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Essigbrätlein - Nürnberg - ** / 18 GM - A. Köthe

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  • Zitat von Gourmet89 Beitrag anzeigen
    Das „Essigbrätlein“ würde ich niemanden empfehlen.
    Wenn ich mir die vorhergehenden Postings so ansehe, dann fällt Ihr harsches Urteil, werter G89, ganz schön aus dem Rahmen. Kann es sein, dass Sie mit einer falschen Erwartungshaltung im Essigbrätlein eingekehrt sind? Gerade wenn Sie Köche wie Wissler, Hartwig oder auch Reitbauer zum Vergleich heranziehen, dann scheint mir die Ebene doch etwas verrutscht zu sein.

    Wenn man sich auf das bewährte Konzept des Essigbrätleins einlässt, dann kann man sich durchaus - wie hat Schlaraffenland es vor gut einem Jahr so schön beschrieben? - in einen "Glücksrausch hineinessen". Und auch damals gab es schon den "Staudensellerie mit Kartoffel", genauso wie bei Junggaumen vor zwei Monaten. Nur, dass beide zu einer völlig anderen Einschätzung gekommen sind!

    Vielleicht hatten Sie ja auch nur einen schlechten Tag!?

    Schönen Gruß, Merlan

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    • Lieber Merlan,
      meine Erwartungshaltung waren die Leistung von zwei Sternen, die das Lokal schon Jahre hat. Reitbauer hat auch "nur" zwei Sterne, wenngleich ich mich der Meinung vieler anschließe, dass er drei Sterne verdient hat. Die Grenze zwischen zwei und drei Sternen dürfte hauchdünn sein, liegt wohl vielfach im Auge des Betrachters. Ich habe ja geschrieben, dass ich mit Wohlwollen nur 1 Stern für das gesamte Menu geben würde. Es war uninspiriert, gewollt, künstlich. Der Aufwand gering im Vergleich zu anderen. Und zum Gang Sellerie mit Kartoffel, der scheint Junggaumen auch nicht begeistert zu haben.
      Bei zwei Sternen erwarte ich eine ganze Menge wie wohl jeder hier. Eine Diskussion, warum der Michelin so wenig Sterne entzieht wegen mangelnder Leistung (die allermeisten fallen alljährlich weg wegen Weggang des Kochs, Schließung, Änderung des Konzepts) können wir an anderer Stelle gern mal anstoßen.

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      • Der Bericht von Gourmet89 kommt mir mehr als gelegen, denn er hat damit übernommen, was wir, als wir im Oktober vergangenen Jahres mittags zu zweit dort waren, ähnlich erlebt haben. Ich bin, zugegeben, kein Held, was harsche Kritik nach einem Restaurantbesuch angeht. Ich schreibe dann zumeist lieber nichts (bzw. befinde mich derzeit ohnehin in einer Berichtspause), doch hätte ich es getan, wäre sie ähnlich ausgefallen. Hinzu mag die Unsicherheit kommen, ob wir – obwohl kulinarisch ja nicht unerfahren – im "Essigbrätlein" vielleicht was nicht verstanden haben, doch es gab fast nichts, was uns begeistert oder mir in Erinnerung geblieben wäre, obwohl wir voller Wohlwollen und Vorfreude dorthin gereist waren. Es war uns fast alles viel zu schlicht, wir hatten fast den Eindruck von Banalität – bei aller Offenheit für eine etwas andere Küche und dem, unabhängig davon, großen Respekt für die Verdienste von Ollech/Köthe; wir konnten diese Verdienste aber einfach nicht "erschmecken". Die Wein- bzw. Saftbegleitung war noch das Beste. Einen schlechten Tag, wie merlan ihn bei Gournet89 vermutet, hatten wir jedenfalls nicht.

        Jetzt hab ich es doch noch gesagt, wenn auch ausgesprochen nachträglich und nicht sehr detailliert. Ihnen, werter Gourmet89, danke ich umso mehr für Ihren Mut!

        KG

        Tobler

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        • Es gibt Restaurants, die polarisieren. Ob es das "einsunternull" oder das "Nobelhart & Schmutzig" in Berlin sind, deren radikal andere Herangehensweise und puristischen Gerichte man mögen kann oder nicht. Für mich zählt auch das "Essigbrätlein" dazu. Unser Besuch dort ist zwar schon eine Weile her, aber wenn ich nach meiner Meinung dazu befragt wurde, antwortete ich meist, dass es meine größte Zwei Sterne-Enttäuschung war.
          Ich verstehe sehr gut, was Gourmet89 meint und sehe vieles bestätigt. Und nur, lieber Tobler, weil das "Essigbrätlein" hier oder anderswo hymnisch abgefeiert wird, muss sich niemand scheuen, auch eine andere Meinung kundzutun. Dafür sollte dieses Forum da sein.
          In dem Sinne, danke lieber Gourmet89 für den Bericht und danke, lieber Tobler, für das späte Coming Out!

