Leider bin ich nicht früher dazu gekommen, aber ich wollte unsere (mehreren) Besuche im Haubentaucher in Rottach-Egern, direkt am Tegernsee im Sommer und Herbst 2020 nicht unerwähnt lassen.

Der Koch des Hauses, Alois Neuschmid, war ja vor dem Haubentaucher schon mal mit einem Stern ausgezeichnet worden. Nach eigener Aussage war ihm das mit dem Stern „einfach passiert“. Dazu hatte ich in 2018 hier im Forum schon einmal folgendes geschrieben: „Wenn er regelmäßig so kocht wie bei unserem Besuch wird ihm das mit dem Stern im Haubentaucher abermals passieren“. Mit dem Erscheinen des Guide Michelin 2021 war es dann soweit und das Restaurant wurde jetzt mit einem Stern ausgezeichnet, wie ich finde sehr zurecht!

Mittags werden hier wechselnde Tagesgerichte angeboten, abends gibt es das 4-Gänge-Überraschungsmenü zu €70 pro Person (bei denen übrigens ein Aperitif eingerechnet ist). Man merkt jedem Gang eine Finesse, gute Produktqualität und eine kreative, frische Küche an. Ich gehe hier im Folgenden auf das Abendmenü ein. In 2018 hatte mir aber auch die Mittagskarte sehr gut gefallen.

Bei einem Besuch im Juni 2020 gab es bei uns z.B. vorneweg die Tegernseer Lachsforelle mit Gurke, Sesam, Radieschen und Koriander – serviert auf zwei Tellern als Tatar und separat angeflämmt. So wird die Forelle vielschichtig und wohlschmeckend in Szene gesetzt.







Deutscher Stangenspargel mit Schinken, Erbse, Zuckerschote erinnert eher an ein Cordon Bleu durch den teilweise in einer knusprigen Hülle eingefassten Spargel. Das ist für mich moderne Wirtshausküche mit Anspruch und schmeckt sehr gut.



Von dem Spargel gibt es zwischendrin auch einfach noch einen kleinen Suppenshot dazu.



Der Hauptgang Kalbstafelspitz kommt gekocht und gebraten mit Kren, Spinat und Gremolata. Auch hier wieder durch das Spiel mit 2 Saucen sind auf demselben Teller zwei verschiedene Geschmäcker möglich – toll!





Und das Dessert bringt dann der Koch Alois „Lois“ Neuschmid persönlich zu uns an den Tisch – ein Rhabarber-Beeren Crumble mit Vanille Creme Fraîche und Sauerrahmeis. Auf dem Teller mit dem Rhabarber und der Creme Fraîche sowie dem Eis, dazu Erdbeeren. Aus einer noch warmen Schüssel (die am Tisch bleibt und die wir vollständig verputzen) löffelt Herr Neuschmid den Beeren Crumble dazu und wir nehmen uns später nach.







Die Atmosphäre im „Häuschen am See“ ist toll, man schaut sehr schön auf den Tegernsee und vor dem Häuschen tauchen die namensgebenen Haubentaucher-Enten auf und ab. Der Service ist jung und direkt aber sehr charmant und professionell.



Ein zweiter Besuch Wochen später steht der Küche in nichts nach. Vorneweg werden Sepia und Garnelen auf zwei Tellern serviert.







Im folgenden Gang wurde über angebratene Pilze in einem Parmesanschaum noch ein frischer Champignon gehobelt. Es wirkt wie eine Abwandlung eines sonst getrüffelten Gerichtes aber fällt keineswegs ab!





Auch der Tafelspitz taucht wieder auf – abermals sehr gut (und in 2 Varianten auf 2 Tellern) in Szene gesetzt





Beim Nachtisch gibt es wieder den Crumble mit Eis, diesmal leicht abgewandelt aber wieder tadellos. Alternativ ist übrigens auch ein Käseteller möglich.



Ich war persönlich noch nicht im Restaurant Überfahrt bei Christian Jürgens aber davon abgesehen ist für mich der Haubentaucher das beste Restaurant am Tegernsee. Die Küche würde ich als moderne Wirtshausküche beschreiben.

Für mich ist es dabei nicht nur die Küche auf Sterneniveau – die ich bei jedem einzelnen hier beschriebenen Teller gesehen habe – sondern dazu auch das tolle Gesamtpaket zu dem auch Atmosphäre, Service, Weine gehören. Nicht unerwähnt lassen möchte ich ein, wie ich fand, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Abends ist Reservieren hier Pflicht, mittags geht es glaube ich manchmal auch spontan (es wird auch Kaffee und Kuchen geboten) aber für Hungrige würde ich eine Reservierung empfehlen.