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Aumers La Vie*, Nürnberg

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  • #31
    Bei meinem letzten Besuch in Aumers la Vie wurde vor quasi leeren Rängen folgender Hauptgang serviert: der Koch hatte ein wunderbares Stück vom Eichelschwein mit einem sehr herben Topping aus Sumach und Joghurt versehen, dessen schiere Säuerlichkeit dann bloß von einer leicht süßlichen rote Bete kontrastiert wurde. Donnerwetter! Ein solches Hauptgericht muss man sich erst einmal trauen, vor allem in einer Stadt, deren Einwohner geschmacklich vom Schwein auf ausgetretenen Unamipfaden regiert werden.

    Das Essen begann mit zwei gut komponierten Fischgrüßen. Ein gebeizter Heilbutt mit einer Variation von Sellerie und Liebstöckel, sowie ein angebratener Thunfisch mit Aubergine als Creme und im Stück. Sehr lecker. Im ersten Gang ging es ebenso erfreulich weiter mit einem Kalbsbries in einem umfassenden Temperatur- und Texturspiel, wobei eine mit Chili eingelegte Birne einen ungewöhnlich scharfen Akzent setzte. Es folgte eine schmackhafte Petersilienschaumsuppe mit Einlage vom Stör, bevor als Vorspeisenhöhepunkt ein Filet vom Seeteufel mit Ducca serviert wurde. Begleitet wurde der Fisch herbstlich von Kürbis und Steinpilzen, toll die äthiopische Gewürzmischung (I.H. aus K. lässt nochmal grüßen), auch wenn mir in diesem Kontext der schwarze Pfeffer einen Tick zu dominant war. Nach dem oben beschriebenen Hauptgang gab es noch einen Käseteller und ein köstliches Dessert von karamellisierter Ananas mit Fencheleis und weißer Schokolade. Zu allem (bis auf den Käse) wurde eine passende Flasche aus dem Burgund durchgetrunken, ein 2010er Domaine Leflaive Les Pucelles, Puligny-Montrachet, 1er Cru.

    Weiterhin wird bei Aumer mit viel Leidenschaft und Kreativität auf klarem Sterneniveau gekocht, so dass sich automatisch ein großes Essvergnügen einstellt. Das Problem sind die Nürnberger, die offenbar außerstande sind, in ihrer Stadt ein solches Angebot auch gebührend zu nutzen.

    Grüße, mk

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    • #32
      Danke für diesen schönen Bericht über ein wunderbares Restaurant, das ich auch sehr gerne mag.
      Macht Herr aumer mit seiner Koch-Crew noch immer selbst den Service?

      Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
      Weiterhin wird bei Aumer mit viel Leidenschaft und Kreativität auf klarem Sterneniveau gekocht, so dass sich automatisch ein großes Essvergnügen einstellt. Das Problem sind die Nürnberger, die offenbar außerstande sind, in ihrer Stadt ein solches Angebot auch gebührend zu nutzen.

      Grüße, mk
      Wahre Worte.
      Ob ein (verdienter) * zu mehr Akzeptanz beitragen könnte?


      Gruß!

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      • #33
        Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
        Macht Herr aumer mit seiner Koch-Crew noch immer selbst den Service?
        Da an jenem Abend insgesamt nur vier Gäste im Restaurant waren, hatte Herr Aumer im Service allerdings nicht viel um die Ohren.

        Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
        Ob ein (verdienter) * zu mehr Akzeptanz beitragen könnte?
        Vermutlich ja. Es gäbe durch den Stern sicherlich einen kleinen Medienrummel, der letztlich auch einige Neugierige zu Wiederholungstätern machen würde.

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        • #34
          Herlichen Glückwunsch!
          Der * ist mehr als verdient.


          Gruß!
          Zuletzt geändert von fragolini; 10.11.2013, 10:01.

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          • #35
            Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
            Herlichen Glückwunsch!
            auch von mir!

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            • #36
              Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
              Der * ist!
              Sind Sie Star Wars Fan?

              Ohne in dem Restaurant bislang gewesen zu sein, erschien es mir - ganz ohne Lokalpatriotismus - aufgrund Ihrer aller Berichte wie ein absoluter Top-Tipp.