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          • Lieber Tobler,
            vielen Dank für Ihren Kommentar. Laut Ihren Berichten hier kommen Sie mir in der Tat nicht kulinarisch unerfahren vor. Viele Spitzen-Restaurants stellen uns Gourmets heute mit ihrer „intellektuellen“ Küche, die wenig emotionell geprägt ist, häufig vor die Frage, ob wir da etwas nicht verstehen. Wie geschrieben, ist dann der große Dollase gefragt, der uns das wortgewaltig erklären wird. Ich mag „emotional“ geprägte Küche und kann mich wie Sie beim „Essigbrätlein“ nicht dem Eindruck der Banalität verschließen. Das erinnert mich an einen Bericht von Dollase über das „Essigbrätlein“, wo er über den Strunk eines Kohlgemüses begeistert schrieb und das Gericht geradezu als kulinarische Revolution lobte. Die Verdienste der beiden Köche sind unumstritten, weil sie einen Trend gesetzt haben, als noch kein anderer die Begriffe Gemüse und Regionalität umsetzte. Regionalität ist allerdings heute zu einem Marketing-Begriff verkommen, s. Noma und seine Folgen. Warum sollten regionale Produkte besser sein als landesweite bzw. internationale und warum wird der Begriff „regional“ dann auch noch auf die Stadt begrenzt? Ein von mir sehr geschätzter Koch sagte mir einmal, dass es zumindest für ihn unmöglich wäre, so zu arbeiten, weil die Region bei weitem nicht ausreichend hervorragende Produkte bereitstellen würde. Wobei die Nachhaltigkeit bei der Beschaffung von Produkten natürlich nicht vernachlässigt werden sollte. Tim Raue hat vor Jahren eine asiatische Melone eingesetzt, die ca. vierstellig in der Anschaffung war. Sorry, was soll dieser Unsinn? Aber solange die Produkte vorwiegend aus Deutschland stammen, stimmt für mich der Anspruch der Regionalität und ebenso der ökologische Fußabdruck.
            Das „Essigbrätlein“ ist meines Erachtens stehengeblieben. Andere Küchen sind mit ihm als Vorbild sehr viel weiter.

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            • Lieber Thomashaj,

              ich finde auch, dass dieses Forum dazu da ist, kontroverse Meinungen zu äußern, vielen Dank! Die genannten Restaurants polarisieren, keine Frage. Der Gast darf ja entscheiden, ob er hingeht oder nicht. Ich war noch nicht im „Nobelhart & Schmutzig“ und werde den Besuch nach dem Fernsehbeitrag „Kitchen Impossible“, wo Tim Mälzer dort übel gescheitert ist, vermeiden. Mälzer sprach davon, dass ihm das Essen nicht schmeckt!! Nun muss man ihn sicherlich nicht als unfehlbar bezeichnen, aber diese Aussage hat er nach meiner Erinnerung noch nie in dieser Serie über eine Küche geäußert. Aus der Distanz schließe ich mich ihm an. Denn weder die Zubereitungsweise des Gerichts, noch die Zutaten und die Anrichte haben mich angesprochen. Es war bezeichnend, dass Mälzer nicht wie sonst alles daransetzte, das Gericht zu kopieren. Er hatte sichtlich keine Lust. Und wer sagt, das lag an dem perfekten Gericht, das eben nicht kopierbar war, den erinnere ich an Mälzers Auftritt in Japan, wo er an einem Gericht nicht scheitern wollte, wofür der japanische Koch 30 Jahre „geübt“ hatte.

              Was ich sagen will, es gibt die emotionale und die intellektuelle Küche und dann perfekte Küchen, die das vereinen. Die intellektuelle Küche kann dazu führen, dass der Gast sich auf den Arm genommen fühlt, weil die großen Tester sie hoch bewerten, und er selber ratlos vor dem Teller sitzt. Die emotionale Küche zieht den Gast bereits durch die Anrichte in den Bann. Die Aromen sind vielfältig und prägnant, und da ist es nebensächlich, ob man sie alle identifizieren kann. Jan Hartwig und Reitbauer in Wien vereinen Emotion und Intellekt. Wohlfahrt früher natürlich auch. Viele andere nicht!

