Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

München, dies und das

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Frab
    antwortet
    Ich hatte vor kurzem Geburtstag und dafür mal die Käfer-Schänke, das Restaurant von Feinkost Käfer am Prinzregentenplatz, reserviert und besucht. Das mein Geburtstag auf einen Montag fällt und da in München fast alle Restaurantalternativen geschlossen waren, hat die Entscheidung begünstigt. Die Käfer-Schänke ist im Guide Michelin empfohlen und kommt im Gault Millau auf immerhin 15 Punkte was ja schon nah an der Sternegrenze im Guide Michelin wäre. Gewünscht habe ich mir zudem eine à la Carte-Auswahl, die hier auch geboten wird mit einem Mix aus bayrischen Klassikern und interessanterweise einem recht französisch-asiatischen Einschlag.

    In Summe hat es mir leider nicht so gut gefallen - die Küche war durchaus gut aber auch nicht immer konsistent, 13-14 Punkte hätten es denke ich auch getan:
    • Hummerravioli mit geschmorter Paprika, Pinienkernen und Krustentiersauce bietet genau das was man sich erwartet mit bissfesten Ravioli in einer sicheren Kombo von Sauce. Die Sauce lässt zwar etwas Tiefgang im Geschmack vermissen und das ganze Gericht ist leider nur lauwarm aber sonst ist das geschmacklich ein tadelloser Gang für immerhin auch €29.
    • Als Hauptgang schauen wir in die Vitrine, die ein paar Fischstücke und sonst nur Kilostücke an Fleisch offebart, die man hier vom Grill bekommen könnte. Für uns beide ist über ein Kilo aber zu viel und so große Mengen rotes Fleisch auf einmal für mich mittlerweile auch kein Genuss mehr. Nach Rücksprache zwischen mir und der Küche (die kann man über die Vitrine hinweg einfach fragen) gibt es immerhin Entrecote vom Grill welches nachher auf der Rechnung für ca. 250g mit €49 auftaucht. Das Fleisch war aber gut gegart, hatte genau die Grillaromen die man sich wünscht und war schön saftig. Keine Offenbarung aber war gut, die €49 habe ich aber dennoch als ziemlich teuer empfunden, entspricht das doch immerhin fast €200 Kilopreis während man beim Einkaufen schon ganz gute Entrecotes für €20-30 pro Kilo bekommt. Das Entrecote war dazu leider auch nur noch lauwarm. Anscheinend stehen die Gänge hier manchmal länger.
    • Die Saucen und Beilagen dazu waren mal ansprechend gut (Béarnaise) und mal gar nicht gut (Pfeffersauce) - letztere hat geschmeckt als würde sie entweder aus der Tüte kommen oder seit 2 Tagen im Kühlschrank stehen. Ich spreche es zwar beim Service an der es "an die Küche weitergeben wollte" aber auf der Rechnung ist die kaum angerührte Sauce trotzdem aufgetaucht.
    • Die Beilagen waren zwar klein portioniert aber recht ambitioniert und wussten zu gefallen, z.B. Caesar Salat mit Jahrgangssardine (!) oder Pomme Dauphine (waren aber auch nur 4 Stück). Mit 3 Beilagen für 2 Personen kommt man hier aber aus.
    • Auf Dessert verzichten wir aber es gibt für meinen Geburtstag ein Himbeer-Törtchen aufs Haus welches nochmal sehr gut geschmeckt hat.
    Von der Küchenleistung abgesehen haben mir leider ein paar Sachen nicht gefallen:
    • Der Rotwein (immerhin ein Volte dell'Ornelaia) war zimmerwarm bzw. deutlich zu warm
    • Der Service ist anfangs bemüht aber nachdem sich Wolfgang Porsche mit Gästen an unseren Nachbartisch setzt schaut der Service nur noch alle 20 Minuten mal für das Nötigste bei uns, um sich danach zum vierten oder fünften Mal bei "Herrn Dr. Porsche" zu erkundigen ob alles schmecke und man noch was tun dürfte. Ich kann das natürlich schon nachvollziehen, dass man offensichtliche Stammgäste besonders gut behandelt aber in unserem Fall haben wir nachdem was ich sehen konnte zu zweit an diesem Abend immerhin eine größere Rechnung hinterlassen als der Dreiertisch. Das kann man mit mehr Fingerspitzengefühl lösen. Da der Service und ich uns nur noch selten gesehen haben, habe ich dann auf eine Reklamation für den Rotwein auch verzichtet (wer weiß wann da eine Besserung, wenn überhaupt, gekommen wäre).
    • Das Restaurant ist recht groß und am Montagabend nahezu voll mit einer großen Gruppen internationaler Geschäftsleute (von denen lustigerweise den Ausweisen zufolge viele bei Volkswagen arbeiten aber wohl nicht mitbekommen, dass nur wir die VW-Gruppe von ihrem Aufsichtsrat trennen und umgekehrt). Diese haben sich dann leider irgendwann angeschrieen und Handyvideos auf voller Lautstärke gezeigt bis ich irgendwann höflich frage, ob sie das unterlassen können (das haben sie immerhin gemacht).
    • Es ist ein ganz schön großer Betrieb - man hat das Gefühl ähnlich wie beim Oktoberfest durchgeschleust zu werden. Muss nicht schlimm sein, war mir nur aufgefallen.
    • Zu zweit habe ich am Ende für die Gänge oben für zwei plus 2 Gläser Laurent Perrier Champagner, Wasser, 1 Kaffee, 2 "interessante" Cocktails, 2 Weingläser immerhin €300 exkl. Trinkgeld gezahlt was ich nicht mehr als gutes Preis-Leistungsverhältnis empfunden habe.

