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Acquarello- München

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  • Acquarello- München

    27.08.2014
    Acquarello, München

    Zum Abschluss einer interessanten kulinarischen Woche noch einmal München. Diesmal das 1 Sterne Restaurant Acquarello in der Mühlbaurstraße- Stadtteil Bogenhausen.

    Der Eingang in das Restaurant sieht nicht gerade freundlich aus. Betonklotz, ungepflegtes Grün und Betontröge machen keinen guten Eindruck. Innen wird es freundlicher. Die Tische stehen doch recht eng zueinander, allerdings grenzen halbhohe Lehnen die Tische voneinander ab.

    Zum Hausaperitif gibt es unterschiedlicher Sorten von frischen Brötchen sowie drei Salzsorten und sehr gutes Olivenöl.
    Neben den a la Carte-Gerichten werden zwei Menüs angeboten. Marktmenü das eine, das andere nennt sich Menü „cucina del sole“. Und für letzteres entscheide ich mich, allerdings lasse ich den ersten Gang, Vitello Tonnato, aus.

    Als Amuse bouche wird Gänsestopfleber mit einem Apfelkompott serviert.

    Gebackene Zucchiniblüte auf Safranschaum, Tomatenconcassée, gebratene Gambas.
    2012 Chardonnay St. Valentin
    Sehr luftiger und wohlschmeckender Safranschaum, die Füllung hat schönen Biss und die Gambas auf den Punkt gebraten. Ein gelungener Auftakt des Menüs.

    Ravioli mit Walnuss-Ricottafüllung auf Parmesan-Sabayon
    Hauchdünne Nudeltaschen mit einer kräftigen Nussfüllung, al dente serviert. Dazu ein sehr leichter Sabyon mit einem Hauch von Parmesan.

    Feigentortelli auf Pinot.Bianco-Schaum, Reduktion vom Cassis und gebratener Gänseleber.
    2010 Riesling Spätlese, Leitz, Rheingau
    Ein interessanter Gang, der eine gewisse Süße mitbrachte. Die Gänseleber und der Riesling aus dem Rheingau ergänzten noch diese Süße. Vielleicht nicht jedermann Geschmack, ich fand den Gang aber sehr Lecker

    Emince vom Schottischen Wildlachs mit Schnittlauch-Kaviar-Sauce
    2013 Sauvignon-Vogl
    Der Lachs zerging auf der Zunge.

    Rinderschmorbraten in Barolosauce mit Selleriepüree
    2010 Palazoo della Torre-Allegrini
    Der Rinderschmorbraten stellte sich als Rinderbäckchen heraus. Das Fleisch war sehr mürbe mit einer sehr guten Sauce. Das Püree zerging auf der Zunge. Leider gab es keinen Barolo zum Gericht.

    Schokoladenravioli auf Orangensauce, Pfefferminzeis
    2011 Ben Ryé-Donnafugata
    Sehr intensive Orangensauce, leider kaum Schokoladengeschmack und die Pfefferminze beim Eis konnte man nur ahnen.

    Im Anschluss werden natürlich noch eine Auswahl an süßen Sachen angeboten: Hauchdünner Himbeerkuchen, Plätzchen und Pralinen. Dazu ein leider nur lauwarmer Espresso und eine Wildkirsche von Reisetbauer.

    Fazit: Ob das Acquarello wirklich der beste Italiener in Deutschland ist, kann ich nicht beurteilen. Fest steht jedenfalls, dass er bestimmt zu den Besten gehört. Vorbildlich der Service. Er strahlt Freundlichkeit und Kompetenz aus. Leider wird auf der Rechnung kein Name erwähnt, sondern nur Kellner Nr. 3. Ein Menü mit ganz leichten Schwächen, aber ein Wiederbesuch wird stattfinden.

    Bilder: https://29alwi.wordpress.com/2014/09...rello-munchen/
    Zuletzt geändert von calvados*; 16.09.2014, 18:42. Grund: Änderung Wein beim Dessert

  • #2
    Danke, lieber Calvados für diese Momentaufnahme aus dem Acquarello.

