiertes, tja, was soll denn nun das?

            Rosenkohl / Wilde Erdnuss / Preiselbeeren

            Die Blätter vom Rosenkohl waren mit einer Preiselbeervinaigrette und Erdnussschaum angemacht. Ein sehr leckeres Gericht. Hier stimmte alles. Die Balance von süß und salzig, die Proportionen, die wunderbare Kombination der Aromen.

            Heilbutt / Kokos / Kaviar
            Kleiner Event-Gang mit Rauch im Glas. Der Fisch kam mit Spinat im Rauchglas, obenauf als Spieß mit Kaviar. Ich mag eigentlich keine Spektakel, aber wenn sie so köstlich sind wie hier, lasse ich sie mir natürlich gerne gefallen.

            Kaninchen / Spargel / Senf

            Warum man im Bayerischen Winter weißen Spargel servieren muss, weiß ich nicht. Den gab es hier en papilotte und als Süppchen, das Kaninchen als Knödel und als Rückenstück.

            Poltinger Lamm / Spitzkohl / Kreuzkümmel

            Rücken und Schulter vom Lamm, letztere geschmort als Spitzkohl-Roulade. Sehr lecker.

            Reblochon / Piemonteser Haselnuss / Klettenwurzel
            Für mich der beste Gang des Abends. Wunderbar harmonisch durchdrangen sich hier die Aromen vom geschmolzenen Käse, der fermentierten Klettenwurzel und dem Haselnussschaum. Jeder Löffel eine Mondlandschaft (ich denke an Wallace & Gromit). Ich hatte übrigens von Klettenwurzel noch nie etwas gehört, inzwischen habe ich aber ergoogelt, dass sie gegen Haarausfall beliebt ist.

            Nougat / Banane / Feijoa
            Ein echtes Bananen-Dessert, was man ja nicht so häufig bekommt. Eine Art Schicht-Torte mit Nougat und Guave. Wieder eine wundervolle Harmonie, ein Menü-Abschluss zum Schwärmen.

            Insgesamt gab es an diesem Abend viele tolle Gerichte - beklagenswert vielleicht bloß die Menüdramaturgie (oder eigentlich: deren Abwesenheit). Jeder Gang ein "Knaller"- sorry, aber das kann nicht funktionieren. Und leider kommt sowas gerade in den mittleren sehr guten Häusern, also in Zweisternern und Einsternern mit Ehrgeiz nach oben gar nicht selten vor und verdirbt mir zuweilen bei Tisch etwas die Laune. Doch das wäre wohl ein eigenes Threadthema.

            Wir hatten auf jeden Fall einen köstlich-kurzweiligen Abend (mit einer Weinbegleitung, die stimmig und pfiffig war, aber man frage mich hier bitte nicht nach Details), der durch die vielen kulinarischen Ideen voller schöner Überraschungen steckte. Gerne wieder!

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            • #7
              Lieber Mohnkalb,
              wie darf ich die Kritik der fehlenden Menüdramturgie verstehen? Klingt so, als fehlte Dir der Wechsel zwischen kräftigeren und etwas filigraneren, komplexeren und einfacheren Gerichten?

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              • #8
                Lieber QWERTZ,
                genau wie Du schreibst, mir fehlte ein Wechsel zwischen kräftigeren und leichteren Gängen. Vielleicht hat mein Empfinden auch nicht zuletzt mit dem Salzgehalt zu tun. Vom ersten Happen an war hier der Salzstärkeregler voll aufgedreht, dazu kamen noch frittierte Elemente und solche mit Fernsehsnackcharakter... alles sehr lecker, aber irgendwann streckt meine Zunge dann doch alle Viere von sich.

                Ich glaube wie angedeutet, dass es sich hier um ein Phänomen handelt, das für eine bestimmte Gruppe von ehrgeizigen Häusern typisch ist. Es kommt mir vor, als wolle man - unbewusst wahrscheinlich - den Gast mit jedem Gang ein für alle Mal beeindrucken, ihn so richtig niederkochen (um mal mit einer alten Wendung von Frau Morchel zu sprechen). Und dazu geht man bei jedem Gang an die Würzgrenze. Dass es auf das gesamte Menü gesehen dann zuviel ist, kommt dabei vielleicht nicht so schnell in den Blick.