    Ich wusste ja schon vorher worauf ich mich einlasse aber habe auf eine positive Überraschung gesetzt.

    Wiederkommen würde ich hier nur noch "wenn die Firma zahlt", man mehr als 6 Gäste hat oder mit Geschäftsgästen, die keine Überraschungen mögen und eine sichere Bank erleben wollen. Für die ist das hier dann eine sehr gute Adresse in München.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
    Schöne Empfehlung! Und bei den wirklich gut aussehenden Röstkartoffeln hat's die Küche ja wirklich mehr als großzügig gemeint...
    Die Portionsgrößen sind hier in der Tat nicht ohne, aber man kann von vielem eine kleine Portion wählen. Die Fotos zeigen meine ich die große Portion beim Schnitzel und beim Mousse und die kleine beim Tatar.

    Einen Kommentar schreiben:


  • thomashaj
    antwortet
    Schöne Empfehlung! Und bei den wirklich gut aussehenden Röstkartoffeln hat's die Küche ja wirklich mehr als großzügig gemeint...

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Und über noch ein Haus in München möchte ich berichten, das Xavers in der Altstadt, welches sich selbst auf der eigenen Website auf die Fahne geschrieben hat eine Evolution der bayerischen Wirtshauskultur zu betreiben mit „individuell und mit viel Herz interpretierten Gerichten, die aber klar auf der altbayerischen Traditionsküche basieren“. Ich bin seit letztem Jahr wieder neu zurück in München und auch vorher wurde mir das Xavers hin und wieder schon einmal ans Herz gelegt. Im Gault Millau 2019 wurde es mit der Pop-Kategorie als „unkonventielles Konzept außerhalb des klassischen Restaurantformats“ ausgezeichnet.

    Unkonventionell würde ich es persönlich nicht nennen, ich war seit dem Erstbesuch mindestens noch weitere 3-4 Male da, es ist schlicht und einfach ein bayerisches Wirtshaus welches modern eingerichtet an den richtigen Ecken schummrig oder hell beleuchtet ist, eine moderne Weinkarte anbietet aber gleichzeitig auch beliebte bayerische Wirtshausklassiker wie Rinderkraftbrühe, Käsespätzle, Wiener Schnitzel, Backhendl, Kaiserschmarrn und natürlich Schweinsbraten. Aber es findet sich auch ambitionierteres auf der Karte, z.B. Hirschcarpaccio, Ceviche oder Beurre Blanc.

