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Historisches Eck

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  • Historisches Eck

    Als Regensburger schäme ich mich ja fast schon, diese Neueröffnung noch nicht besucht zu haben. In Regensburger Kreisen munkelt man schon, dass hier bald das einzige Sterne-Restaurant der Stadt gekürt wird. Die Website ist jetzt auf jedenfall überarbeitet (Michelin-Niveau?) und ich bin schon gespannt auf die Meinung der Tester. Der Feinschmecker hat sich ja zu diesem Lokal nicht geäußert. War jemand schon da? Ich hoffe, dass ich nächste Woche mal Zeit finde für den Lunch. Um zu sehen, ob es wirklich ein Geheimtipp ist.

    Beste Grüße,
    Bar

  • #2
    Mein erster Restaurant-Bericht im Forum. Eins vorweg: Ich maße mir nicht an, mit der Expertise einiger Forumsmitglieder mithalten zu können. Deshalb gebe ich auch keine Einstufung in Sterne/Punkte-Kategorien ab, auch wenn ich da subjektive Tendenzen sehe. Seien Sie gnädig mit mir
    Bericht:
    Endlich ich konnte das einzige Regensburger Sternerestaurant besuchen. Gegen 12.30 betraten wir das Historische Eck, das seinem Namen alle Ehre macht. Mit seinen schweren Holzbalken und den Bögen an den Decken ist es ein sinnbild für die pittoreske Altstadt.
    Wir wurden freundlich begrüßt von den beiden Service-Damen, unsere Mäntel wurden abgenommen und wir wurden zum Tisch begleitet.
    Sogleich reichte man uns die Karte, die Frage nach dem Aperitif entfiel, war jedoch auch nicht erwünscht unsererseits.
    Wir entschieden uns für den Business-Lunch, der sagenhafte 19,90 kostete. Dazu noch die Weinbegleitung für 6 Euro, was für 2 Gläser Wein und Espresso+ Wasser mehr als angemessen ist.
    Zum Essen:

    Als Vorspeise gab es Zweierlei vom Thunfisch (Creme + Carpaccio) mit Kapern und einer Lachsmousse. Der Thunfisch war sehr frisch, es ergab sich eine gute, sehr tiefe Kombination mit dem Lachsmousse (nur leicht gewürzt) und den würzigen Kapern. Das Mousse vom Thunfisch war sehr gehaltvoll, ein etwas leichterer Begleiter wäre ein Zugewinn gewesen.
    Dazu gab es einen Riesling aus der Nahe, Weingut Schlossmühlenhof ( bin mir nicht mehr sicher...): Dieser Wein konnte mich allein nicht recht überzeugen, mit dem Gericht selbst harmonierte er besser.
    Als Hauptgang:
    Rinderfiletspitzen mit Champignons, Madeira, Kartoffeltaschen. Was jetzt profan klingt, war ein sehr schöner Akkord auf dem Teller. Erstaunt war ich über die Champignons, die ja sonst eher in Konsistenz und Geschmack mehr als belanglos sind. Hier waren sie knackig, sehr aromatisch und erreichten nur ca. 10% der größe eines Supermarktpilzes. Das Fleisch kurz gebraten, die Sauce sehr kräftig (Brot gab es zusätzlich zum "Tunken"), beides klassisch gewürzt. Raffiniert waren die Kartoffeltaschen, ein luftiges Kartoffelpüre, das eine Teighülle (vermute tempura) bekam und dann gebacken wurde. Sensorisch sehr gut.
    Dazu ein Zweigelt von Josef Grassl. Ich trinke sehr gerne Österreicher, vor allem dieser erwies sich als perfekter Begleiter.
    Nachspeise: Griesschnitte mit Bratapfel.
    Die Schnitte als Parfait, Limettenstücke beigemengt, darauf Mandeln und Kräuterfäden. Leicht, weihnachtlich, gut.

    Fazit: Ich habe einen schönen Nachmittag im HE verbracht, ohne nennenswerte Schwächen gesehen zu haben und erlebte eine sehr gute Küche. Ich sehe den Business-Lunch eher als Einladung, die Küche am Abend kennen zu lernen. In diesem Sinne möchte ich diese auch wahrnehmen, um mir ein abschließendes Urteil zu bilden.
    Zuletzt geändert von bar de ligne; 22.12.2010, 20:39.

