Der *-Neuzugang in der Nähe des Deutschen Museums hat schon seit Jahren einen fast phantomhaften Ruf: Ein jeder scheint das Lokal bei nächster Gelegenheit besuchen zu wollen, wirklich da war aber wohl noch niemand. Gemessen an dem sagenhaften Charakter haben Michelin, Feinschmecker und Gault Millau relativ spät ihren "Segen" gegeben; nach unserem Besuch habe ich allerdings ebenfalls lange überlegt, ob ich meinen Eindruck überhaupt zum Besten geben soll - zum Grund siehe weiter unten.

Was uns gefiel: (sorry besseresser, ich muss Ihren Aufbau etwas räubern)

- ein sehr junges und herzliches Team empfing uns mit natürlicher Freundlichkeit, auch der überall beschriebene "knieende" Küchenchef, der auf diese Weise sein Menü vorschlägt, war sehr einnehmend - wir fühlten uns willkommen.
- ingesamt meidet das Restaurant mit seinen blanken Tischplatten jeden Anflug von Steifheit. Anders als in vielen *-Restaurants wird hier nicht verucht, über Besteck, Porzellan o.ä. einen herrschaftlichen Eindruck zu erwecken, den das Servierte dann schwerlich halten kann.
- die Weinberatung lotete unsere Wünsche sehr geschickt aus und brachte zwei schöne Flaschen aus Österreich, die unseren Geschmack ziemlich genau trafen.

Was uns (nur) gut gefiel:

- Andreas Schweigers Küche ist in ihrer Anrichteweise hochgradig artifiziell - hier eine Blüte, da ein Pestotupfer - und geschmacklich eine "runde Sache". Wohlgemerkt: so rund, dass es einem schwer fällt, sich am Ende an ein konkretes Gericht zu erinnern. Die "spannenden" (wenn auch recht süß klingenden) Gerichte aus der Internet-Karte gab es an diesem Abend nicht, was geboten wurde war gut gemacht, aber recht konventionell - dunkel erinnere ich mich an ein Tartar von der Gelbflossenmakrele(?), einen Loup(?) in Bouillabaisse-Sud mit extrem zurückhaltendem und schnell zerflossenem Anisschaum und einen offenen Kanninchen-Raviolo. Dass diese Erinnerungslücken bereits am Tag nach dem Besuch einsetzten, mag man auf mein zunehmendes Alter schieben - oder als Indiz für eine eher am unteren Rand der Sterne-Wertung liegende Küche nehmen. Gut war die Käseauswahl.

Was uns nachdenklich stimmt:

- inzwischen nimmt das Schweiger² 57,- für drei (kleine) Gänge, bei unserem Besuch zumindest gab es davor nicht mal ein Amuse. Angesichts des lockeren Ambientes wirkt das für mich als als Bruch. Man wird geradezu dazu verleitet zu fragen: Will hier jemand seinen neuen (Fernseh-)Ruhm zum Abschöpfen nutzen? Auch dass mindestens ein Tisch direkt an der Tür steht, empfände ich als dort sitzender Gast bei diesem Preis als unangemessen.

Abschließend würde es mich freuen, eine Gegenstimme aus dem Forum zu vernehmen, die vielleicht einen anderen Eindruck gewonnen hat. Denn es wäre doch schade, wenn regelmäßig außer dem Lächeln von Frau Schweiger nichts in Erinnerung bliebe...