    Betrieben wird das Xavers von einem jungen Geschwistertrio deren Eltern wiederum das Hotel Alter Wirt in Grünwald betreiben. Der Koch im Trio hat interessanterweise eine kurze Station bei Gaggan in Bangkok vorzuweisen. Den Service möchte ich besonders hervorheben, der stets eine Empfehlung parat hat und auch beim Wein fachkundig beraten kann. Einen in Geschmack und Geruch sehr schwefelhaltigen Weißwein, der sich nach wenigen Minuten im Glas bemerkbar macht, nimmt der Service auch nach dem Öffnen ohne große Diskussion zurück, was ich kulant aber gleichzeitig auch souverän gelöst fand. Generell findet man hier vieles schon ab €25

    Besonders Spaß macht es hier die verschiedenen Vorspeisen zu probieren die etwas ambitionierter daherkommen als die traditioneller angehauchten Hauptspeisen – ein Rindstatar ist bemerkenswert frisch, dazu gibt es Kapern, Radieschen, saure Gurken, Meerrettich und ein Malzbrot. Alles zusammen auf dem knusprigem Brot ist genau der richtige Start.



    Der Star in diesem Haus ist ein geräucherter Saibling in einer Beurre Blanc auf Gurken und ich meine Sellerie (?), insbesondere die Beurre Blanc in Verbindung mit dem geräuchertem Saibling. Eine so schöne Kombination habe ich zuletzt im Tantris probiert und dieser Teller ist für mich sterneverdächtig für sensationelle €10,50. „Leider“ wechselt das Menü hin und wieder, daher ist dieser Gang aktuell nicht auf der Karte zu finden aber ich hoffe er kommt im Winter wieder.


    Bei den Hauptgängen wird es klassisch, z.B. ein Wiener Schnitzel klassisch vom Biokalb mit sehr schönen Röstkartoffeln mit Schnittlauch und Preiselbeeren. Simpel und gut.


    Hin und wieder habe ich auch Lust auf eine gute Ente – das ist hier auch ohne weiteres möglich, mit Kartoffelknödel und einer guten Jus und à part Rotkohl, leider ist diese an manchen Stellen etwas trocken aber darüber kann ich hinwegsehen.


    Beim Dessert schwöre ich auf meinen Kindheitstraum, der hier aufgetischt wird, frische Mousse au Chocolat. Der Service bringt dafür eiskalte Teller und einen großen Kupferkessel aus dem ein oder zwei Kellen frisch auf dem Teller landen. Mehr braucht es zum Glück manchmal nicht.


    Für mich ist das Xavers eins der besten Wirtshäuser der Stadt und eine zielsichere gesellige Anlaufstelle mit Freunden. Zu zweit kam ich hier bisher je nach Getränkekonsum bei €80 bis 110 inkl. Trinkgeld raus.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Ehrlich gesagt, irritiert es mich, was man schon rein optisch diesem Saibling (war das überhaupt einer, und nicht eher ein Lachs?) mit der "Braterei" angetan hat. Noch mehr irritiert mich die Vinaigrette zum Risotto. Beides zusammen schließt sich für mich eigentlich aus. Irgendwie wirkt das alles doch recht "zusammengeschustert". Damit hat die Küche vielleicht ein "gewisses Etwas", das Sie nur schwer in Worte fassen konnten.
    Ich war mir da nach Ihrer Nachfrage dann auch nicht mehr so ganz sicher und habe nochmal meine Freundin gefragt, die mit dabei war. Laut ihr war es tatsächlich Lachs.