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                • #9
                  Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                  Ich hatte übrigens von Klettenwurzel noch nie etwas gehört, inzwischen habe ich aber ergoogelt, dass sie gegen Haarausfall beliebt ist.
                  So erging es mir gerade auch im Kai 3, schon interessant was man alles essen kann. Schön das es Köche gibt die solche Gemüse „ausgraben“.

                  Gruß
                  Jürgen

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                  • #10
                    Ja habt ihr alle meinen Aqua-Bericht vom Februar gelesen - ich war da auch das erste Mal mit Klettwurzel in Berührung gekommen...

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                    • #11
                      Eine unschöne Entwicklung:

                      http://gaultmillau.de/aktuelles/colu...-grosse-kueche

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                      • #12
                        Danke für den Hinweis, werte Schink!

                        Was ist denn nur bei Columbia los! Oder muss man das „sich verändernde Nachfrageverhalten der Gäste“ ernst nehmen, und nur wir paar Getreuen sind auf dem falschen Trip?

                        Schönen Gruß, Merlan

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                        • #13
                          Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                          ...muss man das „sich verändernde Nachfrageverhalten der Gäste“ ernst nehmen, und nur wir paar Getreuen sind auf dem falschen Trip?
                          Werter Merlan,

                          man muss oder besser sollte das Nachfrageverhalten der Gäste durchaus sehr ernst nehmen, sofern man für solche und nicht sich selbst und oder "die Tester" und wenigen Nerds kocht. Wobei ich der Meinung bin, dass sich das Nachfrageverhalten in den vergangenen 15 Jahren bei weitem nicht so drastisch verändert hat wie das Angebotsverhalten vieler Gastronomen. Aber sicherlich ist es der einfachste Weg, den Gästen selbst die "Schuld" für ihr Ausbleiben zu geben.

                          Einen wunderschönen, sonnigen Sonntagabend Ihnen allen

                          Viele Grüße

                          Passepartout

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                          • #14
                            Das Columbia Hotel in Bad Griesbach ist ein Hotel, dem Besucher wieder stark die Toscana-Liebe der Deutschen im Innendesign der 90er Jahre vor Augen führt. Aber die Region nennt sich ja auch die Toscana Bayerns. Das Hotel liegt an einem leichten Hang, so dass man vor allem aus den oberen Etagen einen wunderschönen Ausblick hat.

                            Das Il Giardino ist allerdings in einer Villa beheimatet, die neben dem Hotel liegt. Diese war mal tatsächlich ein Wohnhaus. So hat das Restaurant auch einen gewissen Wohnzimmercharakter. Aber wir hatten ja einen extrem warmen Tag und so war für uns eine lange Tafel auf der Terrasse aufgebaut. Das war sehr angenehm, hatte aber in der Dämmerungsphase Auswirkungen auf die Qualität der Fotos...

                            Die ersten kleinen Snacks bekamen wir im Stehen mit einem schönen My Wyn 2010 Sekt aus Südafrika. Zunächst gab es zwei Umsetzungen von Gurke, Sauerrahm und Kaviar. Die Varianten waren sehr erfrischend und spielten mit einer gewissen Kühle und Salzigkeit. Der Kaviar war eher sekundär.
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                            Wunderbar fand ich die verschiedenen Süßkartoffelpommes. Die Aromatisierungen waren zwar teilweise recht dezent, im Vergleich zum kräftigen Kartoffelgeschmack. Aber die Pommes waren 1a frittiert und sehr aromatisch.
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                            Dann gab es zwei kleine Tellerchen, eines mit Schweinebauch und ein zweites mit Artischocke. Auch hier war beides sehr lecker.

