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Restaurant Alois **, (zuvor Dallmayr), München

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  • #61
    Klingt tatsächlich etwas rigide. Nur Punkt 3 scheint mir völlig in Ordnung. Diese Angebote sind ja dazu da, auch mal junge Leute alleine und auf eigene Kasse in diese Restaurants zu locken. Das Ziel ist sicher nicht dem Vater (oder in meinem Fall dem Onkel) eine kleinere Rechnung zu ermöglichen.

    Kommentar


    • #62
      Mitte Januar 2020 entscheide ich mich, da ich dienstlich gerade in München bin, für ein Lunch im Alois und gegen ein Besuch im Tantris. Da das Jahr erst wenige Tage alt ist, mich die Küchenleistung von Christoph Kurz mehr reizt und bis Dezember noch genug Zeit ist, entscheide ich mich gegen Hans Haas… (Ob das in der aktuellen Situation eine weise Entscheidung war?)

      Die Räumlichkeiten in der ersten Etage des Dallmayr-Stammhauses sind nach der Neuaufstellung Ende 2018 renoviert worden. Ich sitze im hinteren Raum, dessen Wände nun von einer ansprechenden grünen Tapete mit Kranichmotiv verziert werden. Genau dieses Motiv ist auf der Menükarte abgedruckt. Manchmal sind es eben die Kleinigkeiten im Leben! Ob sich die Farbe der Tapete aus dem Hauptraum auf den dort gereichten Menükarten wiederfinden lässt, sehe ich leider nicht – nehme es aber an.


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_8806.jpg Ansichten: 0 Größe: 989,8 KB ID: 65778

      Offeriert wird das Lunch Menü in drei oder vier Gängen. Bei der ersten Vorspeise kann man eine Alternative wählen, jedoch kann diese Alternative nicht zusätzlich bestellt werden. Warum das Menü nicht auf fünf Gänge erweitert werden kann erschließt sich mir absolut nicht. Zwangsläufig werden es daher vier Gänge.

      Gruß


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      Zweifelsohne habe ich bisher einen Gruß selten so schön angerichtet bekommen. Ein Tartelette mit Orangencrème, Büsumer Krabben und Fenchel ist handwerklich nicht zu bemängeln. Von dieser Komposition nimmt man zuerst den mürb-krossen Teig der Tartelette wahr. Nach kurzem Kauen macht sich auch die Orangencrème bemerkbar, was man von den Büsumer Krabben sowie überraschenderweise dem Fenchel nicht übermäßig behaupten kann. Ein echt guter Anfang.

      Gruß Nummer zwei ist ein Rindertatar mit Senfcrème zwischen zwei Crackern. Diese sorgen beim Essen für einen harten Crunch. Das Rindertatar ist gut angemacht und die Senfcrème nur als Nachklang wahrnehmbar. Insgesamt sehr abgerundet.


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      Das hausgemachte Brot mit Butter und Salz fällt hingegen nicht weiter auf. Nun warte ich voller Vorfreude auf den ersten Gang.

      Thunfisch, Buchweizen, Salzpflaume


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      Als dieser durch den Küchenchef persönlich serviert wird, erfreue ich mich erst einmal an der recht schlichten Anrichtung. Drei aufgerollte marinierte Scheiben vom mageren Thunfisch (Akami) wechseln sich mit zwei aus Salzpflaumengelée bestehenden und mit Buchweizencrème gefüllten Röllchen ab. Leider ergibt sich auf der Gabel keine Harmonie, egal in welcher Komposition man es versucht. Auch unterschiedliche Mengenverhältnisse ergeben keine einleuchtende Kombination, wobei solche mit Kaviar am meisten zu gefallen wissen. Mir schmeckt es durchaus und dennoch fehlt mir etwas.

      Dem Service erkläre ich auf seine Nachfrage hin mein Problemchen mit dem Gericht. Da der Teller trotzdem leer ist, wird darauf nicht übermäßig eingegangen. Meine Verwunderung über die fehlende Möglichkeit ein Menü in fünf Gängen zu bestellen ist mir weiterhin präsent – meinem Gegenüber eventuell auch.

      Keine Ahnung welcher Auslöser dazu führte, aber plötzlich wird mir unerwartet der Alternativgang aufgetischt.