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    • #3
      Da ich ja der Meinung bin, dass im Forum eigentlich kein Bericht ohne jedwede Reaktion bleiben sollte, bedanke ich mich erst einmal, werter bar, dass Sie sich nach einigen Einstimmungs-Postings "getraut" haben, auch einmal einen Bericht zu schreiben.

      Ich glaube, der wichtigste Satz in Ihrem Bericht ist die Feststellung, dass der Business-Lunch als Einladung zu werten ist, das Restaurant auch abends einmal zu besuchen. So muss man das wohl sehen, zumal das P-L-Verhältnis am Mittag sensationell ist (insbesondere was die Getränke angeht). Ansonsten sagt das Lunch-Menü nicht allzu viel über die tatsächlichen kulinarischen Möglichkeiten des Historischen Ecks aus. Berichten Sie, lieber bar, wenn Sie das Restaurant einmal abends besucht haben.

      Ich kenne die Räumlichkeiten übrigens aus den 90er Jahren, als das Historische Eck schon einmal besternt war und für eine sehr gute Küche stand. Es würde mich freuen, wenn die neuen Betreiber nunmehr daran anschließen könnten.

      Beste Grüße, Merlan

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      • #4
        Genau so ist es, werter Merlan!
        Zwei Punkte möchte ich noch ansprechen:
        1. Am Nachbartisch hat eine Gruppe das reguläre Abendmenü gegessen und ich muss sagen, dass das Dargebotene äußerst schmackhaft aussah (und es, dem Gesichtsausdruck der Nachbarn zufolge, auch so war).
        2. Das Restaurant voll ausgelastet war. Das wünsche ich dem Restaurant auch weiterhin.

        Ich kenne zwar das HE aus 90ern nicht mehr, wohl aber die Küche von Herrn Forst, der es zu dieser Zeit mit dem Stern versehen hat. Er hat 2009 ein Restaurant eröffnet, was schnell zu meinem Lieblingslokal wurde, jedoch war es nicht dauerhaft erfolgreich.
        Jedoch kocht Rüdiger Forst weiterhin, seit Oktober im Brauereigasthof Eichhofen an der Laber,auch im Regensburger Umland. Sehr gute Landküche, wenn man keinen Stern erwartet, man erkennt jedoch eindeutig die Ambitionen des Kochs. Gutes PLV.
        Ich wollte Ihren Hinweis auf das frühere HE noch vervollständigen

        Beste Grüße,
        Bar

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        • #5
          Zitat von bar de ligne Beitrag anzeigen
          Jedoch kocht Rüdiger Forst weiterhin, seit Oktober im Brauereigasthof Eichhofen an der Laber,auch im Regensburger Umland. Sehr gute Landküche, wenn man keinen Stern erwartet, man erkennt jedoch eindeutig die Ambitionen des Kochs. Gutes PLV.
          Ich wollte Ihren Hinweis auf das frühere HE noch vervollständigen
          Danke dafür! Das habe ich nicht gewußt!

          Beste Grüße, Merlan

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          • #6
            Wiederbesucht ! Bericht folgt....

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            • #7
              Zitat von bar de ligne Beitrag anzeigen
              Wiederbesucht ! Bericht folgt....
              Bin gespannt.


              Gruß!

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              • #8
                Werter Fragolini,

                ich habe Sie nicht vergessen, mein Bericht folgt noch diese Woche. Mein Urteil hat auch Reifezeit gebraucht! Viele Grüße, Bar

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                • #9
                  Wie versprochen mein Bericht zu meinem Besuch im Juli

                  Ich habe meinen Bericht in drei Teile gegliedert, da das bei unserem Menü die einzig sinnvolle Aufteilung ist. Zu den einzelnen Punkten „ Kopf, Bauch und Seele“ später mehr.

                  Wie haben uns für das Twenü entschieden, da Herr Schmaus ja mittlerweile auch zu den Jeunes Restaurateurs gehört und das Angebot ( aus finanzieller Sicht) interessant klang.

                  Wir wurden freundlich begrüßt im Restaurant und haben zufällig auch den Tisch bekommen, den ich bereits bei meinem letzten Besuch ausspähen konnte. Sehr schön!

                  Zunächst gab es einen Winzersekt von der Kellerei Raumland, der absolut überzeugend war und zu jener Sorte an Schaumweinen gehört, die ich den meisten Champagner vorziehe. Dazu gab es zunächst exzellentes selbst gebackenes Brot (meine Lieblingssorte: scharf mit Oregano?) mit diversen Dips.