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                            Zum Auftakt des Menüs gab es eine Kreation, die dem sommerlichen Wetter Rechnung trug und zugleich deutlich machte, worum es in der Küche von Denis Feix geht: klare, nämlich natürliche Aromen: Kräutergarten/ Himbeere / Ziegenfrischkäse. Sehr gut fand ich hier die Idee, eine Pinzette zu servieren, mit der man die Kräuter aus dem Glas holen und differenziert "zugreifen" konnte. Natürlich schmeckten die Kräuter, wie sie nun mal schmecken. Da lag wenig kompositorische Kunst drin, aber wie dezent hier der Ziegenfrischkäse zum Einsatz kam, hat mir besonders gut gefallen. Das zeigt, dass auch vermeintlich naturbelassenes durch die Auswahl der Pinzette, des Glases und die Menge des Frischkäses vom Koch gestaltet wird. Zu keinem Zeitpunkt war der Käse zu intensiv. Er war mehr wie eine Würze, wie Salz, wie eine Vinaigrette im normalen Salat. Logischerweise steuerten die Himbeeren vor allem kleine Säurespitzen bei. Neben der kurzzeitigen fruchtigen Wirkung der Beeren, half die Säure noch mehr, die Kräuter in den Vordergrund zu stellen. So einfach wirkend, aber trotzdem sicher mit kompositorischem Geschick exakt konstruiert, gefiel mir dieses Gericht sehr gut. Zusätzlich gab es auf einem zweiten kleinen Tellerchen ein Kräuterschwamm mit Frischkäse und Himbeere. Ich weiß nicht, was der Hauptgedanke für diesen Zusatz war. Sollte die Komposition nicht zu "einfach" erscheinen? Rein geschmacklich war dieser Zusatz nämlich deutlich weniger interessant, als der Salat im Glas. Von daher war für mich dieser kleine Happen eigentlich unbedeutend. Aber es setzte auch ein klares Ausrufezeichen, nämlich das Denis Feix zwar natürliche Aromen inszeniert, die handwerkliche Kunst aber dennoch nicht zugunsten eines vermeintlich modernen Purismus zurückfährt. Dazu ein frischer Wein, der aber nicht zu viel Säure hatte, um die Balance des Gangs nicht zu beeinträchtigen: der 2013er Grüner Veltliner trocken Federspiel - Kreutles vom Weingut Emmerich Knoll aus der Wachau.
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                            Als nicht so gelungen empfand ich den zweiten Gang, Wildlachs / Pfifferlinge / Grüne Mandeln. Das in der Extra-Schale des Tellers liegende Röllchen vom Lachs war mir zu kräftig, salzig gebeizt, hier fehlte ein Puffer, wobei ich sagen muss dass ich das Röllchen allein gegessen habe und nicht mit dem Fisch auf dem übrigen Teller kombiniert habe (hätte man vielleicht machen sollen). Aber auch dort war mir die ganze Konstruktion zu trocken. Ich habe hier etwas, wie einen leichten Sud vermisst, dass die Intensität etwas abpuffert, denn auch die Mandeln hatten aufgrund ihres "grünen" Aromas im Mund noch eine leicht adstringierende Wirkung. Sehr schön war aber dafür, sowohl solo als auch in der Kombination, der 2009er Riesling trocken Kallmuth GG Coronilla vom Weingut Fürst Löwenstein aus Franken.

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                            Der Hauptgang, Tafelspitz / Sellerie / Brunnenkresse war bei dem hochsommerlichen Wetter sehr passend, denn das Brunnenkresseeis gab der Kombination eine schöne Leichtigkeit, gleichzeitig war die dezente Schärfe der Kresse schön präsent, aber in der Intensität gezügelt. Ebenso frisch war der Sellerie. Gekrönt wurde das Gericht durch einen intensiven, sehr guten Fond. Der 2011er Letizia, Merlot/Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc, von der Villa Caviciana aus Lazio war der Wein dazu, der vor allem mit den frischen Bestandteilen des Gerichts gut zurecht kam.