              Harald Wohlfahrt, dem ich einige der besten Essen meines Lebens zu verdanken habe und der in den 90er Jahren meinen Gaumen entscheidend prägte, fragte ich einmal nach einem Gericht, das er auf den Olymp der Kulinarik setzen würde, das er gerne servieren würde. Seine Antwort war, Wolfsbarsch in Badoir-Wasser gegart, ein paar Tropfen Olivenöl. Sonst nichts. Aber das könne er natürlich unmöglich seinen Gästen servieren. Ich kann damit leben, es nicht hätte bestellen zu können bzw. offensichtlich einen mangelnden Intellekt für das Verständnis dieses Gerichts zu besitzen.

              Hinterfragen wir also immer wieder kritisch die Bewertung der Restaurants-Führer, was ich beim Gault Millau tue, weil dort zu mindestens unter Kohnke persönliche Antipathien der Tester gegenüber dem Koch eine Rolle spielten. Und beim Michelin bin ich skeptisch, weil er sich zu selten, eigentlich fast gar nicht traut, einmal einen Stern zu entziehen.

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              • Zitat von Gourmet89 Beitrag anzeigen
                ...ich finde auch, dass dieses Forum dazu da ist, kontroverse Meinungen zu äußern, vielen Dank!
                Und ich freue mich, dass nach Monaten der "Schockstarre" in diesem Forum endlich mal
                wieder
                diskutiert wird!

                Schönen Gruß, Merlan

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                • Lieber Merlan,
                  sofern es solche Diskussionen nicht schon im Forum gibt, können wir beide gern welche anzetteln. Arbeitstitel: Warum entzieht der Michelin so wenig Sterne wegen mangelnder Leistung, und sofern diese Frage nicht zu provokant für die Admins ist, welche würden wir vorschlagen, dass sie einen Stern entzogen bekommen sollten. Z.B. Überfahrt. Ich selber war dort vor ca. zehn Jahren und nur mäßig begeistert. Im letzten halben Jahr traf ich aber drei ausgewiesene Gourmets, darunter ein hervorragender Koch, die sich wie die Rohrspatzen über das Essen beklagt haben.
                  Zweiter Arbeitstitel Gault Millau: Insgeheim lächeln wir alle bestimmt häufig über die Polemik. Betroffene Köche bestimmt nicht. Muss Polemik sein bzw. wo liegt der GM diametral zum Michelin.
                  Viele Grüße
                  gourmet89

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                  • Immer gerne, lieber G89, aber fangen Sie schon mal an; ich packe gerade die Koffer für Süditalien; mir ist es hier eindeutig zu kalt! Wenn ich zurückkomme, quillt das Forum bestimmt über...!

                    Und was Sie zur "Überfahrt" schreiben, kann ich nur unterstreichen!

                    Ciao, ciao M.

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                    • Ich war noch nie im Essigbrätlein, aber ja schon in einigen Restaurants, die sich ebenso der puristisch-regionalen Küche verschrieben haben, mit sehr unterschiedlichen Empfindungen. Am besten hat es mir in der Kategorie bislang in der alten Villa Merton gefallen und im Sosein, auch das Hovrath war spannend. Wenn ich die Teller des Essigbrätlein so sehe, ist mein Eindruck, dass dieser Stil vielleicht vor zehn Jahren mal richtig avantgardistisch war, inzwischen aber andere Restaurants die Benchmark in dieser Kategorie verschoben haben. Damit kommt es dann zu der Schwierigkeit für die Guides. Sollen Sie ein Restaurant abwerten, wenn sich seine Qualität nicht geändert hat, aber die Rahmenbedingungen sich verändert haben? Der Gusto hat sich ja vor zwei Jahren an einigen Klassikern "vergriffen" (Lumpp und Thieltges).

                      Was ich angesichts der stilistischen Bandbreite zusehends schwierig finde, ist es diese miteinander zu vergleichen. Vendome und Atelier mit dem Eissigbrätlein zu vergleichen, ist für mich nicht zielführend, weil dabei der Faktor der persönlichen stilistischen Präferenzen eine große Rolle bekommt. Ich finde, Sosein, einsunternull, rutz, reinstoff, horvath, nobelhart und eben das Essigbrätlein ist eine Gruppe, bei der man gut fragen kann, ob da das Essigbrätlein wirklich die Spitze darstellt, die es laut Michelin ja sein soll. Meiner Meinung nach sind diese Restaurants alle noch auf einer Entwicklungsreise, weil sie neue Dimensionen der Kulinarik erforschen (incl der Irrwege). Vielleicht ist das Eissigbrätlein da etwas stehen geblieben? Eine Antwort kann ich mangels eigener Anschauung nicht geben, da müssten Kenner des Restaurants vielleicht etwas zu sagen.