      Entenleber, Kombu, Pimentos


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      Wahrscheinlich sitze ich – nicht nur vor Hunger – mit geöffnetem Mund am Tisch. Diese Überraschung ist der Küche gelungen. Die schön gegarte Entenleber wird von gefrorenem und dann geriebenem Kalbsfilet als sehr gute Ergänzung etwas bedeckt. Zusätzlich geben Pimentos in unterschiedlichen Texturen genau die richtige Würze. Ein wirklich guter Gang, gegen den ich mich anfangs törichterweise entschieden haben und in dessen Genuss ich über Umwege doch noch gekommen bin (trotzdem vermisse ich auch hier etwas).

      Rotbarbe, Curry, Gurke

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      Weiter geht es mit der Rotbarbe, die nicht gleichmäßig gegart erscheint, deren leicht knusprig Haut jedoch sofort davon ablenkt. Noch mehr lenkt mich die Sauce ab, die genauso gut ist wie im vorherigen Gericht. Das Curry schmeckt intensiv und doch reduziert – davon gerne mehr. Nett anzuschauen sind die beiden Gurkengebilde zwar, jedoch bleiben sie ohne erkennbaren Mehrwert. In der Addition komme ich wieder auf einen genusshaften aber eben nicht genussvollen Teller.

      Onglet
      Topinambur, Mark


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_8841.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,66 MB ID: 65784Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_8837.jpg Ansichten: 0 Größe: 861,1 KB ID: 65785

      Das Onglet ist gut gegart und nicht zäh. Die Sauce aus Mark sowie die angebratenen Topinamburstückchen und die Zwiebeln ergänzen das Fleisch äußerst harmonisch. Pommes aus Parmesan begleiten den Hauptteller à part. Sie geraten nicht zu fest und sind geschmacklich immer noch nah am normalen Käsestück. So eine Kleinigkeit würde sich bestimmt auch als Barfood gut eignen. Der letzte Funken springt leider auch hier nicht über – wobei ich damit auch nicht mehr rechne.

      Ananas, Whisky Holz, Shiso


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_8846.jpg Ansichten: 0 Größe: 572,1 KB ID: 65786Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_8851.jpg Ansichten: 0 Größe: 634,3 KB ID: 65787

      Am umfangreichsten präsentiert sich das Dessert. Die glasierte Ananas »zerfällt« bei der ersten Berührung. Ihre Aromatik ist betörend, sodass ein größeres Stück sicherlich nicht überbleiben würde. Kontrastiert wird die wohltemperierte Ananas von einem Eis das mit Whisky-Holz verfeinert wurde. Die Kleckse von grünem und rotem Shiso passen auch, ebenso wie die restlichen Elemente. Im Fokus steht für mich allerdings die in der Aufzählung erstgenannte Ananas, die mit dem Eis perfekt zusammenspielt und die restlichen Zutaten gar nicht benötigen würde. Eingesetzt wird das Dessert wie auf dem linken Bild zu sehen mit der Ananas im Hintergrund, dabei gehört sie doch in den Vordergrund (wie auf dem rechten Bild). Neben der Entenleber mein klarer Favorit.

      Petits Fours

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      Die drei unterschiedlichen Pralinen sind mit Macadamia (dunkelbraun), Brombeere (hellbraun) und Kalamansi-Essig (weiß) gefüllt. Alle sind nicht schlecht; das gilt ebenso für die überzogenen Haselnüsse.

      Fazit

      Endlich mal wieder ein Lunch, welcher zwar eine reduzierte Auswahl, aber keine vom Dinner abweichende Gerichte aufweist. Somit ist das ganze Können von Christoph Kunz uns seinem Team erlebbar. Das Essen ist auf einem hohen Niveau und von Anfang bis Ende ohne Ausreißer. Besonders die Saucen sind himmlisch und zeugen somit von den Qualitäten der Küche. Allerdings fehlt mir wie erwähnt etwas, das in Worte nur schwer zu fassen ist. Vielleicht verstehen Sie was ich meine? Dennoch habe ich mich im Alois wohlgefühlt – das ist ja nicht unwichtig. Bei meinem nächsten Besuch in München werde ich jedoch noch einmal bei Hans Haas vorbeischauen. Christoph Kunz ist hoffentlich noch länger da…
      Zuletzt geändert von Tilla; 16.04.2020, 16:21.

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