    Den Gang fand ich persönlich auch am Schwächsten wegen der handwerklichen Punkte, Braten ist für mich ok wenn das Ergebnis noch glasig ist, das war es nicht mehr. Und ich fand die Vinaigrette zu sauer. Trotzdem konnte man schon eine gute Produktqualität erkennen (wie auch bei den anderen Gängen), die zumindest mir erstmal Lust auf mehr macht. Warten wir mal das Abendmenü ab und ich berichte dann nochmal umfassender ;-)

    Einen Kommentar schreiben:


  • Tilla
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Ehrlich gesagt, irritiert es mich, was man schon rein optisch diesem Saibling (war das überhaupt einer, und nicht eher ein Lachs?) mit der "Braterei" angetan hat.
    Ihrer Irritation kann ich nur zustimmen, wenngleich ich bereits durch die »Karte« (»Allergisch & Unvertraeglichkeiten – Bitte zum Koch«) irritiert wurde.

    Einen Kommentar schreiben:


  • merlan
    antwortet
    Ehrlich gesagt, irritiert es mich, was man schon rein optisch diesem Saibling (war das überhaupt einer, und nicht eher ein Lachs?) mit der "Braterei" angetan hat. Noch mehr irritiert mich die Vinaigrette zum Risotto. Beides zusammen schließt sich für mich eigentlich aus. Irgendwie wirkt das alles doch recht "zusammengeschustert". Damit hat die Küche vielleicht ein "gewisses Etwas", das Sie nur schwer in Worte fassen konnten.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Im Januar musste es in den freien Tagen zu Jahresanfang mal „etwas Gutes“ zu Mittag sein. Im Gault-Millau entdecke ich den „Dantler“ in Giesing, ausgezeichnet mit 14 Punkten und einem Bib Gourmand im Guide Michelin.

    Die Küche wird online als „Bayerisch neu“ bzw. „Bayrisch‘ Deli“ bezeichnet, so gibt es also z.B. eine „Giesing Ramen Suppe“ die sich im Konzept an der japanischen Ramen-Suppe orientiert aber stattdessen mit „bayrischen Produkten und Geschmacksbildern“ serviert wird, u.a. Kalbsbrühe, Schweinebauch als „Wammerl“ und frischen lokalen Gemüsen.

    Hier kurz vorher anzurufen war unter der Woche kein Problem, als wir 13h30 kommen ist der Laden noch voll besetzt aber die ersten gehen schon wieder, das von mir favorisierte „Pastrami“ ist leider schon ausverkauft aber es gibt auch ein „Business Lunch“ für faire €24, bestehend aus Vorspeise, den „Catch of the Day“ und Dessert.



    Die Vorspeise (Suppe oder Salat) ist dann tatsächlich die Giesing Ramen Suppe. Es kommt tatsächlich recht nah an eine Ramen-Suppe ran, die Produkte sind sehr gut und es schmeckt wohltuend nach einer Hausmannsküche „mit Pfiff“.



    Der „Catch of the Day“ ist ein lokaler Saibling, schön gebraten (für meinen Geschmack ginge es einen Tick glasiger), dazu serviert wird ein Risotto in einer sauren Ölvinaigrette – sieht schön aus und schmeckt auch gut, die Vinaigrette ist für meinen Geschmack aber deutlich zu sauer. Meine Begleitung liebt es aber, also ist es wahrscheinlich Geschmackssache.



    Den Abschluss bildet ein Eis mit etwas Crumble und Mangostücken, habe ich keine großen Erinnerungen mehr dran, war aber gut.


