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Gourmetrestaurant Überfahrt ***, Rottach-Egern

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  • #46
    Zitat von besseresser Beitrag anzeigen
    Bei seinen Honneurs an unserem Tisch wirkte der gute Herr Jürgens einmal mehr derart angespannt und verkrampft, als hätte er gerade eine 5-stündige Examensklausur in Rechtswissenschaften geschrieben. Der Druck von allen Seiten und von innen heraus muss grenzenlos sein.
    Vielen Dank für Ihren Bericht, werter Besseresser,
    und zum Zitierten: Ja, so wirkte er auch auf mich, als er damals auf der Burg Wernberg einmalig innerhalb von etlichen Jahren seine Küche verlassen hat, übrigens kurz vor seinem Abgang an den Tegernsee. Das Erscheinen im Restaurant scheint ihm nicht zu liegen. Find ich auch ok. Aber irgendwer (oder gar er selbst) scheint ihm eingeredet haben, er müsse das tun.
    M.

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    • #47
      Es freut mich sehr, dass Sie, geehrter Besseresser, dort einen tollen Abend hatten.
      Jürgens kocht meiner Meinung nach schon seit 2 Jahren auf Topniveau, was aber eben leider nicht jeder so empfindet.

      Den Service fand ich bisher immer gut, aber so etwas kann sich naturlich ändern.
      Aber richtig ist sicher, dass dem gesamt Haus noch das Selbstverständliche wie in Bensberg oder im Nachbarschloss fehlt.

      Ich bin immer nicht so sicher, was Jürgens so antreibt als wäre er ein Getriebener. Ob das von Außen kommt oder doch ehr von Innen?


      Gruß!

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      • #48
        werte morchel,
        habe hr.jürgens nur einmal am tegernsee mittags erlebt,sowohl im restaurant und später außerhalb des restaurants und da war er sehr entspannt und
        auch mit einem hohen selbstvertrauen ausgestattet.ich denke es wäre für ihn eine befreiung wenn der irgendwann den dritten stern bekommen würde und für uns gourmets auch ,denn dann könnte er vielleicht noch mehr seinen eigenen ideen nachgehen wie z.b. bau.
        kg knurrhahn

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        • #49
          Zitat von knurrhahn Beitrag anzeigen
          ich denke es wäre für ihn eine befreiung wenn der irgendwann den dritten stern bekommen würde
          Das kann aber doch wohl nicht das Motiv zur Tat sein. Umgekehrt wird ein Schuh draus!

          Beste Grüße, Merlan

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          • #50
            Im Reiseblatt der FAZ vom 15.11.2011 wird weitschweifig und lobhudelnd die Kochschule von Christian Jürgens vorgestellt, die nunmehr in der sogenannten "Genusswerkstatt" stattfindet. Unter dem Artikel befindet sich auch ein Bild von Jürgens in seinem Restaurant. Auffällig ist, dass die Tische mit Tischdecken eingedeckt sind, von denen sich der Meister doch vor längerer Zeit verabschiedet hat und seither auf dem blanken Eichentisch servierte.
            Ist das nun ein Foto aus alten Zeiten oder hat man sich in der Überfahrt stilmäßig eines Besseren besonnen? War jemand in letzter Zeit vor Ort?

            Beste Grüße, Merlan

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            • #51
              Ich war im Spätherbst dort.
              Keine Tischdecken. Was ich persönlich sehr schön finde.

              Meiner Ansicht nach klare 3*.
              Die Höchstwertung im Gusto ist mehr als verdient.

              Ich kann es mir nicht erklären, dass Jürgens hier im Forum nicht mehr Anerkennung findet.


              Gruß!
              Zuletzt geändert von fragolini; 21.12.2011, 13:54.

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              • #52
                Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
                Ich kann es mir nicht erklären, dass Jürgens hier im forum nicht mehr Anerkennung findet.
                nun denn, hier die FAZ über Das aesthetische Jürgens. Könnte der vom Merlan erwähnte Artikel sein.

                Grüße,mk

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                • #53
                  Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                  Könnte der vom Merlan erwähnte Artikel sein.
                  Ja, es fehlt gegenüber dem Print-Artikel nur das Bild vom Restaurant mit "betuchten" Tischen.

                  Gruß, M.

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                  • #54
                    Wir waren kürzlich wieder bei Christian Jürgens. Aus unserer Sicht der nächste deutsche *** Koch.

                    Unsere Eindrücke:

                    Ambiente: herausragend > ein Althoff-Hotelrestaurant eben (auch bei Wissler und Henkel sind die Inneneinrichtung und das Ambiente einfach nur die Messlatte). Etwas seltsam, dass der Blick auf den Tegernsee nicht freigegeben wird, sondern ein Bild den Tegernsee zeigt, wo auch eine offene Fensterwand den Tegernsee live zeigen könnte.