    Leider scheint die Küche dort konzeptionell seit längerem stehen geblieben. Viele der von Ihnen genossenen Gerichte gibt es dort bereits seit Jahren. Auch die Weinauswahl scheint mir ein wenig sehr dem Zeitgeist und Altbekannten zu huldigen. Gleichwohl, der Grad der Gästezahl gibt Mario Gamba recht. München liebt eben seine verlässlichen Orte des gepflegten Stillstandes.

    KG
    Besseresser


    P.S.: Weil ich den Wein (und den aus dem Trester gewonnenen Grappa) so sehr mag: zum Dessert gab's wohl eher einen Ben Ryé von Donnafugata (Pantelleria).
    Zuletzt geändert von besseresser; 16.09.2014, 18:27.

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    • #3
      Auch von mir vielen lieben Dank für den Bericht.
      Da ich eine bekennende Mittagesserin bin, hatte ich mir das Aquarello immer schon mal auf den Plan gesetzt. Angesichts der spannenden Entwicklung in München im letzten Jahr ging dies jedoch in Vergessenheit.
      In Erinnerung an meinen Besuch im Carmelo Greco in Frankfurt im letzten Jahr, den ich sehr genossen habe und Ihres Berichts, rückt ein Besuch bei "dem" *-Italiener nun doch wieder in die Nähe. Andererseits: bei Mario Gamba ändert sich ja nicht so schnell etwas – auch im Guten, d.h. in der Stabilität der Küche. Mal sehen ...

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      • #4
        Vielen Dank für den Bericht!

        Die Aussage, dass die Küche wohl etwas in die Jahre gekommen ist, wird wohl auch von dem Fakt unterstrichen, dass die meisten der Gerichte aus Gambas Kochbuch entstammen. Wer sie nachkochen will, findet hier die Rezepte für Rinderbacke und Schokoravioli: http://www.acquarello.com/kueche.html

        Beste Gruesse
        Bar

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        • #5
          Liebe(r) Bar,

          das Rezept für die Rinderbacke hat bei mir bereits mehrfach den Praxistest bestanden. Dieses Gericht hat bislang noch jeden an meinem Tisch glücklich gemacht. Unkompliziert und für die Seele. Schwierig ist es für mich allerdings, die Backen bereits vom Metzger perfekt pariert zu bekommen. Wenn man beim Kauf nicht daneben steht und nachhakt, scheinen die Metzger in München keine große Freude am Säubern des auch noch recht preiswerten Stückes zu haben. Zum Schmoren nehme ich übrigens gerne den einfachen Nero d'Avola von Morgante. Einen preiswerten Barolo schlägt er um Längen und einen gereiften Top-Barolo lasse ich lieber rein die Kehle hinunter fließen.

          KG
          Besseresser

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          • #6
            Acquarello - Spontaneinkehr 22.1.2017

            Nach einer hervorragenden Vorstellung von Don Carlo in der Staatsoper wollten wir den Abend noch kulinarisch auf einem ähnlich hohen Niveau ausklingen lassen und entschlossen uns spontan dazu, mal wieder ins Acquarello einzukehren.

            Die Auswahl war bald getroffen, und kurz darauf traf der Gruß aus der Küche ein: Eine Geflügelleberpraline mit Pistazienkruste und Apfelragout. Ein netter wohlschmeckender Haps. Nicht mehr, nicht weniger.

            Für meine Frau ging das Essen dann mit einer großen Vorspeisenvariation von verschiedenem Meeresgetier los. Auf dem Teller fanden sich gebratene Jakobsmuscheln mit Teriyakisauce (glaube ich mich zumindest zu erinnern), Stücke vom Gewürzlachs mit Apfelgelée, eine Sopresa vom Oktopus mit Vanille-Ingwer-Marinade, je ein Carpaccio vom Thunfisch und Marlin mit verschiedenen Marinaden. Eine gewaltige Portion für eine Vorspeise. Geschmacklich sehr fein, aber ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

            Ich wählte Panzerotti mit Kürbisfüllung, Senffrüchten und Parmesancrème. Leider wurde der Teller, nachdem der Kellner ja erst die umfangreiche Vorspeisenvariation meiner Frau annoncieren musste, etwas kalt. Dennoch waren die Panzerotti wirklich fein, die Parmesancrème wirkte als natürlicher Geschmacksverstärker und die Senffrüchte gaben immer wieder säuerlich-scharfe Spitzen dazu. Ein Wohlfühlgang.