                  Anschließend die Amuse Bouches: Wir wurden darauf hingewiesen, dass das Crescendo von süß über salzig zu sauer verlaufen soll.
                  Es gab:
                  geräuchertes Bananenpüree mit Petersilie: geniale Kombination, hätte ich nicht so gut erwartet
                  Tofu mit Paprika und Gurke: der Tofu war selbst gemacht, aber das konnte dieses Amuse auch nicht retten, geschmacklich eher flach, allein die Textur des Tofu war interessant.
                  Wakame Nudeln mit Yuzu Schaum: Wiederum eine tolle Kombination, vor allem die Säure der Yuzu Frucht, die ich zum ersten Mal gegessen habe (Ich weiß, ist eigentlich nix besonderes)

                  Zur Vorspeise:
                  Da wir das Überraschungsmenü gewählt haben, wurden wir freundlich gefragt, ob die Vorspeise „Zweierlei von der Jakobsmuschel mit Stachelbeere“ recht sei. Da meine Begleitung keinen rohen Fisch / Muscheln mag, wurde ihr problemlos eine vegetarische Alternative angeboten. Sehr zuvorkommend.
                  Für den Kopf
                  Gebratene Jakobsmuschel und Carpaccio mit Stachelbeere durfte ich dann genießen – und war schlichtweg begeistert! Eine geniale Kombination, die die kulinarische Intelligenz von Herrn Schmaus unterstrich, dabei ergänzten sich Muschel und Stachelbeere aufs vorzüglichste. Die Deko, eine Art Mayonnaise , war überflüssig. Ingesamt 1*
                  Dazu gab's im Rahmen der Weinbegleitung eine Cuvée weiß von Konrad Schlör aus der Magnum. Ein Wein, der beim ersten Probieren recht unauffällig rüberkam und erst mit steigender Temperatur sein Aroma öffnete. Gut, aber nicht außergewöhnlich.

                  Für die Dame gab es als Erstatz:
                  Salat Caprese mit Büffelmozzarella, Baumtomaten, Kräuteressenz und Tamarillo-Eis.
                  Ein ebenfalls exzellentes Gericht, das ebenfalls von der Produktqualität lebte. Ebenfalls 1*.
                  In der Summe die zwei besten Gerichte des Abends.

                  Für den Bauch

                  Perlhuhnbrust mit Gemüse und Kartoffeln. Ich war zugegebenermaßen skeptisch ob des Hauptgangs, da es sehr nach Bistro Küche klang. Serviert wurde jedoch das mit Abstand beste Stück Geflügel, dass ich je gegessen habe. Die Produktqualität übertraf die meines bisherigen Referenzstücks, label rouge, um Längen. Zart, saftig, fleischig, umami. Definitiv 1* Qualität.
                  Zu den Beilagen: Es gab Kartoffelgratin und glasiertes Gemüse, das zwar gut war, aber nicht außergewöhnlich.
                  Dazu gab es eine Flasche Wein, einen Spätburgunder von Paul Fürst aus Franken, ein Wein, zu dem man nicht viel sagen muss, da er sicherlich bekannt ist im Forum. Anbei bemerkt sei die charmante Weinberatung durch die Service Mitarbeiterin, die sich viel Zeit nahm und aus meinen Interessen den ihrer Meinung nach passendsten aussuchte. Ich war sehr zufrieden.

                  Für die Seele

                  Als Nachspeise gab's warmen Schokokuchen mit Mandeleis und Ananas. Das war ein gutes Dessert, aber ich muss zugegeben, dass ich nicht besonders auf Nachspeise stehe. Meiner Begleitung war jedenfalls zu 100 % überzeugt und deklarierte das Gericht als Highlight des Abends.


                  Das Urteil:
                  Herr Schmaus kocht eine absolute Produktküche mit Fokus auf wenige Zutaten, um einen spannenden Akkord zu erzeugen und nicht der Beliebigkeit aufzulaufen. Unweigerlich drängt sich da einem unsere Diskussion im Forum auf, ob das reicht, um zu überzeugen. Für mich war es die eine tolle Mischung aus unverkrampften aber perfekten Service, einer sensationellen Küche und tollem(n) Wein(en). Potenzial für den 2.* sehe ich momentan nicht, ist aber laut Koch im Moment auch nicht gewünscht. Ziel ist es, dauerhaft den * zu verteidigen. Das wird gelingen.