                    Service (für uns fast so wichtig wie die Küchenleistung, eigentlich sollte der Maitre/der Service auch immer extra benotet werden, denn Stammgast wird man nur wenn der Service auf gleich hohem Niveau ist). Der Maitre auf Topniveau, souverän und unprätentiös. Die Servicekräfte auch sehr gut > uns etwas „jung“ (lt. eigener Aussage, gibt es nur 1 Jahresverträge > deswegen hohe Fluktuation, was Stammgäste nicht unbedingt schätzen, ganz anders z.B. im Tantris, wo die „alte“ Garde die Mehrheit stellt).

                    Was wirklich sehr seltsam ist, ist der (uns zweimal) gereichte tiefe Teller (hier und im Gault Millau auch schon angesprochen) > das macht unseres Erachtens überhaupt keinen Sinn, klappert ständig, steht nicht fest und das Christofle Silberbesteck macht auch noch sichtbare Kratzer in den Teller hinein.

                    Der Kritik – fast – genug. Das grosse Menü war exzellent! Im ganzen unseres Erachtens auf *** Niveau. Die Optik und die Präsentation ist einzigartig! Besonders hervorzuheben ist unseres Erachtens, dass Jürgens es schafft, mit Kontrasten wie süß-sauer etc. extrem gut zu akzentuieren und den Eigengeschmack des Produktes zu betonen, gleichzeitig aber eine große Harmonie der Gesamtkomposition auf dem Teller zu kreieren.

                    Weinbegleitung: vorweg Rosechampagner von Paillard, danach eine Topempfehlung Taurasi 2005 (südlichstes Italien, autochtone Traube): kräftig, erdig und ohne Holzeinsatz grandios.

                    Brot und Butter: auf sehr hohem Niveau, wobei das Kartoffelbrot etwas unspannend war.

                    Als Einstieg ein Latschenkieferbonsai geschmückt mit Fressalien (im Speckmantel Backpflaumenpoularde, Lachsforelle mit Kokos, Morchel): optisch nur cool, kulinarisch sehr gut, aber Jürgens kann`s noch viel besser.

                    2. Amuse: Gelierte Gerstensuppe mit Schaum vom Bündnerfleisch: eine Aromenbombe von genialer Bissfestigkeit: das erste Mal klare ***

                    „Mon Cherie“ Entenleber, Kirsche, Kräuter, Mais: das nächste Highlight, keine Frage ***. Die Kirsche von unglaublicher Intensität.

                    Hummer im Sud: ** etwas zu langweilig, der Hummer könnte bissfester sein, insgesamt etwas zu „Suddominant“

                    Gebratener Zander mit verschiedenen Brokkoli: *** perfekt, die Fischhaut ein Gedicht, die Brokkolivariationen mit knusprigen Nüssen einfach passend!

                    „Milchner“ Kalbsbries, Lauch-Créme, Champagnersauce, Perigord Trüffel: Das beste Kalbsbries, das wir je hatten, eigentlich ***+ , jedoch gibt der Trüffel überhaupt keinen Geschmack ab (dann lieber ohne, wenn jetzt nicht mehr die Zeit ist).

                    „Kartoffelkiste“ gefüllter Kartoffelwürfel, Perigord-Trüffelmousseline, Trüffelsalat: der Jürgens Klassiker: stark, toll > perfekte Esskunst: ***. Hier ist der verwendete Sommertrüffel aber auch nicht präsent.

                    „Reh Pfeffer“ Reh, Rouennaisersauce, Rosenkohl, Nußschupfnuderl: nur gut (*+), Reh haben wir schon viel besser und zarter und vom Eigengeschmack her präsenter gegessen.

                    „Feldkönig“ Fasan, Trauben, Perlzwiebeln, Blutwurst, Sauerkrautsud: das beste Gericht (so soll es sein, das Hauptgericht als Krönung!). Herausragende Fleischqualität, gute Portionsgröße (leider nicht immer selbstverständlich), alle Ingedrenzien von intensivem Eigengeschmack und alles zusammen genossen, bringt nochmals andere und fantastische Geschmackserlebnisse! ***+

                    „Goldberg“ Vacherin Mont D´or, Polentacréme, Fond von gebratenem Hühnchen: Welch Kombination > Käse mit Hühnersuppe: einmalig, aber auch einmalig gut und wieder nicht schwer, sondern von perfekter Leichtigkeit! ***

                    In der Patisserie haben wir leider einen Abschwung erlebt:

                    Eis am Stil als Einstimmung (Lebkuchenparfait) serviert auf „dampfenden“ Untergrund. Mehr Show als Geschmackswunder: **-
                    „Tegernseer braune Butter“, Milchreisschaum, braunes Butter-Eis, Birnen: schmeckte sehr einfach und ohne besonderen Kick und eher schwer: **-
                    „Laub vom Wallberg“ Limonen-Créme, Feigen, Kunsperblätter: Optik wieder top, aber das erste Mal keine klare Akzentierung der Gerichte im Zusammenspiel, empfanden wir mehr als Aneinanderreihung unterschiedlicher Produkte.