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              • #37
                Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                Sind Sie Star Wars Fan?
                Eher das Gegenteil.
                Ich würde es als schludrig bezeichnen.


                Gruß!

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                • #38
                  Nun hat er einen * der gute Herr Aumer.
                  Nach eigenen Worten belebt diese überfällige Auszeichnung auch das Geschäft.
                  Ganz ehrlich frage mich, warum er dann auf einmal nicht mehr auf *-Niveau kocht.

                  Okay das Dessert war auf überaus solidem *-Niveau.
                  Das süße grüne Thaicurry war ein schön leichtes, ja würziges Dessert . Ein Abschluss, der zu gefallen wusste,
                  weil er eben nicht so süß war. Ich glaube aber fast aus der Idee könnte man noch etwas mehr machen.

                  Auch der Service, den Herr Aumer mit seiner Kochcrew selbst macht, war sympathisch und nett.
                  Eine gute Idee, wunderbar umgesetzt.

                  Das war es dann auch schon mit einem Essen auf *-Niveau.
                  Hat Herr Aumer etwa das Kochen verlernt?

                  Ganz sicher nicht.
                  Er kocht unglaublich befreit, mutig und konsequent. Kreativ und doch exakt.
                  Er kocht eben schon mehr auf **-Niveau.
                  Und die Taube im Hauptgang habe ich sicher in manchem 3-Sterner schon schlechter gegessen.

                  Die zwei Grüße aus der Küche kommen hier konsequent durchdacht und kreativ.
                  Es sind wirklich schon 2 Mini-Gänge, die zielsicher in die Küchenrichtung einführen.

                  Der roh marinierte Langostino mit Sesam, Estragon als verbindenden Puree und einer Chili-Birne, die leichte Frucht und Schärfe gab.
                  Ein frischer Einstieg von bestechender Produktqualität.

                  Meine Frau und mein Sohn entschieden sich für Bries mit Hagebutte, Topinambur und Zwiebel.
                  Sie äußerten sich begeistert, deshalb bekam ich wohl kaum was ab.

                  Ein unglaublich saftiges, fast noch rohes Stück Seesaibling fand in Mohn und Kerbel, sowie Brunnenkresse geschmeidige Begleiter.
                  Alles für sich sehr gut, aber spannend war es zu mischen und den Fisch immer wieder neu zu entdecken.

                  Der Rochenflügel begeisterte meine Frau aufgrund seiner Frische und der würzigen, ja fast deftigen Begleiter. Trotzdem brachte
                  Herr Aumer das Kunststück fertig diesen so zarten Fisch in den Vordergrund zu rücken.

                  Die Taube war ein echter Geniestreich. Perfekt gebraten und mit Begleitern wie Paranuss, Schlehe und Schwarzwurzel harmonisch abgerundet.
                  Auch wieder ein Gericht, das spannend und harmonisch zugleich war. Einfach großartig. Der schwarze Trüffel erscheint bei soviel spannenden Gabeln
                  mit jedesmal neu zusammengestellten Teilen fast verzichtbar.

                  Meine Frau, eigentlich nicht so der Fleischesser, war mit dem gebratenen Reh und dem genialen Karottenfond, aber
                  vor allem mit den Beilagen, die bei Herrn Aumer eben auch eine Hauptrolle spielen, total glücklich.

                  Großartig, was einem im sympathischen Restaurant geboten wird. Wir waren erneut total begeistert.
                  Wenn man was kritisieren will, dann nur, dass aufgepasst werden muss nicht zuviel Gemüse als Puree zu servieren.

                  Weiter so und Danke für ein großartiges Erlebnis.


                  Gruß!
                  Zuletzt geändert von fragolini; 23.11.2013, 22:01.

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                  • #39
                    Besten Dank für den begeisterten Bericht, lieber fragolini!