    Die Küche hat ein „gewisses Etwas“ was ich schwer in Worte fassen kann, es wirkt als würde sie versuchen die bayrische Küche weiterzuentwickeln und bildet einen Vorgeschmack für das aufwändigere Dinner, insb. Freitagabends wo nur ein Carte-Blanche-Menü angeboten wird (laut Website heißt es „Abends ab 17:30 ist die Küche etwas aufwendiger und raffinierter“). Wir haben es bislang noch nicht geschafft aber sobald die Gastronomie wieder öffnet es fest eingeplant.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen
    Das Mural ist sicher eine Option, wobei die Preise schon die von einem 1*er sind. Und der Service ist erfrischend jung, wenn auch manchmal etwas unbedarft.
    Am besten passt meiner Meinung nach das Colette zu Ihren Vorstellungen. Kein Geheimtipp, aber sehr gute Bistroküche und sehr angenehmes Ambiente.
    Wenn's ein Italiener sein soll, ist das Vianolo in der Steinstraße auch zu empfehlen. Jedoch sind Italiener immer ein bisschen förmlich. Dort ist es noch recht mäßig formell.
    Im Neuner ist das Essen wirklich gut, das Lokal ist jedoch recht groß und laut.
    Sehr gutes Essen und Service gibt's auch im neu besternten Sparkling Bistro, allerdings auch mit Tischdecken ,-)).
    Vielen Dank nochmal für die Tipps - da die Woche darauf Corona zugeschlagen hat, konnte ich ja leider nichts davon mehr verwirklichen ...

    Im Colette bin ich zuvor aber mal gewesen und war etwas zwiegespalten, die Bouillabaisse als Vorspeise war köstlich und alleine für die würde ich wiederkommen, das Steak Frites fand ich etwas uninspirierend für €32, nächstes Mal würde ich wahrscheinlich etwas mehr vom Mainstream abweichen beim Hauptgericht.

    Einen Kommentar schreiben:


  • HeikeMünchen
    antwortet
    Das Manu, ehemals Walter und Benjamin, wäre ebenfalls ein Tipp. Habe Gutes davon gehört.

    Einen Kommentar schreiben:


  • HeikeMünchen
    antwortet
    Das Mural ist sicher eine Option, wobei die Preise schon die von einem 1*er sind. Und der Service ist erfrischend jung, wenn auch manchmal etwas unbedarft.
    Am besten passt meiner Meinung nach das Colette zu Ihren Vorstellungen. Kein Geheimtipp, aber sehr gute Bistroküche und sehr angenehmes Ambiente.
    Wenn's ein Italiener sein soll, ist das Vianolo in der Steinstraße auch zu empfehlen. Jedoch sind Italiener immer ein bisschen förmlich. Dort ist es noch recht mäßig formell.
    Im Neuner ist das Essen wirklich gut, das Lokal ist jedoch recht groß und laut.
    Sehr gutes Essen und Service gibt's auch im neu besternten Sparkling Bistro, allerdings auch mit Tischdecken ,-)).

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Werte München-Kenner, ich bin für den Besuch von Freunden auf der Suche nach einer ansprechenden Adresse mit gutem (bis sehr gutem) Essen unter €80-90 p.P. (exklusive Getränke :-)) aber gleichzeitig einigermaßen lockerer Atmosphäre in denen die Gänge nicht lange annonciert werden - gerne im Segment "Szene-Restaurants", also Szene-Italiener, etc. Ich bin mir bewusst, dass der Wunsch nach "etwas lockerem Ambiente" gemischte Reaktionen hier hervorrufen kann aber ich wollte es abseits von Tripadvisor und Co. lieber zuerst hier probieren.

    Meine Ideen gingen bislang eher zu so etwas wie "Pepe Nero" (lockere Atmosphäre aber sehr durchschnittliche Küche) oder "Les Deux" (sehr gutes Essen aber etwas steifes Ambiente). Im breiten Segment dazwischen kenn ich mich in München leider nicht so aus - ich hätte an sowas wie Xavers oder Weinhaus Neuner oder Der Dantler gedacht aber letzterer hat leider am angedachten Datum geschlossen. Alternativ "Mural"?

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Eine Warnung muss ich aussprechen vor dem neu eröffneten Izakaya im Roomers Hotel an der Landsberger Straße.