                  P.S. Bilder hab ich zwar gemacht, die sind aber wegen fehlenden Blitzes unscharf. Auf Wunsch stelle ich sie aber hoch.

                  Bar

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                  • #10
                    Lieber Bar, besten Dank für den interessanten Bericht!

                    Zitat von bar de ligne Beitrag anzeigen
                    geräuchertes Bananenpüree mit Petersilie: geniale Kombination, hätte ich nicht so gut erwartet.
                    Wissen Sie, ob das einfach geräucherte Bananen sind, die püriert werden, oder wie kann ich mir das vorstellen? Ihr Bericht macht jedenfalls Appetit und weckt bei mir Lust auf einen Abstecher nach Regensburg. Ist ja nicht so furchtbar weit.

                    Grüße, Mohnkalb

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                    • #11
                      Vielen Dank für Ihre Resonanz!
                      Ich habe leider nicht nachgefragt, aber mein kulinarisches Gedächtnis sagt mir, dass das Raucharoma nur leicht war und eher im Hintergrund mit der Süße der Banane spielte. Ich kann mir gut vorstellen, dass man die Banane nur sehr kurz geräuchert und dann püriert hat, oder dass man Rauchöl verwendet hat. Ich bin mir leider überhaupt nicht sicher. Jedenfalls ein total einfaches Amuse, das sich als richtiger Knaller am Gaumen herausstellte.

                      Ich denke, Sie werden viel Spaß im Restaurant haben.

                      Beste Grüße

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                      • #12
                        Werter bar, auch von meiner Seite lieben Dank für Ihren interessanten Bericht!

                        Mkg, Schmackofatz

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                        • #13
                          Werter bar,

                          haben Sie herzlichen Dank für Ihren Bericht! Eine Nachfrage: Ich war bei einem länger zurückliegenden Besuch ob der extremen Süße des Amuse irritiert. Ich habe mich (und auch den Service) damals gefragt, ob das Absicht sei, kam aber nicht zu einer befriedigenden Antwort. Wie haben Sie das wahrgenommen?

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                          • #14
                            Werter Malbouffe,

                            dass es süß war, kann ich nicht bestreiten, jedoch noch in einem akzeptablen Maße, es wurde meiner Meinung nach jedenfalls zur natürlichen Süße der Banane kein weiterer Zucker gegeben, soadass sich im Mund zusammen mit der frittierten Petersilie und der leichten Rauchnote ein stimmiges Gebilde ergab, das weitab vom "Kindergeburtstag" war.
                            Jedoch hatte es das nachfolgende Amuse schwer, dem süßen Paroli zu bieten, erst wieder das saure Amuse konnte dagegen halten. Vielleicht hat ja diesbezüglich Ihre Kritik Früchte getragen.



                            Beste Grüße,
                            bar

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                            • #15
                              Ein sehr schönes Restaurant, in seiner Schlichtheit etwas an die Burg Wernberg erinnernt.
                              Das Mittagsmenü günstig, beginnend mit einem Salat von gebeizten Kalbsfilet mit grünem Apfel und einer ganz leichten Mayonaise. Sehr lecker, der Apfel sorgte mit seinen leicht säuerlichen Aromen für Frische und knackigen Biss.
                              Der Hauptgang aus der großen Karte (getauscht):
                              Kalbsbäckchen klassisch in Rotwein geschmort, dann aber auf einem mediteranen Fond aus Artischocken, Karotten und Olivenöl gelagert. Dazu wunderbar buttriges, leicht süßes und auch ein bisschen herbes Karottenpuree.
                              Sehr gelungen die Spannung aus dem kräftigen, zarten Fleisch und dem leichten Fond. Die Sauce und der Fond vermischten sich langsam und ließen jeden Bissen etwas anders schmecken. Große Klasse.
                              Das Dessert war eine geeiste Cassata-Creme mit Zwetschgen. Einfach gut.

                              Das Mittagsmenü, aufgetragen vom netten, rein weiblichen Service, überzeugt durch ein ausgezeichnetes PLV, aber zeigt auch das Können des jungen Kochs. Wir waren sehr angetan und werden sicher auch abends zum großen Menue wieder kommen. Sehr empfehlenswert.


                              Gruß!

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