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                            Kirsche, Zucker / Limone war das erste Dessert. Es schmeckte dezent nach Kirsche und war für mich eher weniger prägnant. Dazu ein 2010er Moscato d´Asti,„Vigna Senza Nome“ von Braida aus dem Piemont.
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                            Das „Freiland Ei“, Erdbeere / Sauerampfer war sehr schön und natürlich von der Optik her witzig. Die Erdbeere, obwohl relativ klein dimensioniert, war aber sehr präsent. Vom Sauerampfer kam natürlich eine leichte Säure und Frische auf die Zunge. Beides blieb präsent, auch nachdem ich das „Ei“ angeschlagen hatte. Die milchige Sauce machte den Geschmack aber natürlich wesentlich runder und harmonischer. Toll war der 2006er Riesling vom Weingut von Racknitz von der Nahe. Ein von der Mineralik geprägter Süßwein, der auch eine gewisse Kräutrigkeit hatte.
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                            Mit einem süßen Abschluss endete der Abend im Il Giardino.
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                            Es war ein überaus angenehmer, sommerlicher Genuss. Die Küche von Denis Feix überzeugt mit sehr natürlichen Aromen, die sehr unverfälscht wirken. Aber gleichzeitig setzt er sie handwerklich präzise in Szene. Der handwerkliche Aufwand und die Präzision kommen durch die Neben-Elemente mit zum Ausdruck. Dies ergibt teilweise eine gewisse Diskrepanz zwischen Optik und Geschmack. Der Geschmack wirkt etwas purer, als die Optik es vermuten lässt. Somit zeigt Denis Feix mir, dass es keine Experimente braucht, wie wir sie z.T. in Kopenhagen erlebten, um Natürlichkeit im Geschmack herauszuarbeiten.
                            Wenn Bad Griesbach von Hamburg nicht so weit entfernt wäre, würde ich gerne das Il Giardino mal zu anderen Jahreszeiten erleben und feststellen, wie sich diese in den Gerichten widerspiegelen.

                            Auf jeden Fall möchte ich allen Damen und Herren in der Küche und im Service danken, an dem heißen Tag war die Arbeit sicherlich nochmal doppelt so anstrengend wie sonst. Ich finde, es hat sich aber gelohnt.
                            Zuletzt geändert von QWERTZ; 09.07.2015, 00:27.

                            Kommentar


                            • #15
                              Danle lieber Qwertz für diesen gewohnt präzisen und anschaulichen Bericht.


                              Ein paar Anmerkungen von mir als Eränzung oder auch mal als kleiner Widerspruch.

                              Das Restaurant schlägt das Hotel in jeder Beziehung um Längen. Die schöne alte Villa ist ein wirklich traumhafter Ort für ein Restaurant. Man kann wohl nur in wenigen Restaurants dieser Klasse schöner außen essen. Auch innen eine ganz wunderbarer Ort.

                              Frau Feix ist eine ausgezeichnete Gastgeberin. Charmant, aufmerksam und voll natürlicher Freundlichkeit.


                              Den Kaviar fand ich bei der Einstimmung sehr wichtig, da er genau diese salzige Note mitbrachte um die frische Gurkenkombination aufzupeppen.

                              Der Wildlachs aus dem Pazifik schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ein ausgezeichnetes Grundprodukt wurde hier mit wenigen, aber akzentuierten Beilagen sehr feinfühlig unterstützt. Ein reduziertes, aber ausgewogenes Gericht, das mich sehr überzeugte.

                              Der Waller war ein Musterexemplar dieses großen Fisches (17kg), der überhaupt nichts von der Muffigkeit hatte die diesem Fisch sonst gerne eigen ist.

                              Das Pfaffenstück wurde von uns sehr unterschiedlich eingestuft. Mein Sohn fand den Gang einfach nur den besten des Abend. Mir war er fast einen Tick zu würzig. Ein spannender Gang, der eben kein reiner Gaumenschmeichler war, sondern Anlass zu einer spannenden Diskussion gab.


                              Ein rundum gelungener Abend in einem Restaurant, das sich im sicheren 2* Bereich bewegt. Ich persönlich fand die Ausschläge nach oben oder unten sehr gering. Mein Sohn war da etwas anderer Meinung. Er fand einige Gänge extrem stark, andere etwas schwächer. Schön, wenn ein Restaurant neben Genuss auch für spannende Diskussionen sorgt.


                              Gruß!
                              JF

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