    Das Restaurant bietet Nikkei-Küche also eine Art Mix aus klassischer japanischer Küche mit südamerikanischen Einflüssen. Das Restaurant ist sexy eingerichtet mit coolem (manchmal gewollt dubiosen) Staff. Ich hatte mir eine Spitzenküche gewünscht und Tripadvisor-Bewertungen die nahezu allesamt 5 Sterne für das Essen vergeben haben Hoffnung gemacht.

    Unter dem Strich wird hier wenig geboten für sehr viel Geld:
    • YELLOWTAIL SASHIMI WITH HUCCAINA SAUCE kommt in 6 kleinen Abschnitten, versalzen, in einer zu sauren Sauce für 25 Euro
    • SALMON & AVOCADO CEVICHE ist eigentlich ein Tatar und lässt die typische Säure vermissen (eine beigelegte Zitronenscheibe reicht da nicht) und für gewürfelten Lachs mit Avocado in einer halben Avocado-Schale, garniert mit ein paar geriffelten Chips, für 17 Euro zu verlangen ist vermessen
    • TORO NIGIRI in 4 Nigiris für 25 Euro enttäuscht da weder Produktqualität noch Menge noch Sushi an sich etwas zu bieten haben. Zudem sind die Abschnitte sehr klein, da bekommt man bei den einschlägigen besternten Sushihäusern dieser Welt mehr und dazu noch eingeflogen am selben Tag vom Tokyo Fischmarkt für "nur" ~20 Euro.
    Nach diesem Start war bei uns die Laune schon im Keller. Das Restaurant erzählt stolz vom "Tapas-Style" und "Sharing Concept" aber das wird hier leider missverstanden in "kleine Portionen von denen man viele bestellen sollte zum viel zu hohen Preis". Wären die Preise halb so hoch hätte ich es als angemessen empfunden aber so ist es Abzocke. Mein Negativ-Highlight war gegarter Pak Choi für 14 Euro (in Berlin eher bei 5 Euro und selbst im Yauatcha London mit 10 Pfund darunter).

    Deutlich besser sind die warmen Gänge, z.B. "SPRING CHICKEN, ENOKI MUSHROOM TEMPURA WITH TRUFFLE TERIYAKI" für 29 Euro und "SOY BRAISED DUCK WITH GREEN APPLE & FOIE GRAS" für 35 Euro bieten endlich auch etwas in Richtung Küchenwitz, Qualitäten und Geschmack. Leider kommt die Ente (sehr schön in einer geschmolzenen Foie Gras Sauce) schon erkaltet und wird nach einem Hinweis schlicht um ein paar Grad aufgewärmt, sodass sie jetzt lauwarm ist. Spring Chicken kommt vom Holzkohlegrill und gefällt mir am besten, sehr knackig-knusprig gegart und in einer schönen Trüffel-Teriyaki-Sauce. Das Tempura war nicht so gelungen und fettig anstatt japanisch-leicht. Die Portionsgrößen sind jetzt eher als Zwischengang denn als Hauptgang zu verstehen aber wie ich finde zumindest besser.

    Hiernach brechen wir dann ab und setzen den Abend woanders fort. Positiv fand ich, dass sich der Service (der zuvor eher oberlehrerhaft daher kam) unsere Kritikpunkte anhört und daraufhin das Sashimi von der Rechnung nimmt und auch Dessert aufs Haus anbietet (letzteres lehnen wir ab).

    Mit 2 Cocktails, einer Flasche Wasser und berechneten 4 Gängen kommen wir dann bei ca. 150 Euro raus.

    In Summe ein weiterer Laden in dem "Sehen und Gesehen Werden" in München zu selbst für München gesalzenen Preisen bedient werden kann.

    Einen Kommentar schreiben:


  • malbouffe
    antwortet
    Danke für Ihren Bericht, der meinen Eindruck bestätigt. Ein Tipp: Wenn Sie japanische Küche mögen und wieder mal in München sind, gehen Sie ins "Usagi". Vielleicht kein abendfüllendes Vergnügen, aber es gibt neben guter Küche auch ein paar nette Bio-Champagner und Pannobile-Weine...