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                    • #40
                      Das Restaurant Aumers la Vie in Nürnberg kommt ohne Außenwerbung aus. Dies ist wahrscheinlich der Lage des Restaurants geschuldet. Am Ende der „Straße der Menschenrechte“ ist Werbung wahrscheinlich nicht erlaubt. Auf Laufkundschaft ist aber Andreas Aumer wahrscheinlich auch nicht aus.
                      Aumer zeigt eine zeitgemäße Küche mit einigen Experimenten und viel Kreativität. Molekulare Einflüsse sind nicht zu leugnen. Bei angenehmen Abendtemperaturen nutzten wir die Terrasse des Restaurants. Der Service an diesen Abend war ohne Fehl und Tadel. Die junge Dame brachte uns die Speisekarte und fragte nach einem Aperitif. Wir entschieden uns für einen Winzer Sekt. Brot und Rote Bete Creme standen schnell auf den Tisch. Im Angebot steht die „große kulinarische Reise“ mit sieben Gängen für 110 € bzw. die „kleine kulinarische Reise“ mit vier Gängen für 79 €. Wir entschieden uns für die kleine kulinarische Reise mit einer kleinen Änderung. Statt dem angebotenen Kalbstafelspitz entschied ich mich für die Taube aus der großen kulinarischen Reise. Auch das angebotene Weinmenü wurde, mit der entsprechenden Änderung zur Taube, bestellt

                      Zwei raffinierten Amuse-Bouche wurden danach aufgetragen. Zuerst Spargel mit einen intensiven Kräutersaft und danach Bries mit verschiedenen Kräutern. Dabei stach besonders Agastache
                      hervor. Diese Blätter hatten ein ausgeprägtes Anis-Fenchel-Aroma.

                      Das danach aufgetragene Menü war eigentlich ohne Fehl und Tadel. Lediglich der Schweinebauch hätte etwas krosser sein können. Sehr intensive und wohl schmeckend dafür das Sorbet von Liebstöckel. Ein Kunstwerk für sich war die Kugel aus weißer Schokolade mit Erdbeerfüllung.

                      Die Weine, Gewürztraminer, Müller-Thurgau, Bourgogne blanc und ein Brunello di Montalcino rundeten das Menü ab. Zum Abschluss des gelungenen Abends dann Espresso und zwei interessante Brände von Haas. Einmal eine Wildaprikosen und dann, für mich jedenfalls eine Premiere, ein Eibenbrand.

                      Bilder: https://speisekarten.wordpress.com/2...-vie-nurnberg/

                      Speisekarte: https://speisekarten.wordpress.com/2...-vie-nurnberg/

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                      • #41
                        Danke für diesen Bericht.
                        Herr Aumer hält weiter Kurs und das ist für N gut und wichtig.


                        Gruß!
                        JF

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                        • #42
                          Herr Aumer kocht nach wie vor auf hohem Niveau.
                          Neu ist, dass es nur noch ein Menü gibt mit max. 8 Gängen, das man Belieben verkleinern kann.

                          Die Grüße aus der Küche sind sehr kreativ, teils auch vegetarisch. Dazu passend gibt es ein "Brotmenue". D.h. abgestimmt auf die Grüße passendes Brot, das durch die Qualität und den passenden Aufstrich zu überzeugen weiß.

                          Die Gänge sind optisch wunderbar dargestellt (aufwendiger wie bisher). Geschmacklich wie gehabt kreativ, aber nicht abgehoben. Die Zusammenstellung weiß zu 100% zu überzeugen. Einzig der Thunfisch blieb etwas blass. Herausragend die Kombination von Gänseleber mit Erdnuss.

                          Insgesamt also nach wie vor ganz klar auf dem richtigen Kurs und im oberen 1* Bereich angesiedelt.
                          Eine Küche die Spaß und Laune macht.


                          Gruß!
                          J.F.

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                          • #43
                            Danke für das Update, lieber frago! Jetzt, wo Aumers letzter Küchenchef sein Sosein pflegt, stellt sich ja doch die Frage, wie es eigentlich bei Aumer so ist.

                            Grüße, mk

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                            • #44
                              Keinesfalls schlechter kann man zusammengefasst sagen.
                              Auch wir haben uns im Vorfeld Gedanken gemacht.

                              Gruß!
                              J.F.

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                              • #45
                                Glückwunsch an Herrn Aumer. Aufwertung auf 17 Punkte im neuen Gault Millau.

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