                      Übrigens wird von manchen ja immer der fehlende Aufwand für diese Gerichte kritisiert. Ich denke, man darf nicht übersehen, dass diese Restaurants an anderen Stellen einen Aufwand betreiben, die Kollegen, die die Produkte einfach in aller Welt bestellen wiederum nicht haben. Sebastian Franks Sellerie in Salzteig z.B., ist natürlich auch ein erheblicher Aufwand.

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                      • Lieber Qwertz,

                        vielen Dank für den differenzierten Kommentar.

                        Ich möchte zunächst den Begriff „puristisch-regional“ weiter differenzieren.

                        Puristisch dürften viele der genannten Restaurants sein, wobei wir uns wohl einig sind, dass das Atelier beispielsweise nicht dazu gehört. Zu puristisch gehört für mich eine schlichte Anrichte und wenig Produkte. Hartwig verwendet gern 5 und mehr Produkte. Das schreckt mich übrigens in der Regel ab, weil mein schlichter Gaumen das gar nicht verarbeiten kann. Aber Hartwig macht das genial.

                        „Regional“ ist ehrlich gesagt für mich ein Reizwort. Es suggeriert, dass regionale Produkte besser sind als nationale oder internationale, was per se natürlich Unsinn ist. Der Koch sollte die besten Produkte verwenden, die er unter vertretbaren Umständen (Kalkulation des Preises, ökologischer Fußabdruck etc.) kaufen kann. Für mich wäre damit ganz Deutschland, im konkreten Fall angrenzende Länder regional. „Regional“ ist zu einem Marketing-Begriff der Köche verkommen, die in Einzelfällen damit nur cachieren, dass sie andere, meist teure Produkte nicht kalkulieren können.

                        Ja, die Rahmenbedingungen, sprich der Wettbewerb, haben sich für das „Essigbrätlein“ vehement geändert. Die Benchmark hat sich geändert. Das wollte ich mit meiner Kritik ausdrücken. Daher sollte ein Guide dann abwerten.

                        Wir Gourmets können Gruppen bilden, wie Sie sie vorgeschlagen haben. Der Michelin kann das ohne großen Aufwand, dies zu erklären, nicht tun. Außerdem würde er dann Einblick geben in sein Bewertungssystem, was er auf keinen Fall will. Wir können gern an anderer Stelle die Diskussion führen, welche Restaurants einen Stern verlieren sollten und warum der Michelin gern der unfehlbare Papst bleiben will, der Entscheidungen nicht rückgängig macht, weil das gesamte Gerüst anfangen könnte zu wackeln.

                        Der Aufwand: Selbstverständlich kann ein Gericht mit wenig Aufwand auch gigantisch schmecken. Ich habe vor drei Jahren eine Vorspeise bei Konstantin Filippou in Wien gegessen, die fast ausschließlich aus Möhren bestand. Der Kellner versicherte mir, dass auch kein geheimes Gewürz dran sei. Ich war begeistert von dem natürlichen aromatischen Geschmack. Gemüse in Salzteig kann auch toll sein und stellt Aufwand dar.

                        Aber es gibt auch Köche, die nicht die Aromasicherheit großer Kollegen haben und dann liegt da ein wenig Gemüse auf dem Teller und dazu ein paar Punkte Sauce und die Guides jubeln. Da sage ich dann, wenig Aufwand, geringe Produktkosten, aber der gleiche hohe Preis wie bei der besseren Konkurrenz. Dann sind wir neben Salzteig beim Fermentieren, dem der Gast auch kaum noch entweichen kann. Nun nehmen wir fast täglich in irgendeiner Form z.B. fermentierte Milch zu uns. Finden das normal und die meisten würden das Wort Fermentierung mit Milch gar nicht in einen genussvollen Zusammenhang setzen. Aber in der Gourmetküche ist es für mich erneut eine Marketing-Idee, um sich zu positionieren. Einfacher ist häufig mehr. Vielleicht auch puristischer. Sie sehen, ich mag es auch mal puristisch.