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Nachdem sich vor kurzem das Restaurant Atelier im Bayrischen Hof nicht mehr einrichten ließ suchte ich während meines Urlaubs in Bayern nach einer Alternative für ein schönes Abendessen in der Münchener Altstadt. Zuletzt war ich vor 3 Jahren hierzu im Toshi an der Maximilianstraße, einem klassisch-authentischen Restaurant, welches seit langer Zeit in verschiedensten Gastroführern ausgezeichnet wird. Schon damals hatte mir das Monatsmenü gefallen, insbesondere das Sushi hatte mich mit sehr guter Qualität überzeugt. Aber damals war mir ebenfalls aufgefallen, dass die Küche für mich einen Ticken zu filigran war und ich zwischen vielen Geschmacksbildern nicht differenzieren konnte. "Das war ganz gut, aber was habe ich da eigentlich überhaupt geschmeckt?" dachte ich mir nach manchen Gängen an dem Abend, der damals für €200 zu zweit mein teuerstes Abendessen bedeutete. Zudem war das Menü eher leicht, ein Restappetit bleib also.

    Seitdem habe ich nun viel Erfahrung in der gehobenen Gastronomie gesammelt (ca. 40 Michelin-Sterne zähle ich insgesamt) und bin gespannt, ob ich mit dieser die Nuancen besser erschmecken kann. Zudem reizt mich die Aussicht das Menü zu genießen bei dem ich nicht unter den Zugzwang einer Weinflasche oder Begleitung gerate, bei den normalen Fine Dining-Besuchen fühle ich mich fast schlecht wenn ich zur Bier greifen würde. Bei einem authentischen japanischen Restaurant ist dem nicht so – hier ist Bier wie Sake oftmals die gelungenere Wahl.

    Beseelt von diesen Aussichten kehren wir nun unter der Woche hier ein und bestellen zu zweit das Menü Juli (€80 pro Person). Es gibt auch ein Amuse-Bouche, welches ich nicht mehr genau im Kopf habe aber von dem ich noch weiß, dass es mir gefallen hatte. Das Menü hier besteht aus 5 Gängen.

    Zu Gang 1 wähle ich die Sashimi Variation. Die Fischqualitäten sind solide und das Sashimi weiß zu gefallen. Noch besser gefällt mir der frisch geriebene Wasabi und ein Blatt Shiso (Perilla), welche durch ihre Frische überzeugen. Ein guter Start.

    Als zweiter Gang werden hier Suppen serviert. Ich entscheide mich für die Kalte Suppe mit geriebener Okraschoten (Garnele, Shimeji - Pilze und Pflaume). Diese schmeckt im ersten Löffel sehr gut, mit sehr akzentuierten Gewürzen. Die Kräuter geben der Suppe eine entsprechend grüne Färbung, die Pilze finden sich am Boden wieder. Leider ist es nach einigen Löffeln auch recht viel und kalte Suppe auszulöffeln wird mit der Menge dann nicht mehr der so große Genuss. Ein besonderes Lob haben hier die Garnelen verdient, die in toller Qualität kommen und einen salzigen Unterton einbringen (müssten also vorher gewürzt worden sein). Die „rote Misosuppe mit Lachs-Toro, Thunfisch, Nameko-Pilze und Mizuna“ meiner Begleitung erfüllt genau meine Sehnsüchte, ist angenehm warm und pikant und mit schönen (Fisch-)Einlagen präpariert.