                    Diverses aus der Patisserie zum Schluß: optisch wieder ein Knaller und dieses Mal auch geschmacklich. Birnen (mit Birnencreme und Stücken neu modelliert), ähnlich der Granatapfel: leichte Creme und eine perfekte Geschmacksexplosion! Tolles Ende: ***

                    Auch sehr positiv: trotz der Menge des Menüs waren wir nicht „pappsatt“, sondern einfach nur begeistert von der Leichtigkeit, mit der Jürgens kocht und trotzdem eine Geschmacks- und Aromenbombe nach der nächsten präsentiert. Unseres Erachtens dauert der Weg zum 3. Stern nicht mehr lange!

                    KG
                    Chess

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                    • #55
                      Werter Chess,

                      vielen Dank für den wunderbaren Bericht. Genauso habe ich Jürgens auch in Erinnerung. Sehr gutes Brot, Menü großartig aber mit leichten Schwächen und leider abfallend bei den Desserts. Wie war bei Ihnen der zeitliche Ablauf, nach meiner Erinnnerungen, geht dort alles ziemlich schnell.
                      Auch preislich ist Jürgens mittlerweile auf 3-Sterne-Niveau.

                      Gruss
                      Schink

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                      • #56
                        Werter Schink,

                        preislich: ja, das ist *** Niveau

                        Zeitlicher Ablauf: ja, Sie haben Recht. Das kulminierte sogar darin, dass wir vor den Desserts von 2 unterschiedlichen Servicekräften gefragt wurden, ob wir gerne eine Pause hätten. Dies haben wir klar bejaht. Das hinderte die Küche aber nicht daran im Stakkato weierzumachen, keine Minute später kam das Predessert, dann wenige Sekunden nach Abdecken des Predessert, das Dessert. Leider auch ein vermeidbarer Schönheitsfehler.

                        KG
                        Chess

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                        • #57
                          Werter Chess,

                          dafür paßt aber das "drum herum" - auch wenn es für uns Gourmets nur ein Nebenschauplatz ist. Schöne Zimmer mit tollem Badezimmer, Berge, Tegernsee (wunderbare Laufstrecke) ... aber das Frühstück habe ich leider auch schon besser gehabt.

                          Gruss
                          Schink

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                          • #58
                            Zitat von chess Beitrag anzeigen

                            preislich: ja, das ist *** Niveau
                            Sparfüchse gehen am besten Samstagmittag in die Überfahrt - 4 Gänge + Weinbegleitung = € 125. Schlechter als im Tantris wird's schon nicht sein. ;-)

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                            • #59
                              Zitat von chess Beitrag anzeigen
                              Wir waren kürzlich wieder bei Christian Jürgens. Aus unserer Sicht der nächste deutsche *** Koch.
                              Ich war auch vor kurzem da. Und habe zumindest bei diesem Erstbesuch die *** noch in einiger Entfernung gesehen. Wobei wir vieles ähnlich wie Sie empfanden.

                              Nun gut, vielleicht nicht unbedingt das Ambiente, aber da haben wir ja bekanntermassen andere Vorstellungen. Nicht schlimm (vor allem im Vergleich zu den gerne mal güldenen ästhetischen Zumutungen der anderen Hotelteile), aber alles ein bisschen sehr gewollt.

                              Service war auch nicht ein Highlight, abgesehen vom sehr angenehmen Herrn Gluer. Der Rest der Brigade wirkte ein bisschen wie Roboter. Völlig in Ordnung, aber anders wäre mir lieber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man den in der Tat jungen Herrschaften den Mund verbieten müsste.

                              Was das Essen angeht hat auch mich die Leichtigkeit des ganzen beeindruckt und die Klasse der Hauptgänge, bei uns am Tisch war das Reh geschmacklich fast so gut wie der Feldkönig. Der Fasan allerdings in einer anderen Liga, das war ein sehr selbstbewusster minimalistischer Teller, im Gegensatz zum Rehstreberteller mit seinen diversen (über)komplexen Beilagen, von denen hätte man einiges gut weglassen können.

                              Was den Baum angeht hatten wir den gleichen Schmuck drin hängen (ich dachte es sei eine Weihnachtsbaumanspielung), wie beschrieben viel Gag, wenig Geschmack.

                              Der Kartoffelkiste konnte ich auch nicht so viel abgewinnen. Sie erschien aus einer anderen Aera, was sie ja auch ist. Ihre Hauptleistung bestand vielleicht darin die Subtilität und Feinheit der neueren Gerichte zu unterstreichen. Wobei mir das manchmal fast ein bisschen zu dezent war. Ich hatte einige Gerichte am nächsten Tag komplett vergessen.

                              Insgesamt war das ein schönes Essen, aber die ganz grosse Begeisterung war es auch nicht. Ambiente, Service, Essen und der Meister persönlich schienen mir alle etwas unterkühlt. Für ein bisschen mehr viszeraler Befriedigung würde ich durchaus auch etwas weniger Perfektion in Kauf nehmen.

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                              • #60
                                Zitat von glauer Beitrag anzeigen
                                Für ein bisschen mehr viszeraler Befriedigung würde ich durchaus auch etwas weniger Perfektion in Kauf nehmen.
                                Grandiose Formulierung! Chapeau!

                                KG
                                Chess

                                Kommentar

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