            Der Hauptgang meiner Frau war der Klassiker des Hauses, Rinderschmorbraten mit Barolosauce, Selleriepürree und gebackenen Sellerietascherl. Das Fleisch butterzart und aromatisch, das Pürree locker leicht, die Sauce wahnsinnig süffig (wir haben gleich ein Kännchen nachgeordert). Einfach gutes Handwerk und eine sichere Geschmackskomposition. Wie Verdi eben...

            Mein Hauptgang war geschmorte Lammkeule mit cremiger Polenta, kleinem Gemüse und (wieder) Parmesancrème. Im Wesentlichen lässt sich die Beschreibung wiederholen, die Polenta war wirklich unglaublich cremig und zusammen mit dem Parmesan hat es dem Lamm eine schöne Aromatik verpasst, die nicht so dunkel und schwer war, wie man es sonst kennt. Dazu setzte das knackige Gemüse frische Akzente.

            Beim Dessert waren wir uns einig: Wir wälten die Schokoravioli mit Orangen-Vanillesauce und Pfefferminzeis. Die Sauce liebe ich, sie ist fruchtig frisch und bildet einen gelungenen Kontrast zum Schokoladenteig der Ravioli. Abermals ein absolut sicherer Wohlfühlgang.

            Zum Espresso gab es noch ein Stück Schokotarte (geschätzt 200.000 kcal pro Stück, aber unglaublich gut) und Petit fours.

            Die Getränkebegleitung bestand aus einem Gläschen "Noi" des Weinguts San Patrignano. Eine Cuvée aus Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Merlot. Wie die Gerichte auch: Ein feiner Tropfen, ohne Ecken und Kanten, mit schönen dunkelfruchtigen Aromen und ausgewogenem Tannin.

            Mein Fazit: Ich kann bestätigen, dass die Küche des Acquarello sich seit Jahren nicht wirklich weiterentwickelt. Die Küche setzt auf bewährte Kombinationen, kultiviert seine Klassiker und schickt Gerichte, die kaum Überraschungen bieten, aber handwerklich sehr fein gemacht sind und einfach gut schmecken. Für uns ist das Restaurant immer dann die richtige Adresse, wenn uns der Sinn nach raffinierter Wohlfühlküche steht und wir unkompliziert genießen möchten.

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            • #7
              Zitat von SirToby Beitrag anzeigen
              Leider wurde der Teller, nachdem der Kellner ja erst die umfangreiche Vorspeisenvariation meiner Frau annoncieren musste, etwas kalt.
              Auweia. Hier deshalb ein paar Vorschläge, Sir, nur Vorschläge: 1. Einfach keine umfangreichen Vorspeisen bestellen. 2. Langfristige Problemlösung: Mein Onkel hatte noch aus harten Nachriegswintern die Angewohnheit, am Tisch auf niemanden zu warten. Sobald eine Speise aufgetragen wurde, warf er sich mit unbändigem Appetit drauf und schaufelte sie rein, da mag auch der Pfarrer noch eine Ansprache gehalten haben. Das wirkt zunächst vielleicht etwas stillos, aber man gewöhnt sich gut daran und sieht es dann als liebenswerte Schrulle. 3. Meine Oma pflegte zu sagen, dass kalt sowieso alles besser schmeckt. Das stimmt vielleicht nicht in allen Fällen, aber doch in den meisten. Schlecht ist es natürlich, wenn ein Eis schmilzt.

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              • #8
                Ich finde Tipp Nr. 2 eigentlich gar nicht schlecht ; ).

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