    Beim Zwischengang will ich es nun wissen und bestelle Tempura mit Hummer und Gemüse für €20 Aufpreis. Dieser Gang wird der Höhepunkt des Menüs. In der, Japanern fast unnachahmlichen, sehr dünnen und sanften Panade wurde sicherlich ein halber Hummer verarbeitet. Die Panade wirkt hier nicht so typisch fettig, triefend und geschmacksübertönend – ganz im Gegenteil: Sie kehrt den dezenten Geschmack des Hummers noch weiter heraus und fügt leichten Crunch hinzu. Der Hummer ist von guter Qualität und hierdurch genau richtig gegart. Ein fast schon dekadenter Gang in sehr ordentlicher Portionsgröße. Dazu gibt es etwas Salz und einen leichten Dip, beides wird aber eigentlich zum Genuss nicht mehr benötigt.
    Meine Begleitung wählt Rindfleisch-Sukiyaki mit Onsen-Ei: In einem Pott wird eine köchelnde Suppe mit Rindfleisch-Streifen sowie à part das Onsen-Ei gebracht. Die köchelnde Suppe entpuppt sich als wahre Umami-Bouillon. Vom sanften Geschmacksbild meines letzten Besuches merke ich nichts mehr. Ganz im Gegenteil, das haut einen voll um. Die Portion hier ist genug für zwei und so löffel ich die zweite Hälfte aus. Dazu ganz hervorragend passt eine kleine Karaffe Sake von Dassai 39 aus der Yamaguchi Prefecture. Mit Sake als Getränkebegleitung tue ich mich oft schwer aber hier habe ich endlich mal eine Gewinner-Combo gefunden. Der Sake verlängert mit seiner leichten Kühle die Bouillon, welche im Gegenzug die Aromen des Sake verstärkt. Toll!

    Als Hauptspeise kommt nun die Sushi Variation vom Chef. Auf diesen Gang hatte ich mich am meisten gefreut, da das Toshi bei allen meinen Besuchen insbesondere im Sushi gepunktet hatte. Diesmal ist das leider nicht der Fall. Die Stücke sind bereits nicht besonders glänzend und farbenprächtig und am Gaumen schmecken die meisten leider nicht sonderlich frisch. Schade, dass war schon einmal deutlich besser. Meine Begleitung hat mit dem Gegrillten Black Cod mit Saikyo-Miso und Teppanyaki Garnelen, Jakobsmuscheln, hausgemachter Ponzu-Sauce und Yuzu-Miso zu kämpfen. Die Portion davor war schlicht zu groß und auch diese hier ist wieder nicht von schlechten Eltern. Der Gang ist solide, das Gemüse abermals etwas auf der würzigeren und jetzt auch salzigeren Seite. Nochmals überzeugen hier die Garnelen. Alles in allem leider für uns beide ein etwas unbefriedigender Hauptgang.

    Beim Dessert wähle ich eine Art Bayrisch Creme mit einer fabelhaften schokoladeüberzogenen Geleepraline. Zum hineinlegen. Meine Begleitung erinnert sich an den damaligen Besuch und bestellt wieder die 3 Sorten Creme Brulee Variation (einmal klassisch mit Vanille, einmal Kokos, einmal Matcha). Bei den Desserts werden hier keine Experimente eingegangen, sondern dann doch klassisch aufgetischt.

    Beim Gang auf die Toiletten fällt dann noch einmal auf wie stolz Herr Toshi auf sein Werk ist. Im Keller ist die komplette Wand behangen mit Auszeichnungen aller bekannten Gastroführer. Die bekannten Führer gibt es in jeder jährlichen Ausgabe im Regal. Irgendwo ist dies für mich auch sympathisch.

    Auch wenn ich bei diesem Menü die fehlende Konstanz bemängelt habe: Es ist und bleibt für mich weiterhin eine tolle Adresse um sich authentischem japanischen Genuss hinzugeben. Diesmal hat mir das Hummer-Tempura und das Rindfleisch-Sukiyaki besonders gefallen, letztes Mal war es das Sushi. Und insbesondere Mittags ist hier die Bento-Box für €18 oder auch das Business Lunch ohnehin jederzeit einen Besuch wert. Wenn das Restaurant noch an der Balance zwischen Umami und Filigranität arbeitet sowie den goldenen Mittelweg in den Portionen findet bin ich hier immer wieder gerne Gast. Für zwei schlägt dieser Abend mit €260 zu Buche.

    Einen Kommentar schreiben:

Lädt...
X