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                        • Ich sehe die Fokussierung einiger Restaurants auf "regionale" Produkte immer als selbstgesetzten Rahmen, der Köchen helfen kann, ihre eigene Küche stärker zu fokussieren. Das kann gelingen, muss es aber natürlich nicht - wenn wir vom Fine Dining-Bereich reden. Im Allerwelts-Restaurant ist es in der Tat oft ein Marketing-Tool.

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                          • Das Essigbrätlein war schon immer umstritten, und es gibt schon lange auch brutale Verisse des Restaurants. Ich für mich finde die Küche eine der eigenständigsten und originellsten die ich kenne, und das auf ganz hohem Niveau. Wir hatten ja einmal Atelier (direkt vor dem 3. Stern) und das Essigbrätlein an zwei Abenden direkt hintereinander, und zumindest nach diesen 2 Abende hätte ich den dritten nach Nürnberg gesteckt. Und da hatten wir zB auch das Kartoffelselleriegericht. Warum das Crunch benötigen sollte ist mir nicht klar, es muss doch nicht alles immer aufgeknuspert werden. Das hat genau so wie es war gepasst, texturell passiert da durchaus einiges, wenn auch subtil und nicht mit der inzwischen fast schon banal gewordenen Ausreizung des kompletten Spektrums von Cremetupfern zu irgendetwas das so richtig kracht.
                            Auch der Versuch der Relativierung mit "puristisch-regional-experimentell-von gestern-nur für die Pseudointellektuellen" ist mir etwas schleierhaft. Mir schmeckte das Essen dort ganz grossartig, Punkt. Ohne Einschränkung. Und dabei eben auch ganz anders als der übliche deutsche Strebertellerstandard.

                            Und trotzdem ist es natürlich völlig OK zu sagen "Ich mag das nicht". Aber die unten zitierten Ausführungen sind dann doch ziemlich hanebüchen und ungefähr wie wenn ich sagen würde "wer das Essigbrätlein nicht liebt, der versteht halt nicht wirklich was vom Essen". Was ich natürlich nie tun würde.

                            Zitat von Gourmet89 Beitrag anzeigen
                            Was ich sagen will, es gibt die emotionale und die intellektuelle Küche und dann perfekte Küchen, die das vereinen. Die intellektuelle Küche kann dazu führen, dass der Gast sich auf den Arm genommen fühlt, weil die großen Tester sie hoch bewerten, und er selber ratlos vor dem Teller sitzt. Die emotionale Küche zieht den Gast bereits durch die Anrichte in den Bann. Die Aromen sind vielfältig und prägnant, und da ist es nebensächlich, ob man sie alle identifizieren kann. Jan Hartwig und Reitbauer in Wien vereinen Emotion und Intellekt. Wohlfahrt früher natürlich auch. Viele andere nicht!

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                            • Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                              Immer gerne, lieber G89, aber fangen Sie schon mal an; ich packe gerade die Koffer für Süditalien; mir ist es hier eindeutig zu kalt! Wenn ich zurückkomme, quillt das Forum bestimmt über...!

                              Und was Sie zur "Überfahrt" schreiben, kann ich nur unterstreichen!

                              Ciao, ciao M.
                              Lieber Merlan,
                              Sie dürften lange aus Süditalien zurück sein. Derweil bin ich per Zufall auf Ihren Beitrag zur Jahreswende und Ihre Wünsche für das Forum gestoßen. Diese und ihre Aufforderung, mit neuen Themen zu beginnen, greife ich gern auf. Was liegt Ihnen am Herzen, welche Diskussion sollen wir anstoßen?
                              Liebe Grüße
                              gourmet89

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                              • Da bewegen wir uns, lieber G89, schon arg OT, und wir sollten den Essigbrätlein-Thread nicht mit allgemeinen Diskussionen belasten.

                                Ihre Initiative ist durchaus lobenswert! Dabei möchte ich aber eher fragen, was Ihnen denn am Herzen liegt, wo Sie noch nicht so lange im Forum dabei sind. Wir "alte Hasen" haben unsere Herzen doch schon zur Genüge ausgeschüttet!

                                Sie hatten doch auch schon in Post #203 für ein Thema einen Arbeitstitel gefunden: "
                                Warum entzieht der Michelin so wenig Sterne wegen mangelnder Leistung, und sofern diese Frage nicht zu provokant für die Admins ist, welche würden wir vorschlagen, dass sie einen Stern entzogen bekommen sollten."

                                Dann mal los! Ich diskutiere gerne mit!

                                Schönen Gruß, Merlan

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